Kunden em pfehlungen
Rezensionen von marcialoup:
Über das Leben
Ein guter Charakter von Julie Orringer
Barr Pennington ist ein sympathischer Charakter, ob auch gut, wie es im Titel steht muss man selbst bewerten.
Die erste Szene mit Hund Luna ist einschneidend. Er holt Luna aus dem Tierheim zum Gassigehen, ein schlimm verletzter Hund, der bei einem Brand viele Narben abbekommen hat. Während der Gassirunde meint Barr Luna zu verstehen, hört Worte, die durch eindringliche Blicke des Hundes verstärkt werden und es ihm im ersten Moment unheimlich erscheint.
Warum hast er Luna ausgesucht? Zeigen ihre äußerlichen Verletzungen sein innerliches Spiegelbild.
Penningtons Frau Dava ist wegen früher Demenz im Heim, ihr gemeinsaes Leben ist dadurch aus den Fugen geraten. Aber das war sicherlich auch schon viel früher geschehen, was das heimliche Manuskript seiner Frau, das Barr findet und als sein eigenes veröffentlicht, zu Tage fördert.
Barr bleibt sympathisch. Und auch die anderen Charaktere sind zugänglich und sympathisch. Aber den Titel des guten Charakter erhält eventuell nur Hund Luna...
Die Geschichte entwickelt sich aus unterschiedlichen Blickrichtungen, die in einzelnen Kapiteln die Sichtweise und das Erleben mal aus Barr's Perspektive, mal aus Dava's Perspektive und auch von Seiten der Söhne James und Milo und weiteren Beteiligte schildern.
So ergibt sich ein Bild, das das Gefüge verschiedener Lebensgeschichten, einer Ehe, einer Affäre und einiges mehr aufzeigt und versinnbildlicht, wie Eins zum Anderen vielleicht auch so kommen musste, weil alles miteinander verknüpft ist.
Ein großer Schlag war, dass die Hündin Luna eingeschläfert werden sollte und Barr sich erst in letzter Sekunde entscheiden konnte sie zu adoptieren. Doch als er im Tierheim ankam war sie schon weg, von anderen Menschen adoptiert...
Der Schreibstil ist nie langweilig und sehr gut ausgearbeitet, um eine solch detaillierte Studie jeder Figur lebendig darzustellen und die Lebensgeschichten miteinander zu verknüpfen.
Mir gefällt das Cover außerordentlich gut. Die zwei Farben heben sich gegenseitig so gut ab, es wirkt, hell, frisch, klar und die Blicke der Tiere dadurch lebendig. Außerdem stellt man sich Luna genau so vor.
Tragische Traumata
Blut für Blut von Anna Schneider
Sophie ist Fotografin und will damit Fuß fassen nachdem sie ihren gewalttätigen Freund über Nacht verlassen hat. Wie durch Zauberhand bekommt sie einen lukrativen hochbezahlten Job, einer adeligen Familie regelmäßig zu fotografieren. Natürlich nimmt sie den Auftrag an, um Geld für eine Unterkunft und eine Arbeitsstätte zu haben und unabhängig und endlich frei zu sein.
Frei von ihrem Lebensgefährten, frei von ihrer Vergangenheit, die sie immer wieder einholt und dunkle Erinnerungen an ihren Vater, ihren verschollenen Bruder und auch an ihre depressive Mutter hervorholt.
Doch Gründe für Panikattacken gibt es weiterhin, denn die Ereignisse früher wie heute lassen Sophie nicht los.
Auch läuft es mit dem Auftrag nicht so wie Sophie es sich vorstellt, denn es ist doch irgendwie eine skurrile Familie...
Immer wieder gibt es Momente zum Atem anhalten, Spannung fühlen und Ängste mitfühlen, Wald als dunklen, unangenehmen Ort zu empfinden und hinter jeder Ecke jemanden lauern zu vermuten...
Die Kapitel wechseln zwischen Jetzt und Vor zwanzig Jahren, sowie eingefügt Kapitel einer anderen Figur, die irgendwie mit Sophies Leben zusammenhängt...
Die Autorin hat einen tollen Thriller geschaffen, den eine sympathische Protagonistin besetzt.
Mit Kontinuität und kleinen Wendungen bleibt der Thrill durchgängig erhalten und man rätselt gern mit. Das Ende entwickelt sich etwas abrupt.
Das Cover ist düster, passt zum Inhalt und ist zusammen mit dem Farbschnitt ein echter Hingucker!
sehr speziell
Landleute von Daniel Mason
Mich hinterläßt der Roman eher zwiespältig. Er trifft nicht ganz meinen Geschmack und ich habe mich stellenweise ziemlich durchgequält. Dabei hat der Roman durchaus seine guten Seiten. Auf jeden Fall schafft es der Autor, Humorvolles und Skurriles zu verbinden, ebenso Normalität und Absurditäten.
Er schafft es aber nicht, mir die Charaktere richtig nah zu bringen. Es hat alles einen gleichmäßigen Erzählton, der zwar unterhaltsam ist, aber mir zu oberflächlich bleibt.
Zunächst waren die ersten Seiten über die Ansprache der Personen gewöhnungsbedürftig, was aber zur Entwicklung der Geschichte gehört. Miles und Kate und ihre beiden Kinder werden mit „die Frau“, „der Mann“, „der Sohn“ und „die Tochter“ angesprochen. Einzig Giuseppe der Hund wird schon früh beim Namen genannt. Aber auch die Familie wird im Verlauf mit ihrem Namen angesprochen nachdem Olive, die Tochter, ein Bild von der Familie gemalt hat, als sie in ihrem neuen Zuhause ankamen, denn die Familie ist von Kalifornien aufs Land gezogen, hat den weiten Weg mit dem Auto zurückgelegt und kommt im Landleben an.
Miles, der Erzähler, will hoffentlich endlich seine seit Jahrzehnten schwelende Doktorarbeit abschließen, doch den Umzug ausgelöst hat seine Frau, die als Gastprofessorin für ein Jahr eine Stelle angeboten bekommen hat. Miles dagegen läßt sich mehr und mehr auf das Landleben ein und trifft auf eigenartige Leute, ungewöhnliche Begegnungen und interessante Lebensgeschichten.
Als dann später noch die Theorie der Hohlwelt hinzukam, war ich interessenmäßig nicht mehr so dabei.
Ich konnte dem Roman nicht so viel abgewinnen.
eine bittersüße, gefühlsintensive Liebesgeschichte ... mit besonderem Schreibstil
Dem Meer entgegen von Lidija Hilje
Dieses Buch rührt zu Tränen, es bohrt sich ins Herz, schüttelt die Seele durch, reißt an den Nerven und erschüttert immer wieder!
Dazu ist die Geschichte dicht und gefühlvoll mit wohlgeformtem Klang erzählt.
Dieses Buch kann man nicht loslassen!
Zu Beginn eher harmlos, braucht man einige Kapitel, um sich einzufinden.
Man begleitet Ivona durch ihr Leben, das anders als gewünscht verläuft. Sie ist Biologin und hätte gern in diesem Beruf gearbeitet, bekommt im Kroatien der 1990er aber wenig Chancen. Sie trifft früh ihre große Liebe Vlaho, kommt in dessen Familie zunächst beinahe mehr an als in ihrer eigenen, wird dann aber durch Schicksalsfügungen getrennt.
Ivona’s verflossene Liebe tut auch den Lesern weh, die Zurück-Erinnerung an das Kennenlernen knistert durch die Seiten...
Als Ivona die Trennung, die brutal erscheint, rückblickend betrachtet, erkennt sie darin auch andere Lebenslinien, die dahin geführt haben wo sie Jahre später steht. Ivona muss sich mit vielem auseinandersetzen, das an die Substanz geht.
Ihre Mutter verliert sie viel zu früh, unsinnig und tragisch. Später pflegt sie ihren Vater, weil niemand anders sich verantwortlich fühlt.
Ihr Herz ist in Vlaho verloren. Der Schmerz wütet in ihr. Auch Jahre später. Immer!
Denn Vlaho bleibt sehr nah.
Auch mit einem neuen Partner findet sie keine innerliche Ruhe.
Diese eine Liebe... sie ist so echt und wahr, sie zerreisst Ivonas Körper, verbrennt ihre Seele und bekleidet ihr Leben.
Weitere Entscheidungen werden ihr abverlangt und sie bemerkt die Fremdbestimmung, die sich durch ihr Leben zieht.
Ist sie selbstlos oder egoistisch?
Der Roman wird schwebend in zwei Zeitebenen erzählt, bis man im aktuellen Jetzt ankommt.
Dem Schreibstil der Autorin schenkt man gern besondere Beachtung, denn sie hat eine wortverspielte Ausdrucksweise, die leise und subtil durch die Zeilen huscht. Dabei gehen die Gefühle beider Protagonisten, Vlaho und Ivona, in eine so tiefe Ebene, dass man sie selbst erlebt.
Bitterzart, schmerzverzehrend, herzbebend ... läuft diese Liebe in einer unsichtbaren Bahn, in der jeder für sich gefangen ist.
Atmosphärische Beschreibungen einer wunderschönen Kulisse Kroatiens gepaart mit zutiefst Ehrlichem machen die Geschichte sehr lebendig.
Eine unbeschreibliche Liebesgeschichte, die lange nachhallt.
Es ist schwer, dieses Buch loszulassen!
Beeindruckendes Kinderbuch zum Wald kennenlernen
Lotta liebt den Wald von Sandra Grimm
Auf den ersten Blick beeindruckt sofort die Art und Weise, wie das Buch gestaltet ist: echte Fotos von echtem Wald und darin eingezeichnet die Figuren Lotta und ihre Familie sowie die Tiere des Waldes. Die echten Fotos bringen einen sehr lebendigen Effekt in die Darstellungen! Insgesamt sind alle Zeichnungen darin liebevoll und passend.
Lotta ist zu jeder Jahreszeit und bei jedem Wetter im Wald, mal mit Mutter oder Vater, mal mit Henri oder Onkel Paul und auch Oma kommt mal mit. Dabei entdeckt Lotta viel Unterschiedliches, allein durch die wechselnden Jahreszeiten, es sind andere Früchte reif, verschiedene Blumen am Blühen und Blätter am Wachsen. Begegnungen mit Tieren machen die Waldausflüge spannend.
Jeder Waldspaziergang erzählt eine kleine Geschichte. Dazu findet man Info-Rahmen mit Erklärungen wie z.B. der Unterschied zwischen den Früchten der Nadelbäume oder warum ein Baumstamm Ringe hat.
Und über das "Wusstest Du?"-Kästchen erfährt man noch mehr über Natur und Tiere.
Dieses Buch macht Lust auf Ausflüge in den Wald, um dort gnauso wie Lotta viel zu entdecken und dabei zu lernen, die Natur zu respektieren und zu schützen!
Ein wirklich wertvollen Buch!
Hoffnungsschimmer in gnadenloser Zeit
Nach dem Ende von Elisabeth Schmidauer
Mila lebt in einer Welt nach der absoluten Katastrophe. Das Klima ist chaotisch und die Infrastruktur ist zusammengebrochen.
Ohne Strom, ohne Geschäfte, ohne neue Kleidung lebt Mila mit ihren Eltern und Geschwistern in dem Haus ihrer Großeltern auf dem Dorf, da ein Leben in der Stadt nicht mehr möglich ist.
Sie alle müssen sich von dem Schock noch erholen und in diesem neuen Leben klarkommen, in dem sie nun als Selbstversorger agieren müssen. Nahrung anbauen, Kleidung nähen, Wasser besorgen, ohne Strom leben, kein Benzin, kein Auto, Handys sowieso nicht. Alle müssen sehr erfindungsreich sein, um überhaupt zu überleben!
Diese Szenarien sind realitätsnah dargestellt und auch die Rückblicke der Familie an die Zeit davor bringen unser aller Leben, so wie wir es jetzt haben, in diese Realität, die jederzeit genauso passieren könnte, wenn alles kippt.
Das Buch führt uns vor Augen, an welch seidenem Faden wir hängen mit unserer Art zu leben.
Es beschreibt eine sehr nahe Dystopie.
Gerade Tochter Mila ist sehr involviert, da sie schon vor der Katastrophe intensiv versucht hat, den Klimawandel aufzuhalten. Vegan und plastikfrei leben, fridays-for-future und andere Aktivisten-Demos, bei Einkäufen hinterfragen ob man das wirklich braucht, usw. ...
Sie hat Schul- und -freunde aktiviert mitzumachen. Auch wenn jeder Einzelne zählt, ist es schwer noch etwas zu retten, was schon jahrzehntelang zerstört wurde.
Schade, dass der Mensch erst dann versteht, wie wichtig ein Leben im Einklang mit Natur und Umwelt ist, wenn er selbst in seiner Komfortzone betroffen ist.
Sicherlich sind schon viele sehr umweltbewusst, zähle mich seit Jahrzehnten dazu. Aber der Großteil eben nicht.
Man erfährt viel über Milas Gedanken und ihr Leben jetzt und vorher.
Viele möchten sich auf Politik und Staaten verlassen. Das ist wohl eher Ausrede als Umsetzung, denn wenn jeder von sich aus wirklich etwas tun würde, wären Politik und Staaten gezwungen mitzugehen.
Die Hoffnung stirbt zuletzt, aber Überleben ist einfacher wenn man zuvor schon geübt ist...
Die Geschichte verknüpft das Leben vor der Katastrophe, also vor dem Ende, mit dem Zustand, in dem sie jetzt leben müssen: nach dem Ende. Es liest sich zunächst flüssig und schlüssig.
Stellenweise immer wieder etwas langatmig...
Auch muss man manch grobe und blutige Beschreibungen aushalten können, sei es beim Tier schlachten oder Menschen, die erkrankt sind.
Das Buch schildert es gnadenlos, weil es dann auch gnadenlos ist!
Dem ein oder anderen mag es zu aktivistisch, zu sehr Zeigefinger-Verbot, zu einseitig aus Sicht der Klimakatastrophe geschildert zu sein, aber... es ist doch so! Tatsachen ins Gesicht sehen sind unbequem!
Da viel aus Milas Sicht geschildert wird, könnte es Jugendliche in ihrem Alter gut ansprechen, doch geht es nicht an der älteren Generation vorbei, denn es sind schlussendlich alle betroffen.
Was ein bisschen fehlt ist die Entwicklung, denn das heutige Leben ist viel zu rasant und ressourcenverschwendend, in dem auch die Jugend lebt, was u.a. digitale Toxikation, ex und hopp und Paketversand-Wahnsinn betrifft. Vor vierzig Jahren z.B. war weniger noch Mehr. Dinge wurden repariert, die heute durch Sollbruchstellen schon vorzeitig kaputt gehen und weggeworfen werden. Der Irrsinn ist in die falsche Richtung gelaufen.
Leider ist das Buch im Verlauf auch irgendwie seltsam abgedriftet in Geschichten der Figuren hinein, die ich nicht mehr lesen mochte.
Das letzte Drittel war für mich kein Lesegenuss.
Leerstelle... Nicht-Geschichte...Menschsein?
Frieda von Geraldine Oetken
Geraldine Oetken geht auf die Suche nach ihrer Urgroßtante Frieda. Durch Zufall hat sie von ihr erfahren, denn über Frieda wurde nie in der Familie erzählt, Frieda gab es einfach nicht. Umso intensiver kümmert sich Geraldine nun um die Wahrheit, die zu Kriegszeiten einfach und gewollt verschütt ging, um die restliche Familie zu schützen, um nicht nachdenken zu müssen, was wirklich im zweiten Weltkrieg mit Frieda passiert ist, um sich der Grausamkeit keiner Schuld bewusst zu machen.
Deshalb gab es Nicht-Geschichten um Frieda, still, verschwiegen, bruchstückhaft herausgeredet.
In der Familie selbst kommt Geraldine also nicht weiter, doch sie möchte Frieda gern kennenlernen und begibt sich auf eine spannende, schockierende und zeitintensive Reise, deckt Wahrheiten auf, die sie in kleinen Puzzleteilen zusammenstecken muss. In akribischer Detailarbeit durchschaut Geraldine Akten der Vergangenheit von unzähligen Betroffenen, die mit Frieda in Blankenburg im Gertrudenheim waren.
Dabei erscheint Frieda immer mehr, wird lebendiger und zu einer eigenen Person, was ihr zur Nazizeit nicht gewährt wurde... Frieda zu sein, eine Persönlichkeit zu sein, eine Stimme zu haben...
Die Autorin schafft eine Frieda, wie sie hätte sein können, selbst die Umgebung wird bildreich recherchiert und sie geht ins Zwiegespräch mit Frieda.
Frieda war in Blankenburg und dann tot.
Dezentrale Euthanasie.
Wegen Krankheiten die es nicht geben durfte.
Unmenschlichkeit in höchster Form.
Geraldine Oetken beschreibt ihre Findung sehr liebevoll, zart annähernd und zwischendurch in Du-Form, als spräche sie Frieda direkt an, und erweckt sie damit zum Leben. Dabei entsteht ein sehr persönlicher Bezug, eine innige Verbundenheit was die tragische Schwere von Frieda's Schicksal in eine dramatische, gefühlsintensive Tonlage bringt.
Mir ist dieses Buch aus eigener Betroffenenheit wichtig, bei mir ist es die Großtante...
Wie viele haben in der Familie eine verborgene Person, die wie ein Geist über denen schwebt, die von ihr wissen, sie aber verschweigen... als Leerstelle... als Nicht-Geschichte... Aus Scham, aus Vergessen-Wollen, aus Gründen des Wegsehens.
Allein deshalb ist Geraldine's Aufarbeitung so wichtig, um Leben in die zu Tode gequälten armen Seelen zu hauchen, die schuldlos sterben mussten und die Schwächsten der Schwachen waren.
Geraldine recherchiert überall und intensiv, bleibt hartnäckig und dringt tief in Verschollenes ein.
Stellenweise wird einiges öfter wiederholt, warum erzählt Geraldine mit anderen Worten immer wieder Gleiches?
Aber im Verlauf merkt man, dass dies eine gewisse Vertiefung erzielt.
Das Buch macht mehr als nachdenklich, denn gibt es nicht Ausläufer von Parallelen auch in heutiger Zeit?!
Blankenburg war auch danach eine Auffangstätte, als Psychiatrie, als Flüchtlingsheim usw.
Einzig die Gender*Sternchen haben mich anfangs beim Lesen gestört. Diese heben jedoch die Wichtigkeit jeder einzelnen Person hervor und genau das, was eben bei Frieda und vielen Leidensgenoss*innen "Damals" niemals akzeptiert wurde. Die Gender* haben hier eine ganz starke und bewusst andere Bedeutung!
Das Cover ist perfekt! Die Brauntöne sind passend gewählt, das angedeutete Fenster mit leicht schimmerndem Lichteinfall, die Gardine, die auch verstecken kann... alles in subtiler Optik, die Einsamkeit und Vergessen darstellt und darüber Frieda in großen Lettern Raum gibt.
Ich wünsche diesem Buch viele Leser*innen, damit niemals und Nichts vergessen wird!
Die Welt da draußen
Ms Atkins und die Bibliothek der Träume von Vanessa Göcking
Ms. Atkins und die Bibliothek der Träume erscheint schon äußerlich beeindruckend auch durch ein etwas anderes Format. Harmonisch abgestimmt mit farblich passendem Seitensaum und einer besonderen Bibliothek als Cover überrascht der Bucheinband unter dem Schutzumschlag noch mit dem mysteriösen Fahrstuhl und seinen 333 Knöpfen.
Die Idee ist einfach bezaubernd!
In ruhiger, einladender Sprache erzeugt die Autorin Vanessa Göcking von Anfang an wunderbar ausgereifte Szenen, so dass man das Gefühl hat, man ist mit der Protagonistin Amanda Atkins in der Bibliothek, in dem besonderen Lesezimmer. Die Einrichtung ist so authentisch beschrieben, dass man die Biblbiotheksregale neben sich spürt, den Geruch der Bücher, den Bodenbelag unter den Füßen und selbst in den bequemen Sesseln versinkt.
Dieser Roman weiß zu verzaubern und streift mit den Lesern durch die magische Welt der Bücher.
Zu Beginn fiel mir auf, dass für Amanda Bücher eine Flucht aus der Welt "da draußen" sind, was mehrmals erwähnt wurde. Und ja, das sind sie. Die Welt "da draußen" ist machmal nicht einfach und Bücher machen vieles wieder gut! Auf geschickte Weise wird diese Verknüpfung der Außenwelt, die Schicksale und schmerzhafte Erfahrungen aufweist, mit den noch unbeschriebenen Seiten der Bücher in den Regalen des magischen Lesezimmers verflochten. So setzt sich Amanda automatisch mit der eigenen Vergangenheit auseinander, die sie in ihrem sonst so durchstrukturierten, nahezu festgefahrenen Lebensabläufen vergessen wollte.
Die Geschichte geht zu Herzen und ist einfach wunderbar erzählt.
Eine Reise zum Gold des Meeres
Die Bernsteinfischerin von Lisa Quentin
Mit einem atmosphärisch und farblich wunderschönem und idyllischem Cover werden wir durch den Roman um die Geschichte der Bernsteinfischerin begleitet, deren beiden Protagonistinnen sehr sympathisch sind.
Ebba, ein wahrer Wildfang in den 1940ern, findet als Kind einen besonderen Bernstein mit einem spektakulären Tier als Einschluss, als sie mit ihrem Vater unterwegs am Meer ist.
Obwohl sie weiß, dass ihr Vater alle Funde abgeben muss, behält Ebba heimlich diesen Bernstein!
In heutiger Zeit lernen wir Julika kennen. Sie ist Bernsteinforscherin, ein Beruf der sie aus ihrem Alltag entreißt, denn dieser ist behaftet mit vielen Aufgaben und Pflichten, die sie eigentlich gar nicht möchte, sowie negativen Erlebnissen, denen Julika nur schwer entkommen kann: ihre Schwester ist bei einem Unfall ums Leben gekommen und seitdem ist ihre Mutter depressiv und pflegebedürftig. Diese Pflege teilen sich Julika und ihr Vater und die Stimmung Zuhause ist immer am Kipppunkt. Einzig ihre Arbeit im Labor mit den Bernsteinen und deren Inklusen geben Julika Halt und Sinn.
Bis sie den Bernstein von Ebba auf dem Labortisch liegen hat und eine außergewöhnliche, absolute Sensation vermutet. Sie muss unbedingt Ebba finden, was sich nicht als einfach herausstellt, denn wenn Ebba noch lebt ist sie um die 90 Jahre alt.
Die Kapitel sind unterteilt in Ebba ab 1940er Jahre und Folgejahre und in Julika in der heutigen Zeit.
Die Charaktere sind sympathisch und lebendig gezeichnet. Beide Frauen sind Kämpferinnen in ihrer Zeit, auch wenn sie innerlich mit zerbrechlichen Störungen belastet sind, geben sie doch nicht auf und gehen ihre Wege.
Es zeigt, dass auch heute die Selbstbestimmung der Frauen nicht ohne weiteres sondern vielleicht einfach nur anders schwierig ist.
Die Sprache der Autorin ist mitreißend, farbenfroh und lebendig, stellenweise spannend, aber auch sehr feinfühlig. Die Szenarien sind naturgetreu und detailliert beschrieben, sodass man tief eintauchen kann!
Man hat eine schöne Lesezeit und verbringt diese gedanklich an der Küstenregion um Lübeck, dem Brodtener Steilufer und anderen nahe gelegenen Orten, wo Ebba's Geschichte spielt, denn diese Orte und das Meer sind perfekt wiedergegeben in diesem Roman.
Von der Autorin werde ich gern auch weitere Bücher lesen!
Abendroutine zur Schlafenszeit
Bring alle Katzen ins Bett! von Naomi Tipping
Ein niedlich illustriertes Büchlein, das interaktiv Tasten und Greifen lernt und dabei in einer Abendroutine die eigene Schlafenszeit einleitet.
Fünf Kätzchen stecken in einem Pappeinschub. Sie sind unterschiedlich und farbenfroh gestylt, sodaß es ein buntes Bilderbuch ergibt.
Die Kätzchen schauen noch verspielt auf der einen Seite, doch dreht man sie um, haben sie einen Schlafanzug an und die Augen schon geschlossen.
Man steckt sie zurück in den Pappeinschub, sodaß sie schlafen können.
Dazu gibt es eine sehr kurze kleine Geschichte zu der jeweiligen Katze, die gerade gegessen oder gespielt hat. Doch nun ist der Tag vorbei und wir sagen Gute Nacht zu den fünf Kätzchen und bringen sie ins Bett.
(eine schöne Abendroutine, die vielleicht das eigene Zubett-Gehen leichter macht)!
Und theoretisch müsste man morgens nach dem Aufwachen auch die Katzen wieder umdrehen, damit sie mit den Kindern in den Tag starten.
Das Buch selbst ist kompakt gestaltet. Die Katzen sind sehr stabil, der Pappeinschub, der gleichzeitig die Decke der Kätzchen ist, ist zunächst auch stabil, aber ich bin nicht sicher, ob er allzu lange hält, da die Katzen ja regelmäßig rein und rausgeholt werden.
Ich bin noch nicht sicher, ob man nicht zu schnell das Interesse an diesem spielerischen Buch verliert...
Für 2-jährige sicher ok, ab 3 Jahren wird es wohl schon eher langweilig.











