Kunden em pfehlungen
Rezensionen von marcialoup:
Prävention... Oder einfach gesünder leben
Die Longevity-Strategie für Frauen von Viyan Dr. med. Sido
Dr. Viyan Sido heißt uns in ihrem Vorwort herzlich willkommen in der Welt des Longevity, also wie man länger gesund lebt.
Mit einfachen Schritten und einer großen Portion Motivation begleitet die Ärztin uns gut durch aufeinander aufbauende Kapitel.
Und dies auch in speziellem Bezug auf Frauen, denn Männer- & Frauenkörper arbeiten und reagieren unterschiedlich, was in der Medizin gern über einen Kamm geschoren wird.
Zunächst wird der Blick auf die politischen Voraussetzungen eines Landes geleitet und der Schalter scheint in Deutschland nicht auf Prävention zu stehen.
Hier wird eher Krankheit behandelt als vermieden obwohl Krankheit ein hoher Kostenfaktor ist, an der eine gewisse Lobby aber auch gut verdient...
Egal. Frau kann das auch selbst umsetzen, braucht halt nur Motivation und Durchhaltevermögen.
Und hier ist der Wegbegleiter!
Spannende Einblicke in die Blue Zones werden gegeben, die schon kleine Aha-Momente verursachen und die Motivation hochschrauben.
Wissenschaftlich erforschte Fakten untermauern den veränderten Blick auf den Alltag, der in einigen Dingen ausreicht, um mehr Gesundheit zu erreichen.
Die Ärztin und Autorin beschreibt aus eigener Erfahrung ihres Berufslebens und wissenschaftlichen Erkenntnissen gut verständliche, sehr interessante Zusammenhänge. Gerade auch die hormonelle Ebene spielt eine große Rolle im Leben der Frau. Und Hormone verändern sich in den Lebensphasen und Zyklen der Frau immer wieder. Dieses Thema ist faszinierend erklärt in Bezug auf Longevity.
Wie arbeitet das Gesamtsystem Leben in uns, wie harmonieren Zeitpunkte, Umwelteinflüsse, Hormone den Stoffwechsel und wie einfach ist es letztendlich, Ernährung, Bewegung, Schlaf und Stress selbst zu beeinflussen.
Hilfreiche Übersichten einzelner Nährstoffe und Nahrungsergänzungsmittel sind sinnvoll erklärt,
Blut- und andere Werte aufschlussreich vermittelt.
Allerdings wird es nicht leicht, vom Arzt einfach mal so HOMA-Werte zu bekommen. Selbst erlebt, wurde ich von einem Diabetologen verabschiedet mit den Worten, dass er ohne eine Diabetes-Diagnose nichts für mich tun kann, als ich um regelmäßige HOMA-Kontrollwerte bat...
Kleine Änderungen im Alltag helfen schon in der Umsetzung und dazu findet man am Ende des Buches einige Strategien, die es lohnt sie auszuprobieren und für sich herauszufinden, welche einem gut tun.
Longevity ist in vieler Munde, doch letztendlich bedeutet dies einfach nur: gesund leben, und wir wissen alle, selbst instinktiv, was das bedeutet.
Man kann in jedem Alter damit anfangen... los geht's!
Vorsicht, schmerzhaft ehrlich! Eine Familienaufarbeitung
Fremde von Belle Burden
Ein erschütternder, ehrlicher Bericht über eine Ehe, Belle's Ehe mit James, die von einer auf die andere Stunde endet. Ohne Vorhersehbarkeit. Im kuscheligen Home-Dress sitzt Belle eben noch gemütlich auf dem Sofa und ist nun eine geschiedene Frau! Aus dem beschützenden Kokon einer Familie hinausgeworfen in eine kalte einsame Welt, in der der Partner, der eben noch nah war, fremder ist, als eine unbekannte Person.
Vor der plötzlich geöffneten Tür klafft ein Abgrund ohne sicheren Boden.
Mitten im Corona-Lockdown und dem familieneigenen Alltag kommt wie aus dem Nichts ein Anruf, der wie ein Tornado Belle's Leben durchfegt und Unfassbares zu Tage befördert, das das Gehirn gar nicht klar aufnehmen kann...
Das stabile Fundament zerfällt in Schockmomente. Eben noch ein Paar, Familie mit drei Kindern, nun allein mit allen Sorgen, allen Pflichten, allem anderen... und... endlosem Schmerz, der über allem steht. Der unfassbar grausame Schmerz, der horizontal, vertikal und mitten durchs Herz schießt, der jede Faser im Körper lähmt, der Tränen losschickt, die gequält und ohne Ende laufen und doch keinen Trost geben, dieser Schmerz beherrscht den Alltag, der mit klaffenden Wunden durch die Stunden pocht.
Eindringlich beschreibt Belle ihre Situation, die den Leser so nah erreicht, als erlebe man es selbst.
Vorsicht, es tut weh!
Und dann kommt die Erinnerung, die mit der Suche nach Schuld und Wahrheit beginnt.
Warum?
Warum musste das geschehen?
Erinnerungen ans eigene Leben... Analysen über sich selbst, über ihre beiden Familien, James!
Was ist mit James?
Warum ist er gegangen und plötzlich so unnahbar, so kalt, absolut fremd. Wo gibt es Parallelen in seinem Leben, seiner Familie?
Zerwürfnisse hat jeder zu bekunden.
Sollten das schon die Puzzleteile gewesen sein, die unweigerlich zu dieser Trennung führten? Schicksal im Buch der Ahnen? Kleine Details, die man zu Beginn der Verliebtheit übersehen hat?
Belle hat ein Netzwerk um sich, das sie zunächst auffängt, ihr eine Ahnung von neuem Halt gibt, ohne den sie total untergehen würde.
Ihre Kinder, auch sie möchten betreut sein und wieder behütet, auch wenn ein Elternteil fehlt, auch ihre Ängste und Gefühle müssen gehört werden. Aber wie, wenn einem für sich selbst die Kraft fehlt?
Belle erzählt mit bewundernder Offenheit die traumatischen Erlebnisse ihres Wegs aus der Krise mit Rückblicken und Blick nach vorn.
Dabei findet sie Zusammenhänge aus familiären Mustern in der Vergangenheit.
Tragen wir also alle ein Stück unserer Herkunftsfamilie in uns, auf das wir keinen Einfluss haben, weil durch Prägung und Vorleben Muster entstanden sind nach denen wir unbewusst handeln?!
Überraschend wie blind Belle sich zu Beginn der Beziehung auf James eingelassen hat mit all ihrem Hab und Gut, das nicht wenig war, um einem beinahe mittellosen James aus ihrem Treuhandfond ein schönes Leben einzurichten und dabei ihren eigenen beruflichen hochdotierten Werdegang zu cutten und auf Familie zu setzen. Belle ist mein Jahrgang... Doch in ihrer Geschichte steckt noch der angestaubte Hauch der Siebziger, in der Frauen sich angepasst haben, während James sein Patriarchat noch leben konnte...
Die Geschichte verwandelt sich von schmerzhaften, dramatischen Anfangsszenen in eine Familienaufarbeitung.
Die Seele lüften
Tage am Fluss von Jochen Mariss
Man nehme ein altes Haus im Nirgendwo, mit viel Natur, und stecke dort interessante Protagonisten hinein, die immer wieder am Haus renovieren, während nebenbei eine Geschichte läuft.
Davon gibt es zahlreiche Bücher, die angenehm entschleunigen und schön zu lesen sind, man muss die Perlen herauspicken.
In dieser Geschichte ist neben dem Haus und der traumatischen Vergangenheit der Protagonistin auch Umweltschutz thematisiert.
Sara ist Fährfrau im Dorf Erlengrund. Sie lebt auf dem Hof, den ihre Eltern ihr hinterlassen haben. So langsam ist alles in die Jahre gekommen und Sara hat viele Baustellen. Nicht nur am Haus, auch um ihre Fähre muss sie bangen, weil der Bürgermeister eine Brücke durch ihr Grundstück bauen möchte. Und auch die Brücke zu ihrem Herzen ist in vielerlei Hinsicht unpassierbar. Aufarbeitungen der Vergangenheit sind bitter nötig und werden ihr mit Leon serviert, der eines Tages, äußerlich völlig zerstört, auf ihre Fähre kommt und sofort, wie auf der Flucht, auf die andere Seite möchte.
Sara verarztet Leon, der sie stark an ihren Bruder Jan erinnert. Und damit sind viele Steine ins Rollen gebracht worden...
Sara muss dringend ihre "Seele lüften" wie sie so schön sagt!
Ein schönes Sommerbuch... nicht mehr, nicht weniger!
Wie hören sich die Waldtiere an?
Play+ Mein allererstes Soundbuch Tiere im Wald - ab 12 Monate von Maria Höck
Dieses Buch hat Sound in sich! Fünf der abgebildeten Waldtiere haben jeweils einen kleinen Knopf am Bauch, über den man hören kann, welche Geräusche diese Tiere machen.
Es ist leicht zu bedienen und gibt realistische Tierstimmen von sich. Zudem sind die Tiere in ihrer natürlichen Waldumgebung zu sehen, zusammen mit weiteren Tieren, die wiederum am Seitenrand in kleinen Sätzen beschrieben werden.
Die an der Seite abgebildeten Tiere kann man zusätzlich im Wald-Bild suchen. Es gibt also viel zu entdecken, was auf spielerische Weise immer willkommen ist.
Froschquaken und Eulenrufe lassen Lebendigkeit in dem Buch entstehen. Wie ein Fuchs sich anhört, wußte ich selbst als Erwachsene nicht.
Die Tiere selbst sind allerliebst gezeichnet und erscheinen niedlich und sympathisch.
Sehr praktisch auch, dass die Batterie durch Ein- und Ausschalten geschont werden kann und das Fach mit einer Schraube sicher verschlossen ist.
Geeignet für das Alter ab 12 Monaten stimme ich voll zu.
sinn-voll
Wieso? Weshalb? Warum? junior, Band 36 - Sehen, riechen, hören von
Ich bin begeistert was für ein umfangreiches Buch "Sehen, riechen, hören" ist!
Viele bunte Seiten mit unterschiedlichen Situationen und kurzen Geschichten lassen allein schon einiges entdecken: in der Natur, Zuhause, tagsüber und nachts, Geräusche, Gerüche, Geschmack, usw.
Aufgewertet ist das Buch durch wirklich viele und schön stabile Klapp-Türchen, hinter denen sich weitere Bilder befinden, die alle Sinne bespielen und Kinderaugen staunen lassen.
Man lernt z.B., wie unterschiedlich laut und leise Töne sein können, wie Käse oder Erdbeeren riechen oder schmecken und vieles mehr.
Zum Be-greifen lassen sich auf der Seite mit den Bauklötzen verschiedene Formen ertasten.
Wieder ein sehr hochwertiges Buch der Reihe Wieso-Weshalb-Warum, das unsere Nichte zum zweiten Geburtstag in die Welt ihrer Sinne versetzt und sicher fröhliche Spielstunden bereitet!
Für Zweijährige eine tolle Herausforderung, für ältere Kinder nette Spielerei.
Vollmundige Sprache, üppige Farben und ein lichtspielendes Cover
The Artist von Lucy Steeds
Joseph, der als Journalist zu dem berühmten Maler Edouard Tartuffe in die Provence reist, um über ihn einen exklusiven Artikel schreiben zu wollen, und der die einmalige Gelegenheit hatte, von Tartuffe eingeladen zu werden, wenn auch nur mit einem Wort... wird im Hause Tartuffe vor Rätsel und Verschlossenheit gestellt.
Neben Tartuffe, der sich selbst Tata nennt, lebt dort noch seine Nichte Ettie, die still und unbemerkt wie ein Geist immer dort zur Stelle ist, wo sie gebraucht wird und sich um alle Belange Tartuffes kümmert noch ehe er sie selbst weiß...
Die Autorin Lucy Steeds räumt diesen beiden Charakteren den Raum in wechselnden eigenen Kapiteln ein, die sie ausmachen: Joseph, der sich mit dem wortkargen, in sich gekehrten, spartanisch lebenden und zu, teils brutalen, Wutausbrüchen neigenden Tata auseinandersetzen muss, bekommt lange Kapitel, in denen man auch Tartuffe versucht kennenzulernen... Und Ettie, ihrem "Geist" entsprechend kurze Kapitel, die zunächst still und leise erscheinen sich aber nach und nach entfalten. Ettie umgibt eine rätselhafte Aura, die es Joseph angetan hat.
Der Titel -The Artist, die Farben des Lichts- erzeugt in seinem Cover genau das! Nämlich Licht durch ein intensiv leuchtendes Farbspiel. Ich musste das Cover immer wieder anschauen und genoss während des Lesens die ausdrucksstarke Farbgebung. So wie die Farben ist auch die Beschreibung einzelner Szenen bildhaft und so lebendig geschrieben, dass man den Duft der Orange in Josephs Hand riecht, die wärmende Sonne durch das lichtdurchflutete Atelier des Künstlers spürt, die Leuchtkraft der Farben auf der Palette sieht, also alle Sinne angesprochen werden.
Tartuffe erklärt sich durch Ettie und Joseph. Die zunächst seltsame Konstellation entwickelt sich zu Beziehungen untereinander die durch das Zusammenleben entstehen, aber immer noch eine klare Rangfolge zeigen.
Veränderungen beginnen mit einigen Besuchern, die die zurückgezogene Lebensart mit einem anderen Tenor betupfen.
Ettie's Geheimnis und die spätere Befreiung sind ein fulminanter Schlag!
Der Roman hat etwas Ver- und Zerstörendes, etwas Abartiges und etwas Verführerisches.
Die Entwicklungen sind bunt mit krassen Sprenkeln...
Die Leser geraten in einen Sog, immer wieder in die Geschichte einkehren zu wollen, mit dem Gefühl, das Atelier zu betreten, den Hauch Terpentin und Farbe in der Luft wahrzunehmen und die flirrende Hitze der sommerlichen Provence zu spüren.
Alles in allem: gut gemacht!
Bohm und das Leben
Solange ein Streichholz brennt von Christian Huber
Das Buch packt einen von der Story-Idee her. Und so richtig packt es einen dann nochmal, wenn der Obdachlose Bohm um das Leben seines Hundes Fox um Leben und Tod kämpft, der unglücklicherweise bei einer Schlägerei mit dem Messer lebensgefährlich verletzt wurde.
Um ihn zu retten springt Bohm über alle Schatten und ruft die Journalistin Alina an um einzuwilligen, die Reportage im Fernsehen doch mit ihr zu machen: eine Woche Begleitung im Leben eines Obdachlosen.
Für Fox's Rettung...
Alina hatte wenige Tage zuvor Bohm auf der Straße getroffen und ihn um eine Reportage über sein Leben gebeten. Für Alina war dieser Auftrag ihres neuen Vorgesetzten Jakob beim Fernsehen die Rettung in ihrer schlecht laufenden Karriere.
Zunächst hatte Bohm abgesagt, aber dann passierte das Unglück mit Fox. Alina organisiere, dass das Fernsehen die OP Kosten für Fox übernimmt.
Wechselnde Kapitel zwischen Alina und Bohm zeigen deren Leben, ihre Gedanken, Gefühle und gemeinsamen Tage auf. Absolut herzzerreißend sind die Szenen nach Fox's Unglück, das gleichzeitig Bohm als gefühlvollen, besorgten Menschen zeichnet. Er würde alles für Fox tun!
Alina dagegen erscheint etwas farblos, verliert ihr Herz während der Woche mit Bohm, aber auch Jakob, ihr Vorgesetzter, streift ihr Herz... bis sie Jakob noch ganz anders kennenlernt...
Alina ist erpicht auf ihre Reportage, genug Material über Bohm zu sammeln, sie recherchiert über Bohm und stellt die Arbeit während ihrer gemeinsamen Zeit in den Vordergrund obwohl in ihr schon etwas anderes abläuft...
Am Anfang ist für mich Fox der Hauptprotagonist dieses Romans, man schließt ihn ins Herz und leidet mit ihm!
Und auch Bohm kommt sympathisch rüber.
Allerdings gibt es einige Wendungen, die überraschend den Verlauf bestimmen.
Es ist eine große Story, die durch viele Fäden versponnen wird.
Phasenweise zu Tränen rührend.
Am Ende des Romans blickte ich anders darauf als zu Beginn. Final passiert noch viel, was die Geschichte sehr rund macht.
Thematisiert ist dabei gar nicht nur Obdachlosigkeit sondern auch Alkohol, im Stillen gepaart mit Depressionen oder Unverarbeitetem und was es aus einem machen kann!
Es ist ein wirklich gutes Buch!
Auseinandersetzungen
Der Einsiedlersommer von Anne Sverdrup-Thygeson
Eva, Anfang 30, Biologin, kehrt nach einem tragischen Schicksalsschlag ihrem Mann den Rücken zu, zumindest für drei Monate. Sie zieht in ein Haus im Wald, das sie als willkommene Abwechslung aus dem traurigen Alltag sieht, den Eva nicht mehr erträgt. Durch Zufall bekam sie dieses Arbeitsangebot, den als vermeintlich ausgestorben geltenden Eremitenkäfer zu finden und zeitgleich das Waldstück zu kartografieren.
Eva sagte dies ihrem Mann aber erst, als sie schon unterwegs zum Waldhaus war…
In unmittelbarer Nachbarschaft lernt Eva die 76-jährige, griesgrämig-kauzige Einsiedlerin Olga kennen, von der Eva quasi bei jedem Treffen unliebsam angeblafft wird. Bis verschiedene Umstände die beiden zusammenbringen, weil sie merken, dass sie nur gemeinsam z.B. auch gegen Umweltzerstörer vorgehen können. Denn der norwegische Wald ist gefährdet.
Für uns Leser entblättert sich Olga’s Geschichte nach und nach und zeigt ihr schweres Leben. In der Stille und Einsamkeit des Waldes wartet dir ruhige Stunde nur darauf, dass sich die Protagnistinnen mit ihren Schicksalen, mit sich selbst und auch gegenseitig auseinandersetzen. Dabei ist die Natur ein trostreicher Helfer, die im Übrigen ganz zauberhaft beschrieben ist. Bis auch diese noch ein Leck bekommt…
Farbenfroh, dicht und klar beschreibt die Autorin die Natur. Man riecht den feuchten Waldboden, hört Vögel zwitschern und ist umgeben von üppigem Grün, wenn man Eva bei den langen Wanderungen mit ihrer Hündin Orca begleitet, auf der Suche nach dem Eremitenkäfer. Die Geschichte erzählt mal von Eva, mal von Olga und in regelmäßigen Kapiteln kommen beide zusammen. Ebenso sind Tagebucheinträge Evas‘ über den Hergang und Fortschritt ihrer Arbeit eingefügt.
Es ist ein stilles Buch, das über die Umweltzerstörung trotzdem aufrüttelt und mit angenehmem Klang die Vergangenheiten der beiden Protagonistinnen aufarbeitet.
Das Cover gefällt mir sehr gut im Farbenspiel und in der Haptik und passt zum Inhalt!
Unsichtbar
Mit anderen Augen von Jane Tara
Tilda, eine Frau in den Fünfzigern, wird unsichtbar. Eines Tages ist ihr kleiner Finger nicht mehr sichtbar. Sie spürt ihn zwar, aber er ist äußerlich nicht mehr da und so verliert sie nach und nach weitere Körperteile. Die Diagnose ist Unsichtbarkeit in zweiten Stadium. Sie betrifft hauptsächlich Frauen um die Menopause, ist nicht heilbar und Forschung gibt es nicht.
Im vierten Stadium ist man komplett unsichtbar... Im ersten Stadium wird man von der Gesellschaft ignoriert...
Eine absolute Metapher die hervorragend in diesem Buch umgesetzt wurde. Letztendlich geht es um die Unsichtbarkeit im Leben und sicher sind alternde Frauen davon betroffen, wie im Buch beschrieben, sie werden nicht mehr gesehen oder übersehen, aber mir fallen hierzu noch viele weitere Möglichkeiten ein und ich sehe das Buch eher so, dass man auch mal an die Menschen denken sollte, die aus der Gesellschaft verschwunden sind. Personen die krank sind und das Haus nicht mehr verlassen können, fallen unter dieses Kriterium und eben weil man sie nicht mehr im Alltag der Gesellschaft "draußen" sieht, sind sie unsichtbar.
Menschen mit Long Covid oder ME/CFS, die zu krank, zu geschwächt sind, um in der Gesellschaft auftauchen...
Menschen mit einer Duftstoff-Allergie oder multiplen Chemikaliensensibilität, die wegen der Duftstoffe und anderer Trigger in der Öffentlichkeit nicht mehr am öffentlichen Leben teilhaben können...
Menschen mit Erkrankungen, die sie ans Bett oder Haus fesseln...
All diese Menschen - und es sind viele ! - fallen raus aus der Gesellschaft, sind verschwunden im öffentlichen Leben und damit unsichtbar!
Dieses Buch von Jane Tara, das übrigens interessant und leichtgängig, sowie auch gut unterhaltend geschrieben ist, legt den Finger genau in die Wunde, die die funktionsfähige Menschheit und auch der Staat lieber nicht genauer betrachten möchte!
Auch wenn das Buch darauf hinausläuft, dass die Protagonistin Tilda an sich selbst
arbeiten soll, um aus ihrem eigens zurückgezogenen Leben herauszukommen und proaktiv zu sein usw. ... ist dies für o.g. Gruppen oft nicht möglich obwohl sie es möchten.
Eine bemerkenswerte Stelle im Roman war für mich die Begegnung zwischen Tilda und Patrick. Sie verurteilte im Stillen Patrick, dass er beim Kennenlernen seine Sonnenbrille nicht abnahm. Wie sich nach ihrem ersten Gespräch herausstellte, ist Patrick blind.
Überraschend für Tilda war, wie gut Patrick Tilda wahrnahm, obwohl sie doch unsichtbare Körperteile hatte.
Patrick konnte das nicht sehen, wohl aber Tilda auf andere Art wahrnehmen die viel tiefer geht und viel wichtiger ist als die Oberflächlichkeit des Äußeren.
Dieses Buch ist wichtig und es sollte zum Umdenken bewegen...
Trauma unter Träumen
Unter Wasser von Tara Menon
Allein schon wegen des Covers, das während des Lesens noch intensiver, fast spürbar und sonnenwarm umhüllend ist, bekommt das Buch einen besonderen Platz in meinem Regal!
Marissa lernt Arielle als Kind in Thailand kennen. Marissa und Arielle werden Freundinnen. Freundinnen wie Schwestern... Schwestern, die man sich selbst aussucht.
Sie lieben beide das Meer.
Trotzdem lebt ihre Beziehung auch von ihren Gegensätzlichkeiten.
Marissa versucht, ihre Traumata zu verarbeiten und ist oft von Schwere durchzogen. Arielle ist wie eine luftig leichte Meerjungfrau, nicht immer greifbar, quirlig und sorglos.
Wie in harmonischen Wellenbewegungen beschreibt die Autorin Tara Menon die innige Freundschaft einmal im Erzählstrang in Thailand, Dezember 2004... und beleuchtet rückblickend Entstehung und Erinnerung in New York, Oktober 2012.
Beide Zeiten führen zu katastrophalen Klimaereignissen...
Die ersten Seiten sind skurril und lassen einen Bezug vage und offen.
Unter Wasser betrachten Marissa und Arielle mit Leidenschaft das Leben der Manta-Rochen, bewundern die Schönheit von Korallenriffen und nehmen uns mit in die Tiefen des klaren Meeres.
Bei jedem Schwimm- und Tauchgang gleitet man mit den beiden Freundinnen durch das klare Meer von Phuket und fühlt sich durch das lebendige Cover völlig im Einklang.
Man spürt die sanften Wellen in erfrischendem leichtem Wind, die Ruhe unter Wasser, hört das leise Plätschern, wird geblendet vom glitzernden Funkeln des Sonnenlichts auf dem Meer.
Konträr zum katastrophalen Ereignis erscheint dieses Wasser zudem beruhigend und beschützend. Alles umschließend.
Subtile Spannung entsteht am Vortag des 26. Dezembers 2004, der im Höhepunkt die Katastrophe beschreiben wird.
Zitat:
"Die Angst der Hunde, das Schweigen der Vögel, der Sturm kommt wirklich."
"Das Wasser ist türkis. Der Himmel aquamarinblau. Der Sand schimmert elfenbeinweiß."
Doch zunächst entführt uns die Autorin in einen wundervollen, harmonischen Tag davor, einmal durchbrochen durch ein kleines Gewitter, das das zuvor Unvorstellbare erst viel später hervorbringen wird.
Mit diesem Wissen entsteht ein kribbelnder Sog. Eine hypnotisierende Atmosphäre schwingt bildhaft und leise durch den Roman mit.











