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Rezensionen von clematis:

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Generationen

Das gute Leben von Nadine Schneider

Anni ist tot und Christina, ihre Enkelin, steht vor dem Erbe, einem Haus in der Nähe von Nürnberg. Aber anstatt dass sie rasch alles ausräumt und Ordnung schafft für den Verkauf, schweifen ihre Gedanken zur Oma, bei der sie aufgewachsen ist und lässt deren Leben Revue passieren – Annis Neuanfang in Deutschland, nachdem sie Rumänien verlassen hat, ein fordernder Job bei der Quelle und ein kleines Kind, das sie alleine aufziehen hat müssen.

Voller Poesie und doch so nah an der harten Realität schreibt Nadine Schneider, bildhaft und gefühlvoll fließen die Szenen aus ihrer Feder und verschwimmen fern jeglicher Chronologie zu diesem wunderbaren Roman. Vier Generationen haben teil am Geschehen, manche nur am Rande, Anni deutlicher und Christina als Ich-Figur muss schlussendlich die Scherben aufsammeln und aus der Geschichte ihrer Vorfahren ihr eigenes Leben zurechtzimmern. Aus den unterschiedlichen Blickwinkeln von Anni und Christina wird das Leben von vier Frauengenerationen betrachtet und besonders der Einfluss der Altvorderen auf ihre Nachkommen dargestellt. Was erwarten die Älteren, wie fühlen die Jüngeren, hat jemand Schuld am Lebensfluss der anderen in der Familie? Wer darf Vorhaltungen aussprechen und wer hält sich für zu minder? Warum flieht man aus der aktuellen Konstellation und was gibt man an seine Kinder und Enkel weiter? Ein schier unendliches Kaleidoskop aus unterschiedlichsten Gefühlen dreht sich im Kreis und reißt den Leser mit, lässt in der Rückschau erkennen, dass alle ihre berechtigten Perspektiven und Vorstellungen vom Leben haben und dass es so viel mehr gibt als Schwarz und Weiß.

Ein großartiger Roman mit viel Realitätssinn und Blick auf die Wahrheit, die für jeden eine andere ist – absolut lesenswert!

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Generationen
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Geschichten aus dem Moor

Spiegelland von Rebekka Frank

Der vierzehnjährige Elias fährt kurzerhand mit dem Rad ins Moor, wo seine Oma Catharina (Cato) lebt, denn in der Abgeschiedenheit will er sich verstecken, nachdem er sich völlig daneben benommen hat. Was er nicht weiß: nicht nur er hütet ein Geheimnis, auch die Großmutter könnte so einiges erzählen.

Ein wunderbarer Roman in drei großartig verwobenen Zeitebenen erwartet die Leser von Spiegelland, jede einzelne der 560 Seiten ist so fesselnd und absolut kurzweilig, dass ich das Buch an einem Tag regelrecht verschlungen habe. Aber von vorne: Elias flüchtet sich im Sommer 2025 zu seiner Großmutter, wodurch sich ein perfekter Rahmen für die anderen beiden Geschichten ergibt, nämlich jene von seiner Oma und seiner Mutter im Jahre 1999 und eine noch viel weiter zurückliegende Begebenheit, der Urbanisierung des Moores 1756. Nicht nur die historischen Fakten sind akribisch recherchiert und unaufdringlich in den Roman eingeflochten, auch andere - fiktive - Details fußen auf wahren Grundlagen, auf die im Nachwort hingewiesen wird. Abwechslungsreich geht es durch die unterschiedlichen Zeitabschnitte, welche - einem Leporello gleich - die jeweiligen Episoden geschickt und nahtlos miteinander verknüpft, sodass die Gemeinsamkeiten über die Jahrhunderte bestens verdeutlicht werden.

Mit ihrer eloquenten Ausdrucksweise überzeugt Rebekka Frank ebenso wie mit ihren überaus realitätsgetreuen Figuren, die man genau so auch im echten Leben antreffen könnte. Die angesprochenen Themen, vom notwendigen Schutz der Moore über Gewalt in der Familie bis hin zur Täter-Opfer-Umkehr, sind in allen drei Abschnitten gleichermaßen aktuell und zeigen größtenteils ohne moralisierenden Unterton, wie viel auch heute noch zu tun ist. Der Bogen spannt sich vom beschwerlichen Leben im Moor über eine toxische Ehe bis hin zu einer inakzeptablen Handlung eines Jugendlichen und verknüpft alles zu einem ganz besonderen Leseerlebnis.

Nicht immer vergnüglich, dafür aber umso glaubwürdiger, präsentiert sich der neue Roman Spiegelland von Rebekka Frank und verdient, nicht zuletzt durch die vielen bildhaften Beschreibungen, eine uneingeschränkte Leseempfehlung.

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Nackt ermittelt

Strandgut von Alexander Oetker

Im Euronat Centre Naturiste, dem größten FKK-Feriendorf Europas, muss Commissaire Luc Verlain diesmal ermitteln, handelt es sich bei der Leiche am Strand doch um einen aufstrebenden Politiker. Was just der junge Konservative im Nacktbadeparadies zu suchen hatte, obgleich er kurz zuvor noch für dessen Schließung aus moralischen Gründen plädiert hat? Aufregend anders verlaufen die flirrend heißen Sommertage an der Atlantikküste.

Großartig – wie immer – erzählt Alexander Oetker mit Leichtigkeit vom bunten Treiben am Nudistenstrand, lockt mit allerlei kulinarischen Genüssen, die so bildlich beschrieben sind, dass einem allein beim Lesen das Wasser im Munde zusammenläuft und präsentiert wie nebenbei eine pikante Leiche samt spannender Polizeiarbeit. Die kurzen Kapitel unterstreichen die Lebendigkeit der Schilderungen und lassen keine Langeweile aufkommen, alte Bekannte sind ebenso gut vorstellbar charakterisiert wie neue Figuren rund um Luc Verlain. Besondere Aufregung herrscht am Ende um den jungen Yacine, die Klärung, was seine Zukunft betrifft, lässt leider auf sich – und den folgenden Band – warten.

Ein weiterer absolut atmosphärischer Teil dieser wunderbaren Krimireihe, in der einfach alles passt: charismatische und lebensechte Personen, eine bezaubernde Kulisse und Mordfälle, die aufgrund ihrer Einzigartigkeit punkten. Ein Muss, nicht nur für Frankreichliebhaber!

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Portugal im Widerstand

Die Hoffnung, die uns trägt von Kerstin Lange

Im Jahre 1961 stirbt der zehnjährige Pedro, die ärmlichen Wohnverhältnisse, die feuchten Mauern, der unstillbare Husten setzen seinem kurzen Leben ein stilles Ende. Weder Mutter noch Vater kommen mit dem schweren Schicksalsschlag zurecht, lediglich die ältere Schwester Amália erkennt, dass sie einfach weiterleben und weiterkämpfen muss, um nicht ebenfalls zu zerbrechen.

So hilft die Siebzehnjährige am Obststand aus und kellnert in einem kleinen Café, um ihr Auskommen zu bestreiten und lernt dabei eine Gruppe eifriger Studenten kennen. Dass diese politisch aktiv sind und gegen das Regime von Salazar auftreten, erfährt sie erst, als sie schon Gefühle hegt für Marcelo.

In einem bestens recherchierten Rahmen historischer Ereignisse spielt diese unglaublich real erscheinende Geschichte von Amália im schönen Lissabon. Aber so schön, wie wir es heute kennen, ist es in den 1960er-Jahren wohl doch nicht gewesen. Kolonialpolitik, Bürgerkrieg, Unterdrückung und auffällige Standesunterschiede rufen breite Studentenbewegungen auf den Plan, unter den jungen Menschen wird der Ruf nach Freiheit und Selbstbestimmung immer lauter. Amália, die selbst nur eine lückenhafte Schulbildung erfahren hat, schließt sich bald dem Widerstand an, ihr Privatleben vermischt sich auf unwiederbringliche Weise mit der Politik. Mutige Figuren treffen aufeinander, die Furcht vor Verfolgern steckt stets im Nacken, das Bangen um Wohnraum und Lohn ist immerwährend präsent. Geschickt und pragmatisch fängt Kerstin Lange die Atmosphäre der damaligen Zeit ein und verliert sich nicht in Gefühlsduseleien. Am Ende streift unser Weg dann noch den der Österreicherin Reni und schließt so die erwartete Verbindung zum Vorgängerband „Die Sehnsucht, die bleibt“. Besonders jetzt werden die Emotionen spürbar, der Eindruck dieses ruhigen Romans wird noch länger bleiben.

Eine gelungene Fortsetzung vor dem Hintergrund portugiesischer Zeitgeschichte. Sehr gerne empfehle ich dieses Buch an jene Leser weiter, die einen glaubwürdigen Roman suchen, welcher zarte Liebensbande mit historischen Gegebenheiten verknüpft.

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Samantha und Elsie

Das Versprechen von Cornwall von Karin Lindberg

Aufgrund beruflicher Unannehmlichkeiten in London, versucht Samantha bei ihrer Tante in Cornwall den Kopf freizubekommen. Aber anstatt dort die ruhige Küstenlandschaft zu genießen, forscht sie nach, woher der unbekannte Verlobungsring am Dachboden des alten Hauses stammen könnte und lernt obendrein noch zwei interessante junge Männer kennen.

Spannende Szenen rund um Digitalforensikerin Samantha Fisher ziehen des Lesers Aufmerksamkeit sofort auf sich. Bestens ins Geschehen verwoben wird alsbald Elsie Hatchetts Geschichte aus den Jahren 1937/38, wodurch die Spannung gleich noch weiter angefacht wird. Auf berührende Art und Weise fängt Karin Lindberg das mutige Leben der kleinen Sekretärin bei der Londoner Times ein und zeigt – im Kontext von Politik und gesellschaftlichen Konventionen – wie rasch kleine Entscheidungen große Veränderungen nach sich ziehen können. Sowohl der Handlungsstrang in der Gegenwart als auch jener in der Vergangenheit präsentieren sorgfältig und realistisch gezeichnete Charaktere, die Atmosphäre im alten London ist ebenso gut eingefangen wie im malerischen Cornwall, wo es aber auch nicht ganz ohne Ränke und Intrigen zugeht. Nicht nur Sam und Elsie wachsen einem schnell ans Herz, auch die anderen Figuren (bis auf einige wenige Widerlinge, die halt nicht wegzudenken sind) wachsen über ihre (Neben)Rollen hinaus und bereichern das Geschehen auf angenehme Weise und schließlich sorgt auch noch der braun-weiße Springer Spaniel Drift für unterhaltsame Momente.

Auf den konkreten Inhalt kann ich gar nicht genauer eingehen ohne interessante Details zu verraten, es geht aber um nicht standesgemäße Verbindungen, um Ungleichheiten und Gegensätze, die einander anziehen, so viel sei gesagt. Lindbergs Schreibstil ist gewohnt bildreich und flüssig, sodass man von der ersten bis zur letzten Seite völlig abtauchen kann in eine wunderbare Geschichte, die mich auch diesmal wieder sehr berührt hat.

Eine wunderbare Reise zwischen zwei Zeitebenen, welche bestens recherchierte historische Fakten mit fiktiven Romanelementen verknüpft. Leseempfehlung!

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Luisas Erinnerung

Ungelöst – Die erste Zeugin von Arno Strobel

Durch Luisas fotografisches Gedächtnis erinnert sich die Medizinstudentin sofort an das Gesicht auf dem Plakat vor der Uni – die abgebildete vermisste Frau war siebzehn Jahre zuvor in ihren eigenen Entführungsfall verwickelt und scheint nun selbst zum Opfer geworden zu sein. Während die Verbrechenstat für die fünfjährige Luisa damals glimpflich ausgegangen ist, steht die Polizei nun vor einem schier unlösbaren Rätsel.

Einen großartigen Reihenauftakt präsentiert Arno Strobel mit diesem ersten Fall, neben markanten neuen Ermittlern treten am Rande auch altbekannte Figuren auf und wecken Erinnerungen an bisherige Mordaufklärungen. Mit der aktuellen kniffligen Entführungstat schafft der Autor den perfekten Übergang zur neuen Cold-Case-Einheit, welche sich gerade eben im KK11 im Aufbau befindet. Besonders ist hier, dass mit der Medizinstudentin Luisa eine Privatperson Informationen liefert und dadurch die Polizeiarbeit für die Gruppe rund um Ramin Brunner wesentlich unterstützt. Spannend reiht sich ein kurzes Kapitel ans nächste, der Sog der Handlung packt einen schnell, denn es gilt grausamerweise nicht nur eine erwachsene Frau als vermisst, nein, es verschwinden auch kleine Mädchen plötzlich von der Bildfläche. Durch akribische Fahndungsarbeit und kluge Kombination führt die Spur über Luisas detailgenaue Erinnerungen, in ihrem Gedächtnis abgespeicherte Bilder und Gerüche schlussendlich zum Erfolg und bereitet den Weg für weitere fesselnde Altfälle in München.

Ein flott verfasster, bestens dargestellter Band 1 einer neuen Reihe rund um Luisa und Brunner – Leseempfehlung!

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50 Mal Goethe

Ein Sommer mit Goethe von Gustav Seibt

In 50 kurzen Episoden stellt der Historiker und Literaturkritiker Gustav Seibt den bekannten Weimarer Dichter Johann Wolfgang von Goethe und sein Werk vor. In abwechslungsreichen Essays zu höchst unterschiedlichen Themen kommen sowohl Goethe selbst als auch seine Wegbegleiter zu Wort, Gustav Seibt erläutert die Originaltexte auf anschauliche Weise.

Vielfältige Themenbereiche stehen in diesem übersichtlich gegliederten Büchlein zur Wahl, die für Goethe selbst charakteristische Kürze und gleichzeitig hohe Aussagekraft spiegelt sich in den einzelnen Kapiteln perfekt wider. Durch die variablen Textformen – Erzählungen, Biografisches, Balladen, Dramen – streifen wir das gesamte Werk des Dichters auf spielerische Weise und bekommen einen interessanten Ein- und Überblick über Goethes beeindruckendes Schaffen. Der Künstler, welcher selbst überaus diszipliniert gearbeitet und gelebt hat, begibt sich im Alter von sechzehn Jahren zum Studieren nach Leipzig, beschäftigt sich mit der Götterwelt ebenso wie mit der aktuellen Herrenmode. Auf seine beeindruckende Italienreise begleiten wir ihn bevor wir über Napoleon und Despotismus nachsinnen, Natur und menschliches Glück sind weitere Teile der spannenden Betrachtungen in diesem lehrreichen Sommer. Ausgewählte Bilder - von der Titelseite weg – illustrieren das Gesagte auf harmonische Weise und ergeben einen vorzüglichen Gesamteindruck. „Gedichte sind gemalte Fensterscheiben.“ [kindle, Pos. 2987] Ähnlich verhält es sich mit Gustav Seibts Text und Bildkomposition, gemeinsam erstrahlen sie in hellem Glanz.

Egal, ob man Goethe schon gelesen hat oder als vollkommener Neuling auf diese eloquent verfasste Reise mit dem Weimarer Dichter stößt, die Lektüre ist höchst vergnüglich und eignet sich besonders, jeden Tag ein Stückchen davon zu genießen – 50 Tage – 50 Mal Goethe – einem spannenden Sommer steht nichts im Wege!

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50 Mal Goethe
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Soko "Reha"

Tödliches Wien von Katja Wilhelm

Eine Leiche an der Müllinsel, eine tote Medizinerin im Nobelviertel – zwei höchst ungewöhnliche Ermittlergruppen müssen sich erst wechselweise, dann gemeinsam um eine Reihe von mysteriösen Todesfällen kümmern, die Wien erschüttern. Turbulente Tage führen quer durch die Stadt und bis ins Südburgenland.

Die Soko „Reha“ besteht aus drei Personen, die man aus unterschiedlichen Gründen am liebsten schon ausrangiert hätte aus dem Polizeidienst: Major Cornelius Metz ist der Leiter, Gruppeninspektorin Hilde Attensam eine nicht nur physisch eindrucksvolle Persönlichkeit und Kevin Wiesinger als Dritter im Bunde findet als gewitzter Hacker im Handumdrehen allerlei Details heraus, welche für die Aufklärung eines Falles ausschlaggebend sein können. Das zweite Team wird repräsentiert durch die jüngste Chefinspektorin Wiens, Nezren Güren, eine strebsame Frau mit türkischen Wurzeln, welche in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft lebt und ihren Kollegen Luka Jović, ein Serbe, der so gut wie keines der vermeintlichen „Jugo-Klischees“ erfüllt. Auf originelle Art und Weise wird ermittelt, befragt und in Archiven gesucht, ein Tierheim weckt Aufmerksamkeit und plötzlich steht sogar Hilde im Lichte eines Verdachtes. Sumpfgruben und Zeitungsredakteure werden zum Thema, aus zwei Leichen werden bald mehr. Bisweilen chaotisch und mannigfaltig wie die Polizistentruppe selbst geht es quer durch die Kapitel, rasch wechselnde Szenen und Blickwinkel sorgen für Abwechslung, aber auch für Irritation. Besonders die grammatikalisch fragwürdigen Gendersternchen (Polizist*innen, Kolleg*innen, Exoten aus aller Herr*innen Länder, …) unterbrechen leider immer wieder den Lesefluss und stören einfach den Inhalt eines Kriminalromans. Am Ende gibt es Lösungen, aber ganz fertig ist die Sache dennoch nicht – ob Folge 2 mit Metz & Co. Licht ins Dunkel bringen wird?
Ein Reihenauftakt mit sehr speziellen Figuren, Wien als Kulisse darf beim nächsten Mal gerne etwas prominenter auftreten. 3 Sterne.

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Perfektionisten

Das Signal von Ursula Poznanski

Adam ist ein Perfektionist, ein Ästhet, er würde nicht einmal Äpfel ohne Stängel in die Obstschale legen. Wie wird er dann damit umgehen, dass seine bislang umwerfend aussehende Frau nach einem Unfall nur mehr ein Bein hat? Viola merkt bald, dass die Liebe schnell abkühlt, aber auch sie ist eine Perfektionistin.

Bald erkennt sie, dass im eigenen Haus nicht mehr alles stimmt.

Auf spannende Weise lässt Ursula Poznanski ihre Hauptfigur Viola in der Ich-Form erzählen, wodurch ihre Gedanken und Gefühle zu ihrer neuen Situation bestens erlebbar werden, dass die anderen Figuren nur aus ihrem Blickwinkel betrachtet werden, stört keineswegs. Im Gegenteil, so steigert sich die Phantasie Violas zu allerlei möglichen und unmöglichen Überlegungen und führt auch den Leser auf so manchen Irrweg. Gut recherchierte Details zu Amputationen, Prothesen und Phantomschmerzen fließen geschickt ins Geschehen ein ohne jedoch aufdringlich oder gar abstoßend zu wirken, die technischen Raffinessen diverser Kleingeräte und Violas trickreiche Vorgehensweise sorgen für weitgehende Kurzweil. Lediglich das immer wieder angedeutete Geheimnis und die daraus resultierenden Folgen finde ich nicht richtig überzeugend. Dennoch punktet die Autorin auch diesmal wieder mit ihrem flotten Schreibstil, inhaltlich fügen sich die psychologischen Betrachtungen der einzelnen Themenbereiche gut in die vorherrschende Atmosphäre im abgelegenen Haus ein.

Kurzum, wer weniger Blut und Nervenkitzel sucht als vielmehr Stimmung und Überlegungen einer einzelnen Figur, der wird hier erfüllende Lesestunden finden.

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12. Dezember

Die Zahl von Daniela Larcher

Kurz vor Weihnachten, am 12. Dezember, gerät das kleine Dörfchen Landau aus ihren Fugen: hinter der Kirche hängt eine arg zugerichtete Leiche kopfüber am Baugerüst, von deren Stirn prangt die eingeritzte Zahl Zwölf als mahnendes Mal. Otto Morell, der nach einigen aufreibenden Jahren als Kriminalkommissar in Wien wieder in seine Tiroler Heimatgemeinde zurückgekehrt ist, hat sich nichts als Verkehrsdelikte und Nachbarschaftsstreitigkeiten gewünscht, nun ist er gefordert, noch vor dem Christfest einen brutalen Mord aufzuklären.

Ein kleiner Ort, die Gastwirtschaften von Touristen ausgebucht, eine glitzernde Schneedecke über den Bergen, was könnte das Herz höher schlagen lassen? Bis gestern waren noch beschmierte Weihnachtsfiguren vor dem Rathaus das größte Problem für Chefinspektor Morell, nun sieht er sich überfordert von der Last, rasch und zielgerichtet einen aggressiven Täter zu ergreifen, denn der Bürgermeister ist um die Reputation seines Rufs besorgt. Unerwarteterweise bekommt Morell Hilfe von der Gerichtsmedizinerin Nina Capelli und dem Archäologen Leander Lorentz, wodurch die Ermittlungen zwar nicht an Effizienz, zumindest aber an Komik gesteigert werden. Höchst eigenwillige Personen beherrschen die Bühne, durch die gelungene Charakterisierung Daniela Larchers hat man das Trio rasch bildhaft vor Augen. Die Polizeiarbeit wird immer wieder an den Rand gedrängt durch Privates, Morell selbst erweckt eher den Eindruck eines feigen Stümpers als eines klugen Fahnders. Erst findet man gar keine, dann fast zu viele Spuren, denn in dem kleinen eingeschneiten Ort hat bald jeder ein Motiv, auch wenn es noch so windschief ist, aber die Ergebnisse sind immer wieder unbefriedigend. Trotz einiger unglaubwürdiger Szenen ist die grundsätzliche Handlung gut durchdacht und interessant, die Art der Polizeiarbeit jedoch eher unglücklich in ihrer Herangehensweise. Dennoch werden die Ermittlungen irgendwann zu einem logischen Abschluss geführt und man überlegt, wie es mit Morell weitergehen könnte.

Das Erstlingswerk von Daniela Larcher, das noch ausbaufähig ist, zumindest aber sehr guten Unterhaltungswert bietet. 4 Sterne.

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12. Dezember