Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Ameland:
Wo nur zuerst hin?
52 kleine & große Eskapaden im Ruhrgebiet von Ann Baer
Mein Mann stammt aus dem Ruhrgebiet und wir sind dort noch oft bei der Familie zu Besuch, daher war ich sehr gespannt was mich in diesem Buch erwarten würde. Da wir auch viele Ausflüge machen, war mein nächster Gedanke, hoffentlich ist für uns etwas Neues dabei. Darüber hätte ich mir mal keine Sorgen machen müssen! Ich habe nun nämlich das Problem, welche der uns unbekannten Eskapaden (es sind einige) wir zuerst angehen werden, denn jede ist auf ihre Art reizvoll.
Ann Baer hat sich auf die grünen Oasen und die wunderschöne Natur im Ruhrgebiet konzentriert. Dabei ist es kein Widerspruch, dass auch das ein oder andere Industriedenkmal wie Zeche Zollverein oder das Schiffshebewerk Henrichenburg oder Burgen und Ruinen inbegriffen sind.
Egal ob zu Fuß, mit dem Rad oder auf dem Wasser hier sollte sich für jeden Geschmack, egal ob groß oder klein etwas finden lassen. Wer keine Lust auf die etwas sportlicheren Aktivitäten hat, kann sich aber auch einfach die Ruhe antun und nach einem Altstadt-Rundgang z. B. am Marktplatz einen Cappuccino trinken und dabei das Treiben beobachten oder bei einem gemütlichen Spaziergang auf einer Bank die Natur genießen.
Gegliedert sind die 52 Eskapaden nach Dauer von wenigen Stunden über Tagesausflug bis hin zu einem Kurzurlaub. Neben der kurzen Beschreibung incl. Einkehrmöglichkeiten sind am Ende jeweils Infos zur Anreise, der besten Zeit, der Dauer und der Ausrüstung. Bei den mehrtägigen Unternehmungen sind natürlich auch Übernachtungsmöglichkeiten angegeben. Weitere Infos können bei den genannten Internetadressen eingeholt werden.
Dieses Buch zeigt deutlich, dass dem Ruhrgebiet der Strukturwandel gelungen ist und es längst nicht mehr der Pott mit der rußgeschwängerten Luft ist. Eine tolle Sammlung an Vorschlägen für alle, die gerne an der frischen Luft sind und denen noch Anregungen für wunderschöne Naturerlebnisse fehlen.
Starke Frauen gehen ihren Weg
Die vergessene Tochter von Soraya Lane
Im siebten Band dieser Reihe nimmt uns Soraya Lane mit nach Norwegen. Dort lernen wir im Jahr 1950 Amalie und ihre Liebe Oskar kennen. In der Gegenwart begegnen wir ihrer Urenkelin Charlotte, die nach Jahren wieder zurück in ihre Heimat kehrt, ein schicksalsträchtiges altes Holzkästchen im Gepäck.
Bei Familiengeschichten mit zwei Zeitebenen mag ich den historischen Teil meist lieber, da hier das Geheimnis entsteht. Auch Amalie hütet bis in ihr nunmehr hohes Alter ein Geheimnis. Mit dem Inhalt des Holzkästchens erwachen die Erinnerungen und sie erzählt ihrer Tochter und ihrer Urenkelin ihre bewegende Geschichte.
Bei diesem Buch konnte mich aber der gegenwärtige Strang genauso fesseln wie der historische. Wieder in ihrer Heimat angekommen, lernt sie Harrison kennen und zwischen beiden funkt es ordentlich. Sowohl Charlotte als auch Harrison tragen noch ein Päckchen aus der Vergangenheit mit sich herum und es gilt Ehemaliges auf- und zu verarbeiten.
Sowohl Charlotte als auch Amalie sind starke Frauen, die ihren nicht immer leichten Weg gegangen sind. Sie haben stets nach vorne geschaut und aufgeben kam für sie nie in Frage. So haben beide doch noch ihr Glück gefunden.
Soraya Lane schreibt so eindringlich und einfühlsam, aber niemals kitschig. Ich konnte die Handlungen und Gefühle der Protagonisten sehr gut verstehen und habe mit ihnen gelitten, mich aber auch mit ihnen gefreut. Besonders angetan haben es mir die bildhaften Beschreibungen der wunderschönen Landschaft Norwegens.
Eine Geschichte über Verlust, Mut, Kraft und neuem Glück, die mir wunderschöne Lesestunden geschenkt hat. Für mich der beste Band aus dieser Reihe.
Ich fand es öfters seltsam
Das Geheimnis des verschwundenen Amuletts von Marietheres Wagner
Mira ist ein interessanter Charakter. Sie nimmt viele Dinge wahr, die anderen Menschen gar nicht auffallen oder wichtig erscheinen. Interessant fand ich, dass eine Zehnjährige sich bzw. ihre Gedanken und Schlussfolgerungen in Frage stellt. Mir hat gefallen wie im Laufe dieser Detektivgeschichte, die sie mit ihren neuen Freunden erlebt, gut zu verfolgen ist wie ihr Selbstbewusstsein mit den Herausforderungen wächst.
Ehrlicherweise hat mich das Buch öfters verwirrt oder ich habe mich gefragt: echt jetzt? Das begann schon mit dem Schreibstil. Gerade zu Beginn dachte ich, dass ich Seiten übersprungen oder etwas überlesen hätte. Den Rest hat mir aber das Verhör durch Philippa Kern gegeben. Ich sage selbst ja gerne Übertreibung macht anschaulich, aber das war mir doch zu sehr übertrieben. Jetzt gehöre ich auch nicht gerade zur Zielgruppe und es mag sein, dass Kinder im Grundschulalter das anders sehen, aber von mir gibt es daher nur drei Sterne.
Detektivgeschichte mit Superhelden
BEN UND DIE SUPERDETEKTIVE - Die Jagd nach der verbotenen Substanz Bd. 1 von Anna Hartwig
Bewertet mit 3,5 **
Die Teenager Ben, Mia und Furkan wollen eigentlich nur Bens Mutter helfen, geraten dann aber selbst in ein Abenteuer, das ihr Leben verändern wird.
Diese Mischung aus Krimi und Detektivgeschichte mit Zeichnungen im Comic-Style ist bestimmt ganz nach dem Geschmack junger Leser.
Einfache Sprache, kurze Kapitel und große Schrift kommen auch nicht so versierten Lesern und Lesemuffeln entgegen. Positiv fand ich, dass schwierige Wörter direkt in der Geschichte erklärt werden und nicht mit Sternchen außerhalb des Textes. Die Quizfrage am Ende jedes Kapitels ist für die Kinder ein zusätzlicher Anreiz.
Was mir persönlich nicht so gefallen hat, ist das teilweise verantwortungslose Verhalten von Bens Mutter. Kinder fallen in eine noch nicht erprobte medizinische Substanz werden aber nicht zur Untersuchung oder Überwachung ins Krankenhaus gebracht oder der Sohn wird stundenlang allein im Auto gelassen. Auch wenn Benn 12 Jahre alt ist, so ist ein Auto doch kein Aufbewahrungsort. Die Kinder werden solche Sachverhalte wahrscheinlich nicht hinterfragen oder als falsch empfinden, aber für mich gehören solche verantwortungslosen Szenen nicht in ein Kinderbuch, daher der Punktabzug.
Schreckliche Morde in idyllischer Landschaft
Bedrohliche Alpilles von Cay Rademacher
Capitaine Roger Blanc wird zum Leiter einer neuen Ermittlungseinheit, die cold cases bearbeiten soll. Direkt der erste ihnen zugeordnete Fall hat es in sich und ist nichts für schwache Nerven. Dem Team bleibt kaum Zeit, sich gegenseitig kennenzulernen, da stecken sie schon tief in den wieder aufgenommenen Ermittlungen.
Ich finde es ja immer wieder spannend und auch erstaunlich wie sich auch noch nach Jahren neue Spuren ergeben und was durch technischen Fortschritt an neuen Erkenntnissen erzielt werden kann. Auch Capitaine Blanc und seine Mitstreiter lesen alte Protokolle, die Ergebnisse der Rechtsmedizin, Zeugenaussagen und hoffen auf eine neue Spur zum Täter. Einig sind sie sich darin, dass der Mörder von damals aus Eyguières oder Aureille stammen muss und wahrscheinlich auch dort noch lebt. Immer wieder decken sie Lügen sowohl von heute als auch von damals auf. Es gibt einige Verdächtige, aber immer passt ein Puzzleteil nicht und so wird weiter in der Vergangenheit der Beteiligten gegraben.
Mir gefällt bei dieser Reihe die gelungene Mischung aus Spannung, Ermittlungsarbeit, Privatleben der Ermittler und den reizvollen landschaftlichen Beschreibungen. Letztere machen immer wieder Lust auf einen Urlaub in der Provence.
Genau wie Capitaine Blanc bin ich ganz zufrieden mit seinem Wechsel von aktuellen Morden zu dieser neuen Einheit für cold cases. Neue Teammitglieder sorgen für Abwechslung und bringen neuen Schwung in die Reihe.
Spannend und ganz viel Provence-Flair
Lavendel-Jagd von Carine Bernard
Eigentlich sollte sich die Kommissarin Lilou Braque um ihre in ein paar Tagen stattfindende Hochzeit kümmern. Aber ausgerechnet jetzt fordert eine verzwickte Mordermittlung ihren ganzen Einsatz.
Lilou schien die Jagd nach dem Täter wichtiger als die eigene Hochzeit zu sein und mir tat ihr Verlobter Simon schon ziemlich leid, der mit den kompletten Vorbereitungen allein gelassen wurde.
Aber Lilou ist nun mal mit Leib und Seele Polizistin. Ich sah die Hochzeit schon ins Wasser fallen.
Die überraschenden Wendungen waren aber auch zum verrückt werden. Und es hat lange gedauert bis ich den richtigen Verdacht hatte. Aber mit diesem irrsinnigen Motiv konnte man auch nicht unbedingt rechnen und das wäre Lilou bald zum Verhängnis geworden.
Neben aller Spannung bietet uns Carine Bernard aber wieder jede Menge Provence-Flair. Ich werde den Gang über den Wochenmarkt in Carpentras mit seinen typischen Gerüchen mindestens genauso vermissen wie die Besuche in Simons Restaurantküche. Auch von der sympathischen Lilou muss ich schweren Herzens Abschied nehmen, denn dies war der Abschlussband der Reihe.
Zauberhaft, emotional, bewegend
Der kleine Sanddornhof - Träume im Muschelstieg von Julia Reymers
Nach vielen Jahren kehrt Svea auf den elterlichen Hof zurück, um ihn möglichst schnell wieder zu verpachten, denn zu viele schlimme Erinnerungen verbindet sie mit dem Sanddornhof. Aber der Hof ist in die Jahre gekommen und es stehen etliche Renovierungen und Ausbesserungen an, die Sveas finanzielle Möglichkeiten überschreiten.
Ein unerwartetes Angebot würde dieses Problem lösen. Wird sie dieses Angebot annehmen und gehen oder wird sie bleiben und kämpfen?
Svea ist eine junge Frau, die ich von Anfang an sympathisch fand. Man merkt schnell, dass ihr der Hof einerseits am Herzen liegt, sie andererseits aber ein Trauma noch nicht verarbeitet hat. Genau wie Svea hat der Trakehner Fiete, der plötzlich bei ihr vor der Tür steht, eine schlimme Erfahrung gemacht. Er weckt in Svea einen längst aufgegebenen Traum zum Leben.
Manchmal hätte ich Svea gerne in die Arme geschlossen, denn es prasselt so einiges auf sie ein. Zum Glück gibt es die Gemeinschaft der Muschelstiegler, die das für mich übernehmen. Sie kommen Svea mehr oder minder ungefragt zur Hilfe. Gegen ihre Hilfsbereitschaft kommt man nicht an, aber sie meinen es nur gut. Ihr Einsatz hätte mich persönlich zwar hin und wieder auch überfordert und trotzdem habe ich sie bis auf eine Ausnahme in mein Herz geschlossen. Die Menschen kommen so authentisch und warmherzig rüber, dass man sich wünscht dazuzugehören.
Obwohl es in dem Roman um Überwindung von Ängsten und Verarbeitung schlimmer Erlebnisse geht, verliert die Geschichte nie die Leichtigkeit eines Wohlfühlromans. Emotionale Passagen, die mich bewegten, hat Julia Reymers immer wieder durch andere Aktionen aufgelockert. Eine tolle Mischung wie ich finde.
Schönes unbekanntes Brandenburg
Sehnsuchtsorte in Brandenburg von Gerhard Drexel
Brandenburg ist für mich noch ein blinder Fleck auf der Landkarte. Ich war also gespannt was mich in diesem handlichen Reiseführer aus dem BeBra Verlag mit knapp 170 Seiten erwartete. Gerhard Drexel stellt 30 Unterkünfte und 18 Hofläden in Wort und Bild in ganz Brandenburg vor. Schon das Vorwort verrät welche Vielfalt mir das Bundesland zu bieten hat und unberührte Natur verspricht Ruhe und Erholung.
Jeder Unterkunft sind zwei Doppelseiten gewidmet. Dabei finde ich den historischen Hintergrund, den es zu jedem Objekt gibt eine tolle Idee. Die ausgesuchten Unterkünfte reichen von einfachen Bahnwaggons und Schäferkarren über Gasthöfe bis hin zu Schlössern. Die Fotos sehen sehr ansprechend und oft idyllisch aus. Bei den Angaben der Adressen und Kontaktdaten am Ende der Vorstellung hätte ich mir noch eine Angabe zu dem Preisniveau in Form von Icons wie z. B. 1 – 3 Münzen gewünscht.
Die vorgestellten Hofläden mit ihren regionalen Produkten in der Nähe oder direkt bei den Unterkünften gefallen mir als großer Fan von Hofläden sehr.
Am Ende des Buches findet sich noch eine Übersichtskarte, der man entnehmen kann wo die jeweilige Unterkunft bzw. der Hofladen in Brandenburg verortet ist.
Ein Reiseführer, der die Vielfalt von Landschaft und Schlafmöglichkeiten in Brandenburg wiedergibt.
Herausfordernde Zeiten für die Honigfrauen
Die Honigfrauen - Ein Sturm zieht auf von Mirjam Müntefering
Wir befinden uns im Bergischen Land im Frühjahr 1910 und der bekannte Konditor Ludwig Honig, seine Frau Auguste und ihre Enkelin Irma führen ein scheinbar sorgenfreies Leben. Aber schon bald ereilt sie ein Schicksalsschlag, der alles verändert. Die dritte Honigfrau Harriet hat es in ihrem Leben bisher auch nicht einfach gehabt und es sieht so aus, als ob es für sie ebenfalls einen Wendepunkt im Leben geben wird.
Alle drei Frauen sind mir beim Lesen immer mehr ans Herz gewachsen.
Ich mag historische Familiensagas sehr gern. Nicht nur weil Geheimnisse ans Licht kommen, meist lerne ich auch noch etwas über die damaligen Lebensumstände der Menschen. So ging es mir auch bei diesem Auftaktband von Mirjam Müntefering. Deren Schreibstil locker flüssig, bildhaft und gleichzeitig fesselnd ist.
Die wechselnden Perspektiven zwischen den drei Protagonistinnen waren mit ein Grund warum ich immer noch ein Kapitel und noch eins lesen wollte. Zudem wollte ich wissen wie es im Leben der jeweiligen Frau nun weitergeht. Auguste, Irma und auch Harriet gehören nicht nur unterschiedlichen Generationen an, sie sind auch vom Charakter her sehr verschieden, was gut erkennbar wird. Was die drei Frauen aber eint, ist ihre starke Persönlichkeit. Sie sind mutig und aufgeben gibt es bei ihnen nicht.
Mich hat die emotionale Geschichte von Beginn an in ihren Bann gezogen und es fiel mir schwer, das Buch zwischendurch aus der Hand legen zu müssen. Das Ende ist für die Leserschaft etwas gemein, denn es bleiben viele Fragen offen, auch einer der Gründe warum ich der Fortsetzung entgegenfiebere.
Ein sprachliches sowie atmosphärisches Erlebnis
The Artist von Lucy Steeds
Ich war mir nicht sicher, ob ein Buch über einen Maler die richtige Wahl für mich sei. Zum Glück habe ich es trotz meiner Zweifel versucht. Bisher hätte ich gedacht, dass mich Beschreibungen über Farbe, Textur und Bildkompositionen langweilen würden, erstaunlicherweise hat Lucy Steeds es geschafft, dass das hier nicht der Fall war.
Die Charaktere der Protagonisten ergeben sich aus ihrem Handeln, ihren Blicken. Mir gefiel wie sich die Protagonisten im Laufe der Geschichte entwickeln. Unterschwellige Strömungen werden mehr und mehr erkennbar. Geheimnisse kommen ans Licht und führen zu einem Eklat. Apropos Licht, das spielt eine große Rolle in den Werken von Tartuffe und kommt immer wieder zur Sprache.
Mit ihrem einzigartigen Schreibstil, der wunderbaren und bildgewaltigen Sprache versetzte mich die Autorin mitten in die Provence. Unter der brennenden Sonne sah ich die Weizen- und Sonnenblumenfelder, roch den Lavendel und den Staub auf den Wegen, fühlte den Wind auf meiner Haut. Ich saß mit am Tisch und versuchte zu sehen was Tartuffe an der Zusammenstellung der Speisen auf den Tellern zu einem Bild inspirierte.
Der Roman war ein sprachliches sowie atmosphärisches Erlebnis für mich, auch wenn mir am Ende der zeitliche Sprung zu abrupt war. Aber das ist meckern auf hohem Niveau. Meiner Meinung nach verdient der Roman die Lobeshymnen, die die internationale Presse auf The Artist singt.











