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Rezensionen von Ele:

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Neues von Andrea

Niemand kann sie brechen von Dania Dicken

Niemand kann sie brechen, Profiler-Thriller von Dania Dicken, EBook

Der achte Band der Profiler-Reihe.

Andrea und Joshua Carter sollen die Schuldfähigkeit eines jungen Mannes untersuchen, der seine Freundin und ihr ungeborenes Kind getötet hat. Derweil meldet sich Katie Archer mit erschreckenden Nachrichten, sie wird von einem unbekannten Stalker belästigt.

Andrea versucht die Gründe dafür herauszufinden. Weder die Behörden noch Katie und Andrea ahnen wie nahe der Stalker ihr wirklich schon gekommen ist.

Ich habe mich sehr über diesen zusätzlichen Teil über die Profilerin Andrea Thornton gefreut. Obwohl es schon eine Weile her ist, dass ich die Reihe gelesen habe, konnte ich mich sofort mit den Personen und den Umständen zurechtfinden, Lesefluss war da, an die Figuren und die wichtigen Ereignisse in den vorangegangenen Büchern konnte ich mich gut erinnern. Die Andrea Thornton Reihe hat einen tiefen Eindruck bei mir hinterlassen. Das ist nur dem eindrucksvollen, flüssigen, bildhaften und mitreißenden Schreibstil und den effektvollen Plots von Dania Dicken zuzuschreiben. Die Figuren haben Charakter, sind authentisch, der Leser ist ganz nah dran, sie sind greifbar und durchaus „echt“.

Im vorliegenden Fall, ist die Handlung dermaßen eskaliert, dass ich das Lesegerät unmöglich noch aus der Hand legen konnte. Der Fall baut sich zusehends auf, der Spannungsbogen auf gleichbleibend hohem Niveau, etliche ungeahnte Wendungen, nervenzerreißende Aktionen, lebhafte Dialoge bereichern das Geschehen, dass Ende fand ich sehr passend und genial ausgedacht. Bei der Lektüre habe ich mir gewünscht, dies als Film sehen zu können. Wieder einmal habe ich mich erwischt, dass ich Szenen zuerst schnell gelesen habe um zu erfahren was passiert und gleich darauf noch einmal um sie zu genießen. Meine Lieblingsperson in vorliegenden Band acht, war Katie Archer. Sie hat meinen vollsten Respekt verdient. Nachdem was sie als Kind durchgemacht hat und auch hier wieder einiges Schlimme erleben musste, hat sie stets Stärke bewiesen und die Zuversicht nie verloren, dass alles gut werden könnte. Ich denke, dass sie eher noch gestärkt aus dem Geschehen hervorgeht. Starke und tapfere Frauen die den Mut nicht verlieren, dazu der passende Titel, das gefällt mir.

Wie auch in den anderen Büchern von D. Dicken kann hier der Leser wieder enorm viel mitnehmen, psychologische Aspekte, modernes Profiling und speziell in diesem Fall über das Erscheinungsbild „Incel“. Besonders genossen habe ich die Begegnung mit Bekannten aus dem „Andrea-Universum“, z.B. die Familie Thornton.

Wer spannende Unterhaltung mit interessanten Informationen über Psychologie mag, ist bei D. Dicken und ihren Büchern gut aufgehoben. Für „Niemand kann sie brechen“ eine Leseempfehlung und 5 Sterne

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Neues von Andrea
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Seuchendetektive

Die Formel der Hoffnung von Lynn Cullen

Die Formel der Hoffnung, Biografie-Roman von Lynn Cullen, Fisher Ebooks
Der verzweifelte Wettkampf der Medizinpioniere gegen Polio.
Dr. Dorothy Millicent Horstmann fällt auf, sie ist größer als die meisten ihrer männlichen Kollegen. Ihre wahre Größe jedoch zeigt sie bei ihrem erbitterten Kampf gegen die Kinderlähmung.

Als sie die Stelle im Vanderbilt-Hospital antritt, handelt es sich um eine Verwechslung. Ihre Vorgesetzten dachten Dr. Horstmann wäre ein Mann. Zeitlebens und ganz besonders bei ihrem unaufhörlichen Kampf gegen diese schreckliche Krankheit die die ganze Welt erschüttert, wird sie gegenüber ihren männlichen Kollegen zurückgesetzt.
Das Buch beinhaltet 40 Kapitel in angenehmer Leselänge. Das Personenregister am Ende war äußerst hilfreich, die vielen verschiedenen Ärzte haben mich verwirrt.
Die Polioepidemie erschüttert seit den 40er Jahren jeden Sommer die ganze Welt immer wieder kommt es zu schlimmen Ausbrüchen, Kinder sterben oder bleiben gelähmt. Die Behandlungsmaßnahmen sind grausam. Dass Frauen in der Wissenschaft arbeiten, ist in dieser Zeit nicht vorgesehen, sie sollen Kinder gebären darauf aufpassen und ihren großartigen Männern zur Seite stehen. Doch Dr. Horstmann lässt sich nicht unterkriegen, trotz schrecklicher Rückschläge und gegen die Zweifel ihrer Kollegen und Vorgesetzten, die sie immer wieder um die verdienten Lorbeeren bringen, findet sie den entscheidenden Ansatzpunkt, dass ein Impfstoff gefunden werden kann. Dafür opfert sie sogar ihr privates Glück. Ich habe diese Frau bewundert. Obwohl ihre männlichen Kollegen ihre Forschungsergebnisse für die eigenen ausgaben, oder sie, um die ihr zustehende Anerkennung betrogen wurde. Sie hat niemals verzagt. Deshalb ist Dr. Dorothy Horstmann meine Lieblingsfigur im Roman.
Hier wird der Kampf um die verheerenden Folgen von Polio und die Arbeit der Medizinpioniere, dass endlich ein geeigneter Impfstoff gefunden werden kann, sehr lebendig dargestellt. Die Autorin hat eine hervorragende Recherchearbeit geleistet. Die Lektüre setzt, finde ich, ein gewisses Maß an medizinischer Vorbildung voraus. Allen voran die beiden Mediziner Salk und Sabin werden ebenfalls gut charakterisiert. Das Ringen darum als Erster einen wirksamen Impfstoff zu finden ist wirklich sehr dramatisch dargestellt. Trotz der Wichtigkeit der Menschheit zu helfen, sind die Hahnenkämpfe darum der Erste zu sein, wirklich deutlich hervorgehoben. Die parallel geschilderte private Liebesgeschichte von Dorothy wäre nicht nötig gewesen.
Auch heute noch sind die Namen Dr. Jonas Salk und Dr. Albert Sabin ein Begriff beim Thema Polio, die Frauen die bei dieser epochalen medizinischen Erfindung beteiligt waren, werden nach wie vor unter den Tisch gekehrt. Auf der berühmten Polio Wall of Fame, einer Ansammlung von siebzehn Bronzebüsten von Personen die die Entwicklung des Impfstoffs vorangebracht haben ist wirklich nur eine einzige Frau abgebildet.
Die Entdeckung der Schluckimpfung hat weiteres Leid verhindert, Poliomyelitis ist noch nicht ausgerottet. Die Krankheit kann nicht geheilt, nur durch die Impfung verhindert werden.
Eine Leseempfehlung an die Leser die sich für Medizingeschichte interessieren. Serologische Vorbildung, bzw. medizinisches Wissen ist hilfreich. Stellenweise war die Ausführung schon etwas langatmig. Von mir 4 Sterne.

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Seuchendetektive
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Henriettes neues Leben

Henriette lächelt von Andrea Heinisch

Henriette lächelt, Roman von Andrea Heinisch, 207 Seiten erschienen im Picus Verlag.
Einblick in das Leben der stark übergewichtigen 50jährigen Henriette
Henriette ist 50 Jahre alt und wiegt 190 kg, sie verlässt ihre Wohnung nicht mehr und arbeitet im Homeoffice, ihr einziger Kontakt ist ihre Mutter, die sich ständig in ihr Leben einmischt.

Doch eines Tages geschieht etwas und langsam verändert sich ihr Leben.
Ich habe den Roman in einem einzigen Tag ausgelesen. Die Seitenzahl ist nicht gerade umfangreich. Die einzelnen Kapitel sind kurz, auch die Sätze sind kurz manchmal zu abgehackt. Der Schreibstil ist flüssig. Doch irgendetwas störte mich an der Lektüre. Die Geschichte ist aus der Sicht Henriettes geschildert, ich hatte jedoch immer das Gefühl es wird von einem außenstehenden Erzählerbeschrieben, der jedoch genau weiß wie es in Henriette aussieht. Wo in ihrem Herz die Margerite wächst, was sie fühlt und denkt. Dabei habe ich mich immer eine Spur unwohl gefühlt, voyeuristisch. Ich hatte den Eindruck auf Abstand gehalten zu werden. Die Wörtliche Rede ist ohne Satzzeichen, auch das fand ich etwas befremdlich.
Nicht immer hatte ich das Gefühl, dass Henriette ganz bei Sinnen ist, die Gedanken waren wirr und kamen aus dem nichts, zu unterscheiden was Realität und was Wahrheit ist fiel mir schwer. Ganz besonders ihre Mutter, die Stimme, ihre Gemeinheiten, wie sie ihre Tochter behandelt hat. Wie lange hat Henriette sich ihre Anwesenheit, ihre Stimme nur eingebildet? Auf alle Fälle vermute ich, dass die Mutter nicht unschuldig an der Lage ihrer Tochter ist, was ist Henriette als Kind angetan worden? Genau wurde dies nie angesprochen. Eine Lieblingsfigur hatte ich leider nicht, denn anfangs hat mich Henriette eher abgestoßen. Ihre Mutter fand ich auch unmöglich, doch auch Martin ist nicht gut ausgeführt, authentisch fand ich keinen der Akteure, dafür ist keine der Figuren gut genug charakterisiert.
Wegen ihres Gewichts schafft Henriette ihr Leben nicht mehr, sie ist ungepflegt und ihre Wohnung scheint auch ein Saustall zu sein.
Doch dann ändert sich plötzlich alles. Und ab da habe ich das Buch ehrlich gestanden genossen. Gerne hätte ich mir da etwas mehr gewünscht, wie es in Henriettes Leben weitergeht. Hat es mit den neuen Nachbarn, oben und unten zu tun, oder liegt es an Martin dem Arbeitskollegen von Henriette? Henriette greift an und öffnet sich ganz langsam zum Leben. Respekt! Das hat sie mir letztendlich noch sympathisch gemacht.
Dafür eine Leseempfehlung und von mir 3 Sterne.

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Henriettes neues Leben
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Tolle Fortsetzung

Sturmjahre von Lia Scott

Sturmjahre – Das Versprechen einer neuen Zeit, Historischer Roman von Lia Scott, Ebook von FISCHER E-Books.
Band zwei der Sturmjahre-Saga, voller Liebe, Hoffnung und starker Familienbande.
Nach dem Ende des großen Weltkrieges, versuchen sich die Menschen wieder zurück in den Alltag zu kämpfen.

Auch für die Familie Dennon, beginnt wieder die Normalität. Archie hat einen Arm verloren, seine Brüder haben den Krieg unversehrt überstanden. Doch die seelischen Folgen machen ihm schwer zu schaffen. Immer wieder holen ihn die Kriegserlebnisse ein. Längst schon merkt er wie sehr er Vika liebt, doch er bringt es nicht fertig ihr das zu zeigen. Auch Vika, die ihn ebenfalls liebt, hat mit der Zeit den Glauben an ein gemeinsames Glück verloren. Sie verlässt zusammen mit ihrem Sohn Arch, Foxgirth und versucht in Glasgow ein neues Leben zu beginnen. Wird ihr das gelingen?
Das Buch besteht aus 18 Kapiteln die in drei Teile gegliedert sind. Übersichtlich und in angemessener Länge. Wieder besticht die Autorin mit ihren herrlichen bildhaften Beschreibungen, der Landschaft und Orte. Große Emotionen vor atemberaubender Kulisse. Doch auch die Figuren sind gut gezeichnet, jeden einzelnen, auch die Nebencharaktere konnte ich mir gut vorstellen. Lia Scott hat die einzelnen Bände ihrer Sturmjahre-Saga, der Liebesgeschichte eines Paares gewidmet, diesmal handelt es sich um Archie und Vika. Voller Spannung erwarte ich, dass auch die anderen Geschwister der Dennon Familie, Hauptfiguren in den weiteren Bänden sind. Andeutungen im vorliegenden Band lassen darauf vermuten. Dabei handelt es sich hier nicht nur um einen Liebesroman, das Leben, die Armut in den Glasgower Elendsvierteln, das einfache Leben auf dem Land, dies alles hat Lia Scott hervorragend beschrieben und zeugt für eine gründliche Recherchearbeit.
Schon zu Beginn war es leicht in Lesefluss zu kommen. Zum einen, weil mir die Figuren vom ersten Band noch hervorragend in Erinnerung waren. Zum anderen, schließt die Handlung direkt am Ende des Vorgängerbands an. Einmal begonnen, konnte ich das Buch ganz schlecht wieder aus der Hand legen. Ungeahnte Verwicklungen und ein überraschendes Ende habe ich genossen, habe mit den Figuren mitgelitten, gehofft und gebangt. Ich werde die Sturmjahre-Saga sicher weiterverfolgen und hoffe, dass die Abstände zwischen den nachfolgenden Teilen, nicht zu lang sind.
Mir hat besonders gut gefallen, dass es hier vordergründig um das harte Leben der Frauen in dieser Zeit geht. Frauen mussten während des Kriegs, die Arbeit von Männern erledigen und nun da die Männer zurückgekehrt sind sollen sie wieder in die zweite Reihe zurücktreten. Dieses Sujet beschäftigt mich z. Z. literarisch enorm und es gefällt mir, darüber zu lesen. Deshalb ist auch Blaire eine meiner Lieblingsfiguren, doch auch Vika und ihre Schwester Shona sind tapfer und verdienen meinen Respekt. Archie, trotz seinen inneren Kämpfen, ich vermute eine posttraumatische Belastungsstörung, ist ein einnehmender Charakter. Außer Tante Geillis, waren mir alle Figuren sympathisch, sie handeln authentisch und nachvollziehbar.
Am liebsten würde ich sofort weiterlesen. Eine absolute Leseempfehlung. Sturmjahre Bd.2 kann man gut als Einzelband lesen, viel schöner aber ist es wenn man den Vorgängerband kennt. Von mir volle Punktzahl, 5 Sterne.

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Und es blühte die Wüste

Wenn du erzählst, erblüht die Wüste von Rafik Schami

Wenn du erzählst, erblüht die Wüste, Roman von Rafik Schami, Ebook, Carl Hanser Verlag.
Eine Sammlung von wunderbaren Geschichten wie aus tausendundeiner Nacht.
Jasmin die einzige Tochter des weisen Königs Salih versinkt durch den Tod ihrer Mutter in tiefe Melancholie. Ihr Vater ahnt auch nicht, dass sie sich in einen armen Fischer verliebt hat.

Verzweifelt sucht er Heiler die der Tochter helfen können. Karam der Kaffeehauserzähler beschließt die Prinzessin zu heilen. Und so versammelt er zehn Abende lang erzählfreudige Menschen im Palast, um die traurige Prinzessin mit den schönsten Geschichten aus ihrer Traurigkeit herauszuholen. Geschichten von Mut und Feigheit, von Freundschaft und Feindschaft, von der Liebe und der Weisheit des Herzens. Eine Hommage an das Erzählen.
Rafik Schami, einer meiner Lieblingsautoren, hat es mit dieser Anthologie geschafft, mich völlig zu begeistern. Eine Illusion ähnlich wie in tausendundeiner Nacht. So viele Märchen und Erzählungen, traurig, lustig oder nachdenklich machend, auch vereinzelt mit einem Hauch Frivolität, kurze und längere, eingebettet in eine Rahmenhandlung die mich ebenfalls berührt hat. Der Ursprung dieses
Werkes stammt aus einem Buch, welches von der Zerstörung durch den Krieg, aus der Bibliothek seines Vaters gerettet wurde. Eingeteilt sind die Erzählungen nach Themen, für jeden Abend der Erzählrunde ein anderes Thema. Die einzelnen Geschichten mit einem fett gedruckten Titel passend zum Inhalt überschrieben, sodass man einzelne Märchen immer wieder schnell finden kann. Ganz sicher werde ich das immer wieder tun.
Bildmalerisch erzählt im orientalischen Stil und voller Poesie. Ich habe das Buch begonnen und war sofort gefesselt. In der Hälfte des Buches habe ich begonnen, ganz langsam zu lesen, ich wollte einfach nicht, dass das Buch zu Ende geht. Wieder einmal habe ich gemerkt, was für ein begnadeter Erzähler der Autor ist, er bringt mit seinen Worten die Wüste zum Blühen.
Ganz besonders schön fand ich die Geschichten über die Liebe, sie haben mich vereinzelt zu Tränen gerührt, mich im Innersten getroffen. Aber alle waren es wert in diese Sammlung aufgenommen zu werden. Ich habe mich daran erfreut, sie haben mich getröstet, mich zum Schmunzeln gebracht oder belehrt. Ich kann dieses Buch einfach nur Jedem ans Herz legen. Die Leser, die orientalische Geschichten mögen, oder wie ich Fans des Autors sind, sollten es unbedingt lesen und genießen. Eine einmalige Gelegenheit Rafik Schami und seine Kunst kennenzulernen. Ganz besonders finde ich diesen Band auch als Geschenk geeignet, ich werde das ganz sicher tun.
Von mir volle Punktzahl, fünf Sterne.

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Und es blühte die Wüste
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Das Gefühl von Schuld

Porträt auf grüner Wandfarbe von Elisabeth Sandmann

Porträt auf grüner Wandfarbe, Familienroman von Elisabeth Sandmann, EBook von Piper ebooks.
Eine faszinierende Spurensuche mit starken Frauenpersönlichkeiten und besonderen Schicksalsorten, eine Geschichte über Hoffnungen und Träume, Schuld und Vergebung.
Gwen erhält einen Anruf von ihrer Tante Lily, ob sie mit ihr eine Reise in die Vergangenheit der Familie unternehmen will.

So gerät Gwen tief in die Geschehnisse über eine komplizierte Freundschaft sehr unterschiedlicher Frauen die Jahrzehnte übersteht, Geheimnisse offenbart und dramatische Familienzusammenhänge aufdeckt.
Umfangreiche Kapitel sind mit Schlagworten die den Inhalt zusammenfassen überschrieben. Tagebucheinträge und Briefe erscheinen kursiv deutlich gemacht. Mehrere Zeitebenen und Rückblicke ziehen sich durchs ganze Buch, durch den Wechsel wurde die Spannung zusätzlich befeuert. Hauptsächlich erscheint die Erzählung aus der Sicht von Ella und Gwen. Die Autorin schreibt flüssig und mit viel Gefühl für die jeweilige Epoche, besonders gut gefallen haben mir die Schilderungen vom Setting, die Landschaften, die Städte und Gebäude, doch auch die handelnden Charaktere hatte ich direkt vor Augen.
Hier handelt es sich um eine extrem komplexe Geschichte, die sehr langsam in Fahrt kommt. Zusammen mit den Tagebüchern von Ella bin ich mit Gwen in die Familiengeschichte eingetaucht. Anfangs hätte ich es sehr hilfreich gefunden ein Personenregister zu haben um dort die Vielzahl der Personen überblicken zu können. Ich habe mir selbst auf einem Zettel die Zusammenhänge und Familienverbindungen notiert um mich besser zurechtzufinden. Was am Anfang im Zusammenhang noch sehr verwirrend ist, klärt sich jedoch im Laufe der Lektüre. Insgesamt fand ich jedoch, dass es sich hier um ein wenig zu viele Lügen, Geheimnisse und dunkle Verstrickungen gehandelt hat. Etwas weniger davon, wäre nachvollziehbarer gewesen. Und immer wenn es eine Phase gab, in der Gwen die Zusammenhänge nicht mehr überblicken konnte war da ein verstaubter Koffer eine vergessene Truhe, ein vergilbter Brief oder in einem Versteck ein Puzzle-Teilchen, wie aus dem Hut gezaubert. Ich empfand es insgesamt ein wenig zu dick aufgetragen. Da wäre weniger mehr gewesen.
Trotzdem hat die Geschichte einen starken Sog auf mich ausgeübt, sie war voller Emotionen, Gefühle und vor allem haben mich die starken Frauen beeindruckt. Außerdem fand ich sie faszinierend, weil ich selbst gerne in alten Briefen Fotoalben und Familiengeschichten stöbere. Das große Familienrätsel, blieb bis zum Ende spannend. Meine Lieblingsfigur war Ella, sie hat mit Abstand die größte Entwicklung gemacht. Auch Jola Frau Huber und Onkel Theo konnte ich gut leiden. Nimmermüde hat Ella es aus ärmlichsten Verhältnissen nach oben geschafft, einzig mit der aussichtslosen Liebe, bzw. Bewunderung für Jacob hat sie mich enttäuscht, er hatte stets nur Augen für Eine, Ella wurde m. E. nur ausgenutzt. Ilsabé scharfzüngig und verletzend mit ihrer Oberflächlichkeit, ihrem Standesdünkel und ihrem Egoismus fand ich unerträglich, trotz Altersmilde fand ich sie immer noch unsympathisch.
Insgesamt habe ich das Buch genossen, interessante Figuren, spannende Familienheimlichkeiten, erschütternde Schicksalsschläge, die Autorin hat wirklich keine Begebenheit in der Zeitgeschichte ausgelassen, das zeugt von einer gründlichen Recherche. Deshalb eine Leseempfehlung, für die Fans von spannend erzählter Weltgeschichte entlang Familiengeheimnissen.
Von mir dafür 4 Sterne.

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Das Gefühl von Schuld
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Was vor "Ginsterhöhe" geschah

Perlenbach von Anna-Maria Caspari

Perlenbach, historischer Roman von Anna-Maria Caspari, E-Book von Ullstein eBooks.
Anna-Maria Caspari beschreibt in ihrem zweiten Eifelroman einfühlsam die Lebenswege dreier Menschen, die versuchen, den Zwängen in der Gründerzeit zu entfliehen.
Monschau, Ende des 19. Jahrhunderts. Dort treffen die Kinder Luise, Tochter des Arztes, Jacob, der Sohn eines Tuchfabrikanten und Wilhelm, ein armer Bauernsohn, aufeinander.

Zusammen verbringen sie ihre mehr oder weniger unbeschwerte Kindheit und auch die frühen Wege des Erwachsenwerdens, jeder träumt seinen Traum, doch die Lebensumstände sind so verschieden und bringen die Freunde in unterschiedliche Richtungen.
Ein wunderbares Buch, ich habe die Geschichte genossen. Weil ich auch Ginsterhöhe hervorragend fand, wollte ich es unbedingt lesen. Jetzt bin ich am überlegen, welcher der beiden Eifelromane mir wohl besser gefallen hat. Ich denke, beide sollten dringend gelesen werden, Perlenbach, wenn möglich sogar vor Ginsterhöhe.
Das Buch ist in zwei Teile gegliedert, die durch Zeitabschnitte gekennzeichnet sind. 32 Kapitel in angenehmer Länge, mit Ort und Datum überschrieben, machen das Lesen und das Zurechtfinden in Ort und Zeit leicht. Besonders schön fand ich am Ende das zusätzlich angefügte Kapitel: Die gute alte Zeit.... Das schafft die Verbindung zum nächsten Teil. Dort ist nachzulesen, was die Jahre im ausgehenden 19. Jahrhundert für eine Zeit der Widersprüche war, die relativ lange Friedenszeit zwischen dem deutsch-französischen Krieg und dem Ersten Weltkrieg. Die Gründerzeit, der Beginn der industriellen Revolution, geprägt von Erfindungen und Fortschritt in Medizin und Technik. In der jedoch die Bevölkerung noch gefangen war in Konventionen und Regeln. Die Kaiserzeit, als Frauen weder studieren noch eine eigene Meinung haben durften. Damals war die Eifel das Armenhaus Deutschlands, genau das ist hier auf überaus eindrucksvollste Art geschildert. Flüssig zu lesen, im auktorialen Stil, jederzeit ist der Leser also in der Lage, das Geschehen im Ganzen zu überblicken. Eine gründliche Recherchearbeit ist da Voraussetzung und das merkt man auch. Zeit- und auch Lokalkolorit sind überreichlich vorhanden, die Szenen haben mir bei der Lektüre, ständiges Kopfkino hervorgerufen. Dazu haben auch die Tagebucheintragungen von Frederike Linden beigetragen, immer wieder gab es interessante Beiträge zum Zeitgeschehen, die mich des Öfteren wirklich verblüfft haben.
Die Charaktere sind so echt beschrieben, dass man meinen könnte jeden Charakter persönlich zu kennen, auch Nebenfiguren z.B. die Patientin von Luise – Frau Flosdorff oder der Knecht Mathes. Am meisten habe ich Luise bewundert, weil sie m. M. nach die größte Weiterentwicklung gemacht hat, sie ist, finde ich ihren Zukunftswünschen am nächsten gekommen. Doch auch Wilhelm hat mich beeindruckt, er hat sich emporgearbeitet und es geschafft ein gutes Leben zu führen. Einzig Jacob ist die tragische Person in dieser Geschichte. Ich habe das Buch angefangen und nur wenn es dringend nötig war, habe ich es aus der Hand gelegt. In dieser Zeit sind mir die Begebenheiten in Monjoie und in Wollseifen jedoch nicht aus dem Kopf gegangen. So herzergreifend und flüssig erzählt, ein Lesegenuss. Ich hoffe, irgendwo zwischen Perlenbach und der Gegenwart ist noch ein wenig Platz für einen weiteren Eifelroman, den ich sofort lesen würde. Eine absolute Leseempfehlung, den Lesern denen Ginsterhöhe gefallen hat, will ich Perlenbach ans Herz legen. Alle anderen können, mit Perlenbach beginnen und dann Ginsterhöhe genießen. Ich vergebe dafür 5 Sterne.

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Baumeister Fabrizio Mansani

Der Alchemist von Venedig von Anton Dellinger

Der Alchemist von Venedig, historischer Roman von Anton Dellinger, EBook im Gmeiner-Verlag.
Der Baumeister Mansani rettet seinem Bruder das Leben, er soll im Kanal ertränkt werden weil er die Tochter des Dogen geschwängert hat. Bei dieser Tat wird er beobachtet und hat sich so erpressbar gemacht. Der Stadtkämmerer Ducatini will dies ausnutzen und zwingt Mansani, ihm bei einem Täuschungsmanöver zu helfen.

Die beiden Gelehrten Newton und Leibnitz, die sich in Venedig aufhalten, sollen eine Sternwarte bauen, größer als die des Papstes. Doch Newton soll vor allem eines, Gold herstellen. Das kann nicht lange gutgehen. Denunzierungen im Bocca die Leone sind an der Tagesordnung.
Das Buch teilt sich in fünf lange Leseabschnitte/Kapitel, die mit einer Überschrift versehen sind, die auf den Inhalt eingehen. Der Autor schreibt aus der Sicht von Ducatini und auch Mansani, wobei er einzig letzteren im Ich-Stil erzählen lässt, das fand ich schon etwas gewöhnungsbedürftig. Bis auf Leibnitz und Newton sind alle Figuren fiktiv, wobei sich Newton niemals in Venedig aufgehalten hat. Da mich zu Beginn des Buches die vielen Charaktere verwirrt haben, war ich um die Personenübersicht im Anhang froh.
Viele Szenenwechsel und auch Begebenheiten, die schnell abgehandelt waren haben m. M. nach für unnötiges Durcheinander gesorgt, ständig hatte ich das Gefühl, dass ich Seiten ausgelassen habe. Etliche Zusammenhänge hätte ich mir ausführlicher erklärt gewünscht, der Sachverhalt war für mich schwer nachvollziehbar. Häufige Seitenwechsel der Charaktere haben mich verwirrt. Besonders vor dem letzten Kapitel war ein gewaltiger Sprung, da hatte ich Mühe dem Geschehen noch zu folgen. Ich denke. dass aus der Idee mit ein wenig mehr Fingerspitzengefühl eine tolle Geschichte hätte werden können. Ich finde den Titel auch etwas unglücklich gewählt, da der Alchemist hier Newton nur eine Nebenrolle spielte, „der Baumeister von Venedig“ wäre treffender gewesen.
Ich lese Romane die aus der glanzvollen Zeit von „La Serrenissima“ erzählen, eigentlich sehr gerne, hier fühle ich mich um meinen Lesegenuss gebracht, schade. Einzig jedoch, das Setting war gut beschrieben, das Verhältnis von Mansani und seiner Gemahlin fand ich angenehm beschrieben, insgesamt möchte ich jedoch keine Leseempfehlung aussprechen, denn zum gleichen Sujet gibt es bessere Werke. Von mir 2 Sterne.

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Baumeister Fabrizio Mansani
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Immer wieder Liebe

Vom Ende der Nacht von Claire Daverley

Vom Ende der Nacht, Roman von Claire Daverley, EBook, hanserblau-Verlag.
Eine Liebe die Jahrzehnte überdauert.
Will und Rosie fühlen sich zueinander hingezogen, schon als Teenager verlieben sie sich ineinander, obwohl sie so verschieden sind. Doch dann geschieht ein Unglück, was die beiden ganz weit auseinandertreibt.

Doch sie können sich niemals vergessen, so zieht es die beiden immer wieder zueinander und das Leben oder die Umstände trennen sie erneut. So geht es immer und immer wieder…
Das Buch teilt sich in achtzehn überschaubare Kapitel, obwohl auf weiten Strecken nicht sehr viel Spektakuläres passiert, das Leben einfach, hatte ich das Buch rasch gelesen. Die Autorin schreibt abwechselnd aus der Sicht der beiden Protagonisten, deshalb ist der Leser auch ständig informiert was im Leben der beiden so alles geschieht.
Besonders die Beschreibungen des Settings haben mich fasziniert, das konnte ich mir zu jeder Zeit ganz besonders gut vorstellen, die Figuren vor allem Wll und Rosie sind tiefgründig charakterisiert, ihre Handlungen waren nachvollziehbar wenn auch nicht immer vernünftig. Besonders gut hat mir die Grandma von Will gefallen, eine warmherzige und kluge Frau, wohingegen die Mutter Rosies m.E. sehr viel am Unglück ihrer Kinder Schuld war, diese kalte und auf Äußerlichkeiten fixierte Frau, mit ihr konnte ich einfach nicht warm werden.
Ich fand die Geschichte romantisch und traurig, wegen der fröhlichen und tiefgründigen Dialoge jedoch lebendig. Spannend fand ich, ob die beiden wohl am Ende zusammenkommen, das hat die Autorin bis zu den letzten Seiten gekonnt offen gehalten. Mit einigen Handlungen und Reaktionen der Charaktere war ich nicht einverstanden, ein paarmal zu oft hat sich die Geschichte auf die gleiche Weise in die Länge gezogen, da hatte ich das Gefühl es geht nichts vorwärts, wobei ich Rosie und Will am liebsten gepackt und geschüttelt hätte. Insgesamt gesehen, habe ich mich gut unterhalten gefühlt, eine romantische und unterhaltsame Lektüre.
Meine Empfehlung: Geeignet als Urlaubslektüre und von mir 4 Sterne.

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Das Haus am Meeresufer von Joséphine Nicolas

Das Haus am Meeresufer, Roman von Joséfine Nicolas, 416 Seiten erschienen im DuMont Buchverlag.
Paris in den 1920er Jahren. Die Interieurkünstlerin Eileen Gray, inspiriert durch die selbstbewussten Frauen der Rive Gauche, mit ihrem außergewöhnlichem Gespür für die Formensprache der Zeit, begegnet dem um etliche Jahre jüngeren Architekturkritiker Jean Badovici, er macht sie mit der Bewegung des Bauhaus und De Stijl vertraut.

Bis dahin hatte sie eine amouröse Beziehung zur Chansonnière Damia, die sie beendet und eine Beziehung mit Badovici beginnt. So nimmt das Leben und Schaffen der Visionärin eine jähe Wendung. Ab 1926 errichtet sie dem Geliebten ein Haus an der Küste nahe Monaco. E 1027 wird Schauplatz von Neid und Selbstsucht, von Enttäuschung und Verrat.
Das Leben und Schaffen dieser wirklich talentierten und interessanten Frau hat mich gefesselt. Gerade in dieser Zeit des Aufbruchs in der Frauen es wahrlich schwer hatten mit den Männern zu konkurrieren. Eine höchst aufregende Zeit in der für Frauen alles möglich schien und doch fast unerreichbar war. Was Gray leistete und schuf, ihre innovativen Ideen haben mich begeistert, dieser aus der Sicht der Protagonistin geschilderte Roman, selbst das kapriziöse Liebesleben und die schwierige Beziehung zu Badovici waren unterhaltsam. Trotzdem hatte ich starke Schwierigkeiten mit der Lektüre. Zeitsprünge, abrupte Szenenwechsel haben mich anfangs ganz schwer in Lesefluss kommen lassen. Der poetische Schreibstil hat mich dermaßen verwirrt, es hat für mich einfach nicht zusammengepasst. Einerseits die Architektin die klare Linien, praktische Möbel einfache und fortschrittliche, avantgardistische Ideen hatte, andererseits dieser poetische Schreibstil, das hat mich abgelenkt. Dementsprechend lange habe ich für die Lektüre gebraucht. Mehr als 20 Seiten am Stück zu lesen war schwer. Ständig bin ich an besonders schwierigen Sätzen hängengeblieben musste sie immer wieder lesen um sie zu begreifen. Was ist wattiertes Licht? Gänge die vor Einsamkeit ermatteten? Oder Aussagen wie: „Ich betrachtete die Boote, sie seufzten schliefen im Schwarz.“ Oder „Wieder einmal zeigte sich meinem geistigen Auge das Elend als mächtiger weißer Tropfen vor dunklem Hintergrund, zäh.“ Verunsichert wusste ich oft nicht was ich in solche Abschnitte hineininterpretieren soll. Vermutlich war es einfach nicht mein Buch. Im letzten Drittel als die Protagonistin über ihre Schwierigkeiten mit Corbusier und die dadurch entstehenden Probleme mit Jean berichtet nahm die Lektüre Fahrt auf, das war mir zu wenig.
Insgesamt musste ich mich beim Lesen zum „Dranbleiben“ motivieren. Das bedauere ich, denn obwohl ich bis dato nichts über die multitalentierte Eileen Gray wusste, fand ich ihre Lebensgeschichte sehr interessant. Das Setting fand ich gut beschrieben und auch die Personen waren gut gezeichnet. In einem weniger poetischen Schreibstil hätte mir der Roman gefallen können. Ich empfand den Roman nicht als „Vereinigung“ von Architektur und Poesie sondern eher als „Dissonanz“ dazwischen.
Eine Empfehlung an die Leser*innen die sich für die Strömung der Moderne interessieren. Von mir insgesamt 3 Sterne.

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