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Rezensionen von Ele:
Der Beginn von etwas ganz Neuem
Die Dorflehrerin von Bettina Seidl
Die Dorflehrerin, Zwischen Stille und Sturm von Antonia Weber, EBook, dtv-Verlag.
Die packende Fortsetzung um die Dorflehrerin Antonia Weber.
Nun ist Antonia Weber schon einige Jahre als Lehrerin im kleinen Bergdorf Tannau, hoch über Berchtesgaden, angestellt. Doch noch immer ist es sehr hart. Er tobt der große Krieg, Armut, gefallene Männer, die Sorge um Soldaten im Feld und nie genug zu essen.
Darunter leidet das ganze Dorf, auch Antonie macht sich Sorgen um Sebastian ihre unerfüllte Liebe. Obwohl „Fräulein Weber“ angesehen und hochgeschätzt von den Dorfbewohnern wird, macht ihr Pfarrer Porz das Leben schwer. Derweil ihre Freundin Elvira in München sich in den Revoluzzer-Kreisen bewegt. Als die Novemberrevolution beginnt und ein Sturm große Schäden verursacht, ändert sich das Leben der Freundinnen – eine neue Zeit beginnt.
Wieder hat mich der Roman über die Dorflehrerin Antonie Weber begeistert und gefesselt. Der bildhafte und flüssige Erzählstil haben mich sofort in Lesefluss gebracht und nicht mehr losgelassen. Zwei Erzählebenen lassen den Leser in Zeit und Ort versinken. Zum einen die Geschehnisse in Tannau und deren Bewohner aus der Sicht von Antonie und zum anderen, die Erlebnisse von Elvira, ihrer Familie und was sich während des 1. Weltkriegs und kurz danach in München abspielt. Der Anonie-Erzählstrang hat mir besser gefallen, mir war Elvira zu forsch, ihre Erlebnisse zu spektakulär und auch das Ende war für mich etwas abrupt. Hauptsächlich die Begebenheiten aus Tannau hätten mir zur vollsten Zufriedenheit genügt. Unerwartete Verwicklungen, aufregende spannende Zwischenfälle, die Gemeinheiten des Pfarrers und auch das unvorhersehbare Ende haben es mir schwer gemacht, das Buch aus der Hand zu legen. Mit diesem Roman ist es der Autorin gelungen, dem Leser nahe zu bringen wie sehr die Menschen in dieser Zeit, alltäglich zu kämpfen hatten, Zeitkolorit und die Position der Frauen am Anfang des 20. Jahrhunderts eingeschlossen. Die einzelnen Kapitel haben eine Überschrift, die das Geschehen kurz zusammenfasst. Die lebendigen Dialoge haben mir Freude gemacht. Die Figuren sind tief gezeichnet, sind authentisch. Ich konnte mich unbedingt mit ihnen identifizieren. Viele Figuren sind mir lieb geworden, haben mich begeistert. Natürlich Antonie und Sebastian, Monika, Helene, sie alle habe ich liebgewonnen und kann sie nur schwer gehen lassen. Pfarrer Porz ist mir viel zu gut davongekommen.
Ich habe mich ganz besonders über das Ende gefreut. Deshalb möchte ich dieses Buch den Lesern empfehlen und davor auch noch den ersten Band zu lesen, dann ist der Genuss vollkommen. Von mir 5 Sterne.
Geniale und geächtete Wissenschaftler
Die Verfolgten von Thomas Bührke
Die Verfolgten, Wissenschaftsgeschichte von Thomas Bührke, EBook, Klett-Cotta Verlag.
Hier werden die Schicksale von acht verschiedenen, geächteten und verfolgten Wissenschaftlern geschildert. Sie wurden diffamiert, bespitzelt, verfolgt, inhaftiert, vertrieben oder getötet. Ihr schicksalhaftes Leben, ihre wissenschaftlichen Leistungen, und wie sie zu Opfern politischer, gesellschaftlicher oder ideologischer Zeitumstände wurden.
„Menschen, die versuchen, qua Beruf und Berufung der Wahrheit näher zu kommen, dürfen weder verteufelt noch bedroht werden.“ Eckart von Hirschhausen.
Das Buch ist in acht Kapitel unterteilt. Jedem Wissenschaftler ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Passend zu jedem Kapitel ein Bild und ein beeindruckendes Zitat des jeweiligen Gelehrten.
Giordano Bruno (1548–1600)
Antoine Laurent de Lavoisier (1743–1794) und Jean Sylvain Bailly (1736–1793)
Lew Landau (1908–1968)
Lise Meitner (1878–1968) Emmy Noether (1882–1935)
Albert Einstein (1879 –1955)
Alan Turing (1912–1954)
Das Buch hat mich nicht nur gut unterhalten, ich habe auch einiges über das jeweilige Fachgebiet der Verfolgten gelernt. Quantenphysik, die Relativitätstheorie, über die Entwicklung der ersten Computer. Die Lektüre animiert zu zusätzlichen Recherchen.
Einige der angeführten Gelehrten sind mir bekannt, allen voran Albert Einstein, jedoch von Alan Turing z.B. hatte ich zuvor noch nie gehört, trotzdem war dieses Kapitel nicht weniger interessant. Etwas mehr über die Verfolgungen, die erlittenen Demütigungen und Einschränkungen habe ich erwartet, weniger über die Wissenschaft, die mir in einzelnen Fällen technisch überfordert hat, hätte ich mir gewünscht. Dies ist z.B. beim Kapitel über A. Turing m. M, viel zu schnell abgehandelt. Die Ursachen der Verfolgungen waren vielfältig, beginnend bei der Inquisition, über die Französische Revolution, die Vernichtungsideologie im dritten Reich bis hin zur Homophobie noch im 20. Jahrhundert.
Ganz wichtig ist dieses Buch, für die Freiheit von Forschung und Lehre sowie den unbedingten Schutz von Wissenschaftlern, deren Schicksal sich womöglich auch heute noch wiederholen könnte.
Deshalb von mir eine Leseempfehlung und 4 Sterne.
Silvesterparty mit Folgen
Happy New Year – Zwei Familien, ein Albtraum von Malin Stehn
Happy New Year, Spannungsroman von Malin Stehn, ein FISCHER E-Book.
Freundschaft, Lügen und die bittere Wahrheit.
Einige Paare feiern miteinander den Jahreswechsel, nicht weil man nach vielen Jahren noch immer so gut befreundet ist, oder alles gemeinsam macht, sondern aus alter Gewohnheit und Tradition.
Es stellt sich das Gefühl ein, dass keiner der Freunde direkt Lust auf die Party hat. Zeitgleich feiern die ebenfalls befreundeten, fast volljährigen Töchter Smilla und Jennifer, von zwei der feiernden Familien, ebenfalls zusammen eine Silvesterparty. Am Ende wird die siebzehnjährige Jennifer vermisst. Es ist der absolute Albtraum für die Eltern.
Eine Geschichte die das Blut in den Adern gefrieren lässt, was aber keinesfalls nur den Temperaturen in Schweden zuzuschreiben ist. Das Buch enthält 76 Kapitel. Die einzelnen Kapitel sind mit Namen überschrieben, drei Personen Nina Frederik und Lollo, die jeweils aus der Ich-Perspektive erzählen. Einige Kapitel sind Rückblicke auf Geschehnisse in der Vergangenheit, hier sind Datum und Anlass beigefügt. Starke Dialoge machen die Erzählung lebendig. Innenansichten sind ganz stark beschrieben, Gefühle z.B. die einer Mutter die um die Tochter bangt. Schlechtes Gewissen das an Personen nagt, das hat die Autorin fabelhaft dargestellt, auch die Beziehungen der Paare und Freunde und was sie wirklich übereinander denken, kann man hier lesen. Es ist so echt beschrieben, dass ich es geradezu am eigenen Leib fühlen konnte, was so peu a peu ans Tageslicht kommt.
Es beginnt mit den Geschehnissen in der Silvesternacht, ein Leichtes in die Geschichte einzutauchen, der Leser ist sich stets bewusst, dass etwas Unfassbares geschehen wird. Ein hoher Spannungsbogen, zieht sich bis zur Eskalation, nach etlichen ungeahnten Wendungen bis zum unvorhersehbaren Ende. Perfekte Unterhaltung, zufällig von mir zum Jahreswechsel gelesen, aber sicher nicht minder unterhaltsam, das gesamte Jahr über. Aufregende Lektüre, die ohne zu viel Blutvergießen auskommt.
Die gesamte Handlung ist nachvollziehbar, die Charaktere sind glaubhaft und authentisch. Viele ungeahnte Enthüllungen und Geheimnisse, haben mich nicht losgelassen, die zweite Hälfte des Buches habe ich in einem Rutsch zu Ende gelesen. Es hat mich an vielen Stellen innehalten lassen, um über das Gelesene nachzudenken. Eine direkte Lieblingsperson hatte ich nicht, denn jeder der Akteure hat Ecken und Kanten, das ist es jedoch was das Buch so spannend macht. Gerade die (Schuld-) Gefühle von Jennifers Mutter, Lollo, haben mich tief getroffen.
Meine Empfehlung für diesen dramatischen und emotionalen Roman, nicht nur für den Jahreswechsel als Lektüre geeignet. Von mir dafür 5 Sterne.
Ein Dorf in der Eifel
Ginsterhöhe von Anna-Maria Caspari
Ginsterhöhe, historischer Roman von Anna-Maria Caspari, 400 Seiten, erschienen im Ullstein-Verlag.
Eine berührende Familiengeschichte aus der dunkelsten Zeit des 20. Jahrhunderts.
Albert Lintermann kehrt 1919 aus dem Krieg in sein Heimatdorf Wollseifen, in der Eifel zurück. Sein Gesicht ist entstellt und seelische versehrt begegnen ihm viele mit Abscheu und Entsetzen.
Bei seiner Frau Bertha jedoch trifft es ihn am meisten. Nach einer rekonstruierenden Gesichtsoperation und mit Hilfe seiner Freunde findet er jedoch wieder ins Leben zurück. Ganz besonders helfen ihm auch Leni, die Verlobte seines gefallenen Freundes und der italienische Gastwirt Silvio dabei. Mit der Zeit heilen die Wunden und auch sein Hof wächst und gedeiht. Bis die Nationalsozialisten in Wollseifen Einzug halten.
Das Buch besteht aus drei Teilen, die Zeitabschnitte von 10 Jahren beinhalten. Insgesamt gliedert sich das Buch in 28 überschaubare Kapitel. Am Ende der Kapitel, in kursiver Schrift deutlich hervorgehoben und mit Datum überschrieben, die Aufzeichnungen des Dorfschullehrers Martin Faßbender. In diesen Aufzeichnungen aus seinen Tagebüchern, werden das allgemeine Zeitgeschehen und die wichtigsten Eckpunkte in der Dorfgeschichte dokumentiert. Schlagfertige Dialoge, z.T. in Mundart beleben die Erzählung. In der Vorderen Umschlagklappe befindet sich eine Karte der Umgebung in der die Geschichte spielt, immer wieder war sie mir hilfreich. Die hintere Klappe beinhaltet historische Bilder von Wollseifen, dies fand ich ganz besonders gut um sich das Dorf vorstellen zu können.
Die Autorin hat sich gut vorbereitet, eine hervorragende Recherchearbeit kann ich nur bestätigen. Der flüssige Schreibstil und die bildhafte Beschreibung des Settings haben Wollseifen und Umgebung vor meinem inneren Auge entstehen lassen. Unmittelbar mit Alberts Ankunft war ich schon mittendrin im Geschehen. Hier wird eine ganz dunkle bittere Zeit beschrieben, das Ende des ersten bis zum Ende des zweiten Weltkrieges. Und doch findet man dort in der Eifel Menschen, die mit Gottvertrauen und Tapferkeit agieren, nicht aufgeben und immer wieder versuchen, das Leben für sich und die Angehörigen nach besten Möglichkeiten gut einzurichten. Schicksalsschläge werden hingenommen und tapfer wird weitergelebt. Für großes Jammern blieb keine Zeit, dafür war zu viel Arbeit, die Menschen waren damit beschäftigt fürs tägliche Brot zu sorgen. Albert und Silvio, auch dessen Frau Maria, der Lehrer, Leni, Marie Felten, alle packen an, das macht die Figuren sympathisch und authentisch. Solch grausame Fanatiker wie Meller mit seiner braunen Gesinnung, die gab es zu dieser Zeit zur Genüge. Jedes Wort das Caspari hier schreibt könnte genauso passiert sein. Ich habe mich bestens unterhalten gefühlt. Ich habe die, wenn auch verhaltene, Spannung genossen, mehr kann man nicht erwarten.
Eine gute Unterhaltung, eine emotionale Geschichte mit tief gezeichneten Charakteren, mit den nötigen Bösewichtern und Rückschlägen und auch mit genügend Humor. Ich habe die Lektüre genossen und empfehle das Buch gerne weiter. Von mir 5 Sterne.
Verbotene Kunst
Die Wiege der Hoffnung von Tara Haigh
Die Wiege der Hoffnung, Historischer Roman von Tara Haigh, Ebook, Tinte & Feder Verlag.
Eine große Liebe in dunkler Zeit, eine mutige junge Frau und die Liebe zur Kunst
Berlin 1935, die Familie Rosenbaum führt in Berlin eine gutgehende Apotheke, Josef Rosenbaum glaubt lange nicht daran, dass die Familie Probleme wegen ihrer jüdischen Herkunft bekommen könnte.
„Es gibt so viele Apotheken die von Juden geführt werden, wenn man die alle schließt gäbe es in Berlin ein Viertel Apotheken weniger“, doch das ist ein Trugschluss, auch beruft er sich immer darauf ein jüdisch-gläubiger Deutscher zu sein, der im ersten Weltkrieg für das Kaiserreich gekämpft hat. Doch je weiter die Zeit schreitet desto schmerzlicher werden die Einschränkungen, bis zu dem Zeitpunkt an dem es zu spät ist, noch zu fliehen.
Die Apothekertochter Luise studiert Kunst und kennt sich mit Gemälden und Künstlern aus. Sie liebt Emilio einen italienischstämmigen Juden, durch ihr umfangreiches Kunstwissen wird ein hoher nationalsozialistischer Funktionär auf sie aufmerksam. Sie beginnt mit den Nazis zu kollaborieren, um Werke sogenannter entarteter Künstler zu retten und jüdischen Landsleuten zur Flucht zu verhelfen. In diese gefährlichen Machenschaften verstrickt, wird die Lage für sie immer gefährlicher und so beschließt sie selbst zu fliehen.
Das Buch ist in drei Teile gegliedert, die passend zum Inhalt benannt sind, unterteilt in 21 nummerierte Kapitel, die mit Ort und Datum gekennzeichnet sind. Die zeitliche Einordnung ist dadurch überschaubar. Aus der Sicht von Luise wird die Geschichte erzählt, somit ist der Leser nah dran am Geschehen. Ausländische Phrasen sind kursiv deutlich gemacht.
Die Lage für die Juden in der damaligen Zeit spitzt sich langsam aber stetig zu, eine beklemmende Atmosphäre wurde durch eine gründliche Recherche der Autorin erzählerisch geschaffen, Auszüge aus der haarsträubenden Denkweise der braunen Schergen wird z.B. durch die an der Schule durchgeführten Rassenlehre dargestellt. Auch wie sich auf Bestreben der Regierung der Hass auf die jüdische Bevölkerung steigert, dies gipfelt in der Zerstörung der jüdischen Geschäfte, der Misshandlung von Menschen und brennenden Synagogen, da hat die Autorin die absolut passenden Worte gefunden: „Und dann noch diese furchtbaren Schreie der Verzweiflung und des Hasses, untermalt von zu Bruch gehendem Glas. Ein Requiem der Zerstörung“ (S. 160). Treffender könnte es nicht beschrieben werden.
Die Zerrissenheit die Luise empfand, als Kollaborateurin zu gelten, wird anschaulich und nachvollziehbar dargestellt. Die Familie Rosenbaum hat allgemein einen Weg gefunden lange von den Anfeindungen verschont zu bleiben, jedes Familienmitglied hat es geschafft sich für das Reich wichtig zu machen, das zu lesen fand ich bemerkenswert. Auch Emilio ist eine interessant dargestellte Person er hilft Luise mit seiner ganzen Kraft. Wie sich die Besatzung in Italien gestaltete war ebenfalls informativ beschrieben. Insgesamt habe ich viel über sog. „entartete Kunst“ erfahren, einige der angeführten Stücke habe ich im Netz recherchiert. Das Setting besonders in Süditalien war grandios beschrieben. Zusammenfassend wieder ein passendes Wort der Autorin: „Das 1000jährige Reich ist in einem Meer von Blut und Tränen versunken.“ Die Handlung im Buch konnte ich zu jeder Zeit nachvollziehen.
Ein sehr emotionaler Roman, jederzeit habe ich mit den Figuren gebangt und gehofft. Stellenweise konnte ich die Lektüre gar nicht aus der Hand legen. Von mir eine unbedingte Leseempfehlung und 5 Sterne dafür.
Marlene geht ihren Weg
Der Salon von Julia Fischer
Der Salon, Roman von Julia Fischer, EBook von Bastei Entertainment
Zwei junge Frauen und ihre Suche nach dem Glück - der zweite Band der berührenden Familiensaga.
Marlene ist nach dem Tod ihres Bruders Hans am Boden zerstört. Einziger Lichtblick und Hoffnung ist der Sohn ihres Bruders der kleine Peter.
Der Junge lebt zusammen mit seiner Mutter Charlotte, mit Leni, und deren Mutter, in einem kleinen Dorf bei München. Die Arbeit im Salon Keller erledigt Leni mit viel Geschick und Einfühlungsvermögen. Platz für einen Mann in ihrem Leben gibt es nicht. Als ihr Chef sie zu einer Fortbildung nach London in den renommierten Salon von Vidal Sassoon schickt kommt sie mit neuen Ideen und Wünschen zurück nach München. Den Kopf voller moderner Inspiration und durchdrungen von den Swinging Sixties will sie einen eigenen Salon eröffnen, doch dann schlägt das Schicksal erneut zu.
Auf diesen Fortsetzungsband der Salon-Reihe habe ich schon ungeduldig gewartet. Dieser zweite Band hat mich wieder gut unterhalten, er setzt 5 Jahre nach den Geschehnissen aus Band 1 ein, Lesefluss hat sich sofort eingestellt. Trotzdem fand ich den Vorgängerband dramatischer und anrührender. Obwohl es auch hier Schicksalsschläge und Verwicklungen gab, war das Ende diesmal absehbar.
Dennoch habe ich mit den Figuren mitgefiebert, gelitten und gebangt. Die ja schon bekannten Charaktere haben durchwegs eine beachtenswerte Entwicklung gemacht, sie handeln nachvollziehbar und sind authentisch. Der Leser hat keine Probleme sich mit ihnen zu identifizieren. Die Handlung ist logisch aufgebaut und flüssig zu lesen, sie wird von lebhaften Dialogen, zum Teil in Mundart aufgelockert. Die Autorin schreibt im auktorialen Stil, deshalb ist eine Gesamtübersicht über die Geschichte zu jeder Zeit möglich.
Besonders reizvoll finde ich, dass das Zeitkolorit ganz eindringlich dargestellt wird. Zeitschriften, Hits, Filme und vor allem das Zeitgeschehen sind eingebunden. Z.B. der Besuch von Queen Elizabeth, die Olympiade in Innsbruck oder das Kennedy-Attentat, nicht zuletzt die Frisuren und die Mode aus den Sechzigern, ich fühlte mich als Leser unmittelbar in diese Zeit hineinversetzt.
Meine Lieblingsfigur neben Leni, die zielstrebig ihren Weg geht, war Georg Lindner, Onkel Schorsch, eine tragische Figur. Er selbst bezeichnet sich im Buch als Nebenfigur und als tragischer Held. Er der stets für alle da ist, die Kastanien aus dem Feuer holt, der es auch einmal verdient hätte glücklich zu sein.
Nur schwer kann ich am Ende nun alle gehen lassen. Einen weiteren Band würde ich mir durchaus noch wünschen. Wie es im Salon, mit den vertrauten Akteuren weiter- und vor allem wie es dem kleinen Peter ergeht, würde mich schon interessieren.
Von mir eine Leseempfehlung, dieses Buch könnte als Einzelband gelesen werden, schöner ist es auf alle Fälle, die beiden Bände hintereinander zu lesen. Geeignet für die Leser die Romane mit hohem Zeitkolorit mögen. Dafür 4 Sterne.
Schwere Zeiten
Die Angst kommt in der Dunkelheit von Dania Dicken
Die Angst kommt in der Dunkelheit, Profilerthriller von Dania Dicken, EBook
Der 8. Band der Libby Whitman-Reihe.
Die FBI-Profilerin Libby hat schwere Probleme mit den Nachwirkungen ihrer Entführung durch den Massenmörder Vincent Bailey. Ihr Mann Owen ermittelt gleichzeitig in einem Mordfall im Drogenmilieu.
Unverhofft wird er vom Dienst suspendiert und kurz darauf wegen Korruptionsverdacht verhaftet. Mit aller Macht arbeitet Libby daran wieder in den Dienst zurückkehren zu können um Owen zu helfen. Doch Libby hat ein Geheimnis, von dem selbst Owen nichts ahnt.
Der vorliegende 8. Band hat mir wieder einmal sehr gut gefallen. Obwohl diesmal keine Entführungen, Vergewaltigungen und andere grausame Taten geschehen, hat es Dania Dicken geschafft mich zu fesseln. Polizeiarbeit wie sie wirklich ist, gut dargestellt. Für den Fan der Reihe ist es gleichwohl spannend, wie die Protagonistin an den Nachwirkungen ihrer grausamen Entführung leidet, die körperlichen sowie psychischen Verletzungen und ihre Verarbeitung, sind in diesem Fall, eindrücklich beschrieben. Besonders die Therapiebehandlungen und Gespräche fand ich aufschlussreich und interessant. Natürlich hat mich auch der aktuelle Fall, den die MPDC bearbeitet, bewegt. Eine angenehme Spannung die sich zu einem actionreichen Showdown steigert, hat mich nur so durch die Seiten gejagt. Dementsprechend schnell war das Buch gelesen. Da waren schon Momente in denen ich um Owen, seinen Kollegen Benny und auch seinen Bruder Byron gebangt habe, ich wollte nur noch wissen wie es weitergeht.
Einfühlsam erzählt die Autorin wie sich Libby zurückkämpft und wie eine Löwin versucht, ihrem Mann zu helfen. Die beiden sind so sympathisch beschrieben eine Freude, dies zu lesen. Selbst die dargestellten Liebesszenen sind ästhetisch beschrieben.
Man ist beim Lesen dicht an den Figuren dran, eine Entwicklung ist bei den handelnden Charakteren spürbar, sie handeln authentisch und man kann sich mit ihnen identifizieren. Besonders interessant war in diesem Band Byron, da bin ich gespannt wie er sich in den folgenden Bänden weiterentwickelt.
Besonders passend diesmal das Cover, ein Riss – eine Wunde, die einfach nur zusammengetackert wurde.
Ein Muss für die Fans der Reihe, ein Band der das Vergangene mit dem Zukünftigen verbindet. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung. Von mir verdient 5 Sterne.
Lucrezia, die Herzogin von Ferrara
Porträt einer Ehe von Maggie O'Farrell
Porträt einer Ehe, historischer Roman von Maggie O’Farell, Ebook von Piper ebooks.
Das vergessene Leben der Lucrezia de‘ Medici.
Lucrezia ist das fünfte Kind und die dritte Tochter von Großerzog Cosimo I. de Medici und seiner Gemahlin Eleonora von Toledo. Nach dem Tod ihrer Schwester Maria, wurde sie stattdessen mit dem Herzog von Modena und Ferrara, Alfonso II.
verheiratet. Damals war sie 15 Jahre alt. Schon ein Jahr später war sie tot. Die Ehe blieb kinderlos, Gerüchte besagen, dass sie von ihrem Gatten ermordet wurde.
Maggie O’Farell hat als Inspirationsquelle für ihr Buch das Gedicht "My Last Duchess" von Robert Browing zugrunde gelegt. Im Nachwort bestätigt die Autorin, dass sie versucht hat, das bisschen, was über ihr kurzes Leben bekannt ist, zu verwenden, aber auch einige fiktive Änderungen vorgenommen hat.
Ich habe das Buch sehr gerne gelesen, es hat mich gut unterhalten. Einfühlsam und voller historischer Details erzählt die Autorin vom vergessenen Schicksal der Lucrezia de’ Medici – und schafft so ein nachvollziehbares Porträt der italienischen Renaissance in all ihrer Brutalität und Schönheit. Da kann ich der Autorin nur hervorragende Recherchearbeit bestätigen. Detailgenau werden hier die Kindheit und die kurze Zeit der Ehe von Lucrezia beschrieben, manchmal schien es mir ein wenig zu viel des Guten wenn seitenlang ein Kleid oder die Ausstattung eines Deckengemäldes beschrieben wird. Als Stilmittel hat die Autorin die auktoriale Erzählweise gewählt, allumfassend ist deshalb der Überblick. In zwei Zweiteben die den Lesefluss in keiner Weise gestört haben, so authentisch glaubhaft geschrieben, dass man meint, genauso wäre es auch passiert – lebendig und flüssig zu lesen. Die einzelnen Kapitel sind mit Ort und Datum gekennzeichnet und tragen einen zum Inhalt passenden Titel. Die Charaktere sind gut ausgearbeitet, man meint die wichtigsten Figuren ganz genau zu kennen. Das Ende, das O’Farell ihrer Geschichte gegeben hat, hat mich verblüfft. Das hat mich völlig überrascht, weil sich im Laufe der Geschichte nichts in diese Richtung angedeutet hatte.
Meine Lieblingsfigur war die Protagonistin, wie sie beschrieben ist, tragischerweise zu früh geboren, in der heutigen Zeit würde ein Mädchen mit ihren Fähigkeiten wohl als hochintelligent gelten. Der Herzog von Ferrara jedoch kommt im Buch nicht gut weg, der Vergleich in der Geschichte mit dem doppelgesichtigen römischen Gott Janus finde ich sehr passend. Auch seine beiden weiteren Ehen blieben kinderlos. Die Schuld daran, wurde zur damaligen Zeit natürlich den Ehefrauen gegeben.
Das im Buch beschriebene „Hochzeitsgemälde“ wird es wohl nie gegeben haben.
Ein bemerkenswertes Buch, für Leser die sich für die Zeit der italienischen Renaissance interessieren. Dafür eine Leseempfehlung und von mir 4,5 Sterne.
Lebenslang schuldig?
Als die Welt zerbrach von John Boyne
Als die Welt zerbrach, Historischer Roman von John Boyne, EBook von Piper ebooks.
Der Junge im gestreiften Pyjama – wie es weitergeht.
Gretel ist über 90 Jahre alt, am Ende ihres Lebens erinnert sie sich an die verhängnisvollen Ereignisse ihres Lebens. Das Buch beginnt drei Jahre nach dem schrecklichen Verschwinden ihres Bruders.
Zusammen mit ihrer Mutter flieht das Mädchen von Polen nach Paris, doch sie muss erkennen wie schwer es ist, der schrecklichen Vergangenheit zu entkommen. Sie führt ein unruhiges Leben, das sie nun endlich im hohen Alter, beschaulich in einer Wohnung in London verlebt.
Doch dann zieht eine junge Familie in die Etage unter ihr ein, bald merkt sie, dass bei den neuen Mietern irgendetwas im Argen liegt, es handelt sich um häusliche Gewalt. Nun steht Gretel vor der Wahl soll sie wieder wegsehen oder einschreiten auch wenn die Gefahr besteht, dass ihr Lebensgeheimnis dadurch aufgedeckt werden könnte?
Das Buch besteht aus drei Teilen, die in einzelne Kapitel unterteilt sind. Die Teile sind mit Jahreszahlen und Orten, die Kapitel mit Zahlen gekennzeichnet. Fremdsprachliche Ausdrücke und Eigennamen sind kursiv gedruckt, somit deutlich abgesetzt. Der Autor erzählt in der Ich-Form aus der Sicht der Protagonistin die Geschehnisse in der Gegenwart, wobei die Protagonistin sich immer wieder an die Vergangenheit und die damaligen Ereignisse zurückerinnert. Durch die beiden Zeitebenen hat es anfangs etwas gedauert, bis sich Lesefluss eingestellt hat. Doch bald haben die beiden Erzählstränge dazu geführt, dass ich nur umso schneller durch das Buch geflogen bin, denn die einzelnen Stränge enden meist an einem spannenden Punkt. Tatsächlich hatte ich das Buch an einem einzigen Tag ausgelesen, die Spannung war irgendwann so hoch, dass ich den Reader einfach nicht mehr aus der Hand legen konnte. Obwohl der Autor nicht anklagend schreibt, bleibt der Leser geschockt zurück. Oft wird die wörtliche Rede verwendet, die es schaffte, mich vollständig in die Handlung zu involvieren
Es ist schier unglaublich welche Abgründe sich auftaten, geschickte Plottwists und ein ungeahntes imposantes Ende haben mich verblüfft. Ich habe die Lektüre sehr genossen, zum Verständnis dieses zweiten Teils ist es nicht nötig den ersten Band der Geschichte zu kennen, denn der Autor geht zum gesamten Verständnis immer wieder ausreichend auf die Ereignisse im ersten Teil ein. Anhand des Covers ist die Verbindung zu Band eins, ganz klar erkennbar.
Alle Figuren sind hervorragend und detailliert gezeichnet, sie handeln nachvollziehbar wenn auch nicht unbedingt sympathisch. Eine Entwicklung der Charaktere vor allem der Protagonistin, ist deutlich vorhanden. Die Geschichte ist logisch aufgebaut und trotz der beiden Erzählstränge verständlich und überschaubar. Die beiden Zeitebenen wechseln sich so ab, dass man nicht aus dem Lesefluss gerissen wird. Die Geschichte hat mich berührt, hat nachgewirkt.
Auf die Frage nach der eigenen Schuld gibt es im Buch keine Antwort, doch wird hier das Thema gebührend und von allen Seiten angegangen. Ein Buch, das zum Nachdenken anregt. Der Roman wird mir, wie auch schon der Vorgängerband, noch lange in Erinnerung bleiben.
Eine absolute Leseempfehlung und 5 Sterne.
Gottesgnadentum
Schloss Liebenberg. Hinter dem hellen Schein von Hanna Caspian
Schloss Liebenberg: Hinter dem hellen Schein. Historischer Roman von Hanna Caspian, Knaur eBook
Auftaktband zur Schloss-Liebenberg- Reihe von Hanna Caspian
Adelheid ist die 18jährige Tochter eines Taglöhners, als sie Stubenmädchen im fürstlichen Schloss derer von Eulenburg werden soll, kann sie ihr unermessliches Glück kaum fassen.
Nun kann sie ihre bitterarme Familie mitversorgen. Gleich ab ihrem ersten Arbeitstag fühlt sie sich zu Viktor einem der Diener hingezogen, der ihr jedoch sehr kühl begegnet. Bald jedoch befindet sie sich inmitten von Neid und Intrigen, denen sie zum Opfer fällt, sie wird zum Hausmädchen degradiert. Die Sorgen um ihre Stellung, um ihre Familie und die Demütigungen der Herrschaft nimmt sie als gegeben hin, eine Freundin findet sie in Hedda Pietsch.
Das Buch ist in elf längere Kapitel eingeteilt die sich in Leseabschnitte in angenehmer Länge gliedern. Die einzelnen Anschnitte sind mit Datum überschrieben. Der chronologische Überblick ist somit leicht möglich. Betonte Wörter und Sätze, sowie Gedanken sind kursiv hervorgehoben. Als Erzählform hat die Autorin die personale Sicht verschiedener Charaktere gewählt. Eine bildhafte und flüssige Erzählweise in einer außergewöhnlichen Klarheit und Eleganz, passend zum Milieu in dem das Buch spielt. Der Schreibstil lässt ein leichtes und flüssiges Lesen zu, Lesefluss hat sich sofort eingestellt. Allzu große Spannung kam jedoch selten auf. Trotzdem konnte ich das Lesegerät kaum aus der Hand legen. Das Personenregister vorne im Buch war bei der Menge der Charaktere äußerst hilfreich.
Das Besondere am Buch ist die Perspektive der Erzählung, nicht wie in den meisten Romanen dieses Genres aus Sicht der Herrschaften. Nein, hier erzählt Caspian sozusagen von unten, nämlich aus Sicht der Dienstboten, mich hat das Gelesene an die frühere Fernsehserie „Das Haus am Eaton Place“ erinnert.
Die Figuren wirken so echt, wie aus dem Leben gegriffen, die Armut und Verzweiflung der Taglöhner z.B. ist so eindrucksvoll geschildert. Die Hierarchie der Dienstboten in einem großen Haushalt ist deutlich dargestellt. Wie können die Bediensteten diese Ausbeutung als gottgegeben hinnehmen? Einzelne Figuren gute wie böse haben bei mir einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Der Butler Opitz, ein schmieriger Typ und Säufer, der die Dienerschaft schlecht behandelt und erpresst und der seine Fehler anderen in die Schuhe schiebt. Adelheid, die sich liebevoll um ihre Familie kümmert und jede Mark zuhause abliefert, Hedda das taffe Stubenmädchen, Victor und sein Geheimnis, auch was die Gouvernante Constanze erlebt hat, all das hat mich ergriffen, das werde ich so schnell nicht vergessen. Doch alle haben ein gemeinsames Ziel, nämlich ein wenig persönliches Glück zu erhaschen.
Der Mittelpunkt dieses Romans ist die Eulenburg-Affäre, die Kaiser Wilhelm II. sehr geschadet hat. Durch eine unfassbare Schmutzkampagne wurde diese Affäre um die Liebenberger Tafelrunde, durch die homophobe Einstellung der Gesellschaft in der damaligen Zeit und durch die sensationslüsterne Presse, als Skandal in aller Welt bekannt gemacht.
Insgesamt kann ich der Autorin nur eine hervorragende Recherchearbeit bestätigen. Die Handlung ist flüssig und logisch aufgebaut. Alle Figuren handeln nachvollziehbar. Eine Weiterentwicklung bei der Protagonistin und auch anderen Figuren, ist deutlich. Am Schluss des Buches ist jedoch kein Ende der Geschichte erkennbar, ich kann es kaum erwarten, den zweiten Teil der Liebenberg Saga zu lesen.
Ein Leseempfehlung und von mir 5 Sterne.











