Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Ele:
Libby gibt nicht auf
Schrei um dein Leben von Dania Dicken
Schrei um dein Leben, Profilerthriller von Dania Dicken, EBook
Der 7. Band der Libby Whitman-Reihe.
Der vorangegangene Band endet mit der Entführung der FBI-Agentin Libby Whitman, ihr Mann wurde dabei lebensgefährlich verletzt und die Profilerin befindet sich in den Fingern von Vincent Bailey einem Serienmörder und Vergewaltiger, der auf der Liste der zehn meistgesuchtesten Verbrecher der Vereinigten Staaten steht.
Zusammen mit den Eltern der Entführten, ihren Freunden und mit ihrem Ehemann versucht das FBI, den Serientäter zu stellen, doch das gestaltet sich zunächst als schwierig. Libby hat eine schlimme Zeit durchzustehen.
Diesen Band habe ich regelrecht durchgesuchtet. Es war mir kaum möglich den Reader aus der Hand zu legen, in der lesefreien Zeit haben mich die Gedanken daran nicht mehr losgelassen. Auch in diesem Band geht es ordentlich zur Sache, der Leser muss schon einiges aushalten können. Nicht voyeuristisch, aber unendlich nervenzermürbend hat die Autorin die Geschehnisse zwischen Opfer und Täter, wie auch die verzweifelten Ermittlungen beschrieben. Kopfkino pur. Unterhaltung so spannend, einfach genial. Dazu beigetragen hat die Erzählform in zwei Erzählsträngen, das ist ein Stil der mich ganz besonders schnell lesen lässt. Die Autorin hat die auktoriale Form gewählt, dadurch ist der Gesamtüberblick zum vollsten Verständnis der Geschehnisse gewährleistet.
Beeindruckt hat mich zum einen die Tapferkeit der Protagonistin, ihr Martyrium ging mir regelrecht unter die Haut. Ihre Kaltblütigkeit mit der sie versucht, sich aus den Klauen des Monsters zu befreien ist unglaublich, aufgeben ist kein Thema. Doch auch die Coolness und Zuversicht ihrer Angehörigen hat mich angerührt. Die professionale Arbeit des Ermittlerteams konnte mich auch hier wieder begeistern. Ein höchst emotionales Buch, das Beste für mich aus dieser Reihe bisher. Die Faszination, die die Thriller der Autorin für mich ausmachen, ist die Sicht von der psychologischen Seite. D. Dicken hat Psychologie studiert und das merkt man in jedem Satz. Auch der bildhafte Erzählstil konnte mich überzeugen, die Beschreibung der San Francisco Bay Area oder die Schilderung der weiten tiefen Wälder Pennsylvanias hier der Moshannon State Forest, haben mir das Gefühl gegeben ich bin mittendrin.
„Schrei um dein Leben“, den Buchtitel könnte man hier mit dem Spruch: Nomen est Omen bezeichnen. Was die tapfere Agentin ausgehalten hat, ohne komplett zu verzweifeln oder aufzugeben hat mir enorm imponiert. Meine Empfehlung, am besten die Bücher der Libby-Reihe zum umfassenden Genuss, hintereinander zu lesen, möchte ich dem Leser wieder ans Herz legen. Bei Band fünf, sechs und sieben ist es ein unbedingtes Muss, zum vollständigen Verständnis, der kompletten Geschichte.
Ich freue mich schon auf den nächsten Teil der Reihe und vergebe hier die volle Punktzahl 5 Sterne.
Skrupelloser Serienkiller schlägt zu
Wo Tod statt Liebe wartet von Dania Dicken
Wo Tod statt Liebe wartet, Profiler Thriller von Dania Dicken, EBook
Der 6. Band der Libby Whitman-Reihe.
Band 5 endete mit einem spannenden Cliffhanger, Libby erwacht im Krankenhaus, nachdem sie von Vincent Bailey angeschossen wurde, zum Glück konnte sofort operiert werden und schon bald kann sie ihre Arbeit beim FBI wieder aufnehmen.
Noch immer ist das FBI hinter dem flüchtenden Bailey her, der nicht aufhört Frauen zu entführen, sie zu misshandeln und sie schließlich auf grauenhafteste Art zu töten. Parallel dazu ermittelt Libby mit ihren Kollegen in einem weiteren höchst interessanten Fall. Bei Umbauarbeiten wurde in einer Wand, das eingemauerte Skelett einer jungen Frau entdeckt.
Auch in diesem 6. Profilerfall konnte ich das Buch kaum noch aus der Hand legen. Schlag auf Schlag reihen sich Entführungen an das Auffinden der misshandelten Frauen in kurzer Abfolge. Bailey ist eine Bestie und immer wieder gab es Szenen aus Tätersicht, die kaum zu ertragen waren. Wer die Bücher von D. Dicken kennt, weiß, dass der Leser nicht empfindlich sein darf um das zu lesen. Viel schlimmer noch fand ich die Bedrohungen, die die junge Agentin immer und immer wieder brieflich und auch telefonisch erreichten. Daher ist Libby wieder einmal meine Lieblingsfigur so tapfer und unerschrocken, was für eine starke Frau. Was ganz besonders in der Schlussszene deutlich wird. Emotionen und Ängste werden so plastisch dargestellt, dass ich sie selbst spüren konnte. Die Anspannung die ich bei den Büchern der Autorin spüre, steigert sich von Seite zu Seite. Der bildhafte und flüssige Schreibstil der Autorin hat mich überzeugt. Z.B. das Setting und auch die Gäste bei der Hochzeit der Hauptfiguren, waren so gut beschrieben, dass man meinen könnte man sei selbst dabei gewesen. Das hat mir ganz besonders gut gefallen.
Doch auch die fieberhafte Recherchearbeit nach der Identität des Skeletts in der Wand und die dadurch beschriebene FBI-Arbeit haben mich verblüfft. Natürlich gab es dazu auch angeführte Fälle aus der Realität, Theresa Knorr und Gertrude Baniszewski – ich konnte nicht umhin ihre Namen im Internet zu recherchieren, die Autorin schafft es immer wieder, mich durch ihre Kenntnissen zu verblüffen. Ein Grund warum ich ihre Bücher schätze, neue interessante Fakten gibt es in jedem Band. Der Spannungsbogen bleibt während der gesamten Story hoch, und so hatte ich das Buch in kürzester Zeit gelesen. Wegen des nervenzerreißenden Schluss, werde ich sofort mit dem Folgeband beginnen.
Deshalb auch meine Empfehlung, Band 5 – 7 unmittelbar hintereinander zu lesen, besser jedoch die gesamte Libby Whitman Reihe. Für diesen unfassbar aufregenden unterhaltsamem Thriller Höchstnote 5 Sterne.
Hoffen und Warten
Ein Kind namens Hoffnung von Marie Sand
Ein Kind namens Hoffnung, historischer Roman von Marie Sand, Droemer EBook.
Wer einen Menschen rettet, rettet die ganze Welt.
Berlin 1938 Elly Berger ist Köchin bei der wohlhabenden jüdischen Familie Sternberg in Berlin. Hanns Sternberg ist Arzt und seine Gattin Pianistin. Durch Verrat wurden sie denunziert, von der Gestapo aufgegriffen und bei Nacht und Nebel weggebracht.
Elly konnte jedoch Leon retten und hat Sara, seiner Mutter versprochen ihn zu beschützen. Schwere Zeiten kommen auf die heldenhafte Elly zu, Flucht Hunger und Sorgen ums Überleben. Doch Elly hat mit ihrer pragmatischen Art, den Krieg und die schwere Zeit danach gemeistert, weil sie Leon als ihren Sohn ausgab. Die Geschichte der Elly Berger steht stellvertretend für all die "stillen Heldinnen", die unter Einsatz ihres eigenen Lebens, jüdische Kinder vor den Nazis retteten, Der Roman beruht teilweise auf einer wahren Geschichte.
Das Buch besteht aus vier Teilen, die mit Zeitabschnitten (Jahreszahlen) gekennzeichnet und in 26 Kapitel aufgegliedert sind. Der Erzählstil ist eindrucksvoll mitunter derb, mit kraftvoller Sprache, lebendigen Dialogen, jedoch eher modern als in der damals üblichen Sprachweise. Bildhafte Schilderungen haben geholfen, mir das Setting gut vorzustellen, die Autorin erzählt das Geschehen in der personalen Form, aus der Sicht der Protagonistin Elly. Aufgelockert ist das Schriftbild durch Sätze in kursiver Schrift, z.B. bei Gedanken oder Gebeten. Eine umfangreiche Recherchearbeit kann ich nur bestätigen.
Insgesamt hatte ich keine Mühe, das Buch flüssig zu lesen, einiges hätte ich mir deutlicher erklärt gewünscht, wo war Sara nach Helenes Besuch, was hat sie da getan? Oder z. B. Szenen auf dem Bauernhof nach Kriegsende, da ging es in der Geschichte in großen Sprüngen voran, jedoch war die Handlung immer nachvollziehbar. Die Figuren im Buch jedoch finde ich nicht so gut gelungen, allen voran Elly, ihre Wesensart ist mir suspekt. Sie ist tüchtig und mutig ohne Zweifel, sie packt das Leben an und kommt durch, mit Leon. Doch was links und rechts am Weg liegenbleibt, ihr Mann der ihnen im Grunde das Leben gerettet hat, der kleine Erich, sogar Mathilda ihre Tochter, für sie Nebensachen. Ihr höchstes Lebensziel ist Leon zu retten, alles andere scheint nicht wichtig. Dass sie ihren Vater und die Schwestern nicht liebt, kann ich verstehen, aber die Mutter? Überhaupt was ist das für eine unterschwellig angedeutete Beziehung zu ihrem Vater gewesen? Oder habe ich da etwas missverstanden? Genau dasselbe mit Sara. Auch zu ihr ist es m. M. keine normale Beziehung zu einer Herrschaft. Da habe ich auf eine abschließende Erklärung gehofft. Letztendlich war das Ende für sie jedoch eine Enttäuschung. Sie hat ihr ganzes Leben geopfert der Dank dafür hätte deutlicher ausfallen können. Das hat mich schon berührt. Dass Mathilde, ihre Tochter, als sie den Brief fand, so reagiert hat, hat mich überhaupt nicht gewundert. Spannung und Dramatik waren jedoch genügend vorhanden, eine schlimme Zeit, gut beschrieben.
Alles in allem ein gelungenes Debüt, doch es ist noch Luft nach oben geblieben. Am meisten haben mich die eckigen Figuren gestört, m. E. wenige, normal agierende Personen dabei, am ehesten vielleicht noch die Hühnerbaronin, Jim oder Luise. Auf alle Fälle werde ich die Autorin im Auge behalten, mal sehen was da noch kommt. Von mir 3,5 wo nötig 4 Sterne.
Der "Gesichtermacher"
Der Horror der frühen Chirurgie von Fitzharris Lindsey
Der Horror der frühen Chirurgie, Sachbuch von Lindsey Fitzharris, 322 Seiten erschienen im Suhrkamp-Verlag.
Die berührende Geschichte des Medizinpioniers der wiederherstellenden Chirurgie. Harold Gillies war ein junger visionärer Chirurg, durch ihn wurde die plastische Chirurgie zu einem wichtigen Teil der modernen Medizin.
Der erste Weltkrieg hatte bedingt durch seine neuen Waffen- und Kampftechniken besonders viele verheerende Gesichts- und Kopfverletzungen zur Folge. Doch die Wissenschaft stand dieser Zerstörung ratlos gegenüber. Während Soldaten, die einen Arm oder ein Bein verloren haben als Helden gefeiert wurden, lösten Gesichtsversehrte Ekel und Abneigung aus. Eine solche Entstellung ist schlimmer als der Tod, hieß es, ein „normales Leben“ war nicht mehr möglich, nicht selten lösten Gesichtszerstörungen Selbstmorde aus. Prothesen für verlorene Gliedmaßen waren unkomplizierter herzustellen und anzupassen. Doch durch eine Gesichtsverletzung war manchmal selbst die Nahrungsaufnahme, oder die Atmung erschwert. Harold Gillies machte es sich zur Aufgabe, diesen Opfern wieder ein Gesicht und somit ein normales Leben zurückzugeben. Unermüdlich entwickelte er neue Methoden und Operationstechniken um den bemitleidenswerten Opfern zu helfen. Nach dem Krieg brachte er diese Fähigkeit zur Vervollkommnung und wirkte als rekonstruierender und kosmetischer Chirurg, ein Pionier der modernen Schönheitschirurgie. Sein Einfühlungsvermögen und seine Menschlichkeit waren legendär.
Das Buch besteht aus 13 Kapiteln, Die Überschriften weisen auf den Inhalt hin. Am Ende des Buches befindet sich ein über 30 Seiten starker Teil mit Anmerkungen, die ich nach einigen Seiten jedoch vernachlässigt habe. Im Epilog ist vermerkt, was nach dem Krieg weiter geschah, bemerkenswert finde ich, dass Generäle zuhauf für ihre Kriegstaten mit Auszeichnungen geehrt wurden, doch Gillies erst nach etlichen Jahren in den Ritterstand erhoben wurde.
Band zwei war wie auch schon der erste Band, nicht für zimperliche Leser geeignet. Verstümmelung, die Grausamkeit des Krieges, Blut und das Leid der Verletzten ist so bildhaft beschrieben, dass es wie ein Film im Kopf abläuft. Dazu kommt, dass ich weitere Recherchen über Gesichtsverletzte und Rekonstruktionen sowie Operationsmethoden im Internet geführt habe. Was für ein überwältigendes Thema, die Autorin konnte mich, wie auch schon im vorangegangenen Teil, vollkommen überzeugen. Die promovierte Medizinhistorikerin veröffentlicht regelmäßig in verschiedenen Zeitungen, auch medizinischen. Eine gründliche Recherchearbeit kann ich nur bestätigen. Leselust hat sich hier bei mir unweigerlich eingestellt. Ich bin restlos begeistert und hoffe, dass von Fitzharris noch einiges zu erwarten ist. Sicher macht es mit etwas medizinischer Vorbildung mehr Spaß das Buch zu genießen, dies ist aber zum Verständnis nicht notwendig. Ein Sachbuch, welches sich wie ein spannender Aktionroman liest.
Interessant fand ich die Kapitel über die verschiedenen Operationstechniken, Bluttransfusionen, Gesichtsprothesen und Masken sowie Operationen und Behandlungen die nicht den gewünschten Erfolg brachten. „Kriegsreporter bezeichnen Gesichtsverletzungen als den härtesten Schlag, den der Krieg einem Menschen versetzen kann. Sie nehmen den Betroffenen ihre sichtbare Identität“ diese Sätze haben mich nicht mehr losgelassen.
Wer sich für Medizingeschichte interessiert und etwas Fachkenntnisse mitbringt fühlt sich hier sicher gut unterhalten. Dafür von mir volle Punktzahl, 5 Sterne.
Die Weihnachts-Wunderfrauen
Die Wunderfrauen von Stephanie Schuster
Die Wunderfrauen: Wünsche werden wahr, weihnachtliche Zugabe zur Wunderfrauen-Trilogie, von Fischer Ebooks.
Die Wunderfrauen treffen in den 90er Jahren zusammen und feiern gemeinsam Weihnachten.
Noch einmal treffen sich die Wunderfrauen Heiligabend 1991 um gemeinsam zu feiern, auf dem Brandstetter Hof, den Luise Dahlmann und Marie Brandstetter als Pferdehof und Gasthof gemeinsam betreiben.
Mit dabei auch Helga und Annabell. Es gibt viel zu erzählen, zu berichten und aufzuarbeiten und es ist nicht immer nur Schönes. Eine emotionale Weihnachtszugabe der beliebten Wunderfrauen-Trilogie.
Erneut haben mich die Wunderfrauen bestens unterhalten. In kürzester Zeit war das Buch gelesen, dabei kann die Autorin wieder einmal mit den bewährten Stilmitteln überzeugen. Eine hervorragende Zeichnung und tiefe Charakterisierung der Freundinnen und ein bildhafter und flüssiger Schreibstil. Die Freundinnen bekannt aus den drei Folgen der Trilogie haben sich noch einmal weiterentwickelt bis ins Jahr 1991, wurden Großmutter, mussten die eigenen Kinder ins Leben entlassen, machen sich noch einmal auf ins Leben, oder auf entfernte Reisen, oder sind krank. Dieser Winterband war ein schöner Abschluss, mit einem versöhnlichen Ende.
Es war interessant zu erfahren wie es den Wunderfrauen, nach dem dritten Teil weiter ergangen ist. Da auch eine kleine Kriminalgeschichte und eine bevorstehende Geburt dabei sind, ist es sogar noch richtig spannend geworden. Gut gefallen haben mir wieder die Einträge aus Luises Kochelkachelbuch, Rezepte Tipps und Anregungen. Eine Fortsetzung von Luises Ladenkundebuch, denn Luise schreibt noch immer gerne Listen. Viel Lokal- und Zeitkolorit ist auch wieder mit dabei. Der Zeitgeist ist mit vielen Liedern, oder Buchtiteln dargestellt die kursiv abgedruckt sind. Wie in den vorangegangenen Bänden kommen die Freundinnen wieder abwechselnd zu Wort, die Kapitel sind mit den jeweiligen Namen überschrieben. Neu dabei ist Josie, die Tochter von Luise, eine von allen Seiten beleuchtete Erzählung somit. Leider waren auch viele Wiederholungen der Ereignisse dabei, die die Leser der Serie schon kannten.
Ein nettes Buch für die Fans der Wunderfrauen-Trilogie, ein Weihnachtsbuch, das alleinstehend zu lesen m. M. nach kaum Sinn macht. Ich habe mich über das Wiedersehen sehr gefreut von mir gibt es dafür 4 von 5 möglichen Sternen.
Reifen und Wirken
Kinderklinik Weißensee – Tage des Lichts von Antonia Blum
Kinderklinik Weißensee – Tage des Lichts, Roman von Antonia Blum, EBook by Ullstein EBooks.
Die beiden Lindow-Schwestern stehen voll im Leben.
Berlin – Weißensee 1929, Die Kinderärztin Marlene von Weinert genießt ihren beruflichen Erfolg, zusammen mit ihrem Ehemann Maximilian, arbeitet sie an der Kinderklinik, doch ein unerfüllter Kinderwunsch trübt das Glück der beiden.
Deshalb will Marlene kürzertreten, bald jedoch merkt sie, dass sie sich ohne eine Aufgabe überflüssig vorkommt. Zusammen mit ihrem Doktorvater Czerny, forscht sie an der praxisorientierten Herstellung des von Fleming gefundenen Penicillins.
Ihre Schwester Emma bekommt die Stelle der Oberschwester an der Klinik, dort muss sie feststellen, dass Marie-Luise Fischer, die den beiden Schwestern schon in ihrer Elevinnen-Zeit das Leben schwer gemacht hat und direkt vor ihrer Nase als Oberin angestellt ist hat sich nicht verändert. Private Sorgen z.B. mit ihrem Sohn Theodor, der ins „braune“ Umfeld abdriftet.
Letztendlich müssen die beiden Schwestern kräftig anpacken um ihre Familien und auch den Fortbestand der Kinderklinik zu retten.
Das Buch besteht aus 30 aufregenden Kapiteln, jedes einzelne versehen mit Datum, dem Ende zu mit einem Countdown. Als Stilmittel hat die Autorin die auktoriale Erzählweise gewählt, zu jeder Zeit ist somit die Übersicht über das gesamte Geschehen gewahrt. Wieder einmal hat mich Antonia Blum, schon am Anfang des Buches abgeholt und bis zur letzten Seite nicht mehr losgelassen, ganz tief war ich in den Schicksalen und Geschehnissen versunken. Perfekt verbunden sind historische Fakten mit fiktiven Ereignissen, genau das ist es, was mich an Blums „Weißensee Reihe“ fasziniert. Im Nachwort, habe ich dazu noch einige interessante Anmerkungen gefunden. Spannung von Anfang an, gefüttert mit herzzerreißenden emotionalen Wendungen, keine Chance das Buch aus der Hand zu legen, so war es an einem Tag gelesen. Einige Tränen musste ich verdrücken, denn einige Szenen gingen mir nahe. Meine Bewunderung auch für die Charakterisierung der Figuren. Beide Schwestern und auch so manch andere Person im Buch haben sich prächtig entwickelt. Doch auch die angeführten medizinischen Fakten lassen auf eine gründliche Recherche schließen, ebenso die Geschichte rund um Radio und Journalismus in der ausgehenden Weimarer Republik, der Beginn des Nationalsozialismus. ein enormes Zeit- und Lokalkolorit wird durch die Lektüre geschaffen. Dialoge z.B. in Berliner Mundart beleben den Roman. Wirtschaftskrise, Börsencrash, Blutmai, keine Frage in welcher Epoche der Leser sich befindet. Historische Fakten, private und medizinische Geschehnisse, familiäre Einsichten, eine gelungene Handlung, die stets nachvollziehbar und logisch dargestellt ist, Personen mit denen man sich identifizieren kann, so lebensecht geschildert, dass man meinen könnte sie schon lange zu kennen.
Die Protagonistinnen durch einige markante Zeiten der Geschichte zu begleiten hat wieder riesigen Spaß gemacht. Die Lesefreude hat sich auch im dritten Teil keineswegs abgenutzt. Die Vorfreude auf den vierten Band der Serie ist enorm. Der dritte Teil kann gut als Einzelband gelesen werden, doch empfehle ich alle Bücher in der Reihenfolge zu lesen, der Genuss ist umso größer. Volle Punktzahl 5 Sterne.
Brotbacken ganz einfach
Das große Brotbackbuch von Christina Bauer
Brot backen ist nicht schwer, mit den Anleitungen von Christina Bauer.
Schon der erste Eindruck hat mir gefallen, ein übersichtliches Inhaltsverzeichnis und zu Beginn, nach kurzer Einführung ein leckeres Starterrezept um ein Gefühl für die Verarbeitung der Christina-Rezepte zu bekommen.
Doch bevor es ans Losbacken geht, werden die Zutaten und die Werkzeuge erklärt, danach die Techniken und Methoden der Verarbeitung, z.
B. Gehzeiten, Art der Teigführung etc. Am Ende das Formen und Wirken. Mit dabei besondere Brot- und Brötchenformen. Alles bebildert und dokumentiert. Die dazwischen platzierten QR-Codes führen zu Video-Tutorials.
Nach dem theoretischen Teil beginnt das Backen. Teigarten und die Fehler die dabei gemacht werden können. Hilfreiche Tipps und Tricks in den roten Kästen informieren den Bäcker mit Backwissen plus. Am Ende dieses Teils nun die Königsdisziplin, die Herstellung eines Sauerteigs und wie man damit umgeht, damit werde ich mich demnächst eingehend befassen.
Der Großteil des Buches ist dem Wichtigsten gewidmet, den Rezepten. Eine Vielfalt diverser Brot-, Wecken- und Teilchenrezepte. Ganz Besondere sind auch dabei Zupfbrote, Kipferl, Schnecken Pizzen sowie Süßgebäcke aller Art. Die Rezepte sind übersichtlich. Links die Zutaten und in der rechten Spalte passen dazu platziert die einzelnen Arbeitsschritte. Zu jedem einzelnen Rezept gibt es auch ein ansprechendes Foto des fertigen Gebäcks. Besonders entzückt hat mich, dass es auch vielfältige Rezepte für die Verarbeitung und Verwendung von Gebäck- und Brotresten gibt.
Zum Abschluss aber m. M. nach ganz besonders wichtig – die Beantwortung von Fragen die beim Brotbacken auftauchen können.
Ich selbst habe mich bisher an folgenden Rezepten ausprobiert: Rosinenbrötchen/ Weinbeerweckerl, für den Anfang einfach zum Herstellen. Nach der Anleitung Schritt für Schritt war es eine Leichtigkeit, das Ergebnis war einfach nur lecker, zum richtigen Abkühlen blieb gar keine Zeit mehr. Bei mir hat der Teig etwas länger zum Gehen gebraucht, als im Rezept angegeben.
Anhand der Anleitung habe ich es geschafft mein Lieblingsgebäck Franzbrötchen herzustellen, auf das Ergebnis bin ich auf mich selbst stolz. Die waren unglaublich lecker, sie hatten nur einen Fehler, sie waren zu schnell aufgegessen.
Für den Anfang habe ich mir auch ein einfaches Brot ausgesucht, das Jausenbrot von S. 26. Ein unkompliziert herzustellendes Brot, das meiner Familie sehr geschmeckt hat. Als nächstes möchte ich mich am Ciabattabrot ausprobieren und dann geht’s ran an den Sauerteig.
Ein wahnsinnig tolles Buch, nicht nur für Könner. Auch Anfänger können es damit schaffen leckeres Brot und Gebäck herzustellen. Eine Empfehlung meinerseits und 5 Sterne.
Spezialität Baumkuchen
Café Buchwald von Maria Wachter
Café Buchwald, Roman von Maria Wachter, EBook erschienen bei piper ebooks.
Ein Roman über eine mutige junge Frau, ein traditionsreiches Café und sein berühmtestes Rezept
Emma ist die Tochter der Familie Buchwald, sie liebt den Duft der Bäckerei, nach Vanille Schokolade und Gewürzen. Eine besondere Spezialität der Konditorei Buchwald ist der legendäre Baumkuchen, damit wird Buchwald sogar Hoflieferant am preußischen Prinzenhof.
Doch nach dem plötzlichen Tod des Vaters gibt es Verwicklungen die den Fortbestand des renommierten Geschäftes in Gefahr bringen könnte. Sie verlobt sich mit dem Gesellen Fritz der den Betrieb weiterführen soll, doch Emma verliebt sich in Max, einen Architekturstudenten.
Heute besteht das Café Buchwald noch immer und ist eine der ältesten Konditoreien Berlins. Neben Touristen gehen dort auch Schauspieler und Politiker ein und aus - eine Institution.
Das Buch besteht aus 87 Kapitel in idealer Leselänge. Schlagfertige Dialoge in Berliner Mundart, beleben das Buch. Am Buch-Ende geben die historisch belegten Daten Überblick über die geschichtlichen Zusammenhänge besondere Begriffe werden im hilfreichen Glossar erklärt.
Es war ein einmaliger Genuss dieses Buch zu lesen, vor allem wegen der leckeren Kuchen und Torten die zur Sprache kamen. Die Autorin erzählt äußerst flüssig. Mir haben die bildmalerischen Beschreibungen ganz besonders gut gefallen. Das zeichnet den Roman aus. Das Setting ist auffallend gut beschrieben, eine wahre Freude das zu lesen. Z.B. wird ein Saal mit vielen technischen Zeichnern, in schwarzen Hosen, weißen Hemden und mit schwarzen Ärmelschonern passenderweise als Pinguinkolonie bezeichnet. Die Zustände in den Baracken der Armen, sind greifbar beschrieben. Aber auch detaillierte Charakterbeschreibungen haben tiefe Verbundenheit mit den handelnden Personen geschaffen. Die Beschreibung der Gefühle beim Trinken eines guten Whiskys konnte ich regelrecht spüren. In der auktorialen Erzählform und atmosphärisch dicht beschrieben, flogen die Seiten beim Lesen nur so dahin, ich wollte nur noch wissen wie es weitergeht. Ein Spannungsbogen wird kontinuierlich aufgebaut, ungeahnte frappierende Wendungen und ein überraschendes Ende haben mich überzeugt. Ein Buch welches sich von selber liest.
Auffallend fand ich auch die ausgezeichnete Darstellung des Zeitkolorits. Z.B. Bei der Gewerbeausstellung(1896). Die erste Fahrt eines Luftschiffes, die mittlerweile zweifelhafte Veranstaltung einer Völkerausstellung, die Kleidung der Akteure, dadurch kam nie Zweifel auf, in welcher Zeit sich der Leser befindet. Alle Figuren agieren authentisch und nachvollziehbar. Die Handlung ist logisch aufgebaut verständlich und voller Dramatik, ich habe mit den Buchwalds und vor allem mit Emma mitgefiebert und mitgelitten. Meine Lieblingsfigur war Max, ein aufrichtiger, anständiger junger Mann der sich nicht auf den Privilegien ausruhen will, die ihm sein Vater geschaffen hat. Dafür mein Respekt.
Von mir eine gerne gegebene Leseempfehlung. Wer sich für einen gut aufgebauten Roman, mit historisch belegtem Hintergrund, interessiert, ist hier goldrichtig. Von mir 5 Sterne.
Liberty - Freiheit
Brave Mädchen weinen nicht von Dania Dicken
Brave Mädchen weinen nicht, Prequel der Libby-Whitman-Reihe von Dania Dicken, EBook.
Die Vorgeschichte zur Thriller-Reihe über FBI-Profilerin Libby Whitman.
Grace ist sechzehn als sie mit Michael, einem mehr als doppelt so alten Mann verheiratet wird. Sie hat nie etwas anderes kennengelernt als das Leben in der FLDS-Sekte.
Die Fundamentalistische Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Was in der Hochzeitsnacht auf sie zukommt ahnt sie nicht, für sie kommt es einer Vergewaltigung gleich, deshalb flieht sie mitten in der Nacht, sie trampt nach Las Vegas. Dort findet sie Arbeit, eine Freundin und die Liebe, doch das Glück währt nur von kurzer Dauer. Michael findet sie und bringt sie zurück um sie zu unterwerfen, doch grace ist schwanger. Gelingt es ihr sich und ihre Tochter Libby zu schützen?
Ich bin sehr von dieser Vorgeschichte begeistert, Dania Dicken konnte mich hier, auch ohne Mord und Totschlag, überzeugen. Den Reader konnte ich auch bei dieser Vorgeschichte nicht aus der Hand legen. Spannung pur, vom Anfang bis zum letzten Satz. Die Handlung wird nicht mit Nebensächlichkeiten aufgebläht. Es war ein Genuss zu erfahren, was Grace für ihre Tochter getan hat. Die Liebe von Mutter und Tochter, ihre starke Verbindung inmitten dieser frauenverachtenden Religionsgemeinschaft und auch die Lebensumstände in einer fundamentalistischen Sekte, sind ausgezeichnet geschildert. Das ist der bildhaften und flüssigen Erzählweise zuzuschreiben, die die treue Leserschaft aus den Büchern der Autorin kennt. Zu jeder Zeit konnte ich mir das Setting vorstellen, die Wüste und auch die Eindrücke in der Großstadt. Die Akteure sind tiefgründig charakterisiert. Das geschilderte Böse und Hinterhältige aber auch das Gute und die aufopfernde Liebe, haben mich überzeugt. Die Figuren so echt, wie man ihnen nur im wahren Leben begegnet. Ganz klar ist es auch für mich nun, warum Libby so ist, wie sie ist. Dazu haben ihre beiden Mütter ganz großen Anteil. Mit den Vorgängen in diesen Sekten kann ich mich einfach nicht abfinden, deshalb war ich auch bei dieser Lektüre wieder ganz stark emotional involviert, die Autorin schafft das bei mir hervorragend. Dazu beigetragen hat die Lektüre, der am Buch-Ende aufgeführten Links zum Thema. Das schlimme daran, die dort geschilderten Vorfälle sind keine Fiktion, es ist die absolute Wahrheit, solche Sekten gibt es – auch heute noch.
Ich empfehle diese Vorgeschichte unbedingt als Lektüre vor dem Lesen der eigentlichen Libby-Whitman-Reihe. Ein toller Einstieg dafür. Eine Erklärung warum Libby eine so starke und mutige und sensible Frau, Geliebte und Ermittlerin ist. Deshalb von mir fünf Sterne.
Leiche im Keller
Tote Frauen schweigen nicht von Ralph Neubauer
Tote Frauen schweigen nicht, Südtirol-Krimi von Ralph Neubauer, 253 Seiten, erschienen im Athesia Verlag.
Ein Krimi mit der Sozialgeschichte Südtiroler Frauen.
Der 9. Fall und letzte Fall für Commissario Fameo, Die Kapitel gliedern sich nach Ermittlungstagen, und sind fett gedruckt mit Wochentagen überschrieben.
Schlagfertige Dialoge beleben die Erzählung, Gedanken und Zeitungsartikel sind kursiv abgedruckt und somit deutlich gekennzeichnet. Wichtige Abkürzungen sind mit Zahlen versehen und werden mit Fußnoten erklärt. Am Ende des Buches ist ein Lageplan mit dem Grundriss des Reichhalter-Kellers platziert, das hat mir sehr geholfen mich in dem unterirdischen Gewölbe zurechtzufinden.
Fabio Fameo mit Familie beim gemütlichen Abendessen im Reichhalter, derweil die Jugend in den Kellergewölben gruselige Unterhaltung sucht. Dabei finden die Kinder hinter einer Mauer die Überreste einer über hundert Jahre toten Frau, dieser Fund zieht einen weiteren Leichenfund und einen Mord nach sich.
Fameos neunter und letzter Fall als Commissario, hat mich gut unterhalten und war schnell gelesen. Ich kann dem Autor nur eine absolut bildhafte Erzählweise bestätigen. Meine Wege durch Lana mit den Figuren und das beschriebene Setting konnte ich mir durchaus vorstellen. Der Spannungsbogen beginnt mit einer gruselig schaurigen Auffindesituation und bleibt hoch, bis zum überraschenden Ende. Wie der Tod der Großbäuerin mit den älteren Leichenfunden zusammenhängt habe ich jedoch frühzeitig erahnt. Die Figuren handeln logisch und sind sympathisch, die Charakterisierung ist gelungen, besonders das Senioren-Trio hat mir Freude gemacht. Der Fall hat sich plausibel aufgeklärt. Mir hat gut gefallen, dass in diesem Fall Alt und Jung zusammen mit der Polizia, das Rätsel der verschiedenen ermordeten Frauen aufklären konnten. Bei den aufregenden Ermittlungen habe ich sehr viel über die Tradition und auch über Südtiroler Geschichte, insbesondere über den Ort Lana erfahren. Das hat meiner Liebe zu Südtirol weiteres Futter gegeben. Das Dorf Lana werde ich im nächsten Südtirolurlaub sicher besuchen. Da hat mich der Krimi so richtig neugierig gemacht. Das Highlight war natürlich das aufregende Schicksal der „Schmiedin“.
Gerne werde ich die Reihe mit Commissaria Francesca Giardi verfolgen und hoffe, dass darin Fabio Fameo, den einen oder anderen Gastauftritt als Vicequestore haben wird. Dieser Fall ist ohne Vorwissen ohne Probleme zu lesen. Die wichtigen Figuren wurden ausreichend erklärt. Trotzdem empfehle ich die Reihe in der Reihenfolge zu genießen. Von mir 4,5 Sterne.











