Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Pusteblümchen:
Ein Familiendrama, das unter die Haut geht!
Aprikosenkind von Judith Merchant
Nathalie und ihr Mann Gabriel leben mit ihrer fünfjährigen Tochter Ruby das perfekte Bilderbuchleben auf dem Land. Als Ruby beginnt, sich im Kindergarten auffällig zu verhalten und der Kindergarten die Eltern darauf anspricht, beginnt das makellose Familienleben ins Wanken zu geraten.
Das daraus resultierende Familiendrama habe ich nicht kommen sehen und es ist mir direkt unter die Haut gegangen.
Judith Merchant versteht es, eine bedrohliche Atmosphäre aufzubauen, von der ich zunächst keine Ahnung hatte, worauf die Handlung hinauslaufen könnte. Die Charaktere bleiben lange rätselhaft und die unterschwellige Spannung hat bei mir für Gänsehaut gesorgt.
Ich lese gerne Thriller und mag es, wenn die Spannung durch psychologische und manipulative Vorgehensweisen hervorgerufen wird, es toxische Beziehungen und düstere Familiengeheimnisse gibt.
„Aprikosenkind“ ist kein lauter oder blutiger Thriller, sondern einer der leisen Töne und durch psychologische Tiefe fesselt.
Einblicke in die Filmbranche und Social Media
Hollywood, Ending von John Green
Im Mittelpunkt der Ereignisse stehen Kai und Juniper. Zwei Jungschauspieler, die gerade die erste große Rolle ihres Lebens erhalten und in einem Hollywood-Film über Andy Warhol mitspielen dürfen.
Der Film wird zum Erfolg. Aber nicht nur das, zwischen Kai und Juniper entwickelt sich eine wunderschöne Vertrautheit und sie verlieben sich.
Jackpot, könnte man meinen, aber wie lebt es sich, wenn einem das eigene Leben plötzlich nicht mehr alleine gehört, sondern die Öffentlichkeit daran teil hat?
Ich habe bisher alle Bücher von John Green gelesen und auch wenn dieses sein erster Erwachsenenroman ist, sein Schreibstil ist unverkennbar. Er beschreibt seine Charaktere authentisch und einfühlsam. Er lässt seine Leser direkt in die Seele seiner Charaktere blicken und ich denke, dass sich jeder an irgendeiner Stelle in ihnen wiederfinden kann.
Aus unserer schnelllebigen Welt lassen sich die sozialen Medien und die Presse nicht mehr wegdenken. Der Autor ist kritisch und macht deutlich, wie belastend und rücksichtslos diese sein können.
Neben Gesellschaftskritik kommt auch hier wieder der Humor nicht zu kurz. Durch diese Kombination wird das Buch zu guter Unterhaltung, die nachdenklich macht.
Es ist ein gewohnt tiefgründiger, humorvoller und herzergreifender Roman des Autors, der den perfekten und kritischen Blick hinter die Kulissen von Hollywood und Social Media wirft.
Zwischen Erinnerungen, Neuanfängen und Träumen
Die Regenschwimmerin von Romy Fölck
Die drei Frauen Judith, Evi und Marga treffen auf einer kleinen Insel in den Stockholmer Schären aufeinander.
Judith hat es aus Hamburg dorthin zurückgezogen, da ihr Mann sie nach zwanzig Jahren Ehe verlassen hat und sie einfach etwas Abstand und Ruhe braucht.
Sie und Evi waren als Teenager gut befreundet, bis ihre Freundschaft ein jähes Ende fand.
Nun kämpft Evi gegen eine Krankheit, die ihre Existenz als Künstlerin bedroht.
Marga ist deutlich älter als die beiden und hat bereits vor dreißig Jahren ihren Mann und ihre Tochter bei einem Fährunglück verloren. Um irgendwie mit dem Leben wieder klar zu kommen, hat sie begonnen zu schwimmen und das bei jedem Wetter.
Das Buch lebt von der Dynamik zwischen den Protagonistinnen. Jede von ihnen ist auf ihre eigene Art und Weise verletzt und steht an einem Wendepunkt in ihrem Leben. Dabei ist Marga diejenige, die Judith und Evi vorlebt, dass aufgeben keine Option ist.
Ich kannte bisher nur die Spannungsromane von Romy Fölck und war überrascht, wie anders dieses Buch ist. Es ist ruhig und atmosphärisch. Die Fäden zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart werden flüssig und ohne unnötiges Drama miteinander verwoben. Dabei fängt die Autorin die Kulisse der schwedischen Natur ein und malt Bilder vor das innere Auge ihrer LeserInnen.
Es ist ein emotionaler Roman, mit dem mich die Autorin davon überzeugt hat, dass sie wesentlich mehr kann als Kriminalromane schreiben.
Sehr unterhaltsam aber auch ausgesprochen böse
Das habe ich wegen dir getan von John Lanchester
Kate und Jack sind ein eingespieltes Ehepaar, das ein angenehmes Leben in London führt.
Nach Jacks Tod stößt Kate auf eine erfolgreiche Netflix-Serie und muss zu ihrem Entsetzen feststellen, dass diese Serie ihr Eheleben spiegelt. Klar ist, dass sich hier jemand an Kate rächen will.
Aber wer und warum?
Viel mehr möchte ich über den Plot selbst gar nicht verraten, das muss man einfach selbst lesen.
Die Anzahl der Charaktere ist zu Beginn recht hoch und ich habe ein wenig gebraucht, um in die Geschichte hineinzukommen. Leider war mir niemand so richtig sympathisch. Das muss auch nicht unbedingt sein, aber es fällt mir dadurch schwerer mitzufiebern.
Kates und Jacks Umgang fand ich durchaus unterhaltsam, auch die Dialoge mit ihren Freunden und Bekannten haben mich zum Schmunzeln gebracht, da sie sehr humorvoll mit einer guten Portion Boshaftigkeit geschrieben sind. Vieles ist, wenn auch stark übertrieben, direkt aus dem Leben gegriffen – das mag ich.
Das Buch bietet tolle Unterhaltung, ist aber auch ein wenig vorhersehbar. Was ich ein wenig schade fand, war, dass es am Ende aus meiner Sicht nur Verlierer gab und ich trotz amüsanter Momente kein positives Gefühl mitnehmen konnte.
Über wahre Freundschaft
Die Ballade von Ronan McCoy von Colin Morgan
Ronan und Brendon sind seit dem ersten Tag an der weiterführenden Schule miteinander befreundet. Brendon ist ein unscheinbarer Einzelgänger, der niemanden außer Ronan hat. Ronan weiß alles über ihn, beschützt ihn und ist immer da, wenn sein Freund ihn braucht. Bis zu dem Tag, als Brendon vor der Schule vergeblich auf ihn wartet.
Niemand erzählt Brendon, was passiert ist. Schließlich erfährt er, dass Ronan einen Unfall hatte und nun schwerst behindert ist. Für Brendon ist das der Punkt, an dem ihm klar wird, dass er nun für Ronan da sein muss, so wie dieser zuvor für ihn da gewesen ist.
Die Story ist herzerwärmend und herzzerreißend zugleich.
Durch Brendon wird deutlich, was hinter dem Begriff Freundschaft steckt. Er gibt nicht auf, steht zu Ronan und tut alles in seiner Macht stehende, um ihm weiterhin am Leben teilhaben zu lassen. Dabei wirkt er geerdeter als die Erwachsenen um ihn herum, die überhaupt nicht sehen, welche Veränderungen Ronans Unfall für Brendon bedeutet. Zwischen den beiden entsteht eine innere Verbundenheit, wie sie sich kaum in Worte fassen lässt.
Colin Morgan ist dies dennoch gelungen und ich bin zutiefst beeindruckt von dieser eindringlichen Geschichte.
Unerwartet intensiv
Suki von Salih Jamal
Im Mittelpunkt der Ereignisse steht Suki, eine Sechzehnjährige, die bereits mehrfach eine Klasse wiederholt hat und in ihrer Klasse nur wenig Kontakt zu ihren Mitschüler*innen hat.
Durch ihre deutsch-japanischen Wurzeln weiß sie, was Rassismus bedeutet und auch ihre familiäre Situation macht ihr das Leben schwer.
Ihr Vater ist nach Japan zurückgegangen, ihre Mutter lebt mit ihrer neuen Familie zusammen und Suki wohnt bei ihrer Großmutter. In Suki hat sich einiges zusammengebraut. Sie ist wütend, fühlt sich verlassen und allein.
Nach einem Unfall, der durch ihre Lehrerin Frau Fischer verursacht wurde, kommen sich die beiden näher. Auch Frau Fischer trägt eine tiefe Traurigkeit in sich.
Obwohl die Perspektive zwischen den beiden Protagonistinnen wechselt, bleibt die Lehrerin im Vergleich zu Suki eher blass. Dennoch ist es schön zu verfolgen, wie sich das Vertrauensverhältnis zwischen den beiden langsam aufbaut.
Das Buch ist kein unterhaltsamer Roman, den man liest und wieder vergisst, sondern einer, der auf Einsamkeit, Verluste und Enttäuschungen und die damit verbundenen Auswirkungen auf Menschen aufmerksam macht. Das zeigt, dass kleine Gesten oder die passenden Worte ganz viel Menschlichkeit vermitteln können und einfach nur gut tun.
Norddeutscher Krimi mit Witz und Charme
Niemals geht man so ganz von Andreas Izquierdo
Mads Madsen ist von Beruf Trauerredner und wird nun schon zum zweiten Mal unfreiwillig in einen Kriminalfall hineingezogen.
Vor seinen Augen begeht Anna Schmidt durch einen Sprung ins Wasser Suizid. Zuvor hinterlässt sie allerdings noch eine kryptische Nachricht, die für ihre 9-jährige Tochter Tilly bestimmt ist.
Die Umstände werfen Fragen auf und trotz der ausdrücklichen Anweisung von Polizeikommissarin Mills sich herauszuhalten, beginnt Mads zu ermitteln.
Neben Mads begegnen wir unter anderem dem Bestatter Fiete, seiner Hundedame Bobby und seinem etwas anstrengendem Vater Fridtjof, der durch seine verrückten Ideen für den amüsanten Part in der Handlung sorgt.
Mich hat es überrascht, wie mühelos der Autor ernste, humorvolle und emotionale Momente miteinander verbunden hat.
Mit Mads hat er einen gelungenen Protagonisten geschaffen, der das beste aus der Situation macht und genau die richtigen Worte findet. Für das Finden der richtigen Worte ist er ohnehin der Beste.
Ein Dorf voller Geheimnisse
Wie ein Fluss in der Nacht von Tana French
Für mich ist dies das erste Buch der Autorin. Ich kenne also auch die beiden vorherigen Bücher mit dem Ex-Cop Cal Hooper noch nicht, was aber kein Problem darstellt.
Als Erstes fiel mir der unglaublich atmosphärische Schreibstil von Tana French auf. Schon mit den ersten Seiten bin ich direkt in dem irischen Dorf Ardnakelty angekommen und konnte die Atmosphäre förmlich greifen.
Kurz vor ihrer Hochzeit verschwindet Rachel Holohan, und die Dorfbewohner beginnen zu suchen – unter ihnen ist auch Cal Hooper. Es dauert nicht lange, bis sie tot aufgefunden wird. Zunächst bleibt unklar, was passiert ist, aber dann gerät Cals Verlobte Lena unter Verdacht, und Cal beginnt zu ermitteln.
Die Autorin lässt sich Zeit, und die Spannung baut sich nur langsam auf. Dafür lernt man das Dorf mit seinen Bewohnern, familiären Beziehungen, Geheimnissen und vielen Gerüchten kennen. Es ist also kein Buch für Liebhaber von Action und rasanter Spannung, sondern vielmehr eines, das von seiner Atmosphäre, leisem Brodeln und unterschwelliger Spannung lebt.
Mir gefiel das Buch gut, allerdings hatte ich mehr erwartet, da es von der New York Times, der Financial Times und der Washington Post zu einem der besten Bücher des Jahres gekürt wurde.
Interessante Einblicke
Ein ganz normales Wunder von Woody Brown
Walter ist nichtsprechender Autist. Seine Eltern wollen sich nicht einfach damit abfinden und sorgen dafür, dass er sich über eine Buchstabiertafel ausdrücken kann. Nach dem frühen Tod seines Vaters bleibt Walter mit seiner Mutter alleine. Sie kümmert sich wirklich aufopferungsvoll um ihn, muss aber auch arbeiten und deswegen kommt Walter nach „Upward Bound“ einer Tagesstätte für Menschen mit Behinderung.
Hier berichtet er nun über seine Beobachtungen, erzählt aus dem Leben der „Insassen“ und den Pflegern.
Dabei gibt er ganz unterschiedliche Einblicke in das Tagesgeschehen mit Momenten, die berühren, die schockieren oder auch einfach nur verwundern. Diese Sorgen für einen ganz neuen Blickwinkel auf die Bewohner der Tagesstätte, sorgen für Verständnis und zeigen die Fehlbarkeiten des Systems bzw. unserer Gesellschaft auf.
Ich hoffe, dass das Buch ein breites Publikum erreicht, da die fehlende Kommunikation der betroffenen leider auch schnell zur Unsichtbarkeit in der Gesellschaft führt und dadurch auch die entsprechenden Mittel zur Unterstützung fehlen.
Moralische Grauzonen
Totensee von Sophie Czerny
Die knapp 40-jährige suspendierte Kommissarin Ada ist verzweifelt. Ihre Tochter Mara ist nach einem Streit verschwunden. Sie macht sich Vorwürfe und kämpft damit, dass niemand an eine Entführung glaubt. Als eine kopflose Leiche mit einer blutigen Botschaft auftaucht, ist dies für Ada ein klarer Hinweis.
Sie nimmt die Ermittlungen auf, erweckt damit ihre eigene Vergangenheit zum Leben und befindet sich plötzlich in einem Kriminalfall, der kaum persönlicher sein könnte.
Die Kapitel sind kurz und wechseln immer wieder die Schauplätze. Die Stimmung ist düster und die Handlung deutlich komplexer, als ich es zunächst erwartet hatte. Von daher war ein wenig mehr Konzentration beim Lesen erforderlich, um nicht den Überblick zu verlieren.
Die Charaktere wirken authentisch und sind gut gezeichnet.
„Totensee“ ist ein düsterer Thriller, der auf einer emotionalen Ausgangssituation basiert und durch unvorhergesehene Wendungen überzeugt.
Die Auflösung hat mich überrascht, hat aber gut gepasst, da alles stimmig aufgeklärt wurde.











