Kunden em pfehlungen
Rezensionen von robertp:
Spannend mit Aussetzern
Tödliche Freundinnen von Tess Sharpe
Melanie (Mel) Tillman und Chloe Harper verbindet ein tödliches Geheimnis und eine ebenso geheime Liebe. Ihr gemeinsames Leben wird jedoch drei Jahre nach einem Todesfall, den die beiden Mädchen vertuschen, getrennt. Chloe verschwindet spurlos und Mel wird Privatdetektivin. Ihre beiden Leben verlaufen sechs Jahre separat, bis die Ermittlerin den Auftrag bekommt Chloe aufzuspüren.
Deren Vater ist unheilbar erkrankt und möchte seine Tochter nochmals wiedersehen. Die brillante Detektivin findet die Verschollene Tochter in der Wildnis von Kanada und dann geht alles schief und die Vergangenheit scheint ihrer beiden Leben wieder einzuholen.
Die Autorin Tess Sharpe erzählt die Geschichten in ungezählten Zeitsprüngen beginnend mit der Geburtstagsfeier zum sechzehnten Geburtstag von Chloe und dem Notwehrmord. Dadurch wird die Geschichte der beiden jungen Frauen wie in Puzzleteilen zusammengesetzt und zu einem Ganzen geformt. Ein zusätzlicher Erzählstrang erklärt weshalb sich Chloe in die Wildnis zurückziehen musste. Die kriminelle Politikerfamilie tritt in teils skurrilen Szenen auf und es erklären sich erst recht spät die Hintergründe ihrer Suche nach dem Mädchen.
Die Dramatik der Geschichte leidet meiner Ansicht aber durch die vielen Unterbrechungen in der Erzählung. Die Spannung baut sich auf, wird unterbrochen, ein neuer Erzählstrang wird aufgebaut und ein alter beendet etc und lässt die Spannung mehrmals versanden.
Die beiden Mädchen sind sich durch die lange Zeit der Trennung in ihrer Beziehung etwas entfremdet, kommen sich aber bald wieder (auch persönlich) nahe. Wie sich eine junge Frau in der Wildnis eine Blockhütte bauen und zahlreiche Fallen bauen kann wirkt etwas hergeholt, aber letztlich hat sie ja einige Jahre Zeit. Schwieriger ist zu erklären wie sie zu Bargeld kommt, da sie ihre Konten nicht angreifen kann. So gibt es einige Ungereimtheiten, die aber die Handlung letztlich weitertreiben. Wie sonst hätte man Chloe sonst entdecken können?
Für alle die eine Krimipuzzle zusammensetzen und gleichzeitig eine Liebesgeschichte zwischen zwei jungen Frauen erblühen sehen wollen eine gute Wahl. Die Zeitebenen springen ständig, was den Lesefluss beeinträchtigt und den Spannungsbogen oftmals wieder auflöst.
Napoli
Commissario Gaetano und das letzte Abendmahl von Fabio Nola
Napoli
Unfall-Selbstmord-Mord? Der Leichnam eines Mannes im alten Hafen von Neapel wirft die gesamte Osterwoche und das geplante Familenwochenende des Commissarios Gaetano über den Haufen. Nachdem die Identität des Opfers festgestellt wird, verwickelt sich der Kommissar mit seiner Assistentin Beppa Bellucci in mehrfacher Hinsicht im Theorienlabyrinth der Indizien.
Da der Tote in einer, gerade den Börsengang anstrebenden, ökoneutralen Algenfabrik arbeitet, übt auch der Chef der Truppe Einfluss auf die Ermittlungen aus. Nach zahlreichen Sackgassen, die die Ermittlungen befahren, findet sich hier eine Lösung, die anfangs niemand auf dem Radar hatte.
Ich muss gestehen, dass ich mich durch diesen Krimi gekämpft habe. Die unzähligen Spuren, der unsympathische Commissario, die langatmigen Geschichten zu Neapels Osterbräuchen und Geschichte verlangsamen den Lesefluss. Zahlreiche Nebenstränge füllen die Seiten, tragen aber letztlich nichts zur Aufklärung des Falles bei. Um LeserIn bei der Stange zu halten wird im letzten Drittel auch die neapolitanische Mafia ins Geschehen einbezogen, mit gar seltsamer Begründung.
Für alle, die sich über neapolitanische Osterbräuche und Essensrituale informieren und nebenbei einen verzwickten Todesfall lösen wollen.
Allein zu Zweit
Was ist in meinem Alter sonst noch üblich? von Wencke Mühleisen
In einem Lokal in Triest erfährt die Protagonistin Erika vom Seitensprung ihres Mannes. Seit Jahren fühlt sie die Trennung, konnte aber keinen Grund für ein Vergehen ihres Mannes ausmachen. Im Gegenteil, sie schiebt diese Entfremdung auf ihren – vor Jahrzehnten gebeichteten – eigenen Seitensprung.
Erika (65 Jahre) versuchte mit dem Ausflug nach Italien ihre Liebe wieder zu erwecken, zu entflammen, zumindest wieder anzufachen.
In einer Reflexion erfahren wir LeserInnen von den Geschehnissen, die zum Geständnis im Restaurant führen. Die Betrogenen, sie und er, sitzen sich nun gegenüber, im Lokal in Triest und später beim Therapeuten. In beiden Lokationen kommt es zu keiner Aussprache.
Erika erkennt, dass sich ihr Mann Jan schon lange geistig von ihr getrennt hat. Hat sie in einer Scheinwelt gelebt, die Sitzungen mit ihrem Mann lassen sie das glauben. Was hat sie falsch gemacht? Sie hat nur ihn geliebt und möchte ihn weiterlieben.
Die Geschichte der Autorin Wencke Mühleisen ist selbst einen Roman wert. Sie hat in ihrer Jugend im Friedrichshof-Kollektiv von Otto Muehl (österreichischer Aktionskünstler) gelebt und war als Performancekünstlerin tätig. Ich würde sie als Feministin bezeichnen. Ihre Aktionen haben immer den Zweck die Stellung der Frau in der Gesellschaft sichtbar zu machen, diese aufzuwerten. Es ist nicht ausgeschlossen, dass dieser Roman auch autobiografische Inhalte verarbeitet.
Für alle die es wagen die Geschichte einer gescheiterten Ehe zu lesen, die sich über die Jahre zu einer Beziehung ausweitet, die auf zwei verschiedenen Ebenen stattfindet. Keiner der beiden Partner ist in der Lage seine Gefühle zu äußern und die Situation zu klären. Wie so oft im Leben ist kein happy end in Sicht.
Stell dir vor
Der Comic-Club von Scott McCloud
Stell dir vor du bist eine Prinzessin und wartest in einem hübschen Kleid auf deine Freundin, um in den Urlaub zu fliegen. Ach, du bist gar keine Prinzessin? Im Comic könntest du eine sein und wie das funktioniert, erklärt dieses Buch. Raina und Scott haben den Comiclub erfunden, um dir einen Einblick zu geben, wie eine Bildergeschichte gestaltet werden kann.
Vier Kinder lernen Comics zu schreiben, zu gestalten und zu zeichnen. Das notwendige Rüstzeug dazu erhalten sie von ihrer Mentorin – der Bibliothekarin – Fatima, die unterstützend im Hintergrund hilft.
Über mehrere Kapitel hinweg lernen sie die Verwendung von Sprache, Gestik, den Einsatz der Perspektive und vieles mehr, um ihre Geschichten zu entwickeln und aufzuzeichnen.
Die Zeichnungen sind ansprechend und bunt, kindgerecht mit großen Augen und dramatischen Frisuren dargestellte Figuren. Die Geschichte entwickelt sich rasch, kurze Auftritte von Erwachsenen (Eltern, Lehrer) stören die Entwicklung der Handlung nicht. Farbig ist die Realität, die Gedankenwelt in einem grauen Farbton deutlich abgehoben.
Die vier Kinder gehen von verschiedenen Ansätzen aus ihre Geschichten zu erzählen. Skizzen, Notizen, kreatives Chaos und fantastische Ideen sollen zu einem Ganzen zusammengeführt werden.
Letztlich erstellt jeder ein kleines Bilderheft und die Gruppe kann auf einer kleinen örtlichen Comic-Con (Verkaufsausstellung) ihre Werke dem Publikum anbieten.
Scott McCloud hat dieses Buch bereits vor Jahren für Erwachsene geschrieben (Understanding Comics, 1993) und damit die Theorie der Comics einem breiten Publikum geöffnet. Mit Raina Telgemeier gelingt ihm hier eine Verjüngung dieses Sachcomics. In bunten Farben und kindgerecht dargebracht erklären die beiden den Vorgang einer Comicbuchproduktion. Ein kurzes Interview stellt die beiden und ihre Intentionen dem Leser vor. Der Anhang (Hinter den Kulissen) stellt auch noch ein Glossar bereit, erklärt die verschiedenen Rollen (Berufe) bei der Herstellung und Produktion einer Comicseite vor.
Für alle die auf humorvolle Weise nähere Bekanntschaft mit dem Medium Comic machen wollen. Die Geschichte geht auf den Schaffensprozess und die verschiedenen Möglichkeiten eine Bildgeschichte zu gestalten kindgerecht ein. Erwachsene können dabei aber auch noch vieles Lernen und ihre Fantasie bildlich umsetzten.
Eritrea – Tel Aviv – Berlin
Liefern von Tomer Gardi
Am Cover sieht man dieses Googlesymbol, das den Standort kenntlich macht, dreidimensional. In der großen Öse fährt ein Lieferant. Für mich sieht es aus als würde er an der Rallye Paris-Dakkar teilnehmen oder in einem Hamsterrad ständig am selben Ort verbleiben.
Filmon braucht Geld. Als Flüchtling aus Eritrea, gestrandet in Tel Aviv möchte er gerne zu Frau und Kind nach Berlin.
Seine Tochter Israel hat er noch nie im Arm gehalten, die Sehnsucht ist groß. Filmon arbeitet als Lieferant, Essenzusteller unter fremden Namen – Dora Goldberg. Niemand schaut je auf das Namensschild.
Abraham braucht auch Geld. Auch er ein Flüchtling aus Eritrea, gestrandet in Tel Aviv, hat geheiratet. Verliert die Arbeit in einer Synagoge und arbeitet nun im Lieferservice, schon länger als Filmon. Er kennt die Tricks und lehrt sie seinem Freund.
Interessant ist hier nicht nur die Welt der Rider (Zusteller) kennenzulernen, weit mehr und intimer wird es zu lesen, wie sich Paare (getrennte Paare) über weite Distanzen und lange Zeiträume miteinander verständigen und ihre Liebe aufrechterhalten. So bringt der Roman auch Gefühle aufs Papier, die ich jetzt nicht erwartet hätte.
Die Menschen im Roman werden durch lose Anknüpfungspunkte miteinander verbunden. So springt der Autor durch die Welt, verweilt kurz in Tel Aviv, Dehli, Buenos Aires und letztlich einem kleinen Dorf in Kenia. Überall suchen die Menschen einen Ausweg aus ihrer Lebenswelt. Es fehlt an Geld, Wohnraum und Lebensqualität. Die Fahrer (rider) müssen ständig verfügbar sein, um ihre Quoten abzuarbeiten. Gläubige dürften die Lebensmittel, die sie ausliefern, normalerweise nicht einmal berühren – ein Balanceakt.
Tomer Gardi beschreibt das Leben in prekären Verhältnissen. Überwiegend verdingen sich diese Menschen im Roman mit Essenauslieferungen für weltweit agierende Konzerne. So wird es einfach für einen gestrandeten Flüchtling aus Israel in Deutschland weiterzuarbeiten. Weltumspannende Sklavenarbeit sozusagen und die „selbstständigen“ Lieferanten sind auch noch froh darüber – welch Ironie!
Für alle die sich mit dem Leben in ausweglosen Situationen auseinandersetzen wollen. Diese Geschichten berühren, wiewohl sie sich überall wiederholen, gleichen sie sich dann doch nicht. Ein Buch das sich mit den ungleich verteilten Lebensverhältnissen auseinandersetzt. Es ist eben doch wichtig wo man geboren wurde!
Weißwasser
Heaven's Gate von Daniel Faßbender
Die Hauptperson Caruso ist ein etwas heruntergekommener deutscher Surfer und einziger Privatermittler auf der philippinischen Insel Surogao. Er erhält den Auftrag Juan, einen jungen Surfer, zu finden. Seine Mutter macht sich Sorgen. Caruso denkt zuerst, dass er in einer Welle gestorben sein könnte und macht sich auf die Suche.
Wir lernen auch noch Dietmar „Diego“ Miehle ehemals „Kokskönig“ kennen. Nach dem Gefängnis plant er sich mit seiner Biographie zur Ruhe zu setzen. Wird leider nichts mit einem Vertrag, aber dafür tritt sein Sohn in sein Leben, der entführte Surfer nämlich.
Die Insel birgt nicht nur ein Geheimnis. Wellenreiter und Touristen, Drogenhändler und bestechliche Polizisten und Politiker beherrschen das Paradies. Das dieses Eden für Caruso plötzlich zur Hölle wird hat er nicht erwartet. Denn während er das Surfen einer Welle wie ein Projekt angeht, jede Nuance bedenkt, Risiken im Vorfeld ausschließt, stolpert er im Vermisstenfall von einem Minenfeld ins Nächste.
Die ersten hundert Seiten lese ich in einem Zug. Der Detektiv ist ein sympathischer Aussteiger mit jeder Menge Geheimnisse. Manche lüften sich, andere bleiben verschlossen. Die Suche wird bald international, als Caruso die Verbindung zwischen Juan und Diego entdeckt. Schon sind alle Wahrheiten auf den Kopf gestellt. Caruso kann niemand mehr trauen und muss, um sich selbst zu schützen einen Kampf ums Überleben führen.
Für alle die Surfer Romantik mit Verbrechen gewürzt schmecken wollen. Ein rasanter Aussteigerroman, der zu einem Thriller mit tödlichem Ausgang und dem Untergang eines Paradieses wird. Auch als Einstieg in die Wellenreiterthematik geeignet, denn als Erstes lernt man im Weißwasser eine Welle zu stehen. Der Autor Daniel Faßbender ist selbst Surfer uns kennt die Szene aus eigner Erfahrung, das merkt man sobald die Handlung im Surfer Milieu spielt.
Aufräumen
Down Cemetery Road von Mick Herron
Sarah und Mark Tucker leben in Oxford. Die Ehe entspricht dem Klischee Mann bringt Geld nach Hause, Frau versucht sich in verschiedenen (ehrenamtlichen) Berufen und kehrt immer wieder an den Küchenherd zurück.
Als in unmittelbarer Nähe eine Explosion ein Haus vernichtet und nur ein Kind, Dinah, überlebt beginnt Sarah nachzuforschen.
Im Spital wird angedeutet, dass das Mädchen verschwunden ist.
Sarah sieht in der Überlebenden ihr Gegenstück (auch sie hat einmal ein Unglück physisch überlebt), sucht Hilfe bei der Privatdetektei Oxford Investigations und heuert Joseph „Joe“ Silvermann an. Dieser berichtet, dass der Vater von Dinah bereits vor Jahren als tot gemeldet war. Der Soldat war bei einem Einsatz zu Tode gekommen und ist nun nochmals verstorben. Auch die Explosion dürfte ein Anschlag gewesen sein. Er rät Sarah von weiteren Ermittlungen ab, zieht sich aus den Recherchen zurück und wird wenig später doch ermordet. Aber damit beginnt das „Aufräumen“ erst, denn Sarah verfolgt weiter jede noch so kleine Spur und die Gegenseite ist ihr auf den Fersen.
Mick Herron gelingt es die Spannung in diesem Roman immer weiter zu steigern. Mit der labilen Heldin Sarah, die ein Leben retten will, hat er eine neue Heldin geschaffen, die trotz Widerständen ihrem Ziel ein Mädchen zu finden folgt und – so viel sei gesagt – auch Erfolg haben wird. Der Preis ist hoch, legt sie sich doch mit einer geheimen Regierungsbehörde an, die ein Aufräumkommando befehligt, das kein Pardon kennt. Die beiden Brüder Amos und Axel sind Schurken ohne Gewissen, scheinbar von Geburt an für diese Aufgabe geschaffen, verfolgen akribisch die Suche Sarahs und räumen hinter ihr (meist blutig) auf.
Sarahs Wandlung vom Heimchen am Herd zum Racheengel geht mit Verlusten einher. Zunächst verliert sie den sympathischen Detektiv, danach trägt sie zum Kariereende ihres Mannes bei indem sie einen seiner Investoren fälschlich verdächtigt und beraubt. Letztlich wird sie Mark, der sie betrügt, gänzlich verlieren. Aber es gibt auch einen Zugewinn beim Kampf um das Leben von Dinah in der Gestalt von Zoe Boehm, der Ehefrau vom Detektiv. Gemeinsam mit dieser erhebt sie sich gegen die Diener der Krone und verbucht einen achtbaren (aber blutig erkämpften) Erfolg.
Für alle die sich mit Geheimagenten, Verschwundenen und Totgeglaubten herumschlagen wollen. Alle die Intrigen und falsche Spuren auflösen wollen, sind hier richtig. Eine Hausfrau kämpft gegen ihre Dämonen an und wird dabei zur Agentin wider Willen.
PS: Die im Untertitel angeführte Zoe Boehm tritt erst auf den letzten fünfzig Seiten in Erscheinung und auch da steht sie stets im Schatten von Sarah.
Der Agent im Hintergrund
Bad Actors von Mick Herron
Das Umschlagbild zeigt ein typisch englisch aussehendes Auto und die schematische Darstellung der Tube (U-Bahn). Wir sind sichtlich in London. Vergangenheit und Gegenwart überlappen sich.
Für mich als Unbedarften war das erste Viertel des Romans eine Einführung in ein komplexes System, nämlich das des britischen Geheimdienstes.
Personen (Slow Horses) und Orte mit seltsamen Namen (Slough House) werden mir bekannt gemacht. Ein seltsamer Geist namens Jackson Lamb schwebt in den abgewohnten Büros, die von ausrangierten GeheimagentenInnen bewohnt werden. Jawohl bewohnt, denn kaum jemand geht einer sinnvollen Tätigkeit nach.
Aber dann beginnt die Handlung sich rasant weiterzuentwickeln und das Lesen macht immer mehr Spaß.
Eine junge Frau ist verschwunden und mehrere Abteilungen im MI5 machen sich auf die Suche nach ihr. Dass das Slough House hier plötzlich die Nase vorn hat, damit hat niemand gerechnet. Spannende Verfolgungsjagden der Slow Horses – nicht immer koordiniert – aber letztlich erfolgreich, bringen die, aufs Abstellgleis gestellten, Spione in den Besitz der Gesuchten und in die Hände des Jackson Lambs. Die weiteren Verwicklungen sind sowohl spannend als auch skurril in ihren Ausführungen, lassen aber die ProtagonistenInnen (jetzt habe ich sie ja schon kennengelernt) mit ihren Fähigkeiten und Verschrobenheit immer mehr glänzen.
Lamb lässt sich die Gelegenheit nicht entgehen, verschafft sich damit eigene Vorteile, spielt die Abteilungen gegeneinander aus und gewinnt das Rennen der Spione.
Bad Actors ist der achte Band der Slow Horses Reihe und jeder, der die vorangegangenen Bände gelesen hat wird von Seite eins daran seine Freude haben. Allen anderen – wie mich – erschließt sich dieser Kosmos erst langsam. Die Zeitsprünge zwischen Gegenwart und Vergangenheit erfordern Aufmerksamkeit, die Dialoge zeichnen sich durch ihre Bildhaftigkeit aus und die Handlung verdickt sich im Lauf der Geschichte von vielen Seitensträngen zu einem zu einem einzigen dicken Seil.
Für alle die immer schon wissen wollten, was Spione machen sobald sie in Ungnade gefallen sind, skurrile Agenten kennenlernen und sich köstlich amüsieren wollen. Ein MUSS für alle Fans der Serie und nach einem langsamen Anlauf auch für die Unbedarften.
Wer war's?
Tod zur Teestunde (Susan Ryeland ermittelt 3) von Anthony Horowitz
Vorab gesagt wird mit dem Lesen des Klappentextes der Inhalt des Romans perfekt beschrieben.
Antony Horowitz beschreibt in „Tod zur Teestunde“ wie sich die Lektorin Susan Ryeland immer tiefer ins Schlamassel befördert. Ausgehend von einem einfachen Lektorat für einen klassischen Krimi a la Agatha Christie verwickelt sie sich immer tiefer in eine Familiengeschichte, die Jahrzehnte zurück ihren Ursprung hat.
Warum also soll LeserIn sich dieses Buch zu Gemüte führen?
Erstens ist es ein spannend geschriebener Krimi, der in sich selbst wieder einen zweiten Krimi enthält. Wir bekommen also zwei Bücher zum Preis von einem. Die beiden Abschnitte sind sogar durch verschiedene Schriften klar voneinander abgegrenzt.
Zweitens ist dies der dritte Band mit der Hauptdarstellerin Susan Ryeland. Ich kenne die beiden vorangegangenen Bände nicht, konnte aber mit der Handlung ohne Vorwissen mithalten. Es hätte jedoch noch mehr Spaß gemacht der sympathischen Heldin ein drittes Mal zu folgen.
Drittens wir LeserInnen werden aktiv zum Mitraten aufgefordert. Wer sich in die Welten der beiden Romane einliest und versucht alle Hinweise auf die diversen Mörder zu finden, kann sich wie Hercuke Poirot oder Miss Marple fühlen. Es sind beide Handlungsstränge als klassische „whodunit“ angelegt.
Anthona Horowitz hat Erfahrung mit der Belebung klassischer Helden. Nicht nur James Bond und Sherlock Holmes wurden von ihm weiterentwickelt, auch den jungen Spion Alex Rider hat er erfunden. Mit der Figur der Lektorin Susan Ryeland ist ihm eine patente Heldin gelungen, die sehr rasch in jedes mögliche Fettnäpfchen steigt um sich daraus wieder souverän zu befreien.
Für alle die immer schon einen klassischen Krimi lösen wollten und in einem Buch mehrere Romane gleichzeitig lesen können.
Gedächtnislücke
Der Tag, an dem Barbara starb von Richard Hooton
Margaret Winterbottom ist 89 Jahre alt und ihr Gedächtnis lässt sie immer wieder im Stich. Als ihre Nachbarin und Freundin Barbara bei einem Einbruch ermordet wurde, ist sie sicher, dass sie noch etwas für die Tote hätte erledigen sollen. Gemeinsam mit ihrem Enkel James macht sie sich auf die Suchen nach ihren Erinnerungen und dem Mörder ihrer Nachbarin.
Es ist eigentlich eine Erzählung über das Zusammenleben und Erleben einer Demezkranken. Der Autor Richard Hooton hat, in seinem ersten Roman, viele Erinnerungen an seine Großmutter verarbeitet. Diese hat wie Margret, seine Romanheldin, an der Krankheit gelitten, die Seniorenmomente (man vergisst) erzeugt. Ganz langsam schleicht sich die Krankheit ein und versucht die Oberhand zu bekommen. Margaret greift auf Erinnerungen mit ihrem verstorbenen Ehemann zurück um sich zu orientieren. Hooton schildert überzeugend wie sich Menschen verhalten, die ihre Erinnerungen verlieren. Nebenbei erzählt er die Geschichte einer engagierten Frau, die im zweiten Weltkrieg bei der Dechiffrierungsabteilung Bletchley Park im Geheimdienst tätig war und im Alter am Kreuzworträtsel verzweifelt. Es ist mehr Familiengeschichte als Krimi, mehr Beziehung als Ermittlung.
Ich habe mit Margaret mitgelitten, wenn sie etwas krampfhaft zu erinnern versucht hat (letztlich passiert mir das jetzt auch schon öfters) und mir vorgestellt, wie es ist, wenn man sich selbst langsam vergisst.
Für alle die immer schon wissen wollten wie das Zusammenleben mit einer an Demenz erkrankten Person aussehen könnte. Gespickt mit Familienbeziehungen und einer Dosis Mordermittlung.











