Kunden em pfehlungen
Rezensionen von robertp:
Frühling in Kakanien
Im Schatten des Thronfolgers von Christine Neumeyer
1909: Kammermeister, Gutsverwalter, Barone und Freiherrn spielen die Hauptrollen im neuen Fall der Kriminalabteilung zum Schutz des Hauses Habsburg mit dem Ermittlerduo Pospischil und Frisch.
Im Schloss Artstetten, dem Sommersitz des Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand wird im Zuge eines Neubaus ein totes Baby entdeckt.
Die beiden Geheimagenten werden in den wunderschönen Nibelungengau gesandt um unauffällig zu ermitteln.
Neben der Aufklärung des mysteriösen Todesfalls müssen auch noch Erpressungen und ein weiterer Mord aufgeklärt werden. Mit Ruhe und modernen Hilfsmittel (tragbare Kamera) gelingt den beiden Polizisten dies auch.
Der Fall gerät etwas ins Hintertreffen, da sich die Autorin mehr für das Leben und die Umstände des „gemeinen Volkes“ interessiert. Schilderungen des nicht wirklich einfachen Lebens der Bauern, Hebammen und Ärzte werden unaufgeregt und eindringlich an den Leser gebracht. Die Natur („alles aus der Region“) lenkt das Leben der Menschen. Auch die Liebe hält Einzug im Leben des Herrn Pospischil, wenn auch (vorerst?) nur für eine kurze Woche.
Für alle Leser die sich gerne mit der Zeit kurz vor dem Ersten Weltkrieg auseinandersetzen. Die Moderne mit Automobilen, Frauen in Männerberufen und moderner Malerei (Sezessionisten) hat Einzug im Leben der Kakanier genommen.
Bella Italia
Die Spaghetti-vongole-Tagebücher von Stefan Maiwald
Nimmt man das Buch in die Hand, dann fallen einem sofort der Leineneinband, die Fadenheftung und das Lesebändchen auf. Ein schönes Stück Handwerk und das führt auch schon zum Inhalt der ‚Spaghetti-vongole-Tagebücher‘. Der Autor Stefan Maiwald will ein fürstliches Menü aus regionalen Bestandteilen der Region Veneto und Friaul ((eigentlich Friaul-Julisch Venetien) kochen.
Die in verschiedenen Farben gehaltenen Abschnitte gliedern das Buch in einen lustigen Familienroman und kurzweiligen Geschichten über die Landstriche Oberitaliens – Kochrezepte und Historie wechseln einander gekonnt ab.
Rasch hat man sich mit der Familie Maiwald angefreundet, reist mit dem Schriftsteller/Koch durch die Städte der oberen Adria (Venedig, Lignano, Jesolo, Aquileia undGrado) und erfährt gar manchen Schwank über die Geschichte und Zubereitung der geplanten Speisen.
Der Untertitel des Buches gibt den Inhalt wieder (Wie ich mit drei Kilo Pasta, zwei Kisten Prosecco und einem toten Fisch von Venedig nach Triest fuhr, um meine Schwiegereltern zu beeindrucken), ist aber nur eine Klammer, die eine turbulente Geschichte nach dem perfekten Menü enthält.
Für alle die an der italienischen Küste Urlaub machen aber ihre Wohnung nicht verlassen wollen. Kurzweilig und voll interessantem, unnützen Wissen über die cucina italiano.
Um die Ecke gedacht
Wer zuerst lügt von Ashley Elston
Schon als ich den bunten Einband gesehen habe, wusste ich, dass ich dieses Buch lesen wollte. Der Umschlag erinnert mich an die Krimis aus den 60iger Jahren und das sich spiegelnde Frauenprofil hat sofort meine Aufmerksamkeit gefunden.
Inhaltlich geht es um eine Frau die, im Auftrag eines unbekannten Mr.
Smith, unter verschiedenen Identitäten Aufträge erfüllen muss und dafür zunächst gut bezahlt wird. Das geht solange gut, solange sie die gewünschten Informationen abliefert. Als ihr vorletzter Auftrag scheitert wird sie von Mr. Smith auf eine Probe gestellt, die nicht nur ihr Leben bedroht.
Das Geschehen wird in Rückblenden aus der Sicht der Protagonistin erzählt. Die Figur der Schwindlerin wirkt sympathisch. Sie versucht sich mit ihren Opfern zu identifizieren und ihre Aufgaben ohne „Blutvergießen“ abzuwickeln. Das ist spannend erzählt und führt von einem Höhepunkt zum anderen. Mal hat ihr unbekannter Auftraggeber die Nase vorn, dann wieder sie. Ein Wetttrennen, aus dem die Protagonistin kaum als Siegerin entkommen kann.
Mir sind im Laufe der Geschichte einige Ungereimtheiten aufgefallen, die aber die Erzählung nicht unspannend machen. Die Volten in der Geschichte sind notwendig um die Spannung aufrecht zu halten.
Ein spannender Roman mit vielen Wendungen die das Lesevergnügen verstärken. Für alle die rasante Unterhaltung ohne Blutvergießen mögen und sich bis zum vorletzten Kapitel überraschen lassen wollen.
Glaube nicht, was du liest
Die Insel des Zorns von Alex Michaelides
Der Autor Alex Michaelides (Zypriot, lebt in London) verspricht uns einen klassischen Krimi. Sieben Personen, eine Insel und ein Mord. In seinem als klassisches Theaterstück in fünf Akten gegliederten Roman – der Verlag nennt ihn einen Thriller – erzählt ein Ich die Geschichte eines Mordes. Dieses Ich, der Dramatiker Eliot Chase, berichtet vom Geschehen und lenkt als Erzähler den Leser durch eine tödliche Liebesgeschichte im Schauspielermilieu.
Intrigen, Ränke, Liebesbeziehungen, Verrat und Eifersucht steuern die Handlung auf ihren Höhepunkt den Tod eines/r Protagonisten.
Nun sollte man denken, dass diese Geschichte schon x-mal erzählt wurde, aber es gelingt Michaelides immer wieder eine neue Volte. Die Handlung springt von der Vergangenheit zur Gegenwart und jedes Mal erscheint die Realität in einem neuen Licht.
„So viel wissen Sie.
Was Sie nicht wissen. Ist, was als Nächstes passiert.“ S.263
Mir persönlich war am Ende des dritten Aktes schon etwas langweilig, dachte ich doch, dass ich alles vorhersehen würde. Dem war nicht so, im vierten Akt wurde es nochmals richtig spannend.
Die Handlung nimmt sich ihre Bestandteile von Shakespeare (Insel), Plot (Agatha Christie) oder Namen (historische Filmgrößen). Der Autor räubert und kopiert (wie auch Eliot im Roman), fügt es zusammen und stellt etwas Neues, durchaus Spannendes, auf die giechische Insel Aura (ursp. ein unbestimmtes Vorgefühl, aber auch Verzauberung).
Für alle die sich mit den klassischen „whodunit“ Krimis wohlfühlen und den britischen Stil auf einer sturmumtosten Insel erleben wollen.
Wie man frumm (gläubig) sein kann
Die Hoffnung der Chani Kaufman von Eve Harris
Dieses Buch habe ich außerordentlich gerne gelesen. Es hat mich in eine Welt geführt, von deren Existenz ich gehört, aber in dieser Form nicht erwartet habe.
Chani lebt nach den Regeln des jüdischen Glaubens. Sie ist frisch verheiratet – mit Baruch Kaufmann – und beide wünschen sich ein Baby.
Leider bleibt ihr Gebet zu HaSchem (Gott) unerhört und sie reisen von Jerusalem nach London, wo sie eine Geburtsklink aufsuchen. Dieser Aufenthalt wird von ihren Schwiegereltern finanziert und muss unbedingt eine Lösung bringen, da der Ehemann seine Frau verstoßen kann, falls sie kinderlos bleiben.
Der Druck den Chani verspürt wird schon nach wenigen Seiten deutlich. Die Sitten und Gesetze der jüdisch-orthodoxen Gemeinde sind strikt und äußerst vielfältig. Alles ist reglementiert: Das Gebet vor jedem Essen, welches auch eigenen Gesetzen folgt, die Kleidung und es gibt verbindlichen Regeln für die Zeit des Beischlafs.
Tritt man wie Rivka Zilbermann (Ehefrau eines Rabbis) aus dieser Gesellschaft aus, dann gilt man als verstoßen (Schickse). Rivka und Chani treffen sich, sie erörtern eine Lösungsmöglichkeit welche die Regeln etwas dehnt. Wird Chani diesen Weg einschlagen um glücklich zu werden?
Das Buch bringt mir das Leben der gläubigen Juden sehr nahe. Die Autorin Eve Harris kennt das
Milieu – sie hat als Lehrerin in diesen Gemeinden Mädchen unterrichtet. Es war mir neu welche einschränkenden Gesetze das Leben bestimmen. Dieses wird hier sehr lebendig und spannend geschildert. Ein Buch das ich sehr gerne gelesen habe und sehr aktuell (Krieg in Israel) ist.
Lektüre für jemanden der Religionen auf neue Art kennenlernen möchte und spannende Liebesgeschichten nicht verachtet.
PS: Es gibt von Eve Harris ein Prequel „Die Hochzeit der Chani Kaufmann“. Ich hab’s nicht gekannt und konnte mich trotzdem gut unterhalten.
PPS: Am Ende ein Glossar jüdisch-deutsch – unbedingt vorablesen.
Einfach pure
Jil Sander. Eine Annäherung von Maria Wiesner
Das ist keine Autobiografie. Die Autorin Maria Wiesner – Journalistin u.a. bei FAZ und Publizistin – nennt ihr Buch eine „Annäherung“. Aus Meldungen, Dokumenten, Interviews und persönlichen Gesprächen wird ein Lebenswerk dokumentiert, welches die deutsche Modewelt geprägt und über Europa hinaus bekannt gemacht hat (auch in Wien gibt es noch ein kleines Geschäft mit den Insignien Jill Sander auf der Kärntnerstraße).
Heidemarie Jiline Sander kommt in Wesselburen (Schleswig-Holstein) zur Welt und die einfache und raue Landschaft in der sie die ersten Lebensjahre verbringt, ehe sie nach Hamburg übersiedelt, prägen das Mädchen. Die Mutter lässt sich scheiden und mit dem neuen Mann an ihrer Seite beginnt ein neues Leben in der Großstadt. Jiline – ein Name der nur selten gewählt wird – wird Textilingenieurin und zieht danach in die USA. An der Westküste studiert sie, an der Ostküste beginnt sie beim drittgrößten Verlag Amerikas zu arbeiten. Als ihr Stiefvater schwer krank wird, kehrt sie nach Deutschland zurück und beginnt eine Karriere, die für Deutschland und Europa außergewöhnlich ist. Jil Sander macht sich mit 24 Jahren selbstständig, erweitert ihr Unternehmen um Beautyprodukte (Parfum, Creme) und bringt es an die Börse. Sie ist die erste Frau in Europa der all das gelang.
Was eine Seminararbeit für die Uni werden kann, wird durch den persönlichen Eindruck der Beschreibenden zu einem stimmungsvollen Buch. Das Leben der Designerin wird ergänzt um Eindrücke zu den Befindlichkeiten und Lebensumständen mit denen sie konfrontiert wird. Viele Exkurse beschreiben die Akteure der Modewelt, die Welt der fashion shows und (nur kurz) ihr Privatleben.
Die „Sander“ ist eine Ikone wie Coco Chanel oder Helena Rubinstein. Mit dem klaren schlichten Design „erlöst“ sie die erfolgreichen Frauen vom opulenten Stil der Nachkriegsjahre.
Es ist erstaunlich welche ihrer Ideen (shop in shop, Boutique Design, Design der Parfumflakons) bis heute Einfluss auf die Modewelt haben.
Das Buch liest sich unterhaltsam und ich finde viele neue Informationen aus der Modewelt darin. Hunderte von Anmerkungen zeigen den Aufwand, den die Autorin für die Recherchen gemacht hat. Allen, die über die Modewelt (nicht nur Deutschland) mehr wissen und das Leben einer Persönlichkeit näher kennen lernen wollen, ans Herz gelegt.
Exotisches Sri Lanka
Die sieben Monde des Maali Almeida von Shehan Karunatilaka
Das Titelbild, eine bunte Orgie verschiedener Farben zeigt ein Gesicht, eine Maske oder den Teufel. Es zieht die Aufmerksamkeit auf sich und entführt den Leser in ein exotisches Land – Sri Lanka.
Der Sri Lanker Fotograf Malinda (Maali) Almeida ist tot und steht nun in der Schlange vor der Himmelstür , einem Tresen wie im Krankenhaus und versucht sich in diesem Traumzurechtzufinden.
Er weiß nicht weshalb er gestorben ist und hat nun sieben Monde ( 7 Tage) Zeit, um sich in diesem Labyrinth zurechtzufinden und seine brisanten Informationen weiterzuleiten.
in Sri Lanka herrscht 1983 (bis 2009) Bürgerkrieg und er hat als Journalist und Fotograf einige brisante Aktionen der Kriegsparteien dokumentiert. Seine Fotos können viele prominente Emporkömmlinge stürzen, vielleicht sogar den Krieg beenden. Warum und wie er gestorben ist wird ihm erst am Ende des Romans enthüllt.
Es ist ein schwierig zu lesender Roman. Die verschiedenen Kriegsparteien und die Lage in Sri Lanka erfordern etwas Vorabinformation. Eine Hilfe dazu findet sich am Ende des Buches, wo die handelnden Personen und ein Glossar aufgelistet sind. Auch die Religion (Hinduismus) wird im letzten Kapitel (Mond) angeschnitten und als erlösendes Element von Maali angenommen.
Der Schreibstil eine Art Icherzählung im Genetiv erfordert einiges an Gewöhnung und bleibt für mich bis zum Schluss anstrengend zu lesen.
Das Thema des vor der Himmelstür Wartenden wird in vielen anderen Büchern verarbeitet (z.B Klune: Das unglaubliche Leben des Wallace Prize). Das vorliegende Buch ist sicherlich eines der am schwierigsten zu Lesenden dieses Genre.
Schmutzige Pariser Luft
Paris Requiem - Kriminalroman (Eddie Giral 2) von Chris Lloyd
Das Titelbild zeigt den Eifelturm, der rechter Hand von zwei Flugzeugen angesteuert wird. „Paris Requiem“ spielt 1940 und die Stadt ist von den Deutschen besetzt. Der Polizist Edouard „Eddie“ Giral lebt in einer Stadt die vor allem eines ist – korrupt. Eddie muss einen Mord an einem alten „Kunden“ aufklären, der eigentlich im Gefängnis sein sollte.
Bei den Recherchen stellt er fest, dass eine ganze Bande unter seltsamen Umständen aus der Haft entlassen worden ist. Eddie wird immer mehr der Spielball von Mächten, denen er sich nicht erwehren kann. Die deutschen Besatzer drängen mit drei Abteilungen (Aufklärung, SD und Gestapo) auf Aufklärung und der Kopf der Verbrecherbande Capeluche hat seinen Sohn in seiner Gewalt. Wie kann er sich und seinem Gewissen entsprechend gegen diese Übermacht stellen, was kann er tun um weitere Morde zu verhindern?
Chris Lloyd hat hier einen historischen Kriminalroman geschrieben, der spannend bis zur letzten Seite zu lesen ist. Die Gefühlswelt, die Zerrissenheit in der sich Eddie befindet wird lebhaft und einfühlsam beschrieben. Die Schwierigkeiten zu ermitteln, wenn jederzeit Aufgaben und Auftraggeber wechseln, werden eindringlich geschildert Die Nöte und Ängste der Pariser werden bildhaft beschrieben, Ihre immer eingeschränkter Versorgungssituation und die Angst vor den Deutschen werden drastisch geschildert.
Im Roman werden auch historische Ereignisse verarbeitet die zusätzlich die Komplexität der Ermittlungen zeigen. Auf der Suche nach einem alten Freund entdeckt Eddie ein Massengrab an afrikanischen Soldaten der französischen Armee und während der Zeremonie zum Waffenstillstandstag kam es dann auch zu den geschilderten Ausschreitungen der Wehrmachtssoldaten an den Studenten.
„Paris Requiem“ ist allen zu empfehlen, die historische Krimis mögen. Besonders ans Herz gelegt all jenen, die sich ein Bild von der Lebensituation der Pariser in der Zeit des VICHY-Frankreichs machen und gleichzeitig einen Thriller lesen wollen.









