Kunden em pfehlungen
Rezensionen von carola1475:
Spannend und unterhaltsam
The Final Act von Lisa Gray
Vor zwanzig Jahren schien Madison James eine glänzende Filmkarriere bevor zu stehen, doch dann geriet sie in Vergessenheit und arbeitet schon seit Jahren als Kellnerin. Als Madisons Handtasche versteckt in einem Park am Fuß des Hollywood-Schriftzugs gefunden wird, gerät sie wieder ins Rampenlicht der Berichterstattung, besonders auf Social Media.
Sarah Delaney und Rob Moreno vom LAPD, Abteilung für vermisste Personen, versuchen, Madisons Verschwinden aufzuklären.
Erzählt wird auf zwei Zeitebenen und aus den wechselnden Perspektiven Madisons und Sarahs. Von Beginn an lerne ich Madisons Hintergrund und ihre Hoffnungen kennen, und ihr Talent wird durch Filmkritiken deutlich, die, wie auch andere Medienberichte, eingestreut sind und meinen Blickwinkel erweitern wie auch für eine kurzweilige Lektüre sorgen. Madison ist ein nahbarer und berührender Charakter.
Lisa Gray schreibt bildhaft und lebendig, und mir gefällt besonders der Aufbau der Geschichte: Kapitel aus Madisons Perspektive haben Bezug zu Sarahs Ermittlungsschritten, hier wie da rücken die gleichen Figuren in den Focus.
Thematisiert werden auch die dunklen Seiten der Filmindustrie und die anfangs ahnungslose Madison macht verletzende Erfahrungen, die erst sehr viel später zur #MeToo-Bewegung führten oder ein Beispiel für die sogenannte 'Cancel Culture' sind.
Madisons Figurenzeichnung und die Darstellung einiger Nebenfiguren ist gelungen, während Sarah erst in Verlauf der Ermittlungen greifbarer wird. Es hat mir Spaß gemacht, Vermutungen über Madisons Verbleib anzustellen. Ich habe 'The Final Act' gern gelesen, der spannende Thriller mit seinen überraschenden Wendungen und aktuellem Bezug hat mich gut unterhalten.
Spannend und packend, zeitgeschichtlich authentischer Krimi im Hungerwinter 1946/47
Die weiße Nacht von Anne Stern
Im Hungerwinter 1946/47 findet die arbeitslose Fotografin Lou Faber auf ihrem täglichen Streifzug durch die Trümmer Berlins die Leiche einer Frau im Schnee. Obwohl es Lou anfangs widerstrebt, helfen ihre Fotos und ihr genauer Blick Kommissar König bei seinen Ermittlungen.
Anne Stern beschreibt das in Trümmern liegende eiskalte Berlin bildhaft und sehr atmosphärisch, mir wird selber kalt bei ihrer anschaulichen Erzählung angesichts des allgemeinen Mangels auch an warmer Kleidung und Brennholz im schneereichen Winter anderthalb Jahre nach Kriegsende.
Neben Lous und Königs abwechselnde Perspektive wird auch aus der Sicht des Jugendlichen Justus erzählt, der auf dem blühenden Schwarzmarkt aktiv ist und aus der von Gregor, der Rachepläne schmiedet.
Anne Stern schreibt klar und nüchtern, dennoch eindringlich, gut gelungen ist auch die Figurenzeichnung: die Menschen sind unsicher und von ihren Erlebnissen und Verlusten im Krieg beschädigt, sie haben kein Vertrauen und bleiben für sich. Lou und König ist bewusst, dass viele Nazis unbehelligt geblieben sind und jetzt wieder Führungspositionen einnehmen. Die Vergangenheit der beiden wird zuerst nur angedeutet und durch Erinnerungen allmählich deutlicher, die Protagonisten werden dadurch greifbarer und berührender.
Die Autorin hat bereits erfolgreiche historische Romane geschrieben und hat auch diesmal gut recherchiert, 'Die weiße Nacht' ist ein zeitgeschichtlich authentischer und spannender Krimi mit glaubhaften Charakteren und schlüssiger Auflösung.
Königs Ermittlungen werden neben Obduktions-Erkenntnissen und Lous Fotos und Ideen lediglich durch Befragungen von Angehörigen, Nachbarn oder Kollegen vorangetrieben und auch der Zufall hilft. König ist ein guter Ermittler, der sich Überblick verschafft und seine Schlüsse zieht. Eine Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen ist schwierig und langwierig durch die Aufteilung Berlins in vier Sektoren, alles ist nur provisorisch organisiert und untergebracht, der Mangel wird verwaltet...
Erwähnen möchte ich das schwarzweiße Cover, das ich sehr gelungen finde mit dem Blick durch ein Objektiv auf ein historischen Foto von Henry Ries und der abgebildeten Perforation am linken Rand, wie bei einem Rollfilm.
Mir hat Anne Sterns fesselndes neues Buch sowohl auf zeitgeschichtlicher als auch auf Krimi-Ebene sehr gut gefallen und ich freue mich auf den zweiten Fall für Lou und König.
Düster und hart
The Puppet Master von Sam Holland
Nach vier Suiziden innerhalb von drei Tagen in der gleichen Gegend ist Cara Elliott, Leiterin der Einheit für Schwerverbrechen, sicher, dass nicht mehr von Zufall auszugehen ist. Jemand manipuliert die Opfer und treibt sie zum Selbstmord.
Caras kleines Ermittlerteam steht mit der steigenden Zahl von Suiziden zunehmend unter Zeitdruck.
Die Abteilung tut sich sehr schwer, Anhaltspunkte zum Wie und Warum und überhaupt eine Verbindung zwischen den Toten zu finden und es gibt zu wenig Kollegen, die in dieser gefährlichen Einheit arbeiten wollen. Immer wieder werden die verlustreichen Ereignisse der Vergangenheit erwähnt, von denen die Vorgängerbände handeln. Wobei der erste Band der Reihe, The Echo-Man, erst im Herbst 2026 auf deutsch erscheinen wird. Und auch zu The Twenty, bei uns erschienen im Dezember 2024, gibt es mehrere Spoiler, was ich sehr schade finde.
Der psychische Zustand der Selbstmörder wird glaubhaft geschildert und auch die Emotionen der in der Vergangenheit traumatisierten Ermittler machen die Charaktere nahbar und menschlich. Ich habe sehr gern die Entwicklung der Protagonisten verfolgt, die mir aus The Twenty bereits bekannt waren und interessante neue Charaktere kennengelernt. Auch Nebenfiguren überzeugen, selbst wenn sie nur einen kurzen Auftritt haben. Die Figurenzeichnung profitiert offensichtlich vom Psychologiestudium der Autorin. Mir war allerdings die Einbindung des familiären Hintergrunds Caras und Griffins zu viel, mir hätten die berufsbedingten schmerzhaften Erfahrungen gereicht.
Sam Holland schreibt klar, bildhaft und fesselnd, schockt gelegentlich auch mit grausamen Szenen. Erzählt wird der spannende Thriller aus verschiedenen, auch überraschenden, Perspektiven.
The Puppet Master hat mich mit einer makabren Geschichte und unerwarteten Wendungen gut unterhalten und ich freue mich auf das Finale der Reihe, das Sam Holland im Nachwort ankündigt.
Vielfältige Anthologie böser Kurzgeschichten rund um Weihnachten
Arsen und Butterplätzchen von Christine Rechl
Der aufschlussreiche Titel und das unmissverständliche Cover deuten bereits an, was mich erwartet: ungewöhnliche Geschichten von 17 bekannten Autoren und Autorinnen rund um Weihnachten. Sie sind bitterböse, skurril, makaber, haben viel schwarzen Humor und sind größtenteils spannend.
Jede Kurzgeschichte hat ihren eigenen Charme, es geht um Beziehungsprobleme, Komplotte, Missverständnisse und einmal geht es im 17.
Jahrhundert auf einen Markt, diese außergewöhnliche Geschichte fand ich besonders atmosphärisch geschrieben. Einige Texte haben mich nachdenklich gemacht oder überlegen lassen, wie die Geschichte sich über das Ende hinaus weiter entwickeln könnte.
Die einfallsreichen Kurzgeschichten sind gut geschrieben und angenehm zu lesen und fast alle haben mir gefallen. Eine gute Idee finde ich die Kurzvorstellung der Autoren und Autorinnen samt Angabe ihrer Homepages, so dass es mir leicht gemacht wird, mich ausführlicher zu informieren.
Ich habe das Buch sehr gern gelesen, es hat mir einige unterhaltsame Adventsstunden beschert.
Spannend und komplex
Verlorene Spuren von T. M. Payne
Nachdem mir der Vorgängerband „Schon immer tot“ sehr gut gefallen hatte, freue ich mich nun über den dritten Band der Reihe um die sympathische DI Sheridan Holler und ihr Liverpooler Ermittlerteam. In „Verlorene Spuren“ geht es um die spurlos verschwundene 59jährige Caroline Crow. Der Ehemann, Adrian, kann sich ihr Verschwinden nicht erklären und verfällt zusehends und was für eine Verbindung besteht zum gerade aus der Haft entlassene Gabriel Howard, der offensichtlich einen Plan verfolgt?
Die Ermittlungsarbeit und die Aufgabenverteilung im Team werden realistisch geschildert, hier macht sich T.
M. Paynes langjährige Berufserfahrung in der Strafjustiz bemerkbar. Sheridan ist eine clevere Ermittlerin und auch ihre Kolleginnen und Kollegen sind kompetent, der Umgang miteinander freundschaftlich und Dialoge oft humorvoll. Besonders die weiblichen Figuren Sheridan Holler, DS Anna Markinson und ihre Chefin DCI Hill Knowles sind authentisch und vielschichtig gezeichnet und haben eine Vergangenheit, aber auch die anderen Charaktere sind interessant und haben mich über ihre Glaubwürdigkeit rätseln lassen, je mehr ich über sie erfahren habe, desto unsicherer wurde ich.
Es gibt unerwartete Wendungen in der Geschichte, gewonnene Erkenntnisse werfen neue Fragen auf und immer wieder legt die Autorin falsche Fährten, so dass es schwierig für mich war, mich bei all den Verdächtigen auf einen Täter festzulegen und die Auflösung hat mich dann doch überrascht.
Die spannende Krimihandlung wird von Szenen aus dem Privatleben der Ermittlerinnen aufgelockert, besonders Katze Maud und die nicht vorhandenen Kochkünste Sams haben mich schmunzeln lassen oder DCI Knowles' Kontrollbesuche bei ihrer betagten Nachbarin Gloria.
Der Schreibstil ist klar, einfach, angenehm zu lesen und fesselnd, wechselnde Perspektiven erhöhen die Spannung und die Geschichte bleibt packend bis zum Ende. Mir hat der komplexe Krimi sehr gut gefallen und mich bestens unterhalten. Ich vergebe 4,5 Sterne.
Sehr Konstruierter, dennoch spannender Krimi
Wem du traust von Petra Johann
Eva führt mit ihrem Mann Daniel und dem fünfjährigen Linus ein glückliches Leben. Wenn ein Babysitter gebraucht wird, wenden sie sich an Sofia, die Tochter von Evas bester Freundin Susanne. Als Daniel Sofia eines Nachts nach Hause fährt, ist der Teenager am nächsten Tag spurlos verschwunden. Evas Welt gerät ins Wanken.
'Wem du traust' ist von Beginn an spannend, schon der Prolog lässt um das Leben einer gequälten Person fürchten. Erzählt wird aus den personalen Perspektiven von Sofias Mutter und der Ermittlerin, sowie aus Evas emotionaler Ich-Perspektive, so dass ich ihre Gedanken und Gefühle teile und miterlebe, wie ihr Vertrauen, vor allem zu ihrem Mann, schwindet und die Zweifel, auch an sich selbst, immer stärker werden. Sehr gut gefallen hat mir das Vorgehen der einfühlsamen Kriminalhauptkommissarin Westphal, die selbst Mutter einer 15jährigen Tochter ist. Besonders die weiblichen Charaktere werden glaubhaft dargestellt.
Im Lauf des Krimis treten überraschende Gegebenheiten und Beziehungen der Figuren zueinander zu Tage, die Geschichte erscheint mir sehr konstruiert und berührt viele Themen, ich finde sie thematisch überfrachtet.
Petra Johanns Schreibstil ist angenehm und flüssig zu lesen und es hat mir Spaß gemacht, eigene Mutmaßungen anzustellen. Dass die Ermittler am Ende die Feinheiten und Hintergründe des ganzen Falls in privatem Rahmen noch einmal besprechen, sehe ich mit gemischten Gefühlen. Wem soll hier alles bis ins kleinste erklärt werden?
Ein Epilog rundet die Geschichte ab. Ich vergebe 3,5 Sterne für Petra Johanns neuen Krimi.
Skurril, spannend und sehr unterhaltsam
Der Kurator von M. W. Craven
Washington Poe, Tilly Bradshaw und ihr Team von der Serious Crime Analysis Section SCAS bekommen es mit einer rätselhaften Mordserie zu tun, bei der kein Zusammenhang zu erkennen ist und der Täter keine Spuren hinterlässt.
Die Ermittler sind ratlos und nur Poes Intuition, sein assoziatives Denken und akribisches Verfolgen kleinster Hinweise, selbst wenn sie winzig sind und banal erscheinen, führen allmählich zu ersten Anhaltspunkten.
DS Washington Poe und Analystin Tilly Bradshaw sind nicht nur ein unschlagbares Team, sondern inzwischen enge Freunde und auch ihre Vorgesetzte DI Stephanie Flynn ist mit beiden befreundet, fühlt sich durch ihre Schwangerschaft vor allem bei der Arbeit behindert und ist nicht gern schwanger, was von Poe (meist nur) gedanklich ironisch kommentiert wird.
Dialoge zwischen Poe und Bradshaw unterhalten durch Wortwitz und Humor, Tilly hat zwar immer noch kaum soziale Kompetenz und ist oft schmerzhaft ehrlich, aber sie ist hochintelligent, gnadenlos logisch und absolut loyal. Tillys Recherchen und Ideen bringen Poes unkonventionelle Ermittlungen voran, an denen er verbissen und unermüdlich arbeitet, um den Fall zu lösen.
Neueinsteiger haben meiner Meinung nach keine Schwierigkeiten, mit diesem dritten Band in die Serie einzusteigen, alle Figuren werden glaubhaft beschrieben, besonders Poe beeindruckt, seine Familiengeschichte und sein Heim, die einsam gelegene Schäferhütte Herdwick Croft in Cumbria, werden erwähnt, ebenso seine Faszination für die Pathologin Estelle Doyle, der er auch bei diesem Fall gehemmt und regelrecht schüchtern begegnet.
M. W. Craven spricht in der Geschichte interessante und aktuelle Themen an und schafft eine düstere Atmosphäre der Dringlichkeit. Der Krimi fesselt, ist einfallsreich, komplex und spannend, mit vielen Wendungen und überraschenden Erkenntnissen und hat mich (natürlich erfolglos) miträtseln lassen. 'Der Kurator' hat mir trotz kleiner Logikschwächen sehr gut gefallen und mich bestens unterhalten. Ich vergebe 4,5 Sterne.
Fesselnder Genremix
Manche Schuld vergeht nie von Elly Griffiths
DS Alison Dawson arbeitet in einer sehr speziellen und geheimen Abteilung. Ihr Team reist in die Vergangenheit, um unklare Umstände bei Tötungsdelikten aufzuklären. Als der britische Justizminister sie bittet, den nie bewiesenen Mordverdacht gegen seinen Ururgroßvater zu untersuchen, reist Ali ins Jahr 1850, so weit zurück wie nie zuvor.
Währenddessen geschieht in der Gegenwart ein Mord, der Alis Sohn Finn in Schwierigkeiten bringt.
Elly Griffiths startet eine neue Reihe, die Krimi, Zeitreise und etwas Mystery kombiniert. Die Protagonistin ist eine 50jährige unerschrockene pragmatische Frau, die es aus eigener Kraft weit gebracht hat und mich mit ihrer Art beeindruckt. Durch ihre Gedanken und Gespräche mit anderen wird Ali nahbar und lebendig, sie hat Humor und ihre Kommentare sind oft ironisch. Auch andere Figuren und ihre Beziehungen zueinander sind glaubhaft gezeichnet, alle haben einen Hintergrund, der sie zu authentischen Charakteren macht.
Die Autorin hat sehr gut recherchiert und beschreibt Alis Vorbereitungen auf das 19. Jahrhundert und ihre Zeit dort so anschaulich und atmosphärisch, dass ich fasziniert über die damalige Mode, ihr kaltes Zimmer in der Hawk Street, die schwierigen sanitären Bedingungen und vieles mehr gelesen habe und auch die Schilderungen Londons damals und heute haben mich gefesselt. Griffiths übt leise Gesellschaftskritik und thematisiert wiederholt auch die Klassenzugehörigkeit auf beiden Zeitebenen. Sie vermittelt mir Alisons Gefühle, als sie in der Vergangenheit feststeckt und auch ihre Schwierigkeiten, sich nach ihrer Rückkehr wieder an das heutige Leben zu gewöhnen, glaubhaft und überzeugend.
Der Schreibstil ist angenehm zu lesen, die Geschichte ist kurzweilig und die Spannung bleibt hoch durch die beiden Zeitebenen und Cliffhanger vor Perspektivwechseln.
Es handelt sich zwar um einen Reihenauftakt, dennoch bleiben in 'Manche Schuld vergeht nie' zu viele Fragen zu Ereignissen und Figuren der Vergangenheit offen, was bei meiner Bewertung den fünften Stern kostet. Nichtsdestotrotz hat mir das Buch viel Spaß gemacht und mich sehr gut unterhalten und ich freue mich auf den nächsten Band.
Komplexer spannender Geheimdienst-Thriller, gekonnt konstruiert und fesselnd erzählt
Kälter von Andreas Pflüger
Luzy Morgenroth ist 1989 seit acht Jahren Polizistin auf Amrum, sie fühlt sich wohl auf der Insel und hat dort Freunde gefunden. Als Fremde auftauchen und es Tote gibt, muss Luzy wieder zu der toughen Agentin werden, die sie früher war.
Andreas Pflüger hat nach 'Wie Sterben geht' mit 'Kälter' einen weiteren Geheimdienst-Thriller geschrieben, auch die Cover sind farblich gleich entworfen, wobei mich das aktuelle Cover sehr neugierig macht und ich den Blick von unten auf das Wiener Riesenrad beunruhigend finde.
'Kälter' ist fesselnd und spannend, mit cineastisch beschriebenen Actionszenen und atmosphärisch eingeflochtenem Zeitgeschehen, etwa als ich mit Luzy die Nacht des Mauerfalls in Berlin erlebe. In Rückblenden wird von Luzys erstem Zusammentreffen mit dem Terroristen Babel vor acht Jahren erzählt, was ihr Leben verändert hat.
Kälter ist ein komplexer Thriller mit verschiedenen Schauplätzen, der Pflügers umfangreiches Wissen um Geheimdienste unterschiedlichster Couleur und die Personenschutz-Branche zeigt. Die vielen Zitate bzw. Anspielungen auf Musik, Literatur und Filme der Zeit tragen zur Authentizität bei und machen Spaß. Beeindruckend finde ich, wie es dem Autor gelingt, Luzys durch Adrenalinüberflutung veränderte Zeitwahrnehmung bei den mitreißenden Kampfhandlungen zu schildern oder das heftige Unwetter auf Amrum zu Beginn.
Pflüger schafft intensive, starke Bilder, die mich in die Geschichte hinein ziehen, er nennt die Dinge beim Namen, schreibt sprachgewaltig, beherrscht aber ebenso die leisen Töne. Auch Humor blitzt in Luzys Gesprächen auf.
Die Figurenzeichnung ist gelungen, Luzys Entwicklung glaubhaft. Luzy und der männlichen Protagonist Nika werden durch Rückblenden und Begegnungen mit anderen nahbar, und besonders gefreut hat mich, dass der Autor Hauptfiguren aus 'Wie Sterben geht' auftauchen und eine Rolle spielen lässt.
Andreas Pflügers neuer, rasanter Thriller hat mir sehr gut gefallen und mich bestens unterhalten, ich kann 'Kälter' jedem Leser des Genres empfehlen.
Was wirklich wichtig ist
Der Donnerstagsmordclub und der unlösbare Code von Richard Osman
Nach einem ruhigen Jahr für den Donnerstagsmordclub wird die Hochzeit von Joyce' Tochter Joanna mit Paul gefeiert. Elizabeth ist in ihrer Trauer um Stephen versunken, aber als Pauls Trauzeuge sie um Hilfe bittet, weil er eine Bombe unter seinem Wagen entdeckt hat, ist ihr Interesse geweckt und es scheint sich ein Weg aus der Trauer anzudeuten.
Langsam nimmt sie wieder am Leben teil und ermittelt mit Ron, Ibrahim und Joyce zum geheimnisvollen Code, der ein riesiges Bitcoinvermögen schützt.
Der komplexe Fall dreht sich um ein aktuelles Thema und es sind viele Personen involviert, aus deren Perspektive auch erzählt wird und die im Verlauf der Handlung immer mehr Kontur und Glaubwürdigkeit gewinnen. Kapitelweise wechselnde Perspektiven sorgen für Spannung und machen mich anhaltend neugierig darauf, wie es weiter geht.
Donna und Chris treten diesmal etwas in den Hintergrund, dafür spielen Rons Enkel Kendrick und Joanna eine größere Rolle. In diesem fünften Band finden sich mehrere Protagonisten mit Familienbeziehungen und damit verbundenen Herausforderungen konfrontiert und auch die Bedeutung von Freundschaft wird thematisiert. Trotz einer gewissen ernsten Note schreibt Richard Osman wie gewohnt humorvoll, so sind Joyce' ausschweifende Tagebucheinträge, in denen sie erzählt und alles mögliche kommentiert, wieder sehr unterhaltsam oder auch Ibrahims Missverstehen von Connies Mentorenschaft für Tia hat mich sehr amüsiert. Warmherzig und einfühlsam beschreibt Osman auch die lästigen Begleiterscheinungen des Alters, von denen die liebenswerten Senioren in Coopers Chase nicht verschont bleiben, und vermittelt Tiefgründiges und Wahres fast beiläufig, er beherrscht auch die leisen Töne.
Mir hat 'Der Donnerstagsmordclub und der unlösbare Code' mit dem zur Reihe passenden charakteristischen Cover wieder sehr gut gefallen und ich freue mich, dass der Autor im Nachwort eine Fortsetzung in Aussicht stellt.











