Kunden em pfehlungen
Rezensionen von carola1475:
Spannend, beklemmend und realitätsnah
Nummer 138 von Gavin Bell
Ein behördeninternes Analyseprogramm findet schnell heraus, was einige Morde, die in verschiedenen US-Bundesstaaten verübt werden, gemeinsam haben: es ist die Adresse 138 Main Street. Davon gibt es über 7000 im ganzen Land, was einen großen, komplexen Fall mit ungeheurem Medieninteresse erwarten lässt.
FBI-Agent Ben Walker stellt eine Taskforce zusammen, zu der auch der Analytiker Matt Brodie und Officer Zoe Hill gehören, die Walker an einem der Tatorte durch ihre Aufmerksamkeit und Kombinationsstärke aufgefallen ist.
Es gibt keinerlei Spuren vom Täter, die Ermittler stehen unter Zeitdruck und untersuchen in alle Richtungen, können weitere Morde nicht verhindern und erst ein an die Presse gesandtes Manuskript offenbart die Gedankenwelt des Täters, der wie ein Terrorist die Menschen in Angst und Schrecken versetzt.
Gavin Bell schreibt klar, lebendig und bildhaft, beschreibt auch die vielfältigen verschiedenen Main Streets, die zu Tatorten werden und zeigt so die Beliebigkeit der Mordopfer. Ich bekomme Einblicke in das Leben verschiedener Bewohner von 138 Main Streets, die auf die potentielle Bedrohung mehr oder weniger gelassen oder zunehmend ängstlich und panisch reagieren und nehme Teil an den fast schon verzweifelten Ermittlungen, denen der Täter stets einen Schritt voraus ist.
Der Autor erhöht die Spannung auch durch multiperspektivisches Erzählen, was mich immer neugierig auf den nächsten Perspektivwechsel hat warten lassen, um zu erfahren, wie es dort weitergeht.
Die Figurenzeichnung ist gelungen und lässt mich mitfiebern und bei den Protagonisten hoffen, dass sie den Fall überleben.
'Nummer 138' ist klug konzipiert und fesselnd geschrieben, beängstigend sind die Aktualität und die Realitätsnähe der von Anfang bis Ende spannenden Geschichte. Mir hat der temporeiche Thriller mit dem düsteren Cover sehr gut gefallen und ich hoffe auf weitere Bücher von Gavin Bell.
Weniger überzeugend als die Trilogie um Caselli und Torre
Das Gesetz der Elite von Sandrone Dazieri
In einem abgeschirmten Mailänder Hochhaus mit modernsten Sicherheitsstandards kommt einer der superreichen Bewohner in seiner Kryosauna ums Leben. Um nicht langwierige offizielle Untersuchungen abwarten zu müssen, soll Colomba Caselli als Privatdetektivin ermitteln, ob es sich um Mord oder um einen Unfall handelt.
Caselli, seit zwei Jahren keine Polizistin mehr, vermisst ihre Arbeit und nimmt den Auftrag an. Sie wird unterstützt vom befreundeten Dante Torre, mit dem sie schreckliche Ereignisse aus der Vergangenheit verbinden. Beide sind traumatisiert und besonders Torre leidet noch sehr unter dem damaligen Geschehen, er ist labil, sein Sozialverhalten kaum ausgebildet.
Bei den Ermittlungen ergänzen sie sich perfekt, es bleibt nicht bei dem einen Toten. Eingeschoben gibt es wiederholt Blogbeiträge, die die absolute Macht der Superreichen und die daraus resultierende Ungerechtigkeit unserer Welt beschreiben, auch hier zeigt sich die gesellschaftliche Aktualität der Handlung. Nach und nach ziehen Colomba und Dante Schlussfolgerungen, aber finden keine Beweise.
Dazieri schreibt im Präsens und wechselt zwischen auktorialer und personaler Erzählperspektive. Bis auf wenige Szenen waren die Charaktere für mich nicht so nahbar, wie ich mir gewünscht hätte. Ich empfinde es als Vorteil, dass ich Vorgängerbände um das ungewöhnliche Ermittlerpaar gelesen habe.
Das Tempo der Geschichte wird ausgebremst durch detaillierte Beschreibungen, vor allem der Welt der Reichen und ihren abgehobenen Plänen, die mit unserer Welt nichts mehr zu tun haben, und ich finde die Geschichte insgesamt wenig überzeugend, das Ende überraschend und unglaubwürdig. Dieser aktuelle Band um Colomba und Torre erreicht für mich leider nicht die Spannung und Intensität der bereits vorliegenden Trilogie. Trotzdem würde ich dem zweiten Band dieser neuen Reihe von Sandrone Dazieri eine Chance geben und ihn lesen.
Den deutschen Titel finde ich unpassend, denn es geht um die Machtelite der Welt und die beugt sich keinen Gesetzen oder Regeln.
Eindringliche und beklemmende Dystopie
Ins fahle Herz des Sommers von Andreas Eschbach
Schon seit Jahren brennt die Sonne erbarmungslos vom Himmel, hat Flora und Fauna den Garaus gemacht und die unerträgliche Hitze ist genau so zerstörerisch. Das Leben in Mitteleuropa besteht für die wenigen Menschen, die vereinzelt in verlassenen Dörfern noch da sind, nur noch aus dem Überleben von Tag zu Tag.
Fausto hat es verpasst, sich rechtzeitig nach Grönland, Kanada oder Sibirien abzusetzen. In Vollmondnächten unternimmt er, so gut wie möglich ausgerüstet, Ausflüge mit seinem Fahrrad zu entfernteren Dörfern und sucht in aufgegebenen Häusern nach Brauchbarem.
Eines Tages taucht im Nebenhaus eine junge Frau auf, der die Hitze nicht viel auszumachen scheint. Fausto verliebt sich in Valérie.
Andreas Eschbach schreibt klar, einfach, angenehm zu lesen und erzählt aus Faustos Perspektive. Die Erinnerungen des Protagonisten an 'früher' schildern unsere Gegenwart – jeder weiß um die Klimakatastrophe, doch niemand handelt oder ändert sein Verhalten, bis es zu spät ist. Auch eine Pandemie dezimierte die Menschen weiter. Eschbach unterlässt Schuldzuweisungen, er beschreibt die Entwicklung, die folgerichtig und unausweichlich ihren Lauf nimmt und trifft mich dadurch um so härter.
Besonders Faustos Charakterisierung ist gelungen, wie auch die ständige, eindringliche Schilderung der lebensfeindlichen Hitze, die tagsüber alle Aktivitäten unmöglich macht, sich in Mauern, Steinen und Asphalt festsetzt und auch nachts kaum Erleichterung bringt. 'Ins fahle Herz des Sommers' ist eine beklemmende, atmosphärisch geschriebene Dystopie, die aufrüttelt und trotz ihres geringen Umfangs alles sagt. Mir hat Eschbachs neues Buch gut gefallen.
Was heißt schon normal?
Pina fällt aus von Vera Zischke
Pina Luxen, Mitte 40, versorgt ihren 20jährigen Sohn Leo allein. Leo hat eine Entwicklungsstörung im Autismus-Spektrum und sein Leben ist bestimmt von Routinen und festen Ritualen. Von Beginn an tauche ich in Pinas und Leos Alltag ein und verstehe schnell Pinas ständigen Stress, ihre Angst vor Unvorhergesehenem, das Chaos in Leos Kopf verursacht, die Magenschmerzen, die ihr schon länger zusetzen.
Einen Nachmittag pro Woche bleibt Leo für anderthalb Stunden bei Inge, einer älteren Nachbarin im Mietshaus, während Pina für Inge mit einkauft. Doch diesmal kommt Pina nicht zurück, sie ist auf der Straße zusammengebrochen und landet im Krankenhaus, sie fällt aus.
Inge und die anderen Nachbarn in der Hansastraße haben ihre eigenen Probleme und fühlen sich nicht zuständig, sie kennen Leos Schwierigkeiten mit der Welt nicht und sind anfangs völlig überfordert. Die 86jährige Inge verlässt ihre Wohnung nicht mehr und hat eigentlich mit ihrem Leben abgeschlossen, der einsame Wojtek hat keine sozialen Kontakte und arbeitet im Homeoffice und die 16jährige Zola ist voller Wut, hat Schule und auch Ausbildung abgebrochen, zockt nachts an der Spielekonsole und verschläft den Tag und wurde von ihrem Vater, dem Hausbesitzer, praktisch hierher abgeschoben.
Während Pina auf der Intensivstation lange im Koma liegt und selbst ihre Träume sich um Leo drehen, versuchen die Nachbarn, Leo zu verstehen und seinen Alltag aufrecht zu erhalten und sie verändern sich dabei, entwickeln sich, verstehen und unterstützen einander und werden zu einer Gemeinschaft, der auch Leo etwas geben kann. Ich komme den drei Charakteren immer näher, habe Verständnis für ihre jeweilige Situation und freue mich über ihre Entwicklung, ihr neues Miteinander und ihren Zusammenhalt.
Alle Protagonisten sind realistisch dargestellt, sie sind vielschichtige glaubhafte Charaktere, deren Figurenzeichnung auch durch wechselnde Perspektiven ein rundes Bild ergibt.
Vera Zischke schreibt einfühlsam, eindringlich und emotional, trotz der Schwere des Themas ist ihr Stil unterhaltsam und humorvoll, es gibt situationskomische Szenen, die mich zum Schmunzeln und Lachen gebracht haben. Die Autorin erzählt glaubhaft und authentisch, sie hat offensichtlich Erfahrung mit Autismus-Spektrum-Störungen und macht die Belastung pflegender Eltern sehr deutlich und auch die Berührungsängste mit Menschen, die 'anders' sind und 'trotzdem' Platz in unserer Gesellschaft haben müssen, denn sie sind eine Bereicherung.
Der direkte Blick der Frau auf dem Cover des Buches, intensiv, hilfesuchend, passt zu Titel und Geschichte. 'Pina fällt aus' hat mir rundum sehr gut gefallen und ich kann das Buch jedem Menschen uneingeschränkt empfehlen.
Rasant, spannend, mit ungewöhnlichem Protagonisten
The Mailman von Andrew Welsh-Huggins
Mercury Carter ist selbstständiger Kurier, er ist der Mailman. Er stellt Lieferungen grundsätzlich nur dem Empfänger persönlich zu und lässt sich davon durch nichts abhalten. Selbst wenn ihm Gangster im Wege stehen, die Rachel, die Adressatin seiner aktuellen Lieferung, als Geisel nehmen und entführen.
Carter erweist sich beim Kampf mit den Geiselnehmern als einfallsreich und unerschütterlich, er handelt überlegt und gewieft und scheint auf alles vorbereitet. Zusammen mit Rachels Ehemann macht er sich an die Verfolgung der Entführten und gerät in eine gefährliche Situation nach der anderen.
Die multiperspektivisch erzählte Geschichte enthält auch Rückblenden zu Carters Leben, seine Fähigkeiten verdankt er der Ausbildung bei der polizeiähnlichen Behörde US Postal Inspection Service und er zeigt seit einer schweren Kopfverletzung autistisch anmutende Verhaltensänderungen.
Der US-amerikanische Journalist und Autor Andrew Welsh-Huggins schreibt klar und lakonisch, dabei humorvoll, auch ironisch, schafft schräge Situationen und witzige Dialoge, und er schont weder seinen Protagonisten noch den Leser. Der Hintergrund der Krimihandlung ist komplex, es gibt viele Beteiligte und es erfordert Konzentration, um den Überblick zu behalten.
Die Geschichte ist voller Überraschungen und Wendungen, legt ein hohes Tempo vor und ist spannend. Bildhaft, wie ein Actionfilm, macht 'The Mailman' viel Spaß, ist zwar unrealistisch, aber sehr kurzweilig und äußerst unterhaltsam.
Mercury Carter ist schon in Kurzgeschichten aufgetaucht und beeindruckt im vorliegenden Auftaktband einer Reihe als außergewöhnlicher, sympathischer, recht spezieller Antiheld, von dem ich gern mehr lesen würde. Ich vergebe 4,5 Sterne.
Eine junge Frau sucht ihren Weg
Statt aus dem Fenster zu schauen von Anna Katharina Scheidemantel
Die 25jährige Sophie steigt aus dem Hamsterrad aus. Lässt Studium, Leistungsdruck und langweiliges Praktikum hinter sich und kauft kurzentschlossen im Internet ein baufälliges Haus in der ostdeutschen Provinz. Sophie investiert ihre gesamten Ersparnisse von 3000 Euro und macht sich noch am selben Tag mit Rad und Bahn auf den Weg von München nach Mecklenburg-Vorpommern, Schlüsselübergabe ist schon am nächsten Nachmittag.
Von Anfang an ist Sophie hin- und hergerissen, ist das Haus eine gute Idee oder eine idiotische? Erzählt wird aus Sophies Ich-Perspektive, so dass ich ihre Überlegungen und Gefühle teile und oft schmunzeln muss über ihre Selbstironie.
Anna Katharina Scheidemantel schreibt einfühlsam und humorvoll, berührend tiefgründig und dennoch mit einer herzerfrischenden Leichtigkeit, und ich kann Sophies Zweifel am Haus-Projekt und an dem, was sie eigentlich will, sehr gut nachvollziehen. Die Figurenzeichnung ist gelungen, Sophie und auch Nebencharaktere erscheinen authentisch und lebensnah. Die bildhafte, atmosphärische Beschreibung von Sophies neuem Alltag hat mich teilhaben lassen und ich habe mich mit der jungen Frau an ihren ersten Renovierungserfolgen und beglückenden Momenten in Haus und Garten gefreut, mit ihr gemerkt, wie sie sich im Lauf der arbeitsreichen und einsamen Monate verändert, lernt, sich frei zu machen von den Erwartungen anderer und ich war gespannt, ob sie heraus finden kann, wie ihr Leben weitergehen soll. Sophies Erkenntnisse, was Abhängigkeiten, Verpflichtungen und Erwartungen angehen, haben mich nachdenklich gemacht.
Mir hat Scheidemantels Roman mit dem schönen Bild von Sophies Garten als Cover sehr gut gefallen und ich würde mich freuen, mehr von ihr zu lesen.
Eine ungewöhnliche Liebesgeschichte
Solange ein Streichholz brennt von Christian Huber
Bohm lebt seit fünf Jahren auf der Straße und wird von der Journalistin Alina Alev angesprochen, die eine Dokumentation über Obdachlosigkeit drehen will. Über Bohms Hintergrund erfährt man zunächst nur, dass er trinkt, um abends einschlafen zu können und oft Albträume hat. Alinas anfangs vielversprechende Karriere ist ins Stocken geraten und ihre Mitarbeit an einem neuen Format ihres Fernsehsenders ihre wahrscheinlich letzte Chance, im Rahmen von Sparmaßnahmen nicht entlassen zu werden.
Bohm wird sich eine Woche lang tagsüber von Alina begleiten lassen, er braucht die angebotenen 1000 Euro.
Christian Huber schreibt bildhaft und atmosphärisch, er wertet nicht, beobachtet genau und lässt an Alinas beruflichen Sorgen, die sie nicht mehr schlafen lassen, genau so teilhaben wie an Bohms Leben auf der Straße mit Kälte, der täglichen Suche nach einem sicheren Schlafplatz, der Ablehnung durch andere Menschen, die der Alkohol abmindert, wie er auch beim Einschlafen hilft.
Alina verändert Bohms einsame Welt, es gibt beglückende Momente, Empfindungen, die er sich sofort verbietet, und auch bei Alina entwickeln sich unerwartete Gefühle.
Der Beschreibung dieser sehr menschlichen Beziehung stehen die ebenso glaubhaften wie erschreckenden Einblicke in die Ziele und das skrupellose Vorgehen des kommerziellen Fernsehsenders gegenüber, die der Autor vermittelt.
Alle Charaktere erscheinen authentisch, die Figurenzeichnung ist durchweg gelungen. Erzählt wird abwechselnd aus Bohms und Alinas Perspektive, beide Protagonisten sind nahbar und ich erlebe Bohm als fürsorglichen Menschen mit Zweifeln, die niemandem fremd sind. Die zarte Liebesgeschichte entwickelt sich glaubhaft und kommt ohne Kitsch aus.
Christian Hubers neuer Roman hat mir sehr gut gefallen und mich bei allem Lesevergnügen auch nachdenklich gemacht.
Das Cover gefällt mir von den Farben her, die parallel angeordneten Linien könnten Streichhölzer sein, genau so gut auch Gitterstäbe... die Bedeutung des brennenden Streichholzes wird im Lauf der Geschichte klar.
Packend und spannend
Das Muster des Todes von T. M. Payne
Der obdachlose Bobby nimmt seinen ganzen Mut zusammen und wendet sich an die Liverpooler Polizei. Er erklärt DI Sheridan Holler, dass sein Freund Kenny, der ebenfalls auf der Straße gelebt hatte, nicht Selbstmord begangen haben kann, da er körperlich eingeschränkt war. Sheridan überwindet ihre Skepsis und sieht sich noch einmal Todesfälle an, vorgebliche Selbstmorde am gleichen Tag, dem 22.
Juli.
Sheridan ist sehr aufmerksam und schaut genau hin, sieht Kleinigkeiten, die andere übersehen. Menschen gegenüber ist sie sowohl beruflich als auch im Privatleben freundlich und mitfühlend. Sie stößt an einem Fundort auf ein merkwürdiges Detail, aber es gibt keine weiteren Spuren, die Ermittlungen sind umfangreich und mühsam, es scheint kein Motiv und keine Verbindungen zwischen den eventuellen Opfern zu geben. Das Team steht unter Zeitdruck, denn bald ist wieder der 22. Juli.
Die Ermittlungsarbeit wird glaubhaft beschrieben, hier profitiert die realistische Darstellung von der langjährigen Erfahrung der Autorin in der britischen Strafjustiz. Der Zusammenhalt in Sheridans Team ist groß, manche der Kollegen sind auch Freunde und jeder kann sich auf den anderen verlassen. Kraft schöpft DI Holler auch aus ihrer Partnerschaft mit der immer verständnisvollen Sam, zur Familie gehört ebenfalls Maud, die Katze.
Neben dem komplexen Fall beschäftigt Sheridan auch der selbst nach über 30 Jahren nicht aufgeklärte Tod ihres Bruders, bei dem sich neue Zeugenaussagen ergeben. Gibt es endlich Gewissheit für Sheridan und ihre Eltern?
Erzählt wird überwiegend aus Sheridans Perspektive, T. M. Paynes Schreibstil ist klar, angenehm zu lesen und auch humorvoll, vor allem in Sheridans Umgang mit ihren Kollegen, ihrer Chefin und ihrer Frau. Die Figurenzeichnung ist gelungen, die Charaktere sind glaubwürdig und haben durch ihre Hintergrundgeschichte Tiefe.
Der vierte Band um DI Sheridan Holler ist ein durchgehend spannender, clever aufgebauter Thriller mit unerwarteten Wendungen bis zum Schluss und hat mir sehr gut gefallen. Ich kann die ganze Reihe unbedingt empfehlen.
Nervenaufreibende Unterhaltung
Splitterschreie von Roman Klementovic
Die drei neuen Thriller spielen in aus anderen Büchern des Autors bereits bekannten Settings, die ich leider nicht kenne, aber ich habe den vierten, 2021 erschienenen BonusThriller „Wenn die Stille schreit“ bereits gelesen und sehr gut gefunden.
In allen vier Geschichten erlebe ich Menschen im Ausnahmezustand.
Da ist Bezirksinspektor Mück, körperlich beeinträchtigt durch eine Knie-OP vor einigen Wochen und nachlassende Sehkraft, obendrein beschert ihm sein Therapeut Minderwertigkeitskomplexe statt ihm zu helfen. Auf zwei Zeitebenen lerne ich Romy und Alma kennen, die eine hat jahrzehntelang eine lieblose Ehe ausgehalten und die andere hofft auf einen großen Erfolg bei ihrem True-Crime-TV-Format. Julia sieht sich mitten in der Nacht mit Fremden konfrontiert, die den Platz ihrer Eltern eingenommen haben. Und Tim findet sein Haus leer vor, obwohl er noch vor einer Viertelstunde von unterwegs aus mit seiner schwangeren Frau Nathalie telefoniert hat.
Erzählt wird aus der Perspektive des jeweiligen Protagonisten und Roman Klementovic vermittelt mir hautnah nicht nur jede Nuance der gefühlten Emotionen, den Kampf mit sich selbst, den verzweifelten und letztendlich vergeblichen Versuch, eine logische Erklärung zu finden, sondern auch die körperlichen Reaktionen der Figuren auf das Schreckliche, dem sie sich gegenüber sehen. Mit den Protagonisten halte ich die Luft an und bekomme eine Gänsehaut. Die Figurennähe, die der Autor erzeugt, ist nicht angenehm, sie ist genau so nervenaufreibend wie die Handlung. Klementovic schreibt bildhaft und eindringlich, seine Charaktere sind glaubhaft und authentisch, jede Geschichte ist intensiv und beklemmend, dazu trägt auch die atmosphärische Darstellung der Schauplätze bei. Und eine Erleichterung setzt auch nach Beenden eines der Thriller nicht ein, jeder beschäftigt mich immer noch. 'Wenn die Stille schreit' ist mein Favorit, aber auch die anderen Kurzthriller haben mir sehr gut gefallen.
Kurzweilig und unterhaltsam
Einatmen. Ausatmen. von Maxim Leo
Marlene Buchholz soll Vorstandsvorsitzende eines Konzerns werden, sie ist beruflich mit ihrer Effizienz und Kompetenz bestens geeignet, zeigt jedoch anderen Menschen gegenüber keine Empathie, sie ist unsensibel und sieht andere einfach nicht. Deshalb schickt ihr Chef sie zu einem Achtsamkeitsseminar bei Alex Grow, der sich nach vielen erfolgreichen Jahren eingestehen muss, dass er fast ausgebrannt ist, sogar Panikattacken kennt und sich des drohenden finanziellen Aus' seines Unternehmens bewusst ist.
Maxim Leo ist seinen Protagonisten sehr zugewandt und nimmt sie ernst, er analysiert Marlene und Alex umfassend, so dass ich nachvollziehen kann, wie beide zu der Persönlichkeit geworden sind, die sie heute sind, auch Erfahrungen in Kindheit und Jugend waren prägend und werden nicht ausgespart.
Es macht Spaß, Marlenes langsame Veränderung mitzuerleben, ihr zunehmendes Interesse am Gegenüber, wobei es berührende Szenen gibt wie auch humorvoll beschriebene und überraschende Situationen. Auch Alex beeindruckt als engagierter Coach, nicht zuletzt mit seiner Selbstanalyse und bedauerlichen Unfähigkeit, über seinen eigenen Schatten zu springen. Selbst auf Sinnsuche, unterstützt er erfolgreich andere Menschen auf ihrer Suche nach dem richtigen Weg.
Erzählt wird abwechselnd aus Marlenes und Alex' Perspektive, Maxim Leo schreibt angenehm zu lesen, bildhaft und humorvoll, fein beobachtet werden seine Protagonisten wie auch Nebencharaktere lebendig und zu glaubhaften und authentischen Figuren.
Leos neues Buch mit dem passenden Titel und dem schönen Cover hat mir gut gefallen, 'Einatmen. Ausatmen' hat mich kurzweilig unterhalten, mich berührt und am Ende optimistisch gestimmt meinen eigenen Weg fortsetzen lassen.











