Kunden em pfehlungen
Rezensionen von carola1475:
Aktuell und erschreckend
Die Praktikantin von Horst Eckert
Carla Bergmann ist neue Praktikantin bei der Düsseldorfer Morgenpost. Ungereimtheiten einer Polizeimeldung wecken ihre Neugier und sie versucht, der Story hinter der Meldung auf den Grund zu gehen. Der Anschlag auf einen mutmaßlichen Informanten ist nur der Auftakt einer immer weitere Kreise ziehenden und zunehmend gefährlichen Angelegenheit, in der es um technologische Kriegsführung, die Verstrickung von Geheimdiensten und Rüstungsunternehmen geht.
Erzählt wird aus den abwechselnde Perspektiven Carlas und Jan Kollers. Carla gelingt es, den erfahrenen Journalisten, der es sich in seiner Position als Leiter der Hauptstadtredaktion und gern gesehenem Talkshowgast bequem gemacht hat, mit ihrem Elan mitzureißen, Jan gibt ihr Tipps und unterstützt die jungen Kollegin, deren Talent er schnell erkennt.
Ein Thema ist auch der finanzielle Druck, unter dem die Medienhäuser mit ihren immer unrentableren Printausgaben stehen, das Wegrationalisieren von Mitarbeitern, der Zwang, zu fusionieren und der zunehmende Einsatz von KI beim Schreiben von Nachrichten. Dem gegenüber steht die Bedeutung investigativen Journalismus', den Carla und Jan in der Geschichte wirklich eindrucksvoll betreiben.
Spaß macht neben dem Düsseldorfer Lokalkolorit auch das Wiedersehen mit Figuren aus früheren Krimis des Autors.
Horst Eckert schreibt klar und schnörkellos, kurze Sätze und Tempo in der Handlung tragen zur immer größer werdenden Spannung bei. Erschreckend finde ich den Ausblick auf die technologische Entwicklung und auf das, was dahinter steckt. Mir hat Horst Eckerts neuer, überaus aktueller Thriller gut gefallen und ich kann ihn nicht nur Fans von Verschwörungstheorien empfehlen.
Fesselnder, tiefgründiger Bodensee-Thriller
Tief von Rebekka Moser
Am Ufer des Bodensees wird die Leiche eines Kindergartenkindes gefunden. Nach monatelanger Ruhe bei der Arbeit trifft das tote Kind Kommissar Heinzle um so mehr. Es folgen weitere Tote und die Ermittlungen führen Heinzle zu den Problemen geflüchteter Menschen und er wird selbst mit radikalen gesellschaftlichen Stimmungen konfrontiert.
Hilfe nicht nur bei den Ermittlungen bekommt Heinzle von seinem Freund 'Sense', Dr. Senoner, Psychologe und Profiler. Sense' holt Heinzle mit seinem auch makabren Humor aus so manchem privaten und beruflichen Tief und lockert die bedrohliche, düstere Atmosphäre der Geschichte auf. Vom Bodensee gibt es lebendige herbstliche wie auch sommerliche Eindrücke.
Erzählt wird hauptsächlich aus Sicht des Kommissars, aber es gibt auch andere Perspektiven, die zur Vielschichtigkeit des Thrillers beitragen.
Rebekka Moser schreibt klar, bildhaft und eindringlich. Realitätsnahe Schilderungen lassen mich miterleben, auch mal mehr, als mir lieb ist. Sie benennt deutlich gesellschaftliche Missstände und den bereits vorhandenen Verlust von Vertrauen in den Staat und die Demokratie. Beispiele für radikalisierte Bevölkerungsgruppen, Vorurteile und Ignoranz in der Handlung zwingen mich, meinen eigenen Standpunkt zu überprüfen und zu benennen. Selten hat mich ein Thriller so berührt wie 'Tief', da wir alle von den angesprochenen, aktuellen Themen betroffen sind und uns damit auseinandersetzen müssen.
Die Charaktere, ihr Handeln und ihre Emotionen erscheinen glaubwürdig und authentisch, die Autorin hat gut recherchiert und kennt die Flüchtlingshilfe. 'Tief' ist ein beklemmender, spannender Thriller mit überraschenden Wendungen, spart auch die Beschreibung grausamer Details nicht aus und sorgt für ein intensives Leseerlebnis. Mir hat der Bodensee-Thriller sehr gut gefallen.
Psychologisch überzeugend und fesselnd
Giftiger Grund von Thomas Knüwer
Auf dem Gelände einer aufgegebenen Tankstelle treffen sie zufälligerweise aufeinander. Charu, die Urban Explorations unternimmt und ihre Aufnahmen ins Netz stellt, Joran, der die seit sieben Jahren versteckte Beute aus einem Raubüberfall auf die Tankstelle sucht, und das Mädchen Edda, das jede Nacht in der Waschstraße auftaucht.
Nur zögerlich wird gegenseitiges Misstrauen abgebaut und die Bedrohung, der sich alle drei Protagonisten gegenüber sehen, im Verlauf der Geschichte immer greifbarer.
Die Figurenzeichnung ist sehr gelungen, die Protagonisten und auch Nebencharaktere sind glaubhaft und authentisch, die Sprache ist den Figuren angepasst und durch die jeweilige abwechselnde Ich-Perspektive, kurze Sätze und Gedankensprünge komme ich den Charakteren nah, teile ihre Gefühle und Überlegungen. Sehr berührt hat mich der unsichere Joran, seine Verzweiflung, Überforderung und Einsamkeit nach Jahren im Gefängnis kann ich nachvollziehen. Charu kommentiert andere Menschen gedanklich oft ironisch, ist der Meinung, sie habe den Durchblick. Hier habe ich sehr gern gelesen, wie sie arbeitet und auch interessante Einzelheiten über andere Lost Places erfahren. Es dauert eine Weile, bis ich mir ein Bild von Eddas Situation machen kann, ihre kindliche Erzählperspektive ist Thomas Knüwer besonders glaubwürdig gelungen. Alle Charaktere erscheinen 'echt'.
'Giftiger Grund' ist fesselnd zu lesen, klug konzipiert und thematisiert auch gesellschaftliche Probleme, und trotz gelegentlicher Situationskomik überwiegt eine düstere Atmosphäre, die nicht nur von der aufgegebenen Tankstelle am Waldrand und dem vergifteten Erdreich verursacht wird. Das giftgrüne Cover des Buchs passt sehr gut und fällt in der Buchhandlung auf.
Ich habe Thomas Knüwers neuen Krimi nach 'Das Haus, in dem Gudelia stirbt' sehr gern gelesen, er hat mir wieder ausgesprochen gut gefallen.
Sehr spannend, aber die Auflösung enttäuscht
Fünf Fremde von Romy Fölck
Fünf Fremde reisen im Oktober mit der Fähre nach Neuwerk, vier von ihnen kennen die Insel in der Nordsee und sie haben das dramatische Verschwinden eines Jugendlichen vor 30 Jahren mit erlebt. Es ist immer noch ungeklärt, was genau damals passiert ist, als Isa erst nach Tagen wieder auftauchte und Janosch verschwunden blieb.
Erzählt wird in der Gegenwart aus den wechselnden Perspektiven der fünf Protagonisten, zusätzlich schildert Isa die Woche im Schullandheim im Sommer 1995.
Wieso treffen die Charaktere gerade jetzt aufeinander, ist das Zufall? Die Geschichte entwickelt sich spannend, Informationen bekomme ich in kleinen Häppchen durch Erinnerungen und Gedanken der Hauptfiguren, doch ich habe immer mehr Fragen. Bis zu etwa Zweidritteln des Buchs ist der Spannungsaufbau sehr gelungen.
Romy Fölck Schreibstil ist gut zu lesen und ihr gelingt es, die Nordsee-Insel, ihre Natur und das im Herbst auch mal bedrohlich wirkende Wetter atmosphärisch zu beschreiben. Auch interessante geschichtliche Details und regionale Gegebenheiten erwähnt die Autorin. Weniger gut hat mir ihre Figurenzeichnung gefallen. Zu Beginn werden die Hintergründe der einzelnen Charaktere sehr ausführlich geschildert und existierende Beziehungen offen gelegt, aber empfundene oder ausgedrückte Emotionen habe ich bei den Protagonisten vermisst, Nähe hat sich in keinem Fall entwickelt. Mehr als einmal dachte ich 'show, don't tell' in Richtung der Autorin, die ich für ihre Elbmarsch-Krimis um Frida Paulsen sehr schätze.
'Fünf Fremde' ist lange spannend und temporeich und die Auflösung hat mich überrascht, aber Logikfehler, vielleicht um des dramatischen Effekts willen eingebaute, im Verlauf nicht aufgeklärte Details und am Ende offene Fragen haben mein Lesevergnügen doch beeinträchtigt.
Fesselnder Mix aus Krimi und Phantastik
The Tainted Cup von Robert Jackson Bennett
Der junge Dinios Kol ist erst seit kurzem Praktikant bei der exzentrischen wie brillanten Ermittlerin Ana Dolabra, als er einen ungewöhnlichen Todesfall untersuchen muss. Ein hoher Offizier wurde durch einen aus seinem Körper wachsenden Baum getötet.
Dinios ist ein durch Magie organisch angepasster und verbesserter Gravierer: was er am Tatort sieht, bemerkt und bei Zeugenbefragungen erfährt, wird in sein Gedächtnis graviert, so kann er seine Ermittlerin umfassend informieren, die am liebsten von zu Hause aus arbeitet.
Anas Schlussfolgerungen veranlassen die beiden jedoch, nach Talagray aufzubrechen, Hauptstadt des Nachbarkantons und nah der Seemauer gelegen.
Die Geschichte wird aus Dins Ich-Perspektive erzählt, so teile ich seine Gedanken und Überlegungen und kann mir langsam ein Bild des Imperiums von Khanum machen. Die Gesellschaft ist militärisch strukturiert aufgrund der alljährlichen Bedrohung durch Leviathane, die in der Regenzeit aus der östlichen See kommen. Schutz bieten drei hohe Ringwälle, an denen unermüdlich gearbeitet wird. Hilfreich finde ich die Karte des Imperiums vorne im Buch, auch die Militärränge werden hier übersichtlich aufgelistet.
Bennetts lebendiger Schreibstil ist angenehm zu lesen, trockener Humor lockert die bedrohliche Atmosphäre der Geschichte auf, die Figurenzeichnung ist gelungen. Es macht Spaß, Ana und Din bei ihren Ermittlungen zu begleiten, sie ergänzen einander und bilden ein ungewöhnliches Team, und ich lerne beide Charaktere immer besser kennen. Die Handlung ist komplex und überrascht mit unerwarteten Entwicklungen. The Tainted Cup ist sowohl ein durchgehend fesselnder, spannender Krimi als auch einfallsreiche, düstere Phantastik. Im Lauf der Geschichte erfahre ich mehr über das Imperium von Khanum, aber ich hätte mir einen detaillierter beschriebenen Weltenbau gewünscht. So hoffe ich auf mehr Informationen im Folgeband, der im Mai 2026 auf deutsch erscheinen wird.
Robert Jackson Bennetts Genremix aus Krimi und Fantasy hat mir mit den vielen Wendungen und dem unvorhersehbaren Ende sehr gut gefallen und ich freue mich auf 'A Drop of Corruption'. Ich vergebe 4,5 Sterne.
Fesselnder Mix aus Krimi und Phantastik
The Tainted Cup von Robert Jackson Bennett
Der junge Dinios Kol ist erst seit kurzem Praktikant bei der exzentrischen wie brillanten Ermittlerin Ana Dolabra, als er einen ungewöhnlichen Todesfall untersuchen muss. Ein hoher Offizier wurde durch einen aus seinem Körper wachsenden Baum getötet.
Dinios ist ein durch Magie organisch angepasster und verbesserter Gravierer: was er am Tatort sieht, bemerkt und bei Zeugenbefragungen erfährt, wird in sein Gedächtnis graviert, so kann er seine Ermittlerin umfassend informieren, die am liebsten von zu Hause aus arbeitet.
Anas Schlussfolgerungen veranlassen die beiden jedoch, nach Talagray aufzubrechen, Hauptstadt des Nachbarkantons und nah der Seemauer gelegen.
Die Geschichte wird aus Dins Ich-Perspektive erzählt, so teile ich seine Gedanken und Überlegungen und kann mir langsam ein Bild des Imperiums von Khanum machen. Die Gesellschaft ist militärisch strukturiert aufgrund der alljährlichen Bedrohung durch Leviathane, die in der Regenzeit aus der östlichen See kommen. Schutz bieten drei hohe Ringwälle, an denen unermüdlich gearbeitet wird. Hilfreich finde ich die Karte des Imperiums vorne im Buch, auch die Militärränge werden hier übersichtlich aufgelistet.
Bennetts lebendiger Schreibstil ist angenehm zu lesen, trockener Humor lockert die bedrohliche Atmosphäre der Geschichte auf, die Figurenzeichnung ist gelungen. Es macht Spaß, Ana und Din bei ihren Ermittlungen zu begleiten, sie ergänzen einander und bilden ein ungewöhnliches Team, und ich lerne beide Charaktere immer besser kennen. Die Handlung ist komplex und überrascht mit unerwarteten Entwicklungen. The Tainted Cup ist sowohl ein durchgehend fesselnder, spannender Krimi als auch einfallsreiche, düstere Phantastik. Im Lauf der Geschichte erfahre ich mehr über das Imperium von Khanum, aber ich hätte mir einen detaillierter beschriebenen Weltenbau gewünscht. So hoffe ich auf mehr Informationen im Folgeband, der im Mai 2026 auf deutsch erscheinen wird.
Robert Jackson Bennetts Genremix aus Krimi und Fantasy hat mir mit den vielen Wendungen und dem unvorhersehbaren Ende sehr gut gefallen und ich freue mich auf 'A Drop of Corruption'. Ich vergebe 4,5 Sterne.
Packend, spannend, überraschend und sehr unterhaltsam
Die Witwe von M. W. Craven
DS Washington Poe will die Gerichtsverhandlung um den verlangten Rückbau seiner Schäferhütte im Lake District National Park genießen, diesmal als Beschuldigter, nicht als Zeuge, und mit der brillanten Analytikerin Tilly Bradshaw an seiner Seite als Verteidigerin, doch unvermittelt werden beide abgerufen, um den Tod eines Hubschrauberpiloten in einem verlassenen Bordell in Carlisle aufzuklären.
Da in Carlisle ein Wirtschaftsgipfel mit hochrangigen Teilnehmern bevorsteht, sind auch der MI5 und das FBI, vertreten durch Agent Melody Lee, beteiligt. Lee hat Poe als Ermittler angefordert, weiß sie doch vom vorhergehenden Fall um den Kurator, dass Poe keine Angst hat, jemandem auf die Füße zu treten, Politik ihn nicht kümmert und er sich von niemandem aufhalten lässt, wenn er sich in eine Ermittlung verbissen hat.
M. W. Craven schreibt aus Poes Perspektive lebendig, bildhaft und mit trockenem Humor, Poes Dialoge, besonders seine Gespräche mit der bei Aufregung immer noch sozial unbeholfenen Tilly, sind oft witzig und sehr unterhaltsam. Alle Charaktere werden authentisch und vielschichtig dargestellt, ihre Motive sind psychologisch glaubhaft.
Poes Hintergrund und Tillys Entwicklung, sein abgelegenes Heim in Cumbria, seine befreundete, noch krankgeschriebene Vorgesetzte DI Flynn werden angesprochen, das rekapituliert den Stand der Dinge für Leser, die bereits Bücher der Reihe kennen und macht Neueinsteiger neugierig auf die Vorgängerbände.
Die unerschütterliche Freundschaft und grandiose Zusammenarbeit von Poe und Bradshaw hat mir viel Spaß gemacht, Tilly gleicht Poes fehlendes technisches Wissen aus und beschafft Informationen schnell und fraglos, er kann sich hundertprozentig auf sie verlassen. Und Poe stärkt Tillys soziale Kompetenz und ihr Selbstvertrauen.
Ich habe die spannenden Ermittlungen und ihre oft überraschenden Ergebnisse fasziniert verfolgt, Poes unerschrockene Hartnäckigkeit und Akribie bewundert, mit der er jeder noch so kleinen Spur nachgeht, obsessiv alle Fragen beantwortet haben will. Craven hat einen clever konzipierten und gut recherchierten Thriller geschrieben, der mich mit seiner Komplexität und vielen unerwarteten Wendungen gefesselt und bis zum Schluss bestens unterhalten hat.
Eine Frau weiß sich zu helfen
Das Signal von Ursula Poznanski
Viola Decker verliert bei einem Unfall ein Bein. Ihr Ehemann Adam kümmert sich um alles notwendige, bereitet das Erdgeschoss ihres Hauses für Violas Rückkehr aus dem Krankenhaus vor und engagiert eine Pflegerin. Viola steht Adams Aktivität in nichts nach, gewissenhaft macht sie ihre Übungen und kann es kaum erwarten, ihre Selbstständigkeit zurück zu gewinnen.
Denn von der Pflegerin und auch Adam fühlt sie sich nicht nur ständig beobachtet, sondern auch bevormundet und eingeschränkt. Um Hilfsmittel außerhalb ihres Blickfelds schnell finden zu können, stattet sie sie mit Trackern aus und erweitert diese Überwachung bald auch auf Adam, da sie seinen Tagesablauf nachverfolgen können will. Er scheint ihr nicht immer die Wahrheit zu erzählen.
Eine schöne Idee ist der Wiener Stadtplan mit Positionsmarkierungen vorne und hinten im Einband.
Viola erzählt aus ihrer Ich-Perspektive, sie hat Humor und macht sich nichts vor, weckt meine Neugier mit Andeutungen zu ihrer Vergangenheit und hat eine vage, nicht ausgesprochene Ahnung in Bezug auf den Unfall, sie bleibt dem Leser gegenüber eher auf Distanz. Unterschwellige Spannung entsteht durch die Frage, wie genau es zu dem Unfall kam und wie sich die Beziehung zu Adam weiter entwickeln wird. Viola ist eine Protagonistin, die mit ihrer Beharrlichkeit überzeugt und mich überraschen konnte. Wie sie mit ihrer körperlichen Einschränkung zurecht kommt, finde ich glaubwürdig beschrieben.
Ursula Poznanskis eingängiger Schreibstil ist wie gewohnt sehr angenehm zu lesen und sie hat mehrere in der Geschichte angesprochene Themen meiner Meinung nach gut recherchiert und sich eine ungewöhnliche Ausgangssituation für 'Das Signal' einfallen lassen. Mich hat das Buch mit dem schönen, auffälligen Cover und einigen unerwarteten Wendungen gut unterhalten.
Spannend und geschickt aufgebaut
This Story Might Save Your Life von Tiffany Crum
Joy Moore und Benny Abbott sind beste Freunde und betreiben einen sehr erfolgreichen Comedy-Podcast, in dem es um Ideen rund um das Überleben skurriler Abenteuer geht, die auf wahren Begebenheiten beruhen. Eines Tages ist Joy spurlos verschwunden, genau wie ihr Ehemann. Benny sucht Joy verzweifelt und gerät bald in den Fokus der Polizei.
Erzählt wird abwechselnd aus Joys und Bennys Perspektive, so dass ich ihren Gedanken und Gefühlen ganz nah bin, auch Hintergrund und Vergangenheit der Hauptfiguren kommen zur Sprache. Beide machen in ihren Erzählsträngen Andeutungen, die ich zunächst nicht interpretieren kann, so dass die Geschichte nicht nur in chronologischer Hinsicht spannend bleibt. Aber auch Emotionen wie Freundschaft und Liebe spielen eine große Rolle und erweitern den Thriller um einen berührenden Aspekt.
Tiffany Crums Schreibstil ist angenehm zu lesen, sie schreibt lebendig und schafft glaubwürdige Charaktere. Joys und Bennys Umgang miteinander ist von Humor geprägt und vertrauensvoll, es wird deutlich, dass ihr enges Verhältnis etwas besonderes ist. Der Spannungsbogen bleibt durchgehend erhalten und es gibt Wendungen, die mich überrascht haben. Am Ende bleiben keine Fragen offen. 'This story might save your life' mit dem auffälligen Cover und einem interessanten Setting im Umfeld von Podcastern ist mit Bennys chronologischer Erzählperspektive und Joys Manuskript, das mit den Anfängen beginnt, geschickt aufgebaut und hat mich gut unterhalten. Der Autorin ist ein fesselndes Roman-Debüt gelungen, Respekt!
Packend, spannend und schockierend
Tödliche Tiefen von John Marrs
Damon droht im Meer zu ertrinken und sieht im Sterben Bilder seines Lebens vor seinen Augen ablaufen, darunter ist auch ein toter Junge. Damon wird im letzten Moment wiederbelebt und fragt sich fortan, wer der Tote war. Er entwickelt eine seinen Alltag überlagernde Obsession und geht mehr als einmal bis zum Äußersten, um die Wahrheit über den toten Jungen herauszufinden, der ihm auch in Halluzinationen erscheint.
Erzählt wird aus Damons Ich-Perspektive und von einem personalen Erzähler aus Sicht von Melissa, Helena und Laura: die eine seine geschiedene Frau, die ihm freundschaftlich verbunden ist, die andere seine kurzzeitige Pflegemutter als Jugendlicher und Laura ist eine verstörende Figur aus einen früheren Buch John Marrs, die er hier wieder auftauchen lässt. Melissa und Helena bittet Damon um Hilfe und je mehr er unternimmt, um seine Erinnerungslücken hinsichtlich seiner Kindheit zu füllen, je mehr er herausfindet, desto spannender wird die Geschichte, dazu tragen auch häufige Cliffhanger am Kapitelende und Perspektivwechsel bei. Bis zum Ende schwanke ich zwischen Mitgefühl und Entsetzen.
John Marrs schreibt bildhaft, lebendig und fesselnd, seine Figurenzeichnung überzeugt. Die Charaktere sind komplex und glaubhaft, ihre Dialoge erscheinen mir realistisch und geschilderte Gewissenskonflikte leuchten ein und sind nachvollziehbar, genau so wie die Gefühle der Protagonisten Damon, Melissa und Helena, die mich betroffen machen.
Die temporeiche Geschichte ist düster und bedrückend, es gibt auch schockierende Szenen, trotzdem war es schwierig für mich, eine Lesepause einzulegen. John Marrs ist ein psychologisch tiefgründiger, spannender und packender Thriller gelungen, der bis zum Ende überrascht und mir sehr gut gefallen hat.











