Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Anja:
lebensnahes Jugendbuch, das viele wichtige Themen anschneidet
Mein Leben als lexikalische Lücke von Kyra Groh
Der 18-jährige Benni möchte Arzt werden und absolviert dafür ein Praktikum im Krankenhaus. Seine Mutter versucht derweil, ihn statt von der Wissenschaft von ihrem Glauben an Gott zu überzeugen.
Die 16-jährige Jule macht sich Gedanken um den Umweltschutz und ihre Ernährung. Zuhause finden diese Themen allerdings wenig Anklang.
Beide fühlen sich teilweise fehl am Platz, unzugehörig und zerrissen: wie lexikalische Lücken. Als die zwei sich kennenlernen, versuchen sie gemeinsam, diese Lücken ein wenig zu schließen.
„Mein Leben als lexikalische Lücke“ bietet unglaublich viel. Es ist ein Jugendroman über das Erwachsenwerden und bezieht dabei unglaublich viele Themen mit ein, die auf Jugendliche/ junge Erwachsene einwirken.
Die beiden sympathischen Hauptfiguren machen sich Gedanken über ihr Leben, ihre Träume und Ziele. Sie stellen sich die Frage, wie viel ihrer Eltern in ihnen steckt und suchen ihren Platz im bzw. ihren Weg für ihr Leben.
Es geht um das Erwachsenwerden und zu sich selbst finden. Unweigerlich findet dabei der Vergleich mit Gleichaltrigen statt, der Unsicherheiten schafft.
Es geht darum, sich von den Eltern abzunabeln und eigene Ziele zu entwickeln, aber auch darum, zu seiner eigenen Meinung zu stehen bzw. anderen aufzuzeigen, wenn ihre Ansichten nicht ok sind. Besonders Jule hat damit zu kämpfen. Nicht nur, dass sie sich vegan ernähren möchte, was auf Unverständnis in ihrer Familie trifft, immer wieder kommt es in ihrer Familie zu rassistischen Äußerungen, die Jule wütend machen. Doch sie traut sich nicht, ihrem Ärger Luft zu machen.
Aber auch Ben muss zuhause psychisch einiges aushalten, sodass beiden Protagonisten im Verlauf der Handlung ein Entwicklungsprozess bevorsteht.
Dabei fand ich beide Familien aber so extrem dargestellt, dass ich sie teilweise als unrealistisch und übertrieben empfunden habe.
Natürlich spielen auch Freundschaften eine große Rolle. Besonders Jule ist viel mit Gleichaltrigen unterwegs. Ihre kleine, schräge Gruppe hat große, bewundernswerte Ziele. Allerdings gibt es auch einige Situationen, in denen ihre Freunde nicht besonders sympathisch wirken.
Auch Bens Freunde, Jake und Mia, kommen in diesem Buch vor. Mit „Sicherheit ist eine verdammt fiese Illusion“ haben die beiden bereits ihre eigene Geschichte, zu der es im Grunde keine inhaltlichen Spoiler gibt, außer das, was sich aus der aktuellen Lebenssituation der zwei nun schließen lässt. Umgekehrt ist die Kenntnis des Buches für das Verständnis der lexikalischen Lücke nicht notwendig, da die Handlungen eigenständig sind.
Und zusätzlich gibt es auch noch eine Liebesgeschichte, die sich ganz langsam und zaghaft entwickelt, was sie sehr nachfühlbar und authentisch macht.
Die Geschichte ist unglaublich toll geschrieben. Der Schreibstil ist flüssig, jugendlich und anschaulich. Die beiden wechselnden Ich-Erzähler/innen Jule und Ben schildern ihre Erlebnisse und geben ausführliche Einblicke in ihre verwirrte Gefühlswelt.
Besonders gefallen haben mir all die sprachlichen Feinheiten und Seitenhiebe. Jedes Kapitel enthält ein Wort aus unterschiedlichen Sprachen, für das es in anderen Sprachen kein Pendant gibt (bekanntes Beispiel: Déjà-vu), was ich total spannend fand.
Dabei sind nicht nur die sprachlichen Aspekte schön eingebunden. Auch die eingestreuten Fakten, zum Beispiel zum Soja, fügen sich ganz natürlich ein, ohne das man das Gefühl bekommt, belehrt zu werden.
Das Ende ist mir ein klein wenig zu knapp gefasst. Zwar bleiben nicht direkt Fragen offen, dennoch gibt es ein paar Aspekte, zu denen ich gern noch ausführlicher gelesen hätte, wie sie sich in der Folge entwickeln.
Fazit
Das Buch greift ein breites Spektrum an lebensnahen und aktuellen Themen auf, die Jugendliche auf ihrem Weg zum Erwachsenwerden begegnen und bewegen: Umweltschutzaspekte, Rassismus, Zukunftssorgen, Freundschaft, Familie, Verliebtsein… Eigentlich fehlt nur noch Corona.
Dabei fügen sich all diese Aspekte ganz natürlich in eine süße Geschichte über zwei Teenager, die ihren Platz im Leben suchen und dabei fast wortwörtlich übereinander stolpern.
Aus dem Buch lässt sich viel mitnehmen: Dass jeder etwas tun und beitragen kann. Dass man anderen aufzeigen sollte, wenn sie falsch liegen. Und das man auch mit ganz kleinen Schritten die Welt – auch im Zwischenmenschlichen – ein kleines bisschen besser machen kann.
bleibt mir zu oberflächlich und unreflektiert
Fürchtet uns, wir sind die Zukunft von Lea-Lina Oppermann
Der 18-jährige Theo ist ein begnadeter Klavierspieler, der kürzlich einen der begehrten Plätze an einer angesehenen Kunstakademie ergattert hat.
An der Schule erwarten ihn nicht nur harter Unterricht, sondern auch Mitstudenten, die sich gegen die Strukturen der Akademie auflehnen. Besonders Aida, die Anführerin der ZUKUNFT fasziniert ihn und plötzlich ist das Studium viel weniger wichtig…
Der Klappentext hat mich direkt angesprochen, doch die Geschichte konnte mich leider nicht überzeugen.
Das Buch liest sich sehr zügig, den Schreibstil fand ich angenehm. Theo ist der Ich-Erzähler der Geschichte und schildert seine Erlebnisse an der Akademie und seine Gedanken rund um die Ereignisse mit der ZUKUNFT.
Dabei habe ich Theo sein Handeln aber leider oft nicht abgenommen. Ich habe mich immer wieder gefragt, ob er hinter dem steht, was er tut bzw. wozu er sich anstiften lässt, oder ob er aus Verliebtheit treudoof jeden Unsinn mitmachen würde.
Auf jeden Fall sucht er noch nach seinem Weg und seinen Zielen für sein Leben. Leider hinterfragt er das zweifelhafte Vorgehen der ZUKUNFT dabei nicht.
Die Gruppe von Studenten, die sich DIE ZUKUNFT nennt, prangert verschiedene Missstände an. Kritisiert werden zum Beispiel die Machtstrukturen der Schule, die aus Profitgründen einen fragwürdigen Geldgeber duldet, obwohl hinter vorgehaltener Hand über dessen Schandtaten gesprochen wird. Aber es geht auch ganz allgemein um die Manipulation und Abstumpfung der Menschen durch Wirtschaft und Medien. Sie begehren dagegen auf, von der Schule und der Gesellschaft zu passiven Regelbefolgern getrimmt zu werden, die ihre Freiheiten und ihre Menschlichkeit verlieren.
Wichtige Gedanken. Aber um ihrem Unmut Ausdruck zu verleihen, tun sie allerlei Illegales. Randalieren, Sachbeschädigung, Diebstahl, Einbruch. Die Liste ihrer (Straf-)Taten ist lang.
Und das meiste davon bleibt nicht nur unreflektiert, sondern auch unkommentiert. Es gibt keinerlei Konsequenzen und auch keine Informationen, ob Menschen ihre Botschaften in Form von beschmierten Wänden oder umdekorierten Kaufhäusern wahrgenommen haben.
Dabei versteht es Aida (die ich aus verschiedenen Gründen wenig sympathisch fand und die mir im Verlauf sogar noch unsympathischer wurde), ihre Mitverschwörer durch dramatische Reden anzustacheln.
Letztlich kratzt das ganze Thema für mich nur an der Oberfläche und eine tatsächliche Entwicklung findet nicht statt. Die Gruppe tut etwas. Theo geht zur Uni. Oder geht nicht, weil er nachts irgendwo einbricht und am Tag entsprechend müde ist. Neue Aktion, neue Rede, die die Taten rechtfertigen soll. Bisschen Schulleben dazwischen. Wichtige Probleme werden nur angeschnitten und in den entscheidenden Momenten nicht weiter verfolgt.
Zwar fand ich das Buch nicht langweilig, aber ich bleibe nach dem Lesen eher enttäuscht zurück, zumal am Schluss so ziemlich alles offen gelassen wird. Man bekommt nur eine Ahnung davon, dass in Theo ein Entwicklungsprozess eingesetzt hat und er seine Zukunft anders gestalten möchte… Für mich wäre es nun erst interessant geworden, so viele wichtige Punkte sowie die Frage, wie all diese Ereignisse nun auf verschiedenen Ebenen nachwirken, bleiben offen.
Interessant fand ich hingegen die Akademie an sich – sowohl von ihrem Aufbau mit den verschiedenen Übungsräumen, als auch mit ihren unterschiedlichen Lehrkräften. Dabei sticht besonders ein Lehrer heraus, der Theo in seiner Leidenschaft für die Musik (die toll beschrieben ist, wenn er sich dafür mal Zeit nimmt) unterstützt und mit ungewöhnlichen Lehrmethoden inspiriert.
Fazit
Wichtige Gedanken fragwürdig hervorgebracht. Um ihre Botschaft zu vermitteln, wählt die ZUKUNFT ausschließlich kriminelle Wege. Dabei haben ihre Taten aber anscheinend keinerlei Konsequenz und werden von den Ausführenden auch nicht kritisch hinterfragt. Protagonist Theo kommt für mich leider zu oft als verliebter Trottel rüber, der nur bedingt hinter den Ansichten der ZUKUNFT steht, sich aber wunderbar selbst manipulieren lässt. Am Ende bleibt die Zukunft sehr offen…
Es werden ganz knapp 3 Sterne, da es einige Punkte in der Geschichte gab, die ich mochte. Allerdings wäre noch viel mehr möglich gewesen…
geheimnisvoller Auftakt
Falcon Peak - Wächter der Lüfte (Falcon Peak 1) von Heiko Wolz
Der 13-jährige Kendrick besucht nach dem Umzug mit seinem Vater eine neue Schule in der Heimat seiner Mutter. Schon an den ersten Tagen passieren verschiedene Dinge, die ihm komisch vorkommen. Als er beginnt, diesen auf den Grund zu gehen, entdeckt er zahlreiche Geheimnisse, die auch ihn uns seine verstorbene Mutter betreffen.
Geschildert wird das Geschehen aus der personalen Sicht von Kendrick. Mit ihm zusammen können die Leser/innen das neue Internat mit all seinen mysteriösen Begebenheiten kennenlernen und auf die Suche nach den zahlreichen Geheimnissen gehen.
Die Sprache ist einfach gehalten und anschaulich, sodass die Schule und die Umgebung leicht vorstellbar sind.
An Geheimnissen mangelt es dieser Geschichte nicht. Schon von Beginn an gibt es einige Ungereimtheiten, tuschelnde Mitschülerinnen oder Lehrerinnen, die sich komisch benehmen oder in Kendricks Gegenwart eigenartige Andeutungen machen. Kendrick braucht etwas Zeit, bis er hinter einige dieser Rätsel kommt. Dann steckt er plötzlich mitten in einem großen Abenteuer, bei dem er den Spagat meistern muss, sich gegenüber seinem unwissenden Vater nicht zu verraten und sich mit all dem Neuen zurechtzufinden.
Dabei steht Kendrick allerdings teilweise arg auf der Leitung. Manche Dinge, die ihm gegenüber geheim gehalten werden, sind recht offensichtlich, es dauert aber, bis Kendrick die richtigen Fragen stellt. Und nicht immer bekommt er auch Antworten. So klären sich zwar im Verlauf einige Begebenheiten, es werden allerdings auch immer neue Rätsel aufgebracht, sodass nach dem spannenden Finale dieses Auftaktbandes noch vieles offen bleibt.
Neben dem anschaulich ausgearbeiteten Fantasythema muss sich Kendrick auch mit den ganz alltäglichen Problemen eines Teenagers herumschlagen: schulische Leistungen, Rivalität zwischen Mitschülern, die Erwartungen seines Vaters und die ersten Gefühle für Mädchen, die Kendrick ziemlich durcheinander bringen.
Fazit
Ein interessantes Fantasysetting und zahlreiche Geheimnisse sorgen dafür, dass die Geschichte durchweg spannend bleibt, auch wenn zwischenzeitlich nicht so viel passiert. Das Ende lässt noch viele Fragen offen.
Beliebt werden vs man selbst sein (3,5)
Mein geniales Leben von Jenny Jägerfeld
Nach einem Umzug sieht der 12-jährige Sigge seine Chance für einen Neustart an der neuen Schule. Ihm bleiben noch 59 Tage der Sommerferien, um einen Plan zu fassen, wie er beliebt werden kann…
Beim Lesen wusste ich zwischendurch nicht, was ich von dem Buch halten soll. Am Anfang fand ich es recht zäh, am Ende hat es mir ganz gut gefallen.
Allerdings gibt es thematisch einige Aspekte, die ich schwierig fand.
Sigge wurde an seiner alten Schule extrem gemobbt. Er hat Eiskunstlauf gemacht und wurde deswegen als Schwuchtel beschimpft. Freunde hatte er nicht.
Seine Konsequenz daraus ist, sich über die Sommerferien so zu verändern, dass er an der neuen Schule ein beliebtes Kind sein wird. Ein nachvollziehbarer (aber auch sehr trauriger) Gedanke.
Was mich daran aber stört, ist die Art, wie das Mobbing in die Geschichte eingebunden ist. Sigge erinnert sich an verschiedene schlimme Erlebnisse und Beschimpfungen. Da er aber niemandem davon erzählt, gibt es keinerlei Konsequenzen – außer halt der, dass Sigge sich schlecht und falsch fühlt. Sogar sein geliebtes Hobby hat er aufgegeben, weil er es für unangebracht für Jungen hält.
Wie wird man nun also beliebt in 59 Tagen? Sigge probiert verschiedene Dinge aus, von denen er sich Beliebtheit verspricht. Verändertes Verhalten, veränderte Optik, angepasste Sprache. Dabei bekommt er von seinem Umfeld zum Glück immer mal wieder die Rückmeldung, was für ein toller Junge er ist – genau so, wie er ist. Zudem gibt ein Erwachsener, dem er sich anvertraut, ihm auch den Denkanstoß mit, was denn Freundschaften wert sind, für die man sich völlig verändern muss…
Diesen Entwicklungsprozess macht Sigge dann im Verlauf auch, sodass er sich zum Glück nur wenig verändert und dafür stattdessen erkennt, dass Freundlichkeit und Ehrlichkeit wichtiger sind als Coolness und witzige Sprüche.
Neben dem Thema der Selbstfindung, Selbstvertrauen und Freundschaft, steckt noch viel anderes in der Geschichte, was durchgängig mitschwingt: Existenzsorgen der Mutter wegen Arbeitslosigkeit, die Situation mit den Vätern der Kinder, allgemein der Wert von Familie.
Die Familienkonstellation fand ich interessant: Die drei Kinder stammen von zwei verschiedenen Vätern, von denen nur einer überhaupt zwischendurch mal präsent ist. Sigge hat zwei Schwester, die eine spricht nicht, die andere durchgängig viel zu laut. Mutter und Kinder ziehen bei der Großmutter ein, die genug Platz hat, da sie ein kleines Hotel führt. Diverse Haustiere gibt es auch noch.
Die Großmutter ist von der flippigen Art, fährt Autorennen und sammelt ausgestopfte Tiere, die überall im Hotel stehen. Dies fand ich anfangs sehr befremdlich, es gibt allerdings eine gute Erklärung dafür. Keine vernünftige Erklärung kann ich allerdings dafür finden, dass die ältere Dame ununterbrochen raucht, auch im Beisein der Kinder, während sie deren Essen zubereitet etc. …
Des Weiteren wohnt in dem Hotel noch ein Langzeitgast. Ein „Filmemacher“. Das ganze Buch hinweg schildert er der Familie immer wieder seine Filmideen, die durchgängig brutal, blutig und eklig sind, weil entweder schwere Unfälle, Mord oder menschenfressende Raubtiere enthalten sind.
Die Grundstory hat mir gefallen: Sigges Weg vom Wunsch nach Beliebtheit, seine Versuche, sich zu verbiegen bis zur Erkenntnis, dass dies vielleicht gar nicht der richtige Weg ist.
Am Anfang passiert nicht so wahnsinnig viel. Sigge recherchiert über Beliebtheit und macht seine ersten Versuche. Die erste Hälfte empfand ich als etwas zäh. Dann gibt es eine Veränderung, die auch bei Sigge nochmal neue Denkprozesse in Gang bringt und die Geschichte für mich sehr positive verändert hat.
Sigges Schwestern fand ich beide auf ihre Art sehr zauberhaft, mit der flippigen, dauerrauchenden Großmutter konnte ich hingegeben nicht ganz so viel anfangen und die brutalen Filmideen des Hotelgastes waren mir in der Masse zu viel und unangebracht blutig und grausam für ein Kinderbuch für kleine Leser/innen ab 10 Jahren.
Fazit
Ich würde nur eine eingeschränkte Leseempfehlung aussprechen. Die Geschichte um Sigges Entwicklung fand ich grundsätzlich gelungen. Es geht um Selbstzweifel und Selbstfindung, darum Selbstvertrauen zu erhalten und zu sich selbst zu stehen. Darum Freunde zu finden und Freundschaften zu pfelgen.
Allerdings gibt es mehrere Aspekte, die mir für die Altersgruppe in ihrer Ausführung nicht so gut gefallen haben, vor allem die extreme, aber unbearbeitete Ausprägung des Mobbings sowie die wiederkehrenden brutalen Sequenzen durch den Filmemacher.
Beeindruckende Welt, wendungsreiche Story
Meeresglühen (Romantasy-Trilogie, Bd. 1) von Anna Fleck
Die 17-jährige Ella verbringt ihre Sommerferien in Cornwall. Dort rettet sie einen reglosen Surfer aus den tosenden Wellen. Der rätselhafte Aris erzählt Ella wenig über sich. Er will einfach nur zurück in seine Heimat. Ella ist fest entschlossen, ihm dabei zu helfen, auch wenn sie keine Ahnung hat, in welche rätselhafte Welt der Mann mit dem ungewöhnlichen Muster auf der Haut zurückkehren will…
Ella ist eine fröhliche und hilfsbereite, manchmal aber auch etwas unvorsichtige und naive Protagonistin.
Sie handelt teilweise unüberlegt, um andere zu schützen, bringt sich dadurch aber schnell selbst in Gefahr.
Als Ich-Erzählerin gibt sie tiefe Einblicke in ihre aufgewühlten Gedanken und Gefühle. Dabei hat Ella die anstrengende Angewohnheit, nicht nur innere Monologe abzuhalten, sondern sie führt haufenweise Dialoge mit sich selbst, in denen sie teilweise mit sich diskutiert oder sich selbst auf die Schippe nimmt. Allerdings macht sie dies für meinen Geschmack etwas zu exzessiv.
Aris ist ein durch und durch rätselhafter Kerl, der nur wenig über sich preisgibt. Trotz seiner Verschlossenheit ist er dennoch freundlich und beschützt Ella mehrfach in Notsituationen.
Seine Unwissenheit in Menschenbelangen sorgt für einige witzige Dialoge.
Aris’ Welt ist sehr detailliert und faszinierend ausgearbeitet. Es gibt viele ungewöhnliche Bewohner und Begebenheiten zu entdecken, von denen ich so zuvor noch nie gelesen habe.
Insgesamt hat mir die Geschichte zwar gefallen, sie hatte für mich aber auch ein paar langatmige Augenblicke.
Den Beginn, wie Ella Aris rettet und gemeinsam mit ihm einen Rückweg für ihn sucht, fand ich sehr interessant. Auch das Ende ist superspannend. Und auch im Mittelteil passieren oft unerwartete, aufregende Dinge. Dazwischen gab es aber für mich immer mal wieder Momente, in denen sich die Handlung in detaillierten Ausführungen von wenig zielführenden Szenen verloren hat, die sich für mich etwas zogen. Da bald darauf die nächste temporeiche oder gefährliche Sequenz folgte, konnte mich die Geschichte aber immer wieder zurückgewinnen und aufs Neue fesseln.
Zusätzlich gibt es etliche Wendungen, die zu neuen Schwierigkeiten und schockierenden Überraschungen führen, sodass die Geschichte für mich nur selten vorhersehbar war.
Die Liebesgeschichte ist gut in die Handlung eingewoben und entwickelt sich langsam und stetig.
Am Ende sind einige Fragen beantwortet und ein Teil des Abenteuers ist abgeschlossen. Es deutet sich aber bereits das nächste, ungewisse Abenteuer an.
Fazit
Meeresglühen offenbart eine faszinierende, toll beschrieben Welt in der es lauter Ungewöhnliches zu entdecken gibt. Die Handlung strotzt vor Wendungen und Überraschungen, hatte für mich aber auch immer mal wieder kurze langatmige Passagen.
Sehr bewegend – wenn nur der teilweise unrealistische Handlungsverlauf nicht wäre…
Between Your Words von Emma Scott
Jim bewirbt sich als Pfleger eines Sanatoriums. Eine der Bewohnerinnen dort ist Thea, die an einer schlimmen Form der Amnesie leidet. Ihr bleiben immer nur fünf Minuten, bevor ihr Kurzzeitgedächtnis gelöscht wird. In diesen sich wiederholenden fünf Minuten bauen Thea und Jim eine Verbindung zueinander auf.
Jim möchte Thea unbedingt helfen. Doch viel Hoffnung gibt es nicht…
Ich liebe All In – Tausend Augenblicke und erwarte daher voller Spannung jedes neue Buch von Emma Scott.
Between your words bringt alle Voraussetzungen für eine emotionale Geschichte mit: Theas tragische Erlebnisse und ihre fürchterliche Krankheit, die ihr immer nur ein paar Minuten Zeit lässt, bevor ihr Kopf neu startet und ihr Kurzzeitgedächtnis alles gerade erlebte auslöscht.
Es ist aber auch eins dieser Bücher, das sich schwer bewerten lässt, ohne den Inhalt auseinanderzunehmen.
Jim ist zunächst der hauptsächliche Ich-Erzähler der Geschichte. Es gibt anfangs nur wenige (total faszinierende) Kapitel aus Theas Sicht. Später schildert sie größere Passagen des Geschehens aus ihrer Sicht.
Der junge Pfleger hat im Leben bereits einiges durchgemacht. Er kümmert sich fürsorglich und respektvoll um die Patienten – ein Umgang, der so manchem Kollegen fehlt. Thea fasziniert ihn besonders, ebenso wie sie ihm leidtut. Daher würde er ihr gern helfen, stößt dabei aber schnell an verschiedene Grenzen – nicht nur an die ihres Gedächtnisses.
Thea ist eine fröhliche, schlagfertige und freiheitsliebende Künstlerin. Dies blitzt auch trotz ihrer Krankheit immer wieder durch. Es bleibt zunächst unklar, wie viel ihres Zustandes ihr bewusst ist.
Die Amnesie-Aspekte fand ich total interessant, aber auch unglaublich erschreckend. Das Nachwort der Autorin gibt an, dass Theas Krankheitsbild auf tatsächlichen Fällen schlimmer Amnesie beruht. Sie gibt aber auch zu, dass sämtliche Behandlungsversuche im Buch frei erfunden sind.
Und genau damit hatte ich leider letztlich starke Probleme. Zwar ist Theas Fall an sich schon schwer vorstellbar, es gibt aber einige Ereignisse im Buch, die mir einfach unglaubwürdig erscheinen. In einem Fantasyroman kommt eine gute Fee und bringt alles in Ordnung. In einem wirklichkeitsgetreu angelegtem Liebesroman erwarte ich ein nachvollziehbares, realistisches Geschehen. Und so habe ich die Handlung teilweise leider nicht empfunden. Manche Dinge gehen mir zu schnell, andere zu einfach. Das hat es mir in einigen Augenblicken schwer gemacht, mit den Figuren mitzufühlen.
Hinzu kommt, dass auch das Verhalten mancher Figuren nicht immer nachvollziehbar ist.
Die 5-Minuten-Gespräch von Thea und Jim sind mal witzig, mal berührend und oft frustrierend, weil sie für Jim meist nach einem gleichen Schema ablaufen, das er zu durchbrechen versucht, während jedes Gespräch für Thea völlig neu ist. Dennoch sind die zwei toll zusammen.
Im Verlauf des Buches gibt es viele ergreifende und berührende Momente. Es gibt dramatische, herzzerreißende Szenen. Aber es gibt aber eben auch diese für mich unglaubwürdigen Ereignisse, die den insgesamt positiven Gesamteindruck des Buches ein wenig abschwächen.
Fazit
Eine besondere Liebesgeschichte mit kleinen „Schwächen“. Theas Krankheitsbild fand ich ebenso faszinierend wie erschreckend, sodass besonders die Kapitel aus Theas Sicht total spannend waren. Der Schreibstil gefällt mir, wie bei allen Bücher von Emma Scott, wieder total gut – intensiv, gefühlsgeladen, nah an den Figuren. Die Handlung bietet jede Menge Emotionen und Dramatik. Leider gibt es einige Ereignisse, die ich als unrealistisch empfunden habe und das Leseerlebnis dadurch ein wenig getrübt haben.
überraschend ernst
Wie man seine Eltern erzieht (Eltern 1) von Pete Johnson
Luis möchte Komiker werden. Allerdings hat er recht wenig zu lachen, nachdem er mit seiner Familie umzieht und eine neue Schule besuchen muss. Dort wird er mit seinen durchschnittlichen Leistungen ungewollt zur Lachnummer. Dass ausgerechnet der Nachbarssohn immer gute Noten schreibt, ist auch nicht zum Vorteil für ihn: plötzlich wollen seine Eltern nämlich, dass er Nachmittags zusätzliche Kurse besucht, Nachhilfe nimmt und mehr lernt.
Was Spaß macht, wird gestrichen. Da wird Luis klar: Es wird Zeit, seine Eltern zu erziehen. Und nebenbei an seinem Traum weiterzuarbeiten.
Das Buch ist in Tagebuchform geschrieben. Über mehrere Wochen hinweg macht Luis verschiedenste Einträge zu seinen Erlebnissen. Teilweise auch mehrfach am Tag, wenn dieser besonders aufregend war. Der Text liest sich leicht verständlich und flüssig und die Sprache ist passend für den 12-jährigen Jungen. Kleine Grafiken lockern den Text auf.
Da Luis an seiner Karriere als Komiker arbeitet, fließt auch immer mal ein Witz ein – mal mehr, mal weniger lustig, aber durchweg kindgerecht.
Die Geschichte hat allerdings weit mehr zu bieten als nur Witze. Im Gegenteil: Insgesamt hat das Buch einen recht ernsten Unterton. An der neuen Schule lernt Luis seinen Nachbarn Theo kennen. Theo schreibt oft die besten Tests der Klasse. Seine Eltern sind sehr stolz. Allerdings setzen sie ihn auch arg unter Druck. Bekommt Theo eine zwei, hat er bereits Angst vor der Reaktion seiner Eltern. Eine noch schlechtere Note kommt einem Weltuntergang gleich. Freizeit hat er kaum, schließlich muss er am Nachmittag Sprachen, Instrumente oder dergleichen lernen. Und er ist nicht das einzige Kind in der Nachbarschaft, dessen Freizeit so durchgetaktet ist.
In diesem neuen Umfeld beginnen Luis’ Eltern sich zu verändern. Sie wollen auch mit ihren Kindern „angeben“ oder zumindest mithalten und versuchen daher, die schulischen Leistungen zu verbessern und ihre Nachmittage lehrreicher zu gestalten. Dies führt zu großen Konflikten innerhalb der Familie. Luis mit seiner speziellen Art, Dinge ins lächerliche zu ziehen, aber auch klar seine Meinung zu sagen, trägt dabei nicht gerade zum Familienfrieden bei. Es muss erst einiges passieren, bis alle ein anderes Bewusstsein für die Situation entwickeln.
Über die Tagebucheinträge wird in erster Linie Theos Geschichte erzählt. Aber auch über Theo und dessen positive und negative Erfahrungen berichtet Luis häufig.
Mir hat das Buch insgesamt gut gefallen. Und es ist beiweitem nicht nur ein Kinderbuch: Auch für Erwachsene findet sich so manch Lehrreiches darin. In diesem Sinne dient das Buch vielleicht tatsächlich dazu, Eltern zu erziehen!? Zumindest wird womöglich ein wenig das Bewusstsein dafür geweckt, dass Kindsein mit spielen und Freizeit haben verbunden sein sollte und starker Leistungsdruck unangenehme Folgen haben kann.
Um das Buch in all seinen Facetten zu verstehen, ist die Altersempfehlung von ab 10 Jahren aber vielleicht etwas tief angesetzt.
Ich bin gespannt auf weitere Abenteuer aus Luis' Leben.
Fazit
Ich hatte keine großen Erwartungen an das Buch und wurde positiv überrascht. Die Geschichte ist überraschend ernst und tiefgründig, wird aber durch Luis' spezielle Art immer wieder aufgelockert. Auf jeden Fall können sowohl Kinder als auch Erwachsene (vor allem diese!) daraus etwas mitnehmen. Wer allerdings eine durchweg witzige Geschichte erwartet, wird vermutlich enttäuscht werden.
Interessanter Auftakt mit einigen Längen
Touch of Ink, Band 1: Die Sage der Wandler (Fesselnde Gestaltwandler-Romantasy) von Stefanie Lasthaus
Bereits bei ihrer Adoption als Kleinkind trug Quinn ein Tattoo, dessen Ursprung und Bedeutung ihr unbekannt ist. Zudem quälen sie in regelmäßigen Abständen Visionen, über die sie sich mit niemandem zu sprechen traut. Als sie ihr Studium an der Vancouver Island University beginnt, scheint sie einigen der lang gesuchten Antworten näher zu kommen.
Schon früh wirft die Geschichte erste Fragen auf: Was hat es mit Quinns Tattoo auf sich? Woher kommen ihre Visionen? Warum gibt es gewisse Feindschaften auf dem Campus? Und warum lässt such Quinns neue Freundin widerstandslos herumkommandieren? …
Es dauert allerdings, bis die Geschichte auch erste Antworten liefert. Tatsächlich fand ich den ruhigen Beginn insgesamt ein wenig zäh. Durch die offenen Fragen ist das Geschehen zwar nicht uninteressant, plätschert aber dennoch eher vor sich hin. Erst etwa ab der Hälfte des Buches nehmen Spannung und Tempo zu. Quinn erhält erste Erkenntnisse, die ihr Weltbild auf den Kopf stellen und sie in Schwierigkeiten zu bringen drohen. Zudem spitzen sich einige Ereignisse in ihrem Umfeld zu, sodass die Handlung in den letzten Kapiteln immer aufregender und ereignisreicher wird, bevor sie in einem fiesen Cliffhanger endet.
Tatsächlich werden viele aufgeworfene Fragen in diesem Teil bereits beantwortet, gleichzeitig tauchen im Verlauf aber neue Rätsel auf, die es im Folgeband zu klären gibt.
Erzählt wird sie Handlung überwiegend aus der Ich-Perspektive von Quinn.
Quinns Neugier ist nachvollziehbar. Schon immer trägt sie lauter Fragen mit sich herum und je näher sie der Antwort kommt, desto ungeduldiger wird sie. Allerdings handelt sie dabei teilweise naiv und überstürzt, ohne die Konsequenzen abschätzen zu können.
Dazwischen gibt es auch einige Kapitel aus Nathans Sicht, der seinen Wissensvorteil mit den Leser/innen teilt und Einblicke in eine Welt bietet, die Quinn noch verborgen bleibt.
Die Welt der Wandler (eigentlich schade, dass der Untertitel hier spoilert, wo der Klappentext es noch nicht tut) und ihrer Tribes mit den verschiedenen Machtstrukturen finde ich interessant und bin gespannt, im zweiten Band tiefer in die Gemeinschaft einzutauchen.
Fazit
Der Einstieg ist zwar interessant, allerdings passiert lange nicht so richtig viel, sodass die Geschichte streckenweise etwas langatmig ist, bevor Spannung und Tempo in der zweiten Hälfte ordentlich zulegen.
wow – sehr spannend und toll geschrieben
Touch of Ink, Band 1: Die Sage der Wandler (Fesselnde Gestaltwandler-Romantasy) von Stefanie Lasthaus
Tara, die Tochter des Bostoner Bürgermeisters, trifft an der Uni einen jungen Mann. Doch das Kennenlernen findet ein schnelles Ende, als ihr Vater ihr den Kontakt zu ihm verbietet. Jay, der einer Motorradgang angehört, sei der Feind, meint er. Das kann Tara nicht hinnehmen. Heimlich sucht sie immer wieder seine Nähe und kommt dabei einem alten Familiengeheimnis auf die Spur.
Wow, was für eine tolle Geschichte. Schon nach wenigen Seiten war ich völlig gefesselt und bin durch die Seiten gerauscht. Dies ist zum einen dem sehr intensiven, anschaulichen Schreibstil geschuldet, der es leicht macht, sich in Ich-Erzählerin Tara hineinzuversetzen, und der Bilder im Kopf lebendig werden lässt. Aber auch die geheimnisvolle, gefühlsgeladene und spannende Handlung hat natürlich dazu beigetragen.
Taras Leben wirkt nach außen hin perfekt: Sie lebt in einem großen Haus mit einer intakten Familie und studiert an einer der bekanntesten Unis der Welt. Um Geld muss sie sich keine Sorgen machen.
Jays Leben sieht komplett gegenteilig aus: Er wohnt in einem Stadtteil, in dem Gewalt an der Tagesordnung steht und in dem die Menschen zu illegalen Mitteln greifen, um ihr Überleben zu sichern. Die Road Kings schützen und unterstützen sich gegenseitig wie eine Familie.
Das Aufeinandertreffen der beiden ist mit vielen Vorurteilen behaftet. Beiden wurde von ihrer Familie ein gewisses Bild voneinander vermittelt. Besonders Tara tut sich zunächst schwer damit, unvoreingenommen zu sein. Doch je mehr die zwei sich kennenlernen, desto mehr erhalten sie einen Blick hinter die Fassade des anderen. Dabei macht vor allem Tara über die Geschichte hinweg eine enorme Entwicklung durch.
Tara und Jay waren mir von Beginn an sehr sympathisch. Besonders die gemeinsamen Szenen haben mir gut gefallen, die ruhigen ebenso wie die kratzbürstigen.
Die Handlung wird immer spannender, je weiter die Geschichte voranschreitet. Tara beginnt, der Familienfehde auf den Grund zu gehen und macht dabei überraschende Entdeckungen. Zudem bringt sie der Kontakt zu Jay in verschiedene Schwierigkeiten, nicht nur mit ihrer Familie.
Zum Ende hin war es unmöglich, das Buch noch aus der Hand zu legen, so rasant und dramatisch entwickelt sich das Geschehen. Zusätzlich konnte mich die Geschichte auf eine völlig falsche Fährte locken.
Fazit
Geschichte mit Sog-Wirkungen. Einmal in die Welt von Tara und Jay eingetaucht, fällt es schwer, sich davon wieder zu lösen. Der Schreibstil ist super angenehm und die Figuren sind facettenreich und sympathisch, sodass es leicht ist, sich in sie hineinzufühlen und mitzuzittern. Je weiter das Buch voranschreitet, desto spannender und dramatischer wird das Geschehen, das einige Wendungen bereithält. Für mich genau die richtige Mischung aus Spannung, Action und Emotionen.
vorhersehbar aber dennoch bewegend
All das Ungesagte zwischen uns von Colleen Hoover
Eine glückliche Familie. Ein Unfall. Tausend Lügen. Das Leben von Morgan und ihrer Tochter Clara gerät von einem Moment auf den anderen völlig aus den Fugen.
Dies ist das erste Buch von Colleen Hoover, welches ich gelesen habe – und nun bin ich definitiv neugierig auf mehr.
Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen.
Zwar ist die Geschichte von Beginn an ziemlich vorhersehbar. Aber das sind trifft ja auch auf die meisten Liebesromane zu. Der Weg ist das Ziel, und hier haben die Figuren einen holprigen Weg vor sich.
Geschildert wird das Geschehen abwechselnd aus der Ich-Perspektive der 34-jährigen Morgan und ihrer 16-jährigen Tochter Clara. Beide erleben einen schweren Schicksalsschlag. Für die Bewältigung wählen sie sehr unterschiedliche Vorgehensweisen. Während Morgan versucht, Clara vor allem Unheil zu beschützen, rebelliert der Teenager ganz offen. Dadurch wird auch das Verhältnis von Mutter und Tochter auf eine schwere Probe gestellt.
Es gibt sehr, sehr, sehr viel Familiendrama. Teilweise fand ich es schon etwas arg viel für nur ein Buch, was die Figuren hier alles erleben und verarbeiten müssen. So sind sie verständlicherweise viel mit sich selbst beschäftigt. Dabei gibt es etliche innere Monologe, bei denen sich sowohl Mutter als auch Tochter immer mal wieder gedanklich im Kreis drehen. Dennoch fand ich die Entwicklung von beiden, wie sie die Ereignisse wahrnehmen und zu verarbeiten versuchen, interessant.
Letztlich gibt es gar nicht so viel Handlung, sondern es geht vor allem um die Veränderung der beiden Hauptfiguren, um ihrer Beziehung zueinander und die Erkenntnis, was im Leben wichtig ist. Beide schildern intensiv, was in ihnen vorgeht. Verhaltensweisen und Gedanken fand ich überwiegend nachvollziehbar und habe oft mit den Charakteren mitgelitten und mitgefühlt.
Das Ende ist mir ein klein wenig zu offen. Es ist ganz viel ins Rollen gekommen. Spannungen haben sich aufgelöst, Konflikte sind bewältigt und die Verarbeitung verschiedener Ereignisse hat begonnen. Letztlich hätte ich mir aber wohl einen Epilog gewünscht, der noch ein wenig später einsetzt und zeigt, wie es weiterging. Es gibt zig Dinge, die zwar irgendwie geplant und vorgenommen sind, bei denen es aber noch an etlichen Umständen scheitern könnte.
Allerdings „lehrt“ das Buch auch, dass man gar nicht immer alle Details wissen muss… wenn auch in einem völlig anderen Zusammenhang.
Fazit
Zwar ist die Geschichte arg vorhersehbar, dennoch gibt es viele intensive und gefühlsgeladene Momente. Die Entwicklung der zwei Hauptfiguren – die sich auch mit den Fragen, was sie im Leben erreichen möchten und was ihre Leidenschaft weckt, beschäftigen – sowie die Veränderung ihrer Beziehung zueinander steht im Vordergrund. Dank des eindringlichen Erzählstils konnte ich mich gut in die beiden hineinversetzen.










