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Rezensionen von Lilli33:

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Kein 08/15 Thriller, sondern etwas Besonderes

Totenhaus von Bernhard Aichner

*** ACHTUNG: SPOILER ZUM 1. BAND! ***
Ich empfehle, diesen vorher zu lesen. Zwar ist die Handlung des 2. Bandes auch ohne Vorkenntnisse verständlich, aber den speziellen Charakter von Blum wird man vielleicht nicht so leicht verstehen können.

Inhalt:
Zwei Jahre nach dem Tod ihres Mannes, den Blum gerächt hat, scheint sich ihr Leben langsam wieder zu normalisieren.

Doch schnell zerschlägt sich die Hoffnung wieder, denn auf dem Innsbrucker Friedhof findet man Leichenteile, die da nicht hingehören. Blum hatte damals die Mörder ihres Mannes in fremden Gräbern verschwinden lassen, denn Blum ist ja Bestatterin. Kurzerhand flieht sie und muss fast mit dem Leben dafür bezahlen.

Meine Meinung:
Der Vorgängerband ?Totenfrau? hat mich absolut begeistert. An diesem Buch hatte ich inhaltlich überhaupt nichts zu kritisieren, es war einfach perfekte Unterhaltung der ganz besonderen Art. Der Autor hat es mit seiner eindringlichen Schreibweise geschafft, in mir Sympathien für eine fünffache Mörderin zu wecken. Dabei hatte ich keine Ahnung, dass das nur der Auftakt einer Trilogie ist. Als nun ?Totenhaus? erschien, stand für mich sofort fest, dass ich auch dieses Buch lesen muss.

Von der ersten Seite an war ich wieder in Bernhard Aichners eigenwilligen Schreibstil vernarrt. Er benutzt meist kurze Sätze, Halbsätze, Ein-Wort-Sätze. Klar, das wirkt ein bisschen abgehackt, unterstreicht aber das getriebene Wesen der Protagonistin Blum perfekt. Sie, die immer noch um ihren geliebten Mann trauert, ihre Umgebung teilweise wie durch einen Watteschleier wahrnimmt, erlebt die Ereignisse Schlag auf Schlag. Da bleibt nicht viel Zeit, um in Ruhe nachzudenken oder vernünftige Pläne zu machen. Und so kommt es, dass Blum immer wieder Fehler macht, sich auf die falschen Leute einlässt und man nie weiß, wem man eigentlich trauen kann. Dies bringt Spannung in den Roman, von Anfang an unterschwellig zu spüren und am Schluss beim show down auch ganz offen zu sehen. Ich habe das Buch mehr oder weniger mit angehaltenem Atem gelesen, obwohl gar nicht so wahnsinnig viel passiert.

Dabei muss ich allerdings sagen, dass ich diesen zweiten Band etwas schwächer fand als den ersten. Der Plot war ein wenig hanebüchen und bei weitem nicht so rasant wie im ersten Band. Auch kommt Blum hier nicht ganz so cool rüber wie dort. Aber nun ja, so ist das Leben, man kann nicht immer cool sein.

Als Leserin mit Vorkenntnissen hat es mich ein wenig genervt, dass gefühlte hundert Mal erwähnt wurde, welch lieblose Kindheit Blum hatte und dass sie schon in jungen Jahren mehr mit Leichen zu tun hatte als mit lebenden Menschen. Dies soll wohl bei Quereinsteigern Verständnis für die Protagonistin wecken, hat aber sicher nicht denselben Erfolg wie die langsame Charakterentwicklung im ersten Band.

Das Ende des Romans ist recht offen, was ich in diesem Fall absolut passend finde. Und der Epilog macht neugierig auf den dritten Band. Ich freue mich schon darauf.

Fazit:
?Totenhaus? kommt nicht ganz an den Vorgänger heran, ist aber trotzdem absolut lesenswert. Ich empfehle diese Thriller-Reihe allen Lesern, die gerne mal außerhalb der ausgetretenen Pfade nach dem Besonderen suchen und sich gerne offen auf Neues und Ungewöhnliches einlassen wollen.

Die Reihe:
1. Totenfrau
2. Totenhaus

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Kein 08/15 Thriller, sondern etwas Besonderes
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Fantasievolle Fortsetzung im Reich der Bücher und Bibliomantik

Totenhaus von Bernhard Aichner

Inhalt:
Die Widerständler haben sich auf den Sitz der Familie Faerfax in den Cotswolds zurückgezogen. Die junge Bibliomantin Furia wird von Summerbelle ausgebildet. Nun wollen die jungen Leute sich auf die Suche nach dem Sanktuarium, dem Herzen der Adamitischen Akademie, machen, um sich den üblen Machenschaften des Rates der Akademie in den Weg zu stellen.

Ein gefährliches und fast aussichtsloses Unterfangen.


Meine Meinung:
Manchmal wird der Mittelband von Trilogien wie ein Stiefkind behandelt. Er ist ein Lückenfüller, den man fast genauso gut auch weglassen könnte. Diesen Vorwurf kann man Kai Meyer gewiss nicht machen! Seine Fortsetzung von ?Die Seiten der Welt? sprüht vor fantastischen Ideen, und die Handlung wird konsequent vorangetrieben. Hier passiert so viel, was für die Zukunft (den dritten Band) wichtig und notwendig ist. Es werden neue Charaktere eingeführt und von lieb gewonnenen (oder auch nicht) alten müssen wir uns trennen. Dieser Autor hat keine Scheu, seine Figuren über die Klinge springen zu lassen. Man muss wirklich mit allem rechnen. Auch in anderer Hinsicht konnten mich einige Figuren, vor allem eher Nebenfiguren, wirklich überraschen.

Ich hatte allerdings größere Schwierigkeiten als sonst bei Fortsetzungen, wieder in die Geschichte hineinzufinden. Ich schreibe dies der Komplexität der Handlung zu. Es gibt hier so viele verschiedene Handlungsstränge, die sich immer wieder abwechseln. Kaum hatte ich mich in den einen wieder eingelesen, wurde ich schon wieder in den nächsten geworfen. Das machte das Lesen doch etwas anstrengend. Mir machte auch zu schaffen, dass es schon neun Monate her ist, seit ich den 1. Band gelesen habe. In dieser Zeit kann man doch sehr viele wichtige Details vergessen. Zwar streut Kai Meyer immer wieder kleine Fetzen zur Wiederholung ein, doch mir persönlich war das zu spärlich. Was ich normalerweise nicht mag und brauche, nämlich ein geballtes ?Was bisher geschah?, wäre mir hier ganz recht gewesen. Wenn man die Bücher kurz hintereinander liest, sollte das aber überhaupt kein Problem darstellen.

Der Schreibstil ist, wie von Kai Meyer gewohnt, bildhaft und wortgewaltig. Das Kopfkino springt direkt an und lässt fantastische Bilder entstehen. Auch die Spannung kommt nicht zu kurz, gibt es doch sehr, sehr viele Kampf- und Fluchtszenen, die oft mit einem Cliffhanger enden und denen ein Perspektivwechsel folgt. So bleibt einem gar nichts anderes übrig, als einfach immer weiterzulesen. Leider endet dieser 2. Band recht offen, sodass uns Lesern die Zeit bis zum 3. Band, der 2016 erscheinen soll, ziemlich lang werden wird.

Die Reihe:
1. Die Seiten der Welt
2. Die Seiten der Welt ? Nachtland
3. ??? (erscheint voraussichtlich 2016)

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Kein 08/15 Thriller, sondern etwas Besonderes
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Warmherziger Roman, sommerlich leicht

Das Meer in deinem Namen von Patricia Koelle

Inhalt:
Fast ihr Leben lang schon fürchtet sich Carly vor dem Meer. Als sie ein Kind war, hat es ihr die Eltern genommen. Als sie nun den Auftrag bekommt, für ihren ehemaligen Chef ein Häuschen in dem Künstlerdorf Ahrenshoop an der Ostsee für den Verkauf vorzubereiten, ist ihr ein wenig mulmig zumute.

Doch Land und Leute machen es ihr leicht, sich dort wohl zu fühlen. Je mehr Carly in die Geschichte der Vorbesitzerin eintaucht, desto weniger will sie diesen wunderbaren Ort wieder verlassen.

Meine Meinung:
Detailreich und bildhaft erzählt Patricia Koelle die Geschichte zweier Frauen. Wir begleiten zum Einen Carly im Jahr 1999, als sie nach Ahrenshoop in das Haus Naurulokki kommt, um auszumisten und sauber zu machen, damit das Haus verkauft werden kann. Je mehr sie sich mit dem Haus beschäftigt, umso mehr erfährt sie über die (Liebes-) Geschichte der verstorbenen Besitzerin, Henny Badonin, einer Malerin. Sie fühlt sich auf eigenartige Weise mit der ihr unbekannten Frau verbunden und spürt sogar deren Anwesenheit auf Naurulokki. Ausgerechnet hier am Meer, vor dem sie immer Angst hatte, fühlt Carly sich endlich heimisch. Es gelingt der Autorin, eine wunderbare Atmosphäre heraufzubeschwören. Man kann leicht nachvollziehen, warum Carly sich auf Naurulokki und in Ahrenshoop so wohl fühlt.

In Rückblicken erfahren wir Leser noch mehr als Carly, nämlich wichtige Ausschnitte aus Hennys Leben in den 1950er und 1990er Jahren. Die Perspektivwechsel haben mir gut gefallen, sie machten den Roman abwechslungsreicher und interessanter. Allerdings blieb mir Henny und ihre Zeit bis zum Schluss fremder als Carly. Aber das ist ja nicht schlimm. Wichtig ist, dass die Handlung in sich logisch und nachvollziehbar ist, und das ist sie, auch wenn es zuweilen vor glücklichen Zufällen nur so wimmelt. Probleme lösen sich wie von selbst, was in der Häufigkeit dann doch etwas unglaubwürdig wirkt. Es wird alles ein bisschen durch die rosa Brille betrachtet, Ecken und Kanten hat wohl das Meer schon abgeschliffen. ;-)

?Das Meer in deinem Namen? ist ein leichter Roman, nicht besonders tiefgründig, aber auch nicht oberflächlich, ein wenig kitschig, ein wenig klischeebehaftet. Wer das mag, ist hier genau richtig.

Die Handlung kann man als abgeschlossen betrachten. Gleichwohl gibt es einige lose Fäden, die noch weiter verfolgt werden können. Und so wird der 2. Teil der Trilogie mit dem Titel ?Das Licht in deiner Stimme? im September 2015 als Taschenbuch erscheinen. Als E-Book ist er bereits erhältlich.

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Warmherziger Roman, sommerlich leicht
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Konnte meine Erwartungen leider nicht erfüllen

Nur einen Horizont entfernt von Lori Nelson Spielman

Inhalt:
Die Fernsehmoderatorin Hannah Farr ist an einem Wendepunkt ihres Lebens angelangt. Die Beziehung zu Michael tritt auf der Stelle, die Quoten ihrer TV-Show sinken beständig. In ihrer Not erinnert sich Hannah wieder an die Versöhnungssteine, die ihr vor zwei Jahren von einer ehemaligen Schulkameradin geschickt wurden.

Fiona wollte sie mit einem Stein um Verzeihung bitten, doch Hannah war noch nicht dazu bereit. Den zweiten Stein sollte Hannah an jemanden schicken, den sie selbst um Verzeihung bitten möchte. Diese Steine bringen nun eine Lawine ins Rollen, unter der Hannahs bisheriges Leben verschüttet werden wird.

Meine Meinung:
Nach dem großen Erfolg ihres ersten Romans ?Morgen kommt ein neuer Himmel? war ich sehr gespannt auf das aktuelle Buch und hatte wohl zu hohe Erwartungen. Mehr als durchschnittlich war das für mich nicht.

Der Schreibstil ist ganz okay, es lässt sich flott lesen, ist aber nicht wirklich außergewöhnlich schön. Ein Klischee reiht sich an das nächste, und vieles ist zumindest in groben Zügen vorhersehbar. Es gibt einige nette Lebensweisen, die aber auch nicht gerade neu sind, z.B. "Die Menschen, die man liebt, gibt man niemals auf." Diese Phrase zieht sich wie ein roter Faden durch die Handlung.

Was mich aber tierisch genervt hat, war die Protagonistin Hannah. Ich wurde mit ihr einfach nicht warm. Es hat mich immer wieder gewundert, wie schnell sie in ihren Meinungen umschwenkt. Sie hat erstaunlich wenig Rückgrat, dafür eine Riesenmenge Naivität. Mehr als ein Mal wollte ich sie schütteln und Klartext mit ihr reden. Auch ihre ständige Jammerei ging mir gehörig auf den Keks. Ach hätte ich doch?, ich sollte nicht?, warum habe ich nur? Immer dreht sich alles nur um sie. Und das, obwohl sie doch gerade dabei ist, sich bei anderen zu entschuldigen.

Aber auch die meisten anderen Charaktere waren mir nicht unbedingt sympathisch. Hannahs Maskenbildnerin Jade und der Winzer RJ waren die Einzigen, die mich voll und ganz auf ihre Seite ziehen konnten, wobei RJ schon fast zu gut ist, um wahr zu sein.

Leider blieb am Ende eine wichtige Frage unbeantwortet. Das war für mich recht unbefriedigend. Natürlich kann hier jeder für sich entscheiden, was er vermutet. Ich persönlich hätte lieber eine klare Antwort gehabt.

Was mir an diesem Buch aber gefallen hat, ist, dass es einen zum Nachdenken bringt. Nachdenken darüber, bei wem man sich vielleicht selbst endlich mal entschuldigen müsste. Nachdenken darüber, ob eine Entschuldigung wirklich immer gut ist oder ob man manche Dinge nicht besser ruhen lässt. Nachdenken darüber, auf welche Art man eine Entschuldigung vorbringt. Nachdenken darüber, wie viel befreiter man sich selbst fühlen kann, wenn man den richtigen Schritt getan hat.

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Konnte meine Erwartungen leider nicht erfüllen
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Ein warmherziges Buch über düstere Themen

Mein Herz und andere schwarze Löcher von Lori Nelson Spielman

Inhalt:
Die 16-jährige Aysel ist depressiv. Sie kommt nicht mit ihrer Vergangenheit klar und sieht für sich keine Zukunft mehr. Selbstmord scheint der einzige Ausweg. Auf einer Internet-Platform lernt sie den ein Jahr älteren Roman kennen. Er fühlt eine schwere Schuld auf sich lasten. Auch sein Ziel ist sein Tod.

Während die beiden ihren gemeinsamen Selbstmord planen, kommen sie sich immer näher und verlieben sich, und schließlich erkennt Aysel, dass nicht alles düster ist, dass es Hoffnung gibt.

Meine Meinung:
Mir hat das farbenfrohe Cover auf Anhieb gut gefallen. Die Farbtupfer im Kontrast mit dem Titel (schwarze Löcher) haben mich auf das Buch neugierig gemacht. Nach dem Lesen finde ich es wirklich zum Inhalt passend, das Bunte verkörpert die schönen Seiten des Lebens und die Hoffnung.

Jasmine Warga hat mit ?Mein Herz und andere schwarze Löcher? ein wundervolles Debüt vorgelegt. Werden Themen wie Depression und Selbstmord in der Öffentlichkeit normalerweise tabuisiert, gelingt dieser jungen Autorin der Spagat zwischen sachlichen Hintergrundinformationen und warmherziger Liebesgeschichte nahezu perfekt.

Der Schreibstil ist der jugendlichen Zielgruppe entsprechend locker und leicht zu lesen. Erwachsenen mag die Geschichte zu oberflächlich erscheinen, aber ich denke, für die empfohlene Zielgruppe der Jugendlichen ab ca. 14 Jahren ist sie genau richtig, um an das Thema heranzuführen und ein wenig zu sensibilisieren.

Mir fiel es leicht, mich in die Ich-Erzählerin Aysel hineinzuversetzen, deren Herz ein schwarzes Loch ist, wie eine Qualle, die alles Schöne und Bunte verschlingt. Aysel, die alles Gute von sich weist, die nicht erkennt, dass sie nicht allein dasteht, sondern dass ihre Familie für sie dasein will. Doch diese Erkenntnis lässt ihre Depression einfach nicht zu.

Auch Roman konnte ich wirklich gut verstehen. Beide Protagonisten sind detailliert dargestellt. Es dauert ein wenig, bis sie Gefühle füreinander entwickeln. Aber dann schien es mir so, als ob genau diese beiden sich treffen mussten, um noch eine Chance zu bekommen. Die Frage ist nur, ob sie sie ergreifen werden. Denn so eine Depression kann hartnäckig sein, die düsteren Gedanken nehmen sogar die Freude an der Liebe.

Ob die beiden es schaffen, müsst ihr selbst lesen. Es lohnt sich!

Fazit:
Ein warmherziger Roman über Depressionen, Suizid, Familie und die Liebe. Berührend, traurig, hoffnungsvoll.

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Ein warmherziges Buch über düstere Themen
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Road Trip mit Gefühl

Heart. Beat. Love. von Lori Nelson Spielman

Inhalt:
Von heute auf morgen überredet die sechzehnjährige Axi ihren besten Freund Robinson, mit ihr abzuhauen und eine Tour quer durch die USA zu machen. Was Robinson nicht weiß: Axi ist ihn verliebt. Doch das Schicksal hält nicht nur Gutes für die beiden bereit.

Meine Meinung:
Ganz ehrlich? - Anfangs war ich ziemlich enttäuscht, ich fand die Handlung total unlogisch.

Axi hat einen Ruf als BM = Braves Mädchen weg, sagt in einem Satz, dass sie sich um ihren Vater kümmern muss, um im nächsten Satz Robinson zu bitten, mit ihr abzuhauen. Und schon geht?s los, statt wie von Axi geplant mit dem Greyhoundbus mit einer geklauten Harley, mit der die beiden mal eben ohne Helm mit 180 über die Straßen brettern.

?Wir sind Axi und Robinson, die jugendfreie Version von Bonnie und Clyde.? (S. 101)

Und in dem Stil geht es weiter. Sie erleben ein paar schöne Dinge, Axi kämpft mit ihren Gefühlen für Robinson, traut sich aber nichts zu sagen. Alles recht oberflächlich. Über die beiden Protagonisten erfährt man sehr wenig, sie waren für mich nicht fassbar. Dieses war der erste Teil.

Und dann kam die Wende, Teil 2. Ach, wäre doch der erste Teil auch schon so gut geschrieben gewesen! Endlich geht es wirklich um große Gefühle, das Schicksal ist ein mieser Verräter (wenn ich mal diesen Buchtitel von John Green zitieren darf) und schlägt gnadenlos zu. Auch die Hintergrundgeschichte von Axi und Robinson kommt nun zur Sprache. Da ist nichts mehr oberflächlich, man möchte die beiden nur noch in den Arm nehmen und ganz fest halten. Und man kann die beiden schließlich nur für ihren Lebensmut und ihre optimistische Einstellung bewundern.

?Man kann ein gutes Leben führen oder es halb verschlafen. Man kann eine Sanddüne herunterrasen oder sein Leben vor dem Fernseher verbringen.? (S. 299)

Erzählt wird die Geschichte von Axi in der Ich-Form. Die Sprache wirkt recht jugendlich und flott. So lässt sich das Buch auch aufgrund der relativ großen Schrift und der vielen Bilder in kürzester Zeit lesen.

Erwähnenswert ist noch die Aufmachung des Buches. Wie schon auf dem Schutzumschlag gibt es auch im Buchinneren jede Menge Fotos, die Axi und Robinson bei ihrem Roadtrip zeigen, innen sind sie allerdings schwarz-weiß. Diese Illustrationen finde ich wirklich sehr schön, sie zeigen gelungene Schnappschüsse der Reise.

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Road Trip mit Gefühl
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Kriegsbericht mit einigem Witz, aber vielen Längen

Der Untergang Barcelonas von Lori Nelson Spielman

Albert Sánchez Piñols neues Buch wird in Spanien als Meisterwerk gehandelt. Vielleicht muss man Spanier sein oder aber zumindest Historiker, um dies nachvollziehen zu können. Ich kann es nicht.

Die Leseprobe - die ersten 59 Seiten des Romans - fand ich einfach genial. Sie sprühen vor Witz und lebendigen Szenen.

Daher wollte ich dieses Buch gerne lesen. Doch die Enttäuschung kam schon bald.

Der Protagonist Martí Zuviría, genannt Zuvi, diktiert im stolzen Alter von 98 Jahren einer gewissen Waltraud, seine Erinnerungen. Diese beginnen 1705, als Zuvi mit 14 Jahren die Schule des großen französischen Baumeisters Vauban antritt, um die Ingenieurskunst zu erlernen. Die Lehrmethoden sind äußerst seltsam, dafür für den Leser umso unterhaltsamer. Mit Ingenieurskunst ist vor allem die Kunst der Belagerungstechnik gemeint, also der Bau von Angriffsgräben, Mauern und Bastionen.

Schon bald befindet sich Zuvi mitten im Kriegsgeschehen, im spanischen Erbfolgekrieg. Und so begann mein Martyrium. Nicht nur die Soldaten kämpfen - nein, auch ich musste mich durch die Seiten kämpfen. Hier zeigte sich, dass es sich bei diesem Werk weniger um einen Roman als vielmehr um einen subjektiv angereicherten minutiösen Bericht über den spanischen Erbfolgekrieg handelt. Ich habe gefühlt jeden einzelnen Soldaten mit Namen kennengelernt, jede Bastion verteidigt und zig Angriffsgräben gegraben. Mir waren das einige detaillierte Beschreibungen zu viel! Das Lesen war ermüdend bis langweilig. Die Hintergründe des Krieges und die Erläuterungen zu den verschiedenen beteiligten Parteien fand ich allerdings schon interessant.

Auch Piñols Schreibstil, die Wortwahl, der Sarkasmus haben mir sehr gut gefallen. So wirkte der Bericht nicht ganz so trocken, die unzähligen Toten blieben keine Zahlen, sondern bekamen Gesichter. Trotzdem erinnerte das Buch über weite Strecken an ein ödes Geschichtslehrbuch und nicht an einen Unterhaltungsroman.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Hauptfigur Zuvi nicht unbedingt ein Sympathieträger ist, mit dem man sich gerne identifizieren würde. Er betitelt sich selbst als Taugenichts und liegt damit nicht ganz falsch. Zwar entwickelt er als Ingenieur einigen Ehrgeiz, doch sein Charakter ist nicht wirklich so, dass man ihm nacheifern möchte. Er ist ziemlich egoistisch und unbedacht. Erst recht spät beginnt er, Verantwortung zu übernehmen.

Lobend hervorheben möchte ich die von Zeit zu Zeit eingestreuten Illustrationen, ohne die ich bei manchen Beschreibungen aufgeschmissen gewesen wäre bzw. ohne die das Buch noch theoretischer geworden wäre. Denn so kann man die Anlage von Befestigungen oder Gräben mit einem Blick erfassen, wozu in Worten mehrere Seiten erforderlich wären.

Im Anhang findet man eine kurze Zeittafel mit Ereignissen des Krieges sowie ein Personenverzeichnis.

Piñol arbeitet wohl gerade an der Fortsetzung des Romans, die ich aber mit Sicherheit nicht lesen werde, zumal der erste Band mit der Niederlage Barcelonas an einem bedeutenden Abschnitt endet, man also nicht unbedingt weiterlesen muss.

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Kriegsbericht mit einigem Witz, aber vielen Längen
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Faszinierende Idee - schludrig umgesetzt

Atlantia von Ally Condie

Meine Meinung:
Die Idee einer Trennung in Land- und Unterwasserbevölkerung und die Beziehungen dieser beiden zueinander fand ich schon sehr faszinierend. Trotz aller fantastischen Elemente weist diese Welt durchaus Parallelen zu unseren realen Gesellschaftsformen auf. Toleranz, Rassenhass, Ausbeutung vorgeblich minderwertiger Menschen werden indirekt thematisiert.

Das war?s dann aber auch fast schon an Positivem.

Die Handlung schien mir etwas unausgegoren. Es ist nicht immer alles logisch und nachvollziehbar. Die Charaktere wirken etwas sprunghaft in ihrem Verhalten. Es bleiben lose Handlungsstränge und wichtige Fragen offen, dabei ist der Roman an sich abgeschlossen. Nach Aussage der Autorin handelt es sich um einen Einzelband, es ist keine Fortsetzung geplant.

Überraschungen gibt es so gut wie keine, der Großteil der Handlung ist vorhersehbar. Auch richtige Spannung kann man vergeblich suchen, und wenn sie mal auftritt, wird sie im nächsten Satz schon wieder gelöst. Das war für mich frustrierend.

Erzählt wird im Präsens und in der Ich-Form von Rio. Normalerweise habe ich damit überhaupt keine Probleme, kann im Gegenteil mich stark mit der Protagonistin identifizieren und fühle mich beim Lesen, als ob ich mittendrin mitmischen würde. Nicht so bei ?Atlantia?. Rio musste sich ihr Leben lang verstellen, ihre Gefühle verbergen, und so kommt sie anfangs nicht besonders sympathisch rüber, sondern recht egoistisch und emotionslos. Entsprechend wenig Gefühle werden zum Leser transportiert. Dafür gibt es viele nüchterne Beschreibungen der Örtlichkeiten.

Die Handlung kommt sehr langsam in Gang. In der ersten Buchhälfte bekommt man immer wieder mal ein kleines Häppchen hingeworfen, ansonsten wird viel beschrieben und Hintergründe erklärt. Stellenweise habe ich mich ziemlich gelangweilt.

Neben Rio bleiben die meisten anderen Charaktere relativ blass. Man kann auch von Anfang an gut einschätzen, wer gut und wer böse ist, lediglich bei Rios Tante Maire gibt es in dieser Hinsicht Zweifel. Sie war für mich die interessanteste Person, weil sie viele Ecken und Kanten aufweist und eben nicht so leicht zu durchschauen ist.

Die Schrift ist sehr groß. Die Sprache ist einfach mit kurzen Sätzen, die man schnell lesen kann. Insofern fliegen die Seiten nur so dahin. Doch reicht das für ein gutes Buch einfach nicht aus.

Fazit:
Insgesamt hat mich das Buch eher enttäuscht. Anfangs hatte es viele Längen, wurde dann zwar mit jeder Seite besser, aber nicht wirklich sehr gut. Die Idee ist wirklich interessant, aber das Ganze wirkt etwas hingeschludert. Viele Verhaltensweisen konnte ich nicht nachvollziehen. Die Charaktere waren mir zu sprunghaft, und die Sprünge wurden nicht erklärt. Insofern konnte mich das Buch nicht wirklich berühren und wird wohl ganz schnell wieder vergessen sein.

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Erschütternder Roman mit autobiografischen Zügen

Atlantia von Ally Condie

Bekannt geworden ist Lilly Lindner durch die Veröffentlichung ihrer Autobiografie ?Splitterfasernackt? im Jahr 2011. Auch ?Was bleibt, wenn ich verschwunden bin? greift zum Teil eigene Erlebnisse der Autorin auf. Hier geht es um zwei Schwestern, Phoebe ist neun, April sechzehn. Beide sind hochintelligent, die Eltern hoffnungslos überfordert.

April ist in einer Spezialklinik, wo ihre Magersucht behandelt werden soll. So schreiben sich die beiden Mädchen Briefe, die ihr inniges Verhältnis erkennen lassen.

Anfangs fand ich die Briefform sehr ermüdend. Im Nachhinein empfinde ich diese Form des Romans als die einzig Passende. Nach wie vor schade finde ich, dass die Briefe nicht datiert sind. Das hätte mir eine Einordnung erleichtert.

Was die beiden Mädchen schreiben, ist erschütternd. Die Eltern sind nicht in der Lage, ihnen irgendwelchen Halt zu geben. Den geben sich Phoebe und April gegenseitig.

?Schwestern müssen schließlich zusammenhalten, weil man zusammen viel mehr halten kann als alleine.? (S. 17)

Doch was kann ein neunjähriges Kind groß bewirken, wenn die große Schwester quasi schon aufgegeben hat, wenn ihre ?Freundin Ana? (die Magersucht) alle Macht über sie hat? Die beiden Kinder sind nicht ?normal?, aber was ist schon normal? Und warum ist es überhaupt wichtig normal zu sein? Aprils Leben ist eine einzige Qual, sie fühlt sich unverstanden, zurückgewiesen und absolut einsam. Anstatt zu kämpfen, zieht sie sich in die Stille zurück, im Gegensatz zu Phoebe, die sich zum Glück nicht so schnell verbiegen lässt.

?Aber manchmal muss man die Wut und die Angst rausschreien, sonst bleiben sie in einem stecken, und dann explodiert man irgendwann.? (S. 161)

Über viele Weisheiten aus dem Mund der Neunjährigen muss man schmunzeln oder den Kopf schütteln, weil sie so wahr sind. Dabei sprüht das Buch vor lauter Wortspielen und Wortschöpfungen, fast war mir das schon etwas zu inflationär. Dadurch habe ich sicherlich das ein oder andere gar nicht mitbekommen. Überhaupt geht es viel um Wörter und Worte, denn mit ihnen kann man so viel Gutes tun oder aber auch zutiefst verletzen. Leider hat die Autorin die beiden Begriffe ?Wörter? und ?Worte? anscheinend willkürlich durcheinander geworfen, ohne die unterschiedliche Bedeutung zu würdigen. Das wird die meisten Leser wahrscheinlich nicht stören, wenn sie es überhaupt bemerken. Mich hat es leider sehr stark gestört, so stark, dass es stellenweise den Inhalt des Buches überlagert hat. Das hätte nicht sein müssen, und ich finde es sehr schade, denn davon abgesehen, kann Lilly Lindner wirklich sehr gut mit Wörtern und Worten umgehen. Ihre Sätze gehen unter die Haut.

Fazit:
Trotz kleiner Kritikpunkte gibt es von mir eine klare Leseempfehlung. Möge das Buch dazu beitragen, dass wir mehr aufeinander achten und uns gegenseitig stützen.

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Auch ohne Harry Hole ein echter Nesbo

Der Sohn von Ally Condie

Inhalt:
Sonny Lofthus ist 30 Jahre alt. Er sitzt seit zwölf Jahren im Hochsicherheitsgefängnis Staten in Oslo ein, für zwei Morde, die er gar nicht verübt hat. Doch er hat sich mit seinem Leben dort arrangiert. Er ist ein ruhiger Häftling, der sich aus allem raushält. Wegen seiner Schweigsamkeit kommen seine Mithäftlinge gerne zum Beichten zu ihm.

Er verurteilt niemanden, gibt allen die ersehnte Absolution. Bis ihn eines Tages ein alles veränderndes Geständnis aus seiner Lethargie reißt ?


Meine Meinung:
Zuerst war ich etwas enttäuscht, dass dies kein Roman mit Harry Hole ist, doch schnell konnte ich feststellen, dass es trotzdem ein echter Nesbø ist, wie man sie kennt, spannend, emotional und über weite Strecken undurchsichtig.

Das Buch beginnt langsam, fast ein bisschen zu langsam. Doch wird dies durch den rasanten Rachefeldzug des Sohns später wettgemacht. Die Jahre im Gefängnis scheinen spurlos an ihm vorbeigegangen zu sein, er wirkt immer noch so jung wie der 18-Jährige, der damals verhaftet wurde. Glaubhaft wird dargestellt, welche Entwicklungen (Handy, Internet ?) Sonny während seiner Haftzeit verpasst hat. All dies lässt ihn sehr sympathisch wirken. Außerdem ist man als Leser natürlich auf seiner Seite, weil er gegen die Korruption in den höchsten Gesellschaftskreisen angeht, auch wenn er es aus rein egoistischen Motiven heraus tut. Jo Nesbø schafft es dabei locker, dass man als Leser die unnachgiebige Art und brutale Morde durch Sonny hinnimmt, ohne sie zu verurteilen.

Wie man sieht, geht es bei diesem Kriminalroman nicht darum herauszufinden, wer der Mörder ist. Trotzdem ist das Buch hochspannend geschrieben. Es fehlt auch nicht an überraschenden Wendungen.

Doch nicht nur Sonny hatte meine Sympathien, sondern auch der ermittelnde Kommissar Simon Kefas, ein Freund von Sonnys Vater. Er muss einerseits Sonny wieder zur Strecke bringen, andererseits fühlt er sich ihm aber auch verpflichtet - eine Zwickmühle.

Besonders Sonny Lofthus und Simon Kefas sind sehr detailliert und vielschichtig dargestellt. Sie wirken sehr plastisch, man meint sie wirklich zu kennen. All ihre Handlungen und Beweggründe sind absolut nachvollziehbar.

Das Buch lässt sich sehr gut lesen. Die Sprache ist einfach, aber nicht platt. Zuweilen kann man Anklänge von Poesie darin finden. Auch die ein oder andere philosophische Betrachtung ist eine Bereicherung. Die für skandinavische Krimis so typische düster-melancholische Atmosphäre kommt auch hier sehr gut rüber.

Fazit:
Ich kann das Buch wärmstens empfehlen. Freunde von skandinavischen Krimis werden ihre Freude daran haben.

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