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Rezensionen von Lilli33:

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Fesselnde Story

Die Farm der Mädchen,2 Audio-CD, 2 MP3 von Hans Rosenfeldt

Fesselnde Story

Vor einem Jahr verlor die Polizistin Hannah Wester ihren Mann. Nach einer beruflichen Auszeit ist sie nun wieder am Start und bekommt es gleich mit einem für sie äußerst harten Fall zu tun, dem Fund eines toten Babys. Von dessen Mutter fehlt zunächst jede Spur. In schwierigen Ermittlungen kommt die Polizei einer Organisation auf die Spur, die junge Frauen zur Leihmutterschaft zwingt und ihnen dann die Kinder wegnimmt.

Während Hannah sich in den Fall kniet, kämpft sie gleichzeitig auch gegen private Probleme an, denn nicht nur ihr Mann wurde ihr genommen, sondern vor vielen Jahren auch ihre Tochter. Dass ihr dementer Vater sich ihr gegenüber ziemlich boshaft verhält, sorgt auch nicht gerade für ihr Wohlbefinden.

Nachdem ich von Hans Rosenfeldt schon einige super Bücher gelesen habe, konnte mich auch „Die Farm der Mädchen“ begeistern. Obwohl man ja schon ziemlich früh hinter die Kulissen blicken darf und weiß, wie die Zusammenhänge sind, bleibt die Handlung spannend und fesselnd. Zwar wissen die Lesenden, wer die Guten und wer die Bösen sind, aber die Frage ist durchgehend, wessen Pläne aufgehen und wessen vereitelt werden. Dabei geht es oft um Leben und Tod.

Mir gefiel die Ausarbeitung der verschiedenen Charaktere sehr gut. Auf der einen Seite die jungen schwangeren Frauen, deren Leben skrupellos zerstört wurde. Auf der anderen Seite reiche Menschen, die meinen, mit Geld alles kaufen zu können. Dann natürlich die Mitglieder der Organisation, denen ein Menschenleben gar nichts bedeutet - solange es nicht das eigene ist. Und schließlich die Polizist*innen, die zwischen Vergangenheit und Zukunft gefangen sind und dabei auch nur allzu menschlich wirken.

Ich habe mir dieses Hörbuch von Vera Teltz vorlesen lassen. Die gekürzte Ausgabe umfasst 10 Stunden, 42 Minuten. Die Sprecherin macht dabei ihre Sache ganz hervorragend. Es ist ein Vergnügen, ihrer angenehmen und vielfältigen Stimme zu lauschen, mit der sie die Atmosphäre passend darstellt.

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Solider Kriminalroman

Hörst du den Schrei? von Jørn Lier Horst; Jan-Erik Fjell

Solider Kriminalroman

„Hörst du den Schrei?“ von Jørn Lier Horst und Jan-Erik Fjell ist der Auftaktband einer neuen Krimi-Reihe um den Krimi-Podcaster Markus Heger, erschienen bei blanvalet.

Vor fünfzehn Jahren verschwand die siebenjährige Leah spurlos. Nur aufgrund von Indizien wurde damals ihr Vater wegen Mordes verurteilt, obwohl er stets seine Unschuld beteuerte.

Markus Heger berichtete in seinem Podcast über den Fall und wollte ihn in einer 2. Episode wieder aufrollen. Doch seine Quelle zog ihre Aussage zurück, sodass es nichts Neues zu berichten gab. Als die junge Journalistin Mathilde Wold vom Fall Leah hört, wird sie neugierig und beginnt auf eigene Faust zu recherchieren. Kurz darauf ist auch sie verschwunden. Jetzt ist Markus Hegers Ehrgeiz geweckt. Er verbeißt sich in die Ermittlungen.

Mathilde ist eine sympathische junge Frau, die am Beginn ihrer beruflichen Laufbahn steht. Ihr Interesse für den Fall wirkt aufrichtig. Schade, dass sie so schnell von der Bildfläche verschwindet. Markus Heger wirkt bei Weitem nicht so sympathisch, aber auch nicht unbedingt unsympathisch. Er ist ein Mann mit einer bewegten Vergangenheit, unter der er immer noch leidet. Wir erfahren eine Menge über sein Vorleben wie seine unglücklichen Familienverhältnisse. Alles spielt in die Ermittlungen mit hinein.

Es fiel mir leicht, in die Handlung hineinzufinden. Der Fall wird auf eine interessante Art dargestellt. Bis wirklich Spannung aufgebaut wird, dauert es aber ein wenig. Der Schreibstil ist flüssig und einfach lesbar. Etwas tückisch sind nur die Rückblenden, die nicht besonders gekennzeichnet sind. Aber man merkt spätestens beim zweiten Satz, dass man sich nun in der Vergangenheit befindet.

Dadurch dass es mehrere mögliche Verdächtige gibt, lädt der Roman zum Miträtseln ein. Am Ende werden alle echten und falschen Spuren logisch aufgedröselt. Auch wenn einiges vorhersehbar war, konnte mich die Identität des Täters doch überraschen.

Von Jørn Lier Horst kenne ich etliche Wisting-Krimis, die mich allesamt mehr begeistern konnten als das vorliegende Buch, das aber trotzdem nicht schlecht ist. Ich werde die Reihe auf jeden Fall weiter verfolgen.

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Mehr "Tell" als "Show"

Tale of Sun and Night 1: Tale of Sun and Night von Magdalena Gammel

Mehr „Tell“ als „Show“

Der Anfang dieses Debüts der jungen deutschen Autorin Magdalena Gammel hat mich richtig begeistert. Man wird gleich mitten in die Handlung geworfen, lernt die Sklavin Lio kennen, die fünf Jahre lang zur Assassinin ausgebildet wurde und nun ihren ersten Auftrag ausführen soll.

Lio ist eine mysteriöse Figur, kann sie sich doch an nichts erinnern, was vor ihrer Versklavung liegt. Ich konnte mich gut in sie hineinversetzen und fand diesen Charakter echt stark. Ihr rebellischer Geist gefiel mir sehr gut und auch der Sarkasmus, den sie versprüht. Witz und Sarkasmus, vor allem in den verschiedenen Dialogen, gibt es hier viel. Das lässt sich sehr vergnüglich lesen.

Der Anfang war also ziemlich stark, es wurde mir dann aber bald zu viel. Lio macht sich mit einer Gruppe auf eine Reise, und diese zieht sich schier endlos hin. Die einzelnen Orte und Ereignisse, die unterwegs liegen, fühlten sich für mich sehr austauschbar an. Alles wird detailliert beschrieben, aber nur weniges trägt zum Fortgang der Haupthandlung bei. Natürlich gibt es auch die ein oder andere spannende (Kampf-) Szene, aber insgesamt fand ich den Mittelteil doch ziemlich zäh. Ich musste mich immer wieder zum Weiterlesen zwingen.

Gegen Ende passieren dann wieder wesentliche Dinge, und zwar Schlag auf Schlag. Im Showdown wird einiges geklärt, doch am Schluss bleiben die Lesenden mit einem Cliffhanger zurück.

An Fantasie mangelt es Magdalena Gammel auf jeden Fall nicht. Die Welt, in die sie uns führt, ist voller seltsamer Wesen und voller Magie. Dabei hätte ich gerade in Bezug auf die Magie gerne noch weitere Erklärungen gehabt.

Alle Bände der Reihe im Loomlight-Verlag:
1. Tale of Sun and Night
2. Memories of Stars and Dust (Herbst 2026)
3. Echos of Shadow and Light (Frühjahr 2027)

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Total spannend

Das Signal von Ursula Poznanski

Total spannend

„Das Signal“ ist beileibe nicht mein erstes Buch von Ursula Poznanski. Sie ist eine der wenigen Autor*innen, deren Bücher ich blind kaufen würde, denn sie versteht es, mich immer wieder komplett zu fesseln und mir so spannende Lesestunden zu bereiten. Auch ihr neuestes Werk ist in dieser Hinsicht ein Volltreffer und Pageturner.

Als die junge Innenarchitektin Viola im Krankenhaus aufwacht, fehlen ihr die Erinnerungen und ihr linkes Bein. Sie erfährt, dass der baufällige Weinkeller ihres alten Hauses über ihr zusammengebrochen ist. Doch Viola fällt einfach kein Grund ein, warum sie überhaupt in den Keller gegangen sein sollte. Er war das Terrain ihres Ehemannes Adam. Während Viola sich eine schnelle Genesung wünscht, scheint Adam genau diese hinauszögern zu wollen und sie zu boykottieren. Stattdessen engagiert er eine unfreundliche Pflegerin, die man eher für eine Gefängniswärterin halten könnte. Je länger Viola im Erdgeschoss ihres Hauses zur Untätigkeit verurteilt ist, desto mehr grübelt sie über Adams Beweggründe nach. Hängt alles mit einem Fehler zusammen, den Viola vor etlichen Jahren gemacht hat?

Von der ersten Seite an war ich total gebannt von dieser Story. Sie ist psychologisch wahnsinnig dicht. Die Atmosphäre in dem alten, einsam gelegenen Haus mit der gefühlskalten Pflegerin lässt einen schaudern, und der Schnee und die eisige Kälte draußen tragen auch mit dazu bei. Es verschwinden Dinge aus Violas Zimmer, die angeblich keiner gesehen hat. Und Adam sagt sehr oft nicht die Wahrheit, wie Viola erkennen muss. Doch in ihr reift eine unglaubliche Entschlossenheit, sich trotz ihres Handicaps nicht unterkriegen zu lassen. Ihre besonderen Probleme werden dabei empathisch und realistisch beschrieben. Auch ihre Gedanken und Gefühle sind gut nachvollziehbar, ist man beim Lesen doch ganz nah an der Ich-Erzählerin Viola dran.

„Das Signal“ ist ein klug ausgearbeiteter, spannender Thriller, der praktisch ohne Blut auskommt und trotzdem an den Nerven zehrt. Ein Katz- und Maus-Spiel, bei dem nicht immer klar ist, wer Katze und wer Maus ist …

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Jasper Fforde halt ;-)

Wie die Karnickel von Jasper Fforde

Jasper Fforde halt ;-)

„Wie die Karnickel“ erschien im September 2025 im Satyr Verlag. Und wie könnte es da anders sein: Bei dem recht kurzweiligen Roman handelt es sich um eine feine Satire auf unsere Gesellschaft. Dabei verwendet Jasper Fforde viele Anspielungen auf ältere Werke der Literatur oder Filmbranche.

Alle habe ich wahrscheinlich gar nicht entdeckt, aber das ist überhaupt nicht schlimm. Es gibt auch so genügend Stellen zum Schmunzeln. Ich liebe ja diesen trockenen und schwarzen Humor.

Nach einem etwas schwierigen, ein bisschen trockenen und dabei sehr anspruchsvollen Anfang bekam ich eine herrliche Dystopie zu lesen. Fforde hält uns quasi mit einer Parabel einen Spiegel vor. Zwar geht es in dem Buch um Rassismus und Fremdenfeindlichkeit gegenüber Kaninchen, doch das lässt sich leicht auf unsere Gesellschaft übertragen, wenn man denn offen dafür sein will.

Vor 55 Jahren geschah DAS ANTHROPOMORPHENDE EREIGNIS. Dabei nahmen verschiedene Tierarten menschliche Körpergröße und andere Eigenschaften an. Während Füchse und Wiesel gut in die Gesellschaft integriert wurden, machten die vermenschlichten Kaninchen den Menschen im Vereinigten Königreich Angst, vermehrten sie sich doch sprichwörtlich und besaßen sogar einen höheren IQ als die Menschen. Die meisten Kaninchen lebten in abgeschlossenen Kolonien, einige aber auch in Freiheit unter den Menschen. Jetzt steht eine Zwangsumsiedelung aller Kaninchen an, die sich das aber nicht so einfach gefallen lassen wollen. Peter Knox gerät zwischen alle Fronten, als Connie Rabbit mit ihrer Familie in seine Nachbarschaft zieht. Peter und Connie verbindet die Vergangenheit, und sie fühlen sich immer noch zueinander hingezogen. Das Dumme dabei: Peter arbeitet für eine Organisation, die gegen die Kaninchen ist. Er tut es nicht aus Überzeugung, sondern weil er irgendwie sein Brot verdienen muss. Doch das Wiedersehen mit Connie bringt ihn in eine echte Zwickmühle.

Die Charakterentwicklung von Peter fand ich wirklich stark. Er ist kein Held im eigentlichen Sinne, wächst aber nach und nach weit über sich hinaus. Und die Kaninchen haben es faustdick hinter den langen Ohren! Vordergründig wirken sie fast ein bisschen naiv, doch die Pläne, die sie schmieden, führen um manche Ecke, die man nicht erwartet hätte. Sie sind immer für eine Überraschung gut.

Ein absolut lesenswertes Buch! Leider werden es diejenigen, die es nötig hätten, es wohl nicht lesen.

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Tolle Story, weniger tolle Umsetzung

Heir of Illusion von Madeline Taylor

Tolle Story, weniger tolle Umsetzung

„Heir of Illusion“ ist der Auftaktband einer Romantasy-Story von Madeline Taylor. Es erschien im November 2025 bei dtv als Hardcover mit sehr schön gestaltetem Schutzumschlag und noch schönerem Einband darunter. Auch ein toller Farbschnitt ziert die Erstauflage, und eine Charakterkarte ist auch enthalten.

Die Handlung um Götter, deren Erben, einen grausamen König und Magie ist vielversprechend und eigentlich genau mein Ding. Doch die Autorin konnte mich zunächst leider nicht abholen. Zwar habe ich mich ganz schnell für die Protagonistin Ivy erwärmen können und mit ihr mitgefiebert, aber viele ihrer Handlungsweisen konnte ich nicht nachvollziehen. Da war mir ihr Charakter einfach zu wechselhaft. Mal tough und stark, dann wieder weinerlich, mitfühlend, unterwürfig oder egoistisch. Zu vieles hat für mich einfach nicht gepasst.

Auch bei der Entwicklung der Handlung gab es für mich Lücken. Dilemmas, von denen ich mir viel Spannung und Aha-Effekte erhoffte, lösen sich einfach in Luft auf. Und wenn ich so zurückdenke, ist nicht wirklich viel passiert. Die Handlung könnte man grob in ein paar Sätzen zusammenfassen. Aber man merkt, dass Madeline Taylor es liebt zu erzählen. Dabei wiederholt sie sich öfters und beschreibt außerdem viele Details, die für den Fortgang der Story keine Bedeutung haben. Emotionen konnte sie damit bei mir kaum erzeugen - es ist mehr „Tell“ als „Show“.

Die erste Hälfte empfand ich als recht langatmig und vorhersehbar. Doch dann dreht die Story auf. Eine Wendung jagt die andere, nichts ist mehr, wie es scheint, und alles wird auf den Kopf gestellt. Und bevor man sich wieder einigermaßen sortiert hat, ist das Buch zu Ende: ein bösartiger Cliffhanger!

Da Madeline Taylor mich erst kurz vor Ende so richtig packen konnte und mich mit dem Cliffhanger dann doch wieder verstimmt hat, weiß ich noch nicht, ob ich Ivys Geschichte weiter verfolgen werde, obwohl es jetzt gerade so richtig spannend wird.

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Magie, Romantik und tödliche Gefahren

The Ordeals von Rachel Greenlaw

Magie, Romantik und tödliche Gefahren

Sophia DeWinter ist als Kind einen magischen Vertrag mit ihrem Onkel, dem Sammler, eingegangen. Mittels eines Armbands zwingt er sie, in seinem Einflussbereich zu bleiben. Doch Sophia hat es satt, immer wieder seine Aufträge ausführen zu müssen, denn sie erkennt das Böse daran.

Ihre einzige Chance, dem Sammler zu entkommen, ist die Aufnahme an der Killmarth Akademie, einer Elite-Akademie für magisch Begabte. Doch die vier Ordeals, die Aufnahmeprüfungen, sind für manche Anwärter tödlich - nur die Besten kommen durch. Gerade dieser Punkt hat sich mir leider nicht erschlossen. Man hätte diese Prüfungen auch anders gestalten können, ohne reihenweise die Leute sterben zu lassen, viele davon äußerst grausam. Hier ist unnötig viel Gewalt im Spiel, auf die ich gerne verzichtet hätte.

Der Schreibstil von Rachel Greenlaw ist sehr flüssig und ziemlich mitreißend. Manche Figuren hätten ein kleines bisschen mehr Tiefe vertragen, aber im Großen und Ganzen fand ich die Charaktere und das World-Building recht gelungen.

Sophia wirkt von Anfang an sympathisch und vor allem sehr tough. Die emotionale Kälte des Sammlers hat sie nicht gebrochen, sondern gestärkt. Man kann sehr gut mit der jungen Frau mitfühlen und hofft für sie, dass sie in Killmarth aufgenommen wird, um endlich ein freies Leben führen zu können. Doch ist es das wirklich, ein freies Leben? Die Akademie birgt ihre eigenen Geheimnisse. Nach und nach kommt Sophia einigen davon auf die Spur. Und was sie hier herausfindet, lässt einem die Haare zu Berge stehen, so schrecklich sind die Aussichten.

Die Handlung entwickelt sich langsam, aber konsequent. Neben einer glaubwürdigen Romanze gibt es sehr viele unheimlich spannende Szenen und überraschende Wendungen. Man weiß nie, wem von den Mitbewerbern man trauen kann und wen man besser im Auge behalten sollte. Erschwert wird dies dadurch, dass es sich unter anderem um Illusionisten und Maskierer handelt, deren Wirken schwer zu durchschauen ist. Nichts ist tatsächlich so, wie es scheint.


„The Ordeals“ ist der Auftaktband der Killmarth-Reihe. Das Buch erschien im Januar 2026 bei Klett-Cotta. Übersetzt wurde es von Kerstin Fricke.

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Eine unglaublich naive Protagonistin

The Woman in Suite 11 von Ruth Ware

Eine unglaublich naive Protagonistin

„The Woman in Suite 11“ ist der 2. Band mit der britischen Reisejournalistin Laura (Lo) Blacklock. Es wird immer wieder auf die Ereignisse und Personen aus Band 1, „The Woman in Cabin 10“, angespielt, sodass es von Vorteil ist, diesen zu kennen. Andererseits ist es ganz gut, wenn man nicht - wie ich - die Bücher direkt hintereinander liest, da Ruth Ware zur Auffrischung des Gedächtnisses doch sehr viel wiederholt, was für mich dann langweilig war.

Vieles ist vorhersehbar, einiges aber auch überraschend. Es gibt einige spannende Szenen, aber auch viel Gejammer von Lauras Seite. Und die Protagonistin benimmt sich unerträglich naiv. Das ist schon unglaubwürdig nach allem, was sie bereits erlebt hat. Ich konnte viele Handlungsweisen nicht wirklich nachvollziehen. Einmal beklagt sie sich, dass ihre Lügen ihr zum Verhängnis werden, dann ist es wieder ihre permanente Ehrlichkeit. Ja, was denn nun?

Der Schreibstil ist gut, das Buch lässt sich flüssig lesen und kann über weite Strecken auch gut unterhalten. Von einem Highlight ist es aber weit entfernt, zu sehr wirkt es wie ein Abklatsch des ersten Teils, auch wenn es in einem ganz anderen Umfeld spielt.

Das Buch erschien im Dezember 2025 bei dtv. Es wurde von Susanne Goga-Klinkenberg ins Deutsche übersetzt.

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Unterhaltsam, spannend, aber kaum originell

To Cage a Wild Bird von Brooke Fast

Unterhaltsam, spannend, aber kaum originell

„To Cage a Wild Bird“ ist der Debütroman der jungen Autorin Brooke Fast. Dafür ist das Buch ganz gut gelungen. Allerdings besteht auch noch etwas Verbesserungspotenzial.

Am Schreibstil gibt es wenig auszusetzen. Die Story erscheint lebendig und dynamisch und lässt sich flüssig lesen.

Im Großen und Ganzen fand ich das Buch recht spannend und unterhaltsam. Es ist aber nichts für zartbesaitete Gemüter, da ziemlich abartige, gewaltlastige Szenen vorkommen. Dabei hat sich mir nicht wirklich erschlossen, wo diese Gewalt herkommt. Sie ist bei einer breiten Bevölkerungsschicht einfach so da aus Lust an Gewalt.

Die Handlung ist ziemlich geradlinig. Kaum stellen sich der Protagonistin Raven Hindernisse in den Weg, sind sie auch schon beiseite geräumt und sie kann ihren Weg weitergehen. Selbst wenn Raven an irgendwelchen Personen zweifelt, ist für die Lesenden doch klar, auf welcher Seite diese stehen. Große Überraschungen gibt es daher nicht, nur ein paar kleine.

Der Kern der Handlung erinnert stark an „Die Tribute von Panem“ und zum Teil auch an andere dystopische Reihen. Da mir die Tribute aber super gefallen haben, fand ich das hier nicht so schlimm. ;-)

„To Cage a Wild Bird“ ist der Auftakt der Divided Fates-Reihe. Das Ende empfinde ich trotz Cliffhanger als so abgeschlossen, dass man es einfach stehenlassen könnte, lässt mich aber auch gespannt auf Band 2 warten.

Da der positive Eindruck bei mir überwiegt, gebe ich wohlwollende 4 Sterne.

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Nesbø in Hochform

Minnesota von Jo Nesbø

Nesbø in Hochform

Der Norweger Holger Rudi reist 2022 nach Minnesota. Er recherchiert für ein Buch über eine Attentatsserie, die sich 2016 in Jordan, Minneapolis, ereignete. Holger begibt sich auf die Spuren des Polizisten Bob Oz und seines Gegenspielers.

Bob Oz macht es einem anfangs nicht leicht, ihn zu mögen.

Er ist ein guter Polizist, aber ein gebrochener Mann. Sein Leid und seine Verzweiflung lässt er an seinen Mitmenschen aus. Seine Freunde werden immer weniger, auch bei der Arbeit kriselt es. Aber Bob hat eine Mission: Er will den Attentäter stellen und setzt alles daran.

Jo Nesbøs Schreibstil ist gewohnt klasse, klar, prägnant, gut lesbar, dabei intensiv und lebendig. Meist eher kurze Kapitel mit Perspektivwechseln und Cliffhangern sorgen für Spannung und Tempo, nachdem es zu Beginn relativ ruhig losgeht. Dabei ist die Handlung komplex aufgebaut, hinter jeder Ecke wartet eine neue Wendung.

Mit jeder Seite kann man sich besser in Bob Oz hineinversetzen und ihm seine Eigenarten und Fehler verzeihen - und ebenso in den Täter. Nesbø versteht es hier super, den Lesenden die Beweggründe der Protagonisten deutlich zu machen. So kann man gut nachvollziehen, warum sie so handeln, wie sie handeln, auch wenn man es nicht gutheißen kann.

Neben einer spannenden, unterhaltsamen Story hat der Autor auch jede Menge Gesellschaftskritik in sein Werk gepackt, was mir sehr gut gefallen hat.

Fazit:
Absolute Leseempfehlung für alle Fans von intelligenten Thrillern. Bob Oz steht Harry Hole in nichts nach!

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