Kunden em pfehlungen
Rezensionen von HEYN Leserunde Manuela Meierhofer:
schon vergessen!
Eine allgemeine Theorie des Vergessens von José Eduardo Agualusa
Der Klapptext verspricht eine großartige Geschichte. Ich will sofort wissen, was in einem Menschen vorgeht, der 30 Jahre lang in einer Wohnung eingesperrt verbringt. Was macht das mit einem Menschen - eine so lange Zeit ohne soziale Kontakte. Wie ernährt sie sich. Was macht sie, wenn sie plötzlich Zahnschmerzen bekommt usw.
usw. Mein Kopfkino ist sofort von dieser Geschichte fasziniert.
Doch leider ist die Geschichte der eingesperrten Frau nicht der Haupterzählstrang. Zu viele Nebengeschichten, zu viele verwirrende Namen. Zu spät wird für mich der rote Faden erkennbar. Da bin ich geistig schon längst ausgestiegen.
Schade! Es hätte so ein toller Roman werden können.
Nicht Fisch und nicht Fleisch
Der Abgrund in dir von Lehane Dennis
Eine Frau auf der Suche nach ihren Wurzeln. Meinte ich zu Beginn. Ist es aber nicht. Ein Liebesroman? Nicht wirklich. Vielleicht ein Krimi? Nein! Es kommt ja kein Ermittler darin vor. Also doch ein Psychothriller? Aber das ist es für mich auch nicht.
Von Allem ein bisschen und nichts richtig. Damit habe ich so meine Probleme.
Und obwohl sich der Roman sehr flüssig liest, kann er mich nicht erreichen.
Tasächlich Liebe?
Die Frau, die liebte von Janet Lewis
Bertrande wird schon als Kind mit Martin verheiratet. Dennoch ist die Ehe für sie die Erfüllung. Bis Martin weggeht, sie alleine lässt und erst nach acht Jahren wieder zu ihr zurückkommt.
Wie sehr kann sich ein Mensch in dieser Zeit verändern? Oder ist der Blick Bertrandes auf die Vergangenheit durch die lange Abwesenheit Martins verklärt?
Großartiger Roman um die Frage, ob die Wahrheit wirklich immer die beste Lösung ist.
Rabenschwarze Tragik
Jud von Georg Thiel
Titus, heruntergekommener Fotograf, begleitet den Reporter Rupert zur Weltausstellung nach Brüssel, bei der er die Wienerin Erika kennenlernt. Sie bringt ihn dazu, sich der Vergangenheit zu stellen.
Thiel schafft es, mit seinem bissigen Wortwitz den Leser in den Bann zu ziehen. Seine besondere Ausdrucksweise macht das Buch zu einem kurzweiligen Lesevergnügen.
Trotz des ernsten Themas.
Eine absolute Leseempfehlung!
Nicht viel über Heather
Alles über Heather von Weiner Matthew
Das absolute Wunschkind Heather hat ein wunderbares, sorgenfreies Leben. Tatsächlich?
Alles Leben in der Familie ist nach Heather ausgerichtet. Gut so?
Bis Heather den vom Schicksal vernachlässigten Bobby kennenlernt. Obwohl... eigentlich entdeckt Bobby ja Heather... Und das Schicksal nimmt seinen Lauf.
..
In klaren, pointierten Sätzen erzählt Matthew Weiner eine schwarz-weiße Geschichte, in der keine Grautöne zugelassen werden. Gut lesbar, nicht uninteressant, aber keineswegs spektakulär. Eine Geschichte für einen kurzweiligen Abend.
Unendlich traurige Geschichte
Alles über Heather von Weiner Matthew
Boris ist davon überzeugt, dass er weiß, wie man Kinder zu Genies erzieht. Seine Erziehungsmethoden erprobt er an seinem Sohn William. Und es funktioniert tatsächlich!
Billy wird ein mathematisches Genie. Mit Leichtigkeit überspringt er Schulklasse nach Schulklasse und beginnt zu studieren.
Aber Billy wächst in einem emotional kalten Umfeld auf.
Er fühlt sich wie das Lieblingsspielzeug seiner Eltern - solange er funktioniert und macht, was sie möchten. Und zerbricht daran.
Zehrer zeichnet das Bild eines zutiefst traumatisierten Jungen, der sich schon sehr früh gegen sein Umfeld auflehnt. Doch leider findet Billy niemanden, der ihm aus der Tragödie hilft.
Spannend und gut lesbar geschrieben, ist das Buch eines meiner Highlights des Jahres!
Unerschrockene Gangsterfamilie
Alles über Heather von Weiner Matthew
Die Geschichte teilt sich in zwei Erzählstränge. Der eine Teil erzählt über das Leben von Loo. Wie sie aufwächst, welche Schwierigkeiten sie als Kind hatte, warum und wie sie zu dem Erwachsenen wird, der sie am Ende des Buches ist.
Samuel Hawley, dem Vater von Loo gehört der zweite Teil der Geschichte.
Er hangelt sich von einer Gangstergeschichte zur nächsten und scheint dabei unverwundbar zu sein.
Hannah Tinti schafft es sehr gut, den Leser in ihren Bann zu ziehen. Man möchte wissen, wie die Geschichte weiter geht und fiebert den Enthüllungen über den Tod von Loos Mutter entgegen.
Flüssig geschrieben, mitunter etwas schräg, sehr gut zu lesen.
Ich hoffe, es gibt einen zweiten Teil davon!
Wunderbar geschrieben, absolut lesenswert!
Acht Berge von Paolo Cognetti
Acht Berge erzählt die Geschichte zweier Jungen, die sich in der Einsamkeit eines abgeschiedenen Bergdorfes Italiens begegnen und Freunde werden. Eine Freundschaft, die ihr ganzes Leben hält.
Ein Buch, das das harte, karge Leben in den Bergen nicht als Flucht, sondern als Bereicherung sieht.
Mit seiner klaren, ungeschnörkelten Sprache schafft Cognetti es, Bilder in den Köpfen entstehen zu lassen.
Er hat mich im Wohnzimmer abgeholt und mich in die schroffe, entbehrungsreiche Bergwelt versetzt.
Ein wunderbares Buch. Unbedingt lesen!
Nichts ist, wie es scheint!
Underground Railroad von Colson Whitehead
Cora, als Sklavin auf einer Farm in Georgia geboren wagt es, gemeinsam mit dem Sklaven Caesar zu fliehen. Erst gelingt die Flucht über die Underground Railroad. Sie landen in South Carolina und beginnen, sich ein neues Leben aufzubauen. Doch hier ist nichts, wie es scheint ... und die Geschichte nimmt ihren Lauf.
Whitehead lässt die Geschichte in verschiedenen Bundesstaaten Amerikas spielen. Jeder Staat geht anders mit Sklaven bzw. Farbigen um.
Fiktive Geschichten, wie sie heute noch sein könnten? Oder wie sie vielleicht heute noch sind?
Das Buch ist beängstigend, teilweise brutal geschrieben.
Keine der üblichen Geschichten von entflohenen Sklaven.
Und definitiv keine leichte Sommerlektüre!
Rache ist nicht immer süß
Geständnisse von Minato Kanae
Manami, die Tochter der Klassenlehrerin Moriguchi wird tot im Schwimmbecken der Schule aufgefunden. Für die Polizei ist schnell klar, dass sie ertrunken ist. Der Fall wird abgeschlossen.
Moriguchi aber findet heraus, dass ihre Tochter ermordet wurde - und rächt sich an den Tätern.
Die Geschichte wird aus der Sicht von 5 verschiedenen Personen, somit aus 5 verschiedenen Perspektiven erzählt.
Mich hat das Buch nachdenklich zurückgelassen. Die Fragen "wie weit darf Rache gehen" und "ist am Ende wirklich immer die Mutter an allem schuld", konnte ich für mich noch nicht beantworten.
Ein durchaus empfehlenswertes Buch. Wenn auch etwas verstörend.









