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Rezensionen von niki:

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Eine unglaublich berührende Geschichte

Die Arbeiter von Martin Becker

Diesen autofiktionalen Roman habe ich tieftraurig empfunden. Die Eltern des Autors zählten noch zu jener Gruppe von Menschen, die es heute so eher nur mehr selten gibt: richtige Arbeiter*innen.

Sie üben körperlich anstrengende Berufe aus, und das für eine geringe Bezahlung. Trotzdem gönnen sie sich ein paar Tage Urlaub an der Nordsee.

Fahren dorthin mit ihrem alten, gebrauchten Auto. Natürlich wohnen sie nicht direkt am Strand – zu teuer, einen Fußmarsch müssen sie zurücklegen, um ans Meer zu kommen. „Schön haben wirs“, versichern sich die Eltern selbst, nicht nur nach dem Urlaub, immer wieder empfinden sie das wenige hart Erarbeitete als kleines Glück. Ein Reihenhaus haben sich die Eltern gekauft, weil sie was Eigenes besitzen wollten – noch nach ihrem Tod war der Kredit aber nicht abbezahlt.

Der Vater trinkt gern seine Bierchen und Schnäpse, vom Charakter ist er ein eher wortkarger, wütender Mensch. Die Mutter, sitzt daheim hinter der Nähmaschine, sie macht für den Quelle-Versand die Änderungsschneidereien.

Aber es wird auch von einer Liebe in der Familie geschrieben, die beim Lesen zu Herzen geht. Hier wird nicht umarmt oder geküsst. Liebe drückt sich in der Familie anders aus. Martin Becker erzählt vom Qualm der Zigaretten im Auto, wie der Vater dennoch der Mutter die Zigaretten anzündet und sie ihr hinhält. Vom Vater, der sich um seine Frau selbst kümmern möchte, und sie nicht den Ärzten und Krankenschwestern überlassen will. Und dann doch total überfordert ist.

Die Mutter wird ohne alt geworden zu sein krank und erholt sich nie mehr, auch der Vater verstirbt viel zu früh – aber beide passen genau in den Referenzbereich der Statistik, der angibt, das Arbeiter*innen so mit 65 Jahren sterben.

Martin Becker hat zum Teil gelitten unter seiner Herkunft, unter dem oft wütenden Vater und unter seiner Adoptivschwester, die im Rollstuhl sitzt. Geniert hat er sich für sie und wollte, wenn er mit der Mutter durch die Straßen der Kleinstadt ging, so tun als gehöre sie nicht dazu. Martin Becker wollte der Tristesse einfach entkommen.

Ich habe den Roman deswegen so traurig gefunden, weil der Vater hart arbeitet, um seiner Familie ein bisschen was zu bieten, ein paar Tage Urlaub, einen Fernseher, ein eigenes Haus, obwohl nie genug Geld da war. Und am Ende sterben die Eltern viel zu früh und konnten nicht mal ordentlich die Pension genießen. Der Roman vermittelt eine eigene Stimmung, wie ich sie selbst kenne aus meiner Zeit des Aufwachsens in den 1980er Jahren. Ich konnte so viele Parallelen zu jener Zeit identifizieren, vermutlich ist das der Grund, warum ich von diesem Roman so begeistert bin.

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Eine unglaublich berührende Geschichte
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Auseinandersetzung mit den anderen

Im Land der Wölfe von Elsa Koester

Nana fährt schwer begeistert von Berlin in den Osten, nach Grenzlitz, am letzten Rande von Sachsen, um die Spitzenkandidatin der Zukunftsgrünen für die Oberbürgermeisterwahl zu coachen. Katja Stötzels Chancen stehen gut, dass sie Erste wird – nur ein paar Prozentpunkte fehlen. Dem kleinen fiktiven Ort an der Grenze zu Polen droht, dass dieser künftig von den Rechten regiert wird.

Es ist ein Wahlkampf zwischen den Zukunftsgrünen, den Konservativen und den weit rechtsstehenden Blauen - und die Blauen sind im Vormarsch. Die Blauen, mit ihrem Blick in die Vergangenheit – alles was einmal gut war und nicht mehr gut ist. Die Zukunftsgrünen, mit Blick in die Zukunft – mit allem, was den Ort für alle und die Umwelt besser machen kann.

Nana ist zunächst fasziniert von Katja, wird dann aber innerhalb der Partei außen vorgelassen. Ihr bleibt nichts anderes übrig, als mit den Bewohner*innen von Grenzlitz ihre Zeit zu verbringen und mit ihnen zu sprechen, sich ihre (politischen Meinungen) anzuhören: etwa die Kaffeehausbesitzerin oder Erik und Migrant*innen. Besonders angetan hat es ihr Falk Schloßer, einer aus der blauen Partei. In den Gesprächen mit ihm stellt sie fest, welche Sorgen ihn umtreiben und warum er daher für die Blauen einsteht.

Ein zweiter Erzählstrang, in E-Mailform, handelt davon, wie Nana aufgewachsen ist: die Rede ist von der alkoholkranken Mutter und dem Bruder Noah, der auf sie aufgepasst hat, weil die Mutter dazu teilweise nicht in der Lage war. Jetzt möchte der große Bruder nicht mehr stark und ein Held sein, er möchte überhaupt kein Mann mehr sein.

Der Roman zeigt auf, wie die Auseinandersetzung mit den Rechten geführt werden kann. Der Roman findet keine Lösung, zeigt jedoch mögliche Formen der Auseinandersetzung auf. Zum Großteil habe ich den Roman genossen, passagenweise konnte er mich aber nicht einfangen, zum Teil weil die Protagonist*innen der einzelnen Parteien zu stereotyp dargestellt wurden. Trotzdem sollte man den Roman lesen, weil ich aktuell solche Auseinandersetzungen für essentiell halte.

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Auseinandersetzung mit den anderen
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Ein großartiger Text

Wie lange, sag mir, ist der Zug schon fort von James Baldwin

In diesem Roman verfolgen wir die Geschichte des Leo Proudhammer, einem schwarzen Schauspieler, der am Zenit seiner Karriere einen Herzinfarkt erleidet und im Krankenhaus landet. Da hat er Zeit über sein bisheriges Leben zu reflektieren – seine Kindheit in einer armen schwarzen Familie, seinen Bruder Caleb, seine Liebe zur weißen Schauspielerin Barbara und dem homosexuellen Christopher, seinen Erfolg als schwarzer Schauspieler.

Wie immer geht es bei Baldwin um Rassismus, Liebe, Homosexualität und den Vater, und all dies mit persönlichen Bezügen.

Beim Erscheinen des Romans im Jahr 1968 – es ist mittlerweile Baldwins vierter Roman – wird dieser jedoch nicht positiv aufgenommen, wie Elmar Krausshaar in seinem Nachwort schreibt. Zu viel wird über die Sexualität des schwarzen Protagonisten Leo Proudhammer geschrieben, noch dazu über Sex mit einer weißen Frau. Und später ist im Roman von einer homosexuellen Beziehung zu einem schwarzen Mann zu lesen – das wollte das Amerika der damaligen Zeit nicht, mangelnder Realitätssinn wurde der Erzählung nachgesagt.

Ganz ehrlich: zwischendurch hatte der Roman schon seine Längen, war zu ausführlich und sehr detailreich wurden manche Begegnungen beschrieben. Jedoch insgesamt gesehen ist es ein sehr lesenswerter Text.

Ich würde jedem und jeder empfehlen, Texte, Bücher oder Essays von James Baldwin zu lesen – unglaublich bereichernd.

Aus dem Englischen von Bettina Abarbanell und Miriam Mandelkow

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Ein großartiger Text
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Obsessiv und großartig

Mein Mann von Maud Ventura

Die Protagonistin des Romans ist eine obsessive Frau, die ihren Mann nach 15 Jahren Ehe wie am ersten Tag liebt und ihr ganzes Leben nach ihm ausrichtet. Ständig sucht sie nach Beweisen seiner Liebe, die sie auch bestätigt bekommt. Die Liebesbeweise ihres Mann sind für sie aber nie ausreichend. Immer gibt es etwas zu kritisieren, ist es doch zu wenig, was er auch alles sagt und macht.

Ständig ist sie eifersüchtig, sieht in anderen Frauen eine bedrohliche Konkurrenz – weil sie bangt, dass ihr Mann sie verlassen wird. Hinter nahezu jeder Handlung ihres Mannes vermutet sie einen ehelichen Betrug, einen Entzug von Liebe oder gar Herabsetzung – alle potentiellen Verfehlungen oder auch nur Unaufmerksamkeiten bzw Nachlässigkeiten notiert sie sich in einem Notizbuch. Verhält er sich nicht nach ihren Wünschen und Erwartungen, gibt es Strafe oder Rache – nur ihr Mann bemerkt auch dies nicht

Die Kapitel der Aufzeichnungen sind in Wochentage eingeteilt, jeder Tag erhält eine bestimmte Farbe und Stimmung. Dargestellt wird beider Alltag, der geprägt ist von ihren mühevollen Inszenierungen um ihm gefallen zu wollen, um seine Anerkennung zu erhalten..

Ein großartiges Buch, zählt zu den besten, die ich dieses Jahr gelesen habe. Gegen Ende konnte ich es nicht mehr aus der Hand legen, weil ich wusste, am Ende wird etwas passieren und so ist es dann auch – fulminant – völlig unerwartet.

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Obsessiv und großartig
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Ein historischer Abriss

Nur nachts ist es hell von Judith W. Taschler

lisabeth Tichy, die nach dem 1. Weltkrieg Medizin studierte, erzählt von ihrem Leben, ihrer Familie und den Schicksalen, die die Familie während der beiden Weltkriege erleiden musste.

Der Roman ist als Erzählung an die Großnichte Christina konzipiert. Es werden die wichtigsten historischen Ereignisse und ihre Auswirkungen auf die Familie gut eingeflochten, also das Weltgeschehen auf Einzelschicksale heruntergebrochen.

Wie schwierig es für Frauen damals war, Medizin zu studieren und als Ärztin zu arbeiten, werden thematisiert und reflektiert. In dieser Weise kommen weiters zur Sprache der Traum nach Amerika auszuwandern und dort sein Glück zu versuchen, der Verlust von Familienmitgliedern und geliebten Menschen im Krieg sowie die heimgekehrten Veteranen, die unter den Kriegserfahrungen und -gefangenschaft leiden, weil ihnen Gliedmaßen fehlen oder sie traumatisiert sind.

Die einzelnen Kapitel sind süffig erzählt und die Geschichte rund um Elisabeth ist interessant und spannend zu lesen. Es hat mir jedoch ein Höhepunkt gefehlt oder ein Ziel, auf das die einzeln und teilweise isoliert erzählten Passagen hinauslaufen. Insgesamt dennoch eine gut zu lesende fiktiv-historische Geschichte, die für die Nachkommen dieser Familie in Romanform niedergeschrieben wurde.

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Ein historischer Abriss
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Raus aus der Komfortzone

Von einem Sohn dieses Landes von James Baldwin

Dieses Werk ist kein Roman, sondern berichtet davon, was es bedeutete, wenn man Anfang der 1950er Jahre (vor der Bürger*innenrechtsbewegung) Schwarz in Amerika war – dies in unterschiedlichen Bereichen und zu verschiedenen Themen.

In den ersten drei Kapiteln stellt Baldwin Hautfarbe und Rassismus in der Literatur, Filmen und Zeitungsberichten dar.

Wie werden dort People of Colour (PoC) abgebildet? Wo gelingt es nicht, die Realität abzubilden, weil die Darstellungen zu kurz greifen oder überzeichnet sind.
Er denkt auch über die PoCs in Frankreich nach, die Algerier*innen, die wussten woher sie kommen und auch eher noch die Möglichkeit hatten zurückzugehen. Schwarze in den USA wissen nicht genau, woher ihre Vorfahr*innenen kommen. Auch beschreibt er, dass ihnen gemeinsame Rituale und eine gemeinsame Religion fehlen, wie das bei den Jüd*innen der Fall ist. Er schreibt auch über die Toleranten in der damaligen amerikanischen Gesellschaft, doch führt er auch an, dass bei aller Toleranz niemand von den Weißen einen Negro dann daheim als Schwiegersohn am Tisch sitzen haben wollte.

Für die Weißen waren damals Menschen mit dunkler Hautfarbe stereotyp: sexbessen, kriminell, sittenlos und unverlässlich.

In den weiteren Kapiteln berichtet Baldwin über sein Schwarz sein, sein Aufwachsen in Harlem, das Leben mit den Jüd*innen dort und wie die schwarze Bevölkerung oftmals fast wie in einem Abhängigkeitsverhältnis zu ihnen lebten. Und ein Kapitel erzählt vom Sterben seines Adoptiv- bzw Stiefvaters, den er wirklich hasste, an seinem Geburtstag.

Das letzte Kapitel hat mich dann doch öfter Schmunzeln lassen. James Baldwin begab sich in die Schweiz, in ein kleines Dorf am Fuße eines Berges, wo die Einwohner*innen noch nie einen Schwarzen gesehen hatte, und er auch nicht so richtig wusste, wie damit umgehen – genial.

Ein großartiges Buch, das so viele Einblicke in eine Zeit und Gesellschaft gibt, die einerseits nicht vorstellbar ist, weil der Rassismus so offen ausgelebt wird. Andererseits hat sich seitdem nicht so viel geändert, wie man es sich wünschen und annehmen würde.
Absolute Empfehlung.

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Geht unter die Haut

Die Straße von Manu Larcenet

Schon der Roman von Cormac McCarthy, den ich bereits vor einigen Jahren gelesen habe, ist wohl eines der traurigsten Bücher, die ich je las. Nun ist die Graphik Novel, basierend auf dem Roman des Autors, erschienen.

Ein Vater geht mit seinem kleinen Sohn durch eine zerstörte Landschaft Richtung Süden, immer einer Straße entlang, um dem Winter zu entkommen – weil das ihre einzige Chance auf Überleben ist.

In einem Einkaufswagen schleppen sie ihr Hab und Gut mit. Was zuvor passiert ist, welches Unglück stattgefunden hat, wird nicht beschrieben,

Regen, Schnee, Kälte und abwechselnd Winde, die Asche vor sich hertreiben, erschweren zusätzlich den Kampf ums Überleben. Auf der Suche nach Nahrung und Wasser in verlassenen Häusern, nach trockenen, warmen Plätzen zum Schlafen, versucht der Vater seinen Sohn zu beschützen. Vorsichtig müssen sie sein, dürfen kaum Feuer machen, wegen der Überfälle anderer überlebender Menschen, die aufgrund des Nahrungsmangels Kanibal*innen geworden sind. Immer wieder hören sie Schreie und treffen auf Leichen. Sie verstecken sich daher vor entgegenkommenden Menschen. Beide leben sie in ständiger Angst.

Was der Roman mit wortgewaltiger Erzählung schafft, gelingt hier mit wenigen Worten, jedoch mit ausdrucksstarken Zeichnungen, die unter die Haut gehen. Die Atmosphäre von Düsternis und Einsamkeit, von Kälte und Entbehrungen, von Leichen am Straßenrand, und vor allem die Angst der beiden – all das wird so unglaublich gut dargestellt. Einzigartig!

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Facettenreich und eine großartige Geschichte

Ein anderes Land von James Baldwin

Diese Geschichte in Worte zu fassen ist nicht so einfach. Zu verstrickt und komplex sind die Protagonist*innen und deren Beziehungen untereinander. Immer geht es jedoch um Liebe, Hautfarbe, Sexualität und Anerkennung.

Der Roman wurde 1962 veröffentlicht. 14 Jahre hat Baldwin daran geschrieben. Es geht um den schwarzen Jazzmusiker Rufus, der sich aufgrund des Rassismus in Amerika, insbesondere in Harlem, wo der Roman angesiedelt ist, das Leben nimmt.

Seine Schwester Ida und seine Freunde bleiben zurück und versuchen zu verstehen, warum Rufus eine Selbsttötung begangen hat.

Baldwins Freund, Eugene Worth, hatte sich 1946 ebenfalls auf diese Art das Leben genommen und dürfte die Vorlage für die Romanfigur des Rufus sein.

Das Faszinierende an diesem Buch ist die Lebensrealität, wie sie sich Ende der 1950er Jahre in Amerika gezeigt hat: Rassismus, Homophobie und Ungerechtigkeiten in allen erdenklichen Lebensrealitäten.

Ein nahegehender Roman, der sehr lesenswert ist, aufgrund der vielen Themen, die in vielen Facetten seziert werden.

Aus dem Englischen: Miriam Mandelkow

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Facettenreich und eine großartige Geschichte
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Nicht ganz die Geschichte, die ich erwartet hatte

Seinetwegen von Zora Del Buono

Nach dem Lesen des Klappentextes hatte ich eine ganz andere Geschichte erwartet als diese:

Eine Frau heute in den 60er Jahren hat, als sie acht Monate alt war, ihren Vater bei einem Autounfall verloren. An ihren Vater kann sich die Autorin natürlich nicht erinnern. In der Familie wurde auch weder über den Unfall noch über den Vater gesprochen – zu schmerzlich war das Erlebte für alle.

Die Autorin erhält also keine Antworten auf Fragen nach dem Vater, die sich ihr immer wieder stellen. Sie macht sich auf die Suche nach dem Verursacher des tödlichen Unfalls, um ihn zu befragen, wie er sein Leben mit dieser Schuld verbringen konnte.

Die Autorin lässt uns teilhaben an ihrer Suche und an Recherchen, die oft ins Leere laufen. Und hier liegt auch der Grund, warum ich als Leserin etwas anderes erhalten habe als ich erwartet hatte: ich ging nämlich davon aus, dass das Buch aufzeigen wird, wie jemand mit einer so schweren Schuld sein Leben verbringen kann – doch das wird gerade nicht geboten.

Trotzdem ein nicht uninteressantes Buch, obwohl ich mir, wie gesagt, eine ganz andere Geschichte erwartet hatte.

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Nicht ganz die Geschichte, die ich erwartet hatte
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Ein beeindruckendes Leben

James Baldwin von René Aguigah

Hierbei handelt es sich nicht um eine klassische Biografie, sondern um wichtige Kapitel und Themen, die James Baldwin sein Leben lang beschäftigten und in seinen Romanen und Essays verarbeitet wurden.

Der Autor der Biografie erzählt anhand von Baldwins Werken sein Leben und vergleicht die Protagnost*innen und deren Handeln mit Baldwins selbst, eingebettet in den historischen Kontext.

Deutlich wird dargelegt, welche Themen für Baldwin wichtig waren: sein Aktivismus in der Bürger*innenrechtsbewegung, (Homo)Sexualität und das Schreiben. In der Auseinandersetzung mit diesen drei Themen werden sein literarisches Werk, sein Exilleben und seine Reden analysiert.

Baldwin wollte nie nur als Schriftsteller verstanden werden, sondern vor allem als Zeuge, als „Schwarzer Mensch in der Mitte des Jahrhunderts“.

Ein großartiges Buch einer wichtigen Stimme des vorigen Jahrhunderts, die am 2. August ihren 100. Geburtstag feiern würde.

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Ein beeindruckendes Leben