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Rezensionen von Hennie :

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Cherchez la femme

Im Morgengrauen von Marc Raabe

IM MORGENGRAUEN soll nun der Abschluss der Thrillerreihe um das großartige Ermittlerpaar Art Mayer und Nele Tschaikowski sein, die mit DER MORGEN begann und mit Die DÄMMERUNG sowie DIE NACHT fortgesetzt wurde. In jedem Buch wurde ein spezieller Kriminalfall behandelt, so dass es auch möglich wäre, diese auch einzeln zu lesen, aber nacheinander gelesen macht es die Reihe erst richtig rund und vor allem in den Zusammenhängen von Beginn an verständlich.

Was erwartet uns nun in der abschließenden Geschichte? Der Bundeskanzler Deutschlands, Henrik Westphal, ist spurlos verschwunden, nachdem im Netz sexuelle Anschuldigungen einer Kessy X gegen ihn auftauchten. Oder hat es nur den Anschein? Stehen die Dinge gar nicht im engen Zusammenhang? Ist es anders? Wir erfahren es, am Ende nach 576 spannend geschriebenen Seiten wissen wir, wie es zu den vielen folgenschweren Ereignissen kam.
Marc Raabe versteht es mich zu fesseln und an den handelnden Personen dranzubleiben, wobei die Spannung meistens hoch bleibt. Kleine Durchhänger gibt es. Die Charaktere sind gut gezeichnet, besitzen Authenzität. Vor allem Art und Nele haben außergewöhnliche Eigenschaften, die sie im Privaten und in der Arbeit ausleben. Ich finde, dass die Reihe noch nicht auserzählt ist. Gerne hätte ich die beiden Kriminalisten noch weiter begleitet. Es endet für mein Empfinden sehr abrupt und einiges bleibt der Fantasie der Leser überlassen.
An einigen Stellen fand ich das Geschehen nicht logisch, war aber notwendig für den Fortgang der Handlung, die sehr brutale Szenen enthält. Nicht unbedingt geeignet für zarte Gemüter, aber bei einem Thriller sollte mit Gewalt gerechnet werden.
Die Gestaltung des Covers passt sich an die drei Vorgänger an und hat hohen Wiedererkennungswert. Das ist gut gemacht, gefällt mir sehr.

Ich bewerte mit vier von fünf Sternen und vergebe gern meine Lese- und Kaufempfehlung!

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Cherchez la femme
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Für ein freies Leben

Falls jemand fragt, wer wir waren von Eva Kranenburg

FALLS JEMAND FRAGT, WER WIR WAREN erzählt über 285 Seiten und in vier Teilen über den Volksaufstand am 17. Juni 1953 an einem der Hauptorte der noch jungen DDR. Es war eine riesige Massendemonstration der Bevölkerung von Halle/Saale an diesem denkwürdigen Tag. Das Buch beginnt mit einem Zitat von Lenin „Schlimmer als blind zu sein ist, nicht sehen zu wollen.

“ Das beschreibt für mich eigentlich schon ziemlich genau eins der Themen.

Anfänglich liest es sich so, als würde es sich nur um eine Freundschaft zwischen jungen Mädchen handeln, die zudem erste homoerotische Erfahrungen machen. Rena und Tilla sind sehr verschieden. Rena ist selbssicher, furchtlos und stark trotz ihrer Jugend. Die 16jährige Mathilde (Tilla, Thildi) verkörpert eine glühende Anhängerin des Sozialismus und Stalinverehrerin. Doch mit dem unerwarteten Verschwinden von Rena und dem Nachdenken über sie und dem vergeblichen Suchen nach ihr, beginnt sie zu zweifeln an der Richtigkeit der Maßnahmen und fängt an die Dinge zu hinterfragen. Sie bemerkt Ungereimtheiten und stereotypes Nachplappern von Parolen in ihrer Umgebung. Tilla wird stutzig über Aussagen der Regierung und über die Rolle der Staatssicherheit. Auch ihrem Vater gegenüber, dem sie nie Fragen stellte, wird sie zunehmend misstrauischer. Er war im KZ, überlebte die grausamsten Bestrafungen. Es ist bedrückend nachzulesen, wie er diese Zeit für sich für die Arbeit bei der Staatssicherheit interpretiert. Auch durch Tillas Freund Roman erfährt man von den Abgründen des Sozialismus, was er als Kind in Moskau erlebte und sich in seinem Elternhaus durch die Übergriffe seines Vaters gegen ihn fortsetzt. Das alles, um den neuen Menschen zu formen und zu stählen für die Zukunft!
Die Handlung umfasst wenige Monate, von März bis Juni 1953. Die Autorin hat die kurze Zeit mit den agierenden Personen sehr lebendig und emotional erfasst, ebenso die Stimmung im Volk, die zunächst düster ist und dann in widerständige Euphorie umschlägt. Es werden komplexe Zusammenhänge für die große Politik sowie Entwicklungen und Auswirkungen im privaten Bereich behandelt (sowohl bei Roman – Familie in Moskau gewesen - als auch bei Tilla – Vater im KZ Mittelbau Dora) in einem sehr engen zeitlichen Rahmen. Da muss man zwischen den Zeilen lesen bzw. sich auskennen mit der frühen Geschichte der DDR.

Fazit:
Es handelt sich hier um authentische Einblicke in diese Zeit, die bis ins Alltägliche reichen! Die Ereignisse wurden nachvollziehbar und durch Zeitzeugen belegt. Im Anhang des Buches findet sich ein historischer Kontext, der helfen kann, die Geschehnisse einzuordnen.
Vor dem Hintergrund des Volksaufstandes am 17. Juni 53 in Halle erzählt Eva Kranenburg in ihrem Roman von einem jungen Mädchen, die durch ihre Freundin zum tiefgründigen Nachdenken über persönliche und gesellschaftliche Ereignisse angeregt wird und ihre Schlüsse zieht.

Ich habe das Buch gern gelesen und bewerte mit fünf von fünf Sternen.

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Für ein freies Leben
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Zwei Zeichen: Zahnrad und Stundenglas

Böse Stunde: Thriller von Catherine Shepherd

BÖSE STUNDE ist der 16. Band der Zons-Reihe. Das 16. Buch in Folge, das muss man sich mal vorstellen! Die Reihe hat für mich nichts von ihrer Anziehungskraft verloren. Wiederum war ich von Beginn an im Bann der Geschichte, die wie stets ähnliche Verbrechen in Zons, einmal in der Gegenwart und einmal vor 500 Jahren zum Thema hat.

Hier nun geht es um Morde, bei denen den Opfern Zahnrädchen in den Mund gelegt werden nach ihrem Ableben und Sanduhren mit blutrotem Sand gefüllt in ihrer Nähe zu finden sind. In der Gegenwart sind es keine Stundengläser, sondern es läuft ein Countdown ab, bei dem eine Stunde rückwärts abläuft und Reue gezeigt werden soll. Es geht um Zeit und um Schuld, die die Menschen auf sich geladen haben. Schon der Prolog beginnt wie stets sehr spannend. Es wechselt ständig in kurzen Kapiteln zwischen Gegenwart und der Vergangenhheit. Altbekannte Personen begegnen einem. Oliver Bergmann, Kriminalkommissar und Bastian Mühlenberg; Hauptmann der Zonser Stadtwache haben es mit ähnlichen Morden zu tun. Die gruseligen Vorgänge sind erbarmungslos und rätselhaft in beiden Zeiten. Es ist wieder sehr geheimnisvoll, lange Zeit undurchschaubar und es liest sich wie "geschmiert". Die Suche nach den Tätern wird erneut schwierig, da Catherine Shepherd ihre Spuren sehr geschickt legt, viele Details eine Rolle spielen. Hinweise gibt es zuhauf und ebenso jede Menge Verdächtige. Mir gelang es nur den Täter in der Vergangenheit zu ermitteln. In der Gegenwart wurde die Story so verzwickt entwickelt, dass erst gegen Ende die Spur zu dem Mörder führte.
Einfallsreich und bezaubernd zu lesen sind die romantischen Geschehnisse um Anna und Bastian, die Zeit und Raum überwinden. Das ist eine übernatürliche Sache zwischen den beiden, die in den Zons-Thrillern immer wieder erscheint. Die platonische Liebe zwischen Bastian und Anna! Es überrascht, was sich die Autorin dieses Mal hat einfallen lassen. Ebenfalls eine kleine hübsche Ablenkung stellt für mich inmitten der kriminellen Handlung die private Situation Oliver Bergmanns dar. Warum zögert er immer wieder, endlich seiner Emily den Heiratsantrag zu stellen und den Ring zu übergeben? Immerzu ist die Gelegenheit nicht die richtige. Wann fast er sich denn endlich mal ein Herz?

Großartig, wie alles wieder am Ende zusammenpasst und alle losen Fäden verknüpft werden. Es bleibt nichts ungeklärt und alles wird logisch aufgelöst. Der Täter in der Gegenwart wurde lange unter Verschluss gehalten und falsche Spuren gelegt, die aber indirekt dann doch miteinander in Verbindung standen.
Es war wieder ein kurzweiliges, unterhaltsames Leseabenteuer!

Ich freue mich auf den nächsten Thriller von Catherine Shepherd. Immer wieder gelingt es ihr spannende Storys mit überraschenden Wendungen und aufschlussreichen Charakteren zu entwickeln. Ihr scheinen die Ideen nicht auszugehen!

Wie stets vergebe ich gern meine Kauf- und Leseempfehlung sowie fünf von fünf Sternen.

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Zwei Zeichen: Zahnrad und Stundenglas
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Wer war es?

Was sie nicht weiß von Shari Lapena

Bryden, eine junge verheiratete Mutter eines kleinen Mädchens, beschliesst eines Tages, wahrscheinlich nicht zum ersten Mal, zu Hause zu arbeiten. Sie bringt die dreijährige Clara in den Kindergarten, holt sie allerdings nicht wieder ab. Obwohl alles an Ort und Stelle verblieben ist, ihre Handtasche, das Handy, die Wohnungsschlüssel, das Auto steht in der Garage.

.. Bryden ist und bleibt verschwunden. Sam, ihr Ehemann, die Schwester, die beste Freundin, Bekannte suchen verzweifelt nach ihr. Die Polizei wird eingeschaltet. Doch es dauert sehr lange bis dieser rätselhaft erscheinende Fall gelöst werden kann.

Der Thriller von Shari Lapena besticht erst einmal durch seine Aufmachung. Dunkel und undurchschaubar erscheint das Cover und der Farbschnitt, passend zum Inhalt. In 64 kurzen Kapiteln entwickelt die Autorin eine Story, die ziemlich verworren erscheint. Ganz verrückt wurde es, als die Leiche der jungen Frau aufgefunden wurde. Die Autorin stattete ihre Charaktere so aus, dass viele Personen im Laufe der Handlung verdächtig werden, einschliesslich des Ehemanns. Auf der anderen Seite fehlte bei den meisten ein klares Motiv. Die Indizien reichten mir nicht. Beweise fehlten. Der Fall ist so verzwickt. Ich fragte mich nach jeder überraschenden Wendung erneut: Wer war es? Ich kam schließlich vor dem Ende darauf, aber die Umstände erstaunten und entsetzten mich sehr. Zum Schluss wartet Lapena noch mit einem Cliffhanger auf, der auf eine Fortsetzung hoffen lässt.

Fazit:
WAS SIE NICHT WEISS ist ein kurzweiliger Thriller, der sehr lebendig und spannend erzählt wurde.
Ich kann ihn empfehlen und bewerte mit vier von fünf Sternen.

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Wer war es?
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Ein Schrank voller Erinnerungen

Unerwünschte Töchter von Miriam Carbe

Gern lese ich Historisches. Dazu zähle ich auch dieses Buch mit der Geschichte über vier Generationen der weiblichen Linie einer Familie. Mehr als 100 Jahre deutscher Geschichte im Kontext der Frauen in ihrer Zeit. Eine Besonderheit ist, dass alle Vornamen haben, die mit M beginnen. Margarethe, die Urgroßmutter der Autorin hat ein Faible für klassische Literatur, Goethe hat es ihr sehr angetan.

Sie lässt 1912 in ihrer Heimatstadt Dresden einen Bücherschrank anfertigen, der fortan weitervererbt wird und die Tagebücher und Notizhefte von ihr, der Tochter Marianne und der Enkeltochter Monika enthält. Urenkelin Miriam, die Autorin machte diesen Roman daraus. Der Schrank ist ein schönes verbindendes Sinnbild für die Nachgeborenen.
Es beginnt also in Dresden mit der Urgroßmutter Margarethe, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts in der Kaiserzeit in ein bürgerliches Elternhaus hineingeboren wird. Sie wächst auf in der Villa Parsifal mit Personal und vermutlich allen Annehmlichkeiten, die es damals gab. Ich fand den Anfang der Ahnenreihe als sehr schön zu lesen, wurde dann aber erst einmal ab dem dritten Kapitel durch die Ich-Perpektive der Autorin aus dem Lesefluss gerissen. Diese Einschübe gab es mehrmals und bedeuteten immer einen Stilwechsel.
In 32 langen Kapiteln und fast 600 Seiten beschreibt Miriam Carbe die Lebenswege der drei Frauen, die geprägt waren vom Zeitgeist. Die wesentlichen geschichtlichen Ereignisse in Deutschland werden in ihrem Alltag authentisch beschrieben. Erschreckend, wie tief und selbstverständlich schon Anfang des 20. Jahrhunderts Antisemitismus, Rassismus, die Überlegenheit der Rasse u.s.w. im Gedankengut der Bevölkerung verankert waren.
Keine der Frauen hatte es leicht. Die gesellschaftlichen Umstände waren nie so, dass sie hätten ein freies, unabhängiges, selbständiges Leben führen können. Die Autorin schildert sachlich, ohne zu verurteilen oder zu werten und schuf anhand der Niederschriften drei Charaktere, die nicht aus dem Rahmen fallen, sondern sich in der jeweiligen Zeit anpassten. Margarethes und Mariannes Außenwirkung war sicher in erster Linie eine elegante. Sie legten viel Wert auf Kleidung und Stil. Dazu passt das Cover mit der Perlenkette. Monika, die Mutter von Miriam, nimmt einen großen Raum ein. Sie wollte ausbrechen aus der vorgegebenen Rolle für die Frau, schaffte es aber leider nicht. Meiner Meinung nach ist sie an ihrem Anspruch an sich selbst zerbrochen.
Über den Titel Unerwünschte Töchter habe ich lange nachgedacht, da es eigentlich nur bei Miriam Carbe durch die dunkle Hautfarbe offensichtlich ist. Jedoch auch Margarethe und Marianne kamen zumindest nicht zum richtigen Zeitpunkt auf die Welt. Margarethe war nicht der erhoffte Stammhalter und Marianne wurde 1914 geboren. Der erste Weltkrieg hatte begonnen und die Männer wurden eingezogen. Die Frauen waren auf sich allein gestellt.

Ich finde es sehr beachtenswert, was die Autorin aus den Tagebüchern ihrer Vorfahrinnen gemacht hat. Allerdings empfand ich das Geschriebene oft zu passiv und neutral, mit wenig Emotionen und einem gewissen Abstand. Miriam Carbe steht am Ende der Ahnenreihe und es ist ihre Geschichte. Ich hätte gern noch mehr von ihr erfahren. Kommt da noch ein Band?

Ich bewerte mit vier von fünf Sternen und vergebe meine Lese- und Kaufempfehlung!

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Ein Schrank voller Erinnerungen
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Es kann nur einen Künstler geben!

The Artist von Lucy Steeds

Mich hat das Cover mit dem herrlichen Lavendel angezogen. Ich liebe diese blauen Felder! Dabei habe ich sogar den teilweise englischen Titel akzeptiert, obwohl ich ansonsten diese Bücher meide. Auch die zahlreichen Lobeshymnen; Nominierungen, Auszeichnungen für die Autorin habe ich weitgehend ignoriert.

Mittlerweile bin ich da sowieso sehr skeptisch. Ich ging ganz unbefangen an diese Lektüre und habe es nicht bereut, obwohl auch ich einige Abstriche gemacht habe. Das tat ich im Großen und Ganzen aber nur für mich!

Die Geschichte beginnt um 1920 in der abgeschiedenen Weite der Provence in der Nähe von Avignon, in einem etwas abgelegenen Landhaus. Der weltbekannte Künstler Éduard Tartuffe zog sich aus dem Pariser Künstlertrubel in völlige Einsamkeit und Stille zurück. Seine junge Nichte Sylvette, genannt Ettie, führt ihm den Haushalt, sorgt für ihn, kocht und putzt und kümmert sich zudem um sein gesamtes Malerambiente. Sie arrangiert sogar seine Motive für die neuen Bilder. Er malt nur, gibt sich seinem Genie hin, aber ist ein ganz grantiger, unfreundlicher und undankbarer Mensch, der niemanden außer Ettie um sich haben will. Er duldet niemand, nicht einmal ein Haustier. Durch besondere Umstände gelingt es dem jungen, aus England stammenden Journalisten Joseph Adelaide dem Misanthropen Tartuffe näher zu kommen. Es entwickelt sich eine sensationelle, abenteuerliche Geschichte...

Mich begeisterte die bildhafte Sprache und mich beeindruckte, wie die Autorin die Geschichte angegangen ist. Die Lektüre liess sich gut und schnell lesen, obwohl es auch Längen gab. Der Prolog führte ins Jahr 1957 und verwirrte mich zunächst. Doch es klärt sich alles auf. Das Jahr 1957 dient als Rahmenhandlung und zeigt zum Ende die Entwicklung, die Ettie erfolgreich genommen hat.
In der Story kommen ständig neue Aspekte hinzu. Dazu gehören sowohl die Vergangenheit von Tartuffe und Ettie als auch die grausamen Erlebnisse, die der 1. Weltkrieg mit sich brachte. Für beide jungen Leute spielten diese eine große emotionale Rolle. Wir erleben Ettie als einfühlsame Krankenschwester im Lazarett und Josephs Bruder, der mit einer schweren Neurose aus dem Krieg zurückkehrt und entsetzliche „Heilmethoden“ über sich ergehen lassen muss.
Die (Liebes)Geschichte um Ettie und Joseph in dem düster erscheinenden Landhaus entwickelt sich langsam, fast zäh, und das langgehütete Geheimnis kommt spät ans Licht, obwohl der Leser/die Leserin dieses schon früh erahnen kann...

Fazit:
Ich habe dieses Buch sehr gern gelesen und ich finde Lucy Steeds schrieb einen beachtlichen Debütroman. Mir gefielen besonders ihre lebendige Bildsprache, die plastischen Landschaftsszenen, die hervorragend mit dem Thema harmonierten. Ich kann mir durchaus diese Story verfilmt vorstellen.

Ich bewerte mit vier von fünf Sternen und empfehle The Artist als Sommerlektüre.

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Es kann nur einen Künstler geben!
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Noch keine echte Partnerschaft bei der gemeinsamen Ermittlung

Strandopfer von Frank Goldammer

Mit STRANDOPFER stellt Frank Goldammer den ersten Teil seiner neuen Krimireihe vor.
Eine neue Reihe, neue Ermittler, ein neuer Handlungsort! Die deutsch-polnische Grenzregion der Ostseeküste wird hier in den Fokus genommen.
Am Strand bei Swinemünde findet man einen toten deutschen Touristen, bei dem zunächst ein Badeunfall vermutet wurde.

Doch bei näherer Untersuchung ist es doch nicht so. In seinem Mund steckt ein größerer Bernstein. Zudem meldet man kurz darauf die zehnjährige Luisa als vermisst. Sie ist die Tochter einer Freundin des Toten.

Die BKA-Kommissarin Lena Schuldt aus Berlin nimmt gemeinsam mit dem polnischen Kommissar Adam Krawczyk die Ermittlungen auf.
Der Tote und das Mädchen gehören zu einer deutschen Urlaubergruppe, die befreundet sind und sich aber sehr bedeckt halten. Die Befragungen gestalten sich sehr zäh. Sie machen sich dadurch verdächtig. Was gibt es zu verbergen? Das ist die nächstliegende Frage. Doch sowohl die deutsche Kommissarin als auch der polnische Polizist, die im gleichen Alter sind, scheinen nicht mit vollem Einsatz bei der Sache zu sein. Lena hat zudem ständig das Gefühl, ihr wird nicht alles richtig übersetzt, da sie der polnischen Sprache nicht mächtig ist.

Mir kommt die gesamte Story reichlich verworren, abstrus und in weiten Teilen schwer nachvollziehbar vor.
Lena und Adam verfolgen unterschiedliche Ermittlungsansätze. Beide haben miteinander zunächst ihre Probleme. Die Berliner Kommissarin wuchs in der Grenzregion auf, hatte eine schwierige Kindheit/Jugend durch das Elternhaus, aber auch als Mitläuferin bei rechtsextremen Cliquen, die z.B. auch auf Polen nicht gut zu sprechen waren. Von einer intensiven gemeinsamen Arbeit bei der Aufklärung der Morde kann man (noch?) nicht sprechen. Die Auflösung erfolgt überraschend und eher nebenbei.

Fazit:
Der erste Teil dieser Reihe wird bestimmt durch Vorurteile, Bewältigung von persönlichen Problemen aus der Vergangenheit und reichlich verworren erscheinenden Theorien zur Auflösung der seltsamen Verbrechen.
Für den zweiten Teil erwarte ich mehr. Die Story und das Ermittlerpaar konnte mich noch nicht überzeugen.

Ich bewerte mit drei von fünf Sternen.

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Mordermittlung in eigener Sache

Noch fünf Tage von Helena Falke

Die Autorin Helena Falke wählt für ihren Thriller zwei Stilelemente, die ich in anderen Büchern schon gelesen habe. Zum einen ermittelt das Opfer im eigenen Fall, zum anderen ist die Zeit dazu der wesentliche Faktor. Das hat sowohl seinen besonderen Reiz als auch einen wesentlichen Nachteil.

Zum Geschehen: Lis Castrop, eine Köchin von Weltrang, wird gemeinsam mit ihrem Arbeitgeber, der Milliardärsfamilie Harman, mit einer tödlichen Dosis Polonium 210 vergiftet. Das Festmahl in der Silvesternacht überlebt die vierköpfige Familie nicht. Lis bleibt noch eine Frist von fünf Tagen, die sie im Pflegebett und am Tropf verbringt. Da sie die einzige Zeugin ist, wird sie von der Polizei verdächtigt. So fühlt sie sich gezwungen, auch um ihre minderjährige Tochter zu schützen und eine gesicherte Zukunft für sie zu erreichen, selbst aktiv zu werden. Sie muss ihre Unschuld beweisen und den Mörder finden.

Ich fand diesen Ansatz spannend. Fünf Tage! Und diese Vergiftung! Wie würde sich diese Story abspielen? Meine Neugier war geweckt.
Die fünf Tage sind gleichzeitig die Überschriften: Tag 1, Tag 2... und dazu sind die Kapitel mit der digitalen Uhrzeit versehen. Es beginnt mit 04:38 und der Einlieferung von Lis in die Luxusklinik. Ich habe schnell ins Geschehen reingefunden und ich muss sagen, dass ich sehr erstaunt war, wie gefasst Lis ihrem sicheren Tod in fünf Tagen entgegensieht. Die Uhr mit der digitalen Zeitangabe in ihrem Krankenzimmer sieht sie zunächst als ihren Freund bzw. Verbündeten an.
Die Geschichte verliert sich leider recht bald in endlosen Beschreibungen des Umfeldes der Spitzenköchin, der verschiedensten exentrischen Speisen, Zutaten und Zubereitungsarten. Die Welt der Superreichen, der Lifestyle, der Luxus und ihre Befindlichkeiten, ihre Neurosen... Lis berichtet ausführlich aus der Vergangenheit. Und das bei diesem Zeitdruck! Durch ihre Erzählung konnte ich keine verdächtigen Menschen in ihrem Umfeld herausfiltern, bis auf einen, der zum Ende wie Kai aus der Kiste bei ihr am Sterbebett erscheint.
Das Ende empfand ich als sehr fragwürdig. Ich kann es nicht glauben, dass das real war. Ich interpretierte es für mich so, dass Lis sich in den Uhrzeiten mit Fragezeichen im Sterbeprozess befand und die Abläufe in ihrem Gehirn stattgefunden haben, nicht in der Realität. So konnte sie in Ruhe sterben.

Trotz des Ernstes der Lage, ist dieses Buch recht ruhig erzählt, unblutig. Es ist kein Thriller. Dafür fehlt etwas für mich ganz Wesentliches – der durchgängige Spannungsbogen. Vielleicht kann man es als Milieustudie bezeichnen. Ich hab es trotzdem gern gelesen und kann es empfehlen, aber meine Bewertung liegt bei drei von fünf Sternen.

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Auszeit im Nirgendwo

Statt aus dem Fenster zu schauen von Anna Katharina Scheidemantel

„Das Leben ist kurz. Und ich muss gar nichts, außer zu leben.“ Das sind die beiden letzten Sätze in dem Roman und verdeutlichen, wie die Hauptperson in einer relativ kurzen Zeit (etwa drei Monate im Frühling und Sommer) über sich hinausgewachsen ist.

Dieses Buch hat mich geradezu fasziniert.

Die Geschichte einer jungen Frau, die sich holterdipolter eine Auszeit von Praktikum und Studium nimmt und kurzentschlossen über Kleinanzeigen eine Bruchbude in der nordostdeutschen Provinz kauft, füllt tatsächlich in spannender Art und Weise die 340 Seiten. Fast ihre gesamten Ersparnisse gehen drauf bei ihrem Spontankauf. Sie bricht alle Zelte hinter sich ab und zieht allein los ins Nirgendwo mit einem Fahrrad und Riesenrucksack.
Warum soll Sophie die Erwartungen anderer erfüllen? Das fragte sie sich immer wieder. In dem teilweise verfallenen Haus findet sie dort langsam zu sich selbst, zu Erkenntnissen, wozu sie in der Lage ist, was sie wirklich alles kann, wenn sie nur auf sich gestellt ist.
Anna Katharina Scheidemantel schreibt sehr anschaulich, fokussiert sich auf ihre Hauptperson. Der Roman ist in vier Abschnitte gegliedert und trägt die Überschriften Konfusion, Koexistenz, Konstruktion, Konklusion. Der Text fließt ohne Unterbrechungen, nur ab und zu ein Absatz. Das Verwunderliche ist, es wurde mir nie langweilig. Ich wollte wissen, wie die 25jährige sich weiter zurechtfindet. Es ist wirklich nicht einfach. Doch sie zeigt große charakterliche Stärke, Durchsetzungsfähigkeit, Erfindergeist, Mut und aktive Gestaltung ihres neugewählten Lebens.
Obwohl mich von Sophies Alter rund 50 Jahre trennen, konnte ich sie bestens verstehen und ich wünschte mir sehr, dass sie ihren Ausstieg nicht bereut und fieberte bei ihren einzelnen Aktionen richtig mit. Wie die Geschichte endet finde ich real und lässt vieles offen. Ich bin mir sicher, aus Sophie wird wirklich was, wie einige behaupten...Sie hat die richtige Richtung ihres Weges gefunden!

Ich vergebe die Höchstbewertung und meine unbedingte Lese- und Kaufempfehlung für alle Altersklassen!

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Marzebilla und Schakagerl

Moorgold - Ein Erzgebirgskrimi von Anett Steiner

Der vorliegende Band ist bereits der siebente der Erzgebirgskrimireihe, aber für mich war es der erste. Trotz dieser Tatsache kam ich sehr gut mit der Geschichte und den Personen zurecht. Aufmerksam geworden auf dieses Buch bin ich durch das ansprechende Cover in seiner düsteren, geheimnisvollen Ausstrahlung.

Zu dem Fall in der aufgegebenen Siedlung Pfaffengrün auf der böhmischen Seite des Erzgebirges, das Skelett eines seit 30 Jahren vermissten Mannes wurde entdeckt, gesellt sich der zunächst rätselhafte tödliche Absturz des Puppen- und Leierkastenspielers Jakub Miler in der Wolkensteiner Schweiz in Sachsen. Kommissarin Annalena Krest von der Chemnitzer Kripo übernimmt die Ermittlung, die allerdings nur langsam in Gang kommt, dann sehr gefährlich wird und mit einer Überraschung in Cliffhangermanier endet.
Die Kommissarin wird als Mensch aus Fleisch und Blut vorgestellt; sie bringt ihre vielfältigen persönlichen Themen in die Handlung ein. Empathisch fand ich ihren Umgang mit ihrem zweijährigen Sohn Patrick, mit dem pausierenden (Ralf Lorenz) und dem aktuellen Kollegen (Nikolas Bremer). Sehr schön das Kaffeeritual in der Dienststelle Chemnitz mit Bremer.
Die Ermittlungen werden in beiden Ländern, Tschechien und Deutschland, durch ausgezeichnete Beziehungen und in guter Zusammenarbeit geführt. Es stellen sich viele Fragen. Gehören die beiden Todesfälle zusammen? Was hat der vor 30 Jahren verschwundene wie ein Verrückter nach Schätzen suchende Knut Heinze mit Jakub Miler zu tun? Wo liegt das Mordmotiv an dem freundlichen Puppenspieler?

Die Autorin erzählt die Story in teilweise mystischer, geheimnisvoller und unheimlicher Art, eingebettet in die umfangreiche Sagenwelt des Erzgebirges sowie unter Einbeziehung der schönen Landschaften diesseits und jenseits der Grenze. Der Miriquidi feiert seine Auferstehung!
Marzebilla und Schakagerl werden als Sagengestalten genannt. Ich als sehr reife, geborene Chemnitzerin hatte von ihnen noch nie gehört und musste googeln. Hier das Ergebnis: Marzebilla ist die berühmteste Legende des Erzgebirges, mal eine junge, mal eine alte Frau, in unterschiedlicher, aber freundlich erscheinender Gestalt, aber immer wird sie mit dunklem Haar und von einem Schleier feinen Nebels umgeben, beschrieben. Schakagerl ist der erzgebirgische Schutzgeist der Kinder. Ich nehme an, dass durch die Vertreibung der deutschen Bevölkerung, die auch den Ausgangspunkt für diesen Krimi darstellt, auch die vielen alten, märchenhaften Erzählungen der Gegend mehr und mehr in Vergessenheit geraten sind und nicht mehr weitergetragen werden. Inzwischen kümmern sich Heimatvereine auf böhmischer und sächsischer Seite um den Erhalt und die Pflege des kulturellen Erbes. Das wird immer schwieriger, da die Zeitzeugen aussterben.

Ich wurde durch Moorgold gut unterhalten und bewerte mit vier von fünf Sternen und vergebe meine Lese- und Kaufempfehlung.

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Marzebilla und Schakagerl