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Rezensionen von Hennie :

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Ukrainisch-moldawisch-jüdisch-russische Welt im deutschen Osten

Russische Spezialitäten von Dmitrij Kapitelman

Dmitrij Kapitelman versucht mit den russischen Spezialitäten seine ukrainisch-moldawisch-jüdisch-russische Welt im deutschen Osten der Leserschaft nahezubringen.
Mit acht Jahren aus dem ukrainischen Kijiw als Kontigentflüchtling ins sächsische Leipzig gekommen, wird bald das Geschäft (russ.

Магазин) der Eltern zum bestimmenden Lebensmittelpunkt. Hier treffen sich die Nashi (die Unseren, steht für osteuropäische Nationalitäten, vorwiegend aus den Ländern der untergegangenen Sowjetunion), seltener deutsche Kunden. Hier lebt er als Kind und Jugendlicher wie in einer Blase und verliert sich manchmal in Traumwelten (sprechende Fische).

Der Ich-Erzähler ist eindeutig als der Autor zu erkennen. Sein extravaganter Sprachstil forderte mich hier und da. Dmitrij Kapitelman balanciert mit Wörtern wie ein Akrobat, kreiert neue Wörter und ungewöhnliche Wortzusammensetzungen, schafft teilweise ganz bizarre bis absurde Bilder. Einiges habe ich nicht verstanden. Ich kann es auch nicht interpretieren. Da fehlt mir wahrscheinlich die Fantasie, die er in seinen vielen humorigen, anekdotisch anmutenden Szenarien trotz auch ernster Themen zum Ausdruck bringt. Witzig finde ich die Beschreibungen der Zustände im Laden (bspw. die nervige Ladenklingel, die extreme Langsamkeit von Ira, der sich wiederholende, gleichbleibende Speiseeiskauf vom alten Genadij u.v.m.). Auch bemerkenswert ist Dimas Angst vor fehlenden russischen Wörtern.

Im Fokus seiner Geschichte steht im ersten Teil das Geschäft und im zweiten Teil die Reise nach Kiew. Ein großes Problem, das Dima sehr beschäftigt, ist das irrationale Verhältnis seiner geliebten Mutter zu Russland. Außer der Sprache verbindet die Mutter nichts mit dem russischen Staat, trotzdem glaubt sie dessen Propaganda und der Kriegsberichterstattung (was für eine Diskrepanz). Das Massaker in Butscha hält sie für Fake. Die Verzweiflung, die Zerrissenheit des Sohnes teilt sich mir mit, ist schmerzlich zu spüren. Er entschließt sich in die Ukraine zu fahren und besucht Verwandte, Freunde und Bekannte. Dort findet er neben der erstaunlichen Normalität und Alltäglichkeit des Lebens überall Spuren des Krieges wie junge kriegsverletzte Männer im Straßenbild, unbeachtet von den Passanten.
Für ihn selbst hat die Reise wichtige Erkenntnisse gebracht.
„Heimat ist der Ort, der einem nie egal wird. Kyjiw.“ S.179
Doch im Umgang mit seiner Mutter hinsichtlich der prorussischen Einstellung ist er leider keinen Schritt weitergekommen. Er kann sich ihr gegenüber nicht Luft machen und Tacheles reden. Eine Erklärung liefern mir die letzten Seiten des Buches. Vielleicht!?

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Ukrainisch-moldawisch-jüdisch-russische Welt im deutschen Osten
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Das fiktive Universum der Autorin

Tod der Autorin von Birgit Rabisch

Die Idee der Schriftstellerin, die Romanfiguren aus ihren elf Büchern zu einem fiktiven Dinner einzuladen, finde ich grandios. Anlässlich ihres 70. Geburtstages lädt sie die Gäste zu ihrer Tafelrunde ein. Sie werden wohlüberlegt an sechs Tischen platziert und schon kann die Party losgehen:
Meine Meinung zu diesem Buch:
Ich habe noch nichts von der Autorin Birgit Rabisch gelesen und hatte zu Beginn Bedenken, dass ich in dieses Werk nicht hineinfinde.

Doch es ist so leicht verständlich und mich in angenehmer Weise einnehmend in einem humorvollen Sprachstil geschrieben. Mir gefällt es, wie sie ihre Figuren nacheinander vorstellt und mit dem verstorbenen Mann kommuniziert, der ab und zu recht lebhaft ihre Gedankengänge mitbestimmt. Sie betreibt eine kluge Gesprächsführung, die durch die wohldurchdachte Sitzordnung unterstützt wird.
Meine anfänglichen Bedenken wurden schnell zerstreut. Auf geeignete Art und Weise beginnt sie mit der Vorstellung ihrer Romanfiguren, gibt nach und nach Einblicke ins eigene Leben. Erstaunlich und für mich sehr interessant die Vielfalt der Genres ihrer Romane. Gefällt mir außerordentlich und trifft in besonderem Maße meinen Lesegeschmack!
Das schönste Geburtstagsgeschenk zum 70. macht sie sich selbst. Die geliebte Oma Rosa hat sie ebenfalls eingeladen. Was für eine Überraschung für mich. Die Oma Rosa und ihre reale dunkle deutsche Vergangenheit. Das Buch muss ich als Fan historischer Lektüre unbedingt lesen!
Mich beeindruckte wie die Autorin die verschiedensten Themen mit ihren fiktiven Gästen diskutiert, die vielseitigen Tischgespräche lenkt, leitet und versteht diese in ihr eigenes Leben einzubinden.
Es geht um die kleinen wie die großen Dinge, um Persönliches wie um die Weltgeschichte, es wird diskutiert und philosophiert. Dabei werden auch die speziellen Frauenthemen nicht ausgelassen. Die Politik spielt oft eine Rolle und dabei lassen sich die Bezüge zu den aktuellen Ereignissen für mich leicht herleiten. Es entwickeln sich Gespräche über viele Arten der Liebe, zu vielen Gebieten der Wissenschaft wie z. B. der Gentechnologie und nicht zuletzt über Religion.
Birgit Rabisch empfinde ich als sehr nahbar durch ihre Ansichten, die meinen sehr ähnlich sind.
So selbstverständlich und unaufdringlich wie die Autorin zu Beginn und im Verlaufe des Dinners mit ihren Gästen auf dem Fest zu ihrem 70. Geburtstag plauderte, so leise und (fast) unbemerkt verschwindet sie wieder aus ihrer gedachten Tafelrunde und geht müde und wahrscheinlich erkenntnisreich ins Bett. So ist meine Erklärung für den Titel.

Ich kann den Klappentext nur bestätigen: „Tod der Autorin" ist ein kurzweiliges und bereicherndes Leseerlebnis! Dafür gebe ich meine Lese- und Kaufempfehlung mit fünf von fünf Sternen!

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Das fiktive Universum der Autorin
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Generationsübergreifendes (Ver)Schweigen

Portrait meiner Mutter mit Geistern von Rabea Edel

Rabea Edel hat mit „Portrait meiner Mutter mit Geistern“ eine beeindruckende Familiengeschichte über vier Frauengenerationen geschaffen. Die Lesenden erhalten Einsichten in die Lebensläufe von Dina (geb. 1900), Selma (geb. 1919), Martha (geb. 1945) und Raisa (geb. 1982) über einen Zeitraum von mehr als 100 Jahren.

Raisa, die Jüngste der Frauen, führt uns mit ihren Fragen zum Kernproblem dieses Romans, die beklemmende Sprachlosigkeit, die mangelnde Kommunikation bis hin zu den unverarbeiteten Traumata, die in den folgenden Generationen nachwirken.

Was mich zu Beginn etwas im Lesefluß hemmte, das Springen in den Zeitebenen und die Ortswechsel, erwies sich späterhin als spannend und abwechslungsreich für den Fortgang der Handlung.

Mir gefällt der nüchterne und trotzdem poetische Erzählstil der Autorin, obwohl ich ziemlich viel Konzentration für die Feinheiten des Textes benötigte. Es gibt komplexe Zusammenhänge, viele Details, versteckte Hinweise, bildgewaltige Aussagen über bekannte historische Ereignisse, Metaphern, eine Menge an Symbolik, die ich sicher nicht immer richtig interpretierte. Rabea Edel gelang es Emotionen auszulösen. Es ist ein schriftstellerisches Meisterwerk voller Raffinesse, das ich in Ausschnitten erneut las bzw. lesen musste, um es in meiner Rezension einigermaßen gerecht zu würdigen. Dabei entdeckte ich immer wieder neue Facetten. Großartig gemacht!

Des Öfteren schaute ich mir die Daten der weiblichen Personen im Stammbaum an (vorn und hinten im Buch). Die Auflistung war sehr hilfreich, denn die Schicksale vor allem von Selma und Martha (Mutter und Tochter) zeigen Gemeinsamkeiten.

Es gibt sehr viel Tragik in diesem Roman. Jedoch am meisten ging mir das Schicksal Jakobs ans Herz. Was für ein Leben! Sein Unglück begann schon mit der Geburt. Überhaupt liegt über dem ganzen Roman soviel Bitternis, die glücklichen Momente sind eher die Ausnahme. Bereits im Kapitel 0 liest man von Jakob und in den beiden Sätzen drückt sich seine lebenslange, unerfüllte Sehnsucht nach Selma und sein ganzes Leid aus:

„JAKOB STAND IM FELD UND SAH ZU SELMA HINÜBER. SEIT MEHR ALS SECHZIG JAHREN."

Dieser Roman hat es mir nicht leicht gemacht. Ich habe einiges zu Hilfe nehmen müssen, um mich reinzufinden, um zu verstehen, z. B. habe ich die Frauen meiner Familie dagegengestellt (die vier Generationen bei uns sind ähnlich). Gegen Ende hin wurde der Roman fassbarer und die Schwere des Erzählten nahm ab. Ich hatte den Eindruck, dass Raisa zum Schluss mit ihrer Mutter Martha eins war.

Fazit:

Das ist eine Lektüre, die mich forderte! Das Schweigen, die Hilflosigkeit, die Ohnmacht, die Barrieren, die Schwierigkeiten über schmerzhafte Erfahrungen zu sprechen, sind oft schwer auszuhalten. Für mich kam noch nie so eindringlich wie hier durch klug und außergewöhnlich gewählte Formulierungen sowie ausdrucksstarke Bilder gelebte Geschichte zum Ausdruck. Emotionen entstanden oft zwischen den Zeilen und dann in meinem Kopf. Interessant, wie Puzzlestücke nach und nach an ihren Platz fanden.

Je länger ich über den Roman nachdenke, umso mehr fällt mir dazu ein. Ich werde ihn bei mir behalten, um ihn nochmal komplett zu lesen.


Ich empfehle dieses Buch allen Lesern, die sich gern auf Literatur einlassen, die volle Aufmerksamkeit verlangt!

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Generationsübergreifendes (Ver)Schweigen
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Zeitreise nach Paris mit Hannah und Alex

Die Zeit-Agenten 3. Jagd um den Eiffelturm von S. J. King

Wer sind die Zeitreiseagenten? Das sind acht Kinder, von denen in dieser Geschichte nur zwei in Aktion sind: Hannah und Alex. Die Zeitagenten werden aus dem Jetzt und Hier abberufen, wenn der böse Mora die Abläufe in der Vergangenheit ändern bzw. rückgängig machen will. Er stiehlt über die Jahrhunderte wertvolle Gegenstände, um die Gegenwart zu verändern.

Wenn die Agentenuhr rückwärts läuft, wissen die Kinder, Mora war wieder aktiv und sie reisen an den Ort des Geschehens. Währenddessen bleibt die Zeit in der Gegenwart stillstehen.
Hannah und Alex erhalten einen dringenden Hilferuf aus Paris. Man schreibt das Jahr 1889 und der Architekt Gustave Eiffel baut noch an seinen berühmten Turm, der das Symbol der Weltausstellung in diesem Jahr wird und später zum bekannten Wahrzeichen von Paris, der Hauptstadt Frankreichs. Soll der Turm fertiggebaut werden, müssen die beiden Kinder in die Machenschaften Moras aktiv eingreifen. Ein kleiner Kuckuck namens Tempo dient den jungen Agenten als fliegender Gehilfe.
Die Geschichte wird einfach und kindgerecht erzählt. Dabei bleiben nähere Beschreibungen der Personen und die Beweggründe für die Handlung – das woher, warum wieso... – außen vor. Evtl. erfolgt eine nähere Erklärung in den anderen drei Büchern? Für mich ist dieses Buch das erste. Positiv möchte ich die große Schrift erwähnen. Sie ist gut zu lesen für Leseanfänger.
Ein Glossar dient der Erklärungshilfe. Für jüngere Kinder sind sicher trotz Glossar zusätzliche Erklärungen notwendig.
Fantasie und Realität treffen aufeinander in einfacher Betrachtungsweise. Die Abläufe sind sehr schnell abgehandelt und alles wieder in schönster Ordnung.
Ich bin gespannt, wie die Erzählung meiner Nichte gefällt, die das Buch zum 9. Geburtstag bekam.

Die Zeitagenten – Jagd um den Eiffelturm – ist eine Reise ins Paris vor 136 Jahren, ein Abenteuerbuch, das durch die Zeit führt.
Im Anhang gibt es außer dem kleinen Glossar noch Informationen zum Eiffelturm und zu seinem Erbauer sowie ein kurzes Quiz.
Alle vier Bücher erscheinen am 31.01.2025.

Fazit:
Zeigt, dass auch sehr junge Menschen hilfreich und handlungsfähig sein können, wenn sie selbstbewusst und umsichtig auftreten.
Für Leser ab 7 Jahren

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Zeitreise nach Paris mit Hannah und Alex
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Gestehe deine Schuld!

Stalker – Er will dein Leben. von Arno Strobel

Für mich war das die zweite Story von Arno Strobel. Ich lese viel, aber es hat sich selten ergeben, dass ich ein Buch von dem hochgelobten Autor lesen konnte. Immer kam mir andere Literatur dazwischen.

Stalker konnte mich zu zwei Dritteln in Spannung halten, obwohl es ab und zu Längen gab. Ich hatte hinter den Verwicklungen um die Vergangenheit des Protagonisten Eric Sanders, welcher keinerlei Erinnerungen daran besaß, zuviel vermutet.

Ich glaubte bereits an ein verschwörerisches Komplott in seiner Kindheit. Die schreckliche, blutige Tat, die er als 11jähriger begangen haben sollte und der Weg zur Aufklärung wurde so mit geheimnisvollem Tamtam umgeben, so dass ich an etwas ganz Ausgebufftes dachte. Die Auflösung schließlich war mir zu aufgesetzt, zu abrupt, irgendwie unnatürlich und total drüber(na ja, wiederum als Schauspieler wäre es möglich?). Das dramatische Ende befand sich für mein Empfinden nicht im Einklang mit dem Vorhergelesenen und der Entwicklung bzw. der Nichtentwicklung der Charaktere. Die Personen kamen und gingen. Es erschienen viele verdächtig, die aber dann keine Rolle mehr spielten.
Auch dieser für mich zweite Thriller von Strobel überzeugte mich nicht vollständig. Den Hype um seine Werke konnte ich also noch nicht nachvollziehen. Vielleicht wird das noch!? Ich hoffe es. Das Genre mag ich sehr.

Ich bewerte mit drei von fünf Sternen und vergebe eine Leseempfehlung. Ein Urteil muss sich jeder selber bilden!

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Gestehe deine Schuld!
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Björn Kupernikus ermittelt

Mord im Himmelreich von Andreas Winkelmann

Das ist ein vollkommen anderer Winkelmann! Nun schreibt er also auch Cosy-Krimi! Ich war mit Freude bei der Lektüre und fühlte mich gut unterhalten.

Was ist denn los im idyllischen Himmelreich? Die Campingbewohner sind aufgestört, verunsichert und verängstigt. Ringsherum werden die abstrusesten Geschichten über die Leiche unter dem Paddleboard und dem kleinen Hund obendrauf verbreitet.

Die Gerüchteküche brodelt. Björn Kupernikus und Annabelle Schäfer empfinde ich als sympathische Protagonisten, die verantwortungsbewusst mit der Situation umgehen. Kommissar Fass, der den ungewöhnlichen Fall übernimmt, erscheint mir die meiste Zeit irgendwie überfordert. Herrlich, wie der Hund Pinguin auf dessen Namen reagiert.
Die Künstlerin Annabelle, wohnhaft in der Nähe des Campingplatzes und der ehemalige Schauspieler Kupernikus, der sich eigentlich erholen möchte in seinem alten Wohnmobil, das sind zwei interessante Typen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Gegensätze ziehen sich bekanntlich an. Mal sehen, was da in Zukunft noch draus wird.

Ich war von Beginn an, sehr neugierig, wie sich alles auflöst. Wie Winkelmann seine Protagonisten sprechen und agieren lässt, gefällt mir sehr. Selbst der kleine Hund hat so einen besonderen Charakter. Es ist nicht herauszubekommen, wen er von den dubiosen Leuten kennt oder wen nicht. Das erhöhte zusätzlich die Ungewissheit, warum jemand auf solche bizarre Weise ums Leben kam.
Den Sprachstil empfand ich als flott, teilweise frech und anzüglich, aber gut zu lesen. Viele der Charaktere kommen ziemlich skurril daher und verhalten sich nicht wie Jedermann. Ich musste schon manchmal schmunzeln wegen der lustigen Einfälle, die der Autor in seiner Story verarbeitet hat.

Kupernikus ermittelte fleißig in der ganzen Umgebung und erfüllte sich ein wenig seinen unerfüllt gebliebenen Schauspielertraum in der Rolle als Tatortkommissar. Alle meine Fragen wurden am Ende umfassend beantwortet. Auf den Täter konnte man nicht kommen, weil Kupernikus nicht nur gegenüber dem Kommissar seine Erkenntnisse zurückhielt. Abgesehen davon war Fass wirklich nicht die hellste Kerze auf der Torte. Ich will ihm mal zugute halten, dass der arme Mann durch seine Schmerzen im Denken beeinträchtigt war. Die Rechtsmedizinerin an seiner Seite gefällt mir in ihrer Direktheit. Sie ist pragmatisch und unkompliziert, aber wahrscheinlich muss sie bei Fass so sein.

Ich fühlte mich durch den Cosy-Krimi gut unterhalten und warte dann auf weitere Einblicke ins Himmelreich, auf den Campingplatz, der tatsächlich existiert.

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Björn Kupernikus ermittelt
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Abschlussband der Ärztinnen-Reihe

Die Töchter der Ärztin von Helene Sommerfeld

Weiter geht es nun mit den Töchtern der im (Un)Ruhestand lebenden Ärztin Ricarda Thomasius, (die Basis bildet die Trilogie „Die Ärztin“). Sie arbeiten inzwischen selbst erfolgreich als Ärztinnen. Der dritte Band aus der Reihe „Die Töchter der Ärztin" heißt „Zeit des Vertrauens“ und beginnt Silvester 1930 und zeigt Henny Vandenberg bei ihrer engagierten Arbeit als Ärztin in einer kalifornischen Klinik.

Wieder erleben wir die Schwestern getrennt auf zwei Kontinenten. Henny lebt mit ihrem Mann Victor und den beiden Kindern nahe der Traumfabrik Hollywood, wo ihr Mann eine wichtige Größe im Filmgeschäft ist. Antonia Thomasius übernahm inzwischen die Arztpraxis in Berlin und führt sie mit ihrer Freundin Celia Fahrland und ihrem Freund Guntram Harrich.
Der Roman endet im November 1932, wenige Wochen vor der Machtergreifung Adolf Hitlers am 30. Januar 1933.

Dem Autorenduo Helene Sommerfeld gelingt es auch hier Zeit- und Familiengeschichte sowie berühmte Personen der 30er Jahre mit einer unterhaltenden, fesselnden Story zu verbinden. Die Geschehnisse um die Hauptpersonen werden sehr spannend fortgeführt und geschickt verflochten mit real existierenden Leuten, ansprechenden, ausdrucksstarken Nebencharakteren, mit wichtigen Ereignissen und vielen Örtlichkeiten in den verschiedensten Ländern. Der Zeitgeist wird zutreffend und authentisch abgebildet.
Das schreibende Ehepaar hat es wunderbar verstanden, die Schicksale der Menschen miteinander zu verbinden und weitere Beziehungsgeflechte herzustellen. Das alles ereignet sich in der dynamischen gesellschaftlichen Entwicklung der Zeit, die sehr illustrativ geschildert wird mit den Vertretern der weitverzweigten Familien Thomasius und von Freystetten.
Ich liebe historische Romane und wenn wie hier so mitreißend geschrieben wurde wie ein Krimi, dann umso mehr. Der sechsteilige Romanzyklus ist nun zu Ende, leider. Schade, dass es wahrscheinlich keine Fortsetzung mehr geben wird. Der Tod trennte das Autorenehepaar im Sommer 2024. Dieser Band konnte gerade noch fertiggestellt werden.
Zum Schluss noch eine Bemerkung zum ansprechenden Cover und der Ausstattung des Buches. Insgesamt machte alles auf mich einen runden Eindruck. Die Zusammengehörigkeit der Reihe wird rein äußerlich deutlich durch die Farb- und Schriftgestaltung. Ergänzt wird das Ganze im Innenteil noch durch jeweils eine Berlin- und Los Angeles-Karte von 1931, dem Riviera-Express von 1931, dem Stammbaum der Familien Thomasius und von Freystetten sowie durch ein Register der wichtigsten Personen zum besseren Verständnis.

Fazit:
Ich fühlte mich hervorragend unterhalten und verbrachte eine schöne Lesezeit. Deshalb kann ich gern diesen Abschlussband empfehlen und bewerte mit fünf von fünf Sternen!

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Starke Frauen?

Die Mitford Schwestern von Marie Benedict

Von den Mitford-Schwestern hatte ich noch nie etwas gehört. Sie waren zu sechst und waren damals berühmt, vergleichbar vielleicht mit den heutigen It-Girls. Sie gehörten zu den Bright Young Things, zu einer Gruppe junger Adliger der gehobenen britischen Gesellschaft.

Marie Benedict beginnt ihren Roman mit dem Debütantenball Unity Mitfords aus der Sicht von Nancy, der Ältesten der Geschwister.

Abwechselnd kommen dann drei der Schwestern von jeweils der gleichen Örtlichkeit mit identischem Datum zu Wort. Das ergibt interessante und teilweise sehr bemerkenswerte Einblicke in das Leben von Nancy (geb. 1904), Diana (geb. 1910) und Unity (geb. 1914). Sie waren verwandt, verschwägert, befreundet mit berühmten Zeitgenossen. Die Zeit umfasst die Jahre 1932 bis 1941.
Nancy fungiert als Ich-Erzählerin, die leider keine fortlaufende Geschichte präsentiert, sondern Ereignisse unterbreitet, in deren Mittelpunkt dann jeweils sie, Diana und Unity stehen. Diese drehen sich in der Hauptsache um den familiären Hintergrund der Mitford-Familie und um die fanatische Hinwendung von Diana und Unity zur faschistischen Ideologie. Mir war unwohl, wie die Autorin die geschichtlichen Fakten mit dem Leben der Schwestern verbindet ohne einen Kontext zu finden, der mit unserem heutigen Wissen eine Relativierung findet, ja, eigentlich finden muss. Spricht aus Benedicts Schreibweise die etwas unbekümmerte amerikanische Sicht auf die politische und soziale Konstellation dieser Zeit? Die Einbindung der geschilderten Ereignisse erfolgt in Nebensätzen (Judenverfolgung, Beschlagnahme der jüdischen Wohnungen, KZ, Olympische Spiele 1936 in Deutschland usw.), aber das ist mir zu oberflächlich. Der Erzählstil der Autorin liest sich zwar flüssig, doch für die gefährliche Nähe vor allem Unitys zu Hitler ist er mir zu gefällig.
Ich stelle fest, dass Nancy Mitford dem hohen Anspruch vom Klappentext nicht gerecht wird. Ich zitiere u. a.: „Im Mittelpunkt dieses Romans stehen die tapferen Bemühungen der Schriftstellerin Nancy Mitford, die Nazis daran zu hindern, Großbritannien einzunehmen.“ Es ist für mich fraglich, ob sie ihre Schwester verraten hätte, wäre sie nicht verwandtschaftlich verbunden gewesen mit Winston Churchill. Auf S. 401 lesen sich ihre Gedanken folgendermaßen, quälend und nicht nachvollziehbar: "Oder vielleicht,...,ging auch überhaupt nicht Schändliches vor sich. Vielleicht tranken Diana und Unity einfach nur gerne Tee mit Hitler, und er spendierte ihnen aus schierer Bewunderung und Freundschaft Wohnungen, Geld und Radiosender.“
Es gibt kein Nachwort der Autorin, nur eine kurze Anmerkung und das bei einem Roman, der über 400 Seiten stark ist.
Das Buch endet, wie es angefangen hat, irgendwie sehr unverbindlich und mit vielen offenen Fragen. Da mir die Mitford-Schwestern bisher unbekannt waren, habe ich mir zu ihnen viel erarbeitet. Die Informationen hätte ich gern von der Autorin erhalten, in Form eines Stammbaumes, evtl. ein kleines Vorwort, vielleicht ein Prolog und am Ende ein abschließendes Statement, um die Familie Mitford im Zeitgeist und auch später einzuordnen. Das Leben ging ja weiter. Diana z. B. ist sehr alt geworden. Mich lässt dieses Buch unbefriedigt zurück. Es war für mich das Dritte, was ich von Marie Benedict gelesen habe. "Frau Einstein" ging in Ordnung, aber mit „Die einzige Frau im Raum“ war ich schon nicht mehr so zufrieden.
Die Mitford-Schwestern in der Reihe „Starke Frauen im Schatten der Weltgeschichte“ vorzustellen, sehe ich kritisch. Dafür waren die drei Schwestern Nancy, Diana und vor allem Unity viel zu sehr auf problematische Männer, Diana und Unity zusätzlich auf die faschistische Ideologie fixiert.

Fazit:
Mich störte die weitgehende, unreflektierte Sichtweise der Autorin Marie Benedict auf die faschistische Ideologie und ihre Führer sehr, vor allem in einer Reihe, die sich „Starke Frauen im Schatten der Weltgeschichte" nennt. 2 von 5 Sternen und keine Leseempfehlung!

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Starke Frauen?
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Eine Frau, drei Männer, drei Töchter

Ein anderes Leben von Caroline Peters

Caroline Peters, die bekannte und beliebte Schauspielerin, gibt mit der Geschichte ihr Debüt.

Die Ich-Erzählerin ohne Namen, wird nur die Kleine genannt, steht mit ihrer Patchworkfamilie am Grab ihres Vaters. Bei seiner Beerdigung resümiert die Jüngste der drei Halbschwestern das Leben der längst verstorbenen gemeinsamen Mutter.

Das gesamte Buch über gibt es von diesem Tag der Beisetzung Rückblicke in einer ständig in den Zeiten wechselnden Erzählweise, manchmal etwas abrupt, auf die bewegte Vergangenheit der Mutter. Also nicht der gerade gestorbene Vater ist die Hauptperson, sondern Hanna. Sie hatte ihre drei Studienkollegen, einen nach dem anderen, geheiratet. Von jedem bekam sie eine Tochter.

Bereits nach wenigen Seiten las ich den Grund, warum Hanna auch ihren letzten Partner (Peter/Bow) und die Kleine verließ. Sie wollte mehr Raum zur eigenen Entfaltung, fühlte sich erdrückt von den vielfachen Verpflichtungen, die von der großen Familie und der Gesellschaft von ihr erwartet wurden. Sie hatte den dringenden Wunsch ein anderes Leben führen. Hier ergibt sich für mich der Bezug zum Titel. EIN ANDERES LEBEN.
Die jüngste Tochter versucht durch Fragen das Leben ihrer Mutter und ihr oft ambivalentes Verhalten zu verstehen. Jede der Schwestern erinnert sich anders. Erinnerungen sind trügerisch stellt die Erzählerin fest, verwischen sich, setzen sich aus vielen Geschichten zusammen. Außerdem führte sie Dialoge mit ihrer Mutter, die sich in ihrer Vorstellung abspielten, nicht in der Realität. Diese zeigten mir, wie hilflos und vielleicht auch unverstanden sie sich als Kind fühlte.

Das Buch wirkt auf mich wie ein liebevoller Nachruf auf eine Mutter, die alles andere als perfekt war. Mit viel Einfühlungsvermögen und mit humoriger Ausdrucksweise reflektiert die Autorin den Werdegang von Hanna und ihr stetes Bemühen es allen recht zu machen.

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La Presencia

Die Unmöglichkeit des Lebens von Matt Haig

Ich war zunächst einmal von der Leseprobe angetan, aus zwei Gründen. Mir gefällt Matt Haigs Schreibstil und seine Protagonistin Grace Winters ist im gleichen Alter wie ich. Deshalb wollte ich die Story im Ganzen lesen.

Das Buch beginnt mit einer E-Mail, welche die Basis, einen elektronischen Briefwechsel zwischen Lehrerin und ehemaligem Schüler für das ganze Buch bildet.

Schon sehr ungewöhnlich. Es entwickelt sich daraus eine unglaubliche Geschichte!

Grace, die 72jährige pensionierte Mathematiklehrerin ist eine einsame Frau, deren Tage nach immer dem gleichen Muster ablaufen. Ihr ging der Lebenssinn verloren nach dem frühen Unfalltod des Sohnes und dem Ableben ihres Mannes, ihres langjährigen Partners. Zudem verlor sie ihre Ersparnisse durch einen Betrüger und befindet sich finanziell in der Klemme. Plötzlich erbt Grace ein altes, ziemlich ramponiertes Haus auf Ibiza. Die verstorbene Bekannte aus ihrem Berufsleben zeigte sich wegen einer guten Tat, die sie längst vergessen hatte, auf diese Weise erkenntlich.
Mit Ibiza bietet sich ihr nun eine neue Perspektive. Es klingt nach ziemlichen Herausforderungen. Sie hat jedoch nichts zu verlieren und macht sich auf den Weg.
Auf der Insel angekommen, fühlt sie sich aber zunächst ebenso einsam wie zu Hause. Der Tapetenwechsel bewirkte keine Änderung ihrer Probleme mit den traurigen Erinnerungen. Doch das sollte sich bald ändern. Sie will unbedingt herausfinden, wer Christina (ihre Bekannte/Kollegin) nach dem Leben trachtete, ob sie wirklich tot ist. Mit dem einheimischen Alberto geht sie auf Tauchgang abends im Dunkeln, um die Wahrheit herauszufinden. Sie begegnet La Presencia und danach wird es für mich chaotisch.

Matt Haig hat für mich in diesem Roman zu dick aufgetragen. Ich konnte zwar ein ganzes Stück mitgehen mit den Ereignissen, die Grace von Beginn an widerfahren. Doch nachdem sie im Meer war, wurde das Paranormale zuviel, die übernatürlichen Fähigkeiten von Grace sind sehr übertrieben. Die Wunder nehmen überhand. Die Realität spielt nur noch eine kleine Rolle. Die Story wirkte auf mich wie ein Märchen für Erwachsene. Wem es gefällt! Mir hat es leider nicht zugesagt.

Der Autor hat eine ganz besondere Art die Dinge des Lebens zu verstehen und darzustellen. Er ist ein intelligenter Mann, der viele kluge, philosophische Gedanken und Alltagsweisheiten in seine Erzählung einfließen ließ.
Den Zauber, den sein Werk "Die Mitternachtsbibliothek" in mir entfachte, konnte er leider mit dieser Erzählung nicht wieder auslösen. Trotzdem werde ich auch sein nächstes Buch lesen!

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La Presencia