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Rezensionen von LEXI:
Du lehrst mich, das Leben wieder zu lieben!
Die tausend Farben von Paris von Catherine Durand
Du lehrst mich, das Leben wieder zu lieben!
„Er nahm sich Zeit, die Farben auf sich wirken zu lassen sie förmlich zu inhalieren, um sie in sich aufzunehmen, sie zu spüren. Paris war für ihn eine Stadt, die stets in ein warmes Rosé getaucht war, bei Tag wie bei Nacht, weil sie ein Gefühl der Wärme verströmte, wie er es noch nirgendwo sonst erfahren hatte.
Auf keiner Palette der Welt wäre es möglich, die Farben so zu mischen, dass man Paris darin einfangen und in den Bildern wiedergeben könnte.“
Nach seinem Dienst in der Armee hat Jack King Amerika den Rücken gekehrt und lebt in der Stadt seiner Träume, wo er sich seiner größten Leidenschaft widmet. Als mittelloser Maler kann er zwar seine Kunst nicht verkaufen, ist aber dennoch stets positiv und voller Hoffnungen. Jack liebt die Farben, die Klänge, die Gerüche dieser Stadt, das Lachen der Menschen und die Musik. Paris ist für ihn ein magischer Ort und er gibt alles dafür, dieses Gefühl auf die Leinwand zu bannen. Als er die lebensfrohe Rose Chevalier kennenlernt, verliebt er sich auf den allerersten Blick in die bezaubernde junge Französin mit dem hinreißenden Lächeln. Die junge Studentin aus begütertem Elternhaus erwidert seine Gefühle, doch das Glück des jungen Paares wird vom Auftauchen eines ehemaligen militärischen Vorgesetzten Jacks überschattet, der eine alte Schuld bei ihm einfordert.
„Die tausend Farben von Paris“ ist ein mehr als vierhundert Seiten umfassender Roman, der im Jahre 1952 angesiedelt ist. An der Seite von Catherine Durands Protagonisten durfte ich die Schönheit dieser Stadt sowie all die liebenswerten Bekannten und Freunde von Jack kennenlernen und in die malerische Welt des Künstlerviertels Montmartre eintauchen. Jack wird als zufriedener Mensch dargestellt, der den Zwängen des Alltags zu entfliehen sucht und von seinem Durchbruch als Maler träumt. Sein unbekümmertes Leben findet ein jähes Ende, als der Frieden zwischen Frankreich und Amerika durch ein brisantes Dokument gefährdet ist und ausgerechnet er dazu rekrutiert wird, die Arbeit des Geheimdiensts zu unterstützen.
Mit dem berühmten Chanson-Sänger Frank Levant bringt Catherine Durand eine weitere, äußerst facettenreiche Hauptfigur in die Handlung ein. Der charismatische Showstar des Varietés Lido führt ein Leben auf der Überholspur, er ist überaus beliebt, vermögend und ganz Paris liegt ihm zu Füßen. Frank betrachtet sich selbst aber als Blender, er ist von Selbstzweifeln zerfressen und trotz seiner Berühmtheit ein einsamer Mensch. Einzig im Maler Jack hat der Entertainer einen treuen Freund gefunden, vor dem er seine Ängste und Gefühle nicht verstecken muss. Die Begegnung mit der Blumenhändlerin Amelie Girard stellt Franks Weltbild völlig auf den Kopf, denn die unabhängige Frau lässt sich weder von seinem Vermögen, noch von seinem Ruhm beeindrucken. Doch als Franks Vergangenheit ihn einzuholen droht, muss er nicht nur um sein neues Glück, sondern vielmehr um seine ganze mühsam aufgebaute neue Existenz fürchten.
Den Protagonisten werden interessante Nebenfiguren zur Seite gestellt. Neben bösen, im Hintergrund agierenden Antagonisten bringt die Autorin auch zahlreiche sympathische und liebenswerte Charaktere ins Spiel. Roses Eltern Francine und Arthur Chevalier sind mir im Verlauf der Handlung ebenso ans Herz gewachsen wie Hedwig Schönau, eine alte Dame, die Rose sehr zugetan ist und auf dem Anwesen ihrer verstorbenen Großmutter lebt. Catherine Durands liebevolle Charakterzeichnung beschränkt sich jedoch nicht auf die Hauptfiguren. Ich konnte die beleibte Wirtin Madama Lilou mit ihrer liebenswerten Art und dem herzlichen Lächeln bildhaft vor mir sehen, die den erfolglosen jungen Maler unter ihre Fittiche nahm und kulinarisch verwöhnte. Meine unangefochtene Lieblingsfigur war und ist jedoch Amelie Girard, die mich mit ihrer direkten, offenen und warmherzigen Art voll und ganz in ihren Bann gezogen hat. Amelie ist dankbar für jeden einzelnen Tag, der ihr geschenkt wird und versteht es, ihr Leben zu genießen. Sie findet Freude an kleinen Dingen und zahlreiche beeindruckende Zitate spiegeln ihre klugen Einsichten wider. Amelie liebt die Arbeit mit den fragilen Schönheiten in ihrem Blumenladen, den Menschen mit ihren kreativen Arrangements Freude zu bereiten, macht sie glücklich. In einem Gespräch, das mich besonders beeindruckt hat, sagt sie über ihre wunderbar leichte Art, durchs Leben zu gehen: „Ich glaube, dass das Leben zu kurz ist, um sich mit Menschen zu umgeben, die der Seele nicht guttun. Deshalb spreche ich aus, was ich denke. Die, die damit umgehen können, werden oft gute Freunde. Die anderen verschwinden nach einer kurzen Begegnung aus meinem Leben und können ihr Glück finden, wo meines nicht liegt.“ Welch faszinierende Ansichten einer derart jungen Frau!
Ich möchte abschließend noch auf die anziehende optische Aufmachung dieser broschierten Ausgabe hinweisen, die durch ein gefälliges Cover und eine harmonische Farbgestaltung besticht. In der Abbildung auf dem Umschlag spiegelt sich die malerische Beschreibung der französischen Hauptstadt wider – die zarten Pastellfarben und das verliebte, dem Betrachter abgewandte Paar versinnbildlichen die romantischen Handlungen im Buch. Auf der Innenseite der Klappbroschur findet man eindrucksvolle Zitate dieses Romans, die etwas größere Schrift und die lesefreundlichen Zeilenabstände haben für mich persönlich einen sehr hohen Stellenwert. Die einzelnen Kapitel werden stets von einem aussagekräftigen Zitat einer der Hauptfiguren eingeleitet, auf den jeweiligen Schauplatz der Handlung wird in der Kapitelüberschrift Bezug genommen. Ein elf Seiten umfassendes Nachwort entpuppt sich letztendlich als informative Zusammenfassung historischer Fakten, die Autorin erzählt darüber hinaus ein wenig über die vier Hauptcharaktere Jack, Frank, Rose und Amelie.
FAZIT: „Die tausend Farben von Paris“ hat mich ausgezeichnet unterhalten, der einnehmende Schreibstil der Autorin, die gelungene Charakterzeichnung ihrer Figuren und der auf die Geheimdienstaktivitäten basierende Spannungsbogen machten dieses Buch zu einer Lektüre, die ich nicht mehr aus der Hand legen mochte. Besonders gelungen fand ich die zahlreichen Zitate von Rose und Amelie – die beiden sind mir im Verlauf der Handlung nicht nur durch ihre liebenswerte Art, sondern vielmehr auch durch ihre Einstellung und Weltanschauung ans Herz gewachsen. Montmartre, das Herzstück von Paris, sowie die kleinen Cafés und Läden übten eine ganz besondere Faszination auf mich aus. Dank der bildhaften Beschreibung der Autorin werden mich die Gerüche, die Impressionen und der Zauber von Paris noch eine ganze Weile nach dem Zuschlagen der letzten Buchseite begleiten.
Ich vergebe fünf Bewertungssterne für diese Geschichte, die mir ausnehmend gut gefallen hat!
Besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen
Der Schutz der Freundschaft von Ellin Carsta
Besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen
In einer Zeit, in der jede kritische Äußerung gegen den Krieg verheerende Folgen hat, fällt es auch dem Patriarchen Paul-Friedrich von Falkenbach zunehmend schwerer, seine selbstbewusste und souveräne Haltung zu bewahren. Dass er nicht dazu in der Lage war, die Einberufung seines Sohnes Gustav zu verhindern, gab ihm das Gefühl, den Herausforderungen nicht länger gewachsen zu sein.
Seine Familie zu beschützen war stets sein wichtigstes Anliegen, doch inzwischen erwägt er sogar bereits, Deutschland zu verlassen.
Der elfte Band dieser imposanten Familiensaga um die Familien Falkenbach und Lehmann schildert die Ereignisse des Jahres 1941. Die Bevölkerung leidet zunehmend unter dem Regime Hitlers. Ein Ende dieses Kriegs ist nicht in Sicht, die Angst ist allgegenwärtig und das Denunziantentum hängt wie ein Damoklesschwert über den Köpfen der Menschen.
In der vorliegenden Neuerscheinung „Der Schutz der Freundschaft“ befinden sich Leopold Lehmann und Gustav von Falkenbach an der Front. Wilhelmine hat München den Rücken gekehrt und lebt wieder auf Gut Falkenbach. Ferdinand und Johannes produzieren nach wie vor Waffen für den Führer. Doch nicht nur in Deutschland, auch innerhalb des engsten Familienkreises verschärft sich die Lage zunehmend. Dorotheas Gemütszustand ist ebenso ein Thema wie die fragile Beziehung zwischen Ferdinand und Elisabeth – eine Ehekrise, die im Verlauf der Handlung zu eskalieren droht. Die Autorin spielt gekonnt mit den Emotionen ihrer Leser. Ich konnte die Verzweiflung Ferdinands angesichts dieser festgefahrenen Situation förmlich spüren, zugleich aber auch die Resignation und Wut von Elisabeth nachempfinden.
Das unvermutete Auftauchen eines neuen Arbeitslager-Kommandanten namens Viktor Sander weckt Paul-Friedrichs Argwohn. Der junge Mann agiert zwar besonnen und legt ein sympathisches und aufgeschlossenes Wesen an den Tag, doch niemand weiß, ob man ihm tatsächlich trauen kann. Zu guter Letzt schmiedet ein hochgradig gefährlicher Mann teuflische Pläne gegen Paul-Friedrich und seine Familie. Das ehrgeizige SA-Mitglied Alfred Breuer zeigt nach wie vor übermäßiges Interesse an den Bewohnern von Gut Falkenbach und fungiert als böser Antagonist und latente Bedrohung im Hintergrund.
Die Autorin befasst sich in diesem Band erneut mit den unterschiedlichen Charakteren der beiden Familien, sie beschreibt die Dynamiken innerhalb dieser und versteht es gekonnt, dem Leser die Motivation ihrer Figuren vor Augen zu führen. Die Bedrohung durch die Schergen der Nationalsozialisten und zwischenmenschliche Konflikte sorgen darüber hinaus für spannende Momente. Als begeisterter Fan dieser Buchreihe verfolge ich die Ereignisse auf Gut Falkenbach bereits von Beginn an und freue mich bei jeder Neuerscheinung, die Gedanken und Gefühle der einzelnen Figuren mitzuerleben, über ihre Ängste und Träume zu lesen und letztendlich im Verlauf der einzelnen Bände auch ihre persönlichen Entwicklungen mitzuerleben.
Abschließend möchte ich auf das einnehmende Buchcover eingehen, das durch eine wunderschöne Optik, eine malerische Abbildung eines der edlen Pferde des Gestüts von Gut Falkenbach sowie eine äußerst harmonische farbliche Gestaltung punktet. Ellin Carsta hat ein Händchen für ansprechende Buchcover – Layout, Typographie, Bilder, Farbe und Format sind stets im Einklang, schaffen eine emotionale und themenbezogene Atmosphäre und ergeben ein harmonisches Miteinander. Als uneingeschränkte Verfechterin von Printexemplaren liebe ich nicht nur die Optik, sondern in hohem Maße auch die Haptik eines Buchs, den Geruch frischer Druckerschwärze eingeschlossen. Ein besonderes Highlight und für mich persönlich sehr wichtig sind ein einheitliches Erscheinungsbild sowie ein einheitlicher Stil bei der Gestaltung des Covers, wenn es sich um eine Buchreihe handelt. Die Abbildung des vor einem hölzernen Zaun stehenden Pferdes vor einem der Nebengebäude von Gut Falkenbach, umrahmt von einer Steinmauer und grünen Büschen und Bäumen, nimmt etwas mehr als ein Drittel des Platzes ein, stellt aber nichtsdestotrotz einen absoluten Blickfang dar. Ich bin bei jedem Band von neuem fasziniert von der Detailverliebtheit der Abbildungen der einzelnen Cover und verliere mich beim Betrachten nur allzu gerne in Kleinigkeiten. Der zentrierte dominante Buchtitel ist stets aussagekräftig und bezieht sich dabei auf den Inhalt, er ist auch farblich perfekt abgestimmt und lädt förmlich dazu ein, das Buch zur Hand zu nehmen.
Fazit: Wie gewohnt bescherte mir auch der elfte Teil dieser Buchreihe spannende und unterhaltsame Lesestunden. Ich habe mich gefreut, den mittlerweile vertrauten, sehr gut ausgearbeiteten Charakteren wieder zu begegnen und deren Geschicke mitzuverfolgen. Dem explosiven und Unheil verheißenden Cliffhanger auf den letzten Seiten folgt ein aufwühlender Epilog, der für eine hohe Erwartungshaltung an den zwölften Band dieser Reihe verantwortlich zeichnet.
Ich kann es kaum erwarten zu erfahren, wie Paul-Friedrich von Falkenbach es anstellen wird, seine Familie angesichts der im Cliffhanger angekündigten bedrohlichen Entwicklung zu beschützen und allen Widrigkeiten zum Trotz die Oberhand zu behalten.
Von mir gibt es für „Der Schutz der Freundschaft“ auch diesmal wieder fünf Bewertungssterne - ich freue mich bereits auf Band zwölf dieser Reihe!
Eine Zerreißprobe des Herzens
Blumen im Schuh von Annette Spratte
Eine Zerreißprobe des Herzens
Ein ständiges Schwanken zwischen Verzweiflung und Erleichterung: Trauer und Hoffnung, niederschmetternde Angst und neu gewonnene Freiheit. Ein Neubeginn mit achtundvierzig ist hart, aber nicht unmöglich. Und wie oft hat man im Leben schon die Chance, alles auf null zu setzen?
Als Elisabeth Göpfert herausfindet, dass ihr Ehemann sie seit längerer Zeit betrügt, zerbricht ihre mühsam aufrechterhaltene Fassade in tausend Stücke.
Aus Angst vor Wolfgangs Jähzorn sucht sie Zuflucht bei ihrer Schwägerin Anja, wo sie mit offenen Armen empfangen wird, sich anfangs aber etwas fehl am Platz fühlt. Denn Anja ist eine unkonventionelle und schrille Persönlichkeit, ein chaotischer Wirbelwind, aber mit einem Herzen aus Gold. Sie akzeptiert jeden Menschen in ihrem Umfeld bedingungslos und steht für sie ein. Anja und ihre liebenswerten Freunde nehmen Elisabeth unter ihre Fittiche und unterstützen sie bei ihrem Kampf um ein neues, selbstbestimmtes Leben.
Ich war bislang von jedem Buch aus der Feder Annette Sprattes begeistert. Ich schätze die hervorragende Charakterzeichnung ihrer Figuren, die stets sehr gut recherchierten historischen Hintergründe, die interessanten Plots und vor allem den einnehmenden Schreibstil der Autorin. Bei „Blumen im Schuh“ handelt es sich diesmal jedoch nicht um einen historischen Roman, ich wurde vielmehr von einer äußerst tiefgründigen Geschichte mit einem sehr emotionalen Thema überrascht. Es war erschütternd zu lesen, wie Wolfgang Göpfert systematisch das Selbstbewusstsein und schließlich sogar die Persönlichkeit seiner Ehefrau vernichtet hat. Zurück blieb eine willenlose Marionette, die dem narzisstischen Zorn dieses selbstherrlichen Despoten ausgeliefert war. Wolfgangs verbale Demütigungen und sein Kontrollwahn bereiteten mir während der Lektüre spürbares Unbehagen.
Es war interessant zu beobachten, wie das Umfeld der Göpferts auf Elisabeths Flucht reagierte. Es stellte sich wie so oft heraus, dass es tatsächlich die Krisen im Leben sind, in denen man wahre Freunde erkennt. Auch für die Protagonistin dieses Buchs zeigt sich wahre Freundschaft erst im Leid. Elisabeth erkennt nach ihrem Auszug, auf wen sie sich in schweren Zeiten verlassen kann, wer unerschütterlich zu ihr steht, und wer sich in der Not abwendet. Nachdem die Autorin mir den narzisstischen Charakter des Protagonisten Wolfgang Göpfert eindringlich vor Augen geführt hatte, fand ich es umso schöner mitzuerleben, wie Elisabeth dank der Unterstützung von Anja und ihrer treuen Freunde aufblüht, immer selbstsicherer wird und allmählich ihre Selbstachtung wiedererlangt.
Das Herzstück dieser Geschichte waren die vortrefflich ausgearbeiteten handelnden Figuren, die mich in ihren Bann zogen, mich zutiefst berührten oder abstießen, zum Nachdenken, Lachen und Weinen brachten. Ich habe bislang selten derart komplexe, interessante und vor allen Dingen in hohem Maße authentische Charakterzeichnungen erlebt. Die vielschichtigen Figuren sind nicht makellos, sie weisen durchwegs auch Fehler und Schwächen auf. Vor allem in Bezug auf ihre drei Protagonisten gewährt die Autorin Einblicke in prägende Ereignisse in deren Vergangenheit, in ihre Träume und Ziele, was sie motiviert, welche Rückschläge sie zu bewältigen hatten und wie sie es allen Umständen zum Trotz schafften, weiterzumachen. Besonders anschaulich dargestellt fand ich das Konfliktverhalten der einzelnen Darsteller, das bereits viel über ihren Charakter aussagte. Zu guter Letzt hat es mir große Freude bereitet, die persönliche Entwicklung einiger Figuren – allen voran natürlich Elisabeth - mitzuverfolgen.
Das an sich heikle Thema dieses Romans und die furchtbaren Auswirkungen des emotionalen Missbrauchs in einer Ehe mit einem Narzissten wurde durch unzählige humorvolle Passagen mit meiner ganz persönlichen Lieblingsfigur Anja aufgelockert. Ich habe ihre quirlige Art, die übersprudelnde Lebensfreude sowie ihre Bemühungen, Elisabeth in ein selbstbestimmtes Leben zurückzuholen, über alle Maßen geliebt und regelrecht in mich aufgesogen. Anjas selbstloses Verhalten und das herzliche Verständnis für ihre völlig aus der Bahn geworfene Schwägerin haben mich sehr berührt. Das Spektrum an Emotionen in dieser Lektüre ist überwältigend. Als Leser geht man innerhalb eines Wimpernschlags vom Weinen zum Lachen über, wofür unter anderem Anjas schrille, unangepasste Art, kombiniert mit ihrer berufsbedingten psychologischen Ausbildung und ihrem unnachahmlichen Humor verantwortlich zeichnet.
Ein weiterer Aspekt, der mich vollständig für sich eingenommen hat, ist die Einbindung des christlichen Glaubens sowie die Beschreibung der inneren Kämpfe und Konflikte der Protagonistin. Elisabeth war stets bemüht, eine gute christliche Ehefrau zu sein, sie nahm ihr Eheversprechen trotz ihres unbeschreiblichen Martyriums ernst. Ihrem christlichen Glauben sowie den gesellschaftlichen Konventionen entsprechend zog sie eine Trennung von ihrem Mann niemals in Erwägung. Doch in einer Ehe mit einem Narzissten gelangt man irgendwann zwangsläufig an einen Punkt, an dem man sich zwischen zwei Optionen entscheiden muss: entweder man entzieht sich seinem Einflussbereich, oder man zerbricht an dieser unheilvollen und menschenunwürdigen Beziehung. Dies wurde in diesem Buch beeindruckend veranschaulicht. Die Autorin beleuchtet zudem auch das Verhalten der Mitglieder von Elisabeths Kirchengemeinde, welches alles andere als christlich ist.
Abschließend möchte ich noch das wunderschöne Coverfoto hervorheben, das mir den alten Bauernhof, der für die Protagonistin Zuflucht und Heimat wird, bildhaft vor Augen führte. Ich habe mich auf den allerersten Blick in dieses malerische, mit Efeu bewachsene, von Blumen und Naturwiesen umgebene Gebäude verliebt, welches so wundervoll zum Zitat auf Seite 145 passt: „Zuhause ist der Ort, an dem du willkommen und geborgen bist.“ Wie wundervoll es doch wäre, für eine gewisse Zeit bei Anja einzuziehen und ebenso wie Elisabeth „einfach nur sein zu dürfen“!
FAZIT: „Blumen im Schuh“ war ein atemberaubendes Lese-Highlight, das mich vollkommen überwältigte. Es war mir schlichtweg unmöglich, diese Lektüre aus der Hand zu legen, es war im wahrsten Sinne eine emotionale Achterbahn der Gefühle. Annette Spratte katapultierte sich mit diesem Roman ganz an die Spitze meiner favorisierten deutschen Autorinnen und ich hoffe voller Vorfreude und Spannung auf weitere Werke wie dieses.
Ich vergebe begeisterte und uneingeschränkte fünf Bewertungssterne für dieses fantastische Buch, das mir ein außergewöhnliches und unglaublich gefühlvolles Leseerlebnis bescherte!
Ein Hoffnungsschimmer in schlimmen Zeiten
Der Plan der Gefährten von Ellin Carsta
Ein Hoffnungsschimmer in schlimmen Zeiten
„Hab Vertrauen und halte durch. Auch diese Zeit wird vorübergehen. Alles geht eines Tages vorbei, das Gute wie das Schlechte. Lass nicht zu, dass Letzteres dein Leben bestimmt, weil du an das Gute nicht mehr glaubst.“
Seine strategische Überlegenheit hatte stets einen hohen Stellenwert im Leben von Paul-Friedrich von Falkenbach und erforderte kluges, durchdachtes Taktieren.
Die Kontrolle zu behalten gleicht jedoch unter der Fuchtel des Nationalsozialistischen Regimes einem gefährlichen Balanceakt, Paul-Friedrich scheinen die Zügel immer mehr aus der Hand zu gleiten. Durch einen Streit mit dem skrupellosen Nationalsozialisten Christian Weber hat er sich noch dazu einen mächtigen Mann zum Feind gemacht und steht scheinbar auch nicht mehr unter der Gunst des Führers. Darüber hinaus hat „Hitlers Bluthund“ Alfred Breuer es sich zum erklärten Ziel gemacht, gegen Paul-Friedrich vorzugehen. Zwischen Paul-Friedrich und Wilhelm gibt es Differenzen bei ihren geheimen Aktivitäten gegen das Regime und es kommt zu einem ernsthaften Zerwürfnis. Die Schlinge um Paul-Friedrichs Hals scheint sich immer enger zuzuziehen, doch aufzugeben ist für den findigen Strategen keine Option. Wieder einmal ist ruhiges und überlegtes Handeln gefragt, um die Familien zu beschützen.
„Der Plan der Gefährten“ ist im Dezember des Jahres 1941 angesiedelt und inhaltlich aufgrund der eingebundenen historischen Fakten gleichermaßen düster wie spannend. Nach der forcierten Auswanderung der jüdischen Bevölkerung aus Deutschland als vorrangiges Ziel nationalsozialistischer Politik wird im vorliegenden Band der Beschluss der NS-Führung thematisiert, sämtliche im deutschen Machtbereich lebenden Juden zu ermorden. Ein unsagbar grauenhafter Völkermord wird von der Autorin wieder ins Gedächtnis gerufen und stellt besonders in der heutigen Zeit ein wichtiges Mahnmal gegen das Vergessen dar. Und obgleich es sich bei den Protagonisten dieses Romans um fiktive Figuren handelt, sorgen das gefährliche Denunziantentum und die Angst der Familien von Falkenbach und Lehmann vor der wegen ihrer Brutalität gefürchteten Gestapo ebenfalls für eine gewisse Spannung im Buch.
Innerhalb der Familien gab es sowohl unschöne Szenen, als auch positive Entwicklungen. Während die Ehe von Ferdinand und Elisabeth unter keinem guten Stern steht, haben berührende Interaktionen zwischen Paul-Friedrich und Clara die familiäre Bindung verstärkt. Bei Dorotheas Beziehung zu ihrem Mann sowie ihrem Status innerhalb der Familie gibt es ebenfalls eine gravierende Verbesserung zu verzeichnen. Wilhelmine arbeitet immer noch als Reitlehrerin und scheint gereifter und besonnener, während Leopold und Irma trotz ihrer Abwesenheit jeweils einen kleinen Gastauftritt im Buch haben. Und obgleich Gustav mit seiner Clara und den gemeinsamen Töchtern sehr glücklich sein könnte, zerbricht er beinahe an den furchtbaren Dingen, die er Tag für Tag in der Klinik in Eglfing-Haar erlebt. Elisabeth hingegen avancierte durch ihr Verhalten der Familie gegenüber, aber auch aufgrund ihrer offenkundigen Sympathie für die NSDAP und die grenzenlose Bewunderung für den Führer zur Antagonistin.
Das Buch punktet wie gewohnt mit einem äußerst gefälligen Cover, welches Gut Falkenbach in der bevorstehenden Weihnachtszeit zeigt. Zum besseren Verständnis möchte ich jedem interessierten Leser ans Herz legen, die Reihenfolge bei der Lektüre der einzelnen Bände einzuhalten.
Fazit: „Der Plan der Gefährten“ bescherte mir interessante und spannende Lesestunden. Ellin Carsta ist für mich ein Garant für sehr gut ausgearbeitete Charaktere und einen abwechslungsreichen und spannenden Plot, als Fan dieser Reihe musste ich auch diesmal auf einen Cliffhanger am Ende des Buches nicht verzichten. Die Falkenbach-Reihe übt eine ungebrochene Faszination auf mich aus und ich sehe dem Erscheinungsdatum des elften Bands erwartungsvoll entgegen. Begeisterte fünf Sterne und eine uneingeschränkte Leseempfehlung!
Arvil, kleiner Falke, wir zählen auf dich!
Arvil, der kleine Falke - Das große Rennen von Thomas Forat
Arvil, kleiner Falke, wir zählen auf dich!
„Aron, dein Sohn wird Rennflieger und es gibt nichts, was du dagegen tun kannst.“
Der kleine Falke Arvil ist ein waghalsiges Energiebündel und ein hervorragender Flieger. Er träumt davon, sein Können beim Waldflugrennen zu beweisen und hat dabei auch einen großen und mächtigen Helfer.
Doch sein Vater Aron ist damit überhaupt nicht einverstanden und verbietet ihm die Teilnahme. Und so müssen das ungleiche Brüderpaar Arvil und Serge gemeinsam mit ihren Freunden einen Plan schmieden, damit Arvil doch noch seinen Traum verwirklichen kann.
Thomas Forat präsentiert mit dem ersten Band seiner Trilogie um die Abenteuer des kleinen Falken Arvil die Geschichte eines Mischlingskükens, das sich neugierig und wagemutig in sein erstes großes Abenteuer stürzt. Eine Papageienmama namens Isolde, ein Wanderfalkenvater namens Aron, deren Küken Arvil sowie eine adoptierte selbstbewusste kleine Spitzmaus namens Serge sind die Hauptfiguren dieses Romans. Der Autor beschreibt das Umfeld der kleinen Felsenhöhle, in welchem die Familie lebt und schildert das Aufwachsen des kleinen Papageien-Falken. Liebenswerte, aber zum Teil auch bedrohliche Nebenfiguren betreten den Schauplatz der Handlung. Der große und mächtige Weißkopfseeadler Adwanagor, das zierliche Eichhörnchen-Weibchen Malou und die Möwe Jules nehmen ebenso einen Part in dieser Geschichte ein wie der furchteinflößende Rabe Salaniel mit seinen finsteren Freunden.
Im Zentrum des Geschehens steht das gefährliche Waldflugrennen, das vor allem im letzten Drittel des Buches für Aufregung und spannende Szenen verantwortlich zeichnet. Liebevoll ausgearbeitete Charaktere, humorvolle Passagen und die Ermutigung des Autors, niemals seine Träume aufzugeben, zeichnen dieses entzückende Jugendbuch aus. Die ausdrucksstarken und farbenprächtigen Illustrationen von Thomas Forat sind ein wahrer Blickfang, auf den beiden ersten und letzten Innenseiten werden dem Leser zudem die wichtigsten Figuren der Handlung vorgestellt.
Der Autor erzählt die Geschichte des kleinen Falken Arvil in locker-leichtem Schreibstil und kindgerechter Sprache. Die Handlung weist ab dem Start des Flugrennens einen erhöhten Spannungsfaktor auf, humorvolle Passagen mit der pupsenden Stimmungskanone Serge bringen den Leser zum Schmunzeln.
Die optische Aufmachung dieser aktuellen Neuerscheinung stellt durch die farbenfrohen und perfekt zum Inhalt passenden Illustrationen des Autors einen richtigen Blickfang dar. Das Buch besteht aus 22 kurzen Kapiteln, als nützliches und willkommenes Extra gibt es zudem ein Lesebändchen in grüner Farbe. Die angenehme Schriftgröße und entsprechende Zeilenabstände erleichtern den Lesefluss.
Fazit: Der Auftakt zur Arvil-Trilogie ist Thomas Forat mit diesem mitreißenden Abenteuer sehr gut gelungen. Er bietet seiner jugendlichen Zielgruppe ein unterhaltsames Lesevergnügen und beendet diesen ersten Band mit einem spannungsgeladenen Flugrennen und den Worten „Wir sehen uns zur Europameisterschaft in Paris!“
Man muss nicht auf der Suche sein, um zu finden
Nanny über Nacht - Lakeland Love von Alexandra Zöbeli
Man muss nicht auf der Suche sein, um zu finden
Als die Flugrettungssanitäterin Harriet Watts bei einem Verkehrsunfall erste Hilfe leistet, bittet der schwerverletzte Fahrer sie inständig, sich um seine behinderte Tochter Poppy zu kümmern. Entgegen all ihrer Prinzipien stimmt Harriet zu und macht sich auf den Weg, um das Mädchen vom Schulbus abzuholen.
Nach anfänglichem Widerstreben betreut sie schließlich nicht nur das Kind, sondern erledigt auch den Haushalt und übernimmt die Versorgung der Tiere. Nach und nach erhält sie immer tiefere Einblicke in das Vater-Tochter-Gefüge, kann jedoch die soziale Isolation, in der die beiden leben, nicht nachvollziehen. Mit ihrer übersprudelnden Lebensfreude bahnt Poppy sich zielstrebig ihren Weg in Harriets Herz und genießt das Zusammensein mit Harriet und ihrer Familie. Schon bald knistert es auch zwischen Tom und Harriet, doch die Geheimniskrämerei um Toms Vergangenheit steht einer Beziehung im Wege.
Bei Alexandra Zöbelis aktueller Neuerscheinung handelt es sich um einen gefühlvollen Wohlfühlroman, in dem man schwelgen und versinken kann. Auf den Leser wartet eine harmonische Vater-Tochter-Beziehung mit einem liebevollen Alleinerzieher, dessen Lebensinhalt es ist, einfühlsam und fürsorglich für seine zwölfjährige Tochter da zu sein. Er möchte das Kind mit Trisomie 21 vor allen Widrigkeiten des Alltags beschützen und ist zugleich der Ansicht, dass seine Poppy das Beste ist, was ihm in seinem ganzen Leben passiert ist. Die Darstellung dieser naseweisen kleine Persönlichkeit mit Down Syndrom und dem sonnigen Gemüt hat mir ausnehmend gut gefallen. Die Autorin geht zwar auf die besonderen Bedürfnisse und die Andersartigkeit Poppys ein, der Fokus liegt jedoch nicht auf ihrer Behinderung, sondern vielmehr auf ihrer liebenswerten Art, mit der dieser strahlende kleine Sonnenschein die Herzen aller im Sturm erobert.
Poppy war von Beginn an meine Lieblingsfigur und die eigentliche Protagonistin dieses Romans, sie steht im Mittelpunkt des Geschehens. Poppy ist sehr wohl bewusst, dass sie anders ist, möchte aber dennoch wie ein ganz normales Mädchen ihres Alters behandelt werden. Sie wehrt sich dagegen, von ihrem Vater in Watte gepackt zu werden.
Tom und Harriet wurden ebenfalls hervorragend charakterisiert und ich konnte mich sehr gut in sie hineinversetzen. Harriets Mutter Sarah, ihr Lebensgefährte Colin sowie Harriets Brüder Gregg und Giles waren als handlungsrelevante Nebenfiguren allesamt liebenswerte Sympathieträger. Darüber hinaus nimmt eine riesige Deutsche Dogge namens Maisie einen gewichtigen Part in der Handlung ein. Maisie ist trotz ihres überwältigenden Erscheinungsbilds eine Seele von Hund, ein regelrechter Clown auf vier Pfoten. Sie mutiert jedoch zur Furie, wenn es darum geht, Tom und Poppy zu beschützen. In weiteren tierischen Nebenrollen sorgen Sarahs wichtigtuerischer Dackel Boris und zwei exzentrische Hühner namens McCafé und Espresso für humorvolle Szenen.
Die Autorin besitzt einen sehr einehmenden, locker-leichten Schreibstil und erzählt ihre Geschichte in salopper Sprache. Die herrliche Situationskomik und amüsante Dialoge brachten mich wiederholt zum Schmunzeln. Einzig die Flüche und Kraftausdrücke im Buch haben mein Lesevergnügen etwas geschmälert. Was mich jedoch am meisten faszinierte waren die Thematik und die Charakterzeichnung der handelnden Figuren. Die inneren Konflikte und die persönliche Entwicklung von Tom und Harriet empfand ich überzeugend dargestellt. Die Autorin beleuchtet das Problem mit Carol aus verschiedenen Perspektiven und ist dabei auf jede der beteiligten Personen dieses Konflikts eingegangen. Ich konnte Toms Sichtweise und zu guter Letzt sogar auch jene von Carol zumindest nachempfinden, auch wenn ich diese nicht befürwortete. Harriets und Poppys Einstellung dazu fand jedoch meine uneingeschränkte Zustimmung.
Abschließend möchte ich die eindrucksvolle optische Aufmachung dieser Neuerscheinung mit der Abbildung eines prachtvollen Cottage inmitten eines malerischen Gartens hervorheben. Das Cover stellt dank dieser bezaubernden Optik und der harmonischen farblichen Gestaltung einen außergewöhnlichen Blickfang dar und ich hätte es in einer Buchhandlung schon allein deswegen unweigerlich zur Hand genommen.
FAZIT: Mit „Nanny über Nacht“, dem Auftakt der Lakeland-Love-Reihe, hat Alexandra Zöbeli sich pfeilgerade in mein Herz geschrieben. Ich habe die Lektüre dieses bezaubernden Romans mit Happy End-Garantie sehr genossen und freue mich bereits auf den zweiten und dritten Band, die sich auf Harriets Brüder Gregg und Giles konzentrieren. Für mich persönlich war dieses Buch zweifellos ein Lese-Highlight und ich vergebe daher trotz des winzigen Kritikpunkts hinsichtlich der sprachlichen Umsetzung (der verwendeten Kraftausdrücke) fünf Bewertungssterne.
„Ich bin Poppy und ich liebe mein Leben!“ Ich hoffe von Herzen, diesem kleinen bezaubernden Sonnenschein in den Nachfolgebänden wiederzubegegnen!
Ein Gefühl zwischen Euphorie und Jagdtrieb
Im Kopf des Bösen - Ken und Barbie von Axel Petermann; Petra Mattfeldt
Ein Gefühl zwischen Euphorie und Jagdtrieb
Nach einem spannenden Auftakt mit dem „Sandmann-Fall“ setzt das Autorenduo Axel Petermann und Petra Mattfeldt seine Buchreihe um wahre Verbrechen mit dem zweiten Band der „Im Kopf des Bösen-Reihe“ fort. „Ken und Barbie“ gewährt detaillierte Einblicke in die Geschichte einer schockierenden Mordserie, in der junge Frauen entführt, misshandelt, vergewaltigt und getötet wurden.
Das Hauptaugenmerk ist auf die autistische Fallanalytikerin Sophie Kaiser gerichtet, die gemeinsam mit Leonhard Michels im ersten Band den sogenannten „Sandmann“ zur Strecke brachte. Die Kriminalbeamtin lässt sich nicht von ihren Gefühlen leiten und betrachtet die Dinge auf eine besondere Art und Weise. Ihre analytische Art, ein eidetisches Gedächtnis und die Fähigkeit, tief in die Psyche eines Täters einzutauchen, um seine Motive und Handlungen nachzuvollziehen, machen sie zu einer außergewöhnlichen Profilerin. Mit Kriminalhauptkommissar Leonhard Michels steht Sophie ein hervorragender Ermittler zur Seite, der sich nicht an den Eigenheiten seiner autistischen Kollegin stört. Er ist zudem der einzige Mensch, der auch Sophies verletzliche Seite kennt und gerne mit ihr zusammenarbeitet. Durch ihre gegenseitige Wertschätzung und das Vertrauen in die Fähigkeiten des anderen stellen Sophie und Leonhard ein außergewöhnliches Team dar, deren Ziel es ist, Serientäter zu überführen.
„Jedes Opfer hat es verdient, dass ihm Gerechtigkeit widerfährt. Und meine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen.“ (Sophie Kaiser)
„Sophie mag manch einem eigenartig erscheinen. Für mich jedoch ist sie der logischste Mensch, der mir je begegnet ist. „(Leonhard Michels)
Die Charakterzeichnung der beiden Protagonisten weist eine hohe Authentizität auf und hat mir ausgezeichnet gefallen – ich konnte die Gedanken, aber auch die Emotionen der beiden Figuren hautnah miterleben. Sophies Demonstration ihrer Methoden der Fallanalytik haben mich tief beeindruckt. Es war höchst interessant, die Ermittlungsarbeit der Kriminalbeamten – insbesondere der beiden Protagonisten – mitzuverfolgen, wobei die Aspekte des Autismus und die Arbeit einer Profilerin mich persönlich am meisten faszinierten. Mit den Ermittlerkollegen der Kripo sowie den Familien und Freunden der Opfer werden zahlreiche Nebenfiguren eingebracht. Die Identität des Täters bleibt lange im Dunkeln, seine Aktivitäten und Gedanken werden im Buch kursiv dargestellt.
Axel Petermann und Petra Mattfeldt beschränkten sich in ihren Ausführungen jedoch nicht allein auf die Ermittlungstätigkeiten, sie beleuchteten vielmehr auch die Hintergründe – die Auswirkungen der Morde auf das Umfeld der Opfer, Selbstvorwürfe und Anklagen, Verzweiflung und Trauer sowie Beziehungen, die an diesen traumatischen Erlebnissen zerbrochen sind.
Der einnehmende und fesselnde Schreibstil und der hohe Spannungsbogen haben mich bereits im ersten Band voll und ganz für sich eingenommen. Und obgleich man als Leser dank kursiver Passagen Einblicke in das Denken und Handeln sowie die Motive und Vergangenheit des Täters erhält, bleibt dessen Identität lange Zeit im Dunkeln. Das Buch weist bereits aufgrund der Thematik ein durchgehend hohes Spannungsniveau auf, das durch die kursiven, auf den Täter bezogenen Passagen, deutlich erhöht wird. Tragisch, da dieses Buch auf einem realen Fall basiert, auf dem im Anhang ausführlich Bezug genommen / eingegangen wird.
Das aufwändig gestaltete Buchcover zeigt ein düsteres, auf den Inhalt bezogenes Szenario. Auf der ersten Innenseite dieser Hochglanzbroschur findet man eine Kurzvorstellung inklusive Foto beider Autoren. Fettgedruckte Angaben von Zeit und Schauplatz der Handlung sowie ein kurzes, auf den Inhalt bezogenes Zitat vor jedem einzelnen Kapitel tragen zur Orientierung und Übersichtlichkeit bei. Wie bereits erwähnt heben sich die Passagen über die Aktivitäten des Täters durch ein kursives Schriftbild vom restlichen Inhalt ab.
FAZIT: Die fesselnde, auf einem wahren Kriminalfall beruhende Neuerscheinung „Im Kopf des Bösen – Ken und Barbie“ hat aus meiner Sicht den Reihenauftakt „Der Sandmann“ bei weitem übertroffen. Als passionierter Krimi-Fan mit einer Vorliebe für das Profiling und einem mindestens ebenso großen Interesse für die verschiedenen Ausprägungen des Autismus lag mein persönlicher Fokus auf der Ermittlungsarbeit und den faszinierenden Einblicken in die Welt der Fallanalytik. Obgleich ich die Gräueltaten dieses sadistischen Mörderpaares zutiefst erschütternd und abstoßend fand und ich mir das Leid der Opfer und ihrer Angehörigen nicht annähernd vorstellen kann, hat mich die Arbeit der sympathischen Protagonistin Sophie Kaiser völlig in den Bann gezogen. Aus genannten Gründen stellt dieses Buch daher eine hochspannende Lektüre dar und ich sehe einer Fortsetzung dieser interessanten Reihe erwartungsvoll entgegen.
CHAOS UND ORDNUNG
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CHAOS UND ORDNUNG
„Ich will keine Rebellin sein. Ich will bloß fotografieren. Dafür würde ich alles tun – außer die Regeln zu brechen. Regeln sind notwendig und nützlich. Sie verleihen meinem Leben Sicherheit.“ (Ava Pelier)
Die große Leidenschaft von Ava Pelier gilt der Fotografie. Die achtzehnjährige Journalistik Studentin möchte eine erfolgreiche Fotografin werden, einen Fotografie-Contest einer angesagten Werbeagentur betrachtet sie als ersten Schritt zu ihrem Ziel.
Zu ihrem Leidwesen nimmt aber auch ihr Studienkollege Magnus daran teil, mit dem sie laufend aneinandergerät. Magnus Hiller ist für Ava „der Fluch ihrer Existenz“, den sie insgeheim „Magnus-der-Mistkäfer“ nennt. Dem Sohn eines Profi-Fotografen fehlt es materiell an nichts, er hat ebenso wie sein berühmter Vater ein Auge für das Besondere, ihm gelingen fantastische Bilder. Und obgleich er ein unzuverlässiger und schlampiger Chaot ist, stellt er für Ava eine ernstzunehmende Konkurrenz bei diesem Wettbewerb dar. Avas Ziel ist es, bei diesem Contest als Siegerin hervorzugehen und Magnus damit zu beweisen, dass sie die besseren Fotos schießt.
Barbara Schinko erzählt die Geschichte zweier konkurrierender Studenten, die voller Gegensätze sind. Während Ava Regeln und Ordnung liebt, glänzt der unzuverlässige Magnus auch bei wichtigen Terminen gerne mit Abwesenheit. Regeln sind für ihn dazu da, um gebrochen zu werden, seine Spontaneität bildet einen krassen Gegensatz zu Avas Perfektionismus. Zwei vollkommen unvereinbare Charaktere stehen vor der riesengroßen Herausforderung, für diesen Contest zusammenzuarbeiten. Die schrittweise Annäherung zwischen Magnus und Ava erfordert gewisse Anstrengungen und Kompromisse von beiden Seiten, und Avas Neid auf den finanziellen Hintergrund und die Möglichkeiten ihres Konkurrenten verwandelt sich nach und nach in aufrichtige Anerkennung seines außergewöhnlichen Talents.
Mit Ava und Magnus stehen zwei grundverschiedene Protagonisten im Zentrum des Geschehens. Abgesehen von Avas bester Freundin Viola, der in dieser Geschichte ebenfalls große Aufmerksamkeit zuteilwird, bleiben sämtliche Nebenfiguren eher blass und weisen keine erwähnenswerte Tiefe auf. Die Charakterzeichnung von Ava und Viola hingegen ist Barbara Schinko meines Erachtens gut gelungen, bei Magnus war dies für meinen Geschmack weniger zutreffend. Trotz permanenter Präsenz blieb Magnus mir fremd, ich erfuhr nur wenig über seine Charaktereigenschaften, seine Vergangenheit, seine Vorlieben und Marotten, seine Hobbies, seine Gefühle und Gedanken, seine Hoffnungen und Träume oder seine Ziele im Leben. Seine Zuneigung zu Ava vermochte mich ebenfalls nicht zu überzeugen. Und obgleich laufend auf die schlampige Kleidung und seine schwarzen Locken hingewiesen wurde, hatte ich von Magnus kein konkretes Bild vor Augen. Am meisten überzeugte mich die Darstellung von Avas Freundin Viola, die für mich ebenfalls zu einer Hauptfigur dieses Buches wurde. Viola stellt ebenso wie Magnus einen komplett konträren Charakter dar, doch obwohl sie grundverschieden sind, ergänzen sie und Ava einander perfekt. Violas lebhafte, unbekümmerte Art, das selbstbewusste Auftreten und ihre schauspielerischen Einlagen zeichneten für zahlreiche humorvolle Szenen im Buch verantwortlich. Ich mochte diesen chaotischen Wirbelwind auf Anhieb, denn Ava trägt ihr Herz auf der Zunge und glaubt ganz fest an ihre Freundin.
Fazit: „Klick – Der perfekte Moment“ war eine unterhaltsame, an vielen Stellen auch äußerst humorvolle Sommerlektüre, die mich wiederholt zum Schmunzeln brachte. Dieser amüsante Roman hat mir einige vergnügliche Lesestunden bereitet und ist durch den locker-leichten Schreibstil, einer sehr saloppen Sprache und einer gehörigen Portion Situationskomik die ideale Strandlektüre für Jugendliche und junge Erwachsene.
Drachenschiffe am Horizont – die Wikinger auf den Hebriden
Die Liebenden von Islay von Constanze Wilken
Drachenschiffe am Horizont – die Wikinger auf den Hebriden
Freya MacLean ist alleinerziehende Mutter einer zwölfjährigen Tochter und besitzt ein kleines Gästehaus auf der Hebrideninsel Islay. Als sie bei einem Unfall schwer verletzt ins Krankenhaus muss, springt ihre Schwester Shona ein und kümmert sich um ihre Nichte Erin und das Gästehaus in dem kleinen verschlafenen Ort am Loch Indaal.
Der Fund einer sehr alten silbernen Spange aus der Zeit der Nordmänner animiert Erin und Shona dazu, mehr über die Besitzerin dieser Gewandnadel herauszufinden. Mit der Unterstützung von Gavin Ramsay, dem Inhaber einer kleinen Destillerie, begeben die beiden sich auf Spurensuche und kommen dabei gefährlichen Menschen in die Quere.
„Irgendetwas geht hier vor und das macht mir zunehmend Angst“ (Shona MacLean)
In den vierunddreißig Kapiteln dieses Buches erzählt die Autorin die Geschichte der MacLeans in der Gegenwart, sie thematisiert aber auch eine Liebesgeschichte aus längst vergangenen Zeiten. Der siegreiche Kriegsherr Fjell Halvorson galt im Jahre 1085 als bester Schwertkämpfer und erfolgreicher Heerführer, er hatte ein Auge auf eine hochgewachsene Schönheit mit ebenmäßigen Zügen, blondem Haar und blauen Augen geworfen. Mit dem Segen des Vaters, jedoch gegen den Willen ihrer christlichen Mutter, heiratete Hulda Rokadóttir den attraktiven Wikinger mit dem wilden braunen Haar und den dunklen Augen. Während Fjell und seine Männer die meiste Zeit auf ihren Drachenschiffen unterwegs waren, wartete Hulda geduldig auf die Rückkehr ihres Ehemannes. Huldas Volk glaubte an die Macht der Nornen, welche die Schicksalsfäden verweben. Sie fügten sich dem Willen ihrer Götter und brachten Opfer dar, um sie gnädig zu stimmen. Fjells Leben gehörte wie das eines jeden Wikingers seinem Schwert, er glaubte an die alten Götter und daran, dass sein Schicksal von Geburt an vorherbestimmt ist. Die gegenseitigen Machtkämpfe und Raubzüge der Nordmänner waren stets mit großen Gefahren verbunden. Nicht alle kehrten wohlbehalten wieder zurück zu ihren Frauen und nur ein Krieger, der mit seinem Schwert in Händen im Kampf starb, fand nach ihrem Glauben Einlass in Walhall.
„Solange ich ein Schwert führen kann, wird dir niemals jemand ein Leid tun.“ (Fjell zu Hulda)
In Constanze Wilkens Roman stehen zum einen die Geschichte der sympathischen und liebenswerten Familien MacLean und Ramsay im Mittelpunkt, wobei Shona und Gavin als Protagonisten fungieren. In einem zweiten Erzählstrang entführt die Autorin ihre Leser dann in das elfte Jahrhundert und gibt anhand der Lebensgeschichten von Fjell Halvorson und Hulda Rokadóttir interessante Einblicke in den Alltag und die Kultur der Wikinger, die sich auf Islay, der Königin der Hebriden, niedergelassen hatten.
Die große Leidenschaft der Autorin für die Hebriden äußert sich nicht nur in der bildhaften Beschreibung der malerischen Landschaft und eindrucksvoller Schauplätze, auch das zauberhafte Buchcover zeigt ein märchenhaft schönes Bild dieser Inselgruppe vor der Nordwestküste Schottlands. Eine hervorragende Recherche historischer Hintergründe trägt gemeinsam mit dem einnehmenden Schreibstil sowie interessanter Charaktere dazu bei, dass man diese Lektüre nur ungern aus der Hand legen möchte. Ich durfte einen Blick hinter die Fassade der gefürchteten Nordmänner werfen, die mit ihren Drachenschiffen zu Raubzügen und Plünderungen auszogen und dabei Angst und Schrecken verbreiteten. Anhand der Aktivitäten des Protagonisten Fjell und seiner Krieger wird die Fähigkeit zum klugen Taktieren dieser ausgezeichneten Seefahrer aufgezeigt, zugleich aber auch die menschliche Seite dieses streitbaren Volkes offenbart, dem das Reisen zwar im Blut lag, die aber dennoch immer wieder gerne zu ihren Ehefrauen und Kindern zurückkehrten.
Fazit: Ich habe es genossen, erneut ein wenig über die Geschichte einer Hebrideninsel zu erfahren und an der Seite von Fjell Halvorson und Hulda Rokadóttir in das Jahr 1085 nach Ìl zu reisen. Aber auch die bildhaften Beschreibungen im Handlungsstrang der Gegenwart mit Shona MacLean und Gavin Ramsey als Protagonisten weckten den Wunsch in mir, diesen wunderschönen Flecken Erde einmal mit eigenen Augen zu sehen. „Die Liebenden von Islay“ war eine unterhaltsame, aber auch sehr informative Lektüre, die mir das Leben der Wikinger näherbrachte. Ein Roman zum Träumen, mit atemberaubenden Landschaftsbeschreibungen, zwei Zeitebenen und überzeugenden Figuren – das perfekte Buch, um der Langeweile zu entfliehen und Abenteuer im Kopf zu erleben.
Das wildeste, aberwitzigste und wunderbarste Abenteuer meines Lebens!
Die Freundin der Braut von Nicolas Barreau
Das wildeste, aberwitzigste und wunderbarste Abenteuer meines Lebens!
„Ich war zur richtigen Zeit am falschen Ort, und am Ende war es das Beste, was mir passieren konnte.“ (Jean-Pierre Morel)
Mit ihrer aktuellen Neuerscheinung „Die Freundin der Braut“ präsentiert die Bestsellerautorin Daniela Thiele unter ihrem weltbekannten Pseudonym Nicolas Barreau eine humorvolle, turbulente und romantische Geschichte mit einem sympathischen Protagonisten und einem chaotischen Wirbelwind als liebenswert-schräges weibliches Pendant.
In den ersten Kapiteln geht die Autorin ausführlich auf Jean-Pierre Morel und seinen ehemals besten Freund Paul Gèrard ein, die seit der Schulzeit unzertrennlich waren. Sie erzählt von gemeinsamen Erlebnissen, beruflichen und privaten Träumen und erläutert, wie es durch die Rivalität um die Liebe einer Frau zum Zerwürfnis zwischen den beiden kam. Die Hochzeitseinladung von Paul zehn Jahre später bewirkt, dass Jean-Pierre sich endlich mit seinem Freund versöhnen möchte. Er bricht zu jenem Chalet in Aquitanien auf, wo die Hochzeit stattfinden soll, platzt aufgrund zahlreicher Turbulenzen und Missgeschicke aber verspätet mitten in die Hochzeitsfeier. Jean-Pierre hat jedoch keine Sekunde lang damit gerechnet, dass ihm durch diese Reise das wunderbarste Abenteuer seines Lebens bevorsteht.
Wenn das Glück dir den Schlüssel zum Paradies in die Hände spielt, musst du die Tür auch öffnen.“
Jean-Pierre Morel steht im Mittelpunkt des Geschehens. Der gutaussehende und belesene Besitzer eines Literaturcafés mit dem klangvollen Namen „Café des Poètes“ wird als sympathischer Single dargestellt. In zahlreichen Rückblenden erfährt man einiges über Paul Gérard, einige hübsche junge Damen sowie die Familien von Jean-Pierre und Gerard fungieren als interessante Nebenfiguren. Zu guter Letzt zieht die Freundin der Braut - eine bezaubernde Schönheit mit grünen Augen und leuchtendem Haar - den Protagonisten durch ihre unkonventionelle und unverblümte Art in ihren Bann.
Die Autorin erzählt von Liebe und Freundschaft, von Vertrauensbruch und der Entfremdung von ehemals besten Freunden. Die Umsetzung dieses Romans ist Daniela Thiele alias Nicolas Barreau vortrefflich gelungen. Ich mochte den einnehmenden Schreibstil, gepaart mit liebevoll charakterisierten Figuren, zahlreiche turbulenter Verwicklungen sorgen zudem für Spannung im Buch. In eindrucksvollen Bildern und mit großer Leidenschaft beschreibt die Autorin kleine Läden und Cafés, den Alltag und das Leben der Menschen in Paris, man spürt auf jeder einzelnen Buchseite ihre Begeisterung für diese Stadt. Durch einen temporeichen Plot wird das Leben des Protagonisten gehörig auf den Kopf gestellt und führt schließlich zu einem vorab im Klappentext angekündigten Happy End. Und auch wenn die Zufälle sich an mancher Stelle bereits ungewöhnlich häufen, kann man sich dem Zauber dieser märchenhaften Geschichte dennoch nicht entziehen.
FAZIT: Ich habe mich vollends auf diese romantische und unterhaltsame Liebeskomödie eingelassen, der einnehmende Schreibstil sowie etliche Zitate und Lebensweisheiten sorgten in Kombination mit den sympathischen Figuren dafür, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen mochte. „Die Freundin der Braut“ ist die ideale Sommerlektüre für Menschen, die gerne ein wenig träumen möchten und in Büchern Entspannung und Ablenkung von ihrem Alltag suchen. Ein Faible für Frankreich und insbesondere die Stadt der Liebe sind natürlich dabei keineswegs fehl am Platz











