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Rezensionen von LEXI:

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Ein Herrenhaus namens Storm Manor

Ein Tässchen Liebe von Lia Haycraft

Ein Herrenhaus namens Storm Manor

Nora Lindberg liebt Bücher, ihre große Leidenschaft gilt einer ganz bestimmten Romanserie der englischen Autorin Mary Jane Hudson. Als sich ihr die Möglichkeit zu einem mehrwöchigen Aufenthalt am Schauplatz der Handlung bietet, nimmt sie spontan an einem Gewinnspiel teil – und wird tatsächlich nach England eingeladen.

Nora ist außer sich vor Freude darüber, das hochherrschaftliche Umfeld ihrer favorisierten Romanfiguren kennenlernen zu dürfen und verliebt sich auf den allerersten Blick in das wundervolle Anwesen. Doch auch der attraktive Gärtner John Blackwood hat es Noras angetan, und trotz der gegenseitigen Anziehungskraft gibt es für die beiden Liebenden einige Hindernisse zu bewältigen.

Das englische Herrenhaus Storm Manor steht im Fokus dieses Romans aus der Feder von Lia Haycraft. Die Besitzerin Lady Agnes Clayton fühlt sich in dem weitläufigen Anwesen mit vier Windhunden und zwei Bediensteten einsam und lädt die Gewinnerinnen des Preisausschreibens als ihre Gäste in ihr Anwesen. Die warmherzige und aufmerksame Nora freundet sich rasch mit der humorvollen und selbstbewussten Emily an, die Bücher ebenso sehr liebt wie Nora. Die etwas scheu wirkende Claire zieht als dritte Gewinnerin ins Herrenhaus ein, verhält sich jedoch etwas reserviert.

Liy Haycraft erzählt in locker-leichtem, etwas saloppem Schreibstil von einer wundersamen Geschichte, in welcher die romantischen Träume einer Leseratte Realität werden. Eine junge Deutsche, die es liebt, in die Welt ihrer Romanhelden zu versinken, stellt fest, dass das reale Leben weit mehr bietet, als die Welt der Bücher es jemals vermag. Die Autorin legt den Protagonisten dieses Buches einige Steine in den Weg, wobei gewisse Verwicklungen und Wendungen, aber auch etliche Entscheidungen und Handlungen der Figuren, für mich nicht wirklich authentisch erscheinen. Die Geschichte ist als Lektüre für einen Sommernachmittag am Strand, für ein paar Stunden der Muße wohl geeignet. Die Protagonisten und deren Handlungen konnten mich jedoch nicht wirklich überzeugen. Es wurden darüber hinaus auch einige Klischees bedient, die für meinen Geschmack ein wenig „Zuviel des Guten“ waren. Der Autorin ist es nicht gelungen, mich emotional einzubeziehen und mich für ihre Figuren zu begeistern. Ich konnte mich weder in sie hineinversetzen, noch die Motive ihrer Handlungen immer nachvollziehen.

Das Buch weist eine leserfreundliche Schriftgröße auf, bei den Passagen in Schreibschrift war die Schriftart für mich persönlich etwas schwierig zu lesen, was den Lesefluss hemmte. Die übersichtliche Gliederung empfand ich jedoch als überaus positiven Aspekt!

ACHTUNG – SPOILER!!!

Grundsätzlich würde ich dieses Buch als netten Wohlfühl-Roman für zwischendurch bewerten. Was mich jedoch massiv störte, war die Tatsache, dass es weder in der Buchbeschreibung, im Klappentext, noch in der Leseprobe auch nur den kleinsten Hinweis dazu gibt, dass dieser Roman unter anderem auch die lesbische Liebe thematisiert. Ich finde, dass jeder Leser selber entscheiden sollte, ob er Bücher lesen möchte, in denen die gleichgeschlechtliche Orientierung von Frauen ein Thema ist. Ich möchte dies definitiv NICHT und mich hat dieser Aspekt, der gleich bei vier der handelnden Figuren zum Tragen kommt, eher abgestoßen.

FAZIT: „Ein Tässchen Liebe“ war eine leicht und flüssig zu lesende Lektüre mit Figuren, die man nach dem Zuschlagen der letzten Seite rasch wieder vergisst. Ich hatte mir mehr von diesem Roman erhofft, der meinen ganz persönlichen Lesegeschmack trotz äußerst ansprechendem Klappentext und interessanter Leseprobe leider nicht entsprach. Ich kann dieses Buch daher aus meiner Sicht nicht weiterempfehlen und vergebe nur 2,5 Sterne, die ich mathematisch auf 3 aufrunde.

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Ein Herrenhaus namens Storm Manor
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Es geht da um diesen kleinen Bösewicht im Haus deiner Tanten…

Mathilda und Leopold von Sabine Speer

Es geht da um diesen kleinen Bösewicht im Haus deiner Tanten…

„Oh, er hat sich dir gezeigt? Das ist eine ganz besondere Ehre. Er zeigt sich fast niemandem.“

„Sie zeigen sich meist dann, wenn sie in Not sind. Denn sie brauchen jemanden, der ihnen hilft – am besten ein Kind.“

Als Mathildas Mutter Susanne ins Krankenhaus kommt und ihr Vater Harald beruflich nach Amerika fliegen muss, wird das kleine Mädchen zu ihren Verwandten gebracht.

Martha, Rosa und Gertrud sind drei liebenswürdige, aber ein wenig schrullige alte Damen, die im ersten Moment sogar ein wenig bedrohlich auf Mathilda wirken. Gemeinsam mit ihrem engsten Freund, Teddybär Bruno, und einem Köfferchen in der Hand betritt sie das schummrige große Haus und wird herzlich und liebevoll aufgenommen. Doch sie glaubt ihren Augen nicht zu trauen, als plötzlich hinter dem Küchenherd ein kleines, wundersames Wesen zu Vorschein kommt. Der Hauskobold Leopold ist ein frecher, unverschämter und gerissener kleiner Kerl, der gerne Streiche spielt. Doch als er die majestätischen Schwarzalben bestiehlt, ist er zu weit gegangen. Er hat die düsteren und dunklen Wesen verärgert und Bedrohung und Dunkelheit bahnen sich ihren Weg zum Haus der Tanten. Jetzt liegt es einzig und alleine an Mathilda, die Situation noch in den Griff zu bekommen!

Der Klappentext und die Leseprobe haben mich bereits im Vorfeld für diese Geschichte erwärmt und ich war sehr gespannt auf dieses kleine Abenteuer aus der Feder von Sabine Speer. Das farbenfrohe Cover zeigt die Protagonistin Mathilda bei ihrer ersten Begegnung mit einer Schar kleiner, zierlicher Elfen auf einer Lichtung zwischen den Birken. Im Vordergrund erkennt man den kleinen Kobold Leopold mit seinen roten Stiefeln und einer roten Mütze auf dem Kopf. Ebenso detailgetreu und liebevoll wie auf dieser Abbildung hat die Autorin auch ihre Charaktere im Buch beschrieben. Beim ersten Anblick der alten Frauen mit den runzligen Fingern im dämmrigen Eingangsbereich des Hauses lief nicht nur Mathilda ein Schauer über den Rücken. Und die schillernden durchscheinenden und zarten Elfen mit ihrem aufgeregten Durcheinander von Fliegen und Plappern zogen auch mich in den Bann. Das winzige Wesen namens Hedwig „mit dem bauschigen rosafarbenen Gewand und dem weißen Häubchen von kleinen Sternchen auf dem Kopf“ sah ich förmlich vor mir, als es plötzlich aus dem Inneren des Holunderbusches hervortrat. Und natürlich empfand ich ebenfalls eine gewisse Spannung, als Mathilda im Haus eigenartige Geräusche und ein fremdes Schlurfen zu hören vermeint, und völlig unvermutet auf einen leibhaftigen Kobold trifft! Sabine Speer ist es vortrefflich gelungen, sämtlichen Figuren dieses Buches Leben einzuhauchen – und diese vor dem Auge des Lesers bildhaft erscheinen zu lassen. Obgleich ich mich definitiv nicht mehr zur jugendlichen Zielgruppe dieses Buches zählen darf, war auch ich vom Zauber dieser Geschichte gefangen und durfte Mathilda bei ihrer schwierigen Aufgabe, den störrischen kleinen Kobold zur Vernunft zu bringen, begleiten.

Die Autorin verwöhnt ihre junge Leserschaft mit einer amüsanten Geschichte, die auch Spannung und Abenteuer bereithält. Die handelnden Figuren sind wie vorab erwähnt sehr gut ausgearbeitet, die bildhafte Sprache und ein einnehmender Schreibstil machen diese Lektüre zum phantasievollen Lesevergnügen, welche zudem mit einer kindgerechten Schriftart und lesefreundlichen großen Lettern punktet. Durch die Streiche des kleinen naseweisen Kobolds wird darüber hinaus auch eine kleine Prise Humor in die Handlung eingebracht.

Leider gab es im Inneren dieses Buch keine Illustrationen – eine Tatsache, die ich angesichts des wunderschön gestalteten Coverfotos und der bildhaften Beschreibung von Personen und Handlung ein wenig bedauerte.

FAZIT: Es hat Spaß gemacht, dieses Buch zu lesen und ich kann „Mathilda und Leopold“ als unterhaltsame und phantasievolle Lektüre weiterempfehlen – und zwar nicht nur für Kinder, sondern durchaus auch für jung gebliebene Erwachsene.

Fünf Bewertungssterne für dieses optisch und inhaltlich ansprechende Werk mit liebenswerten Charakteren und einem vergnüglichen, phantasievollen Abenteuer!

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Ich werde nicht zulassen, dass man mir Constantin nimmt. Nicht auch noch ihn!

Das Grand Hotel - Die der Brandung trotzen von Caren Benedikt

Ich werde nicht zulassen, dass man mir Constantin nimmt. Nicht auch noch ihn!

In einem schlimmen Albtraum wird Bernadette von Plesow eines Nachts mit dem Tod ihres Sohnes Constantin konfrontiert. Zwar wähnt die besorgte Mutter ihn nicht in Lebensgefahr, ihm wird jedoch der Mord an Gustav von Kempner zur Last gelegt.

Und obgleich Constantin als oberster Chef der Ringvereine in Berlin als machthungriger und völlig skrupelloser Krimineller gilt, geht diese Tat auf das Konto von Erich Lodenwald. Dieser möchte Constantin vernichten und nutzt all seinen Einfluss und seine weitreichenden Verbindungen, um dem lästigen Nebenbuhler den Mord anzuhängen. Bernadette von Plesow ist angesichts der unbeschwerten Haltung ihres Sohnes besorgt, der die bevorstehende Gerichtsverhandlung nicht ernst zu nehmen scheint. Die starke und geschäftstüchtige Hotelbesitzerin war bereits ihr ganzes Leben lang eine Kämpferin, und nun kämpft sie mit aller Kraft für ihren Sohn.

Caren Benedikts Einstieg in den dritten und letzten Band dieser mitreißenden Trilogie gestaltet sich genauso spannend wie dessen Vorgänger. Die Autorin wartet mit einem einnehmenden Schreibstil, einem gut konstruierten Plot, einem geschickten Perspektivenwechsel und detaillierten Beschreibungen von Schauplätzen und Ereignissen auf. Der Spannungsbogen wird konstant hochgehalten, wofür die tödlichen Intrigen in Constantins Einflussbereich in Berlin, aber auch das Erstarken der NSDAP als historischer Hintergrund, verantwortlich zeichnen. In einer Nebenhandlung verbündet Bernadettes verwitwete Schwiegertochter Margrit sich mit den Vertretern der Parteispitze und begeht dabei den fatalen Fehler, die Kaltblütigkeit der Anhänger Hitlers zu unterschätzen. Obgleich das Buch einen stimmigen Abschluss fand, sorgte die Autorin im Epilog auf den allerletzten Seiten für eine völlig unerwartete Überraschung.

Die Handlung schließt direkt an den zweiten Band der Reihe an und beginnt im August 1925, wobei in abwechselnder Folge die Ereignisse in Berlin und in Binz thematisiert werden.

Die einzelnen Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet, sie wirken in hohem Maße überzeugend und sorgen für große Emotionen im Buch. Bernadette von Plesow, die nach dem Tod ihres Sohnes Alexander im Vorgängerband resignierte und beinahe ihren Lebensmut verlor, entwickelt angesichts der ausweglos scheinenden Situation Constantins neuen Kampfgeist. Bernadettes Tochter Josephine genießt die enge Beziehung zu ihrer Mutter und das Vertrauen, das diese nun in sie setzt. Während Marie Reidel ihre Liebe zu Constantin immer noch geheim hält, strebt Major Götz Wilhelm nach einer Chance auf ein Leben an der Seite seiner ehemaligen Verlobten Bernadette. In der Person des Grafen von Schelenburg betritt ein gefährlicher Mann den Schauplatz, während alten Bekannten aus den Vorgängerbüchern ebenfalls kleine Nebenrollen zuteilwerden. Meine favorisierte Nebenfigur, der Kriegsveteran und Akkordeonspieler Carl Winkler, macht eine große Entwicklung durch und wagt endlich den Schritt in ein neues Leben.

Fazit: Caren Benedikt ist mit ihrer aktuellen Neuerscheinung „Die der Brandung trotzen“ ein würdiger Abschluss der Grand-Hotel-Trilogie gelungen. Dank des hohen Spannungsfaktors, den ausgeklügelten Plot und großen Emotionen gestaltete sich auch der dritte und letzte Band als Lesegenuss. Ich bin jedoch der Ansicht, dass eine Kenntnis der beiden Vorgängerbände unabdingbar ist, um sämtliche Hinweise zu vergangenen Ereignissen nachvollziehen zu können. Ich bedauerte es, mich nach diesem finalen Band von der Familie von Plesow verabschieden zu müssen.

Sehr gerne vergebe ich fünf Bewertungssterne eine Leseempfehlung!

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Ich werde nicht zulassen, dass man mir Constantin nimmt. Nicht auch noch ihn!
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Ein Moment kann das ganze Leben ändern

Der Mut der Frauen von Ellin Carsta

Ein Moment kann das ganze Leben ändern

„Ein Geheimnis ist eine Bürde. Das Wahren eines Geheimnisses – wenn es doch um so vieles leichter wäre, offen darüber zu sprechen – erfordert Charakter. Und nur, wer Charakter hat, verdient das Glück, ein erfülltes Leben zu führen.“ (Käthe Lehmann)

Im Leben der Familien von Falkenbach und Lehmann gibt es brisante Geheimnisse, deren Aufdeckung um jeden Preis verhindert werden muss.

Während die drei ehemaligen Kriegskameraden Paul-Friedrich von Falkenbach, Heinrich und Wilhelm Lehmann erfolgreich den Mantel des Schweigens über die dramatischen Ereignisse im Krieg gebreitet haben und auch die Beseitigung von Claras Peiniger durch die Frauen der Familie erfolgreich vertuscht werden konnte, fällt es Elisabeth Lehmann immer schwerer, ihr Geheimnis für sich zu behalten. Elisabeth ist nämlich erneut schwanger und sieht der bevorstehenden Geburt mit großem Bangen entgegen. Denn das Vorgehen des Nazi-Regimes angesichts jeglicher Behinderung, sei es in körperlicher, oder geistiger Hinsicht, ist rigoros. Während die Beziehungen der Frauen immer gefestigter werden, kommt es seit Wilhelms Schlaganfall immer mehr zu einem Bruch zwischen den Lehmann-Brüdern. Leopold scheint nach seiner zehntägigen Inhaftierung aus seinen Fehlern gelernt zu haben, und seitens Erna Behrend und Ewald Langenmüller bahnt sich eine weitere Bedrohung ihren Weg.

Die Autorin erläutert im Nachwort, welche Figuren ihrer Handlung historisch belegt sind, und welche ihrer schriftstellerischen Fantasie geschuldet sind. Die Ereignisse in Deutschland, wo das Vorgehen der Nationalsozialisten drastische Ausmaße annimmt und in der systematischen Plünderung und Zerstörung jüdischer Kauf- und Wohnhäuser eskaliert, die jüdische Bevölkerung misshandelt, und inhaftiert wird, bilden den dramatischen Hintergrund dieser Geschichte. Die Mischung fiktiver und realer Ereignisse macht das Buch zu einer fesselnden Lektüre, die den Leser in die dunkle Zeit des Jahres 1938 zurückführt. Ellin Carsta ist es gelungen, ihre beliebte Saga um diese beiden eng verbundenen Familien durch einen weiteren vortrefflichen Band fortzusetzen, der dem Leser große Emotionen, Abenteuer und Spannung bietet.

Als Ausgangspunkt der Handlung fungiert ein Prolog mit Elisabeth Lehmann als Protagonistin, die mit ihrem Neugeborenen aus einem brennenden Inferno flieht. Der eigentliche Roman beginnt jedoch drei Tage zuvor und schildert die Ereignisse, die zu diesem dramatischen Höhepunkt führen. Da es in diesem Folgeband keine Abbildung der Familienstammbäume gab, hatte ich zu Beginn ein wenig Mühe, mich wieder in die familiären Zusammenhänge einzufinden. Die Anzahl der handelnden Figuren ist zahlreich, doch als begeisterte Leserin dieser Saga vermochte ich mich dennoch rasch zu orientieren. Die Handlung wird in der dritten Person aus verschiedenen Perspektiven erzählt, wobei jedes Kapitel mit einem Zitat jener Person beginnt, deren Sichtweise der Leser in Folge erfahren darf. Dies macht es einfach, im laufenden, 21 Kapitel währenden Wechsel die Übersicht zu behalten. Der dramatische Prolog und die Bedrohung durch die NS-Regierung bringen von Beginn an eine gewisse Grundspannung ins Buch. Darüber hinaus sorgen die wachsende Aversion Heinrichs gegen Paul-Friedrich, Leopolds Machenschaften und das tragische Schicksal des Dienstmädchens Inge für weitere Spannungsmomente. Die Autorin setzt ihre Figuren mehrfach großen Gefahren aus und kreiert auf diese Weise laufende Höhepunkte im Buch. Am Ende scheinen sich alle losen Enden zu vereinen, doch Ellin Carsta wartete im Epilog erneut mit einem Cliffhanger auf, der mich vollkommen überraschte und für eine enorme Erwartungshaltung auf den nächsten Band verantwortlich zeichnet.

Der äußerst einnehmenden Schreibstil der Autorin und die glaubwürdige Darstellung ihrer Charaktere sind mir mittlerweile ans Herz gewachsen. Sie versteht es, historische Ereignisse gekonnt mit ihrer fiktiven Geschichte um die von Falkenbachs und Lehmanns zu verweben, tiefe Emotionen zu transportieren und die Leser dazu zu bringen, von der ersten, bis zur letzten Seite mit den Protagonisten ihrer Romane mitzufiebern. Die unterschiedlichen Charaktere sind liebevoll und detailliert gezeichnet, ihre Vorzüge, jedoch auch ihre Fehler und Schwächen authentisch dargestellt. Man bedauert es beinahe, sich nach dem Zuschlagen der letzten Seite wieder von ihnen verabschieden zu müssen.

FAZIT: Mich konnten bislang noch sämtliche Vorgängerbände dieser Buchreihe begeistern und „Der Mut der Frauen“ stellt keine Ausnahme dar. Das Buch hat mir ausgezeichnet gefallen, mich durch die interessante Handlung, die spannenden und dramatischen Verwicklungen, große Emotionen und natürlich nicht zuletzt die hervorragend ausgearbeiteten Figuren in den Bann gezogen. Eine Kenntnis der Vorgängerbücher ist aus meiner Sicht jedoch zum tieferen Verständnis unabdingbar. Ich sehe der Fortsetzung dieser Geschichte mit großer Erwartungshaltung entgegen und vergebe begeisterte fünf Bewertungssterne!

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Ein Moment kann das ganze Leben ändern
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Liebe, skrupellose Machtgier und Angst – Willkommen in der Familie Borgia!

Im Schatten des roten Stieres von Sylvia Klinzmann

Liebe, skrupellose Machtgier und Angst – Willkommen in der Familie Borgia!

„Tja, liebe Alessia, die Frauen unserer Familie sind nur Spielfiguren im politischen Machtkampf des Papstes und Cesares.“ (Lucrezia Borgia)

Erst nach dem Ableben seiner spanischen Mutter erfährt der bekannte römische Advokat Alvaro de Salvatierra, dass er einem außerehelichen Liebesverhältnis mit Rodrigo Borgia, dem Papst Alexander VI, entstand.

Während die anderen Kinder des Papstes - Juan, Herzog von Gandia, Jofré, Prinz von Squillace und Lucrezia, Herzogin von Pesaro, die Existenz eines weiteren Bruders mit stoischer Gelassenheit aufnehmen, reagiert sein Erstgeborener Cesare, Herzog von Valentinois und Erzbischof von Valencia, mit Ablehnung und Hass. Cesare personifiziert die Einstellung, das Denken und Handeln dieser skrupellosen Renaissancefamilie. Die Borgias zeigen in ihrem politischen Streben nach Einfluss, in ihren Intrigen und ihrer unerschöpflichen Machtgier keinerlei Skrupel, was auch die fünfzehnjährige Tochter Alvaros bald schmerzlich erfahren muss. Alessia Bertorelli de Salvatierra ist Alvaros einziges Kind, sie besitzt eine liebenswürdige bescheidene Art, ein einnehmendes Äußeres und ihr wurde eine gute Ausbildung zuteil. Alessia hält an ihrer ersten großen Liebe fest - dem gutaussehenden, aber völlig mittellosen Maler Giacomo di Luna. Sie ahnt nichts von den ehrgeizigen Plänen der Borgias, welche ihre weiblichen Familienmitglieder geschickt als Schachfiguren im Spiel um Macht und politischen Einfluss einsetzen. Alessias erhofft sich Unterstützung durch ihre liebevolle Mutter Lea, doch ein dunkles Geheimnis aus deren Vergangenheit scheint diese einzuholen. Als plötzlich ein von Hass- und Rachegedanken zerfressener Feind aus längst vergangenen Zeiten auftaucht, befindet sich die ehemals glückliche kleine Familie de Salvatierra mitten im Zentrum eines Orkans, der sie vollständig zu zerstören droht.

Da ich das Wappenzeichen der päpstlichen Familie – den grasenden roten Stier auf goldenem Hintergrund – zuvor nicht kannte, erfuhr ich erst im Klappentext sowie in der Leseprobe, dass dieser historische Roman aus der Feder von Sylvia Klinzmann sich mit einer der mächtigsten Adelsfamilien Italiens befasst. Angesiedelt im Vatikan Ende des fünfzehnten Jahrhunderts durfte ich in die schillernde Welt der Borgias eintauchen und sowohl Rodrigo Borgia alias Papst Alexander VI, als auch seine Kinder kennenlernen. Das Leben im Einflussbereich des Vatikans ist zwar geprägt von unermesslichem Reichtum und Luxus, es dominieren jedoch Sittenverfall, Verderbtheit und Lasterhaftigkeit. Auch das schamlose Verhalten des Heiligen Vaters sorgt für Unmut, ein fanatischer Dominikanermönch aus Ferrara hält in seinen Predigten flammende Reden und plädiert gemeinsam mit seiner wachsenden Anhängerschaft für eine Reform der katholischen Kirche.

In äußerst einnehmendem Schreibstil, mit akribisch recherchierten historischen Fakten, einer bildhaften Beschreibung von Örtlichkeiten und Situationen sowie hervorragend charakterisierten handelnden Figuren brachte die Autorin mich dazu, wie gebannt zwischen den Buchseiten zu verweilen - es fiel mir ehrlich gesagt schwer, mich zwischendurch davon zu lösen. Durch das große Geheimnis der Familie de Salvatierra und den gefährlichen Intrigen der Borgias wird ein nicht unerheblicher Spannungsfaktor ins Geschehen eingebracht. Das zutiefst verabscheuungswürdige Verhalten der Borgias sowie Alessias unglückliche Liebe zu ihrem Giacomo bringt starke Emotionen in die Handlung. Durch das ausgezeichnete Personenregister auf den ersten Seiten des Buches fand ich mich rasch unter den zahlreichen Familienmitgliedern zurecht, eine hilfreiche Begriffserklärung italienischer Ausdrücke und Redewendungen findet sich im Anhang des Buches.

Fazit: „Im Schatten des roten Stieres“ präsentierte sich mir als eindrucksvoller, fesselnder und vollständig überzeugender historischer Roman, den ich nicht mehr aus der Hand legen mochte, ein Buch, das ich von der ersten, bis zur allerletzten Seite in atemloser Spannung regelrecht inhalierte. Sylvie Klinzmann besitzt die Gabe, ihre Leser zu fesseln, mit auf eine Reise in längst vergangene Zeiten zu nehmen und sie die Geschicke dieser italienischen Adelsfamilie Borgia hautnah miterleben zu lassen.

Begeisterte fünf Sterne und eine ganz klare Leseempfehlung!

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Liebe, skrupellose Machtgier und Angst – Willkommen in der Familie Borgia!
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Ich spüre, dass eine neue Zeit anbricht. Und ich kann es kaum erwarten, sie in meinem Sinn zu lenken. (Paul-Friedrich von Falkenbach)

Die Wege der Söhne von Ellin Carsta

Ich spüre, dass eine neue Zeit anbricht. Und ich kann es kaum erwarten, sie in meinem Sinn zu lenken. (Paul-Friedrich von Falkenbach)

Im vierten Band der Falkenbach-Saga befindet sich Wilhelm Lehmann nach seinem Schlaganfall bereits auf dem Weg der Genesung, die Beziehung zu seinem verantwortungslosen und egoistischen Sohn Leopold scheint sich ebenfalls gebessert zu haben.

Paul-Friedrich von Falkenbach hütet dunkle Geheimnisse und versteht es wie gewohnt geschickt, jede Situation unter Kontrolle zu haben. Ferdinand Lehmann ist es durch einen klugen Schachzug gelungen, befördert und zugleich endlich aus der verhassten Wehrmacht entlassen zu werden. Sein Hauptaugenmerk liegt zukünftig darauf, Waffen für das Deutsche Reich zu produzieren – ein Vorhaben, das nicht bei allen Familienmitgliedern Zustimmung findet. Wilhelmine von Falkenbach hat von ihrem Vater endlich die Erlaubnis bekommen, ihren großen Traum zu verwirklichen und an Springturnieren teilzunehmen. Sie widmet sich mit großer Leidenschaft dem Training und genießt darüber hinaus ihr Liebesglück mit Martin Reinders. Dadurch bringt sie jedoch die gesamte Familie in allergrößte Gefahr. Denn Martin ist ein gesuchter Kommunist und Feind des Reiches, um dessen Versteck einzig Wilhelmine und Gustav wissen.

Die Autorin versteht es, den Leser durch die zum Teil gefährlichen Handlungen der Familienmitglieder sowie die allgegenwärtige Präsenz der Schreckensherrschaft der Nazis in Atem zu halten. Der Spannungsbogen wird auf diese Weise das ganze Buch hindurch konstant hochgehalten. Durch ihr besonnenes und geschicktes Taktieren tragen Paul-Friedrich von Falkenbach und Wilhelm Lehmann immer wieder dazu bei, die einzelnen Mitglieder ihrer Familien zu beschützen. Doch in einigen Fällen scheint sich die Schlinge um den Hals bestimmter Personen enger zu ziehen.

Die Handlung ist im Jahre 1938 angesiedelt, als Schauplatz fungieren das Anwesen derer von Falkenbach und ihr engstes Umfeld, der Ort Bernried bei München. Jedes Kapitel beginnt mit einem Zitat, welches die im Anschluss geschilderte Situation sehr gut getroffen hat. Die einzelnen Kapitel sind relativ kurz und widmen sich abwechselnd den verschiedenen Figuren der Handlung.

Das Gedankengut der Nationalsozialisten scheint schleichend einzelne Familienmitglieder zu beeinflussen, was mit entsprechenden Konflikten einhergeht. Im Epilog tauchen schließlich zwei Schlüsselfiguren aus den Vorgängerbüchern auf, welche den von Falkenbachs und Lehmanns schaden wollen. Sie stehen kurz davor, eine unheilvolle Allianz mit einem Mitglied einer dieser Familien einzugehen. Dieser kurze Ausblick lässt bereits ahnen, dass es dem nächsten Band an schicksalhaften Ereignissen, gefährlichen Situationen und Spannung nicht mangelt.

Die Autorin punktet erneut mit einem Familienstammbaum in Form eines Lesezeichens, welches man stets als hervorragende und optisch ansprechende Orientierungshilfe zur Hand nehmen kann. Ein weiteres Lesezeichen informiert über sämtliche bisher erschienene Bände. Das wunderschöne malerische Buchcover stellt wie gewohnt einen regelrechten Blickfang dar und animiert dazu, dieses Buch zur Hand zu nehmen und sich in den Klappentext zu vertiefen.

Wie bereits die drei Vorgängerromane hat mich auch das vorliegende Buch ausnehmend gut unterhalten und mir ein äußerst unterhaltsames und spannendes Lesevergnügen bereitet. Der einnehmende, flüssige Schreibstil und authentische Charaktere runden den positiven Gesamteindruck ab.

„Die Wege der Söhne“ hat mir ausgezeichnet gefallen, ich freue mich bereits auf die Fortsetzung dieser Geschichte. Begeisterte fünf Bewertungssterne und eine klare Leseempfehlung von mir!

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Mamma ti voglia bene – Mama hat dich lieb!

Parted Hearts von Sylvia Klinzmann

Mamma ti voglia bene – Mama hat dich lieb!

Ein Brief im Nachlass ihres verstorbenen Vaters sowie ein Anhänger in Form eines halben Herzens konfrontieren die völlig erschütterte Stella Lehmann mit der schockierenden Tatsache, dass ihre vermeintlich lange verstorbene Mutter noch am Leben ist. Obgleich die junge Frau aus Köln kurz vor der Hochzeit mit ihrem Verlobten Jonas steht, bricht sie sofort nach Italien auf.

Stella beginnt mit ihren Nachforschungen in Alassio an der italienischen Riviera, jenem Ort, an welchem ihre Mutter in ihrer Jugendzeit gelebt hatte. Eine gutaussehende Zufallsbekanntschaft namens Matteo ist Stella dabei behilflich, das Geheimnis um ihre Herkunft zu lösen und begleitet sie auf ihrem turbulenten Weg. Doch der sympathische und attraktive Italiener bringt darüber hinaus auch ihre Gefühle in Aufruhr. Und plötzlich erscheint Stella eine Rückkehr nach Köln in ein sorgenfreies und sicheres Leben mit ihrem Verlobten, der kaum Zeit für sie hat und sie permanent unter Druck setzt, nicht mehr allzu verlockend…

Sowohl der Klappentext, als auch einige Rezensionen zu diesem Buch, verheißen eine locker-leichte Urlaubslektüre, eine Prise Familiengeheimnis und eine romantische Liebesgeschichte. Sylvie Klinzmann ist es gelungen, all diese Komponenten zu einer unterhaltsamen Geschichte zu vereinen. Eine bildhafte Beschreibung der Landschaft sowie eine Vielzahl italienischer Begriffe, die man im Anhang in einem Glossar nachschlagen kann, versetzen den Leser in diesen kleinen Küstenort nach Ligurien. Die Autorin schildert abwechselnd die Ereignisse in Alassio im Jahre 1986, und jene in der Gegenwart. Jedes Kapitel endet mit einem Cliffhanger, der den Leser bei der Stange hält und dazu beiträgt, die Spannung aufrecht zu halten. Berührende Schicksale, unerwartete Wendungen und die Schuld vergangener Tage, kombiniert mit interessanten Charakteren und einem saloppen Sprachstil machten diesen Roman zu einem Pageturner.

FAZIT: „Parted Hearts“ ist eine ideale Lektüre für den Urlaub oder für ein paar amüsante Stunden auf der Lesecouch. Das unterhaltsame Buch garantiert kurzweiliges Lesevergnügen und wartet mit einer interessanten Familiengeschichte und einem großen Geheimnis auf, das im Verlauf der Seiten erst langsam enthüllt wird.

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Die Geschichte einer lebensverändernden Zugfahrt

Engelspost von Iris Muhl

Die Geschichte einer lebensverändernden Zugfahrt

„Mein Name ist Palomina. Ich fahre von einem Waisenhaus in ein anderes, weil sie kein Bett mehr für mich haben.“

Ein kleines, fünf Jahre altes Waisenkind wird im Jahre 1913 mit einer 50 Cent-Briefmarke frankiert und per Zug verschickt. Ein desinteressierter Postbeamte, dem die grundlegendsten Bedürfnisse dieses Kindes gleichgültig sind, begleitet sie auf ihrem langen Weg vom Waisenhaus in New York City bis nach New Mexico.

Die schmutzige und ärmliche Erscheinung des Mädchens wird von ihrer Liebenswürdigkeit, ihrem klaren und tiefgründigen Blick und einem außergewöhnlichen Verhalten wettgemacht. Die überquellende Freude des Kindes angesichts der Schönheit der Natur und ihre Bescheidenheit berühren die Herzen einiger Mitreisenden.

„Wie ist es möglich, dass ein so kleines Wesen Neid, Angst, Missgunst und Feindschaft mit einem Mal die Wucht nehmen kann und stattdessen erhabene Gefühle auslöst?“

Palomina blickt hinter die Fassaden der Menschen, geht vorurteilsfrei auch auf Angehörigen anderer Ethnien zu, kommuniziert liebevoll und mit großer Herzenswärme, lässt sich völlig offen und interessiert auf neue Perspektiven ein, spürt die Einsamkeit anderer und besitzt sogar in der Interaktion mit Tieren besondere Fähigkeiten.

Mit Eliott White betritt ein gerissener Betrüger und Lügner den Zug, der es sich zum Ziel gesetzt hat, die Reisenden um ihre Wertgegenstände zu erleichtern. Seine Skrupellosigkeit veranlasste den gewissenlosen Gauner in seiner Vergangenheit zu einer schrecklichen Tat, die ihn bis zum aktuellen Tag nicht mehr losgelassen hat. Als Eliott White in diesem Zug auf die kleine Palomina trifft, erschüttert ihn diese Begegnung bis ins Innerste.

„Was habe ich nur getan? Hat jemand wie ich einen Neuanfang verdient? Ich war lange Zeit nichts wert. Lange Zeit lebte ich wie ein Wurzelstock im Dunkeln. Aber Palomina legte mein Herz frei und machte aus mir einen wahrhaftigen Menschen.“

Die Lebensgeschichte des Betrügers Eliott White wird durch ein Interview im Radio publik gemacht. Es ist für den alten Mann die Möglichkeit, sich von einer schweren Last zu befreien, seine vergangenen Sünden öffentlich zu bekennen, aber auch auf das Positive in seinem Leben hinzuweisen. Die poetische Sprache, eindrucksvolle Charaktere und malerische Beschreibungen der Landschaft, welche der Zug passiert, aber auch ganz besondere zwischenmenschliche Begegnungen, machten diese Lektüre zu einem reinen Lesevergnügen. Die vielen kurzen Kapitel verdienen es, mit Genuss und Bedacht gelesen und regelrecht genossen werden. Doch angesichts der Faszination, die dieses Kind auch auf den Leser ausübt, ist man versucht, tief berührt und völlig gefesselt durch die Seiten zu hasten. Die kleine Palomina ist eine Waise ohne Zukunft, unschuldig und völlig auf sich alleine gestellt. Es ist der Autorin aufs Vortrefflichste gelungen, dem Leser die Einzigartigkeit dieses Kindes nahezubringen. Obgleich sie von einigen hochmütigen Mitreisenden verachtet, gemieden und als „Gesindel“ bezeichnet wird, gewinnt Palomina in Eliott White einen Fürsprecher und Beschützer. Es war wunderschön, die allmähliche Annäherung zwischen den beiden, als auch die charakterliche Veränderung des Eliott White mitzuverfolgen und den Zauber dieses Kindes ebenfalls zu spüren.

Menschenhandel, Ungerechtigkeit, Verachtung und Benachteiligung sind ebenso Themen dieses Buches wie das harte Leben eines Waisenkindes Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts sowie die Tatsache, dass es für einen bestimmten Zeitraum im Jahre 1913 üblich war, Kinder wie ein Stück Ware postalisch zu transportieren.

Iris Muhl ist die Umsetzung dieser auf Tatsachen beruhenden Geschichte hervorragend gelungen. Authentische Charaktere und die Vermittlung tiefer Emotionen sorgten in Kombination mit der interessanten Vergangenheit der beiden Protagonisten für allergrößtes Lesevergnügen.

„Engelspost“ besticht durch eine hochwertige, sehr elegant wirkende Aufmachung. Ein aussagekräftiges Coverfoto in Schwarz-Weiß-Optik mit den beiden Hauptfiguren im Vordergrund, einem Bahnhofsgebäude und einem einfahrenden Zug im Hintergrund lenken sofort die Augen des Betrachters auf sich. Der Buchtitel in dicken, goldfarbenen Lettern und eine kleine 50 Cent-Briefmarke lassen gemeinsam mit dem Klappentext bereits vorab erahnen, dass es sich hierbei um einen Roman handelt, den man noch eine ganze Weile in seinem Inneren bewahrt, der einen auch nach dem Umblättern der letzten Seite nicht so rasch wieder loslässt.

Fazit: Dieses Buch hat mir ausgezeichnet gefallen, es war nicht meine erste Lektüre aus der Feder der christlichen Autorin Iris Muhl. Wie auch dessen Vorgänger empfand ich diese kostbare kleine Perle als große Bereicherung meines Lesejahres – ich vergebe für diese beeindruckende Geschichte völlig begeisterte fünf Sterne und eine ganz klare Leseempfehlung!

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Die Geschichte einer lebensverändernden Zugfahrt
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Am Anfang vom Ende steht eine Computertastatur

Systemfehler von Wolf Harlander

Am Anfang vom Ende steht eine Computertastatur – das Internet als Achillesferse einer ganzen Gesellschaft

Ein ausgeklügelter und raffinierter Cyberangriff eines Unbekannten stellt in einer Zeit, in der Technik und Internet einen Großteil des Alltags bestimmen, einen massiven Schlag gegen die Infrastruktur in Europa dar.

Der zunächst schleichende Ausfall von Verkehrsleitsystemen und Mobilfunknetzen eskaliert, als letztendlich auch die Mobilität und die Versorgung mit Strom, Wasser und Nahrungsmittel gefährdet sind. Szenarien wie panische Hamsterkäufe und Plünderungen, eine rasant steigende Kriminalität und brutale Gewalttaten lassen deutlich erkennen, dass es den Menschen nur noch um das eigene Überleben geht. Der ausgebildete IT-Spezialist und Softwareentwickler Daniel Faber steht als Hauptverdächtiger im Fokus der Ermittlungen und versucht verzweifelt, seine Unschuld zu beweisen. Der ehrgeizige BND-Ermittler Nelson Carius soll den vermeintlich koordinierten Großangriff untersuchen. Carius liebt die Herausforderung, ist von einem abgestimmten Angriff und nur einer Tätergruppe felsenfest überzeugt, hat jedoch Zweifel an der Täterschaft Fabers. Gemeinsam mit seiner Kollegin Diana Winkels ermittelt Carius in alle Richtungen, doch die Zeit wird knapp. Denn die Angriffe im Internet häufen sich, und deren Auswirkungen kosten zahlreiche Menschenleben.

Wolf Harlander nimmt sich in seiner Neuerscheinung „Systemfehler“ eines hochaktuellen Themas an und führt seiner Leserschaft detailliert vor Augen, in wie vielen Bereichen wir diversen Computersystemen ausgeliefert sind und blind auf deren Zuverlässigkeit vertrauen. Thematisiert werden nicht nur die Auswirkungen eines europaweiten Internet-Versagens, sondern auch die Begleitumstände und die Auswirkungen auf die Menschen. Der Autor erzählt von der Suchtwirkung von Computerspielen und den Einfluss einer permanenten Smartphone-Nutzung auf das Verhalten der Menschen, welche im Falle eines totalen Internetversagens zu regelrechten Entzugserscheinungen führt. Er beschreibt das Verhalten von Menschen in Krisenzeiten, manipulatives Handeln, aber auch gefährliche Ausschreitungen und Plünderungen bei drohenden Versorgungsengpässen. Wolf Harlander zeichnet ein drastisches und äußerst realistisches Szenario und erzeugt dadurch ein Gefühl der Beklemmung beim Lesen.

Die Aussage des Autors, dass Web und Mobiltelefon sich sehr langsam in das Leben von Milliarden Menschen eingeschlichen haben, nun ihre Aufmerksamkeit aufsaugen und deren Lebenszeit kapern, empfinde ich als erschreckende Tatsache. Es wird einem bewusst, wie viel Zeit man tatsächlich vor einem Bildschirm oder mit Smartphone in Händen verbringt, wie rasch man in eine Abhängigkeit schlittern kann und das Gefühl erzeugt wird, ständig online, stets informiert und erreichbar sein zu müssen

Was mir sehr gut gefallen hat war die Tatsache, dass der Autor bei jedem Szenenwechsel, bei jedem Wechsel zu einem anderen Handlungsort und anderen handelnden Figuren, einen neuen Absatz mit Nennung des Schauplatzes als Überschrift beginnt. Dies erleichtert die Orientierung im Buch ungemein.

Der Spannungsfaktor wird durch die permanenten virtuellen Bedrohungen und deren verheerenden Auswirkungen durchgehend hochgehalten. Die Geschichte dieser mit teuflischer Raffinnesse ausgeführten Cyberattacke hat mich sofort in den Bann gezogen. Die handelnden Figuren empfand ich jedoch als etwas blass, die Charakterzeichnung der Protagonisten war für meinen Geschmack unzureichend, die Akteure konnten mich emotional nicht einbeziehen. Was Nebenfiguren wie beispielsweise Daniel Fabers Ehefrau Isabelle sowie die beiden Töchter Carolin und Sophie betrifft, erhält man nur spärliche Informationen. Darüber hinaus gab es nach Beendigung der letzten Seite noch offene Fragen, aber auch zu rasch, in nur wenigen Sätzen, abgehandelte offene Themen. Was mir persönlich bei diesem Buch nicht gefallen hat war die sprachliche Umsetzung. Saloppe Ausdrücke und die Verwendung der Umgangssprache, der reichhaltige Einsatz derber Ausdrücke und Flüche sowie vereinzelte Fehler im Buch verleideten mir ein wenig die Freude an dieser Lektüre.

FAZIT: Ich empfand „Systemfehler“ als anregende, unterhaltsame, mit hohem Spannungsfaktor versehene Geschichte eines Szenarios, welches theoretisch zu jedem Zeitpunkt stattfinden könnte. Der hoch spannende Plot entschädigte mich für etwas zu blasse Charaktere, ein paar bis zuletzt offen gebliebene Fragen und einen Sprachstil, der meinem persönlichen Lesegeschmack leider nicht so ganz entspricht.

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Am Anfang vom Ende steht eine Computertastatur
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Ränkespiele der Macht

Verrat in Colonia von Maria W. Peter

Ränkespiele der Macht

„Es gibt Dinge, die es wert sind, etwas für sie zu riskieren“ (Marcella)

Die römische Sklavin Invita befindet sich mit ihrer Herrin Marcella auf dem Weg in den Palast des Statthalters Postumus. Der gut bewachte Tross des Finanzprocurators, der sie nach Colonia Claudia Ara Agrippinensium bringen soll, führt ein stattliches Vermögen mit sich.

Als sie von Barbaren überfallen und ausgeraubt werden, kommt ihnen Centurio Mucius Longinus zur Hilfe, ein hochrangiger römischer Offizier der Legio I Minerva. Die Reise der beiden jungen Frauen steht unter keinem guten Stern, denn im Palast des Marcus Cassiapius Latinius Postumus kommt es zu weiteren unangenehmen Vorfällen. Der Mord an einem der städtischen Quaestoren, welcher zufällig der potenzielle zukünftige Schwiegervater Marcellas werden sollte, stellt letztendlich den Funken dar, der das Pulverfass zur Explosion bringt. Die Ereignisse überschlagen sich und nachdem der alemannische Sklave Flavus des Mordes bezichtigt wird, ist Invita gefordert, Nachforschungen anzustellen und ihren Gefährten zu retten.

„Ich liebe dich, ich lasse dich nicht im Stich, ich werden den wahren Schuldigen finden… für dich!“ (Invita)

Obgleich Invitas Beziehung zu ihrer Domina Marcella weniger jener einer untergebenen Sklavin, als vielmehr einer Vertrauten und Freundin gleicht und sie bei ihren Ermittlungen volle Unterstützung erhält, stößt auch Marcellas Einfluss rasch an seine Grenzen. Invita bleibt jedoch hartnäckig, denn die Zeit wird knapp und nach Verhören und qualvoller Folter droht Flavus die Kreuzigung.

„Es könnte sein, dass ich… sagen wir, einige unorthodoxe Methoden anwenden muss, um die notwendigen Informationen zu erhalten.“ (Invita)

„Ich hoffe, du hast nicht vor, einen weiteren Mord zu verüben, um den ersten aufzuklären.“ (Marcella)

Im vorliegenden vierten Band dieser interessanten und unterhaltsamen Buchreihe um die starrköpfige und widerspenstige Sklavin Invita stehen Bestechung, Krieg und Mord zum Erreichen politischer Ziele im Vordergrund. Marcella und Invita geraten im Kampf um Macht und Einfluss im Sommer 260 n. Chr. in Colonia Agrippina zwischen die Fronten. Bald ist nicht nur das Leben des Sklaven Flavus, sondern auch jenes der beiden Frauen in großer Gefahr. Invita sammelt Indizien, ist aber nicht immer diskret genug. Einzelne Fragmente lenken den Verdacht in verschiedene Richtungen, doch Invita fehlt trotz allem der entscheidende Hinweis. Den Leser erwartet ein spannendes Abenteuer mit politischen Ränkespielen und Machtkämpfen der Herrschenden. Bei Maria W. Peter ist ein historisch hervorragend recherchierter Hintergrund garantiert und man erfährt auch in diesem Band viel über das Leben und den Alltag wohlhabender Römer. Errungenschaften wie Kanalisation, Badetrakte und Begräbnisrituale werden ebenso in die Handlung eingeflochten wie die Verehrung der diversen Gottheiten und Begräbnisrituale. Barbarenüberfälle an Rhein und Limes, die Belagerung der Stadt und letztendlich der Ausbruch der Pest sorgen für Aufruhr und führen schließlich zur Eskalation.

Die Charakterzeichnung der handelnden Figuren hat mir sehr gut gefallen. Neben Invita, Marcella und Flavus betreten eine Vielzahl neuer Figuren den Schauplatz des Geschehens. Mit dem Gastgeber Postumus, dem amtierenden Unterkaiser Salonius sowie dessen Berater, dem Praetorianerpraefecten Silvanus, bringt Maria W. Peter drei sehr gefährliche Männer in die Geschichte ein. Salonius ist in seiner Funktion als stellvertretender Kaiser ein äußerst unberechenbarer, überheblicher und geltungssüchtiger Mann, der zur Selbstüberschätzung neigt. Sein Berater und Mentor Silvanus hält kalt und unerbittlich alle Fäden in der Hand, während der machtbesessene Postumus ganz eigene Ziele verfolgt. Mucius Longinus, der tapfere Centurio, wird damit beauftragt, als kaiserlicher Ermittler den grausamen Mord an dem hochrangigen Beamten Aurelius Celer aufzuklären. Der kriegserfahrene Soldat hat jedoch auch eine sanfte Seite und zeigt Gefühle für Marcella. Als Nebenfiguren der Handlung fungieren Familienmitglieder des Ermordeten und einigen Sklaven des Praetoriums. Der interessanteste Charakter dieses Buches war der römische Bürger Simon Patricius, welcher auffallendes Interesse an Invita zeigt.

Der Spannungsfaktor in diesem vierten Band ist deutlich höher als in den Vorgängerbänden, die Autorin entwirrt den roten Faden der Handlung erst langsam. Maria W. Peter sorgt für unerwartete Wendungen, durch Invitas Hartnäckigkeit und waghalsige Aktionen kommt es darüber hinaus zu aufregenden Szenen im Buch. Invitas Versuch, Licht in ihre Vergangenheit zu bringen und etwas über ihre Herkunft herauszufinden, ist nur zum Teil von Erfolg gekrönt.

Die optische Aufmachung der Covers ähnelt jenen der ersten drei Bände dieser Reihe, das Buch weist jedoch eine weit höhere Seitenanzahl auf. Zu Beginn findet sich eine Karte der Colonia Claudia Ara Agrippinensium (heutiges Köln) im 3. Jahrhundert n. Chr. Der Anhang liefert ein umfangreiches Glossar, eine Personenübersicht sowie ein ausführliches Nachwort der Autorin mit interessanten und informativen Anmerkungen zu Inhalt, Figuren und geschichtlichen Fakten.

Fazit: „Verrat in Colonia“ war eine Lektüre, die mich vollkommen in ihren Bann gezogen und für spannende Momente und ausgezeichnete Unterhaltung gesorgt hat. Dem einnehmenden Schreibstil, der gut ausgefeilten Handlung und den überzeugenden Charakteren war es geschuldet, dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte. Begeisterte fünf Sterne und eine ganz klare Leseempfehlung!

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