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Rezensionen von rewareni:
Kjara und Akuma
Als die junge Kjara Winter den Beichtstuhl betritt und Pastor Helmut Hege verzweifelt erzählt, dass sie bereits mehrere Männer getötet hat, ahnt dieser noch nicht, dass er schon bald mit ihr und Akuma auf eine besondere Art und Weise verbunden sein wird. Als Kind musste Kjara schreckliches erleben, das sie bis heute nicht vergessen kann.
Aber etwas ist in ihr- Akuma. Gemeinsam leben sie schon viele Jahre zusammen und endlich glaubt Kjara, dass sie in Erik den Mann fürs Leben gefunden hat und sie endlich mit ihrer Vergangenheit abschließen kann. Doch für Kjara sollte es noch schlimmer kommen, denn die menschlichen Abgründe sind tief und gnadenlos.
Der Thriller ,,Akuma“ ist eine Mischung zwischen subtilen Horror und unheimlichen Begegnungen der anderen Art. Die Autorin Nicole Siemer hat es geschafft mit der richtigen Würzung zwischen feinem und zynischen Humor und unheimlichen und gruseligen Szenen mich von Beginn weg für ihre Geschichte zu begeistern. Da jeder googeln kann was Akuma bedeutet, kann ich es auch gleich verraten, dass es sich hier um einen Dämonen handelt. Ich kann garantieren, dass jeder Leser Sympathie für Akuma empfinden wird. Er wird zwar entweder grausam und brutal dargestellt, dann wieder fast schon menschlich mit Eigenschaften wie beleidigt oder eifersüchtig sein. Diese Szenen werden so liebevoll beschrieben, dass man selbst mit ihm mitleidet, wenn es ihm schlecht geht. Interessant war auch der ,,Ausflug“ in die Hölle zu seiner Familie, was die Geschichte mittendrin wieder aus einem anderen Blickwinkel erscheinen ließ. Die Szenen zwischen ihm und Kjara werden immer wieder äußerst humorvoll, amüsant, aber auch sehr emotional dargestellt. Die Dialoge sind spritzig, einfühlsam und machen einfach Spaß über das besondere ,,Verhältnis“ der beiden mehr zu erfahren. Für manche Leser ist der Roman vielleicht nicht gruselig oder blutig genug, ich finde aber die Mischung zwischen mysteriösem, der dämonischen Unterwelt und der besonderen ,,Beziehung“ zwischen Kjara und Akuma gut gelungen. Der Roman lässt sich leicht und vor allem sehr flüssig lesen, da die Autorin einen angenehmen Schreibstil hat. Mit der Nebenfigur des Pastors hat Nicole Siemer einen genialen Gegenpartner zu Kjara und Akuma eingebaut und die Sympathiewerte sind dabei ständig gestiegen. Wie die Autorin die Geschichte aufgebaut hat, hat mir gut gefallen und Kjara und Akuma sind ein kongeniales Team. Ein Thriller also der besonderen Art, wo zur Sicherheit dazu die Autorin sowohl am Anfang, als auch am Ende des Romans eine Triggerwarnung dazu geschrieben hat. Kjara und Akuma dürfen gerne in einem weiteren Band ihr ,,Unwesen“ treiben. Mal schauen, ob sich die Autorin Nicole Siemer dazu ,,überreden“ lässt.
Zwischen Wahrheit und Lüge
Die Wahrheit der anderen von Daniel Zipfel
Pakistanische Flüchtlinge besetzen den Minoritenplatz, auf Transparenten steht der Name eines toten Pakistaners. Während die Polizei versucht deeskalierend zu handeln, macht der Journalist Uwe Tinnermans zufällig ein Foto von einer jungen Frau und einem Polizisten, nichts ahnend,dass aus einer harmlosen Situation noch eine reißerische Geschichte wird.
Auf einmal wittert Uwe die Story seines Lebens. Da im Grunde die Geschichte nicht wirklich aufregend ist, beginnt er seine eigene Sicht der Dinge darzustellen und setzt die junge Pakistanerin Veena Shahida als Symbolfigur des Protests in Szene. Obwohl sie mitten in einem Asylverfahren steckt, wo ihre Anwältin Birgit Toth mit allen Mitteln versucht diesen durchzubringen, lässt sich Veena immer mehr von Uwe beeinflussen und die Flüchtlinge lassen sich dazu überreden, die Kirche zu besetzen. Veenas Asylantrag hat dadurch auch kaum noch Chancen auf Erfolg, da sie bei ihrer Anhörung vor dem Richter sich in Widersprüchen verwickelt und so ihre Glaubwürdigkeit immer weniger wird. Uwe ist in seinem Element und macht Fotos von armen und hungernden Flüchtlingen um die Auflagen der Zeitung zu steigern. Obwohl sein alter Chef Konrad Brandt, der es selbst nie so genau mit der Wahrheit genommen hat, zu Beginn noch Feuer und Flamme für die Geschichte war, merkt dieser nun, dass Uwe die ganze Situation nur mehr nach seinen Vorstellungen manipuliert und kaum mehr etwas der Wahrheit entspricht. Plötzlich sind die Asylanten keine Helden mehr, aber wer weiß, vielleicht sind die paar Flüchtlinge in der Kirche noch brauchbar für die Wahlen?
,,Die Wahrheit der anderen“ ist ein gesellschaftskritischer Roman des Autors Daniel Zipfel. Die Geschichte spielt in Wien, könnte aber überall auf der Welt ebenso passieren. Da es vor Jahren einen ähnlichen Fall in Wien gegeben hat, ist anzunehmen, dass einige Handlungen sich vielleicht tatsächlich so abgespielt haben. Das Thema der Asylpolitik wird vom Autor jetzt nicht direkt behandelt, sondern er lässt den Leser daran teilhaben, wie vor allem der Journalismus es schafft, Menschen zu manipulieren. Wie soll man dabei herausfinden, was wahr und was gelogen ist. Der Autor erwähnt hierbei auch den Begriff ,,kalt schreiben“, also etwas zu verfassen, ohne dabei gewesen zu sein. Dabei merkt man als Leser, wie leicht es sein kann, dass man manipuliert wird. Sein Protagonist Uwe durchläuft in dem Roman eine negative Wandlung. Von unscheinbar bis knallharter Journalist, der selbst auf Kosten der jungen Veena, die Menschen belügt und dazu bringt Dinge zu tun, die sie eigentlich gar nicht wollen. Der Roman ist nicht leicht zu lesen, da es erstens sehr viele unsympathische Protagonisten gibt und man zweitens selbst nicht mehr unterscheiden kann, wo die Grenze zwischen Wahrheit und Lüge liegt. Der Autor schafft es dabei immer wieder eine Wendung herbei zu führen, wo man sich selbst verunsichern lässt und man ständig schwankt, ob man Veena ihre tragische Geschichte abnimmt oder nicht. In dem Roman wird vieles inszeniert, manipuliert und die Wahrheit ständig an einer Lüge angepasst. Es gibt nur knallharte Fakten, wo Menschenschicksale im Grunde nebensächlich sind. Den Roman zu beurteilen fällt nicht leicht. Auf der einen Seite ist er spannend und tragisch und auf der anderen verwirrend. Wenn es dann auch noch so viele Protagonisten gibt, zu denen man nicht wirklich eine ,,Beziehung“ aufbauen kann, fällt das Lesen nicht immer leicht. Aber ich denke, dass es dem Autor nicht wichtig war, eine heile Welt darzustellen, sondern aufzuzeigen , wie die Wirklichkeit ist und das ist ihm dann doch gelungen.
Ein neues Leben beginnt
Ich an meiner Seite von Birgit Birnbacher
Nach 26 Monaten im Gefängnis, steht der junge Arthur ohne Geld, Wohnung und Arbeit da. Einzig die Therapiesitzungen mit dem kauzigen Therapeuten Börd sollen ihm helfen zurück ins richtige Leben zu finden. Doch es ist für Arthur nicht leicht die zweite Chance in seinem Leben zu nützen, wenn man keine richtigen Papiere hat und kaum jemand einen Haftentlassenen eine Anstellung geben will.
Die ehemalige Schauspielerin Grazetta, die er in einem Hospiz in Andalusien kennen gelernt hat und die ihm auch nach der Haftentlassung, im Gegensatz zu seiner Mutter zur Seite steht, helfen ihm auf seinem neuen Weg. Mit oft unkonventionellen Methoden versucht Börd Arthur auf die Sprünge zu helfen und auch sich selbst besser kennen zu lernen. Es ist ein harter Weg, wo Arthur viele Rückschritte erleben muss, wo er aber schlussendlich erkennt, dass nur er selbst sich helfen kann.
Der Roman ,, Ich an meiner Seite“ beschreibt in einer teils poetischen und dann wieder in ernüchternden Sprache das Leben des jungen Arthur nach seiner Haftentlassung. Die Autorin Birgit Birnbacher nimmt dabei den Leser auf eine Zeitreise aus dem Leben des Protagonisten mit, wo man immer wieder zwischen der Zeit- und Erzählebene hin und her wechselt.. Der Roman besticht durch seine ruhige Art, wo man sich zwar einlesen muss weil man das Gefühl hat, die Geschichte zieht sich einfach dahin, aber mit der Zeit merkt man, wie viel an tiefsinnigen und schönen Gedanken man darin findet. Da es eine reale Vorlage für die Hauptfigur dieses Romans gibt, kann man sich als Leser noch besser in Arthur hineinversetzen. Die Nebenfiguren sind ebenfalls gut dargestellt. Wie z.B Börd, der Therapeut von Arthur, der versucht in einer Studie zu beweisen, dass man einen ehemaligen Straftäter wieder in die Gesellschaft eingliedern kann. Dass es dabei viele Rückschläge gibt, wo Arthur selbst oft nicht weiß, wer er wirklich ist und wer er nun sein möchte, wird gut beschrieben. In Rückblenden erfährt der Leser von Arthurs schwieriger Kindheit, von einem Familienleben, das nicht immer leicht war und von einer Schuld, die ihn bis heute noch begleitet. Die Geschichte wird mit einer Mischung zwischen Tragik und Komik erzählt, wo man als Leser immer wieder schmunzeln muss, selbst wenn die Situation an sich eher traurig ist. Manche Ereignisse werden von der Autorin nicht aufgelöst und man hat das Gefühl, dass noch etwas kommen sollte. Also bleibt jedem seine eigene Interpretation der Geschichte, wo man selbst entscheiden kann, wie sie weitergehen könnte.
Neubeginn
Ich an meiner Seite von Birgit Birnbacher
Im Jahre 1883 sind die Bergsteigerpioniere Alois und Toni auf dem Gletscher unterwegs, als sie wegen eines starken Gewitters in eine Gletscherspalte stürzen und scheinbar für immer verschollen sind. Doch als im 21. Jahrhundert bei einer spektakulären Katastrophe die beiden nicht nur ausgegraben werden sondern sogar wieder zum Leben erweckt werden, beginnt ein Abenteuer mit weitreichenden Folgen.
Versteckt vom Dorfschullehrer Ludwig Kofler, der den beiden nicht nur die ganzen technischen Fortschritte langsam und behutsam näher bringen muss, sind es auch viele alltägliche Dinge, die für die beiden völlig fremd sind und sie immer wieder in Situationen bringt, die für andere befremdlich erscheinen. Dass aber auch die Presse, Ärzte und diverse Geheimdienstorganisationen mit der Zeit drauf kommen, dass mit den beiden seltsamen Tirolern etwas nicht stimmt, lässt Ludwig zu einigen ungewöhnlichen Mitteln greifen um die wahre Identität von Alois und Toni zu bewahren.
Der Autor Henrik C. Josefsson nimmt den Leser in seinem Roman ,,Die Männer aus dem ewigen Eis- Neubeginn“, auf eine abenteuerliche und humorvolle Reise mit, wo die beiden Tiroler Alois und Toni sich plötzlich in einer neuen Zeit mit vielen für sie unbekannten und befremdlichen Dingen auseinander setzen müssen. Was für uns alltäglich ist, wie Licht einschalten, mit dem Auto fahren..... ist für die beiden etwas fremdes und teils auch beängstigendes. Der Autor beschreibt dabei immer wieder humorvolle Szenen, wo ich mir eindeutig mehr davon gewünscht hätte. Was man vom Autor aber bekommt sind viele Erklärungen und Beschreibungen die im Zusammenhang mit der Geschichte stehen. Sind es technische Errungenschaften, oder medizinische Belange die über Pilzkulturen, oder DNA- Sequenzanalyse berichten, über vieles wird man dabei als Leser informiert. Es sind zwar viele Themen die dabei angeschnitten werden so wie auch über die Kryonik, die interessant zu lesen ist, aber die eigentliche Geschichte über die beiden Tiroler, tritt dabei in den Hintergrund. So habe ich immer wieder das Gefühl gehabt ein Sachbuch zu lesen, das zwar gut und sehr informativ war, aber trotzdem haben mir dabei die Abenteuer von Alois und Toni gefehlt, wo man doch immer gewartet hat, dass den beiden wieder Missgeschicke passieren oder sie in peinliche Situationen geraten. Dialoge werden eher sparsam eingesetzt, wo speziell die beiden Tiroler in ihrem Dialekt reden dürfen, wo sicher der eine oder andere Leser seine Probleme haben wird. Die Geschichte, die sich der Autor ausgedacht hat war gut zu lesen, wo ich für die detaillierten Beschreibungen und Informationen 4 Sterne vergebe. Da ich mir aber von Alois und Toni mehr an Handlung gewünscht hätte sind es dafür 3 Sterne. Der Roman mit dem Neubeginn, war erst der Anfang und ich bin schon gespannt, wie es mit den beiden weiter geht.
Ein mörderisches Haustier
Ich an meiner Seite von Birgit Birnbacher
Was gibt es schöneres, als im Wald herum zu tollen und dabei etwas geheimnisvolles zu entdecken? So ergeht es der 7 jährigen Luzie, die gemeinsam mit ihrem Bruder Robin und deren gemeinsamen Freund Mattes, einen alten Bagger finden. Dass sich auf diesem ein Auge und später sogar noch ein Mund befindet, schockt nur zu Beginn die Kinder.
Denn schon bald ist es für Luzie ihr ,,Haustier“, sie hat sich zwar immer eines gewünscht , aber nach dem Unfalltod ihrer Mutter, war das nie wieder ein Thema. Obwohl der zwölfjährige Robin merkt, dass etwas mit dem Bagger ganz und gar nicht stimmt und er seine Schwester davor beschützen will, kommt das Böse immer näher. Dass es sich auch in den eigenen vier Wänden bereits seit langer Zeit eingenistet hat und Robin und sein Vater Tom immer öfter aneinander geraten macht die ganze Situation nur noch schlimmer. Langsam aber sicher geraten die Dinge außer Kontrolle und das Monster bahnt sich seinen blutigen Weg unaufhaltsam weiter.
,, Luzies Tier“ ist der Debut- Roman des Autors Daniel Kasper. Wer subtilen Horror, blutige und auch ekelige Szenen mag, wo es auch berührende und zu Herzen gehende Momente gibt, dem kann ich den Roman wärmstens empfehlen. Der Autor lässt den Leser von Beginn weg hoffen und bangen, sich gruseln und sogar schmunzeln. Dieser feine Humor, der immer wieder aufblitzt lässt sogar unheimliche und gruselige Szenen für einen kleinen Moment erträglicher machen. Man weiß als Leser nie so genau, wo der Horror anfängt und wo er aufhört. Die drei Kinder machen im Laufe der Geschichte einiges mit und Daniel Kasper lässt dabei durch immer wieder kleine liebevoll beschriebene Details den Roman bildhafter erscheinen, als er schon ist. Der Zusammenhalt der Geschwister und auch des Freundes Mattes kommen dabei immer wieder zum Vorschein. Freundschaft und Vertrauen spielen dabei eine große Rolle. Sehr gut beschreibt der Autor aber auch die seelische Zerrissenheit Toms, der durch die psychischen und physischen Quälereien von seinem Vater mit seinen eigenen Dämonen zu kämpfen hat. Daniel Kasper spielt sehr gut mit den ureigenen Ängsten der Menschen, egal ob es sich um reelle Dinge handelt oder um Alpträume, die die Protagonisten immer wieder quälen. Ein flüssiger Schreibstil, eine spannende und emotionale Geschichte machen den Roman ,,Luzies Tier“ zu einem wahren Lesevergnügen.
Alt und krank
Leichte Böden von David Fuchs
Der Lehrer Daniel kehrt nach vielen Jahren wieder aufs Land zurück. Eigentlich wollte er nur sein altes Auto holen, das er bei seinen Verwandten Klara und Alfred abgestellt hatte. Doch schon bald muss er erkennen, dass sich vieles geändert hat. Nicht nur, dass Alfred dement ist und auf ständige Hilfe seiner Frau Klara angewiesen ist, wohnt auch der Nachbar Heinz bei ihnen, der nur mit Hilfe eines Sprachcomputers kommunizieren kann.
Daniel trifft auch auf seine Kindheitsfreundin Maria wieder mit der er gerne seine Zeit verbringen würde, doch sein ehrgeiziges Ziel ist,seinen Angehörigen um jeden Preis zu helfen. Dass das nicht so leicht ist, wie er es sich vorgestellt hat und auf wie viele Widerstände er dabei stoßen würde, hätte er zu Beginn nie gedacht. Und schon bald muss Daniel erkennen, dass seine Hilfe bei einigen gar nicht erwünscht ist.
Der Autor David Fuchs greift in seinem Roman ,,Leichte Böden“ ein sehr wichtiges Thema auf. Was passiert, wenn man alt wird und man nicht mehr für sich selbst sorgen kann und ein Angehöriger bis zur Selbstaufopferung sich um diese Person kümmern will? Die Geschichte rund um Klara, Alfred und Heinz zeigt, wie schwierig es sein kann, wenn eine Person für alles zuständig ist. Klara wirkt zwar manchmal stur und hart und will sich nicht immer helfen lassen, aber sie ist eine Frau, die genau weiß was sie will. Dabei zeigt der Autor sehr schön und auch emotional, wie die Verbindung zwischen ihr und ihrem schwer dement kranken Mann Alfred ist. Hautnah erlebt der Leser dabei mit, wie sie psychisch und physisch immer wieder an ihre Grenzen gerät. Auch wenn Daniel helfen will und mit guten Ratschlägen kommt, möchte Klara selbst bestimmen, was sie für richtig hält. Auch wenn es ein ernstes Thema ist hat es der Autor geschafft selbst in berührenden Szenen einen feinen Humor hinein zu bringen, sodass man einfach schmunzeln musste und die Tragik leichter zu ertragen war. Nach und nach erfährt man auch, was in der Vergangenheit passiert ist und warum das Verhältnis zwischen Heinz und seiner Tochter Maria so unterkühlt ist. Besonders witzig und sympathisch beschreibt der Autor immer wieder die Szenen zwischen Daniel und Maria, wenn sie sie ihre Kindheitserinnerungen auffrischen oder sich gegenseitig necken. Da steckt so viel Lebensfreude darinnen, dass diese Momente eine willkommenen Abwechslung sind. Eine spannende Geschichte, wo man als Leser selber nicht weiß, was richtig und was falsch ist. Wie weit kann und soll man sich in ein anderes Leben einmischen? Wann ist der richtige Zeitpunkt um Hilfe anzunehmen? Viele Fragen also, die nicht leicht zu beantworten sind. ,,Leichte Böden“ ist ein wunderschöner, berührender Roman der zu Herzen geht.
Der eiskalte Mörder
Die Frauenkammer von Jannes C. Cramer
Kommissar Frank Holper bekommt es innerhalb kürzester Zeit mit zwei Morden an jungen Frauen zu tun. Einzige Gemeinsamkeit ist ein Tattoo in Form eines Schmetterlings am Knöchel. Da er mit den Ermittlungen nicht weiterkommt ist Holper froh, dass er den Privatdetektiv Lukas Bender als Berater hinzuziehen kann.
Schon bald beginnen sich die beiden auch privat gut zu verstehen und ein anonymer Hinweis bei der Polizei lässt Holper hoffen, endlich eine Spur zu haben. Doch was er nicht weiß ist, dass der Täter schon längst wieder eine Frau in seiner Gefangenschaft hat.
,, Die Frauenkammer“ von Jannes C. Cramer ist ein Thriller, bei dem es dem Leser immer wieder die Nackenhaare aufstellt, wenn man sich bildhaft vorstellt, wie die Frauen in dieser kleinen Kammer, in der sie nur zusammengekauert liegen können, vom Täter physisch und psychisch gequält werden. Von Beginn weg weiß man zwar wer der Täter ist, aber das tut der Spannung keinen Abbruch. Man hat ständig das Gefühl, dass man den Mörder auf Schritt und Tritt begleitet und seine Foltermethoden sind nicht immer leicht zu verdauen. Der Kommissar spielt in diesem Roman eher eine Nebenrolle, da sich der Autor hauptsächlich auf den Psychopathen eingestellt hat. Dieser wird gut dargestellt, als Sadist, als extrem vorausschauend und sehr manipulativ. Frank Holper kommt mit seinen Handlungen und Ermittlungen nicht immer gut weg und es hat manchmal den Anschein, als ob er etwas nachlässig agieren würde. Die Kapitel beginnen immer wieder mit dem Namen der Person, die darin die Hauptrolle spielt. Der Schreibstil ist sehr bildhaft und flüssig zu lesen. Die Perspektivenwechsel innerhalb der jeweiligen Kapitel macht die ganze Geschichte noch interessanter, weil man dabei das Gefühl hat, man kann zwei Handlungen gleichzeitig folgen. Es ist vielleicht für manche Leser ungewöhnlich oder verwirrend, aber mir gefallen diese schnelle Sprünge von einem Ort zum anderen. Ein gut geschriebener Thriller, wo auch das Cover herrlich dazu passt und schon vor dem Lesen Gänsehaut erzeugt.
Die Sprache der Blumen
Die Frauenkammer von Jannes C. Cramer
Der angesehene Schriftsteller Ernst Hoffmann ist tot und besonders hart trifft dies seine Enkelin Lilly, die ihn abgöttisch geliebt hat. Deshalb kann sie es nicht verstehen, warum ihre Mutter Iris immer wieder schlecht von ihrem Vater spricht und scheinbar keine Gefühle für ihn hatte. Als Lilly in das ihr hinterlassene alte Gutshaus ihres Großvaters zurückkehrt, findet sie das Tagebuch ihrer Großmutter Isabelle, die sie leider nie kennen gelernt hatte.
Die tragische Geschichte ihrer Großmutter und die Liebe zu ihrem Blumengarten, lässt plötzlich ihren Großvater in einem anderen Licht erscheinen. Lilly entdeckt auch den Garten, von dem ihre Großmutter geschrieben hatte. Doch jetzt ist dieser verwildert und für Lilly stellt sich nun eine neue Herausforderung. Sie will diesen Garten wieder zum Blühen bringen. Je mehr sie in die Vergangenheit eintaucht, umso mehr wird sie auch mit ihren eigenen Problemen konfrontiert und so wie Isabelle um Glück und Liebe kämpfen musste, muss sich auch Lilly entscheiden, wohin sie ihr Lebensweg führen soll.
,, Der Liliengarten“ von Jana Seidel lässt den Leser in einer ,,blumigen“ Sprache an drei Frauenschicksalen teilhaben, die über Generationen hinweg mit Freud und Leid zu kämpfen haben. Dabei hat die Autorin besonders die Schicksale von Isabelle und Lilly in den Vordergrund gestellt. Sie wechselt dabei nicht nur zwischen den Zeiten, sondern auch in der Ich- und auktorialer Erzählsituation. Als Leser reist man zu Isabelle ins Jahr 1959 und erlebt mit, wie sie als Frau nicht nur unter dem Druck steht, endlich schwanger zu werden, sondern auch wie die damaligen Zeiten, den Mann als Oberhaupt der Familie sieht, der entscheidet, was gut für seine Frau ist. Man leidet mit ihr, wenn sie versucht aus den gesellschaftlichen Fesseln auszubrechen, man spürt ihre Leidenschaft, die sie in ihren Blumengarten legt und man erkennt, dass sie eine Gefangene ihrer Zeit ist, wo sie nicht auf ihr Herz, sondern auf ihren Verstand hören muss und sie trotzdem nicht das in ihrem Leben findet, wonach sie gesucht hat. Iris wird in dem Roman kaum erwähnt und ist im Grunde ein Bindeglied zwischen den Zeiten, wo 2020 ihre Tochter Lilly nicht nur in die Vergangenheit reist, sondern auch vieles über sich selbst erfährt. War Isabelle von Beginn weg sympathisch und einfühlsam, so ist Lilly genau das Gegenteil, wo man als Leser nicht gleich einen Zugang zu ihr finden konnte. Sie ist in ihrer Art ruppig, unfreundlich und lässt keine wirklichen Gefühle zu. Erst das Tagebuch ihrer Großmutter lässt sie weicher werden und auch eine andere Sichtweise auf ihr Leben erkennen. Besonders intensiv hat sich die Autorin mit der ,,Sprache“ der Blumen beschäftigt und man erfährt vieles über die nonverbale zwischenmenschliche Kommunikation. In den Roman wird man langsam hineingeführt in Schicksale, die über Generationen hinweg ihre Spuren hinterlassen. Wer also Eintauchen möchte in eine romantische Blumenwelt, wo Gefühle und Emotionen in einer ruhigen und einfühlsamen Art und Weise beschrieben werden der findet in dem Roman ,,Der Liliengarten“ sicherlich schöne Lesestunden.
Keine Ruhe in Friedberg
Ruhet in Friedberg von Rudolf Ruschel
Welch furchtbare Dinge in dem kleinen Provinznest Friedberg Ende der 90 er Jahre in Österreich passieren, hätte wohl niemand gedacht. Die bei der Bestattung als Aushilfen tätigen Freunde Andi und Fipsi, erleben sprichwörtlich die Hölle auf Erden, als sie sich plötzlich mit Leichen, die nicht ganz freiwillig bei ihnen gelandet sind, herum schlagen müssen und auch ihr Vorarbeiter Macho sich mit finsteren Gestalten abgibt.
Schneller als gedacht werden alle mit menschlichen Abgründen konfrontiert, wo keiner mehr weiß, ob er dem anderen noch vertrauen kann, denn plötzlich scheint jeder etwas zu verbergen zu haben.
,,Ruhet in Friedberg“ von Rudolf Ruschel ist ein Kriminalroman der besonderen Art. Dass ein Krimi humorvoll sein kann, ist im Grunde nichts ungewöhnliches, aber hier muss man sich auf einen Roman gefasst machen, wo man entweder von Beginn weg begeistert oder geschockt ist. Angefangen mit der Sprache, wo immer wieder der österreichische Dialekt hervorkommt, der durchaus auch einmal derb sein kann, wo man sich aber als Einheimischer die Szenen dabei bildhaft vorstellen kann, wenn in einer feuchtfröhlichen Runde über Gott und die Welt philosophiert wird, wenn dabei Vorurteile am laufenden Band die Gemüter erhitzen. Der Autor war dabei sehr mutig und hat seinen Lesern dabei einiges abverlangt. Er scheut sich dabei nicht viele Themen brutal ehrlich aufzugreifen und lässt seine Protagonisten über Schwule, Huren und sonstige Feindbilder der Gesellschaft herziehen. Dass dabei nicht immer der feine Ton getroffen wird ist klar, aber gerade das macht den Roman interessant, weil er dabei den Menschen einen Spiegel vorhält und das erzählt, was man immer wieder in Zeitungen liest oder von den Menschen auf der Straße zu hören bekommt, wenn sie ein Hassobjekt gefunden haben. Gleich zu Beginn bekommt man im Klappeneinband die wichtigsten Personen mit ihren Eigenheiten beschrieben. Dabei merkt man schon, dass man den Roman nicht ganz ernst nehmen sollte. Die Figuren sind herrlich verschroben und man muss immer wieder schmunzeln oder den Kopf schütteln, ob ihrer Einfälle. Die Geschichte ist so abgedreht, dass sie schon wieder spannend ist. Der Humor ist sicher nicht jedermanns Sache, weil dieser nicht nur zynisch, rabenschwarz sondern auch manchmal hart an der Schmerzgrenze ist. Ebenso findet man sich immer wieder einmal in brutalen Szenen wieder, wo einem kurz die Luft wegbleibt. Der Autor schafft es aber seine Geschichte so rasend schnell, spannend und witzig zu erzählen, dass man einfach weiterlesen muss. Seine originellen Einfälle dabei scheinen grenzenlos zu sein und ich kann garantieren, dass niemand mit diesem Ende rechnen würde. Wer also mutig ist und sich nach ,,Friedberg“ traut, der wird sicher gut unterhalten werden.
Zwischen Leben und Tod
Ruhet in Friedberg von Rudolf Ruschel
Die Sekretärin Rebekka Braun ist verzweifelt. Ihre Kollegin und Freundin die Journalistin Natalia ist plötzlich verschwunden und niemand scheint dies aufzufallen. Auch ihr Chef Dr. Bergmann sieht dies nicht als tragisch an und verbietet Rebekka sogar Nachforschungen anzustellen. Doch das kommt für sie nicht in Frage und sie beginnt heimlich nachzuforschen wo unter anderem auch eine Spur zu einem dubiosen Escort Service führt.
Als Rebekka auch ihrem Chef unangenehme Fragen stellt und er merkt, dass Natalia tatsächlich bereits tagelang spurlos verschwunden ist, beginnt auch er sie zu unterstützen. Was keiner weiß ist, dass weit entfernt, an einem anderen Ort, Natalia um ihr Leben kämpft und ihr Körper und ihr Geist zwischen Leben und Tod schweben und sie viele Dinge erlebt, die darüber entscheiden ob sie leben oder sterben wird.
Der Autor David Novel hat mit seinem spirituellen Roman ,,Gestrandet in der Zwischenwelt“ eine interessante und bildhafte Geschichte erzählt, die den Leser in eine Welt zwischen Leben und Tod entführt. Auf der einen Seite beschreibt er die Freundschaft von Rebekka zu Natalia, die alles daran setzt ihre Freundin zu finden. Egal welche Widerstände auftreten oder wie ausweglos eine Situation erscheint, sie gibt nicht auf. Dabei hat der Autor viele Gedanken mit Hilfe der wörtlichen Rede dargestellt. Das war für mich manchmal schon ein wenig verwirrend, weil nicht gleich zu erkennen war ob es sich nun um Gedanken oder tatsächliche Gespräche handelt. Interessant waren die Szenen und Erlebnisse in der Zwischenwelt beschrieben, wo man als Leser mit Natalia mitgelitten hat, ob ihrer scheinbaren aussichtslosen Situation. Bildhaft hat dabei der Autor ihre Sorgen und Ängste beschrieben. Man hat sehr gut ihre Verzweiflung gespürt, wenn sie Hunger, Durst und Erinnerungslücken gequält haben. Auch wenn der Roman spirituelle Züge aufweist, kann man ihn sehr gut lesen ohne dass man mit religiösen Inhalten konfrontiert wird, falls jemand das dem Titel nach befürchtet. Der Autor hat sich sehr bemüht, viele Details zu erwähnen, die aber manchmal etwas zu viel sind. Eine nette Geschichte die zeigt, dass man nie aufgeben soll und es viele Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die man sich nicht erklären kann.






