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Rezensionen von rewareni:
Ein neues Leben
Schatten der Erinnerung von Margarete van Marvik
Die 33 jährige Amelie ist endlich frei. Fünf lange Jahre hat sie wegen fahrlässiger Tötung mit unterlassener Hilfeleistung und dem Diebstahl eines teuren Diamantringes, im Gefängnis verbracht. Aber sie ist sicher, dass sie unschuldig ist, obwohl sie sich an den Tathergang kaum noch erinnern kann.
Nach ihrer Haftentlassung hat Amelie nur ein Ziel- sie will ihre Unschuld beweisen. Zum Glück findet sie schnell Arbeit in einer Anwaltskanzlei, wo ihr Chef Herr Schmidt, sowie ihre beiden Kollegen Harry und Daniel sie bei diesem Vorhaben unterstützen. Amelie tritt dabei einigen Leuten auf die Füße und sie muss immer wieder am eigenen Leib spüren, dass es Menschen gibt, die ihr Vorhaben nicht gutheißen. Selbst als bei Daniel eingebrochen wird und man Harrys Wohnwagen anzündet, stehen ihre Kollegen zu ihr und Amelie kommt der Wahrheit immer näher.
,, Schatten der Erinnerung´´ von Margarete van Marvik ist ein Kriminalroman, wo es nicht zu blutigen Szenen oder extrem brutalen Handlungen kommt, sondern ein Roman, wo es um Gerechtigkeit, Freundschaft und Hoffnung auf ein neues Leben geht. Die Protagonistin Amelie wird als willensstarke und auf Gerechtigkeit hoffende Person beschrieben. Die Autorin zeigt dabei auf wie schwer es für einen Menschen sein kann, wenn er unschuldig verhaftet wird, wenn sich Familie und Freunde von einem abwenden und man als Verbrecher angesehen wird, obwohl man gar keiner ist. Schön war dabei zu lesen, dass es sehr wohl Menschen gibt, die keine Vorurteile haben und so wie hier Amelie unterstützen und zur Seite stehen. Die Autorin hat auch versucht gewisse Eigenheiten und Vorlieben von Amelie hervor zu heben. Dabei ist aber mit der Zeit ein ,,Gewöhnungseffekt´´ eingetreten. Vor allem, dass sehr oft erwähnt wird, dass sie sich ihre Lakritze in den Mund steckt, was mit der Zeit ein wenig nervig war. Ebenso haben sich manche Szenen in ähnlicher Art und Weise immer wieder wiederholt. So ist Amelie verfolgt worten, nieder geschlagen worden, sie hat einen Unfall.... und sie macht sich wieder auf um weiter nach dem wahren Täter zu suchen. Durch diese ähnlichen Wiederholungen, hat sich dann die Geschichte etwas dahin gezogen.
Der Roman lässt sich schnell lesen, auch wenn nicht ganz der Funke übergesprungen ist. Ich mag die Bücher der Autorin, die sich nicht scheut auch unangenehme und berührende Geschichten zu schreiben.
Eine Reise in die Vergangenheit
Und sie sollen von seinem Blut nehmen von Magnus Mahlmann
Schneller als gedacht gibt es im Veedel wieder einmal einen ,, Fall ´´ zu lösen, wo die Geschwister Laurenz und Linda aus unterschiedlichen Beweggründen Nachforschungen anstellen müssen. So wird Pfarrer Laurenz von der alten Käthe Fischenich angefleht den Geist der ermordeten Rosalinde aus der Nachbarwohnung zu vertreiben und seine Schwester Linda soll im Auftrag der Investorin Frau Rössner, die endlich die leerstehenden Wohnungen sanieren möchte, herausfinden, warum in dieser besagten Wohnung immer wieder Blut von den Wänden herabrinnt.
Ein scheinbar unlösbares Rätsel für Laurenz und Linda, wo jeder auf seine eigene Art und Weise versucht hinter die Lösung zu kommen. Während Linda in der Gegenwart bleibt und sich unter anderem mit dem Neffen von Frau Fischenich, Dietmar Pütz, beschäftigt, begibt sich Laurenz in die Vergangenheit, wo er einige interssante und auch beunruhigende Dinge aus dem Leben von Rosalinde erfährt. Als wären die ,,Ermittlungen´´ der beiden nicht schon schwierig genug, so machen sie sich auch immer mehr Sorgen um ihren Opa Eberhard, der seine unbekannte Verfolgerin wie es scheint nicht abschütteln kann. Dass er aber auch noch möglicherweise in die damaligen Geschehnisse rund um die Ermordung von Rosalinde, beteiligt sein könnte, macht es für die Geschwister auch nicht leichter. Bis sich alles aufklärt, wird noch so manches Blut von den Wänden rinnen.
,, Und sie sollen von seinem Blut nehmen´´ ist der zweite Fall mit den sympathischen Protagonisten Laurenz und Linda Broich. Der Autor Magnus Mahlmann lässt die beiden wieder in gewohnter zielstrebiger und humorvoller Art und Weise ,,ermitteln´´. Man steigt ohne Probleme , wenn man den ersten Band nicht kennt, in das unheimliche Geschehen ein. Der Leser wird ebenso wie die beiden mit dem mysteriösen Blut, das von der Wand rinnt konfrontiert und man erlebt dabei am Ende eine überraschende Auflösung. Es macht Freude, den bereits bekannten Protagonisten über die Schulter schauen zu können und sie zu begleiten. Der Autor hat gekonnt einen spannenden Roman geschrieben, wo im Grunde ein Ereignis aus der Vergangenheit, der Auslöser für die unheimliche ,,Bluterscheinung´´ ist. Es war wieder schön zu beobachten, wie Laurenz und Linda an den Fall herangegangen sind. Dass dabei sogar tatsächliche Ereignisse aus der Nazi Zeit miteingeflossen sind, macht den Roman noch interessanter. Es wird nicht immer nur eine heile Welt dem Leser präsentiert, sondern durchaus auch menschliche Schicksale, wo es auch tiefgründige Gespräche dazu gibt. Der Schreibstil ist locker und gut zu lesen. Dass auch die anderen Personen, wie Olek oder Opa Eberhard, wieder dabei sind und die beiden ebenfalls eine eigene kleine Geschichte haben, gefällt mir und so ist es nicht verwunderlich, dass es Geheimnisse gibt, die wahrscheinlich erst wieder im nächsten Band gelöst werden.
Ein neues Ermittlerteam
Tod im Fichtelgebirge von Jacqueline Lochmüller
Was gibt es für eine Familie schlimmeres, als dass ihre Kinder plötzlich verschwunden sind. Für Kommissarin Kristina Herbich und ihrem Kollegen Breuer wird dieser Fall zu einer Herausforderung. Denn das Verschwinden der kleinen Mädchen von Mareike und ihrem Mann Robert, ist schon von Anfang an sehr seltsam und die Zeit läuft den Kommissaren unaufhaltsam davon.
Es werden aber auch vermehrt vermisste junge Männer gemeldet, wo Kristina nicht weiß, ob es dabei zu ihrem Fall einen Zusammenhang gibt. Als dann tief im Wald eine halbnackte Frau von Kristinas Onkel Johann Kunze gefunden wird, überschlagen sich die Ereignisse. Kristina spürt, dass sie nicht nur einen Fall zu lösen hat, sondern, dass es anscheinend mehrere sind. Dass sie plötzlich auch noch einen mysteriösen Todesfall eines Mannes lösen sollen, macht die ganze Angelegenheit auch nicht einfacher. Die Zeit läuft davon und von jedem liegen bereits die Nerven blank. Was die Kommissare dann herausfinden, lässt alle erschüttert zurück.
Der Krimi ,,Tod im Fichtelgebirge´´ von Jacqueline Lochmüller, ist ein Roman, der sicher keinen Leser unbeeindruckt zurücklässt. Zuerst sieht man das düstere Cover mit dem Haus im finsteren Wald, wo man im Laufe der Geschichte, dann wirklich abtaucht in eine toll beschriebene Waldszene und man als Leser Bilder vor seinem geistigen Auge sieht, wo man das Gefühl hat, mittendrin zu sein und sich Gänsehaut einstellt. Der Autorin gelingt es von Beginn weg den Leser in seinen Bann zu ziehen und sie hält diese Spannung bis zum Schluss durch. Ihr Schreibstil ist sehr bildhaft und intensiv, sodass man sich auch Dinge, die man vielleicht nicht unbedingt sich vorstellen möchte, trotzdem vor Augen hat. Jacqueline Lochmüller schafft es viele Charaktereigenschaften und Emotionen wunderbar darzustellen.
Angefangen von der Kommissarin Herbich, die zuerst voreingenommen gegenüber ihrem neuen Kollegen ist, die aber im Laufe der Handlung ihn doch zu schätzen lernt. Bis hin zu Mareike und Robert, die alle Phasen eines tragischen Verlustes durchleben und man als Leser Verzweiflung, Wut, Angst und Hilflosigkeit spürt. Dass es dabei sehr viele Personen gibt, die in dem Roman vorkommen und man als Leser gerade zu Beginn eine leichte Verzweiflung spürt,ob der vielen Namen, ist der einzige kleine Kritikpunkt.
Auch hat die Autorin zwei aktuelle Themen, die ich ob der Spannung, nicht verraten möchte, miteinander gekonnt verknüpft und sie in dem Fall der verschwundenen Mädchen miteinfließen lassen, sodass man als Leser gespannt war, wie sich alles auflöst. Auch wenn es tragische und menschliche Schicksale waren, die die Autorin erzählt hat, ist es ihr aber auch gelungen einen feinen, manchmal leicht bissigen Humor in Form von Pfarrer Johann Kunze und seinem Dackel Arno, in die Geschichte einzufügen. Herrlich hat sie dabei die Szenen mit den beiden beschrieben, wo man als Leser einfach nur schmunzeln musste. Der Krimi ,, Tod im Fichtelgebirge´´ wartet mit Spannung, etwas Humor, tragischen Schicksalen und einem interessanten Ende auf, wo ich mir vorstellen kann,dass man die Kommissare, den Pfarrer und seinen mutigen Dackel Arno in einem neuen Fall wiedersehen könnte.
Elsa ermittelt
Aller toten Dinge sind drei von Bent Ohle
Eigentlich wollte Astrid Stegmeier, die Chefin des Berliner Landfrauen Verbandes in Uplengen den Herbstmarkt mit einer Rede eröffnen. Doch unvermutet landet sie gemeinsam mit ihrer krimibegeisterten Assistentin Elsa van Graaf in einem mysteriösen Fall. Drei Männer des Ortes erhalten Holzbretter, auf denen ihr Geburts und - Todestag geschrieben steht.
Während die Ehefrauen nicht nur um ihre Männer besorgt sind, soll am nächsten Tag der Herbstmarkt mit einem Wettlauf stattfinden, wo sich die Frage stellt, wie man da die Männer beschützen soll. Schneller als gedacht befindet sich Elsa in ihrem ,,ersten Fall´´ und sie beginnt zu ,,ermitteln´´. Was sie dabei herausfindet, lässt so manchen Bewohner des Ortes in keinem schönen Licht erscheinen. Angefangen vom Diebstahl wertvoller Alpakas bis hin zu einer Vergiftung mit Arsen, wird Elsa sogar noch selbst ein Opfer eines tätlichen Angriffs. Also wird Elsa klar, dass sie nun ihren ganzen Spürsinn einsetzen muss um noch schlimmeres zu verhindern.
,,Aller toten Dinge sind drei´´ ist der humorvolle Auftaktroman von Bent Ohle, der mit seiner Protagonistin Elsa van Graaf, eine sympathische, kluge und witzige Person erschaffen hat. Der Roman bietet nicht nur Spannung, wo man bis zum Ende mit rätseln kann und man nicht auf den Täter kommt. Sondern auch eine Menge an Humor, witzigen Szenen und herrlichen Dialogen, die immer wieder auch im ostfriesischen Dialekt geschrieben sind.
Trotz der Unterhaltung gibt es aber auch einiges an Wissensvermittlung bezüglich der ,,Landfrauen´´, wie sie arbeiten, mit welchen Problemen sie nicht nur in Deutschland, sondern auch ich anderen Ländern zu tun haben und man bekommt auch als Leser einen interessanten Einblick wie sich der Verband, der aus Frauen verschiedener Berufsgruppen und Generationen besteht, sich untereinander unterstütz.
Der Roman lässt sich leicht und flüssig lesen, nur die Schrift ist relativ klein, was man beim nächsten Band ändern sollte.
Es ist ein unblutiger Krimi, der einen gewissen Charme versprüht, ob der teils etwas schrulligen Protagonisten. Dass der Landfrauenkrimi mit Elsa weitergeht und sie auch noch in ihrem privaten Umfeld etwas zu ,,ermitteln´´ hat, macht schon neugierig auf den nächsten Band.
Wenn die Seele weint
Aller toten Dinge sind drei von Bent Ohle
Kendra versteht nicht mehr, was plötzlich mit ihr los ist. Ihr Mann Anton ist liebevoll und einfühlsam, ihre drei Kinder liebt sie über alles und auch ihr Beruf macht ihr immer noch Spaß. Doch ihre seltsamen Träume, die sie seit Jahren hat, werden immer intensiver und sie spürt in ihrem Inneren, dass diese Unruhe nicht nur ihr, sondern auch ihrer Familie Sorgen bereitet.
Gefühlsschwankungen und eine scheinbar unstillbare Sehnsucht nach einem anderen Zuhause lassen Kendra zu einem drastischen Mittel greifen. Nachdem ihr erster Psychotherapeut keinen plausiblen Grund für ihre seelischen Qualen findet, kommt Dr. Waller ins Spiel, der unkonventionelle Wege geht und Kendra mit Hypnose in eine Zeit zurückversetzt, in der sie ein besonderes Leben lebt. Bei vielen Sitzungen kommen unglaubliche Dinge ans Licht, wo Kendra vieles erleiden aber auch vieles lernen kann, dass ihr in der Vergangenheit und in der Gegenwart noch hilfreich sein wird.
,, Rionnag - Krieger meiner Seele´´ ist ein besonderer Roman der Autorin A.C. LoClair. Bevor man zu lesen beginnt, zieht einem bereits das Cover in seinen magischen Bann. Stahlblaue Augen blicken dem Leser sprichwörtlich tief in die Seele, Feuer und ein Schwert wirken bedrohlich und die Runenschrift zeigt an, wohin die Reise geht. So lässt die Autorin ihre Protagonistin Kendra in ihren Träumen nach Schottland reisen, wo fast 800 Jahre dazwischen liegen. Es ist auch für den Leser eine besondere Reise, weil die ,, Träume ´´ nicht chronologisch verlaufen und man genauso wie Kendra verwirrt ist, wenn man von Dingen erfährt die passiert sind, aber später dann noch nicht statt gefunden haben. Da leidet man mit Kendra mit, weil sie spürt, dass sie eine wichtige Aufgabe zu erfüllen hat, wo sie Dinge erlebt, die traurig und grausam sind und sie aber das Gefühl hat, nicht alles dafür getan zu haben, um die schlimmen Dinge zu verhindern. Der Roman geht schnell zu lesen, weil man in der Geschichte gleich gefangen ist. Was mich dabei aber gestört hat war, dass Kendra, auch wenn sie trauriges gespürt oder gesehen hat, dabei ständig in Tänen ausbricht und später aber dann wieder zu kichern beginnt und irgendwo an ihr herumzupft oder sich zu kratzen beginnt. Die Autorin fügt in ihrem Roman auch gälische Begriffe und auch ganze Sätze mit ein, die entweder gleich oder hinten in einem Glossar erklärt werden.
Schön beschrieben sind die Szenen, die in Kendras früherem Leben spielen, weil sie dabei alle Ereignisse selbst erzählt und man dabei intensiv alles miterlebt. Das Thema in dem Roman ist nicht alltäglich weil es sich unter anderem mit Wiedergeburt beschäftigt . Mir haben auch die Fragen und Gedanken gefallen, ob sich Seelen wieder erkennen können, ob Liebe über Raum und Zeit bestehen kann und was es bedeutet, wenn man Seelenqualen leidet und bestimmt hat sich auch der eine oder andere schon selbst gefragt, ob er nicht schon einmal gelebt hat oder man das Gefühl hat, jemanden zu kennen, obwohl man gar nicht genau weiß woher. Sehr interessant waren auch die Erklärungen bezüglich Kräuter und Heilkunst, wo die Autorin ihrer Protagonistin viel an Wissen ,,beigebracht´´ hat und so manches altes Hausmittel auch heute noch für diverse Krankheiten eingesetzt wird.
,, Rionnag´´ ist ein Roman zum Träumen, die Seele baumeln lassen und sich in eine vergangene Zeit entführen zu lassen, wo Dinge zwischen Himmel und Erde passieren, die mit dem menschlichen Verstand nicht zu begreifen sind. Einfach ein ,,kitschig´´ schöner, spannender, lehrreicher und emotionaler Roman.
Gänsehautgefühl
Aller toten Dinge sind drei von Bent Ohle
In Zwielicht Classic 5, hat der Herausgeber Michael Schmidt wieder einmal eine interessante Mischung aus 11 verschiedenen horrorverdächtigen Geschichten dem Leser bereitgestellt.
Manche Geschichten beginnen scheinbar ganz harmlos wie bei Regina Schleheck ,, Hackfleisch´´, wo man in einer alltäglich erscheinende Handlung spürt, dass es am Ende nicht gut ausgehen wird.
,,Wolfsfreiheiten´´ von Utz Anhalt, ist eine blutige, traurige und emotionale Geschichte. Aber auch geisterhafte Erzählungen wie ,,Anna´´, von Andreas Flögel zeigen, wie man mit einem ruhigen und berührenden Schreibstil den Leser für sich gewinnen kann.
Wer einen zombiehaften Western oder eine SF Geschichte rund ums klonen genießen möchte, bekommt auch dies in dieser Ausgabe präsentiert.
Zu erwähnen sind auch zwei Geistergeschichten aus dem Jahre 1811 von Friedrich Laun, wo der Herausgeber diese im Originaltext beibehalten hat, was für den Leser sicher eine Herausforderung ist, da die Schreibweise nicht einfach zu lesen ist. Trotzdem habe ich beide auf ihre eigene Art und Weise interessant gefunden.
Am Ende findet man wieder einige interessante Artikel über andere Autoren und ihre Werke.
Diese Ausgabe deckt eine große Bandbreite verschiedener Genre ab, was mir sehr gut gefallen hat und es hat Spaß gemacht, wieder einmal in die Welt des Horrors einzutauchen.
Der Todesfotograf
Aller toten Dinge sind drei von Bent Ohle
Truman Andersson ist nicht nur Fotograf, sondern auch ein mehrfacher Mörder. Jedes Jahr verspürt er den Drang jemanden zu töten, den er im Todeskampf mit seiner Kamera festhält und dieses besondere Bildnis in einem Spiegel verarbeitet. Die Polizei hat den Fall des letzten Opfers Vera Deger bereits zu den Akten gelegt, aber ihr bester Freund Wolfram, kann sich damit nicht abfinden und so engagiert er von seinem letzten Geld den nicht gerade erfolgreichen Detektiven Bernd Stecker.
Zuerst laufen seine Ermittlungen langsam an und er zweifelt selbst daran, ob er erfolgreich sein wird. Doch plötzlich kommt er einer Mordserie auf die Spur die interessant zu sein scheint. Denn sowohl die weiblichen als auch die männlichen Opfer sehen sich alle ähnlich und schon bald findet Bernd die Personen, die der Auslöser für die Mordserie sind. Aber er trifft auch auf Truman und es wird ein Kampf um Leben und Tod.
,, Göttin im Spiegel´´ aus dem Verlag edition oberkassel, von Georgia Fröhling ist ein Krimi, der von Beginn an den Leser in seinen Bann zieht. Alleine die originelle und auch gruselige Idee, die Fotos der Opfer in einer besonderen Technik hinter einen Spiegel zu verstecken, die man nur bei einem besonderen Lichteinfall sieht, war schon beeindruckend. Die beiden Protagonisten Truman und Bernd sind zwei geniale Gegenspieler, wo man als Leser immer wieder schwankt wem von den beiden man gerade hassen oder bemitleiden soll.
Truman, der früher Jan Ehlert geheißen hat, ist ein Einzelgänger und Sonderling. Er wächst mit seiner Mutter auf, hat keine Freunde und ein übler Scherz auf seine Kosten, hat weitreichende und mörderische Folgen. Bernd, ebenfalls ein Einzelgänger, der sich seit seiner Kindheit lieber mit Comic Figuren unterhält als mit Menschen, ist nicht gerade von Erfolg gekrönt und zweifelt stets an sich selbst. Diese beiden Männer hat die Autorin gekonnt langsam miteinander verknüpft und man hat gespürt, wie Truman endlich frei sein und mit dem Morden aufhören wollte und Bernd auf der Suche nach Selbstbestätigung und Erfolg, über sich hinaus gewachsen ist. Die kurzen Kapitel wechseln schnell ab und man taucht immer wieder die Vergangenheit ein, wo man auch den Vater von Truman kennen lernt, dessen Leben ebenfalls unglücklich verlaufen ist. Die Autorin hat einen flüssigen und angenehmen Schreibstil, wo jede Seite spannend war. Die menschlichen Schicksale hat sie gut beschrieben, wo man selbst hin und wieder mit dem Mörder mitfühlen konnte und das Ende war total rührend, überraschend und einfühlsam.
Familiengeheimnisse
Kieloben von Karin Nohr
Inga und ihre Zwillingsbrüder Matthias und Markus, erfahren durch Zufall, dass sie eine Halbschwester haben, die in Norwegen lebt. Es beginnt eine Reise in die Vergangenheit, wo die Geschwister in Berlin und Mette versuchen heraus zu finden, was ihr gemeinsamer Vater Richard Niemann im Krieg erlebt hat und wie es kommen konnte, dass sich ihre Wege nach vielen Jahren nun kreuzen.
,,Kieloben´´ von Karin Nohr ist ein sehr anspruchsvoller und nicht immer leicht zu lesender Roman. Alle ihre Protagonisten kämpfen mit der Vergangenheit und ihren Erinnerungen an ihre Kindheit. Jeder hat die Familie und die einzelnen Mitglieder anders gesehen und auch erlebt. Da bekommt man immer wieder von der Autorin in Email Form geschrieben die Dialoge zu lesen, die die Geschwister Inga, Matthias und Markus führen. Während für Inga ihr Vater ein Held war, der furchtbares im Krieg miterleben musste, war es für Markus ein humorvoller Ausflug in die Vergangenheit, wo er nicht mehr genau wusste, was ihm sein Vater erzählt hat. Für Matthias aber war ihr Vater ein Versager, der Schuld daran war, dass viele Menschen wegen ihm gestorben sind. Bei diesen ,, Gesprächen´´ war viel an Gefühl und an Emotionen zu spüren. Jeder der Geschwister ist auf seine eigene Art und Weise mit den Erlebnissen an früher umgegangen. Da hat man gespürt, dass die Autorin, die Psychologie studiert hat, sich gut in die menschliche Seele hinein versetzen kann. Man wird mit Schuld, Hass und Verzweiflung konfrontiert. Ebenso zeigt sie auch immer wieder in unterschiedlichen Empfindungen das Verhältnis der Geschwister untereinander und auch gegenüber ihren Eltern auf. Gut und interessant beschrieben waren die Kriegserlebnisse aus dem Zweiten Weltkrieg, wo Richard Niemann auf dem Schlachtschiff Tirpitz der Kapitän war. Im Laufe der Geschichte gibt es auch Szenen ,die sich mit dem Segeln beschäftigen, wo die Autorin auch einige Begriffe aus der Segelsprache verwendet, die mir aber leider völlig unbekannt waren.
Es ist ein eigenwilliger Roman, der zwar auf der einen Seite interessant ist, weil es um viele Familiengeheimnisse geht, die nicht wirklich ausgesprochen werden und man als Leser nur ahnen kann, was wirklich passiert ist, aber auf der anderen Seite hat mir dann doch der richtige Zugang zu der Geschichte gefehlt. Der ständige Wechsel zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart hat für mich zu viel Unruhe hereingebracht. Auch wenn es dazwischen kleine humorvolle, bisweilen sogar zynische Gespräche gegeben hat, sind mir die Protagonisten irgendwie unnahbar erschienen und ich konnte keinen richtigen Zugang zu ihnen finden.
Aber ich bin sicher, dass dieser gefühlvolle und tiefgründige Roman seine Leserschaft findet.
Wer war der Tote wirklich?
Algorithmus von Wolfgang Glagla
Hauptkommissar Richard Tackert und sein Team bekommen es wieder einmal mit einem Mordfall zu tun. Die Wohnung, in der Dieter Kunze gefunden wurde, gehört der Immobilienfirma WOMOVA, die wiederum froh ist, dass es einen Mieter weniger gibt. Denn die versuchen bereits seit längere Zeit mit unlauteren Mitteln, die noch in dem Haus verbliebenen Mieter, zu vertreiben.
Natürlich kann niemand einen wirklichen Beweis dafür bringen, dass die WOMOVA tatsächlich darin verwickelt ist. Tackert und seine Kollegen sind auch verwirrt, warum der Tote eine Menge Geld und eine Waffe in seinem Safe hatte. Als sie aber dann noch vom BKA aufgefordert werden, nicht zu tief in der Vergangenheit von Dieter Kunze nachzuforschen, werden Tackert und seine Mitarbeiter hellhörig. Und schon bald gibt es im Grunde drei Fälle, bei denen Tackert und seine Kollegen auf Spurensuche gehen.
,, Algorithmus´´ ist bereits der 8. Band aus der Richard Tackert Reihe, in der der Autor Wolfgang Glagla, den nun mehr fast 60 jährigen Hauptkommissar gemeinsam mit seinen Kollegen wieder auf Mördersuche schickt. Die Hauptprotagonisten sind ja schon gut bekannt und sie sind wie immer sympathisch und haben auch immer wieder einen kleinen Scherz auf den Lippen. Dieses Mal erscheint Richard, vielleicht ob seines baldigen runden Geburtstages, ungewohnt nachdenklich und er beschäftigt sich mit vielen Dingen wie den Klimawandel oder der Freitags Demonstration. Auch bekommen seine Goldfische neue Fische dazu, weil man dabei gut meditieren kann. Trotzdem ist er, so wie sein Team sehr fokussiert, wenn es um die Aufklärung eines Falles geht und selbst wenn es Widerstände gibt, versucht er diese zu überwinden. In dem Roman hat der Autor mehrere, auch sehr sensible Themen zu einer Geschichte verarbeitet. Aber auch aktuelle Ereignisse finden in der Geschichte immer wieder eine Erwähnung. Trotz Spannung gibt es immer wieder auch recht humorvolle und witzige Szenen, die man gerne mit einem Augenzwinkern betrachtet. Mir gefällt die Reihe rund um Richard Tackert, weil sich der Autor immer wieder interessante Geschichten einfallen lässt, weil es menschliche Geschicksale gibt, die nicht aus der Luft gegriffen sind und weil auch der Humor nicht zu kurz kommt. Und weil die Kommissare sympathisch sind und man sich als Leser freut , wenn es mit ihnen weitergeht.
Wo ist der Comisario?
Wegkreuz in den Anden von Kerstin Westerbeck
Das kleine kolumbianische Dorf Callin wird durch grausame Morde erschüttert. Dass ein Mafia Anwalt ermordet wird können die Dorfbewohner ja noch verstehen. Aber die anderen Morde an ehrbaren Bürgern, passt so gar nicht in ihr Weltbild. Als auch noch die deutsche Journalistin Judith Rauschenberg einem Autounfall zum Opfer fällt und Comisario Sergio Fabulos unheimliche Drohungen erhält, ist nicht nur er beunruhigt.
Wer steckt hinter all dem? Da bekommt Sergio unerwartet Hilfe von der jungen Touristin Billa, die ihm mit einem Brief, den die verschwundene Judith Rauschenberg an ihren Sohn Marcel geschrieben hat, bei der Übersetzung hilft. Da taucht plötzlich ein Fremder namens Arturo Angeles auf, der nicht nur auf der Suche nach Marcel, sondern auch nach Judith ist. Ohne es zu ahnen, begibt sich Sergio in Lebensgefahr und plötzlich sind es seine Freunde und Arturo, die sich nach dem Mörder auf die Suche machen.
,, Wegkreuz in den Anden´´ist der erste Band der Krimireihe rund um Comisario Sergio Fabulos. Die Autorin Kerstin Westerbeck nimmt den Leser auf eine abenteurliche Reise in das fiktive kolumbianische Dorf Callin mit. Und hinterlässt dabei einen bildhaften Eindruck wie das Leben zwischen Bürgerkrieg, Morden, Entführungen und der ersten Hoffnung nach dem langersehnten Friedensabschluss, aussehen könnte. Die Geschichte beginnt gleich spannend und man bekommt brutale Morde, verschlüsselte Hinweise und eine Menge an menschlichen Schicksalen präsentiert.
Die Dorfbewohner haben alle ihre großen oder kleinen Geheimnisse. Was sie aber alle gemeinsam haben ist der Wunsch nach Frieden und Freiheit, da sie von dem jahrelangen Bürgerkrieg mit all seinen Brutalitäten genug haben. Die Autorin zeigt aber auch, wie der Aberglaube in Form der toten Mulattin Amelie- Ines, die als ,,Dämonin´´ immer wieder dem einen oder anderen Dorfbewohner erscheint, die Menschen in ihren Bann zieht. Kerstin Westerbeck hat rund um das Verschwinden der Journalistin mehrere Mordfälle konstruiert, die es nun gilt aufzuklären. Ihr Protagonist Serge ist dabei nicht zu beneiden, da er zwar viele Hinweise hat, die ihn nicht unbedingt ans Ziel führen. Er ist eher ein Einzelgänger dem es schwer fällt Gefühle zu zeigen und nach persönlichen Schicksalsschlägen hält sich sein Ehrgeiz manchmal in Grenzen. Er hat zwar kaum Freunde, aber die wenigen sind für ihn da, wenn er sie braucht. In diesem Roman findet man mehrere ,,Ermittler´´die gemeinsam die Verbrechen aufklären. Die Autorin überrascht immer wieder mit neuen und unerwarteten Wendungen, wo ihre Protagonisten oft emotional reagieren und einen tiefen Einblick in ihre Seele geben. Mit Sergio Fabulos ist ein sympathischer, eigenwilliger und manchmal etwas ruppiger, aber immer für Gerechtigkeit kämpfender Comisario gelungen, wo ich mich schon auf seinen nächsten Einsatz freue.








