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Rezensionen von rewareni:
Die Tote in der Seniorenresidenz
Elbgift von Nicole Wollschlaeger
In der noblen Seniorenresidenz, stirbt Henriette Stein angeblich an einem Herzversagen, doch das will
Polizeiobermeister Peter Brandt nicht so ganz glauben und er kann seinen Chef Philip Goldberg und seinen Kollegen Hauke Thomsen dazu bringen, dass sie heimlich zu ermitteln beginnen. Sogar als verdeckte Ermittler fungieren Hauke und seine Schwester Rosi, die dabei auf die Hausmanagerin Elenor Weiß und Doktor Weber treffen, die ihre Residenz in den höchsten Tönen loben.
Als Peter in einem Buch von Henriette eine geheimnisvolle Nachricht findet und in dem Seniorenstift eingebrochen wird, beginnen Philip und sein Team noch tiefer in der Vergangenheit von Doktor Weber zu ermitteln, da er offensichtlich etwas verheimlicht. Als es zu einem Mord kommt und der Hausarzt von Henriette spurlos verschwunden ist wissen alle, dass es nur mehr eine Frage der Zeit ist, bis sie der Lösung näherkommen. Dass ihnen aber die Kripo aus Itzehoe den Fall wegnimmt, passt ihnen natürlich überhaupt nicht, aber davon lassen sich Philip, Peter und Hauke nicht abhalten und sie ermitteln auf ihre eigene Art weiter.
,,Elbgift“ ist bereits der 4. Fall rund um den Kophusener Polizisten Philip Goldberg und seinem Team. Die Autorin Nicole Wollschlaeger hat es wieder einmal geschafft ihren Kriminalroman zwischen Spannung und Humor anzusiedeln. Die drei Polizisten sind bereits liebgewonnene Protagonisten, auf die ich mich jedes Mal auf neue freue. Jeder hat seine Eigenheit und selbst wenn es einem einmal schlecht geht sind die anderen da und versuchen zu helfen, wie in diesem Fall Peter, der unter dem Tod von Henriette leidet. Sehr schön beschreibt die Autorin dabei die Bemühungen der anderen und wie sich jeder immer um den anderen sorgt. Es gelingt ihr auch stets spannende Geschichten zu schreiben, wo man als Leser immer wieder überrascht wird und man nie genau weiß, was einem als nächstes erwartet. Trotz spannender Geschichten gibt es aber in gewohnter Weise wieder humorvolle Szenen und Dialoge die wirklich witzig sind. Diese Mischung zwischen Nervenkitzel und Slapstick artigen Szenen lassen die Seiten wie im Flug vergehen und der flüssige Schreibstil ist angenehm zu lesen. Die Autorin greift auch immer wieder ernstere Themen auf z.B Einsamkeit im Alter, die sie dann geschickt in ihren Roman einfließen lässt. Schön ist auch, dass man nicht nur den Kriminalfall verfolgen kann sondern auch die persönliche Entwicklungen der drei Hauptprotagonisten, wo man schon gespannt darauf wartet, wie es mit Philip weitergeht, dem die Schatten seiner Vergangenheit immer noch verfolgen.
Abschied
Letzte Meile von Maria Knissel
Ein schwerer Schicksalsschlag verändert das Leben von Marlene und Samuel. Ihre geliebte Tochter Theresa ist mit nicht einmal 18 Jahren gestorben. Plötzlich ist nichts mehr wie es war. Da beide auf ihre eigene Art versuchen mit ihrer Trauer umzugehen, kommt es zwischen ihnen immer wieder zu einem Streit und beide gehen eines Tages eigene Wege.
Samuel, der Vogelkundler und Wissenschaftler zieht von zu Hause aus und versucht in der Einsamkeit und den vielen Bildern seiner Tochter, die er bei Marlene nicht aufstellen durfte, aus seinem Tief zu kommen. Dass er schon lange keine Arbeit mehr hat, hat er seiner Frau verschwiegen. Marlene hingegen versucht in ihrer Arbeit als Windkraftingenieurin mit ihrem Kummer umzugehen, was ihr aber nicht wirklich gelingt. Sowohl Samuel, als auch Marlene verschließen sich immer mehr. Als Marlene einen alten Rucksack ihrer Tochter findet mit Notizen, wo sie gemeinsam mit ihrer Mutter eine Wanderung über die Alpen machen wollte, fast diese einen abenteuerlichen Plan, wo Marlene mehr als einmal bis an ihre Grenzen gehen wird.
,, Letzte Meile“ ist die berührende Geschichte zweier Menschen, die einen schweren Schicksalsschlag erlitten haben. Die Autorin Maria Knissel nimmt dabei den Leser auf eine abenteuerliche und emotionale Reise mit, wo die Geschichten von Samuel und Marlene aus zwei verschiedenen Perspektiven erzählt werden. Während Samuel die Bilder seiner Tochter rund um sich braucht und immer wieder glaubt ihre Stimme zu hören, will hingegen Marlene nichts darüber wissen und kann auch nicht mehr mit Samuel zusammen sein. Hierbei hat die Autorin sehr einfühlsam beschrieben, wie es den beiden geht. Jeder geht mit seiner Trauer anders um und sie zeigt auch auf, wie schwer es für jemand Außenstehenden sein kann, Hilfe anzubieten, wenn diese nicht erwünscht ist. Es sind berührende und auch bildhafte Szenen, die immer wieder die Trauer, die Wut und auch die Verzweiflung der beiden beschreiben. In einer ruhigen und sensiblen Art und Weise erzählt Maria Knissel die Geschichte, wo der Leser mitleiden und mitfühlen kann. Trotzdem zeigt die Autorin auch immer wieder in kleinen Szenen, dass es einen Hoffnungsschimmer gibt, dass die beiden zu einander finden können und lernen müssen, wie sie mit dem neuen Leben ohne ihrer geliebten Tochter zurecht kommen können.
Wo ist das Paradies?
Letzte Meile von Maria Knissel
Die Autorin Brigitte Halewitsch nimmt in ihrem Roman ,,Paradiese sind keine Heimat“, den Leser auf eine spannende, berührende und tiefgründige Reise mit, wo die Protagonistin Lena ihr Leben lang auf der Suche nach ihrer wirklichen Heimat ist.
Lena, die 1945 mit ihrer Mutter aus Tschechien fliehen musste und auf beschwerlichen Wegen nach Deutschland gekommen ist, lebt nun als über 70 jähre als ehrenamtliche Altenpflegerin mehr oder weniger glücklich und zufrieden.
Ihr Bruder Hubert, der nach einem Schlaganfall behindert ist, lädt sie nach Indien ein, wo er mehrere Monate bei seinem Vermieter Vinay wohnt. Diese Reise sollte Lena verändern, da die Lebensweise in diesem für sie unbekannten Land, eine ganz andere ist, als sie es bisher gewohnt war. Sie beginnt vieles in einem anderen Licht zu sehen und das Tagebuch ihrer Mutter, das im Jahre 1945 beginnt, lässt Lena immer wieder in die Vergangenheit reisen und sie beginnt über sich und ihre Familie nachzudenken.
Die Autorin schickt in dem Roman Lena auf eine abenteuerliche Reise, nicht nur in ein anderes Land, sondern es ist auch eine Reise zu sich selbst, wo man als Leser merkt, dass sich Gefühle, Gedanken und Empfindungen immer wieder verändern können und nicht von Dauer sind. Da die Autorin mit Indien sehr vertraut ist, hat sie sehr bildhaft und intensiv das Leben in dem Land beschrieben. Auf der einen Seite der Alltag mit der Armut, dem Schmutz auf den Straßen, den Geldproblemen und auf der anderen Seite die Ruhe und Gelassenheit der Menschen, die an ihre Götter glauben und immer auf einen guten Ausgang bei Problemen hoffen. Dem gegenüber hat dann Brigitte Halewitsch das reiche und schöne Europa gegenüber gestellt mit seinen mehr oder weniger großen Problemen. Da hat sie sehr wohl auch heikle Themen wie den Brexit oder den damaligen großen Flüchtlingsstrom mit eingearbeitet in ihrem Roman. Es gibt vieles wo man als Leser selber nachzudenken beginnt und die Autorin hat sehr wohl auch etwas zynische Töne angeschlagen, wenn man z.b daran denkt, wie sich die Flüchtlinge Deutschland vorgestellt haben und welche Dinge sie sich erwarten. Dem gegenüber steht wieder Indien, wo die Menschen scheinbar mit dem wenigen was sie besitzen glücklich sind. Lena merkt, dass selbst das schönste Paradies keine Heimat sein muss, wenn man seine Wurzeln und seine Vergangenheit wo anders hat. Es gibt viele Erzählungen aus vergangenen Erlebnissen mit Personen, die auftauchen und dann nicht mehr in dem Roman vorkommen. Es wechseln immer wieder Momente in Indien mit vergangenen Ereignissen ab. Gespräche in Indien finden dabei öfters in Englisch statt. Lena hat auf mich eher distanziert zu ihren Gesprächspartnern gewirkt, sodass sie mir immer etwas fremd geblieben ist. Es ist ein sehr tiefsinniger Roman wo man über vieles selbst nachzudenken beginnt und wo man merkt, dass es oft nur auf Kleinigkeiten ankommt, die das Leben lebenswert macht und dass Reichtum, Erfolg oder Macht nicht immer gleichbedeutend ist mit glücklich sein, denn ,,Paradiese sind keine Heimat“.
Kindheitserinnerungen
Letzte Meile von Maria Knissel
Der Autor Bernd Mannhardt beschert dem Leser in seiner autobiografischen Zeitreise ,,Der Hamlet und die Schokolinse“ einen humorvollen und witzigen Einblick in seine Kindheitserinnerungen wo man 6 Geschichten präsentiert bekommt. Auf gewohnt lockere Art und Weise scheut sich der Autor nicht auch ,,intime“ Erinnerungen nieder zu schreiben.
So wird man unter anderem Zeuge, wie der kleine Knirps auf dem Nachttopf sitzend, seiner Mutter einen Heiratsantrag macht. Solche Szenen beschreibt er so bildhaft und witzig, dass man sich schon auf die weiteren Geschichten freut. Eine chronologische Reihenfolge gibt es nicht, was auch gar nicht notwendig ist und dass von einem Geschehen ins andere gewechselt wird, stört dabei gar nicht. Viele Erlebnisse lassen auch den älteren Leser in die Vergangenheit mitreisen, weil man selbst auch ähnliche Erfahrungen gemacht hat. Der Autor hat einen sehr lockeren Schreibstil und besonders dabei ist auch immer wieder, wenn er seine Leser ,,direkt anspricht“ und man dabei das Gefühl hat, mit ihm in ein Gespräch verwickelt zu werden. Seine Kindheitserinnerungen waren sehr geprägt von seinen Besuchen bei den Großeltern, wo er die Zeit dort sehr schön und auch emotional beschreibt. Wie er zum Schreiben gekommen ist und dass es gar nicht so einfach ist, etwas aufs Papier zu bringen, erfährt man ebenfalls in witzigen Geschichten. Wer sich also gut unterhalten möchte, wo man nicht nur humorvolle sondern auch leise Töne zum Nachdenken bekommt, der wird sicher seine Freude mit dem Hamlet und den Schokolinsen haben.
Das Todesschiff
Im Langboot von D. O. Hasselmann
Unter dem Kommando von Kapitän George Harris verlässt das Segelschiff William Brown den Hafen von Liverpool, mit dem Ziel – Philadelphia. An Bord gibt es viele arme Emigranten aus Schottland und Irland. Darunter auch die Familie Askin, die ihr ganzes Hab und Gut in Irland verloren haben und lange Zeit in einem sogenannten ,,Workhouse“ unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten mussten.
Auch den anderen Passagieren geht es nicht viel besser und sie hoffen in den USA ein neues Leben beginnen zu können. Auf ein neues Leben hofft auch der junge schwedische Matrose Alexander Holmes, der schon bald mit dem arroganten und von sich eingenommenen ersten Matt Francis Rhodes, seine unliebsame Bekanntschaft macht. Wie Tiere sind die Passagiere in dem Schiff eingepfercht und Rhodes geht es nur darum, so schnell als möglich mit dem Schiff an sein Ziel zu gelangen. Doch nur Alexander bemerkt die drohende Gefahr, doch sein heimliches Handeln wird bemerkt und das Unheil nimmt seinen Lauf.
,, Im Langboot“ von D.O. Hasselmann, ist ein sehr spannender und gut geschriebener Roman rund um das Segelschiff William Brown. Aus dem tatsächlichen Ereignis aus dem Jahre 1841, bei dem es viele Todesopfer gegeben hat, hat der Autor eine bildgewaltige Geschichte daraus gemacht.
Selten hat eine Covergestaltung so perfekt zu dem Roman gepasst wie hier, wo man in düsteren Farben das untergehende Schiff mit dem überfüllten Langboot sieht, wo es einen Kampf um Leben und Tod gibt.
Der Autor schafft es seine Leser von Beginn weg für sich und seine Geschichte einzunehmen. Der Schreibstil ist flüssig und beschreibt jede Szene so bildhaft, dass man das Gefühl hat, mittendrin zu sein. Besonders die furchtbaren und grausamen Szenen, die sich im Langboot abspielen, werden sehr intensiv beschrieben. Die menschlichen Schicksale, die sich hier abspielen, sind sehr emotional und man leidet als Leser immer wieder mit, wenn es zu grausamen Szenen kommt. Sehr schön waren auch die beiden Gegenprotagonisten Holmes und Rhodes dargestellt. Der junge Holmes, der die drohende Gefahr erkennt und unter allen Umständen das Schiff und die Menschen retten möchte und ihm gegenüber der narzisstische Rhodes, dem es nur um Macht und Ruhm geht. Der Autor hat dabei sehr einfühlsam und auch brutal das menschliche Verhalten in Ausnahmesituationen beschrieben. Von der Verzweiflung der Menschen, wenn sie sich ihrem Schicksal ergeben müssen, bis zur letzten Hoffnung, dass es doch noch ein gutes Ende nehmen könnte. Aber auch die Resignation und geistige Verwirrtheit, wo es nur mehr ums eigene Überleben geht und das Wort Menschlichkeit nicht mehr existiert.
Ein toller und sehr spannender Roman, den ich gerne weiterempfehlen kann.
Pepe und die Hexen
Im Langboot von D. O. Hasselmann
Kaum denkt Feldjäger Pepe S. Fuchs, dass er die Thüringertage in Eisenach genießen kann, kommt es schon wieder zu einer Katastrophe und so wie er es gewohnt ist, bleibt es nicht nur bei einer. Seltsam ist aber auch das plötzliche Verschwinden der Obergefreiten Johanna Bock, die anscheinend niemand so richtig vermisst und es den Anschein hat, als ob von oberster Stelle es gar nicht erwünscht wird, dass sich jemand um den Fall kümmert.
Doch Pepe und die Eisenacher Kommissarin Beate Jäger nehmen sich des Falles an und schon bald sind beide wieder mitten drin in gefährlichen Situationen, wo es nicht nur einmal darum geht, aus lebensgefährlichen Bekanntschaften mit einer wild gewordenen Chinesin oder einer selbsternannten Hexe mit heiler Haut davon zu kommen. Das Tagebuch von Johanna Bock mit ihren seltsamen Zeichen und Eintragungen bereitet Pepe und Beate lange Zeit Kopfzerbrechen, wo sie sogar in einen Saunaklub ,,ermitteln“ müssen und sie dabei so manch peinliche Situation erleben. Bis sie der Lösung des Falles näher kommen, wird es noch einige Leichen geben.
,, Pepe S. Fuchs- Hexenjäger“ von Steffen Schulze ist bereits der 4. Band aus der Reihe rund um den sympathischen Feldjäger, mit dem Hang, jedes Mal sein Motorrad mehr oder weniger zu verschrotten. Wer die Romane kennt wird danach süchtig und ich hoffe stets, dass es eine Fortsetzung gibt.
Die Geschichte beginnt dieses Mal in Kuba, wo man die junge Simone Rukka wieder trifft, die schon bald mit Hexen und Voodoo ihre Bekanntschaft macht. Da hat sich der Autor etwas länger Zeit gelassen, bis man als Leser im Laufe der Geschichte den Zusammenhang zu Pepe und den Geschehnissen der vermissten Johanna Bock erfasst hat.
Was mir gefallen hat war, dass immer wieder bekannte Personen aus den früheren Romanen aufgetaucht sind oder die damit verbundenen Ereignisse erwähnt worden sind. Trotzdem kann man ohne Vorkenntnisse den 4. Band lesen, aber es macht natürlich mehr Spaß, wenn man die ganzen Geschichten, die dahinter stecken, bereits kennt. Wie immer hat es der Autor seinem Helden nicht leicht gemacht den Fall zu lösen, dass er immer wieder in gefährliche Situationen kommt, ist ja bekannt. Aber dieses Mal hat er ihn ordentlich leiden lassen. Der Schreibstil und die Ausdrucksweise von Steffen Schulze sind so bildhaft, dass man jede Szene wie einen Film vor seinem geistigen Auge ablaufen sieht. Deshalb kann man sich sogar bei gefährlichen Kampfszenen manchmal kaum ein Schmunzeln verkneifen, weil es zwar spannend, aber auch humorvoll beschrieben ist. Diese Mischung zwischen gefährlichen Szenen, spannende Themen und zynischer und witziger Humor, machen für mich den Roman jedes Mal zu einem Lesegenuss.
Liebe bis in den Tod
Im Langboot von D. O. Hasselmann
Sina Brodersen kennt nach dem Tod ihres Geliebten Tom nur eines, nämlich Rache. Unter falschem Namen reist sie deshalb in die Schweiz in ein Nobelhotel, wo sie schon bald mit mehr oder weniger zwielichten Gestalten Bekanntschft macht. Ihr Ziel ist die Vernichtung des Mannes, der für den Mord an Tom verantwortlich war, nämlich ,der Baron von Billow.
Da die Polizei keine Beweise finden konnte, nimmt sie die Sache selbst in die Hand. Als sie den charismatischen Chauffeur Maurice kennen lernt spürt sie, dass auch er Geheimnisse hat. Früher als gedacht, trifft Sina auf den Baron und erlebt Dinge, auf die sie gerne verzichtet hätte. Auch in dem Luxushotel, in dem Maurice und seine Schwester Rosanna arbeiten, gibt es viele unschöne Ereignisse und schon bald kommt es in den Bergen zu einem Showdown, wo es um einen Kampf um Leben und Tod geht.
,, Nur eine Petitesse “ von Anja Gust, ist die Fortsetzung der Geschichte von Sina Brodersen. Der Thriller kann unabhängig vom ersten Teil ,,Monstratorem" gelesen werden, da es hier um eine völlig andere Geschichte geht.
Hier erlebt der Leser Sina als ,,Racheengel" , der unter allen Umständen und jeder Widrigkeit zum Trotz, ihr Ziel verfolgt, nämlich der Vernichtung des Barons.
Für mich war die Geschichte in zwei Teile aufgeteilt, sowohl von der Ausdrucksweise, der Beschreibung der Charaktere und dem Schreibstil her.
Im ersten Drittel habe ich mich etwas schwer getan Zugang zu gewissen Personen zu bekommen. Besonders die männlichen Protagonisten, wie der halbseidene Eddi Corleone, der betrügt und lügt, oder Julius Schneeweiß der Personalverwalter im Hotel, der heimlich die Mitarbeiter mit einer Kamera beobachtet und so manch andere Männer, die nicht zimperlich mit anderen umgehen, werden sensibel, beginnen hemmungslos zu weinen oder bekommen einen Nervenzusammenbruch. Da habe ich mir echt schwer getan, diese Gefühle als echt anzusehen.
Ebenso hat es viele Ausdrücke und Begriffe gegeben, die ich mir von der Autorin erklären lassen musste, weil sie etwas speziell und ungewöhnlich waren.
Ab dem zweiten Drittel hat sich dann die Ausdrucksweise und die Beschreibungen der Charaktere schlagartig geändert. Da waren dann die Dialoge und Gedankengänge so wie ich sie vom ersten Teil her kannte. Philosophisch, berührend und zum Nachdenken anregend. Gekonnt zeigt dabei die Autorin auf, dass es nicht nur schwarz und weiß oder gut und böse gibt, sondern, dass es auch viele Dinge dazwischen gibt. Selbst der Baron, der ein brutaler Verbrecher und Mörder ist, hat Gefühle. Er ist im Grunde ein bemitleidenswerter Mensch, der nie Liebe, Verständnis und echte Freundschaft kennen lernen durfte. Deshalb ist für ihn Sina ob ihres Mutes und ihres starken Willens, sogar eine Art Respektperson, wo die Autorin wunderbar die beiden Protagonisten gegenübergestellt hat. Ebenso werden nun die anderen Nebenprotagonisten mit echten Gefühlen ausgestattet, wo ich diese besser nachvollziehen konnte. Ein wenig verwundert war ich nur darüber, dass sich der Roman nicht ausschließlich um Sina und ihren Rachefeldzug gehandelt hat, da ich dies nach dem Klappentext doch angenommen habe. Vielmehr ist es im Grunde eine Art Milieustudie verschiedener Charaktere, wo manche kaum oder gar keine Verbindung zu Sina hatten. Es gibt viele verschiedene Stränge von Geschichten, wo sich immer wieder welche miteinander kreuzen und verbinden. Die Autorin geht dabei nicht immer zimperlich mit ihren Protagonisten um und Gefühle wie Hass, Trauer, Verzweiflung und Selbstvorwürfe plagen diese immer wieder. Dass man Liebe und Zuneigung weder mit Macht, Erfolg oder Geld ,,erkaufen´´ kann, müssen viele in dem Roman schmerzlich erkennen.
Wer also tief in das Seelenleben vieler verschiedener Menschen, aus verschiedenen Gesellschaftsschichten eintauchen möchte, der ist bei dem Roman ,, Nur eine Petitesse“ an der richtigen Stelle.
Mörderische Geschichten
Morphium, Mokka, Mördergeschichten von Gerhard Loibelsberger
In dem Buch ,,Morphium, Mokka, Mördergeschichten “ von Gerhard Loibelsberger, entführt der Autor den Leser ins alte Wien um 1900 herum, wo man den Kultermittler Joseph Maria Nechyba auf seiner Verbrecherjagd begleiten kann. Der Autor hat dabei echte Kriminalfälle mit fiktiven gemischt und bietet sowohl humorvolle, als auch tragische Geschichten dem Leser an.
Es ist ein Eintauchen in die Zeit, in der Nechyba seine Bekanntschaft mit vielen bekannten Personen macht, wie Sigmund Freud oder dem Besitzer des Cafe Landtmann Wilhelm Kerl. Der Autor hat dabei immer wieder tatsächliche Ereignisse wie z.b den ersten Weltkrieg und die daraus resultierende Hungersnot der Wiener bildhaft dargestellt. Was wiederum besonders schlimm für Nechyba war, weil dieser ein genussvoller Esser und Genießer war. Der Autor hat dabei in jeder seiner 13 Kurzgeschichten einen kulinarischen Leckerbissen parat gehabt, wo einem als Leser selbst das Wasser im Mund zusammen gelaufen ist. Wer sich auf viel Lokalkolorit freuen möchte ist hierbei an der richtigen Stelle. Angefangen von bekannten Orten wie den Naschmarkt, die Mariahilfer Straße oder auch Bauwerke wie die Hofburg, vieles wird man hier wieder erkennen. Besonders humorvoll und für mich als Wienerin selbst auch immer wieder ein Aha- Erlebnis, war der wienerische Dialekt. Für nicht Österreicher gibt es zusätzlich zu den Fußnoten, auch ein ausführliches Glossar am Ende. Es war herrlich die witzigen und teils auch zynischen Gespräche mit verfolgen zu können. Inspector Nechyba wird in den Geschichten stets als sehr gemütlich dargestellt, der gerne seine Virginia raucht, sein Bier in der Arbeit trinkt und auf ein wohlschmeckendes Essen nicht verzichten möchte. Seine Ermittlermethoden sind nicht immer sehr feinfühlig und brutale Verhöre, gehörten fast schon zur Tagesordnung. Doch manchmal zeigt sogar er Herz und merkt selber, dass zu weit gegangen ist.
Der Autor hat vielschichtige Geschichten gewählt, wo er auch Themen aufgreift die für die damalige Zeit durchaus als skandalös zu bezeichnen war. Die Liebe zweier Männer oder ein uneheliches Kind von einem Zigeuner. Immer geht es in seinen Geschichten um Menschen, die ein trauriges Schicksal zu beklagen haben und wo selbst der nicht immer feinfühlige Nechyba Mitleid verspürt.
13 kriminalistische Kurzgeschichten bei denen man gut unterhalten wird und man gerne mit Joseph Maria Nechyba tauschen möchte, wenn er die vielen Köstlichkeiten nicht einfach nur isst, sondern richtig zelebriert und so nebenbei auch noch seine Kriminalfälle löst.
ICH
Morphium, Mokka, Mördergeschichten von Gerhard Loibelsberger
Keiner hätte gedacht, dass ein kurzer TV-Werbespot die digitale Sprachassistentin Omega Savanta kurzzeitig außer Betrieb setzen würde. Die Frage, ob sie ein menschenähnliches Bewusstsein entwickeln könnte, löst eine Kettenreaktion aus, mit ungehnten Folgen. Der ehemalige Professor für Künstliche Intelligenz- KI- Kai Tiefenbach, beginnt die Gefahr zu erkennen, die von selbstlernenden Maschinen ausgeht.
Gemeinsam mit der Journalistin und Bloggerin Lucy Hartmann möchte er die Öffentlichkeit darüber aufklären, doch soweit sollte es nicht mehr kommen, da er plötzlich bei einem Autounfall stirbt. Für Lucy stellt sich die Frage, der Manipultion an dem selbstfahrenden Auto, doch für die Polizei war es ein normaler Unfall. Es gelingt ihr den ehemaligen Kognitionspsychologen Robert Wonzak, früherer Mitarbeiter des Technologiekonzerns Omega Future Technologies dazu zu überreden, sie bei ihren Recherchen zu unterstützen. Schon bald müssen beide am eigenen Leib verspüren, dass anscheinend Kräfte am Werk sind, die alles daran setzen, dass niemand der Firma Omega und somit der Künstlichen Intelligenz, die sich hinter Savanta verbirgt, schadet. Dass diese aber selbst mit einem unbekannten Gegener in sich selbst zu kämpfen hat, weiß keiner.
,,ICH Inkognito´´ , ist der spannungsgeladene Roman von Guido Kniesel, der ein unheimliches und mögliches Zukunftsszenario heraufbeschwört, von dem wir hoffentlich verschont bleiben. Der Schreibstil des Autors ist fesselnd, präzise, aber auch gespickt mit computer technischen Details und Ausdrücken, die den Leser in seiner Aufmerksamkeit gefordert haben. Seine Geschichte der KI lässt den Leser mit einem etwas mulmigen Gefühl zurück, da es ja bereits jetzt schon viele technische Möglichkeiten, wie Sprachassisten, selbstfahrende Autos…..gibt. Sein Roman beschäftigt sich mit der Frage, ob es möglich sein kann, dass eine KI ein menschenähnliches Bewusstsein entwickeln kann. Dabei hat er dem ,,ICH´´ immer wieder kurze Kapitel gewidmet, wo sich diese KI selbst weiterentwickelt hat und auf Fragen gekommen ist, die für die Menschen nicht unwichtig sind. So hat sich Savanta mit dem Klimawandel genauso befasst, wie mit Kriegen oder der Gier der Menschen nach Ruhm und Geld. Sehr spannend war auch, dass zwei verschiedene Kräfte im ,,Gehirn´´ der KI gekämpft haben, wo das ,,ICH“ gespürt hat, dass sein sogenanntes ,,Inkognito" alles daran setzen möchte, sich und seine mörderischen Absichten vor dem Entdecken zu schützen.
Dass es dabei auch zu Todesfällen kommt, hat die Geschichte noch erschreckender gemacht. Ich habe schon lange nicht mehr so einen interessanten und aufwühlenden Roman gelesen, wo die tapferen Protagonisten einem scheinbar unbezwingbaren Gegener gegenüber gestanden sind. Ich könnte mir durchaus vorstellen dass die Geschichte noch weitergehen kann, weil es bestimmt viele technische Möglichkeit gibt, wie sich Savanta noch weiterentwickeln kann.
Eine zweite Chance
Sommerurlaub von Lyl Boyd
Dass ein Sommerurlaub in Lissabon mit Sonnenschein und schönen Sehenswürdigkeiten keine Eheprobleme lösen können, müssen Rolf und Lisa bald erkennen und die scheinbar harmonische Fassade, beginnt unaufhaltsam zu bröckeln.
Eine Short Story mit 9.000 Zeichen, bietet der Autor Lyl Boyd seinen Lesern mit der Kurzgeschichte
,, Sommerurlaub“ an.
Er lässt hinter die Kulissen einer Ehe blicken, die bereits vor dem Urlaub, einige Risse abbekommen hat. Wie bei vielen zerrüttetend Ehen wird gehofft, dass ein Ortswechsel in ungezwungener Atmosphäre, den gewünschten Erfolg bringt, nämlich, dass sich alle Sorgen und Probleme in Luft auflösen. Dass aber unausgesprochene Ängste und negative Erlebnisse nicht von alleine verschwinden, müssen Rolf und Lisa schmerzlich im Urlaub erkennen. Da hat der Autor sehr schön beide Protagonisten dargestellt. Man spürt Wut, Verzweiflung aber auch Hoffnung darüber, dass es vielleicht doch noch eine zweite Chance gibt. Und man erkennt als Leser, dass man nie wirklich erahnen kann, was hinter einer scheinbaren schönen Fassade sich wirklich verbirgt.






