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Rezensionen von Gertie G.:

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Mord und Selbstmord in Mayerling

Sisis schwerste Stunden von Uwe Klausner

Der Stapel Bücher, die rund um den Mord und Selbstmord von Kronprinz Rudolf geschrieben worden sind und vermutlich auch noch weiter verfasst werden, ist um ein Exemplar reicher.

Den Kern der Sache darf ich voraussetzen? Wenn nicht, hier eine kurze Zusammenfassung: Kronprinz Rudolf, des Lebens als Thronfolger, der seinem Vater nichts recht machen kann, überdrüssig, syphiliskrank und von Morphium abhängig, erschießt am 30.

Jänner 1889 zuerst seine Geliebte Mary Vetsera und anschließend sich selbst.

Was dann folgt, ist ein Panoptikum sondergleichen. Da Selbstmörder kein christliches Begräbnis erhalten, wird alles daran gesetzt, die Ereignisse zu vertuschen, um Rudolf in der Kapuzinergruft beisetzen zu können.

Diese Vertuschungsaktionen (es sind ja gleich mehrere) greift Uwe Klausner für diesen historischen Roman auf, der Fakten und Fiktion mischt.

Er wählt dazu verschiedene Erzählperspektiven, der damit befassten Personen: Hermann von Widerhofer (Rudolfs Leibarzt), Pater Alban (Kustos der Kapuzinergruft), Graf Eduard Taafe (k. und k. Ministerpräsident) und Irma Sztaray (Hofdame der Kaiserin Elisabeth). Pater Alban ist eine fiktive Figur, die es in Hand hat, für einen Skandal im Kaiserhaus zu sorgen.

Man kennt ja die Geschichten und G’schichtln um die Kaiserin, die überall lieber ist, als in Wien bei ihrem Mann. Daher sind auch die Liebschaften des Kaisers durchaus bekannt. Dass es eine bislang verheimlichte gegeben hat, ist durchaus möglich. Darüber kann man sich in einem zweiten Handlungsstrang gerne den Kopf zerbrechen.

Meine Meinung:

Ja, der Tod des Thronfolgers und einzigen Sohnes ist tragisch, zumal ja bereits seine Schwester Sophie als Kleinkind gestorben ist. Ja, so öffentliche Personen wie Kaiser und Kaiserin haben kaum Möglichkeit angemessen zu trauern, da sie ständig unter Beobachtung stehen.

Interessant ist ein kleiner Einblick in die Verschlussakten, aus denen hervorgeht, dass auch die Kaiserin bespitzelt worden ist. Fürst Metternich lässt herzlich grüßen!

Für diejenigen, die nicht genau wissen, warum und wieso Franz Joseph 1848 mit nur 18 Jahren Kaiser wird, ist eine kurze Zusammenfassung über die damaligen Ereignisse gut in die Handlung eingepasst.

Grundsätzlich hab ich zur causa prima wenig Neues erfahren.

Dieser historische Roman sorgt durchaus für einiges Schmunzeln sowie (vielleicht) ein paar neue Wiener Ausdrücke und für alle jene, die mit dem Wiener Dialekt so vertraut sind: Im Anhang gibt es ein Glossar.

Fazit:

Ein historischer Roman, der zeigt, dass die Mächtigen manchmal ziemlich überfordert wirken. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

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Mord und Selbstmord in Mayerling
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Fesselnd bis zur letzten Seite

Rath von Volker Kutscher

Zwei Jahre, nach dem Gereon Rath an der Schöndorfer Brücke mit Hilfe von Reinhold Gräf seinen Tod auch vor seiner Frau Charly vorgetäuscht und nach Amerika abgetaucht ist, kehrt er 1938 heimlich nach Deutschland zurück und findet ausgerechnet bei Konrad Adenauer in der Nähe von Bonn Unterschlupf.

Charly Rath arbeitet wieder im Detektivbüro Böhm, nachdem sie den Dienst bei der Kriminalpolizei quittiert hat. Heimlich trifft sie sich auf halber Strecke zwischen Berlin und Bonn mit Gereon. Die Ehe steht auf wackeligen Beinen.

Fritz Thalmann, der ehemalige Pflegesohn der Raths, ist nunmehr bei Sturmbannführer Rademanns Familie untergebracht, wo er zum strammen Hitlerjungen erzogen wird. Er wird verdächtig zwei HJ-Kameraden ermordet zu haben. Die Waffen, eine Pistole, die Fritz angeblich Rademann gestohlen hat und der HJ-Dolch mit seinen Initialen , wurden bei den Leichen entdeckt.

Weiters erhalten wir Einblick in die andere Familie Rath. Gereons Bruder Severin reist mit seiner Freundin Marion Goldstein, der Witwe von Abe Goldstein, aus Amerika nach Deutschland, um den Mörder ihres Mannes zu finden.

Zudem spielt auch Reinhold Gräf, Gereons Freund wieder eine größere Rolle. Allerdings balanciert er ebenso Gereon und Charly am Rande des Abgrunds, wenn auch aus anderen Gründen ...

Als in der Nacht vom 9. November 1938 jüdische Geschäfte und Synagogen in Brand gesteckt und die Juden verprügelt und getötet werden, ist beiden klar, dass ein Leben in Deutschland für sie beide nicht mehr möglich ist. Inzwischen ist es Gereon, der auf ein rasches Verlassen Nazi-Deutschlands drängt. Doch Charly hat noch einiges zu erledigen. Sie muss das Baby, das Hannah Singer kurz vor ihrer Ermordung geboren hat, finden, ist es doch Fritz Thalmanns Sohn.

Meine Meinung:

In diesem zehnten Band der Gereon-Rath-Reihe steuern die Protagonisten in unterschiedlicher Geschwindigkeit auf den Abgrund zu. Sei es, dass sie das Regime ablehnen und entfernt werden müssen, oder sei es, dass sie sich selbst in die Bredouille bringen wie Gräf, der für die SS Spitzeldienst leisten muss, um vorerst seine Karriere zu retten. Selbst der ehemals mächtige Kriminaldirektor Gennat ist mehr oder weniger kalt gestellt, denn Polizist wird nur mehr der, der Parteimitglied ist. Alle anderen werden unter mehr oder weniger fadenscheinigen Gründen entlassen. Da wundern sich dann viele, dass Charly Rath wieder in den Polizeidienst eintritt. So mancher schäumt vor Wut, aber gegen die Protektion von Hermann Göring, dem sie gemeinsam mit Gräf das Leben gerettet hat, ist schwer anzukommen.

Wie schon in den Vorgängern ist auch diesmal die politische Situation penibel recherchiert. Einige reale Personen haben ihren kleinen oder größeren Auftritt. Zudem fesselt der Autor seine Leser durch häufige Szenenwechsel und, führt alle Handlungsstränge zu einem großartigen Finale zusammen. Gleichzeitig entwirrt er einige, bereits über Jahre bestehenden komplexen Verstrickungen und Abhängigkeiten einzelner Charaktere.

Der Epilog lässt darauf schließen, dass es einen elften Band geben wird. Es ist zu befürchten, dass einige ihre Macht (weiter) missbrauchen werden, um ihre persönlichen Rachefeldzüge zu starten.

Fazit:

Gerne bewerte ich diesen zehnten Krimi aus der Gereon-Rath-Reihe mit 5 Sternen und einer Leseempfehlung. Ich rate, mit Band eins „Der nasse Fisch“ zu beginnen.

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Was Sie schon immer über Mozart wissen wollten ...

111 MAL MOZART von Internationale Stiftung Mozarteum

Die Stiftung Mozarteum hat in diesem Buch die 111 häufigsten oder wichtigsten Fragen rund um Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) in acht Kapitel zusammengefasst. Es ist eine von Grund auf aktualisierte und um 11 Fragen erweiterte Fassung des Buches „Mensch Mozart!“ aus dem Jahr 2005.

Abstammung und Familie
Jugend und Alltag in Salzburg
Reisen
Bediensteter am Hof in Salzburg
Kompositionstechnik und Werke
Über Mozarts Tod
Die Mozart-Familie nach 1791
Mozart-Forschung

Dabei werden zahlreiche Fakten genannt, Mythen und Halbwahrheiten als solche enttarnt, und zurecht gerückt.

Nicht zu kurz kommt auch der historische Hintergrund, ohne den Mozart nicht gesehen werden darf. Das betrifft vor allem die Gepflogenheiten rund um Mozarts Begräbnis, das den damaligen, von Kaiser Joseph II. erlassenen Vorschriften, entsprochen hat und KEIN Armenbegräbnis war, wie immer wieder behauptet wird.

Zu (fast) jeder Frage und Antwort gibt es eine Abbildung, sei es ein Faksimile eines Briefes oder eines Notenblatts. Ich habe wenig Neues erfahren, da ich bereits einige Bücher über die Familie Mozart gelesen habe. Einige davon aus dem Verlag Anton Pustet.

Fazit:

Für Mozart-Liebhaber und jene Menschen, die gerne in ihrem Bekanntenkreis mit Anekdoten über berühmte Persönlichkeiten auftrumpfen wollen, ein geeignetes Geschenk. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

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Eine gelungene Fortsetzung

Tod auf dem Opernball von Beate Maxian

Der Opernball, der jedes Jahr am Donnerstag vor Aschermittwoch stattfindet, ist der Höhepunkt der Wiener Ballsaison. Nicht nur, dass er der einzige Abend im Jahr ist, an dem die Staatsoper schwarze Zahlen schreibt, ist er ein Society-Event, das seinesgleichen sucht. Nachdem er schon mehrmals als Hintergrund für Krimis oder Romane gedient hat, darf er diesmal die Kulisse für Sarah Paulis 14.

Fall sein.

Vor laufender Kamera bricht die junge umschwärmte Schauspielerin Nina Seidling zusammen. Sarah Paulis Wiederbelebungsversuche bleiben erfolglos. Zunächst wird der Tod der Frau als mögliche Folge eines Drogenkonsums behandelt, doch Sarah hat die Vermutung, dass er mit jener Nachricht, die sie kurz vor dem Opernball erhalten hat, zusammenhängt. Martin Stein, Chefinspektor bei der Kriminalpolizei mit dem Sarah Pauli schon einige Verbrechen gelöst hat, misst dem Schreiben wenig Bedeutung bei.

Doch als abermals rätselhafte Schreiben in der Redaktion eingehen und eine weitere Person, die mit Nina Seidling bekannt war, stirbt, kann ein Zusammenhang nicht weiter geleugnet werden.

Nur, welche Auflösung verbirgt sich hinter den Rätseln in den Ankündigungen? Und wer soll das dritte Opfer sein?

Meine Meinung:

In ihrem 14. Fall für Sarah Pauli zieht Beate Maxian wieder alle Register. Wir dürfen sowohl Einblick in das Rundherum zum Opernball als auch in die Geschäfte, die dort angebahnt werden. Daneben lernen wir das Business einer Influencerin kennen, das, wenn es erfolgreich sein will, manchmal doch auch harte Arbeit ist, in der dann die Scheinwelt mit der Wirklichkeit verschmelzen kann.

Als gewiefte Krimileserin hatte ich recht bald einen Verdacht, wer hinter den Morden stecken könnte und wurde in meiner Hypothese bestätigt. Trotzdem habe ich es sehr spannend gefunden, wie Sarah Pauli ihre Intuition sowie ihre Verbindungen nutzt, dem Täter auf die Spur zu kommen.

Die neuen Charaktere sind wieder sehr gut herausgearbeitet. Die bereits bekannten dürfen sich ein wenig weiter entwickeln.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem 14. Krimi rund um Sarah Pauli 5 Sterne.

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Eine gelungene Fortsetzung
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Ein gelungener hist. Roman

Das Schweigen der Schwestern von Marie Benedict

Dieses Buch aus der Reihe „Starke Frauen im Schatten der Weltgeschichte“ von Marie Benedict ist das 6., das ich von der Autorin gelesen habe.

Wie Marie Benedict im Nachwort erzählt, ist sie bei ihren Recherchen zu „Lady Churchill“ mehrfach über die Mitford-Schwestern gestolpert. Doch halt, nicht über alle sechs, sondern hauptsächlich über Diana, Unity und Nancy.

Von diesen drei Schwestern wird auch in diesem Buch vorrangig die Rede sein.

Wer sind also die Mitford-Schwestern, die noch einen Bruder, Thomas (1909-1945), haben?

Nancy (1904-1973)
Pamela (1907-1994)
Diana (1910-2003)
Unitiy (1914-1948)
Jessica (1917-1996)
Deborah (1920-2014)

Sie sind Töchter einer alten englischen Aristokratenfamilie, deren „Lebensaufgabe“ es sein sollte, einen reichen Ehemann zu finden und zahlreiche Kinder zu bekommen. Ihr Leben pendelt zunächst zwischen Kleideranproben, Langeweile und Dinnerpartys. Ihre Bildung erhalten sie bis auf Diana, die für sechs Monate auf eine Privatschule in Paris geschickt wird, ausschließlich durch Hauslehrer.
Diana, die mit dem Brauereierben Bryan Walter Guiness verheiratet ist, beginnt 1932 mit Sir Oswald Mosley ein Verhältnis, das 1936 in einer Ehe münden sollte. Bei dieser Trauung in Berlin sind Hitler und Goebbels anwesend.

Die blonde, blauäugige und 1,80m große Unity ist schon zuvor nach Deutschland gereist und hat Hitler kennengelernt. Der stellt ihr eine zuvor arisierte Wohnung in München samt Auto und Chauffeur zur Verfügung. Zwischen 1935 und 1939 gehörte sie zum inneren Kreis der NSDAP und versorgt Hitler & Co mit Details aus Englands Politik. Am 3. September 1939, dem Tag der Kriegserklärung an England, unternimmt Unity eine Suizidversuch, der missglückt.

Während Diana und Unity sich zu fanatischen Anhängerinnen von Adolf Hitler und den Nazis entwickeln, sieht Nancy die älteste der Schwester sowohl die politische als auch die persönliche Entwicklung von Diana und Unity äußerst kritisch. Sie wird, als Nazi-Deutschland Großbritannien den Krieg erklärt, Diana für den Britischen Geheimdienst aushorchen, Dokumente entwenden und sie Winston Churchill, mit denen die Mitfords über dessen Schwägerin verwandt sind, zuspielen.

Jessica hingegen wendet sich den Kommunisten zu und verlässt Großbritannien.

Soweit der historische Rahmen, in dem dieser Roman, der in kurze Kapitel, die mit Datum und dem Namen jener Schwester überschrieben ist, aus deren Sicht die jeweilige Episode in den Jahren 1932 bis 1941 erzählt wird, spielt.

Recht deutlich kommt heraus, dass die Familienmitglieder in ihrer Einstellung zu Nazi-Deutschland höchst zerrissen war. Diana und Unity fanatische Anhängerinnen Hitlers, Jessica eine Kommunistin, Nancy, die für England spioniert und selbst die Mutter scheint sich für die Faschisten erwärmen zu können, während für Vater Mitford die Deutschen nur „The Hons“ (die Hunnen) sind. Selbst die Internierung von Diana und Mosley ändert nicht an deren Weltanschauung.

Erschreckend zu lesen ist auch, wie viele Anhänger der Faschismus auch in Großbritannien hat. Vor allem die adelige Gesellschaft hat große Sympathien für den Faschismus. Mosely steht hier nicht alleine da. Diese Sympathien reicht bis in Königshaus und kostet mit einigen anderen Gründen, Edward VIII. den Thron. Auch wenn der „offizielle“ Grund seiner Abdankung die geplante Hochzeit mit seiner zweifach geschiedenen Geliebte, der Amerikanerin Wallis Simpson war.

Der Schreibstil der Autorin ist sehr flüssig und spannend. Die Leser erhalten einen Einblick in die abgehobene Lebensweise Englands High Society. Der Roman ist penibel recherchiert und gekonnt erzählt. Einzelne Ereignisse werden durch die drei Schwestern Nancy, Daina und Unity aus den jeweils unterschiedlichen Perspektiven betrachtet.

Durch ihre fanatische Begeisterung für Hitler und den Faschismus sind Diana und Unity die bekanntesten der MItford-Schwestern während Nancy, Jessica und Deborah als Schriftstellerinnen Erfolg hatten.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Roman, der die komplexe Gemengelage der politischen Einstellungen einer aristokratischen Familie zum Inhalt hat, 5 Sterne.

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Ein gelungener hist. Roman
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Ein gelungener hist. Roman

Die Orgelbauerin von Martin Meyer

Dieser historische Roman entführt uns in die Weimarer Republik (1918-1933), die von instabiler Regierungen, Armut, Arbeitslosigkeit und zahlreichen Männern, die an Körper und Geist versehrt aus dem Ersten Weltkrieg zurückgekommen sind, gekennzeichnet ist. Die Not ist in den Städten größer, Dorfbewohner können sich mit den kümmerlichen Erträgen aus ihren Gärten und der Kleinviehhaltung gerade noch über Wasser halten.

Paula Bertram, die Tochter des Orgelbauers Theodor Bertram, will unbedingt das Handwerk des Orgelbaus erlernen, zumal ihr Bruder auf Grund einer schlecht heilenden Kriegsverletzung an der rechten Hand, den Beruf nicht wirklich ausüben kann. Doch in Theodors Gedankenwelt haben Frauen ihren Platz in der Küche, im Ehebett und Kirche.

Nach einer gescheiterten Ehe mit dem Möbeltischler Motte, der sie zudem misshandelt hat, beginnt sie eine Tischlerlehre bei Hans Meichelbeck, der einst Orgelbauer im Betrieb ihres Vater gewesen ist. Der ist für beide steinig und hart, denn die zahlreichen gesetzlichen Vorschriften stehen sowohl Paula als auch Hans im Weg.

Doch für die Orgelbauer im ganzen Land sieht es schlecht aus. Die Kirchengemeinden jammern zwar über den schlechten ZUstand ihrer Orgeln, für eine Instandsetzung oder gar eine neue Orgel fehlt schlichtweg das Geld.

Muss Paula ihren Traum vom Orgel bauen aufgeben? Oder muss der väterliche Betrieb erst vor die Hunde gehen, damit der jähzornige Patriarch ein Einsehen hat?

Meine Meinung:

Mir hat dieser historische Roman, der mich nach Weimar, in die Stadt Goethes und Schillers sowie in die Werkstätten des Bauhauses geführt hat, sehr gut gefallen. Das Bauhaus und seine revolutionären Ideen sind für die bodenständige Paula einen Hauch zu progressiv. Die will die traditionelle Handwerkskunst lernen und den väterlichen Betrieb wieder auf Vordermann bringen.

Das Cover ist einerseits an die strenge geometrische Form des Bauhauses angelehnt, andererseits sind natürlich Orgelpfeifen abgebildet.

Die fiktive Story rund um Paula ist geschickt angelegt und flüssig geschrieben. Erst im Laufe der Geschichte erfährt man einerseits, warum Theodor Bertram so verbittert ist und keine Frau in der Werkstatt duldet, und andererseits einiges über Paulas Bruder Maximilian. Die Charaktere sind sehr gut ausgestaltet.

Wir erfahren einiges über die Kunst des Orgelbaus. Ich gebe zu, bislang habe ich mich nur wenig damit befasst. Erst der Besuch des Kölner Domes, bei dem ich fasziniert die sogenannte „Schwalbennest-Orgel“ bestaunt habe. Diese Orgel ist allerdings eine moderne Orgel, die erst 1998 von Johannes Klais gebaut worden ist. Diese Erklärungen zum Orgelbau sind geschickt in die Handlung integriert.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem historischen Roman aus der Weimarer Republik 4 Sterne.

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Ein gelungener hist. Roman
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Penibel recherchiert und opulent erzählt

Tod und Teufel von Frank Schätzing

Frank Schätzing entführt uns auf die Großbaustelle des Kölner Dom im Jahre 1260. Überall dort, wo viel Geld, Macht und Einfluss im Spiel sind, sind Intrigen und Korruption nicht weit. So auch auf dieser Baustelle, wo zu Ehren Gottes, die schönste Kathedrale mit den höchsten Türmen entstehen soll.

Im Sog der Handwerker, die aus allen Teilen Europas in das mittelalterliche Köln, das damals noch mit C und Doppel-L, also Cölln, geschrieben worden ist, wollen unterschiedliche Menschen ein kleines oder größeres Stück vom Kuchen, darunter Jacob, ein kleiner Dieb und Herumtreiber.

Jacob beobachtet ungewollt wie der leitende Baumeister der Dombaustelle, Gerhard Morart, von einer dunklen Gestalt vom Gerüst gestoßen wird. Blöderweise wird er selbst vom Mörder gesehen. Nun beginnt eine gnadenlose Jagd auf den Zeugen. Jeder, dem Jacob von seiner Beobachtung erzählt, ist wenig später selbst tot, denn wie es scheint, ist Jacob in eine umfassende Verschwörung geraten, die den Tod des Erzbischofs plant.

Jacob kann niemandem mehr vertrauen. Unterschlupf findet er bei Jaspar, einem versoffener Kleriker, und dessen Nichte Richmodis. Die beiden beschließen, Jacob zu helfen, die Verschwörung aufzudecken und die Ermordung des Erzbischofs zu verhindern. Doch wird das gelingen? Die Gegner besitzen Macht, Geld und Einfluss.

Meine Meinung:

Dieser Krimi ist im Jahre 1995 (!) erstmals erschienen und bereits mehrmals neu aufgelegt. Anlässlich der Veröffentlichung von „Helden“, des zweiten Teils der Jacob-Trilogie im Oktober 2024, hat der Verlag Emons, nun „Tod und Teufel“ abermals als Hardcover herausgebracht.

Da ich im Frühjahr 2024 bei einem mehrtägigen Besuch das mittelalterliche Cölln unter fachkundiger Anleitung kennenlernen durfte, habe ich mich recht bald in diesem historischen Kriminalroman zurecht gefunden.

Frank Schätzing hat penibel die Geschichte Cöllns recherchiert und auch das damalige Weltgeschehen wie Kreuzzüge und die übermächtige katholische Kirche in seinen Roman eingebunden. Der Autor fesselt seine Leser mit stetig wachsender Spannung sowie häufigen Perspektivenwechsel. Die Kapitel werden abwechselnd aus der Sicht von Jacob, aber auch aus Sicht der einzelnen Verschwörer, der Mitglieder einer bekannten Kölner Patrizierfamilie sowie des gedungenen Mörders erzählt. Zunächst scheint es, als ob der Mörder alle Vorteile auf seiner Seite hätte. Doch er unterschätzt Jacob, den man nicht umsonst Jacob, den Fuchs nennt.

An manchen Stellen erinnert dieser Roman an Ken Folletts „Kingsbridge-Reihe“, weil ähnlich opulent und detailreich.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem penibel recherchierten und opulent erzählten historischen Roman, der der erste der Jacob-Trilogie ist, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Fesselnd bis zur letzten Seite

Tod und Teufel von Frank Schätzing

Roland Zingerle schickt in diesem 7. Band seiner Wörthersee-Krimi-Reihe seinen Privatdetektiv Heinz Sablatnig auf die zunächst eher langweilige Suche nach Bruno Bauer, einem jungen Mann, der von seiner Tante Ulrike Schuster und seinem Arbeitgeber vermisst wird. Eine Kreditkartenabrechnung deutet auf eine Zugfahrt nach Genua hin.

Das will Frau Schuster nicht glauben, denn sie hält Bruno, der ein wenig eingeschränkt ist, für eine solche Aktion nicht schlau genug.

Erst als er herausfindet, dass Brunos Nachbarin ausgerechnet Vesna, Verkäuferin in jenem Gemüseladen ist, in dem zwei Tage zuvor bei einem Einbruch eine junge Polizistin mit ihrer Dienstwaffe erschossen worden ist, und in dem die Polizei unter den Steigen mit Salatköpfen Drogen gefunden hat, hat Heinz eine Hypothese, wie das zusammenpasst.

Während Sablatnig nach Bruno sucht bzw. seine Theorie der ermittelnden Chefinspektorin Sabine Oleschko unterbreitet, gerät der Bergsteiger Lukas Katolnig auf der Hochalmspitze in einen Schneesturm, stürzt ab und findet sich ziemlich derangiert in einer Kapelle wieder, die von Schwester Anna, einer Nonne bewohnt wird. Sie bewacht eine Höhle, in der einer alten Kärntner Sage nach, seit Jahrhunderten ein Scheusal, gefangen gehalten wird.

Neun Tage später kehrt Lukas in die Zivilisation zurück, wird wegen seiner Verletzungen und einer Amnesie im Krankenhaus behandelt. Bei dem Gespräch, zwischen Lukas und Heinz, das die Chefinspektorin eingefädelt hat, fällt wieder einmal ein bekannter Name: Vesna....

Meine Meinung:

Geschickt verknüpft Roland Zingerle diese alte Kärntner Sage mit dem Einbruch in das Gemüsegeschäft, das als Drogenumschlagplatz dient und dem Mord an der Polizistin. Dieser ungewöhnlicher Mix sorgt für zahlreiche Wendungen und Überraschungen.

Der Krimi ist vielschichtig und komplex. Das Motiv, dem alles zu Grunde liegt, hat schon Goethes Faust gewusst: „Nach Golde drängt, am Golde hängt, doch alles.“

Einzig die Auflösung zum Scheusal, dass im Stollen lauert, hätte ein wenig ausführlicher beschrieben werden können. Die Erklärung kann leicht überlesen werden, wenn man keine entsprechende Vorkenntnisse hat.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Kärnten-Krimi, bei dem der Wörthersee ausnahmsweise keine Rolle spielt, 5 Sterne.

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Faszinierende Erkenntnisse

Cold Case Ötzi von Josef Rohrer

Als ein deutsches Ehepaar am 19. September 1991 eine teilweise aus dem Gletschereis herausragende, mumifizierte Leiche auf dem Tisenjoch entdeckt hat, weiß noch niemand, welche Bedeutung dieser Fund haben wird. Es die als „Ötzi“ bekannte, mehr als 5.000 Jahre alte natürliche Mumie eines Mannes, die nach wie vor Rätsel aufgibt.

In diesem Buch beschreibt Josef Rohrer wie Alexander Horn, Oliver Peschel und Andreas Putzer, drei Experten aus den Bereichen Operative Fallanalyse, forensische Pathologie und hochalpine Archäologie, den 5.000 Jahre alten „Cold Case Ötzi“ mit wissenschaftlichen Methoden von heute untersuchen. Als „Schreibfräulein“ fungiert Autor, Journalist und Kurator zahlreicher Ausstellungen Josef Rohrer.

Die Experten, die sich für einige Tage auf eine Südtiroler Berghütte zurückgezogen haben, sortieren die zahlreichen Informationen und bekannte Fakten, versuchen die damaligen Lebensumstände an Hand von bekannten anderen archäologischen Funden zu rekonstruieren und entwerfen ein mögliches gesellschaftliches Umfeld des Toten. Manche ihrer Hypothesen verwerfen sie gleich wieder, andere werden näher betrachtet.

In folgenden acht Kapiteln werden sowohl die Vorgehensweise als auch die Schlüsse aus den Diskussionen erläutert:

Ockhams Rasiermesser
Ein Kupferbeil, 61 Tattoos
Ein mickriger Dolch und ein Comic
Zwei Pfeile und kein Bogen
Auf der Flucht. Aber weshalb?
Das Rätsel der Hopfenbuche
Schuss aus dem Hinterhalt
Ein Bild des Täters

Was genau die Experten herausgefunden haben und wie sie dabei im Detail vorgegangen sind, kann in diesem sehr interessanten Buch nachgelesen werden.

Meine Meinung:

Josef Rohrer hat hier eine fesselnde Zusammenfassung der Gespräche, Gedanken und Hypothesen dieser Expertenrunde geschrieben, die uns Laien einen Einblick in diese Fachgebiete gewährt.

Zur besseren Erläuterung sind manche Diskussionen im genauen Wortlaut aufgezeichnet. Zahlreiche Fotos der Region, von Ötzi und seiner Ausrüstung, Ausschnitte aus Landkarten, Skizzen und die Erklärungen wie der Tote aus der Kupferzeit seine Gegenstände gebraucht hat, ergänzen diese höchst interessante Spurensuche.

„Doch gerade weil dieser Cold Case nie ganz aufzuklären sein wird, bleibt er eine geile G’schicht.“ (Alexander Horn, operativer Fallanalyst)

Dem ist wohl wenig hinzuzufügen.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem faszinierendem Buch, das ein klein wenig Licht in diesen „very Cold Case“ bringt, 5 Sterne.

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Aber eine Elphi kriegen sie nicht

Das Opern-Phantom von Maren Friedlaender

Nach „Rheingold“ und „Schweigen über Köln.“ dürfen wir KHK Therea Rosenthal nun abermals über die Schulter schauen. Diesmal bekommt sie es zunächst einmal mit einer Toten im Kölner Südpark zu tun. Es sieht aus, als hätte sich die Frau einen Goldenen Schuss gesetzt. Doch wie soll das gehen, wenn sie mit K.

o.-Tropfen zugedröhnt ist? Als sie dann als Claudia Ruppert,Journalistin und Ehefrau des Kulturstaastsekretärs identifiziert wird und die Kriminaltechnik in einer klinisch sauberen Wohnung ihrer Arbeit nachgehen muss, keimt der Verdacht auf, dass hier eine unliebsame Journalistin aus dem Weg geräumt worden ist.

Auch der dezente Hinweis des Polizeirates, dass, hier mit Fingerspitzen ermittelt werden soll, ist ein Fingerzeig, dass es hier um mehr als „nur“ eine tote Journalistin geht.

War die Tote einem Skandal auf der Spur? Nur welchem? Die Liste der Möglichkeiten ist hier lang, doch als dann noch eine Mitarbeiterin des Bauamtes auf der ewigen Baustelle der Kölner Oper in einem Betonfundament eingegossen aufgefunden wird, ist klar, dass die Sanierung der Oper eine zentrale Rolle spielt.

Und was hat der Einbruch in das Haus von Felix Stroebel, dem Vorsitzenden des Vereines der Freunde der Kölner Oper, das eigentlich wie Fort Knox gesichert ist, zu tun?

Fragen über Fragen, die gekonnt und schlüssig beantwortet werden.

Meine Meinung:

Autorin Maren Friedlander hat hier einen fesselnden, feinsinnigen und an einigen Stellen auch schwarzhumorigen Krimi geschrieben.

Zentrales Thema ist die Sanierung des Kölner Opernhauses, ein Fass ohne Boden. Ich war im April 2024 ein paar Tage in Köln und durfte diese Baustelle unter den kundigen Erklärungen eines befreundeten Ehepaares aus Köln bewundern.

Denn, statt der veranschlagten 253 Mio sind bis August 2024 1,3 Mio Euro angefallen. Zum Vergleich ist die Elbphiharmonie, deren Baukosten durch jahrelange Verzögerungen auf 866 Mio gestiegen ist, schon ein richtiges Schnäppchen. Daher ist das geflügelte Wort „Aber eine Elphie kriegen wir nicht“, das sich durch den Krimi zieht, durchaus nachvollziehbar.

Und auch das zweite Zitat, das aus der Oper „Benventuto Cellini“, mit der das renovierte OPernhaus 2015 glanzvoll eröffnet werden hätte werden sollen „Das hat die Welt noch nicht gesehen“, mit dem sich die Politikprominenz häufig brüstet, passt perfekt, wenn auch im negativen Sinn.

Großbaustellen, die Zeit und Finanzierung sprengen, haben in der Stadt Köln ja eine lange Tradition. Man denke nur an den Kölner Dom, dessen Bau 1248 begonnen und erst 1880 fertiggestellt worden ist.

Doch zurück zum Krimi.

Die Charaktere sind authentisch und bodenständig dargestellt. KHK Theresa Rosenthal hat die Fünfzig überschritten, fühlt sich urlaubsreif und hätte, statt während der Osterfeiertage in Köln zu ermitteln, lieber ein paar Tage in der Sonne verbracht. Sie macht sich so allerhand Gedanken um die politische Weltlage, die sich durch die Pandemie und Russlands Einmarsch in die Ukraine sowie die eigenartige Veränderung der Gesellschaft in eine ungesunde Richtung entwickelt hat.

Die in vielen anderen Krimis oft erwähnten Rivalitäten zwischen den Mitarbeitern in der Dienststelle sind hier ausgespart. Rosenthal ist als Leitende Hauptkommissarin unumstritten und läuft, wenn sie im Umfeld der Politik ermitteln muss, zur Höchstform auf. Das muss auch „Mr. Netzwerk“ Bollinger erkennen, als er sie zuerst nur als „schmückendes Anhängsel“ von Clarissa von Hammerstadt wähnt. Doch mit ein, zwei wohl platzierten Sätzen, belehrt sie ihn eines Besseren.

„Irgendetwas war dran an der Floskel, jemandem falle das Gesicht herunter. Bollingers fiel. Er hatte offensichtlich nicht damit gerechnet, dass die Verbindung zwischen Ruppert und Rehlinger bekannt war.“

Entzückend und erfrischend ist Rosenthals betagte Tante Clarissa von Hammerstedt, die den Freund der toten Journalistin mit folgenden Worten für ein paar Tage bei sich aufnimmt:

„Ach, der kleine Conte!“ rief Tante Clarissa begeistert. „Ein herrliche Bonvivant! Und so lustig!“
Farinesi hatte sich nicht mit seinem Grafentitel vorgestellt. Typisch alter Adel. Entweder, man wusste, wer sie waren, oder nicht. Wenn nicht, zählte man sowieso nicht. Sie kannte das von ihrer Familie. Ihre Mutter war genauso. Rosenthal erklärte die Situation, und dass der Bonvivant wahrscheinlich nicht in der besten Stimmung sei.

Mir hat dieser fesselnde Krimi sehr gut gefallen. Überall, wo die öffentliche Hand Großprojekt durchführt, treten ungewollt oder gewollte Planungsmängel zutage. Häufig sind hier Leute involviert, denen das Verschleudern von Steuergeld ziemlich egal ist. Sie verwenden solche Vorhaben um ihr Ego aufzupolieren und/oder einen ordentlichen finanziellen Gewinn daraus zu ziehen. Manchmal fällt ein solches Kartenhaus um Immobilienspekulationen, Korruption und Geldvernichtung in sich zusammen - leider viel zu selten.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem flotten und fesselnden Krimi aus Köln 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Aber eine Elphi kriegen sie nicht