Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Harakiri:
Eine Ermittlung zwischen Inselidylle und Geheimnissen
Einsames Watt von Nina Ohlandt; Jan F. Wielpütz
In Einsames Watt wird Hauptkommissar John Benthien auf die nordfriesische Insel Amrum gerufen. Im Watt wurde die Leiche von Paula entdeckt. War es ein Unfall? Oder Mord? Benthien sieht schnell einen Zusammenhang mit seinem allerersten Fall – der damals nicht aufgeklärt werden konnte. Gelingt es ihm und seinem Team die Morde nun zu lösen?
Eine Ermittlung zwischen Inselidylle und vielen Geheimnissen.
Benthien stößt auf ein Geflecht aus alten Konflikten, Lügen und seiner persönlichen Vergangenheit. Ihn plagt noch immer das Verschwinden seines damaligen Lehrmeisters.
Ohlandts (bzw. Wielpütz`) Schreibweise ist flüssig und bildhaft. Man kann sich die Gegend sehr gut vor dem inneren Auge vorstellen. Die Sprache ist ruhig und unaufgeregt, teilweise tritt die Ermittlung sehr auf der Stelle, was das Ganze etwas zäh werden lässt. Viele Charaktere sorgen zusätzlich dafür, dass man sich beim Lesen sehr konzentrieren muss.
Die Protagonisten, vor allem John Benthien, überzeugen aber wieder durch ihren Spürsinn und ihre Menschlichkeit. Kleine private Einstreuen sorgen dafür, dass man den Charakteren nahe ist.
„Einsames Watt“ ist bereits der 12. Benthien-Krimi. Seit dem Tod der Autorin schreibt Jan Wielpütz die Serie fort. Neueinsteiger haben es vielleicht ein wenig schwer, mit dem Privatleben der Protagonisten klarzukommen, ansonsten ist der Band aber in sich abgeschlossen.
Fazit: Nicht mehr ganz Ohlandt, aber auch Wielpütz lässt Benthien erfolgreich weiter ermitteln.
viele Verdächtige
Rügenmord von Katharina Peters
Ein Toter in einer verbrannten Scheune ruft Kommissarin Romy Beccare auf den Plan. Doch die Ermittlungen gestalten sich äußerst schwierig. Beinah jeder der Verdächtigen hat ein Motiv, aber auch ein Alibi.
Spannende Ermittlungen auf Rügen, allerdings zog sich die Handlung zwischendurch ein wenig und auch was mit einem der Hauptverdächtigen passiert, wird später nicht weiterverfolgt.
Ansonsten ein sehr solider Krimi mit viel Ermittlungsarbeit und sympathischen Charakteren.
Der Fall ist logisch aufgebaut und verzwickt genug, um den Leser miträtseln zu lassen. Er bietet genug Wendungen und Spannung. Ich verfolge Romy Beccare vom ersten Buch an und mag ihren Schreibstil sehr gerne. Anschaulich und authentisch baut sie ihre Handlung auf und sorgt am Ende für den gewissen AHA-Effekt.
Grausame Szenen sucht man bei Peters vergeblich. So ist der Krimi für alle, die es gerne spannend und logisch mögen, sehr gut geeignet.
Umweltkrimi
Dünenwut von Sven Koch
In Sven Kochs neuem Fall bekommen es die Ermittler Femke und Tjark mit Umweltaktivisten zu tun. Eine gesprengte Stromleitung sorgt für mildes Chaos im Norden Deutschlands sowie im Süden Dänemarks. Als kurz darauf eine Leiche gefunden wird, beginnen intensive Ermittlungen im Klimamilieu. Schnell sind die Verursacher ausgemacht, doch steht hinter ihnen noch etwas viel Größeres?
Genau, Sven Koch wäre nicht Sven Koch, wenn die gesprengte Stromleitung schon alles wäre, womit es die Ermittler zu tun haben.
Sehr liebevoll baut er seinen Fall auf. Das Buch beginnt mit der Einführung aller Protagonisten und was sie zur Zeit des Stromausfalls getan haben. So sind auch Leser, die die Vorgängerbände nicht kennen, gleich in der Handlung und kennen die Charaktere.
Ein wenig viel fand ich die Erklärungen zu den Umweltfragen. Die waren etwas zu detailliert und hemmten meinen Lesefluss. Ansonsten war das Buch wieder logisch aufgebaut, mit einigen Wendungen versehen und atemraubenden Kapiteln. Was mir ein wenig gefehlt hat, war dieses Mal die Privatseite der Kommissare, die mag ich sonst auch sehr gerne.
Einen Krimi aus der Sicht der Täter zu schreiben, bzw. lange Kapitel über deren Motive und Handeln zu schreiben, ist sehr erfrischend und hat mir sehr gut gefallen.
Fazit: Bereits der 9. Fall für Femke und Tjark und hoffentlich nicht der letzte.
ein irres Tempo
Moorland. Die Zwillinge von Andreas Winkelmann
Als die Zwillinge Jana und Nike im Moor verschwinden hat Polizistin Malia Gold gerade ihren Dienst in der neuen Dienststelle angetreten. Noch nicht einmal ihr Büro ist fertiggestellt. Doch als die Ereignisse sich zuspitzen, wird auch kein Büro mehr benötigt, denn auf einmal geht alles Schlag auf Schlag.
Wow, was für ein irres Tempo dieses Buch hat. Ich konnte es nicht zur Seite legen und habe es an einem Nachmittag durchgesuchtet. Allein die Atmosphäre mit der Kälte und dem Moor und die Tatsache, dass die jungen Mädchen irgendwie auch nicht so eine reinweiße Weste haben, wie alle denken. Aber auch Malia gefiel mir als Charakter sehr gut. Nach und nach kommt ihre Motivation, sich gerade in dieser Dienststelle zu bewerben ans Licht. Überhaupt bleiben keine Fragen lange offen. Außer die nach dem Täter.
Sehr gut gefielen mir auch die anderen Charaktere. Sei es der Lehrer, der in Schwierigkeiten steckt oder die Mutter von Malia, um die sich auch Geheimnisse ranken – auf jeden Fall viel Potential für noch weitere Bücher der Reihe.
Winkelmann schreibt wieder einen Krimi, der süchtig macht und durch die kurzen Kapitel dazu verleitet, immer noch eins lesen zu wollen, bis man schließlich am Ende angekommen ist und erst einmal wieder den Puls beruhigen muss.
Fazit: ein Autor, von dem man immer mehr lesen will und auch eine Ermittlerin, die ich gerne wieder treffen würde.
sehr schön zu lesen
Das White Octopus Hotel von Alexandra Bell
Eve Shaw ist Kunsthändlerin und hat ein Trauma aus der Kindheit zu verarbeiten. Eines Tages besucht sie ein alter Mann in ihrem Büro und drückt ihr einen weißen Oktopus in die Hand. Eve rätselt, was es damit auf sich hat und reist schließlich in die Schweiz ins White Octopus Hotel. Was sie dort erlebt, hätte sie sich niemals ausdenken können.
Manchmal beeinflusst die Vergangenheit die Gegenwart massiv. Eve hat Schuldgefühle und als sie die Möglichkeit findet, ihren Fehler wiedergutzumachen ergreift sie die Chance. Eine sehr schöne Geschichte hat sich Alexandra Bell hier ausgedacht und zu Papier gebracht. Ich fühlte mich gleich heimisch in den Zeilen und habe das Buch sehr gerne gelesen.
Ein wenig aufpassen muss man allerdings, dass man sich in den Zeiten und Orten nicht verzettelt, weil alles so ineinander geschachtelt ist, aber alles ist logisch aufgebaut und man kommt gut mit. Das Ende hat mich allerdings ein wenig verwirrt.
Bells Schreibstil ist ausdrucksstark, mitreißend und romantisch und sehr anschaulich. Auch die Charaktere mochte ich sehr gerne, vor allem die ganzen Oktopusse fand ich eine sehr gute Idee.
Fazit: Fantastik, Romantik und ein kleines bisschen Krimi – alles verwoben und vereint zu einer Story, die Freude macht zu lesen.
Eine Insel in der Nordsee, 5 Besucher und ein großes Geheimnis.
Fünf Fremde von Romy Fölck
Eine Insel in der Nordsee, 5 Besucher und ein großes Geheimnis.
Warum schweigt jeder über das Verschwinden des damals 13-jährigen Jungen? Und wer schreibt die ganzen Drohbriefe? Ein rätselhafter Fall, in den Annika gerät, als sie auf ihre Heimatinsel zurückkehrt um ihre Mutter zu pflegen.
Was harmlos begann, endet tödlich…
Ein Stand-alone von Romy Fölck, der teilweise etwas zäh war, aber sonst voll den hohen Erwartungen entsprochen hat.
Ein rätselhafter Fall, viele Geheimnisse und eine überraschende Auflösung. Wobei mir die Geheimnisse teilweise schon zu viel waren. Keiner spricht über die Vergangenheit und das führt zu Verwicklungen und Rachegefühlen. Und auf einmal wird das Geheimnis dann doch angegangen? Etwas unrealistisch, aber gut, es ist ein Roman. Und der Fall ist ja nun auch sehr verzwickt und wartet mit überraschenden Wendungen auf, wie man sie von Fölck kennt.
Die Schreibweise ist kurzweilig und die Beschreibung des Wetters sorgt für zusätzliche Spannung.
Die Charaktere fand ich recht gut gelungen, aber sie bleiben eher oberflächlich. Für einen Krimi aber durchaus ausreichend.
Fazit: ein unterhaltsamer Krimi, der Spaß macht zu lesen, allerdings mit ein paar Längen aufwartet.
ein etwas schwächerer Teil
Zorn - Die Akte Heinlein von Stephan Ludwig
Eine abgetrennte Hand im Stadtpark? Wem gehört die? Genau der Frage müssen sich Schröder und Zorn im neuen Buch von Stephan Ludwig stellen.
Dass Ludwig die Handlung um Heinlein wieder aufgreift, finde ich eine gute Idee. Zum Glück gibt es am Anfang ein erklärendes Kapitel, für die, die das Buch nicht kennen, oder – wie bei mir – die Lektüre schon länger her ist.
Zu Beginn des Buches wechselt die Handlung ab zwischen Heinlein und Zorn, mit eingeschobenen, kursiv geschriebenen, Kapiteln über das Opfer. Der Leser weiß also ein wenig mehr als die Kommissare.
Im Mittelpunkt steht erneut der eigenwillige Hauptkommissar Claudius Zorn, der sich deutlich von klassischen Ermittlerfiguren abhebt: wortkarg, unbequem, innerlich zerrissen – und gerade deshalb so interessant. Interessant sind zudem die Sätze, die der Autor zu Beginn oder auch mitten in der Handlung einstreut. Erleben wir wirklich Zorns letzte Zigarette?
Mir hat so ein wenig die Interaktion zwischen Schröder und Zorn gefehlt. Und was da zwischen Frida und Zorn los war, habe ich auch nicht wirklich nachvollziehen können. Aber sonst fand ich die Handlung sehr gelungen. Vor allem auch wieder die kleinen spitzigen Bemerkungen voller schwarzen Humors.
Fazit: Die Akte Heinlein wird geschlossen, es wäre sicher gut, wenn man das Buch „Der nette Herr Heinlein“ vorher liest. Aber auch ohne vorherige Lektüre hatte ich viel Spaß beim Lesen.
Die Pflegekraft
Schlangengrube von Anna Jansson
Bark möchte eigentlich einen geruhsamen Nachmittag mit einer Freundin erleben, als er zu einem neuen Fall gerufen wird. In einem abgebrannten Kino wird eine Leiche gefunden. Ist es der vor 38 Jahren verschwundene Matthias? Plötzlich überschlagen sich die Ereignisse und bei einem Empfang sterben einige der Gäste.
Kein einfacher Fall für Kommissar Bark und sein Team. Und dann sind da noch die privaten Probleme und seine Affäre mit Mia. Die Idee mit dem Anschlag und wie er ausgeführt wurde, finde ich genial. Und durch die Kapitel „Die Pflegekraft“ in das Hirn des Täters/der Täterin einzutauchen und seine/ihre Motivation und Gedanken zu verstehen, war großes Kino.
Zwischendurch hat das Buch ein paar kleinere Längen, weil es so auf der Stelle tritt, aber das wird durch das furiose Finale wieder wettgemacht. Wechselnde Sichtweisen in den Kapiteln sorgen für zusätzliche Spannung.
Ich mag auch das ausgewogene Verhältnis von Privatleben und Fall sehr gerne. Jansson gibt ihren Charakteren Leben, macht sie nahbar und zugänglich und das ist so besonders an den Benthien-Krimis. Mittlerweile 6 gibt es und ich habe alle sehr gerne gelesen und freue mich jedes Mal auf den nächsten Band. Man kann diese Krimis unabhängig voneinander lesen, jeder Fall ist abgeschlossen, aber mehr Spaß macht es, sie hintereinander zu lesen. „Schlangengrube“ endet mit einem kleinen Cliffhanger, denn Mia hat noch einiges zu verbergen – und auf die Auflösung (vielleicht im nächsten Band) bin ich schon sehr gespannt.
Fazit: Lebendige Charaktere, ein Fall, der es in sich hat und so noch nie da war und eine tolle Schreibweise zeichnen den neuen Krimi von Anna Jansson aus.
Harte Zeiten in Ulm
Die Begine und das dunkle Geheimnis von Silvia Stolzenburg
Ein Dämon geht um in Ulm. Und die ehemalige Begine Anna ist des Mordes verdächtig. Zwar ist schnell ihre Unschuld erwiesen, aber die Suche nach dem Dämon lässt sie nicht los. Und dann verschwinden auch noch ein paar Kinder – natürlich kann Anna da die Füße nicht stillhalten.
Bereits der 8. Band der Erfolgsserie der Begine von Ulm.
Und wieder konnte mich das Buch begeistern. Wie immer mischt die Handlung geschickt historische Elemente und einen Kriminalroman. Anna, die Protagonistin ist mutig, klug und handelt immer sehr eigenwillig und selbstständig, was sie immer wieder in Schwierigkeiten geraten lässt. Aber das macht sie auch sympathisch. Auch die anderen Charaktere sind abwechslungsreich gestaltet und immer unterteilt in Gut und Böse.
Ein weiterer Pluspunkt ist die Beschreibung des Lebens im Mittelalter. Hier wird nicht gezaudert, Bösewichte werden peinlich befragt – hier braucht es teilweise einen starken Magen – oder gleich aufs Rad geknüpft. Auch die Beschreibung der Krankheiten und der damaligen Heilmethoden fand ich wieder sehr gelungen.
Fazit: gute Unterhaltung mit Lokalkolorit für alle, die historische Krimis mögen.
Die Schatten der Vergangenheit werfen lange Schatten
Ungelöst - Die erste Zeugin von Arno Strobel
Ein neuer Thriller von Arno Strobel? Muss ich haben.
Mit „Ungelöst“ startet der Autor eine neue Reihe, die sich um Cold Cases dreht. Doch zuerst muss Kommissar Ramin Brunner noch einen aktuellen Fall lösen: das Verschwinden einer Frau sowie eines kleinen Mädchens.
Die Schatten der Vergangenheit werfen lange Schatten.
Mit dieser Tatsache konfrontiert ist es alles andere als einfach, den Fall zu lösen. Hilfe bekommt Ramin von Medizinstudentin Luisa, die über ein eidetisches Gedächtnis verfügt.
Strobel baut seinen Fall langsam auf, führt die neuen Charaktere behutsam ein und macht sie nahbar. Das führt dazu, dass die Handlung etwas braucht, bis sie den Leser richtig mitreißt. Aber dann entwickelt sich schnell ein Mahlstrom, der nicht mehr loslässt.
Ein wenig konstruiert war die Entführung Luisas, wobei ich die Idee dahinter eigentlich auch mal erfrischend neu fand. Der Täter spielt Katz- und Maus mit den Nerven der Ermittler und mit denen des Lesers. Dies führt unweigerlich dazu, dass man sich beim Lesen beim Spekulieren und Miträtseln ertappt.
Fazit: Eine Reihe, die ich gewiss weiterverfolgen werde.











