Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Harakiri:
Bewegende Schicksale in einen Roman verpackt
Der Sommer am Ende der Welt von Eva Völler
Hanna reist mit ihrer Tochter Katie auf die Insel Borkum. Sie arbeitet an einem Zeitungsartikel über die Schicksale der Verschickungskinder in den 1960er Jahren. Auch ihre Mutter war eins dieser Kinder und Hanna will die Hintergründe dieser Heime erforschen. Doch was sie dann entdeckt, hätte sie sich niemals ausmalen können.
Ein erschütternder Roman. Besonders die Schilderungen von Sabine und die des Tagebuches haben es in sich. Und die Autorin weiß, wovon sie schreibt, waren doch ihre Geschwister auch Verschickungskinder.
Ich habe zum ersten Mal von diesen Kindern gehört und war geschockt. Sicher war es nicht überall so, aber viele Kinder mussten wohl wirklich einiges durchmachen. Wie gut, dass sie eine Stimme bekommen.
Die Tatsachen sind geschickt in eine Romanhandlung eingewoben und auch der Roman hat es in sich. Denn was Hanna hier aufdeckt, ist ganz schön heavy, wenngleich der Roman auch ohne den Paukenschlag am Ende gut funktioniert hätte.
Völler schreibt gewohnt flüssig und anschaulich und ihre Charaktere haben Hand und Fuß und man kann sich gut mit ihnen identifizieren.
Fazit: ein sehr bewegendes Buch, das noch lange im Gedächtnis bleiben wird.
Der Kreis schließt sich
Wir sehen uns wieder am Meer von Trude Teige
Der Kreis schließt sich, die Trilogie ist zu Ende. Obwohl die Autorin eigentlich gar keine Trilogie aus ihrem ersten Buch machen wollte. Doch es gibt halt viel zu erzählen über die harte Zeit.
Annelise, Tekla und Birgit sind beste Freundinnen. Nichts kann sie trennen – außer der 2. Weltkrieg. Während Annelise als Krankenschwester an die Front geht, bewirbt sich Birgit an einem Krankenhaus in Nordnorwegen.
Dort bewegt sie das Schicksal von Nadia und gerät durch eine Widerstandsbewegung in Gefahr. Kann sie jemals wieder glücklich werden?
Ein harter Stoff, vor allem die Verhältnisse der verschleppten Ukrainerinnen, die in der Fischfabrik schuften müssen. Aber auch Birgit hat es nicht einfach. Wobei ihre Geschichte mir fast etwas zu nüchtern erzählt wurde. Mit Nadia konnte ich mehr anfangen.
Sehr eindringlich, manchmal aber etwas kurz, schreibt Trude Teige über eine Zeit, die man sich im heutigen Dasein nicht mehr vorstellen kann. Und genau deshalb lese ich die Romane sehr gerne: sie rütteln auf, regen zum Nachdenken an, machen aber auch Hoffnung.
Fazit: Wir sehen uns wieder am Meer ist ein kurzweiliger, sehr aufrüttelnder Roman, den ich sehr gerne gelesen habe.
Wenn es August Strindberg nicht gäbe, müsste man ihn erfinden
Spätsommertod von Kristina Ohlsson
Sommer in Schweden. Das Krebsfest steht an. Doch mit der Vergiftung eines Ehepaars kommt Unruhe ins Dorf. Wer hasst die beiden so, dass er sie töten will? Maria und ihr Team ermitteln fieberhaft in alle Richtungen – und August unterstützt wo er nur kann.
August als frisch gebackener Vater gefällt mir sehr gut.
Im neuen Roman von Kristina Ohlsson bekommt er allerdings etwas weniger Raum als in den vorhergegangenen. Auch Maria mag ich sehr gerne. Alle Charaktere handeln authentisch und stringent und gut nachvollziehbar. So war ich auch gleich von der ersten Seite an voll in der Handlung gefangen.
Ohlsson schafft eine Atmosphäre leiser Spannung, die sich nach und nach aufbaut und durch einige Wendungen überrascht. Auch das Privatleben der Charaktere kommt nicht zu kurz und zieht sich durch alle 4 Bände.
Kurze, aber knackige Kapitel die sich in den Perspektiven ändern verleiten dazu, immer noch ein Kapitel lesen zu wollen.
Dennoch hatte das Buch kleine Längen. Die viele Ermittlungsarbeit zog sich manchmal etwas. Das Ende versöhnt dann aber wieder mit allem und vor allem das Nachwort hat mir gefallen: „es gibt noch viel, das ich über August und Maria erzählen will“ - na dann, freuen wir uns auf den nächsten Band.
Fazit: Wenn es August Strindberg nicht gäbe, müsste man ihn erfinden.
Warum ich "Asa" empfehle
Asa von Zoran Drvenkar
Dies ist die Geschichte von Asa. Asa hat in ihrem Leben einiges mitgebracht und das hat sie geprägt. Doch warum wurde Asa so? Was ist die Jagd und warum gibt es Prüfungen? Warum war Asa im Gefängnis?
Diese Fragen und noch viel mehr löst das Lesen des neuen Thrillers von Zoran Drvenkar aus. Nach und nach werden diese aufgelöst.
Drvenkar springt dazu munter in der Handlung hin und her. Man fühlt sich wie in einem Boot auf den Wellen. Mal ist es 1902, dann wieder die Gegenwart. 1939 oder jetzt. Dennoch findet man sich gut in der Story zurecht. Ein wenig Probleme hatte ich mit dem DU – ob nun Jasper erzählt oder Asa, beide nutzen das DU. Vorwegnahmen sorgen für zusätzliche Spannung. Der Schreibstil ist einfach und geprägt durch kurze Sätze. Wörtliche Rede wird mit einem Bindestrich begonnen, was anfangs etwas irritierend ist.
„Asa“ ist ein Thriller, wie man sie selten liest. Denn Asa hat nur einen Gedanken: Rache. Und die betrifft ihre Familie. Und dennoch kennt Asa keine Gnade. Ihr Leben ist geprägt durch Gewalt und Verrat und Asa wird hart.
Fazit: Ein Thriller, den man nicht mehr aus der Hand legen kann, auch wenn die Lektüre stellenweise schockiert.
all happy
All Better Now von Neal Shusterman
Crown Royal – ein neues Virus verändert die Welt. Unglückliche Menschen werden nach der Genesung glücklich, reiche Menschen verschenken all ihr Hab und Gut und alle sind sehr selbstlos. Aber es ist nicht alles Gold, was glänzt und der Kampf Virus gegen Impfung verlangt den Charakteren alles ab.
Unwillkürlich fragt man sich beim Lesen von Neil Shustermans neuem Roman, was denn besser wäre: alle Welt glücklich und zufrieden oder eben nicht und man lebt auch mit den Schattenseiten des Lebens. Shusterman legt den Finger dorthin, wo es weh tut und die Menschen zum Nachdenken bringt. Was ist das für eine Welt, in der alle glücklich sind? Ist das erstrebenswert? Oder bin ich eher der Antityp und hoffe auf den Gegenvirus?
Shustermans Charaktere sind sehr gelungen und ich mochte (anfangs) Madison sehr gerne und auch Ron und Mariel habe ich ins Herz geschlossen. Der Schreibstil ist spannend und durch die Perspektivwechsel der Kapitel auch mitreißend und schnell.
Corona ist noch nicht soo lange her, da ist das Szenario sehr nachvollziehbar und erschreckend. Einen ganzen Roman um so ein Virus aufzubauen ist mutig und gewagt, funktioniert aber.
Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt auf Band 2.
Ermittlungen auf den zweiten und dritten Blick
Inspektor Takeda und der tödliche Ruhm von Henrik Siebold
Der 8. Fall für den Austauschpolizisten aus Japan
Ein Mord an einem Sushi-Koch und das Verschwinden eines weiteren beschäftigt Ken und Claudia in ihrem aktuellen Fall. Gemeinsam und auch getrennt ermitteln sie im Umfeld der Tunfisch-Mafia und benötigen wieder all ihre Intelligenz und Bauchgefühl.
Ich habe jetzt in kurzer Zeit alle Bände mit Takeda verschlungen und bin begeistert. Ken ist ein sympathischer Charakter, Claudia steht sich ein wenig selbst im Weg. Beide sind aber gute Ermittler und als Team unschlagbar.
Siebold arbeitet die Feinheiten der japanischen Kultur sehr gut heraus und im mittlerweile 8. Band hat sich Ken schon ganz gut an deutsche Gepflogenheiten gewöhnt. Der Schreibstil ist mitreißend und dadurch, dass sich Ken und Claudia öfter mal auf eigene Wege begeben, spannend und mitreißend.
Ein wenig viel fand ich dieses Mal die Beschreibungen des Essens.
Der letzte Satz hat mich total geflasht.
Fazit: Nicht nur für Fischliebhaber ein gefundenes „Fressen“ – der 8. Band der Reihe hat es wieder in sich und lebt von toller Ermittlungsarbeit und einigem Zwischenmenschlichen.
spannender Krimi mit kleinen SChwächen
Blindspiel von Max Seeck
Blindspiel 4*
Eine Aktentasche wird gestohlen und der Dieb ermordet. Kurz darauf gibt es eine weitere Leiche: ganz weiß angemalt und mit einer Schachfigur im Rachen.
Die Polizei ist ratlos und holt Profiler Milo ins Boot. Der findet schnell einen Zusammenhang mit einem Schachspiel. Doch der Täter spielt eindeutig besser.
Der Anfang hat mich gleich in seinen Bann gezogen. Die Story mit dem IPad und dem Serienmörder fand ich klasse. Leider hat sich die Handlung dann ein wenig in die Länge gezogen, weil so viele Personen eingeführt werden mussten.
Mit Milo wurde ich das ganze Buch über nicht warm. Seine Vergangenheit und die Gegenwart waren beides nichts, das ihn sympathisch gemacht hätte. Einzig seine Begabung und seine Intelligenz mochte ich sehr gerne.
Unerwartete Wendungen und Cliffhanger machen das Buch spannend und halten den Spannungsbogen hoch. Leider nimmt das Privatleben von Milo teils zu viel Raum ein, davon abgesehen, dass ich das Verhalten von Ronja und ihm eh nicht verstanden habe.
Die Handlung fand ich sehr gelungen und sehr gut ausgedacht. Die Schreibweise von Seeck ist gewohnt flüssig und teilweise gab es auch solide Ermittlerarbeit und ein paar Zufälle, die die Handlung vorangebracht haben und die ich sehr gut ausgearbeitet fand.
Die finnischen Straßennamen hingegen sind wahre Zungenbrecher und unterbrechen den Lesefluss.
Fazit: spannender Krimi, mit kleinen Schwächen.
Spannende Unterhaltung
Der Totengräber und die Pratermorde (Die Totengräber-Serie 4) von Oliver Pötzsch
Das Abenteuer geht in die 4. Runde
Schauplatz ist der Wurstelprater in Wien. Ein Labyrinth an Gassen und Attraktionen bietet viel Raum für Verbrecher. Da wundert es nicht, dass sich Julia und Leo in Gefahr begeben.
Bereits der Prolog war mitreißend. Ich habe mit dem Mädchen mitgebangt und gehofft, dass sie entkommt.
Spannend geht es weiter mit dem Trick der zersägten Jungfrau und dem Auffinden der Frauenleichen. Für gute Unterhaltung und spannende Lesestunden ist also wieder gesorgt.
Pötzschs Charaktere sind sehr anschaulich und man muss sie einfach mögen. Allen voran Julia mit ihrer gehörlosen Tochter Sisi. Aber auch die Schausteller und die Darstellung der historischen Schauplätze fand ich durchwegs gut gemacht.
Und natürlich Augustin, der Totengräber. Wobei der in diesem Buch fast ein wenig in die zweite Reihe zurücktritt. Natürlich hat er am Ende viel zur Lösung des Rätsels beigetragen, aber andere Charaktere bekommen mehr Raum.
Das Buch hat über 500 Seiten – aber die rasen nur so an einem vorbei, weil man immer noch eine Seite lesen mag und noch eine – bis man endlich die Auflösung in Händen hält.
Fazit: wieder ein sehr gelungenes Buch mit z.T. skurrilen Charakteren und auch einem Hauch Romantik. Die perfekte Mischung für mich.
Ein Pageturner der anderen Art
Die Insel - einer kennt die ganze Wahrheit von Ulf Kvensler
Gotland könnte so schön sein – wenn da nicht die Intrigen wären.
Isak hat durch einen Brand seine Mutter verloren. Sein Vater hatte daraufhin einen Zusammenbruch und Isak wächst bei seinem Großvater auf. Viele Jahre später nimmt der Vater den Kontakt zu Isak auf und lockt ihn mit einem unwiderstehlichen Angebot.
So richtig atemberaubend spannend ist das Buch nicht, es besticht eher durch die Frage: wie hängt alles zusammen und wie löst sich alles auf. Diese Frage sorgt dafür, dass man förmlich an den Seiten klebt. Wechselnde Perspektiven sorgen zusätzlich dafür, dass man ganz heiß darauf wird, was als nächstes passiert. Vor allem der vorweggenommene Strang, in dem Isak im Gefängnis sitzt, ist spannend und wirft Fragen auf. Die vielen Perspektivenwechsel sorgen stellenweise aber auch für Verwirrung. Träumt Isak oder ist es real? Vor allem das Ende ließ mich dann etwas ratlos zurück.
Isak fand ich als Charakter sehr schwach. Er lässt alles mit sich machen und wehrt sich nicht – teilweise wollte ich ihm zurufen „lass es“.
Das Buch lebt von überraschenden Wendungen. Irgendwie ist nichts so, wie man sich denkt. Wobei ich früh im Buch einen leisen Verdacht entwickelt habe.
Der Schreibstil ist flüssig und die kurzen Kapitel sorgen dafür, dass man immer schnell noch eins weiter lesen möchte.
Fazit: ein Pageturner der anderen Art.
Schlaflos in der Bretagne
Bretonische Versuchungen von Jean-Luc Bannalec
Schlaflos in der Bretagne
Kommissar Dupin und seine Assistentin Nolwen haben es mit einem „leckeren“ Fall im Umfeld einer Schokoladenmanufaktur zu tun. Der Fall führt sie durch halb Frankreich und die schlaflosen Nächte trüben Dupins Tatkraft.
Ein köstliches Abenteuer, wenngleich mir die vielen Erklärungen zu Schokolade zu ausführlich waren.
So kam zu Anfang gar keine Spannung auf und auch das mitreißende fehlte. Mit dem Fund im Schokoladensack hat mich das Buch dann aber doch endlich mitgenommen.
Sehr gut gefallen hat mir immer, wenn Dupin endlich ein Essen bestellt hat – und dann doch wieder nicht in den Genuss kam. Oder die Liebe zu seinem Auto. Solche kleinen Details bereichern die Handlung. Bremsend wirkte sich aus, dass die Story oft auf der Stelle trat und sich etwas in die Länge zog.
Der Fall zieht sich zwar nur über zwei Tage – aber die können lang sein. Für den gewissen Humor sorgten erneut Dupins Schwiegereltern.
Fazit: eine gelungene Mischung aus Krimi, Humor und milder Spannung. Ideal für einen Sonnentag auf dem Liegestuhl. Evtl. sogar in der Bretagne, die der Autor wie immer sehr liebevoll und schön beschreibt.











