Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Gavroche:
Schwestern
SCHWEIG! von Judith Merchant
Es ist kurz vor Weihnachten. Bei Esther und ihrer Familie muss noch viel erledigt werden. Ob der Sohn wohl daran denkt, den Turnbeutel aus der Schule mit zu nehmen? Und Tochter Ella packt das Geschenk für die Tante ein, aber warum kann sie eigentlich keine Schleife binden? Solche und andere Belanglosigkeiten gehen Esther durch den Kopf und natürlich die Liste mit den Dingen, die noch erledigt werden muss.
Da muss der Bio-Weihnachtsbaum abgeholt werden, aber wichtig ist jetzt erstmal, dass sie zu ihrer Schwester Sue, "Schnecke", fährt, die sich von ihrem Mann getrennt hat und ganz alleine in einem großen Haus im Wald wohnt. Eigentlich hätte sie lieber, dass Sue zu ihnen kommt, aber schon letztes Jahr gab es eine Katastrophe bei ihrem Besuch. Sue hingegen genießt die Einsamkeit und Stille in ihrem auf nötige Dinge reduzierten Haus im Wald. Da stört der Besuch der Schwester nur, aber die will einfach nicht wieder fahren. Dabei will sie das eigentlich schon. Denn mehr und mehr tauchen wir in die Gedankengänge der Schwestern ein, erfahren viel über ihre Gefühle, ihre Geschichte und Geschichten, die sie so unterschiedlich empfunden haben. Was ist Sein, was ist Schein? Immer mehr Geheimnisse treten ans Licht, die Vergangenheit muss immer wieder angepasst werden, je mehr man erfährt. Später im Buch gibt es noch einige Abschnitte aus Sicht von Martin, Esthers Ehemann, und dann noch die Gedanken eines Kindes. Am Ende ist dann doch alles anders als gedacht. Psychologisch meisterhaft aufgebaut.
Beim Hörbuch fand ich es sehr gelungen, dass die Schwestern von unterschiedlichen Sprecherinnen gesprochen werden. Christiane Marx und Ulrike Kapfer haben das sehr gut gemacht, wie auch Tim Gössler, der Martin eine Stimme gegeben hat.
Reihenstart
Das Kreuz des Pilgers von Petra Schier
Ich kenne bereits so einige historische Romane aus der Feder von Petra Schier und habe mich darum sehr gefreut, dass es nun eine neue Reihe von ihr gibt. Ich kenne jedoch die Kreuz-Trilogie (noch) nicht, dessen Fortsetzung hier gewissermaßen geschrieben wird. Allerdings war das kein Problem für mich bei der Lektüre.
Die Autorin baut immer wieder gerne Querverweise zu ihren anderen Romanen ein und so war ich sehr erfreut, einige wieder zu entdecken. Der Roman spielt in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts vorrangig in Koblenz. Es beginnt dramatisch mit dem Überfall auf eine Reisegruppe und dem Tod von Gottfried, dem Mann von Reinhild. Sie muss nun alleine zurecht kommen als Witwe, hat jedoch viel Unterstützung von ihrer Familie, aber vor allem ist sie eine starke Persönlichkeit, die weiß, was sie will. Neben Reinhild stehen noch Palmiro und Conlin im Vordergrund der Geschichte. Die beiden Freunde sind gerade von einer Pilgerreise aus dem Heiligen Land zurück gekehrt und Palmiro hat von dort eine Kreuzreliquie mitgebracht. Diese Reliquie bringt einen Hauch von Übernatürlichem in das Buch, was mir persönlich nicht so gefallen hat, da ich bei einem historischen Roman nicht damit gerechnet habe. Insgesamt ist dieses Buch nur der Beginn der Geschichte und das Ende sehr offen gehalten.
Unterwegs auf den Zimniks
Eis. Abenteuer. Einsamkeit von Richard Löwenherz
Im Frühjahr 2017 begibt sich Richard Löwenherz auf seine nächste Winterradtour, ein großes, nicht ungefährliches Abenteuer, aber nur, wenn die Zimniks, die Winterstraßen, geöffnet sind, ist es überhaupt möglich, diesen Weg zu fahren, denn er führt über weite Strecken über Flüsse und am Ende über das gefrorene Polarmeer.
Weite Teile des Landes sind überhaupt nur über diese Wege mit allem lebenswichtigen zu versorgen und so begegnet der Autor auf der Strecke auch immer wieder LKW. Das Buch beginnt quasi mittendrin, mit Tag 35. Ein gut gelungener "Appetitanreger" und Spannungsaufmacher bevor wir zurück springen zum Tag des Abflugs. Der Autor berichtet von den Begegnungen mit Menschen, die selbstlos weiterhelfen, von seiner zunehmenden Bekanntheit als der "Radfahrer", die nicht nur positive Effekte hat, von den Unbillen der Natur, aber auch von der Schönheit der Polarnächte, viele mit unglaublich faszinierendem Polarlicht. Natürlich auch von der immerwährenden Kälte und welche Tricks er anwendet, was sich bewährt hat, welche Bekleidung ihn schon lange begleitet oder was er ausgeliehen hat und welche Investitionen er vor der Reise vielleicht doch hätte tätigen sollen. Ein überaus anschaulicher Schreibstil und mit großartigen Bildern, so dass das Kopfkino viel Futter bekommt. Ein tolles Abenteuer, wunderbar bebildert.
Trauerbewältigung
Sternflüstern von Paula Carlin
Irith trauert um ihren Freund Lunis. Sie hatten eine ganz besondere Beziehung, haben sich zwar nicht regelmäßig gesehen und auch nicht zusammen gelebt, aber dennoch waren sie tiefe Seelenverwandte, zumindist aus Sicht von Irith. Denn Lunis kam nicht gut klar mit zu viel Nähe; er hat sich dann immer wieder zurück gezogen.
Sein Tod kam für Irith viel zu früh und unerwartet. Und dann soll sie auch noch eine ihr fremde Frau suchen - Alix - und dieser dann ein Päckchen von Lunis überreichen. Doch wer ist diese Frau? Lunis hat nie von ihr gesprochen. Aber in einem Garten eines verlassenen Hauses spricht er zu ihr und dort findet sie auch Glasscherben für ein neues Mosaik und trifft auf einen Fuchs. Das erste Mosaik hat sie gemacht, nachdem sie Lunis getroffen hatte. Eigentlich arbeitet sie nämlich in einem Hotel. Dort trifft sie dann auch auf Sophie, die eines ihrer Mosaike besitzt und gemeinsam erstellen sie ein Kunstwerk für das Hotel. Ein Buch voller Zauber, eine wunderschöne Sprache, eine Ode an das Leben und eine Buch, das Mut macht.
Eine Ehe
Der Brand von Daniela Krien
Rahel und Peter planen eigentlich einen Urlaub in den Bergen, doch kurz bevor sie die Reise antreten, wird sie abgesagt, weil ihre Ferienunterkunft einem Brand zum Opfer gefallen ist. Da erscheint es wie eine Fügung des Schicksals, dass sie in die Uckermark zum Housesitting fahren, da Viktor, der Mann von Judith, einer langjährigen Freundin von Rahels Mutter, einen Schlaganfall hatte und nun zur Reha muss und Ruth ihn begleiten möchte.
Und so verbringen Peter und Rahel ihren Urlaub dort. Während Peter sich um die Tiere kümmert, unter Anderem um einen Storch und ein altes Pferd, mit dem er immer spazieren geht, kümmert Rahel sich um den Garten. Doch es gemeinsame Aktionen kommen nicht so recht in Gang, es ist eher ein Nebeneinander als ein Miteinander. Hat das mit einem Vorfall an der Uni zu tun, an der Peter seine Lehrtätigkeit ausübt? Oder doch an den langen Ehejahren? Dann kündigt sich auch noch Tochter Selma mit den beiden Enkeln an, mit der Rahel schon immer ihre Probleme hatte; Sohn Simon war ihr immer näher. Ein eher ruhiger Roman, der Einblicke in das Leben der beiden bietet und am Ende der dritten Urlaubswoche endet.
Genial
Der Tod und das dunkle Meer von Stuart Turton
Nachdem ich so begeistert von der Geschichte und vor allem der Komposition von "Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle" war, war ich sehr gespannt auf das neue Buch von Stuart Turton. Dieses Mal reisen wir in die Vergangenheit, in das 17. Jahrhundert und befinden uns rasch in einem turbulenten, spannenden, überraschenden und faszinierendem Abenteuer(-roman) wieder.
Die 600 Seiten des Buches sollten niemanden vor der Lektüre abschrecken, denn die Seiten flogen nur so dahin. Allerdings muss man sich auch hier wieder auf eine komplexe Geschichte einlassen, gut aufpassen und nicht vor einer Vielzahl an Charakteren zurück schrecken. Begeben wir uns auf die Reise der Saardam, von Batavia nach Amsterdam, eine gefährliche Schiffsreise. Doch hier geht es nicht nur um die Gefahren der Seefahrt, denn an Bord befindet sich Samuel Pipps, Meisterdetektiv, jedoch angeklagt eines schweren Verbrechens. Dann geschehen mysteriöse Dinge - und schon ist man wieder in der atmosphärischen Dichte und dem gekonnten Verwirrspiel von Stuart Turton gefangen, mit dem er mich schon einmal packen und begeistern konnte. Dies ist nicht nur ein Kriminalroman, hier vermischen sich viele Genre und die Handlung und auch die Personen haben es in sich.
Toller Steampunk
Der Tod und das dunkle Meer von Stuart Turton
Europa zu Beginn des 19. Jahrhunderts, Napoleon hat gesiegt, der englische König ist im Kerker und die Franzosen sind die Herren in Großbritannien. Florance Bell, eine Waise, ist von Monsieur Pignon als Lehrling aufgenommen worden und dieser fungiert auch als ihr Vormund. Monsieur Pignon ist der Meistermechaniker bei einem Earl, der auf technische Spielereien steht.
Edward, der Sohn des Earl, rast immer mit den mechanischen Droschken durch die Gegend und Florance muss sie jedes Mal reparieren. Gleich zu Beginn gibt es einen Anschlag durch einen Saboteur. Welches Motiv genau dahinter steckt, erfährt man erst nach und nach. Ich fand diese technische Steampunkwelt mit ihrem was-wäre-wenn interessant. Florance ist eine tolle Protagonistin und auch die anderen Personen haben mich in ihrer Authentizität überzeugen können. Ein tolles Abenteuer mit vielen wundersamen Maschinen, einem Aufstand, Rebellen, Freundschaft und vielem mehr, das auch zeigt, dass es nicht nur schwarz und weiß gibt, sondern auch ganz viele Grauschattierungen.
Coole Sektionsassistentin ermittelt
Tote schweigen nie,2 Audio-CD, 2 MP3 von A. K. Turner
Cassie Raven wächst bei ihrer polnischen Großmutter auf; ihre Eltern sind bei einem Unfall ums Leben gekommen. Sie hatte es nicht einfach, aber sie hat ihren Abschluss nachgeholt und dank Mrs E, eine ihrer Lehrerinnen, hat sie das auch gut geschafft und arbeitet nun als Sektionsassistentin in der Rechtsmedizin.
Sie ist gründlich, mag ihren Job und versteht sich als Anwältin der Toten, die manchmal noch mit ihr reden, wenn sie noch etwas mitzuteilen haben. Und so findet sie Unregelmäßigkeiten heraus. Cassie ist rebellisch, eigenwillig, geradlinig und penetrant, wenn es darum geht, Ungerechtigkeiten aus der Welt zu schaffen. Phyllida Flyte ist neu in London; nach einem Schicksalsschlag ist sie in die Stadt gezogen und arbeitet hier bei der Polizei. Sie ist schon allein äußerlich das Gegenteil von Cassie und anfangs geraten die beiden Frauen immer wieder aneinander. Doch langsam weicht dies gegenseitigem Respekt. Cassie ist geschockt, als eines Tages ihre ehemalige Lehrerin bei ihr in der Rechtsmedizin landet. Und Mrs E hat noch nicht abgeschlossen mit dem Leben, sie hat noch etwas mitzuteilen und so ermittelt Cassie eigenmächtig, obwohl alles nach einem Unfalltod aussieht. Ein toller Beginn einer neuen Reihe, der privat für Cassie mit einem Paukenschlag endet und somit neugierig auf weitere Fälle macht. Ein komplexer Fall, der logisch aufgelöst wurde. Vorgetragen wird das Hörbuch ganz wunderbar von Sandra Voss, der ich sehr gerne zugehört habe.
Vielleicht ab 3 Jahren
Rosa Parks - Little People, BIG DREAMS. Mini von Lisbeth Kaiser
Dies ist die Mini-Ausgabe einer Reihe, die bereits für Kinder konzipiert wurde und hier sollen schon Einjährige etwas über das Leben von Rosa Parks erfahren. Ein hehres Ziel, aber doch etwas zu hoch gegriffen. Denn die Welt, in der Rosa Parks lebte, ist einfach zu weit entfernt von der eigenen, die gerade erst entdeckt wird.
Bei aufgeweckten dreijährigen Mädchen und Jungs sieht es vielleicht schon anders aus. Doch meiner Meinung nach ist es unabdingbar, dass diejenigen, die das Buch vorlesen, mehr über die mutige Bürgerrechtlerin wissen, als in diesem Büchlein vorkommt, denn hier gibt es doch recht viel Erklärungsbedarf. Die kurzen Sätze helfen sicherlich, aber das reine Vorlesen reicht hier einfach nicht. Dennoch ist es ein tolles Projekt und die Zeichnungen erzählen wichtige Etappen aus dem Leben von Rosa Parks und hier kann ein erstes Interesse geweckt werden.
Toller Auftakt
Die Stadt ohne Wind 1 - Arkas Reise von Éléonore Devillepoix
Das Cover ist nur in schwarz-weiß mit gold abgesetzten Akzenten gehalten und wirkt auf mich wie eine Einladung in diese phantastische Welt einzutauchen und mich auf die Suche nach dieser "Stadt ohne Wind" zu machen. Die Berge wirken eher wie Wellen und in dem Wellental eröffnet sich die Stadt.
Ein solches Cover wirkt sofort interessant und weckt die Neugierde. Am Ende des Buches gibt es ein kurze Glossar. Leider gibt es keine Karte; die finde ich gerade bei Fantasybüchern immer wichtig. Arka ist erst 13 Jahre alt und hat schon viel durchgemacht in ihrem Leben. Ihre Mutter verstarb bereits bei ihrer Geburt und nach weiteren Schicksalsschlägen macht sie sich auf den Weg nach Hyperborea, wo ihr Vater leben soll. Dort trifft sie auf den sechs Jahre älteren Lastyanax und geht mit ihm eher ein Zweckbündnis ein. Sie repräsentiert die Kriegerin, er ist Magier - und der jüngste Minister der Stadt. Die Stadt Hyperborea zeigt schon in ihrer Architektur die Trennung der sozialen Schichten. Erfrischend anders, ein toller Schreibstil und eine gute Geschichte abseits der Klischees. Ich bin schon gespannt, wie es weitergehen wird.










