Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
Eine entwicklung
Was ich zurückließ von Marco Ott
Ein ruhiges Buch, eigentlich unspektakulär und doch ein wichtiges Buch über ein Leben und einem Wandel.
Der Protagonist erzählt anhand eines langen Briefs an seine Eltern von seiner Entwicklung.
Das einfache Elternhaus im Ruhrgebiet prägen ihn. Er war lange ohne große Ambitionen Doch schließlich beginnt er sich für Literatur zu interessieren, will auch schreiben.
Aber es ist ein steiniger Weg.
Die vielen literarischen Einflüsse auf ihn, sind interessant zu lesen.
Dieser Text zeigt die Entfremdung von Herkunft und Eltern, ist gleichzeitig aber auch eine Annäherung. Das finde ich überzeugend.
Ein heller Gesang
Sund von Laura Lichtblau
Eine Frau reist auf die dänische Insel Lykke und wartet dort auf ihre Freundin.
Es ist eine komische Stimmung auf der Insel. Die Leute sind unzugänglich, außer die Neue, die ebenfalls neu auf der Insel ist und mit der sie viel Zeit verbringt.
Der Hauptteil des Buches beschreibt dann die Recherche der Erzzählerin über ihren Urgroßvater und dessen braune Vergangenheit.
Er war beteiligt an Euthanasieverbrechen.
Neben dunklen Tönen kommen auch wieder helle, vor allen als endlich ihre Freundin auftaucht.
Das Buch besticht durch einen lyrischen Ton und einer einfallsreichen Sprache. Ich mag diesen Stil.
Die Jagd
Trophäe von Gaea Schoeters
Der reiche Amerikaner Hunter White ist besessen vom Jagen. In Afrika schießt er diverse Tiere, wie Löwen, Elefanten, Nilpferd, Giraffe etc., bis er darauf gebracht wird, dass die Jagd auf einen Menschen einen großen Reiz ausmacht. Nur ist ein Mensch als Beute etwas anderes als auf Tiere, denn der Mensch kann vorausplanen.
Zusammen mit Dawid, seinem jungen Führer, jagt er einen Jungen.
Ein erschreckender Plot und Hunter ist alles andere als ein Sympathieträger. Dennoch ist es interessant zu folgen, wie Hunter die Jagd erlebt. Dabei macht er verschiedene Stadien des Zustands und Bewusstseins durch. Die psychologischen Momente hat die Autorin Gaea Schoeters gut ausgearbeitet so wie sie den ganzen Roman geschickt gestaltet hat.
Der Roman ist kraftvoll und hat Drive. Wegen des schlimmen Themas ist es natürlich kein reines Lesevergnügen, doch die Intensität nimmt im Verlaufe der Handlung immer mehr zu.
Unbedingt erwähnenswert ist das eindrucksvolle Cover.
Geschichte einer Rückkehr
Krummes Holz von Julja Linhof
Es ist die Geschichte einer Rückkehr und einer beschädigten Familie.
Es wird sorgsam erzählt, mit einer sensiblen Hauptfigur. Der junge Jirga kehrt auf den elterlichen Hof zurück. Eine ganz starke Figur ist seine toughe Schwester Malene. Der Vater Georg hingegen ist abwesend und strahlt dennoch eine Kälte und Gefahr aus.
Man muss der Autorin für ihre einfühlsame Art, zu erzählen und mit den Figuren umzugehen, dankbar sein.
Bruchstückhaft erfährt man davon, was mit der Familie los ist und der Gewalt der Vergangenheit.
Als Leser ist man vom Text gefesselt. Ein wirklich guter Roman!
Eine andere Welt
Der Stillstand von Jonathan Lethem
Der Stillstand ist ein gediegener postapokalyptischer Roman, der eine Welt des Stillstands in der nahen Zukunft zeigt.
Hauptfigur ist Journeyman, auch Sandy genannt. Außerdem ist da noch seine Schwester Maddy. Dann taucht Todbaume auf, mit dem Jouneyman früher zusammengearbeitet hatte und mal etwas mit Maddy hatte.
Peter Todbaume ist eine exzentrische Figur und ein Macher, zum Beispiel hat er ein ungewöhnliches, KI-gesteuertes Superauto, den Blue Streak.
Die Figurenkonstellation ist interessant. Jonathan Lethems Gestaltung des Romans mit vielen Kapiteln ist originell Viele Kapitel sind kurz, andere sind in Teilen verschachtelt.
Viele der frühen Roman Lethem habe ich gelesen und fand sie großartig. Erst nach dem Meisterwerk Die Festung der Einsamkeit habe ich den Autor ein wenig aus den Augen verloren.
Der Stillstand ist meiner Meinung nicht so stark wie die frühen Bücher, aber als Ideenroman funktioniert das Buch.
Der Fuchs
Notizen zu einer Hinrichtung von Danya Kukafka
Nach Girl in Snow ist Notizen zu einer Hinrichtung das zweite Buch der Autorin.
Der Roman der amerikanischen Schriftstellerin Danya Kukafka beginnt beklemmend. Das liegt neben dem harten Plot auch an der Erzählform in der zweiten Person. Es fällt auf Anhieb nicht leicht, sich mit dem Protagonisten zu identifizieren.
Ansel Packer sitzt als Häftling 999631 im Gefängnis und wartet auf seine Hinrichtungen. Seine Gefühlswelt wirkt diffus.
Dann folgt eine Rückblende ins Jahr 1973 als Ansel geboren wurde und in ärmlichen Verhältnissen aufwuchs. Es ist ein Umfeld der Gewalt, das Anseln prägte. Die Autorin vermeidet es aber, Entschuldigungen für Anselns Handeln aufzubauen.
Zu den stärksten Figuren des Buches gehört Saffron, die als Ermittlerin Ansel schließlich festnimmt.
Das Buch ist nicht unbedingt leicht auszuhalten als Leser, aber es ist so gestaltet, das man sich auch nur schwer vom Text lösen kann.
Frühe Erzählungen
Katja von Brigitte Reimann
Frühe Erzählungen der Ikone Brigitte Reimann. Das dürfte nicht nur für Reimann-Experten interessant sein.
Ein interessanter Text in dem Buch ist aber auch das Nachwort, das sehr treffende Feststellungen vornimmt.
Natürlich sind jetzt einige Geschichten dieses Bandes ein Relikt ihrer Zeit.
Die erste Geschichte ist nicht schlecht.
Der für mich stärkste Prosatext ist für mich aber die Titelgeschichte Katja, die Reimann als 20jährige geschrieben hat.
Darin muss die Protagonistin eine schwere Entscheidung für ihr Leben treffen. Diesen Moment kann die Autorin eindringlich darstellen. Beeindruckend.
Eine Nation zwischen Krieg und Selbstzerstörung
Was wird aus Russland? von Sabine Adler
Die Journalistin und ehemalige Korrespondentin des Deutschlandfunks in Russland Sabin Adler habe ich schon öfter in Interviews und Talkshows im Fernsehen gesehen. Was sie sagt, hat Hand und Fuß. Sie ist realistisch und schätzt den Zustand richtig ein.
Sie schreibt ausführlich über Russland im Kontext des Ukraineangriffskrieg.
Über eine Nation zwischen Krieg und Selbstzerstörung ist ein treffender Untertitel.
Das Buch ist detailliert. Fast schon überfrachtet. Als Leser wird man nahezu erschlagen, aber dafür ist es auch ein komplettes, umfassendes Bild, das Sabine Adler den Leser bietet.
Das Buch hat das gleiche Niveau wie ihr vorheriges Buch Die Ukraine und wir.
Bonjour tristesse auf Spanisch
Die Unordentlichen von Xita Rubert
Ein ungewöhnliches Buch aus Spanien, dass von der Perspektive der Protagonistin bestimmt wird. Die siebzehnjährige Virginia begleitet ihren Vater. Ziel ist eine Preisverleihung, bei dem auch die Königsfamilie anwesend sein wird.
Sie treffen wohlhabende Freunde aus der britischen High Society, das Paar Andrew und Sonja, und den exzentrischen Bertrand.
Für mich ist der amüsante Text eine Art Bonjour tristesse auf Spanisch
Die Unordentlichen ist Xita Rubert erster Roman. Zwar fand ich Teile des Romans nur so mittel, da vieles vage bleibt, aber es gibt viele interessante Ansätze. Man darf gespannt sein, was von ihr noch folgen wird.
eigentümlich
Tränensee von R. Kuhn
Tränensee ist ein interessantes, teilweise auch ungewöhnliches Buch. Man ist nah an der Protagonistin Anna dran. Sie ist eine weitgehend passive Figur, gerät jedoch immer wieder an Männer, mit denen sie in Konflikt gerät. Anders war es mit ihrem verstorbene Mann Brock, der ein bekannter Schriftsteller war.
20 Jahre lebten sie zusammen, zum Teil in offener Ehe, bis er plötzlich starb.
Danach hatte sie etwas mit Frieder, einem jüngeren Möchtegern-Journalisten und Angeber.
Als der verschwunden ist, beginnt der Polizist Cellini Anna Fragen zu stellen.
Manche Dialoge erschienen mir etwas knapp und unlogisch. Das hängt aber vielleicht auch mit der Protagonistin und wie sie reagiert zusammen.
Die verschiedenen Figurenkonstellationen sind das Besondere und spannende am Buch, das außerdem eine melancholische Stimmung aufweist. Das erzeugt eine eigentümliche Atmosphäre.











