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Rezensionen von yellowdog:

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Vergangenheit, die nicht bewältigt werden kann

Schotter von Florjan Lipuš

Der 1937 geborene Florjan Lipus ist ein auf slowenisch schreibender Österreicher.
Wenn man liest, dass der Autor als sechsjähriges Kind miterleben musste, wie seine Mutter verhaftet wurde, und dann ins Konzentrationslager Ravenbrück kam, wo sie ermordet wurde, kann man sich vorstellen, dass es ein bestimmtes Thema ist, das den Autor beschäftigt.

Aus seiner Geschichte Schotter wird deutlich, dass die Verarbeitung auch nach langer Zeit nicht abgeschlossen ist. Stattdessen herrscht Verdrängung vor.

Eine Gruppe aus einem Dorf besuchen das KZ, auf den Spuren ihrer lange Zeit toter Angehörigen. Auch das Zusammenleben von den Nachfahren der Opfer und Täter im Dorf, ist auch unbewältigt.
Florjan Lipus entwickelt ein ganz eigenen, schwebenden Ton. Auffällig auch, dass die Zeiten verschwimmen. Die Kinder, die das KZ wegen ihrer Großmutter besuchten, sind wenige Seiten später erwachsen, dann wieder werden die Gefangenen und ihr Schicksal wie gegenwärtig betrachtet.

Teilweise fehlen einen die Worte für dieses Buch. Sprachlich ist das Buch, das ohne Dialoge auskommt, nicht zu unterschätzen. Dank der Nominierung zum Österreichischen Buchpreis konnte ich den Autoren entdecken und habe das Gefühl, das ich weitere Bücher von ihm lesen muss.

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Vergangenheit, die nicht bewältigt werden kann
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Norwegische Literatur vom Feinsten

Meine Gedanken stehen unter einem Baum und sehen in die Krone von Kjersti Annesdatter Skomsvold

Die norwegische Literatur bekommt momentan zum Glück mehr Veröffentlichungen in Deutsch, da Norwegen dieses Jahr Partnerland bei der Frankfurter Buchmesse ist. Kjersti Annesdatter Skomsvold gehört klar zu den Autorinnen, denen man mehr Aufmerksamkeit wünscht und mit „Meine Gedanken stehen unter einem Baum und sehen in die Krone“ hat sie einen beachtenswerten aktuellen Roman.

Das Buch ist kurz, aber dicht. Es sind Reflektionen einer Frau, die Schriftstellerin ist und gerade ihr zweites Kind bekommen hat. Es ist aber nicht so, dass das Buch in erster Linie eine Baby-Idylle zeichnet. Sie sieht auch ganz realistisch die negativen Seiten der Umgebung. Genauso wichtig sind auch Erinnerungen an die Vergangenheit, z.B. an ihren früheren Freund, der Alkoholiker war und Suizid beging.
Ihr jetziges Leben mit Bo und den Kindern kann man als glücklich bezeichnen. Und auch das wird literarisch verarbeitet.

Jetzt hoffe ich nur noch, dass die Autorin auch zur Frankfurter Buchmesse kommt!

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Happy Valley-Clique

Kenia Valley von Kat Gordon

In Kenia Valley erzählt die britische Schriftstellerin Kat Gordon von authentischen Begebenheiten um die Happy Valley-Clique in Kenia in den zwanziger Jahren.

Der junge, unerfahrene 15jährige Theo kommt aus Schottland mit seiner Familie nach Kenia und lernt Freddie und Sylvie kennen, die einen elitären, kolonisierten Lebensstilführen.

Sie beeinflussen Theo stark und er taucht in ihre oberflächliche Welt ein.
Nach einigen Jahren hat sich aber viel geändert, auch die politische Stimmung von einigen politisch irregeführten. Ein Niedergang setzt ein, zum Verderben aller Beteiligten.

Meiner Meinung nach wird die Handlung mit der zweiten Hälfte, als Theo schon erwachsen ist, spannender und die Figuren gewinnen an Tiefe z.B. Maura, die engagierte Schwester.

Interessant, auch ganz gut geschrieben, aber fasziniert hat mich das Buch nicht.

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Ein unschlagbares Team: Poirot und Mrs.Oliver

Vier Frauen und ein Mord von Agatha Christie

Hercule Poirot habe ich Miss Marple immer vorgezogen, weil er die witzigere Figur ist. Die Ironie besteht in seinem manchmal etwas lächerlich manirierten Auftreten und seiner Menschenkenntnis. Ich glaube, dass die noch wichtiger ist als sein scharfer Verstand.
In diesem Buch bekommt Poirot am Anfang Besuch von einem alten Kommissar, der von der Unschuld eines zum Tode verurteilten Mannes ist, dafür aber keine beweise hat.

So bezieht Kommissar Spence den berühmten Hercule Poirot mit ein. Eine originellere Art, Poirot persönlich zu motivieren.

In diesem Buch stört mich manchmal, dass einige Figuren zu sehr den englischen Klischee entsprechen, aber das ist auch ein Teil der Ironie von Agatha Christie. Ohne diese Ironie wäre das Buch nahe an Trivialliteratur.

Einfach ist der Fall nicht. Poirot spricht mit den Beteiligten, aber erst ein kleines Detail lässt ihn stutzen. Eine Flasche Tinte!

Clou des Buchres ist schließlich der Auftritt einer Mrs.Oliver, eine erfolgreiche Schriftstellerin und somit ein selbstironisches Selbstportrait der Autorin herself!

Da auch Kommissar Spence weiter mitwirkt, ist dieser Fall tatsächlich ausnahmsweise mal echte Teamarbeit.

Das Buch wurde 2 mal verfilmt. Ich empfehle die Langfolge aus der Fernsehserie Agatha Christie´s Poirot mit David Suchet als Hercule Poirot, da sie näher am Original ist.

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Klassiker der amerikanischen Literatur

Ein anderer Takt von William Melvin Kelley

Hier hat der Verlag eine gute Arbeit abgeliefert, denn die Buchausgabe ist hervorragend aufgemacht, mit eindrucksvollem Cover, kenntnisreichen Vorwort über das Werk des fast vergessenen Autors sowie ein Nachwort von der Tochter des Autors. Das ist eindrucksvoll, dafür hat mich der eigentliche Text lange Zeit zunächst nicht sehr überzeugt.

Aufgrund des Autorenportraits und des Entstehungszeitraums (1962) lag die Vermutung nahe, dass der Roman in die Nähe von James Baldwin reicht. Dem ist aber nicht so, die Stile beider Autoren sind sehr unterschiedlich und bei James Baldwin brannte der Funke deutlich mehr.
Dennoch hat Ein anderer Takt (Originaltitel: A different drummer) einiges zu bieten. Das Buch hat eine außergewöhnliche Idee und ein paar stilistische Feinheiten. Am besten gefielen mir die Tagebucheintragungen im letzten Drittel des Romans, die den Zeitraum 1931 bis 1938 und sogar noch darüber hinaus abdecken und ein klares Bild der rassistischen Stimmung der Zeit zeigen. Auch die pessimistischen Schlußpassagen sind eindrucksvoll.

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Mit hoher Intensität erzählt

Tage in Weiß von Rainer Jund

Tage in weiß ist kein Roman, wie man denken könnte. Es sind Schilderungen der Erfahrungen aus Fällen, die der Icherzähler als Hals-Nasen-Ohren-Arzt gemacht hat. Es sind größtenteils äußerst schwere Erkrankungen und auch wenn der Arzt empathisch mitfühlt, ist das in der Dichte und Masse schwer zu ertragen.

Man benötigt als Leser Nerven. Man kann sich aber den Schicksalen der Patienten nicht entziehen.
Vielleicht wäre das anders, wenn es mehr romanhaft verarbeitet worden wäre, aber das hätte dem Buch sicher auch die Intensität genommen.

Rainer Jund blendet auch nicht das Versagen von Ärzten aus. Das entzaubert die Götter in weiß.
Glaubhaft auch die Momente, in denen der Erzähler darunter leidet, den Leidenden nicht helfen zu können. Doch damit muss ein Arzt irgendwie umgehen.
Überraschenderweise lässt Rainer Jund sein Buch am Ende doch versöhnlich ausklingen.

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Witz und Selbstironie

Es wird Zeit von Ildikó von Kürthy

Ildiko von Kürthy ist eine bekannte Autorin von Frauenromanen. Ihr neuer Roman Es wird Zeit hat aber auch ein ernstes Thema: die schwere Krebserkrankung einer Freundin.
Das wurde in der Leseprobe stark rausgestellt. Es gibt aber noch mehr Themen im Roman, z.B. der Tod der Mutter von Judith.Das wirft bei ihr eine Sinnfrage auf, aber auch der Zustand ihres Lebens mit ihrem Mann.

Ansonsten bleibt der bewährte (Chick-Lit)-Stil mit Witz und Selbstironie über eigene Unzulänglichkeiten und Unsicherheiten zu schreiben. Das empfand ich am Anfang als ziemlich amüsant, auf Dauer wirkt es aber auch ermüdend und das Buch ist vielleicht etwas zu lang. Die andauernde Selbstbetrachtung mündet irgendwie doch in ein Jammern einer Frau in einer Midlife-Krise. Zudem wird noch leicht konstruiert ein Vorfall aus der Vergangenheit aufgebauscht.
Es bleiben aber natürlich noch genügend gute Passagen. Insbesondere überzeugt es, wie die Protagonistin und ein weiterer Freund die an Krebs erkrankte Anne durch ihre Freundschaft unterstützen.
Der Roman ist insgesamt in Ordnung! Es bleibt aber ein Frauenroman, der aber für Fans dieses Genres ein Highlight sein dürfte.

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Aktuelles Bild von Nordkorea

Es wird Zeit von Ildikó von Kürthy

Den meisten westlichen Menschen wird Korea fremd sein. Mich hat das Schicksal des Landes immer auch deswegen interessiert und Literatur und Film aus dem Land sind mir willkommen. Doch meistens stammt das aus Südkorea.

Der Spieler ist ein bemerkenswertes politisches Sachbuch von Martin Benninghoff über Nordkorea und seinen Machthaber Kim Jong-un.

Martin Benninghoff sagt gleich am Anfang, dass die westliche Berichterstattung über Nordkorea manchmal etwas hysterisch ist und Falschmeldungen öfter vorkommen.
Der Untertitel Wie Kim Jong-un die Welt in Atem hält ist dann auch das einzige Reißerische am Buch.

Der Autor gibt einen tiefen Blick in die Struktur und das Leben in Nordkorea. Es ist sehr informativ, gibt auch Denkanstöße und durchdenkt mehrere Möglichkeiten über die Zukunft Nordkoreas. Er zeigt z.B. auf, warum es für Korea viel schwieriger mit einer Wiedervereinigung und einen möglichen Verlauf dazu wird im Vergleich zu Deutschland 1990.

Gezeigt wird auch das Alltagsleben abseits von Pjöngjang. Nordkoreas Bevölkerung lebt mehrheitlich in Armut.
Auch Menschenrechtsverletzungen sind ein häufiges Mittel der Machthaber. Das geht in der Betrachtung des Atomprogramms in westlichen Nachrichten häufig unter.

Donald Trumps Verhalten zu Kim Jong-un ist fahrlässig und Kim Jong-un ist mehr als eine Witzfigur, er ist trotz seiner Außenwirkung ein cleverer Politstratege, der seine Chancen im riskanten Spiel nutzen will.
Hängen bleibt folgender Satz:
„Es ist die Bankrotterklärung eines Politikers, der meint, einen globalen Konflikt wie einen Immobiliendeal abwickeln zu können.“

Der Spieler ist bei aller Komplexität ein gut und lesbar gestaltetes Buch geworden, das ein aktuelles Bild des Landes und seiner Situation zeigt.

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Das jahr 1969

Der Sommer meiner Mutter von Ulrich Woelk

Der Sommer meiner Mutter ist eine melancholische Coming-of-age-Geschichte. Sie wird geprägt durch den ersten Satz:
„Im Sommer 1969, ein paar Wochen nach der ersten bemannten Mondlandung, nahm sich meine Mutter das Leben“

Durch die dadurch entstandene Stimmung wird der Roman zu etwas besonderen, der sich von anderen, oft auch banalen Geschichten um heranwachsende unterscheidet.

Tobias war damals 11. Erzählt wird die Geschichte vom jetzt erwachsenen Tobias, der sich an dieses Jahr und was vor dem Suizid passierte zurückerinnert. Das ist handwerklich sauber gemacht und funktioniert.
Die Zeit 1969 und die Stimmung dieser Zeit wird lebendig.

Für Tobias und seinen Eltern werden die neu hinzugezogenen Nachbarn wichtig. Die sind weniger konservativ als sie selbst und irgendwie freunden sie sich sehr an. Da ist auch die 13jährige Tochter Rosa.
Es ergibt sich eine Konstellation, die neues in Gang setzt, insbesondere auch für Tobis Mutter, die erste Emanzipationsversuche wagt.

Obwohl ich die Figuren mag, erfüllen sie doch die Stereotype.Ich hätte sie mir vielschichtiger gewünscht. Sie sind sehr konstruiert. Aber das wird so gebraucht, um den versuchten Ausbruch der Mutter aus den Konventionen zu erzählen. Der dann freilich mit schlimmen Konsequenzen scheitert.

Ich mochte auch Rosa und ihre Gespräche mit Tobi. Die hatten Tiefe und waren für den Jungen von Bedeutung. Dennoch war auch Rosa etwas überzeichnet, sie hatte fast nichts kindliches. Tobis Schwanken zwischen kindlichen und jugendlichen Empfindungen hingegen, erschienen mir sehr glaubhaft wie auch die Entwicklung der gesamten Geschichte.

Man kann sich von der Handlung beim Lesen kaum losreißen, da der Roman so eine Dichte und Geschlossenheit besitzt.

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gescheitert

Der Sommer meiner Mutter von Ulrich Woelk

Der Protagonist ist ein Schauspieler um die 50, der mit einem humorvollen Programm über einen Fußballer durch die Gegend tingelt.

Der Roman „Der Manndecker“ scheitert an seiner eigenen Promisse.
Die Auftritte sind dermaßen unwitzig und banal, das man als Leser keine Strahlkraft der Figur spürt.

Und das hätte es wenigstens in Ansätzen gebraucht, um die Geschichte glaubhaft zu machen. So bleibt für den Leser nur der Unmut, von einem nervigen, unglaubwürdigen Typen zu lesen, für den man kaum Empathie aufbringen kann.

Es bleiben immerhin die sprachlichen Mittel des Autors, der seinen Stil durchhält. Das sein Protagonist in Selbstmitleid suhlt, aber auch viel Unverfrorenheit aufbringt, wird als Stilmittel genutzt.
Jörg Menke-Peitzmeyer kann schon schreiben. Das hatte er ja auch mit seinem ersten Roman Billy the Beast bewiesen.

Leider wird der Clou der Geschichte, dass der Manndecker durch einen Auftritt bei Borussia Dortmund eine große Chance bekommt, leichtfertig verschenkt.
Es bleibt einfach zu wenig, um den Roman empfehlen zu können.

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Das jahr 1969