Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
Das Gegenteil von Rechtsextremismus ist Nicht-Rechtsextremismus
Deutschland schafft mich von Abdollahi Michel
Den Journalist und Moderator Michel Abdollahi kennt man z.B. durch seinen Fernsehbeitrag über das Nazidorf Jamel und seinen Auftritten „Ich bin Muslim-was wollen Sie wissen?“
Mit Deutschland schafft mich hat er er jetzt ein großartiges, kluges Buch über Auswüchse und Folgen des Rassismus in Deutschland geschrieben.
Michel Abdollahi, der 1986 als Kind aus dem Iran nach Deutschland gekommen ist, schöpft aus eigenen Erfahrungen und Beobachtungen, liefert aber insbesondere eine umfassende Bestandsaufnahme des Zustands in aller Deutlichkeit. Diese Deutlichkeit macht den Wert des Buches aus.
Dafür, dass das Buch so gut lesbar ist, ist es erstaunlich konzentriert.
Ich kann es nur sehr empfehlen!
überzeugt nicht
Blutgott von Veit Etzold
Die angebliche Härte des Thrillers Blutgott ergibt sich aus den drastischen Beschreibungen des Zustands der Mordopfer. Wenn man sich dadurch nicht beeindrucken lässt, bleibt eigentlich nur ein durchschnittlicher Krimi übrig. Ein echt harter Thriller entsteht in der Regel durch psychologische Momente.
Den Serienkiller BG666, der Schüler zu Morden anstiftet, halte ich für unrealistisch, eine reine Kopfgeburt des Autors.
Das Ermittlerteam vom LKA wird zu einem Mordfall im Zug dazu gezogen.
Die Zusammensetzung des Teams ist nicht schlecht, darunter der Profiler Dr. Friedrich, (etwas lächerlich aber, das er MacDeath genannt wird) und die Patopsychologin Clara Vidalis, die serientitelgebend ist. Sie macht aber auch nicht mehr als die anderen des Teams. Mich hat sie nicht überzeugt. Da gab es schon spannendere Ermittler.
Veit Etzolds Stil gefällt mir nicht besonders, da er sehr auf Dialoge setzt und diese sind nicht gerade raffiniert gemacht. Das Ermittlerteam plaudert einfach zu viel triviales. Trotzdem sind diese Abschnitte noch die besseren. Die Passagen um die mörderischen Jungs, z.B. Noah oder Ben, sind wenig ansprechend.
Hier hätte ich mir gewünscht, dass die Psyche der Kinder nachvollziehbar erklärt würde. Bei Noah gibt es wenigstens ein paar Ansätze.
Das Buch zieht sich in der zweiten Hälfte.
Für mich ist das Thema Veit Etzold-Bücher damit beendet.
Das Schicksal der Maisblüte
Donnergrollen im Land der grünen Wasser von Kerstin Groeper
Kerstin Groeper führt ihre Leser in „Donnergrollen im Land der grünen Wasser“ ins 16.Jahrhundert und zeigt das Leben der Choctaw und der Menominee auf der Schildkröteninsel (Florida - Illinois). Eine Karte im Buch gibt Orientierung.
Als Leser schwelgt man in Beschreibungen der Autorin über das Volk am Fluss und sie erwähnt vieles, was fremd und unbekannt ist.
Da gibt es Zeremonien und Sitten, die wirklich interessant sind.
Während bei den Choctaw-Handlungspart im Süden die junge Maisblüte im Mittelpunkt steht, gibt es auch noch einen parallel erzählten Handlungsstrang um die Menominee aus dem Norden. Hier steht der männliche Protagonist, Machwao im Blickpunkt. Er ist sowohl stark als auch mitfühlend.
Leben und Kultur des Volkes werden dann aber durch die Ankunft der Spanier bedroht. Es folgen beispiellos drastische Beschreibungen der gnadenlos ausgeübten Gewalt und Zerstörung.
Außerdem bringen die Spanier Seuchen ins Land, die ganze Dörfer auslöschten.
Maisblüte muss in Gefangenschaft der Spanier Qualen leiden.
Als Leser fühlt man stark mit. Diese Beschreibungen sind schwer zu ertragen, aber sie dürfen auch nicht verschwiegen werden, da sie real für so viele Menschen war.
Obwohl es viele Wiederholungen gibt, ist das Erzähltempo hoch.
Es dauert lange, bis Maisblüte und Machwao endlich aufeinandertreffen und man wieder Hoffnung schöpfen darf. Sie werden ihren Weg gemeinsam gehen.
Das Buch zeigt ein Stück Geschichte über die Ankunft der Spanier in Nordamerika, von der selten in Prosaform zu lesen war.
Love and Landscape vom Feinsten
Die Insel der vergessenen Träume von Christiane Lind; Julia K. Rodeit
An dem Roman finde ich toll, dass er mehrere Schauplätze nutzt, Hamburg, Bremen und größtenteils Hawaii.
Natürlich gibt es genrebewährt auch zwei Zeitebenen. 1890 mit Clara, die sich nach dem Tod des Vaters gegen den neuen Stiefvater wehrt und Leonie, die im 21. Jahrhundert einen Neuanfang in Hawaii versucht.
Kauai, die Garteninsel ist das Ziel.
Die Handlungen wechseln ständig zwischen Clara und Leonie.
Gemeinsam ist den beiden Hauptfiguren, das sie junge Frauen sind und selbstbewusst, es aber dennoch nicht leicht haben. Außerdem ist Clara die Ur-Ur-Gro0ßmutter von Leonie, auch das verbindet sie und Leonie beginnt über die Ereignisse der Vergangenheit zu forschen.
Stilistisch ist es so geschmeidig geschrieben, dass man beim Lesen unerwartet schnell vorankommt. Es ist ein Buch für schlaflose Nächte!
Das Autorenteam Christiane Lind und Julia K. Rodeit schreiben erstaunlich routiniert, Genre-Regeln werden nicht verletzt. Dafür gefällt mir gut, dass die fiktive Geschichte auf Tatsachen und historischen Geschehnissen basiert.
Trapper am oberen Missouri
Die Insel der vergessenen Träume von Christiane Lind; Julia K. Rodeit
Im Eissturm der Amsel ist ein neuer, komplexer historischer Roman von Kerstin Groeper, der im frühen 19.Jahrhundert am oberen Missouri angesiedelt ist.
Zunächst möchte ich gerne etwas über das Cover sagen. Es sagt viel über die Message aus: Indianische Kultur, Zuneigung und Verbundenheit.
Und passt somit sehr gut zum Roman.
Auch der Titel „Im Eissturm der Amsel“ hat etwas poetisches, was sich auch im Buch wiederfindet.
Es beginnt erstaunlich dramatisch. Mit der Zeit werden 3 bemerkenswerte Figuren vorgestellt: Der Trapper Pierre DuMont, die junge Mandan-Indianerin Mato-wea und den stolzen Lakota Wambli-Luta.
Für meinen Lesegeschmack ist das Buch zu ausführlich, andererseits erlaubt der Umfang, die Figuren und ihr Verhältnis zueinander vollumfänglich auszuarbeiten und auf Details einzugehen. Dabei werden die Verhältnisse der Zeit glaubhaft beschrieben.
Das Buch ist auch deswegen eine große Leistung, weil es auf historisch belegten Ereignissen beruht.
Begegnung, die etwas bewirkt
Die Insel der vergessenen Träume von Christiane Lind; Julia K. Rodeit
Beinahe ist nicht nur die Geschichte eines Beinahe-Unfalls sondern auch die einer Begegnung.
Die Ärztin Lena und der 16jährige Ivo.
Der Anfang mit der ersten Begegnung ist intensiv gemacht, so dass man sich die aufgewühlten Emotionen der Beinahe-Unfallbeteiligten gut vorstellen kann.
Es wirkt für sie aufwühlend und sie beginnen über ihr Leben und Veränderungen nachzudenken,
Der Junge hat Probleme in der Schule und beschließt, sein Abi nicht zu machen.
Auch von Lenas Berufsalltag in der Klinik bekommt man einen Einblick. Wirklich sehr glaubhaft geschildert.
Dazu kommt noch das nicht ganz unproblematische Familienleben.
Es wird kein einfacher Weg, aber wenn man es anpackt, können Veränderungen positiv werden.
Die Stärke der Bremer Autorin Frauke Röhrs ist, das pathoslos zu erzählen und den Leser zu ermöglichen, die Figuren kennen zu lernen.
sprachlich reizvoll
Offene See von Benjamin Myers
Offene See ist nicht nur eine Coming-of-age-Geschichte sondern auch die Geschichte einer Begegnung. Die Handlung setzt in England kurz nach dem Krieg ein. Der 16jährige Robert macht sich auf die Wanderschaft, um ein vorhersehbaren Schicksal zu entgehen, dem Leben als Bergmann unter Tage. Robert möchte erst herausfinden, was es noch gibt.
Durch Zufall lernt er Dulcie kenne, eine Frau mittleren Alters, die in einem Cottage in Yorkshire, nahe des Meeres lebt und ihn in vielen Gesprächen mit verschiedenen Aspekten des Lebens bekannt macht, z.B. auch mit Literatur und Poesie. Und sie ermutigt ihn, mehr aus sich zu machen.
Ihre Gespräche und zeitweiliges Zusammenleben fand ich originell und gut geschrieben. Überhaupt verfügt der Autor Benjamin Myers über eine poetische Sprache. Ein Stil, den ich sehr mag.
In der Krise
»Male oscuro« von Ingeborg Bachmann
Nach der Trennung von Max Frisch Mitte der sechziger Jahre war Ingeborg Bachmann am Boden zerstört. Körperlich und psychisch angeschlagen musste sie sich im Krankenhaus behandeln lassen.
In diesem Zusammenhang entstanden ihre Traumprotokolle und ihre Briefe, meist an ihre Ärzte. Im Mittelpunkt steht die Trennung und die Krankheit.
Aufzeichnungen aus der Zeit der Krankheit ist ein treffender Untertitel.
Unbedingt lesen muss man das aus literarischer Sicht nicht. Wenn man aber genügend Interesse an der Schriftstellerin und Dichterin hat, wird es doch spannend, da sich in manchen der Literaturbetrieb dieser Zeit widerspiegelt. Etwas auskennen sollte man sich aber und Max Frisch, Paul Celan, Siegfried Unseld, Ilse Aichinger, Günter Eich, Hans Werner Henze u.a., um das in Zusammenhang sehen zu können.
Hinzu kommt noch ein großer editorischer Anteil.
Für mich persönlich war das Buch in Teilen lesenswert.
Reyhan Sahins Weg
Lady Bitch Ray über Madonna von Lady Bitch Ray
Dieses Buch der Rapsängerin Lady Bitch Ray besitzt eine große Intensität, die auch den ganzen Text über aufrechterhalten bleibt. Das ist schon eine Qualität.
Über Madonna erfährt man nicht viel neues. Vielmehr spricht Reyhan Sahin alias Lady Bitch Ray über ihre Kindheit und Karriere und wie sie von Madonna beeinflusst wurde.
Das bezieht sich aber weniger auf musikalischer Einfluß, da glatte Popmusik und provokanter Rap wenig gemeinsam haben. Es ist Madonnas selbstbewusstes Auftreten und ihre religiösen wie sexuellen Themen, die auch die Sängerin aus Bremen-Gröpelingen interessierte. Aber auch kritische Aspekte werden nicht ausgespart. Die feministischen Aspekte greifen!
Reyhan Şahin schreibt überaus ehrlich über ihre Empfindungen und Schwierigkeiten im Musik- und Kulturbetrieb, etwa auch ihr Rauswurf bei Radio Bremen oder wie sie wenig Geld verdiente, da ihr Ansehen bei vielen gering war oder sie auf ihre türkische Herkunft oder ihre akademische Leistung reduziert wurde. Sie hat´s nicht leicht gehabt, ihr wurde es schwer gemacht.
Es war, interessant, einmal einen Einblick nehmen zu können.
Nur wenige Sätze des Textes wirken konstruiert, ansonsten ist das Buch ehrlich und kann als gelungen bezeichnet werden.
Leser, die nur Madonna-Fans sind und Lady Bitch Ray vielleicht nicht einmal kennen, sind bei diesem Buch vermutlich falsch.
Poesie
Lady Bitch Ray über Madonna von Lady Bitch Ray
In den Knochen (Bone) ist eine Sammlung von Gedichten der Spoken word-Künstlerin Yrsa Daley-Ward, die letztes Jahr in Deutschland schon mit ihrem autobiografischen Roman Alles, was passiert ist“ aufgefallen war.
Bones ist das ältere Buch, aber durch den Roman kennt man jetzt doch viel vom Leben der Schriftstellerin und kann viele Inhalte der Gedichte zuordnen.
Übersetzt wurden die Gedichte von Nora Bossong und Gregor Runge.
Es gibt einige Themen, die Yrsa Waley-Ward mit ihrem intensiven Sound behandelt: Familie, Sexualität, Gewalt, Liebe und ihrem Temperament etc. Ihre Themen haben oft auch viel mit ihr selbst zu tun. Ihr Verhältnis zu ihrem Bruder, der Mutter oder den Großeltern.Oft haben die Poems etwas körperliches. Manche sind sehr kurz, andere gehen über drei oder mehr Seiten.








