Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
Ein forderndes Buch
Simply Clean für ein gesundes Zuhause von Becky Rapinchuk
Simply clean ist wirklich ein sauberes Buch! Nicht nur wegen dem Thema sondern weil das Buch wirklich sehr übersichtlich und geordnet aufgemacht ist. Mit gestochen scharfen Fotos und gut eingeteilte Textblöcke. Es gibt sogar ein Lesebändchen.
Was mich überraschte war, dass es sich nicht unbedingt in erster Linie eine Putzfibel ist sondern auch und vor allen die Gesundheit in den Vordergrund steht.
Gefährliche Mittel kommen hier schlecht weg.
Für meinen Geschmack geht die Autorin Becky Rapinchuk da zu weit. Sie ist in einem Krieg gegen giftige Reinigungsmittel. Ich persönlich habe nicht die Zeit einen Ofenreiniger selbst herzustellen.
Die Autorin geht dann die einzelnen Räume durch: Küche, Badezimmer, Schlafzimmer und so weiter.
Viele Tipps klingen logisch, manchmal aber auch nicht einfach.
In gewisser Hinsicht fühle ich mich von dem Buch überfordert. Aber vielleicht wird sich dieses Gefühl noch mindern, wenn ich in Zukunft mal wieder hineinsehe.
sehr stark
Santeri Tuori von Becky Rapinchuk
Ich lebe im Odenwald, der Anblick von Bäumen aus verschiedenen Perspektiven ist mir nicht unbekannt. Die Natur ist mir nicht fremd. Dennoch schaffen die Fotos dieses Buches neue Eindrücke.
Bäume mit oft kargen Ästen. Das Spiel von Ästen und Licht wird eingefangen. Schließlich der Himmel und Wolken in fast bedrohlicher Atmosphäre.
Das sind Bilder, die man dann doch nicht jeden Tag sieht, wenn man den überhaupt hinsieht. Das kann der finnische Fotograf Santeri Tuori und er weiß es, die Bilder entsprechend zu arrangieren. Teilweise ist es fast unglaublich, was man sieht! Helsinki School vom Feinsten!
wild und obskur, ein Roman wie ein Gulasch
Das eiserne Herz des Charlie Berg von Stuertz Sebastian
Das eiserne Herz des Charlie Berg ist ein umfangreiches Buch, mit dem vermutlich nur Leser glücklich werden, die wilde und obskure Geschichten mögen. Eigentlich war ich anfangs positiv auf den Roman eingestimmt, die Leseprobe hatte mir gefallen. Auch der Erzählton, der aus Charlies Perspektive entsteht.
Mir kommt es manchmal nur zu wirr vor, mit vielen Abschweifungen und viel zu lang. Als wäre das Buch vergessen worden zu kürzen. Mir kommt es teilweise so vor, als wollte sich der Autor in seinem Text austoben.
Hinzu kommt, dass mich einige Szenen abstoßen und auch total übertrieben wirken. Zum Glück sind das relativ wenige.
Andererseits erkenne ich natürlich auch Qualitäten. Originalität und Wortwitz gehören dazu, und auch durchaus interessante Passagen, zum Beispiel die Schilderungen eines Literaturpreiswettbewerbs an dem Charlie teilnimmt. Das hat dann auch noch ein Nachspiel.
Doch das nützt wenig, wenn man als Leser das ständige Gefühl hat, der Autor hätte seinen Text nicht im Griff.
Ein Strauß von Geschichten
LiES. Das Buch von Hauke Hückstädt
LiES. Das Buch hat den Anspruch, Literatur zugänglich zu machen.
Es sind viele niveauvolle Autoren mit Stories dabei, die dafür bekannt sind, anspruchsvolle Literatur zu schaffen, die ich sehr schätze.
Die Autoren lösen die Aufgabe mit vielen kurzen Sätzen und dem Vermeiden komplizierter Wörter.
Ich finden den Ansatz gut, muss aber einschränken, das mir nicht alle Geschichten gefallen. Bei einigen habe ich mich gelangweilt. Über ein paar bin ich mir nicht ganz klar, da ist vielleicht ein zweites Lesen erforderlich. Und es gibt auch andere, die einfach nur einfallsreich und originell sind.
Das gilt zum Beispiel auch für Splitter von Maruan Poschen mit kurzen Passagen, die fast wie Aphorismen wirken. Es fehlt da auch nicht eine Spur Lakonie.
Ganz großartig ist die Kofferradio-Geschichte von Olga Grjasnowa. Die Story von Alissa Walser ist beklemmend.
Mein absoluter Favorit ist die Geschichte von Arno Geiger.
autofiktionale Prosa
Von schlechten Eltern von Tom Kummer
Von schlechten Eltern heißt der neue Roman von Tom Kummer. Dieser Text ist mir schon letztes Jahr beim Bachmannpreis aufgefallen. Tom Kummer hatte daraus gelesen.
Es ist autofiktionale Prosa. Ich schätze diese Form, wenn sie gut gemacht ist und das ist bei Tom Kummer klar der Fall.
Der Protagonist des Romans heißt wie sein Autor Tom Kummer und teilt mit ihm diverse Eckdaten, z.
B. der Aufenthalt in der Schweiz nach langen USA-Aufenthalt, Vater zweier Söhne, der Verlust der Frau und die Trauer.
Tom Kummer, der aus dem Buch, fährt seit einigen Monaten als Chauffeur verschiedene Fahrgäste. Dadurch kommt es zu Begegnungen und Gesprächen. Das sind teilweise sehr gediegene Dialoge. Wirklich ausgezeichnet gemacht!
Alle Fahrten sind nachts. Das trägt dazu bei, dass die Atmosphäre stark wirkt und der emotionale Zustand des Protagonisten wird deutlich.
Von Bedeutung sind aber auch die Passagen mit Tom als alleinerziehender Vater eines 12jährigen Sohnes. Außerdem gibt es noch einen 18jährigen Sohn, der noch in Los Angeles ist.
Eine Melancholie begleitet den Text, der sich aber durch seine spielerische Art Leichtigkeit bewahrt. Tom Kummer hat wirklich einen zwingenden Erzählton gefunden.
Amüsantes und nachdenklich stimmendes
"Am Anfang steht der Größenwahn, am Ende die Demut" von Sven Michaelsen
Am Anfang steht der Größenwahn, am Ende die Demut.
Dieses Zitat vom Maler Julian Schnabel bietet den Titel für ein Buch, dass Sätze bekannter Leute aus Literatur, Kunst, Musik und Film etc. sammelt.
Das Buch hat mehrere Themenblöcke, z.B. Beziehungen, Kindheit, Beruf, Krankheit, Tod, Glück.
Der Reiz des Buches ergibt sich daraus, das manche der zitierten immer wieder auftauchen, z.
B. Martin Walser und Peter Handke, die mich am meisten interessierten. Überraschenderweise waren aber die Sprüche und Erkenntnisse von ein paar anderen Leuten ebenso erhellend. Zum Beispiel Anjelica Huston, Tochter des berühmten Regisseurs, der Philosoph Richard David Precht, Alexander Kluge, Schimpansenforscherin Jane Goodall und viele andere.
Mich haben die Beiträge besonders angesprochen, die eine ordentliche Spur grimmiger Ironie enthalten, z.B. die von Harald Schmidt, Peter Ustinov, Rupert Everett.
Manche tauchen aber nur ein oder zwei mal kurz auf und das ist auch okay.
Durchaus ein amüsantes Buch!
Roman mit starker Atmosphäre
"Am Anfang steht der Größenwahn, am Ende die Demut" von Sven Michaelsen
Bei diesem ungewöhnlichen und starken Buch wird mir mal wieder klar, dass ich die Bücher des Traumfänger-Verlags sehr mag, auch wegen der Buchgestaltung. Das Cover zeigt die Kälte und die Dramatik, die den Rahmen für die Handlung geben. Hinzu kommen eine ganze Reihe von großartigen Illustrationen, die im Buch verteilt sind.
Skräling ist ein Roman eines Inuitstämmigen Schriftstellerpaares, der von der Begegnung eines Inuit in der Arktis mit anderen Völkern beschreibt. Kannujag ist der Inuitjäger, der alleine unterwegs ist und dann einen Blick in die Welt eines anderen Volkes, den Tuniit und deren beständiges Leben werfen kann und auch von Wikingern. Die Wikinger bedrohen eine Siedlung der Tuniit.
Kannujags Reflektionen der Situation lösen auch beim Leser Überlegungen aus. Etwas irritierenden empfand ich die gelegentlichen Einschübe der Autoren mit Kommentaren, die den Leser direkt ansprechen. Das kannte ich bisher nur aus Kinder/Jugendliteratur. Gestört hat es mich aber letztlich nicht und letztlich funktioniert diese zusätzliche Erzählebene sogar.
Die Qualitäten des Buches liegen darin, eine fremde Welt zu zeigen und dabei viel Atmosphäre zu erzeugen.
Aus Liebe zu den Büchern
Happy Ever After - Wo das Glück zu Hause ist von Jenny Colgan
Die zurückhaltende Bibliothekarin Nina Redmond wird arbeitslos, weil die Bibliothek schließt. Also beschließt sie, mit einem Lieferwagen durch die Gegend zu fahren und Bücher anzubieten. Das passende Wohnmobil muss sie aber erst aus Edinburgh besorgen. Hier bringt einen der raue schottische Humor erst einmal zum Lächeln.
Die Leute aus den Pubs lassen kantige Sprüche ab. Aber irgendwie spürt man, dass sie die scheue Nina mögen.
Und letztlich landet die aus Birmingham stammende Nina tatsächlich in Schottland.
Ob eine mobile Bücherei in heutigen Zeiten wirklich noch erforderlich ist? In ländlichen Gegenden, in denen die Bibliotheken schließen, vielleicht wirklich.
Dass interessante an der Situation ist, zu verfolgen, wie sich jemand, die sich nicht viel zutraut, über sich selbst hinauswächst.
Nina stellt sich in manchen Situationen tollpatschig an. Zum Glück gibt es meistens gutmütige Leute, die sie unterstützen. Die Nebenfiguren sind alle sehr liebevoll gemacht.
Das Buch von Jenny Colgan liegt irgendwo zwischen Chicklit und dann aber doch deutlich näher an sympathischere Romantic Comedy Fiction. Es gefällt mir auch, dass der Wert von Büchern hier so gefeiert wird.
Eine Jugend im Irak
Palast der Miserablen von Abbas Khider
Abbas Khider ist ein auf Deutsch schreibender Autor, der im Irak geboren wurde. Seine Romane haben mich stets berührt. Seine neues auch.
Palast der Miserablen ist meiner Meinung nach ein großer Wurf. Der Autor erzählt vom Aufwachsen und Leben im Irak.
Für die meisten von uns ist es eine fremde Welt.
Dieses Buch erlaubt einen Einblick.
Zu so einer Jugend im Irak gehören auch die menschenfeindliche Diktatur eine Sadam Hussein und die Bomben des Bush.
Dann versucht die Familie von den Jungen Sham in Bagdad Fuß zu fassen. Das ist nicht einfach. Es wird auch ein gutes Portrait von Shams Vater und Mutter und seiner selbstbewussten Schwester.
Das Buch erzählt außerdem von leidvoller Gefangenschaft. Das sind düstere Abschnitte.
Die Handlung wechselt zwischen diesen beiden Eckpunkten.
Abbas Khider lässt sich Zeit beim Erzählen. Mit der Zeit entwickelt sich die Handlung und der Roman entfaltet sich. Man spürt, dass der Autor lange an dem Buch gearbeitet und alles gegeben hat.
Einfühlsam
Dankbarkeiten von Delphine Vigan
Mishka, 1935 geboren, leidet im Alter an einer Sprachstörung, was sie sehr belastet. Sie droht, sich selbst zu verlieren.
2 Menschen besuchen sie oft. Ihre Vertraute, Marie, die schwanger wird und Jerome, ein Logopäde.
Es ist ein relativ kurzes Buch, das jedoch sprachlich viel bietet.
Mishkas Aphasie beeinflusst auch den Stil des Buches.
Als Leser liest man den Text so, wie Mishka spricht, halt sehr verkürzt und oft mit falschen Worten.
Jeorme versucht in seiner Behandlung auf die fehlenden Worte Mishkas einzugehen, aber es ist ein nicht m ehr aufzuhaltender Prozess.
Ich muss sagen, mich hat Mishkas Zustand betroffen gemacht.
Doch sehe ich den Text natürlich nicht als Betroffenheitsliteratur sondern einfach als einen einfühlsamen Roman.










