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Rezensionen von HEYN Leserunde Miriam Brandl:

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Am Schluss ist alles anders

So bitter die Rache

Ellen ist gerade 42 Jahre alt, frisch getrennt von ihrem Ehemann, einem Diplomaten und versucht in Vineta, einer ruhigen Siedlung in Heiligendamm für sich und ihren Sohn Tristan ein neues Leben aufzubauen. Eher zufällig erfährt sie, dass ausgerechnet in ihrem Haus vor 6 Jahren drei Menschen ermordet wurden.

Das schreckt sie nicht ab, denn sie möchte alles tun, damit dieses Haus für sie und ihren Sohn ein „Glückshaus“ wird. Als dann aber einige beunruhigende Dinge geschehen, kann sie nicht umhin, sich auch für die Vergangenheit zu interessieren.

Eric Berg erzählt zwei Zeitebenen der Ereignisse: Einerseits wird die Geschichte Ellens im Jahr 2016 erzählt, ihre Versuche hier heimisch zu werden und ihrem Sohn ein stabiles Heim und Sicherheit zu geben.
Andererseits erfährt der Leser von den Ereignissen aus dem Jahre 2010, vom Erbauer der Siedlung Vineta, der hier sein Ideal von „Großfamilie“ realisieren wollte und von den Schicksalen der einzelnen, gut ausgewählten Familien. Was als Idylle geplant war, gerät außer Kontrolle und verwandelt sich in ein Geflecht von Lügen und Falschheit, gipfelt schließlich in den drei Morden.

Intelligent und abwechslungsreich wird von den dramatischen Entwicklungen in der Siedlung erzählt, aber auch von den teilweise dramatischen Schicksalen der einzelnen Charaktere, die hier aufeinander treffen. Der Autor versteht es, die Protagonisten facettenreich und psychologisch stimmig darzustellen.
Seine ruhige Sprache lässt sie alle lebendig werden – mit Ecken, Kanten und allen erdenklichen Abgründen hinter ihren wohlgeordneten Fassaden. Die Bösen sind nicht nur böse, die Guten nicht nur gut. Sehr menschlich also!

Eric Berg wechselt rasch zwischen 2010 und 2016, so dass die Spannung von den ersten Seiten an aufgebaut wird und über immerhin 416 Seiten durchgehend auf hohem Niveau gehalten wird. Von Anfang an habe ich mitgeraten und gerätselt. Einige überraschende Wendungen haben meine eigenen Überlegungen zu Opfern und Täter mehrmals über den Haufen geworfen. Die Auflösung am Schluss war völlig unerwartet, aber glücklicherweise logisch und hat alle offenen Fragen beantwortet.

Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Es war mein erstes Buch dieses Autors, aber sicher nicht das letzte!

Fazit: eine intelligent konstruierte Geschichte spannend erzählt! Wirklich lesenswert!

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Am Schluss ist alles anders
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Über das Anhalten der Zeit

Herr Jakob träumt von A.S. Dowidat

Hr. Jakob ist ein Mann Mitte 50, von Beruf Bibliothekar ohne große Karriereambitionen, geschieden, mit seltenen, aber konfliktreichen Kontakten zu Exfrau und Töchtern. Er ist von der Schnelllebigkeit und dem Alltagsstress restlos überfordert und genervt. Folglich zieht er sich immer mehr zurück bis seine andauernde Müdigkeit zu einem Winterschlaf wird.

Die reale Welt und die Traumwelt des Hr. Jakob verschmelzen im Laufe der Geschichte immer mehr und sind manchmal nur schwer zu unterscheiden. Man muss sich auf diesen ständigen Wechsel einlassen können – auf philosophische Hühner, seltsame Privatdetektive und schrecklich schnelle Putzfrauen.

Die Autorin A.S. Dowidat versteht es, durch ihre ruhigen, unaufdringliche und leicht distanzierte Art, Hr. Jakobs Geschichte zu erzählen, eine tiefe Sehnsucht nach Langsamkeit und Achtsamkeit zu vermitteln. Kann sich nicht jeder in gewisser Weise mit Hr. Jakob identifizieren?

„Hr. Jakobs träumt“ ist eine märchenhafte Darstellung des Bedürfnisses nach dem „Anhalten“ einer viel zu schnellen und hektischen Welt. Das Lesen war ein bemerkenswertes Erlebnis für mich: ich vermute, dass ich noch nie ein Buch so langsam gelesen habe. Schon das Lesen wirkte entschleunigend und damit hat dieses kluge Buch einen fixen Platz in meiner Bücherapotheke bekommen! Also Vorsorge für stressigere Zeiten!

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Über das Anhalten der Zeit
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Tulpenfieber und Mörderjagd

Tulpengold von A.S. Dowidat


Amsterdam, 1636: Das Tulpenfieber grassiert. Spekulationen führen dazu, dass der Wert von Tulpenzwiebeln ins Unermessliche steigt. Viele Menschen verschulden sich um von dieser Manie zu profitieren. Und dann platzt diese sonderbare Blase und lässt zahlreiche Menschen finanziell ruiniert zurück. Es ist keine Fiktion, es ist die erste gut dokumentierte Spekulationsblase der Geschichte und bildet den Hintergrund für Eva Völlers neuesten Roman.

In dieser Zeit lebt aber auch Rembrandt van Rijn (der selbst auch mit Tulpenzwiebeln spekuliert hat), malt fieberhaft an großen Werken, die die Jahrhunderte überdauerten sollten, führt gleichzeitig seine Werkstatt und bildet mit strenger Hand mehrere Lehrlinge aus.

Einer dieser Lehrlinge ist Pieter van Winkel, der extrem sympathische Protagonist dieser Geschichte. Er ist ein besonderer Mensch, heute würde man wahrscheinlich ein Asperger Syndrom diagnostizieren. Zu Rembrandts Zeiten war er nur ein sonderbarer Zeitgenosse mit zahlreichen Begabungen: neben einem phänomenalen Gedächtnis, zeichnet ihn ein besonderes Talent zur Malerei und die Liebe zur Mathematik aus. Seine Mitmenschen sind für ihn jedoch oft recht rätselhaft. Er erklärt sich seine Umwelt mittels mathematischer Logik.

Mehrere Morde, die in unmittelbarer Umgebung von Rembrandt geschehen, wecken sein Interesse und er begibt sich auf Mördersuche ganz so wie es seinem Naturell entspricht – mittels Logik und Wahrscheinlichkeitsrechungen.

Aber nicht nur Malerei und Mathematik bestimmen sein Leben. Anneke und Mareikje lassen ihn erkennen, dass nicht alles immer so einfach berechenbar ist.

Eva Völler ist hier eine großartige Mischung gelungen: ein historischer Roman, der gleichzeitig ein fesselnder Krimi ist. Somit ist die Geschichte von der ersten bis zur letzten Seite spannend und informativ. Dazu kommt noch die liebevolle Darstellung der einzelnen Personen, allen voran natürlich Pieter, die mir wirklich gut gefallen hat. Sie wachsen einem sofort ans Herz und man muss einfach weiterlesen.

Detailreiche Beschreibungen vermitteln ein gutes Bild der Zeit. Die Geschichte ist logisch aufgebaut und endet trotzdem mit einer Überraschung!
Wirklich gut hat mir aber auch gefallen, dass die Autorin in einem kurzen Nachwort noch über ihre persönlichen Gründe für dieses Buch geschrieben hat und besonders erwähnenswert ist auch die liebevolle Gestaltung des Covers.

Fazit: ein spannender, informativer und gleichzeitig unterhaltsamer Roman – empfehlenswerter Lesespaß!

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Tulpenfieber und Mörderjagd
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Viele Geheimnisse...

One of Us Is Lying von Karen M. McManus

Ein Toter, viele Geheimnisse und viele Verdächtige

5 völlig unterschiedliche Schüler müssen einen Nachmittag gemeinsam mit Nachsitzen verbringen. Simon, der eine Gossip-App betreibt und immer wieder die Geheimnisse seiner Mitschüler bösartig an die Öffentlichkeit zerrt und sich dadurch sicher nicht Freunde macht, Bronwyn, eine ausgezeichnete Schülerin und perfekte Tochter, Addy, eine Schönheit ohne wirkliche Persönlichkeit, Nate, der Außenseiter, der bereits mit dem Gesetz in Konflikt gekommen ist und Cooper, der allseits beliebte Sportler.

Bis zu diesem Nachmittag haben sie wenig miteinander zu tun. Aber jetzt werden ihre Leben grundlegend verändert: während des Nachsitzens bricht Simon zusammen, verstirbt wenig später. Ein allergischer Schock war die Ursache – allerdings: wo war sein eigener EpiPen? Wo waren die Pens der Schule? Wie kommt überhaupt Erdnussöl in einen Wasserbecher?

Rasch geraten die vier ins Visier der Polizei, werden zu Tatverdächtigen und natürlich verändert sich auch das Verhalten der Mitschüler sofort.

Auf den ersten Blick scheinen Bronwyn, Addy, Nate und Cooper allen gängigen Klischees zu entsprechen. Aber im Laufe der Geschichte lernt man sie gut kennen (und lieben). Die Autorin lässt alle vier Protagonisten im Wechsel ihre persönliche Sicht der Ereignisse erzählen. Dadurch entwickeln sie sich zu vielschichtigen Charakteren, die weit mehr sind, als man vorerst annehmen möchte! Dieser ständige Perspektivenwechsel ist nur zu Beginn verwirrend. Mit der Zeit unterscheidet man sie schon an der Ausdrucksweise – wirklich großartig gemacht von der Autorin!

Durch diese genaue Charakterisierung tritt zwischendurch sogar die Mördersuche in den Hintergrund - zu interessant sind die persönlichen Geschichten. Und eines wird schnell klar: jeder von ihnen hat ein schwerwiegendes Geheimnis. Und alle diese Geheimnisse waren dem Mordopfer bekannt.

Ich liebe Geschichten, die nicht vorhersehbar sind, wo man also nicht sofort weiß, wer der Täter ist. Gerade deshalb hat mir dieser Thriller so besonders gut gefallen – weil ich bis zum Schluss ziemlich ahnungslos war.
Karen McManus Stil ist flüssig und locker zu lesen, sie zeichnet detailliert die Entwicklung nach, die die Tatverdächtigen mitmachen und am Schluss überrascht sie den Leser mit der logischen und dramatischen Auflösung eines komplizierten Falles.

Zwar ist es ein Thriller für Jugendliche bzw. junge Erwachsene, aber auch ich (und ich bin schon weit über dieses Alter hinaus) fand die Lektüre interessant und fesselnd. Außerdem hab noch einiges über die komplizierten Lebenswelten von Jugendlichen erfahren.
Ein bemerkenswerter Debütroman, ein tolles Buch – unbedingt lesenswert!

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Männer sind auch nur Menschen

Die Herzen der Männer von Nickolas Butler


2013 hat Nickolas Butler mit seinem ersten Roman „Shotgun Lovesongs“ einen unerwarteten Bestseller gelandet. Nun folgt sein zweiter Roman, der von Dorothee Merkel ins Deutsche übersetzt wurde: „Die Herzen der Männer“

Zentraler Ort der Handlung ist das Pfadfindercamp Chippewa in Wisconsin.

Über 57 Jahre lang begleitet der Leser Nelson und seine Freunde.
Wir beginnen im Jahre 1962: Nelson ist gerade mal 13 Jahre alt, Außenseiter und Opfer zahlreicher Quälereien. Aber neben den Demütigungen erlebt er auch wahre Schönheit und sogar so etwas wie Freundschaft. Das Camp und die Ideale der Pfadfindergemeinschaft werden ihn ein Leben lang begleiten und prägen.
Dann der Sommer 1996 – Nelson hat bereits einen Krieg überlebt, ist mittlerweile Leiter des Camps Chippewa geworden. Für Trevor, Sohn seines Freundes Jonathan, ist er Vorbild und väterlicher Freund – und das sogar in einem Stripclub! Zahlreiche Rückblenden erlauben dem Leser ein besseres Verständnis für die Entwicklung die Nelson und seine Freunde erlebten.
Am Ende dann 2019: die nahe Zukunft. Thomas (Trevors Sohn) und seine Mutter Rachel sind im Camp und werden mit Sexismus, Machos und perfider Gewalt konfrontiert.

Butler erzählt uns nicht nur die Geschichte von einzelnen Männern – er erzählt von zahlreichen gesellschaftlichen Veränderungen, die im Laufe von Jahrzehnten Traditionen und Normen in Frage stellen, das gesellschaftliche Miteinander verändern und somit für jeden einzelnen zur Herausforderung werden. Er erzählt von Männern und Machos, von Loyalität und Idealen, Vorbildern und Freundschaft aber auch von Kriegen, Wünschen, Illusionen und zerstörten Träumen, von gebrochenen Herzen eben. Er beschränkt sich nicht auf Stereotypien oder Klischees, sondern zeichnet ein vielschichtiges, feinfühliges Bild von Männern. Manchmal zum Lachen, manchmal fürchterlich traurig! Männer sind halt auch nur Menschen!

Sein Schreibstil zeichnet sich durch ruhige Lebendigkeit und Klarheit aus. Er schafft es, mit wenigen Worten den Leser zu fesseln und in sein Universum zu ziehen. Die Hauptpersonen werden liebevoll und trotzdem komplex charakterisiert. Vielleicht ist es gerade die psychologisch sensible Schilderung der menschlichen Ambivalenz, die diese Geschichte so berührend werden lässt.
Fazit: Große Erzählkunst, mit vielen philosophischen Denkanstößen! Lesenswert!

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Männer sind auch nur Menschen
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Spannende und informative Unterhaltung

Die Fallstricke des Teufels von Nickolas Butler

„Die Fallstricke des Teufels“ ist der bemerkenswerte Debütroman von Heike Stöhr. Sie zeigt dem Leser die Stadt Pirna im Jahre 1541.

Sophia, die Tochter des Weinhändlers Weyner, ist die sympathische Hauptperson dieses Romans. Im Kontor ihres Vaters findet sie ein rätselhaftes, in Geheimschrift verfasstes Buch.

Vorbild dafür war das Voynich-Manuskript, das bis heute nicht entschlüsselt werden konnte. Dieses Buch wird sie über Jahre begleiten und immer wieder Gegenstand ihres Interesses sein. Sie will es unbedingt enträtseln, weil sie sich ein Rezept gegen die Pest erhofft. Genau dieses Buch ist allerdings auch für den Stadtschreiber Wolf Schumann, Sophias bösartigen Gegenspieler, von Interesse – er setzt Himmel und Hölle in Bewegung um es in die Hände zu bekommen.

In dieser Zeit passieren mehrere mysteriöse Todesfälle, die von offizieller Seite als Selbstmorde eingestuft werden. Sophia, ihre außergewöhnlichen Hausgenossen und der besonnene und intelligente Bader glauben nicht an so eine zufällige Anhäufung von Selbstmorden und recherchieren auf eigene Faust.Ihre Persönlichkeiten und Schicksale werden anschaulich und lebensnah geschildert. Der Leser nimmt Anteil, lebt und fiebert mit!

Neben diesem Kriminalroman wird natürlich auch eine dramatische Liebesgeschichte erzählt. Aber wirklich erstaunlich sind die zahlreichen historisch belegten Details, die den Roman zu einem besonderen Lesegenuss machen! Ein Glossar, eine schöne Stadtkarte vervollständigen das Buch und Heike Stöhr, selber Historikerin und Germanistin, widmet noch zum Abschluss ein Kapitel der Geschichte hinter der Geschichte, wo noch einmal historische Details angeführt werden.
Dieser erste Teil einer Trilogie ist ein gelungener Mix aus genau recherchierten historischen Fakten und toll erzählter Fiktion – Geschichte mit Geschichten eben!

Fazit:
Mich hat das Buch völlig überzeugt: es bietet großartige, überaus informative und spannende Unterhaltung!
Jeder der historische Romane mag, sollte „Die Fallstricke des Teufels“ unbedingt lesen und ich freue mich schon auf den zweiten Teil – „Die Handschrift des Teufels“

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Spannende und informative Unterhaltung
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c'est trop pour moi

Die Wolkenfischerin von Claudia Winter

Claire, eine junge Französin in Berlin, erhält die Chance auf einen Posten als Chefredakteurin, als der Anruf ihrer Mutter für einige Turbulenzen in ihrem Leben sorgt. Durch einen Unfall ist die Mutter nämlich im Krankenhaus gelandet und niemand kümmert sich um die jüngere, aber auch schon erwachsene, Tochter.

Jetzt ist Claires tatkräftige Hilfe gefordert!

Was an sich nicht problematisch klingt, wird für Claire zu einem großen Problem, denn sie hat ihr aktuelles Leben auf zahlreichen, mehr oder minder dreisten Lügen aufgebaut. Das harmloseste Beispiel für ihre „Schummeleien“, wie es im Klappentext so beschönigend heißt, ist die Tatsache, dass sie keineswegs Pariserin ist, sondern aus Moguériec, einem kleinen bretonischen Fischereihafen, stammt. Dorthin begibt sie sich auch. Diese Reise in ihre Heimat wird zu einer Reise zu ihrer Familie, aber auch zu einer Konfrontation mit ihrer eigenen Vergangenheit, die sie immerhin 19 Jahre lang erfolgreich verdrängt hat.

Als dann ihr Chef in dem beschaulichen Fischerort auftaucht, tut sie alles, um ihre Lügengeschichten aufrecht zu erhalten – mit wahnwitzigen Methoden und wenig Erfolg.
Es soll eine nette kleine Geschichte sein und folglich kann man darauf vertrauen, dass das Happy-End nicht auf sich warten lässt.

Der Stil der Autorin ist angenehm zu lesen, weder übertrieben, noch theatralisch, auch immer wieder mal witzig, weil sie ihren Protagonisten nette Wortschöpfungen in den Mund legt. Wirklich positiv ist das Glossar am Ende des Buches, wo einige Besonderheiten der Bretagne erklärt werden und ein paar recht gute Rezepte finden sich auch!

Es hätte eine hübsche Geschichte über Familie und Liebe, Schein und Sein, über Wünsche und Sehnsüchte werden können. Vielleicht sollte man das Buch als modernes, zauberhaftes Märchen lesen – ohne jeden Realitätsanspruch.
Ich konnte es nicht. Für mich war es Frankreichroman, der nicht von Franzosen geschrieben wurde - voller Klischees, ohne Charme, fade und reichlich vorhersehbar. Wäre ich nicht in einer Leserunde, ich hätte es nach spätestens 100 Seiten weggelegt.
Wahrscheinlich hab ich aber einfach nur schon zu viele dieser Möchte-gern-Frankreich-Romane gelesen und ich bin erwiesenermaßen unromantisch – also äußerst ungeeignet für die Wolkenfischerin. ;-)

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Nichts ist so, wie es auf den ersten Blick erscheint!

Galgenhügel von Tom Finnek

Ellen Gerwing, eine berühmte Schauspielerin, hat gerade einen Flugzeugabsturz überlebt, während ihr Mann dabei umgekommen ist. Was aber hat er ihr knapp vor dem seinem Tod gestanden? Ellen kehrt nämlich daraufhin in den kleinen Ort Ahlbeck zurück, wo sie ihre Kindheit und Jugend verbracht hat. Es ist auch jener Ort, wo vor 16 Jahren ihre Zwillingschwester bei einem verhängnisvollen Unfall am Galgenhügel ums Leben gekommen ist.

Oder war das vielleicht gar kein Unfall? Ellen stellt viele Fragen über Zeit damals. Was konnte sie herausfinden? Als sie nach ein paar Tagen am historischen Galgen erhängt gefunden wird, wird ein tragischer Selbstmord angenommen.

Vieles spricht auch für diese Selbstmordtheorie, aber einige kleine Unstimmigkeiten machen Kommissar Tenbrink doch stutzig. Bald ist er davon überzeugt, dass es gut versteckter Mord war. Damit beginnen spannende Ermittlungen, die die Kommissare und damit auch die Leser auf falsche Spuren lenken, immer wieder verwirren um letztendlich dann doch eine vernünftige Klärung bringen. Es ist eine Geschichte in der eigentlich nichts so ist, wie es auf den ersten Blick scheint!

Nicht nur der Mordfall entwickelt sich interessant – zumindest ebenso spannend ist es, die beiden Ermittler kennenzulernen. Der Autor präsentiert uns hier ein sehr spezielles Duo: ein Kommissar, dessen Vergesslichkeit besorgniserregend wird, der aber trotzdem immer wieder seine großartige Spürnase beweist und sein Kollege Bertram, der zwischendurch gerne mal Kokain schnupft, nicht ganz freiwillig im Münsterland gelandet ist und bei Frauen immer wieder einen eher unglücklichen Geschmack beweist. Die beiden sind trotz (oder vielleicht gerade wegen) aller Eigenheiten sympathisch, oft sogar liebenswert und vor allem ergänzen sie einander recht gut. Aber nicht nur die Kommissare, auch alle anderen Protagonisten werden facettenreich und lebendig geschildert. Der Leser lernt sie und so nach und nach auch ihre Geheimnisse kennen – bis hin zum logischen Ende und einem großartig-bösartigen Cliffhanger!

Ich gebe zu: ich bin kein großer Fan von Regionalkrimis und war zu Beginn ein wenig skeptisch. Aber Tom Finnek hat gezeigt, wie so ein Krimi auch sein kann! Nämlich voller Atmosphäre, mit vielen sprachlichen Feinheiten und regionalen Besonderheiten, aber ohne Klamauk und Klischees. Ein wirklich gelungener Krimi: spannend von der ersten bis zur letzten Seite, kurzweilig mit einigen gut platzierten Überraschungen.
Perfekt für alle, die gerne mitermitteln oder miträtseln!

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Grimms Morde von Tom Finnek


Tanja Kinkel entführt uns ins Kassel des Jahres 1821. Die französische Herrschaft ist erst seit kurzer Zeit Vergangenheit, aber noch lange nicht überwunden. Zensur und Überwachung sind alltägliche Hilfsmittel in den deutschen Fürstentümern. Der Adel genießt seine Privilegien. Frauen hatten sich unterzuordnen.

Es ist die Zeit, in der die Brüder Grimm, Jacob und Wilhelm, ihre Märchensammlungen veröffentlichten (1812 und 1815). Nicht als Märchensammlung für Kinder, sondern zur Wahrung von Volkskultur – schließlich waren sie in erster Linie Sprachwissenschaftler und Volkskundler. Tatkräftig unterstützt wurden sie dabei unter anderem auch von Jenny und Annette Droste-Hülshoff, die einige Geschichten zur Märchensammlung beitrugen. Vielleicht sogar ein wenig zu tagkräftig: denn eine Geschichte, nämlich „Die drei schwarzen Prinzessinnen“, wurde von ihnen sogar extra für diese Sammlung verfasst.
Als dann eine ehemalige Mätresse des Kurfürsten grausam ermordet wird und ein Zitat aus besagtem Märchen bei der Toten gefunden wird, gerät Jacob Grimm ins Visier der Ermittler. Die Schwestern Droste-Hülshoff reisen sofort nach Kassel um die Brüder Grimm zu entlasten. Natürlich in Begleitung eines männlichen Verwandten – um den gängigen gesellschaftlichen Normen zu entsprechen. Kurze Zeit später stirbt auch noch ein wenig hoffnungsvoller Dichter. Nach einigermaßen komplizierten und verwirrenden Ermittlungen decken die vier Protagonisten natürlich die Geheimnisse rund um diese beiden seltsamen Morde auf.
Und so interessant und verzwickt die Tätersuche auch sein mag, sie tritt in den Hintergrund, denn viel spannender und unterhaltsamer ist die Schilderung der Zeit, ihrer Sitten, Moralvorstellungen und Vorurteile. Ein Sittenbild, das dem Leser ein lebensnahes und vielschichtiges Bild jener Zeit präsentiert.
Die einzelnen Personen werden geschichtlich korrekt und liebevoll charakterisiert, so haben sie alle ihre Fehler und Schwächen. Vor allem eine prägende und traumatisierende Episode aus dem Leben von Annette steht im Mittelpunkt vieler Gespräche und Gedanken. Genau diesen klugen und manchmal scharfzüngigen Gesprächen zu folgen, war wirklich ein spezieller Genuss!
Die Sprache des Buches ist in vielen Teilen eine Annäherung an die Sprache der Zeit – anfangs nicht ganz einfach zu lesen, aber wunderschön und nach ein paar Seiten ist man fast schon süchtig danach!
Denn Tanja Kinkel versteht es, Fiktion und historische Fakten gekonnt zu einem spannenden, informativen und großartig lesenswerten Roman zu verweben. Es ist sicher kein Buch, das irgendwie nebenher gelesen werden kann, aber die kleine Anstrengung wird wirklich belohnt!
Es ist für mich sicher eines der besten Bücher des heurigen Jahres!

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Grimms Morde von Tom Finnek

Ausgerechnet bei der Hochzeit von Jugendfreunden erfährt Max, dass seine Verlobte Sarah ihn schon lange mit seinem eigenen Bruder Tobias betrügt. Er zieht die Konsequenzen und setzt sie sofort vor die Tür. Gleichzeitig bricht er jeden Kontakt zu seinem Bruder ab.

2 Jahre später sind die beiden jedoch gezwungen mehrere Tage gemeinsam in ihrem Elternhaus zu verbringen.

Die Clique von früher trifft sich wieder und dabei stellt sich heraus, dass niemand genau weiß, wo Sarah die letzten beiden Jahre verbracht hat. Aber ihr Koffer wird im Wald gefunden und nun ist tatsächlich klar, dass sie vermisst wird. Anonyme Botschaften per SMS, Gerüchte und Vermutungen machen die Runde und als noch eine weitere junge Frau aus dieser Gruppe tot aufgefunden wird, geraten Max und sein Bruder rasch ins Visier der Ermittler.

Mit den beiden Kommissaren Jenny und Leo hat Petra Johann ein Duo geschaffen, das weder supercool, noch frei von Fehlern agiert, aber sympathisch, herzlich und engagiert die Ermittlungen vorantreibt. Und diese gestalten sich wirklich kompliziert – denn abgesehen von aktuellen Ereignissen, wird die Vergangenheit aufgearbeitet.

Es ist eine gut durchdachte Geschichte, in der zahlreiche komplexe Beziehungen aufgezeigt und von den Ermittlern entwirrt werden müssen. Dazu kommen Überraschungen und unerwartete Zeugen, die Jenny und Leo und damit auch den Leser dazu zwingen, alles mehrfach komplett neu zu überdenken.

Spannung von der ersten bis zur letzten Seite und eine logische Auflösung garantieren wirklich gute Krimiunterhaltung! Bitte mehr davon!

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