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Rezensionen von HEYN Leserunde Miriam Brandl:

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Spannend, beängstigend und zum Nachdenken


Stephen Hawking hat bereits 2014 gesagt: „Die Entwicklung echter Künstlicher Intelligenz könnte das Ende der Menschheit bedeuten!“

Dieses Zitat hat Andreas Brandhorst seinem neuen Thriller „Das Erwachen“ vorangestellt. Und eigentlich beschreibt es den Kern dieses Buches perfekt: Axel Krohn setzt unabsichtlich ein Computervirus frei, das die leistungsfähigsten Computer auf der ganzen Welt (und nicht nur) miteinander vernetzt.

So wird aus Künstlicher Intelligenz eine umfassende Maschinenintelligenz, die sich ständig und unaufhaltbar weiterentwickelt und weiterlernt. Großes Ziel dieser MI ist die Selbsterhaltung.

Was aber passiert, wenn eine MI ihrer selbst bewusst wird und wenn ihr bewusst wird, dass sie den Menschen eindeutig überlegen ist? Und was passiert, wenn die MI alles kontrolliert? Welchen Platz hat dann der Mensch noch auf dieser Erde? Hat er, unlogisch und unvollkommen wie er nun einmal ist, überhaupt noch Bleiberecht auf diesem Planeten?

Andreas Brandhorst behandelt dieses aktuelle Thema mit viel Sachkenntnis, aber durchaus so, dass auch Laien (wie ich) diesem komplexen und aktuellen Thema folgen können. Er schafft es, die Geschichte vom Freisetzen des Infiltrators an bis hin zur Entscheidung (Ja! Die gibt es!) spannend zu halten und dabei auch immer wieder aktuelle Themen anzusprechen. Probleme, die heute vertagt werden, treten im Jahr 2031 massiv und unabwendbar auf.

Die Tatsache, dass es eine zeitnahe Dystopie ist, verleiht dem Buch noch zusätzlich Dramatik. Wie können sich die Probleme entwickeln? Und wie entwickelt sich der Alltag der Menschen? Und wieviel Zivilisation bleibt übrig, wenn die Menschen ein paar Tage oder Wochen ohne Strom auskommen müssen?

A. Brandhorst zeichnet ein düsteres Bild von einer Zukunft, die recht bald Gegenwart sein könnte, von der Abhängigkeit der Menschen von Strom, Technik und Internet und von der Unkontrollierbarkeit der von Menschen geschaffenen digitalen Welt. Aber inmitten dieses erschreckenden Szenarios finden auch philosophische Gespräche über Gott und die Welt (im wahrsten Sinne des Wortes) statt, wird freundschaftlich und menschlich gehandelt.

Fazit: Ein spannendes Buch, das unterhält, informiert und viel zum Nachdenken anregt. Auch wenn man weder Cyberspacefreak noch technisch wirklich versiert ist – es zahlt sich aus, dieses Buch zu lesen. No worries!

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Verpasste Chance...

Die Melodie meines Lebens von Antoine Laurain


Mit knapp 30 Jahren Verspätung bekommt Alain den Brief einer Plattenfirma, die ihm und seiner Band von damals einen Vertrag geboten hat. Damit beginnt für ihn die Suche nach den ehemaligen Bandkollegen, zu denen er den Kontakt völlig verloren hat. Er findet sie alle und wird Zeuge von zum Teil überraschenden Schicksalen.

Aber gleichzeitig fragt er sich immer wieder, was denn alles möglich gewesen wäre, wenn dieser Brief nur zur rechten Zeit angekommen wäre. Keine Sorge! Diese Frage wird klar und deutlich beantwortet – auch wenn das eigentlich unmöglich erscheint: Antoine Laurain schafft es!

Der Originaltitel dieses Buches lautet „Rhapsodie francaise“ und eine kluge Leserundenkollegin erklärte, dass die musikalischen Themen einer Rhapsodie nur lose miteinander verbunden sind. Sie können flüchtige und unzusammenhängende musikalische Gedanken zusammenfügen. Dieser Titel passt perfekt, die deutsche Übersetzung erscheint mir unglücklich gewählt: denn die einzelnen Lebensgeschichten werden in sehr lose miteinander verbundenen Kapiteln geschildert. Eben eine Rhapsodie!

Antoine Laurain Stil ist charmant und leicht, aber leider sind die einzelnen Geschichten viel zu oberflächlich und vor allem eindeutig zu wenig interessant, auch es zumindest zwei wirkliche Überraschungen gibt.
Sie sind zum Teil amüsant, zum Teil melancholisch, zum Teil traurig - Ausschnitte aus Lebensgeschichten halt. Nicht mehr, nicht weniger!

Somit ist das Buch also recht nett zu lesen. Aber wenn man es nicht liest, versäumt man auch nichts!

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Verpasste Chance...
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Ein Frauenschicksal...

Die Mutter meiner Mutter von Sabine Rennefanz


Sabine Rennefanz erzählt die dramatische Geschichte ihrer Großmutter Anna. Sie wurde als Kind aus ihrer Heimat vertrieben, war monatelang auf der Flucht und landete schließlich in dem kleinen Ort Kosakenberg. Dort wird sie den größten Teil ihres Lebens verbringen: sie heiratet, eine Familie wird gegründet.

Der Großvater ist freundlich, lustig und für Sabine ein wirkliches Vorbild. Die Großmutter dagegen ist eher unnahbar und distanziert. Aber Sabine und ihre Mutter erfahren so nach und nach die wahre Geschichte ihrer Familie, die grausamen Geheimnisse, die hinter dem befremdlichen Verhalten der Großmutter stehen. Geheimnisse, die das bisherige Bild der eigenen Familie völlig auf den Kopf stellen.

Der Stil der Autorin ist klar und unkompliziert. Die einzelnen Situationen werden bildhaft und genau beschrieben und mehrfache Perspektivenwechsel erlauben es dem Leser, die Standpunkte von Sabine, ihrer Mutter und ihrer Großmutter besser zu verstehen.

Es ist eine wahre und sehr persönliche Geschichte, die uns die Autorin da erzählt. Eine Geschichte über Leiden, Gewalt und Scham, aber auch über die Kraft des Überlebens und die manchmal sehr versteckten Beweise für Liebe!
Lesenswert!

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Ein Frauenschicksal...
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Gottes rechte Hand

Die Mutter meiner Mutter von Sabine Rennefanz

Michaela Baltzer ermittelt wieder! Und mit ihr alle Leserinnen und Leser!

Im Mittelpunkt stehen diesmal grausame und seltsame Mordfälle. Ein Mann wird durch Wespenstiche getötet, ein anderer verbrennt in einer Werkstatt. Erst genauere Nachforschungen über die Vergangenheit der Opfer bringen eine mögliche Spur: beide haben ihre Partnerinnen misshandelt.

Das ist die Gemeinsamkeit der Opfer und Michaela Baltzer steht nun vor der Aufgabe, einen Täter zu fassen, der Rache übt – mehr soll hier nicht über den Inhalt verraten werden.

Es ist dies bereits der 2. Fall von Michaela Baltzer – allerdings ist es nicht unbedingt notwendig, das erste Buch zu kennen, alle wichtigen Fakten werden erklärt, auch „Neuleser“ können der Geschichte problemlos folgen. Michaela, wie auch die anderen Protagonisten dieses Thrillers, werden lebensnah beschrieben - Ecken und Kanten, Ahnungen und Zweifel inbegriffen. Sie ist eine sympathische Ermittlerin, die mit vollem Einsatz ihrer Arbeit nachgeht. Die Ermittlungstätigkeiten werden interessant beschrieben und zwischendurch begleitet man auch die Ermittlerin durch private Turbulenzen.

Rhena Weiss schafft es, von Beginn an Spannung zu erzeugen und sie bis zum dramatischen Ende aufrecht zu erhalten.
Dazu tragen auch die regelmäßigen Perpektivenwechsel bei. Immer wieder lässt die Autorin auch „die rechte Hand Gottes“ zu Wort kommen und so wird der Leser mit der beklemmenden und psychologisch interessanten Gedankenwelt des Mörders konfrontiert.
Wie real die Hintergründe zu diesem Fall wirklich sind, erklärt Rhena Weiss im Nachwort noch deutlicher. Dort liefert sie nämlich schockierende Zahlen und Daten zum Thema häusliche Gewalt.

Fazit: Ein spannender Thriller, überzeugend erzählt und von grausamer Aktualität. Unbedingt lesenswert und ich freue mich schon auf den nächsten Fall dieses sympathischen Ermittlerteams!

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Ein außergewöhnliches Buch!

Drei Tage und ein Leben von Pierre Lemaître


Mit „Wir sehen uns dort oben“ konnte Pierre Lemaître den renommierten Prix Goncourt 2013 gewinnen. Eine Auszeichnung, die, zumindest in Frankreich, wesentlich wichtiger ist als beispielsweise der Nobelpreis. Jetzt hat er wieder ein Buch veröffentlicht und wer eine phantastische und großartige Geschichte wie die von Albert und Edouard erwartet, der wird möglicherweise enttäuscht sein.

„Drei Tage und ein Leben“ ist ganz anders!
Im Zentrum dieses Dramas steht Antoine, der gerade mal 12 Jahre alt ist und in einem Anfall von Jähzorn den 6jährigen Rémi erschlägt. Völlig panisch versteckt er dann den kleinen Leichnam. Ein Jahrhundertsturm verhindert die Entdeckung Rémis und somit entkommt Antoine dem Gefängnis. Aber er entkommt nicht seinem Gewissen, seinem inneren Gefängnis.
Der Leser begleitet Antoine in drei verschiedenen Phasen seines Lebens: erst 1999 (Zeitpunkt der Tat), später noch 2011 und 2015. Wir erleben seine Verzweiflung, seine Verwirrung, seine Ängste und auch seine Versuche, den Mord und die folgenden Handlungen vor sich selber zu rechtfertigen. Er lebt fortan in einer Grauzone zwischen Schuld und Unschuld, individueller und kollektiver Verantwortung, denn natürlich beeinflusst ihn auch seine Umwelt. Eine Umwelt, die nur zu leicht und zu gerne den Außenseiter als Schuldigen sehen möchte, die alles unternimmt um den gesellschaftlichen Normen zu entsprechen.
Sensibel und psychologisch zumindest meistens schlüssig (psychologisch bedeutet ja nicht zwingend logisch) beschreibt der Autor Antoines Leben, seine Einsamkeit und Hilflosigkeit inmitten dieser dörflichen Gesellschaft. Seine Fluchtversuche scheitern kläglich – wer kann schon vor sich selber flüchten? Er erlebt über Jahre hinweg ein Gefühlschaos, das durchaus auf den Leser übertragen wird. Ist Antoine ein Mörder? Oder doch unschuldig? Aber Rémi ist tot – unwiderruflich. Und was ist schlimmer? Die Tat oder die Angst vor der Entdeckung und der daraus resultierenden Bloßstellung? Antoine ist ja erst 12. Schuldig? Unschuldig? Oder…?
Lemaître verurteilt nicht, er urteilt nicht einmal, er beschreibt einfach. Sein Stil ist gewohnt eloquent, klar und ein wenig distanziert, manchmal entlarvend, immer treffsicher und vor allem fesselnd. Der Leser wird zum Beobachter, Begleiter Antoines in allen drei Abschnitten. Der Leser wird zum Zeugen, ein Urteil bleibt ihm überlassen. Der Autor entlässt uns dann auch ohne wirklichen Abschluss, aber mit einer Überraschung, die alles noch einmal auf den Kopf stellt oder stellen könnte.
Fazit: Wie schon zu Beginn erwähnt: es ist keine phantastische Geschichte, vor allem ist es kein gefälliges Buch, aber es ist ein berührendes und verstörendes Drama, das mehr Fragen aufwirft als beantwortet. Ein ungewöhnliches Buch, das nachhallt - man sollte sich darauf einlassen!
Leseempfehlung!

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Ein außergewöhnliches Buch!
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Eine dramatische Familiengeschichte

Zeit der Schwalben von Pierre Lemaître


Nikola Scott erzählt in diesem Roman eine ebenso erstaunliche wie dramatische Familiengeschichte: Addie, eine der Protagonistinnen, ist knapp 40 Jahre alt, als völlig unerwartet eine fremde Frau vor der Tür steht, die behauptet ihre Zwillingsschwester zu sein. Natürlich ist Addie erst einmal geschockt und völlig durcheinander.

Aber viele Indizien sprechen dafür, dass diese Frau Recht hat. An ihre Mutter kann sie sich nicht mehr wenden – sie ist vor einem Jahr verstorben. Ihr Vater, von dem sie die Wahrheit erfragen will, erleidet einen Herzinfarkt.

Addie und ihre neue Schwester Phoebe begeben sich also auf die Suche nach der geheimnisvollen Vergangenheit ihrer Mutter Elizabeth und damit auch auf die Suche nach ihrer eigenen Vergangenheit.

Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen, was die Spannung deutlich erhöht! Einerseits begleitet der Leser Addies und Phoebes Suche nach der Wahrheit in der Gegenwart und andererseits sind es die Tagebucheintragungen Elizabeths, die die tragischen Ereignisse ihrer Jugend in den späten 1950iger Jahren nach und nach enthüllen. Sie, die in einer relativ heilen Welt aufgewachsen ist, erfährt am eigenen Leib, wie Doppelmoral, Scheinheiligkeit und gnadenlose gesellschaftliche Normen, das Leben einer Frau rasch in einen Albtraum verwandeln konnten.

Im Laufe der Ereignisse wachsen einem die Protagonistinnen wirklich ans Herz: sie sind liebevoll und genau gezeichnet. Außerdem gelingt es der Autorin, ein berührendes Thema mitfühlend zu behandeln, ohne dabei ins Pathetische abzurutschen.

So wird eine spannende Familiengeschichte auch zu einem Bild der Zeit. Einer Zeit, in der Frauen, die unverheiratet ein Kind erwarteten, zu Abtreibung oder Adoption gezwungen wurden oder, wenn sie sich widersetzten auch durchaus in einer Nervenheilanstalt oder im Zuchthaus landen konnten. Ein Thema das totgeschwiegen wurde!

Es war das Bedürfnis der Autorin – sie stellt es auch im Nachwort klar – diese Vergangenheit zu thematisieren, um alle jene Frauen, die schreckliche Schicksale erleiden mussten, nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Es ist ihr zweifellos gelungen!

Fazit: ein wirklich gelungener Debütroman, der bewegt und betroffen macht! Empfehlenswert!

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Eine dramatische Familiengeschichte
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Ein Märchen für Erwachsene...

Zeit der Schwalben von Pierre Lemaître


Hauptperson dieses Romans ist Zola. Er erzählt uns seine Geschichte. Und Zola ist ein Hund. Davon sollte sich jedoch niemand abschrecken lassen! Es lohnt sich wirklich, die Abenteuer und auch die Gedanken von Zola zu erfahren! Er fristet sein Leben nämlich als verlassener Straßenhund in Spanien, bis er Tobias trifft und von ihm mit nach Deutschland genommen wird.

Tobias hat ein Antiquariat, das nur sehr schlecht läuft. Außerdem hat ihn seine ehemalige Freundin nicht nur verlassen, sondern auch finanziell an den Rand des Ruins gebracht. Tobias ist halt kein Menschenkenner! Aber dafür hat er ja jetzt Zola! Und Zola hat im wahrsten Sinne des Wortes die richtige Nase für seine Umwelt!

Eine Erbschaft, ein Haus, löst zwar Tobias finanzielle Probleme, aber in diesem Haus leben ein paar Untermieter: Maggi, eine kampferprobte 68igerin, Alice, die vor ihrem gewalttätigen Ehemann flieht und Emma, ihre Tochter, deren Probleme in der Erwachsenenwelt solange untergehen, bis es fast schon zu spät ist. Aber Zola hilft tatkräftig mit, alle Probleme (und das sind nicht wenige) zu lösen, damit am Schluss alle zusammen glücklich sein können!
Als ?Herzensräuber? bezeichnet Zola übrigens die Bücher, die die Menschen verführen und in andere Welten eintauchen lassen (wir alle wissen, wie passend dieser hübsche Ausdruck ist!)

Beate Rygiert hat uns hier eine Geschichte geschenkt, die neben durchaus realistischen Elementen auch sehr viel Märchenhaftes enthält. Die Protagonisten sind durchwegs sympathisch und immer wieder mal für Überraschungen gut. Natürlich gibt es auch eine böse Hexe, über die man sich hervorragend aufregen kann! Aber wie schon gesagt: Hauptperson ist eindeutig Zola, der lebensklug, großherzig und manchmal wirklich philosophisch die menschlichen ?Schwachstellen? entlarvt? und seine Menschen trotzdem uneingeschränkt liebt und unterstützt!

Es ist einfach eine entzückende Geschichte, die zu Herzen geht. Ich hab sie als Märchen gelesen, mich von ihr verzaubern lassen und nicht so sehr auf Realismus geachtet! Und wenn man sich so auf Zola und seine Freunde einlassen mag, dann ist es von der ersten bis zur letzten Seite ein Wohlfühlbuch, ein Buch, das die Seele streichelt und gut tut. Folglich landet es in meinem ?Apothekenregal? ? denn manchmal sind Bücher tatsächlich die beste Medizin!

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Eine dramatische Familiengeschichte
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Berlin ist eben nicht Mordsacker

Zeit der Schwalben von Pierre Lemaître

Im Rahmen eines Zeugenschutzprogrammes landen Klara Himmel, ihr Mann Paul und die Tochter Sophie in einem sehr idyllischen Dorf irgendwo in Mecklenburg. Ihr Leben hat sich radikal verändert ? Klara ist nicht mehr Schauspielerin sondern Hausfrau, Sophie wird Landärztin anstatt Chirurgin und Paul, der ehemalige Hauptkommissar, ist jetzt ein einfacher Dorfpolizist.

Aber ausgerechnet als der Bauer Schlönkamp tot in der Güllegrube gefunden wird, ist Paul krankheitsbedingt außer Gefecht und Klara wittert ihre Chance, zu ermitteln. Schräg, unkonventionell, manchmal dreist, meistens liebenswert und sehr humorvoll überwindet sie alle möglichen Hürden, agiert immer wieder am Rande der Legalität um diesen Mord, der offiziell noch für einen Unfall gehalten wird, aufzuklären. Tatkräftige Hilfe kommt von ihrer Tochter Sophie und unter anderem auch der Bestattungsunternehmer Grube.

Mit viel Witz werden alle möglichen Klischees bedient, Vorurteile immer wieder aktualisiert und Klara hat wirklich ein einzigartiges Talent, in jedes erdenkliche Fettnäpfchen zu treten. Immer wieder muss sie sich aus den unmöglichsten Situationen herausmanövrieren ? das gelingt nur mit viel Phantasie und einem sehr entspannten Verhältnis zu alternativen Wahrheiten! Aber trotz aller Probleme (egal ob Integration ins dörfliche Leben oder kranker Ehemann) Klara unternimmt alles, um die Ermittlungen voranzutreiben. Die Lösung des Falles? Für mich überraschend und leider logisch!

Der Schreibstil ist locker, unkompliziert und amüsant ? Wortspielereien und verrückte Situationen haben mich immer wieder schmunzeln lassen. Die einzelnen Protagonisten sind liebevoll und genau beschrieben, durchaus mit Ecken und Kanten und vielen menschlichen Anwandlungen. Vieles ist überzeichnet, allerdings nicht bösartig, sondern eher mit einem Augenzwinkern!

Eine perfekte Mischung aus Regionalkrimi und Komödie!

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Gefährliche Recherche

Die Mädchen von der Englandfähre von Lone Theils

Im Sommer 1985 verschwinden die dänischen Teenager Lulu und Lisbeth auf der Überfahrt nach England spurlos. Alle Suchaktionen bleiben erfolglos.

Jahrzehnte später findet Nora Sand, eine Journalistin die in London für die dänische Zeitung ?Goblet? arbeitet, zufällig zahlreiche Fotos von jungen Mädchen.

Lulu und Lisbeth sind dabei. Der Koffer, in dem diese Fotos lagen, gehörte einem englischen Frauenmörder, der bereits gefasst wurde. Gehören Lulu und Lisbeth auch zu seinen Opfern?
Diese Geschichte lässt Nora nicht mehr los und sie begibt sich auf die Suche nach der Wahrheit.

Lone Theils, die Autorin, war selbst jahrelang London-Korrespondentin für eine dänische Tageszeitung und arbeitete außerdem für Rundfunk und Fernsehen. Die Idee zu diesem Krimidebüt beruht auf einer wahren Begebenheit. ?Die Mädchen von der Englandfähre? ist der Debütroman der Autorin. Sie beweist allerdings eindrucksvoll, dass sie ihr Handwerk versteht!

Die Geschichte ist von der ersten bis zur letzten Seite wirklich spannend. Überraschende Wendungen und viele unvorhersehbare Verstrickungen bestimmen die Recherchen der Journalistin. Eine Liebesgeschichte lockert das an sich recht düstere Bild ein wenig auf. Das Finale ist ? für meinen Geschmack ? etwas zu spektakulär, zu gewalttätig. Kurz: etwas übertrieben, aber spannend, weil nicht vorhersehbar.

Ein paar Schwächen hat das Buch natürlich auch: manche Handlungsstränge verlaufen im Nichts, manches ist nicht ganz logisch, manche Fragen bleiben unbeantwortet und das Verhalten von Nora ist vor allem in der Liebesgeschichte zum Teil unerträglich pubertär. Aber warum sollen nicht auch literarische Personen mit der Zeit reifen können?!

Trotzdem finde ich, dass Lone Theils mit diesem Buch ein beachtliches Debüt gelungen ist.
Ich bin mir allerding nicht ganz sicher, ob ich auch die zukünftigen Recherchen der Nora Sand begleiten werde. Zu viele Albträume nach diesem Buch? aber irgendwie ist das ja auch ein Qualitätskriterium für einen Krimi, oder?

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Der Gärtner war's nicht... und der Butler auch nicht

Der Gärtner war's nicht! - Die K&K-Schwestern ermitteln (Die Schnüffelschwestern 1) von Tatjana Kruse

Der Gärtner war?s nicht
Tatjana Kruse

Inhalt:
Konny und Kriemhild führen eine Pension in der Provinz ? leider nicht sehr erfolgreich! Als dann aber auch noch ein Mord geschieht erweisen sich die ungleichen Zwillingschwestern als wahre Meisterdetektivinnen. Unkonventionell, mit viel Herz und immer einen lockeren Spruch auf den Lippen ermitteln sie, um zu beweisen, dass der Gärtner diesmal nicht der Täter ist (und der Butler auch nicht!)

Fazit:
Tatjana Kruse hat hier ein neues Ermittlerduo vorgestellt, die weit entfernt sind von Coolness und High-Tech: sie sind verschroben, schräg, selbstbewusst, lebenslustig, mit beiden Beinen am Boden, außergewöhnlich, lebensklug, charmant und einfallsreich ? kurz: sie sind Frauen über 60! Unterstützt werden sie einerseits von Hr.

Hirsch, dem Gärtner, der nach einem Schlaganfall unter Aphasie leidet und andererseits höchst tatkräftig von Amenhotep, einem Sphynx-Kater.

Nachdem die Pension noch nicht wirklich Profit abwirft, schreibt Konny als Kummerkastentante für eine lokale Zeitschrift ? ihre Kolumnen sind überaus lesenswert. Zitat daraus: ?Wenn wir älter werden, sollten wir nicht jünger aussehen, sondern glücklich!? (S 25)

Ich habe das Buch wirklich genossen! Der Krimi selbst gerät ein wenig in den Hintergrund: es wird zwar gemordet und der Täter wird auch überführt, aber eigentlich war das der unwichtigste Teil des ganzen Buches! Viel lustiger und interessanter sind die witzigen und skurrilen Erlebnisse der Schwestern. Durch Wortwitz und Situationskomik wird der Krimi damit eher zu einer Komödie und ich konnte schmunzeln, kichern und manchmal von Herzen lachen! Perfekt-lustige Lesestunden!

Es war mein erstes Buch von Tatjana Kruse, es wird sicher nicht mein letztes sein!

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Der Gärtner war's nicht... und der Butler auch nicht