Kunden em pfehlungen
Rezensionen von HEYN Leserunde Miriam Brandl:
Kein Thriller....
A Simple Favor - Nur ein Gefallen von Darcey Bell
Das Cover ist ansprechend, der Klappentext vielversprechend.
Es handelt sich hier um den Debutroman von Darcey Bell. Das Grundgerüst der Geschichte ist zwar nicht mehr ganz neu, aber eigentlich eine solide und sichere Voraussetzung für spannende Lesestunden.
Leider konnte dieses Buch die Erwartungen nicht erfüllen.
Die Geschichte dümpelt erst vor sich hin, gewinnt zwischenzeitlich gut an Spannung um dann am Schluss wieder seicht dahin zu plätschern.
Die Autorin erzählt die Geschichte aus drei verschiedenen Standpunkten. Stephanie, Emily und Sean kommen abwechselnd zu Wort. Dieser stilistische Trick hat mir sehr gut gefallen, hat es auch aufgelockert (weil Stephanie schrecklich nervig war) und so hätte man auch die einzelnen Personen, ihre Persönlichkeit, ihre Motivation besser kennen lernen. Könnte man ? wenn diese Personen irgendetwas davon hätten! Haben sie aber leider nicht: sie bleiben eindimensional, schablonenhaft, auf ihr Minimum reduziert. Stephanie ist naiv und nervig, sie stolpert dumm plappernd durch die Geschichte, Emily ist psychisch krank und gewaltbereit, immer auf der Suche nach ?Lebensintensität? und Sean ist farblos und fade. Alle drei sind wirklich unsympathisch.
Dazu kommt noch, dass die Geschichte zeitweise wirklich ins Unglaubwürdige abrutscht und alles in allem viel zu wenig überraschende Wendungen nimmt. Und ein guter Thriller, überhaupt eine gute Geschichte sollte den Leser doch auch überraschen können, oder?
Alles ist Illusion...
A Simple Favor - Nur ein Gefallen von Darcey Bell
M Atwoods brillanter Roman ist eine einzige Verneigung vor dem großen Bühnenmagier Shakespeare. Mit der Figur des Theaterdirektors Felix hat die Grande Dame der kanadischen Literatur ein würdiges Pendant zu Shakespeares Prospero aus Der Sturm geschaffen, jenes Zauberers, der als Selbstporträt des alternden Barden aus Stratford-upon-Avon gilt.
Soweit der Umschlagtext.
Felix, ein begnadeter Theaterdirektor, möchte bei dem Festival in Makeshiweg Shakespeares "Sturm" inszenieren mit sich selbst in der Rolle des Prospero. Dazu kommt es aber nicht mehr: eine Intrige seines engsten Mitarbeiters Tony führt dazu, dass Felix seine Arbeit verliert und sich völlig zurückzieht.
Er verbringt lange Jahre vereinsamt in einer abgelegenen, schäbigen Hütte, sinnt auf Rache, verfolgt die Erfolge seiner Widersacher (Genial der Begriff: Schnüffelkobold Google!), lebt in einer Phantasiewelt mit seiner Tochter Miranda, die bereits im Alter von 3 Jahren verstorben ist.
12 Jahre später bekommt er die Möglichkeit Shakespeares Sturm zu inszenieren und zwar im Rahmen eines Bildungsprogrammes in einem Gefängnis. Dort nennt er sich dann übrigens logischerweise Mr. Duke. Und durch Zufall bekommt er auch die Möglichkeit zur Rache. Und darum geht es doch in Shakespeares Sturm: um Rache. Aber eben auch um Vergebung. Und seine Rache ist eines Theatermenschen würdig.
M. Atwood erzählt uns Shakespeares Sturm neu: in einem akutellen Umfeld, in moderner Sprache und trotzdem ist es Shakespeare. Denn sie schafft es, uns dieses Werk gleich mehrfach näher zu bringen: einerseits erlebt ja Felix das Schicksal des Prospero, nämlich Verrat und Verbannung. Andererseits inszeniert Felix dieses Stück mit den Gefangenen. Er erarbeitet das Werk mit den Häftlingen und der Leser lernt mit: Ariel, Prospero, Miranda und alle anderen werden lebendig dargestellt, in Frage gestellt und neu interpretiert. Man lernt sie neu und anders kennen und vor allem - wenn das nicht schon vorher der Fall war - schätzen. Giftiger Pesthauch! Shakespeare ist zwar schon 401 Jahre tot, aber immer noch wirklich aktuell!
Das Buch ist spannend, modern und auch informativ, eine wirklich gelungene Umsetzung im Rahmen des Hogarth Shakespeare Projekt. Man muss Shakespeares Sturm nicht unbedingt kennen, aber es erhöht den Genuss und die Spekulationslust! Eine 100%ig gelungene Hommage an Shakespeare und ein interessanter Lesegenuss!
Das große kleine Glück...
A Simple Favor - Nur ein Gefallen von Darcey Bell
Madame Cléo und das große kleine Glück
Madame Cléo ist ein ehemals erfolgreiches Model aus Paris. Sogar für Coco Chanel ist sie gelaufen. Das ist allerdings schon ein paar Jahre her? Jetzt lebt sie etwas zurückgezogen in Berlin. Eine Mieterhöhung stellt sie vor große finanzielle Probleme ? Untermieter werden gesucht.
Adamo und seine Tochter Mimi sind aber wesentlich mehr als nur Untermieter: sie werden für Mme Cléo eine neue Familie.
Aber neben dieser neuen Familie spielen ein Rucksack voller Geld, Coco Chanel, Gute Feen, Vogelkäfige, untalentierte Französischschüler, Sternenstaub, freundliche Engel, ein muskulöser Engel, Chanel No 5, 13. Feen, die nicht siezen und vieles mehr eine Rolle!
Tanja Wekwerth beschreibt die einzelnen Charaktere und Situationen liebevoll und genau ? von der ersten Seite an lebt und fiebert man mit dieser Wohngemeinschaft mit. Die Freude, mit der sie diesen Roman geschrieben hat, ist zwischen die Zeilen gerutscht und der Leser wird sofort angesteckt!
Und alles zusammen ergibt ein zauberhaftes Großstadt-Märchen, das zu Herzen geht, unterhält und amüsiert, nachdenklich macht und vor allem verzaubert und charmant-liebevolle Lesestunden garantiert! Eine eindeutige Leseempfehlung!
Wem kann man vertrauen?
A Simple Favor - Nur ein Gefallen von Darcey Bell
"Black Memory"
Clare, eine junge Ärztin und die Hauptperson dieses Thrillers, leidet an Amnesie. So kann sie sich zwar an Fachliches erinnern, nicht jedoch an ihren Mann und ihre Tochter. Damit beginnt ihre Suche nach der Wahrheit. Wem kann sie vertrauen, wer belügt sie und welche Ziele verfolgen die einzelnen Personen in ihrer Umgebung? Welcher Mittel bedienen sie sich? Wo ist ihre Tochter? Was hat es mit der speziellen Begabung ihrer Tochter auf sich? Und nicht zuletzt: Wer ist sie selbst wirklich?
Der Roman ist aus der Sicht Clares in Ich-Form geschrieben ? der Leser ist also sofort mitten im Geschehen.
Mit Clare gemeinsam zweifelt und hinterfragt der Leser, vertraut und misstraut um dann die eigene Meinung doch wieder komplett zu revidieren. Und das gleich mehrmals im Laufe der 381 Seiten.
Die einzelnen Kapitel sind kurz und knapp, der Schreibstil flüssig und gut lesbar und von Anfang bis zum Ende wirklich spannend und nachvollziehbar!
Eine temporeiche Geschichte, die aber auch viel Stoff zum Nachdenken liefert, denn Janet Clark thematisiert hier auch Möglichkeiten der Technik und Wissenschaft, andere Menschen zu manipulieren, Erinnerungen zu verändern, mittels Gentechnik Menschen sogar neu zu gestalten, zu ?verbessern? - eine gelungene Mischung aus Thriller, Psychothriller und ein klein wenig Scifi (hoffe ich wenigstens).
Auch wenn man kein Verschwörungstheoretiker ist ? man kommt ins Grübeln: Was vor 100 Jahren noch utopisch erschien, ist für uns heute Alltag.
Gruselig, was so in einigen Jahren zum Alltag werden könnte!
Auf alle Fälle hoffe ich auf eine Fortsetzung!


