Kunden em pfehlungen
Rezensionen von liesmal:
Familiengeheimnis im Dunkel
Die Freiheit der Libelle von Helene Mathà
„Die Freiheit der Libelle“ hat etwas in mir angefacht, wie ich es noch nie erlebt habe, obwohl ich sehr viel lese. Nach nur wenigen Tagen Pause hatte ich das Bedürfnis, das Buch noch einmal zu lesen. Einfach aus dem Grund, weil es so wunderbar geschrieben ist. Wie Maria in dem kleinen Bergdorf ankommt, welche Kälte sie mit Ausnahme ihrer Zimmerwirtin von den Menschen des Dorfes zu spüren bekommt, ist schrecklich.
Wie sie Eva kennenlernt, was die beiden zusammen erleben und wie sie zu Freundinnen werden, steckt voller Herzenswärme und berührt mich tief.
Allerdings gibt es neben dieser bewegenden Freundschaftsgeschichte noch eine andere Seite, die weit weniger schön ist. Maria ist in das Bergdorf in Südtirol gereist, um etwas über ihren verstorbenen Vater zu erfahren, der hier im Zweiten Weltkrieg als Arzt gearbeitet hat. Auf ihre Fragen hat Marias Mutter bisher nur mit Schweigen geantwortet, die Leute aus dem Dorf zeigen mit ihrer abweisenden Art, dass sie hier nicht willkommen ist. Nur den Grund erfährt Maria nicht.
Das Buch, das sich hauptsächlich mit den Kriegs- und Nachkriegsjahren in Südtirol beschäftigt, hat mich an einen Ort und in eine Zeit geführt, die für mich ganz neu ist. Darum habe ich mich gefreut, im Nachwort noch nähere Informationen zu den Besonderheiten dieser Region zu bekommen.
Meine Empfehlung für diese Geschichte gebe ich aus vollem Herzen.
Rezensionen von Harakiri:
Anton Brekke
Racheglut von Jan-Erik Fjell
Nach einer beruflichen Verfehlung wird Brekke zurück in den Streifendienst versetzt. Das ist alles andere als das, was ihm gefällt. Und so nutzt er die Gelegenheit, nach einem Mord an einer Frau, sein Können und Wissen erneut unter Beweis zu stellen und so zurück zur Kripo zu kommen. Und der Fall ist alles andere als einfach.
Hier ist Brekke gefragt wie nie.
Gleich vorweg: ich habe das Buch an einem Nachmittag durchgesuchtet. Ich konnte es nicht aus der Hand legen. Schon der Prolog, der eine Szene aus dem späteren Buch vorwegnimmt, hatte es in sich. Der Spannungsbogen ging von der ersten bis zur letzten Seite und Fjell versteht es meisterhaft, falsche Spuren zu legen.
Durch kurze Kapitel und häufige Szenenwechsel jagt ein Cliffhanger den nächsten. Allerdings muss man etwas aufpassen, dass man mit den Zeiten und Geschichten nicht durcheinanderkommt.
Der Thriller ist der dritte Band der Brekke-Reihe und spielt in Kalifornien. Besonders gelungen fand ich den Teil, der auf Alcatraz spielt. Das alte düstere Gemäuer ist von sich aus schon ein Garant für Spannung.
Fjells Thriller erschienen nicht in der Reihenfolge, in der sie nummeriert sind und so fand ich es interessant, einen etwas älteren Thriller zu lesen, der zeitlich vor den neuen Bänden liegt.
Fazit: wieder ein gelungener skandinavischer Thriller, der blendend unterhält. Fjell zu lesen ist wie in einem ICE zu sitzen – ohne Notbremse.
Rezensionen von Anjulia :
Schöne Ergänzung für Fans
Die Schule der magischen Tiere - Das offizielle Lexikon von Margit Auer
Die Schule der magischen Tiere - Das offizielle Lexikon von Margit Auer stellt Tiere, Kinder, Lehrkräfte und vieles mehr in alphabetischer Reihenfolge von Agent Y bis Zeki vor. Lehrerin Mary Cornfield, Ida und ihr Fuchs Rabbat sowie Benni und Schildkröte Henrietta, dürften jedem, der schon von der mittlerweile sechzehnteiligen Reihe gehört hat, ein Begriff sein.
Wer aber schon immer wissen wollte was Flamingodame Polly gerne isst, was Krokodil Rick besonders gut kann oder woher die singenden Wattwürmer kommen, ist hier genau richtig. Die Seiten sind größtenteils steckbriefartig aufgebaut und gut geeignet für das Lesealter ab acht. Die etwa 110 Seiten des Lexikonteils sind schon umfangreich, überfordern aber nicht, besonders wenn man zum Beispiel nur etwas zu seinem Lieblingstier nachschlagen will. Auf jeder Seite gibt es bunte, passende Illustrationen von den Farbfüchsen. Besonders schön fand ich die Doppelseite, welche die Kinder mit ihrem jeweiligen magischen Tier zeigt. Auf einigen Seiten gibt es auch noch eine kurze Lieblingsszene der Autorin zum Nachlesen. Ein Quiz rundet auf den letzten Seiten das Buch ab. Da viele Kinder und vor allem Tiere vorgestellt werden, die erst im Laufe der Serie in den Mittelpunkt rücken, würde ich das Lexikon aus Spannungsgründen nicht für Anfänger der Reihe empfehlen. Ansonsten ist es wunderschön gemacht und eine tolle Ergänzung.
Rezensionen von Der blaue Mond:
Feierabendküche
Koch! Mich! Jetzt! von Leon Schreiber
Ich kannte den Social Media Koch Leon Schreiber bisher noch nicht. Aber das Buch hat mich neugierig gemacht. Es sind viele Rezepte, die in wenigen Minuten (die Zubereitungszeit ist immer pro Gericht angegeben und variiert von 10 bis 45 Minuten, wobei die Mehrheit bei geschätzten 15 Minuten liegt) und mit einfachen Zutaten hergestellt werden können.
Einige kennt man bereits, wenn man online oft Rezepte sucht, aber wir haben sofort für 5 Gerichte Zutaten gekauft und freuen uns darauf, später gleich loszulegen. Die Menge ist immer für zwei angegeben. Es ist perfekt für den Alltag geeignet, wenn unter der Woche wenig Zeit da ist. Oft wird auf Produkte aus der Kühltheke und TK Gemüse zurückgegriffen, aber das ist fein für mich. Schließlich kann jeder selbst zusätzlich noch kreativ werden und zum Beispiel frisches Gemüse verwenden.
Einige Zubereitungen sind für den Airfryer beschrieben, aber es geht natürlich auch im herkömmlichen Backofen.
Viele Anleitungen sind zum Glück vegetarisch und es sind praktische Abwandlungen bekannter Rezepte dabei, wie z.B. ein schnelles Bananenbrot aus der Pfanne, wenn überreife Bananen vorhanden sind.
Wirklich ein tolles Buch, wenn es schnell gehen muss!
Rezensionen von Lese-Abenteurerin:
Frau Morgenstern sammelt Karma Pluspunkte
Frau Morgenstern und die Entführung von Marcel Huwyler
Meine Meinung
Dem Autor Marcel Huwyler ist mit dem 8. Band aus der Reihe der Frau Morgenstern neuerlich ein hintersinniger, skurriler und schwarzhumoriger Kriminalroman grandios gelungen.
Falls jemand die anderen Bände der Reihe nicht gelesen hat (und daher ganz eindeutig etwas versäumt hat) findet er sich in „Frau Morgenstern und die Entführung“ durch geschickt in den aktuellen Fall eingewobene Vorinformationen rasch zurecht.
Frau Morgenstern und Herr Schlunegger haben mit den beiden unerwartet aufgetauchten Zwillingstöchtern von ebendiesem zu einer Art Patchworkfamilie zusammengefunden. Nach Violettas letztem Auftrag hat sie das Gefühl, ein wenig Abstand zu ihrem Job und den Familienpflichten zu brauchen und bricht zu ihrem Maurice nach Gozo für ein paar Ferientage auf. Doch dort kommt sie nicht an, denn als sie noch Proviant für die Reise besorgen möchte, gerät sie vor dem Feinkostladen in eine Entführung. Da sie meint, einige Pluspunkte auf ihrem Karma Konto wären nicht verkehrt, schließt sie sich freiwillig als zweite Entführungsgeisel dem Ganzen an und möchte damit der Entführten helfen. Herr Schlunegger sucht bald darauf mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln nach Omistern, ohne jedoch den Arbeitgeber der beiden, die Agentur TELL, einzuweihen. Miguel stößt bei der Suche fast an seine physischen und psychischen Grenzen, aber auch Frau Morgenstern ist in der Zwischenzeit nicht untätig und tüftelt mit allen erdenklichen Mitteln an einer Befreiung aus der Geiselhaft.
Mehrere Erzählstränge sorgten für nervenaufreibende Spannung und gleichzeitig humorvolle Unterhaltung beim Lesen. Schien der Fall auf den ersten Blick noch so skurril - es gelang dem Autor den Spannungsbogen bis zu einer schlüssigen Erklärung und Auflösung des Ganzen aufrecht zu erhalten.
Besonders der Wortwitz und die Wortneuschöpfungen im Krimi begeisterten mich wiederum hellauf. Einziger Wermutstropfen in der aktuellen Geschichte ist das Fehlen der aberwitzigen Dialoge und Frotzeleien zwischen Miguel und Violetta, denn die beiden agieren diesmal getrennt voneinander. Die Verwendung von einigen schweizerischen Ausdrücken gefiel mir, da sie Lokalkolorit in die Geschichte brachten. Die Charaktere wurden detailreich und menschlich sehr vielschichtig präsentiert und ich sah die Personen sehr gut vor meinem geistigen Auge.
Der Krimi faszinierte mich, wie bereits seine Vorgänger, aufgrund seines Aberwitzes und seiner Skurrilität. Ich konnte tief in die Geschichte eintauchen und mich von ihr mitreißen lassen. Aufgrund der spannenden Erzählweise und des gut eingefädelten Plots las ich die Geschichte fast in einem Rutsch - ein echter Pageturner!
Mein Fazit
Wer einen aberwitzigen, skurrilen, aber dennoch gut eingefädelten Krimi mit schweizerischem Lokalkolorit und vielen Wortneuschöpfungen sucht, dem sei „Frau Morgenstern und die Entführung“ wärmstens empfohlen. Ich habe die schwarzhumorige, temporeiche Lektüre des 8. Bandes, wie auch schon die der Vorgängerbände, genossen und oute mich gerne als Morgenstern-Fan. Ich vergebe die volle Sternezahl und meine absolute Leseempfehlung!
Rezensionen von Carolin:
Wichtige Informationen, jedoch nicht für jeden etwas
Die Longevity-Strategie für Frauen von Viyan Dr. med. Sido
Das Buch liefert einen guten Gesamtüberblick darüber, was man selbst alles tun kann, um gesund älter zu werden. Bewegung, Ernährung, Darmgesundheit, Stressreduktion, Soziale Beziehungen, Schlaf und oxidative Entgiftung sind große Themen, welche hier behandelt werden. Für mich persönlich, die sich bereits länger mit der Gesundheit befasst, war leider nicht viel Neues dabei.
Doch hier und da konnte auch ich etwas Neues lernen. Dennoch richtet sich das Buch meiner Ansicht nach eher an Personen, die noch am Beginn der Reise stehen, sich mit ihrer Gesundheit und den Möglichkeiten zur Verbesserung zu befassen. Stellenweise ist das Buch sehr biochemisch aufbereitet. Wer sich hier außerhalb seiner Komfortzone befindet, könnte an diesen Stellen zu knabbern haben. Hier wäre eine bessere Verständlichkeit durch leichtere Erklärungen vermutlich sinnvoll gewesen. Alles in allem trotzdem ein gutes Buch, welches wichtige Bereiche behandelt, nur nicht für jeden gleich geeignet ist.
Rezensionen von Ele:
Für immer Paris
Nächstes Mal für immer von Lucien Marant
Nächstes Mal für immer, Roman von Lucien Marant, 316 Seiten, erschienen bei dtv.
Eine Liebesgeschichte der besonderen Art.
Paris 1999
Mona ist zu einem Auslandssemester nach Paris gekommen, dort schließt die Freundschaften fürs Leben und lernt auch Thibauld kennen. Sie verlieben sich doch als das halbe Jahr vorbei ist, fährt Mona ohne Aussicht auf eine weitere Verbindung enttäuscht nach Hamburg zurück.
Paris 2019
Nach 20 Jahren kehrt Mona in die Stadt ihrer Träume zurück, dieses Mal ist sie gekommen um für immer zu bleiben, bald begegnet sie Thibauld. Sie verstehen sich noch immer so gut wie damals, haben die beiden eine zweite Chance?
Das Buch ist voller unerwarteter Wendungen und Verstrickungen, erst ganz am Ende wurde alles zu meiner Zufriedenheit und nachvollziehbar aufgeklärt. Das was ich hier erwartet habe wurde bei weitem übertroffen. Es handelt sich nicht um eine Second-Chance- Romanze, sondern um eine tiefgründige und faszinierende Liebesgeschichte, mit Urlaubssetting. Als mir bewusstwurde, dass ein Autor das Buch geschrieben hat war ich sehr überrascht, so voller Emotionen und tiefer Gefühle, da hätte ich eine Autorin erwartet. Der Schreibstil ist poetisch, sehr bildhaft und immer wieder gab es Stellen bei denen ich gelacht oder geweint habe. Das Buch besteht aus 15 Kapiteln, Pro- und Epilog erscheinen kursiv, es sind viele Eigennamen, bzw französische Phrasen eingestreut, die nicht übersetzt werden. Der Schreibstil ist auktorial aus der Sicht der Protagonistin, der ständige Zeitenwechsel zwischen 1999 und 2019 ist markiert, trotzdem ist es mir immer wieder passiert, dass ich nicht wusste in welcher Zeit ich gerade versunken bin. Ich war gefesselt und konnte das Buch erst aus der Hand legen als der letzte Satz gelesen war. Eine Playlist mit passenden Liedern gibt es zusätzlich.
Ich fand die Personen auch wunderbar herausgearbeitet, meine Lieblingsfigur war Lou, die Irin immer ein flotter Spruch auf den Lippen, sie sprüht vor Fröhlichkeit und macht gute Laune. Mona die Protagonistin, ist ernsthafter ihr Handeln ist so authentisch, sie wirkt so echt, die Beschreibung wie sie als Kind und Jugendliche gefühlt hat, sie ist mir so ähnlich, da habe ich mich ihr ganz nah gefühlt. Auch Thibauld ist gut charakterisiert, jede der Figuren meint man schon lange zu kennen.
Die Begründungen und Lösungen verschiedener Umstände sind ab und zu sehr weit hergeholt. Die Zeitenwechsel waren immer wiedermal zu abrupt
Mir hat das Buch sehr gut gefallen, ich habe die Stimmung und das Setting genossen, viele Orte in Paris sind mir wieder in Erinnerung gekommen. Dieses Buch ist viel mehr als nur eine seichte Urlaubslektüre.
Meine Empfehlung und 4 Sterne
Rezensionen von rewareni:
Zwischen Lüge und Wahrheit
Eine winzige Lüge von Astrid Korten
Martina Wagner kann es nicht glauben, als ihre Tochter Julia behauptet, als Kind von ihrem Stiefvater Alex missbraucht worden zu sein. Martina weiß, dass ihre Tochter schon immer eine lebhafte Fantasie hatte und so klingt diese Anschuldigung für sie nicht wirklich glaubhaft. Als Alex damit konfrontiert wird ist er erschüttert und beteuert Martina, dass er so eine furchtbare Tat nie begangen hätte.
Völlig verunsichert versucht nun Martina heraus zu finden, wer von den beiden die Wahrheit sagt. Dabei gerät sie immer tiefer in einen Strudel aus Lügen, Geheimnissen und dem Gefühl, dass sie selbst nicht ganz unschuldig daran ist, dass nun die scheinbar heile Familienwelt zusammen bricht. Als dann noch ein Mord passiert und sich Julia immer seltsamer benimmt ist Martina am Boden zerstört. Ist ihre geliebte Tochter nicht nur eine Lügnerin, sondern auch eine Mörderin?
Was einem bei dem Roman zuerst ins Auge sticht, ist das besonders kunstvoll gestaltete Cover, das von der Autorin Astrid Korten selber stammt und im Laufe der Geschichte den Bezug dazu liefert.
Der Roman ,,Eine winzige Lüge“ zeigt, wie aus einer Aussage eine Lawine losgetreten wird, die so weit reichende Folgen hat, wo viele Menschen daran zerbrechen und Geheimnisse ans Tageslicht kommen die erschütternd sind und betroffen machen.
Es ist eine teilweise recht verwirrende Geschichte, wo ich manchmal meine Probleme damit hatte mich mit der Protagonistin Martina verbunden zu fühlen. Sie zeigt immer wieder einen sehr widersprüchlichen Charakter wo sie selbst oft nicht mehr weiß, wem sie glauben soll oder nicht.
Angenehm sind dabei die kurzen Kapiteln, wo man schnell wieder in die nächste Handlung eintauchen kann. Keine wirkliche Freude hat mir hingegen die durchgehende kursive Schrift bereitet, wo das Lesen mit der Zeit für die Augen doch anstrengend wurde.
Die Thematik in dem Roman ist eine wichtige die zeigt, wie Opfer selbst noch viele Jahre später darunter leiden können und wie in dieser Geschichte Menschen manipuliert werden und dadurch eine unheilvolle Kettenreaktion ausgelöst wird.
An manchen Stellen finden sich kleine Ungereimtheiten oder Logikfehler, wo man ein wenig drüber stolpert.
Interessant sind die eingefügten Gedankengänge des Opfers, wo man so viel an Hass, Verzweiflung und auch Hilflosigkeit spürt und der Plan sich zu rächen sich immer mehr verfestigt, wo die Medien und das Internet dazu benützt werden Lügen in kleinen Häppchen in die Welt zu setzen und dabei das Leben eines anderen zu ruinieren.
Manche Fragen sind dabei nicht immer wirklich beantwortet worden, wo es doch interessant gewesen wäre, weil so manche Handlungen der Protagonisten nicht immer greifbar waren. Es ist ein berührendes und unerwartetes Ende, das offen bleibt und somit für mich nicht richtig abgeschlossen wirkt.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Trudy Ederle - Die Königin der Wellen
Trudy Ederle von Kai Bliesener
Am 6. August 1926, also vor 100 Jahren, durchschwimmt die 21-jährige Gertrude »Trudy« Ederle (1905-2023) als erste Frau den Ärmelkanal und bleibt trotz wellenbedingtem Umweg mehr als zwei Stunden unter der Zeit des aktuellen Streckenrekords eines Mannes. Bei ihrer Rückkehr aus Europa wird sie in New York als »Königin der Wellen« von zwei Millionen Menschen bejubelt.
Wer ist die junge Frau, die beim zweiten Versuch im etwas mehr als 14 Stunden den Ärmelkanal bewältigt? Eine Frau, die schneller schwimmt als die Männer, die Grenzen verschiebt und Hoffnung wie Stolz verkörpert?
Gertrude »Trudy« Ederle ist das dritte von sechs Kinder des deutschen Auswandererehepaar Ederle, die Ende des 19. Jahrhunderts den Weg über den großen Teich gefunden haben. Der Vater, ein Metzger gründet eine Metzgerei, die bald ordentlich Gewinn abwirft, so dass die Familie kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs einen Besuch in der alten Heimat machen kann. Dort lernt Trudy, der Familienchronik nach, im Dorfteich schwimmen. Die Faszination des Elementes Wasser wird sie nie mehr loslassen, auch wenn sie schon in jungen Jahren nach einer Maserinfektion ertaubt.
Zurück in den USA schwimmt Trudy mit zwölf Jahren ihren ersten Weltrekord, immer scheel angesehen von der damaligen Gesellschaft, vorrangig von den Männern, die bestimmen, was sich für Mädchen und Frauen schickt oder eben nicht. Sich sportlich zu betätigen, abseits von Tennis, ist ein no-go.
„Eine Frau, die zu stark ist, gilt als unpassend.“ schreibt Charlotte Perkins Gilman, US-amerikanische Sozialreformerin, im Jahr 1911. (S. 48)
Doch niemand hat mit der Sturheit und Zielstrebigkeit von Trudy gerechnet. Obwohl sie von Schwimmtrainern und Vereinen mehr behindert als gefördert wird, ist ihr großes Ziel, dem sie alles unterordnet die Durchquerung des Ärmelkanals.
Dabei muss sie sich nicht nur gegen die Unbillen der Natur, sondern vor allem gegen die Widerstände der Gesellschaft stellen. Die Badebekleidung ist ein aus Wolle gefertigter Einteiler mit Ärmeln und Beinen, der sich voll mit Wasser saugt und kaum die richtigen Bewegungsabläufe zulässt. Gemeinsam mit Schwester Margarethe entwickelt Trudy einen Zweiteiler, der mehr Bewegungsfreiheit bietet.
Der Ruhm, dem sie mit ihrem erfolgreichen Durchschwimmen des Kanals, erntet, ist nur von kurzer Dauer. Sie wird von jenen, die sie zuvor belächelt haben, vereinnahmt. Sie gilt als feministische Ikone, obwohl sie nichts anderes wollte, als schwimmen. Dieser Berufung bleibt sie bis ins hohe Alter treu, betreut Schwimmkurse für Kinder, darunter zahlreiche Gehörlose.
Während Trudy Ederle, sie wird nie heiraten, in den USA bald vergessen ist, gedenkt man ihr in Bissingen an der Teck, dem Heimatort ihres Vaters noch heute.
Am 30.November 2023 stirbt Gertrude „Trudy“ Ederle mit 98 Jahren in einem Pflegeheim in New Jersey, weit weg von tosenden Wellen des Atlantiks. Während ihre Rekordleistung im August 1926 die Massen bewegt hat, ist die Nachricht über ihren Tod zunächst nur eine winzige Randnotiz.
Meine Meinung:
Kai Bliesener nennt sein Buch über meine Namensvetterin Gertrude „Trudy“ Ederle eine biografische Skizze. Ich habe zwar mit Leistungsport und Schwimmen nichts am Hut, doch über Frauen, die sich gegen das Establishment stellen, lese ich gerne.
Das Thema finde ich großartig! An manchen Stellen nerven mich die häufige Wiederholungen, wenn es gilt, das unzulängliche Material für die Badebekleidung zu erwähnen. Ja, dicke Baumwolle und Schafwolle sind als Material für Badeanzügen unbrauchbar. Aber muss das so oft wiederholt werden? Wir LeserInnen können uns das merken.
Kai Bliesener hat die Herkunftsgeschichte der Familie Ederle penibel recherchiert und mit einigen Fotos ergänzt. Selbst ein Foto des Blissener See vom Jahr 2026 ist abgebildet.
Geschickt flicht der Autor die Geschichte des weiblichen Schwimmsports, der 1912 erstmals olympisch wird, ein. Zudem stellt er die Möglichkeiten im Schwimmsport von damals jenen von heute gegenüber. Was für eine Entwicklung!
Fazit:
Gerne gebe ich dieser biografischen Skizze einer beeindruckenden Frau 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Herrlich skurril!
Frau Morgenstern und die Entführung von Marcel Huwyler
In diesem, nunmehr 8. Fall, steht die pensionierte Lehrerin Violetta Morgenstern, im Mittelpunkt. Aber nicht als staatlich befugte Auftragsmörderin, sondern als Kollateralschaden bei der Entführung einer jungen Frau.
Wie es dazu gekommen ist?
Violetta Morgenstern sorgt sich, nach einem erledigten Auftrag um ihre Karma-Bilanz, die ihrer Meinung ein wenig in Schieflage geraten ist.
Um ein wenig Abstand von der Arbeit zu bekommen, beschließt sie ihren alten Freund Maurice mit einem Besuch zu überraschen. Allerdings kommt sie dort nicht an. Sie springt nämlich, als sie Zeugin einer Entführung wird, ohne viel nachzudenken zu dem Opfer in den Lieferwagen, um zu helfen. Dass manchmal gut gemeint das Gegenteil von gut ist, muss Violetta Morgenstern bald feststellen.
Während Violetta und Lotta von einem Versteck ins andere gebracht werden, setzt Kollege Michael Schlunegger eine private Rettungstruppe in Marsch. Seine Zwillinge sollen doch ihren geliebten „Omistern“ wohlbehalten zurückbekommen.
Gemeinsam mit der entführten Lotta wagt Violetta einen Ausbruch. Ob er gelingt und was die Entführung mit dem Weltwirtschaftsforum in Davos zu tun hat, müsst ihr schon selbst lesen.
Meine Meinung:
Ich mag diese schräge Reihe rund um die pensionierte Lehrerin und den ehemaligen Scharfschützen Michael Schlunegger, die im staatlichen Auftrag missliebige Personen jeglichen Geschlechts äußerst kreativ vom Leben zum Tode befördern. Schmunzeln muss ich natürlich auch über die ungewöhnlichen Erziehungsmethoden Schluneggers, der seinen Töchtern an diverser Chemiebaukästen einschlägiges Handwerk beibringt. Das ist allerdings nicht zur Nachahmung empfohlen.
Die jährlichen Treffen der rund 1.000 Mitglieder des Weltwirtschaftsforums ist seit Jahren nicht ganz unumstritten, werden doch in den Augen der Gegner des Forums, wichtige Themen gar nicht oder nur rudimentär behandelt. Welche Themen vorrangig zu behandeln wären, ist regelmäßig Anlass für Proteste und Lobbying.
Wie wir es von Marcel Huwyler gewöhnt sind, lässt der Autor sowohl „Omistern“ Violetta als auch Michael Schlunegger recht kreativ werden, wenn es darum geht, dem anderen aus der Patsche zu helfen.
Das Cover passt perfekt zu anderen Teilen der Reihe und sorgt für einen hohen Wiedererkennungswert.
Fazit:
Ich kann euch diese Reihe, die durch Wortwitz und schwarzen Humor punktet, nur dringend als Lektüre empfehlen. Beginnt aber beim ersten Band („Frau Morgenstern und das Böse“). Dieser Krimi erhält jedenfalls 5 Sterne.











