Kunden em pfehlungen
Rezensionen von ReiShimura:
Magie, Abenteuer und ein Zeitgeist zum Verlieben
Juli im Land der Zeitgeister von Wieland Freund
Wieland Freund hat hier einen zauberhaften und äußerst unterhaltsamen Abenteuerroman erschaffen, welcher Lust auf mehr macht.
Zu meiner großen Überraschung stürzt man als LeserIn geradezu in die Geschichte rein. Es gibt keine großen erklärenden Worte, sondern man ist von Anfang an mitten in der Handlung.
Und genau wie Protagonistin Juli weiß man zu Beginn gar nicht, was hier eigentlich vor sich geht. Doch mit jedem Schritt, den Juli macht und mit jeder Kleinigkeit, die sie dazulernt, wird das Bild klarer und die Geschichte nimmt ihren Lauf.
Der Schreibstil des Autors ist sehr ansprechend und sowohl für Kinder, die eigentliche Zielgruppe des Buches, wie auch Erwachsene sehr gut zu lesen. Das Buch eignet sich aber auch sehr gut als Vorlesebuch für Kindergartenkinder, die noch nicht lesen können.
Auch das hohe Tempo des Buches hat mich überrascht. An manchen Stellen hätte ich mir gewünscht, dass der Autor die Geschwindigkeit ein wenig drosselt. Denn dann hätte es die Möglichkeit für weitere und ausführlichere Informationen gegeben. So bleiben für mich nämlich einige offene Fragen leider unbeantwortet. Phasenweise kam bei mir der Gedanke auf, ob es nicht sinnvoll gewesen wäre, einen Zweiteiler aus der Geschichte zu machen. Das Potenzial wäre auf jeden Fall vorhanden gewesen.
Ein besonderes Highlight war für mich der kleine Zeitgeist Trim. Dieser süße, lustige kleine Kerl hat es mir von Beginn an angetan. Bei diesem Charakter hat der Autor definitiv alles richtig gemacht. Besonders seine Art sich aufzuregen und zu fluchen hat mich regelmäßig zum Lächeln gebracht.
Protagonistin Juli ist ebenfalls ein sehr gelungener und realistischer Charakter. Sie strahlt Stärke aus, ohne dabei überheblich oder unrealistisch zu werden.
All jene, die an „Alice im Wunderland“ und „Der Zauberer von Oz“ ihre Freude haben, sollten diesem Buch auf jeden Fall eine Chance geben. Klare Weiterempfehlung.
Ein guter Gesprächsöffner für Klein und Groß
Zipfel waschen?! Bilderbuch von Dianne Dela Cruz
Die Haptik und Optik des Buches gefallen mir sehr gut. Es ist stabil und hochwertig verarbeitet und man erkennt auf den ersten Blick worum es in diesem Buch geht. Das Papier hat eine angenehme Stärke und der kleine Leser konnte die Seiten mühelos umblättern.
Die großflächigen Illustrationen sind ansprechend, aber auch ein wenig skurril.
Auf jeden Fall sind sie kindgerecht, farbenfroh und unterstützen den Text hervorragend. Besonders gut gefällt mir, dass die Illustrationen zwar detailreich, aber nicht überladen sind. Der kleine Leser hat sich die Bilder ganz interessiert angesehen, während ich ihm die Geschichte vorgelesen habe.
Der Aufbau der Geschichte ist logisch und auch für Kinder nachvollziehbar. Die Sprache ist an die Altersgruppe angepasst und der dreijährige konnte der Geschichte ohne Probleme folgen. Auch die Länge des Buches ist altersgerecht. Für unseren Geschmack hätte es allerdings gerne noch etwas länger sein dürfen.
Für den kleinen Leser war es das erste Mal, dass er mit einem Aufklärungsbuch in Berührung gekommen ist. Da Sprache ihn sehr fasziniert und er auch gerne damit experimentiert, war es auf jeden Fall das richtige Buch für ihn. Aber auch für die Erwachsenen im Haus war das Buch in gewisser Weise ein Augenöffner. Durch das Buch sind wir nämlich zum Diskutieren gekommen, warum manche Körperwörter ganz selbstverständlich verwendet werden und andere eben nicht.
Positiv hervorheben möchte ich auch das Zusatzmaterial, das mittels QR-Code oder Link zu dem Buch zur Verfügung steht. Das Zusatzmaterial umfasst eine sehr ausführliche Information für Begleiter: innen von Kindern und Eltern und eine Audioversion des Buches.
Der Fokus der Geschichte liegt eindeutig darauf, dass man sich nicht schämen muss, die richtigen Körperwörter für das Untenrum zu verwenden. Dennoch wird auch darauf hingewiesen, dass es sich um sehr intime Wörter handelt und man nicht mit jedem darüber sprechen muss.
Dieses Buch ist wirklich eine gute Unterstützung für Erwachsene die Sprachlosigkeit bezüglich bestimmter Körperregionen zu beenden. Leider endet das Buch aber genau an dieser Stelle. Ich hätte mir gewünscht, dass noch eine Erklärung gekommen wäre was Penis, Vulva und Vagina eigentlich sind. Allerdings verstehe ich auch, dass das den Umfang des Buches gesprengt hätte. Vielleicht gibt es ja bald einen zweiten Teil, in dem genau auf diese Dinge eingegangen wird.
Zipfel waschen wird zwar nicht das neue Lieblingsbuch des kleinen Lesers werden, aber eine Empfehlung möchte ich dennoch für dieses Buch aussprechen.
Ein Buch, bei dem Aufhören schwerfällt
Triceratops Honigpops 1: Die Sache mit dem Saurier von Angelika Niestrath
Im Bücherregal des kleinen Lesers befinden sich bereits eine große Anzahl an Dinosaurierbüchern und alle erfreuen sich großer Beliebtheit. Allerdings hat es sich bis dato immer um Sachbücher gehandelt. Umso größer war meine Freude, als ich entdeckt habe, dass es hier ein vielversprechendes Kinderbuch gibt, in dem ein Triceratops die Hauptrolle spielt.
Das Buch ist sehr hochwertig und stabil ausgeführt und macht bereits einen sehr guten ersten Eindruck. Das verwendete Papier hat eine angenehme Stärke und überzeugt auch mit der Haptik. Das Cover ist farbenfroh gestaltet und zeigt gut den wunderschönen Illustrationsstil von Simona Ceccarelli.
Das gesamte Buch ist durchsetzt mit vielen kleinen und großen Bildern, die die Geschichte noch lebendiger werden lassen. Der kleine Leser blättert gerne durch das Buch und schaut sich einfach nur die Bilder an, denn selbst lesen kann er noch nicht. Sehr spannend fand ich, dass in einigen Illustrationen Sprechblasen vorkommen und diese auch wirklich Teil der Geschichte sind. Eine Kombination, die ich so noch nicht kannte, bei uns aber sehr gut angekommen ist.
Schriftart und -größe sind sehr gut gewählt, so dass auch Erstleser damit keine Probleme haben sollten. Auch bei den farbigen Seiten, und davon gibt es im Buch einige, ist die Schrift sehr gut lesbar. Dies ist ja leider nicht bei allen Büchern so. Die Kapitel haben eine angenehme Länge, so dass man auch gerne mal zwei oder drei Kapitel hintereinander (vor-)lesen kann.
Die Handlung ist eine glaubwürdige Mischung aus realistischen und phantasievollen Elementen. Der dreijährige kleine Leser hatte von Anfang an keine Schwierigkeiten der Geschichte zu folgen. Wobei das eigentlich noch untertrieben ist, denn er hat die Geschichte mit Feuereifer verfolgt und war immer sehr enttäuscht, wenn es dann hieß, dass es für heute genug war. Bereits während des Lesens hat er mich gefragt, ob es einen zweiten Teil gibt. Glücklicherweise hatte ich die Ankündigung bereits gesehen und konnte ihm mitteilen, dass im Frühjahr 2027 der zweite Teil erscheinen wird.
Das Zusammenspiel von Jasper, Dr. Amelia Hicks und dem Triceratops Honigpops ist wirklich sehr gelungen. Hierbei gibt es sehr viele humorvolle Elemente, aber auch einige Passagen in denen Wissen vermittelt wird. Gerade letzteres ist wunderbar in die Handlung eingebunden, so dass es nicht störend oder oberlehrerhaft wirkt.
Das Buch wird für Kinder ab sechs Jahren empfohlen und eignet sich sowohl zum Vor- als auch zum Selbstlesen. Der Wortschatz ist angemessen, wobei recht junge Selbstleser eventuell mit einzelnen Wörtern wie beispielsweise Ornithologin, Schwierigkeiten haben könnten. Mit jüngeren Kindern kann das Buch meiner Meinung nach auch gelesen werden, wenn bereits Erfahrungen mit umfangreichen Büchern und komplexen Geschichten vorhanden sind.
Der kleine Leser und ich möchten dieses Buch unbedingt allen kleinen und großen Dinofans ans Herz legen, die auf der Suche nach einer unterhaltsamen und spannenden Geschichte sind.
Eine nette Herbstromanze, die nicht lange nachhallt
Kiss me in Orange von Alix Bente
Dieses Buch hat mich sofort angesprochen. Eine romantische Geschichte, eine zauberhafte Herbststimmung und Protagonisten die um die dreißig Jahre alt sind. Das klang genau nach dem richtigen Buch für mich. Die Autorin hält auch wirklich alle Versprechen ein, dennoch konnte mich das Buch nicht restlos überzeugen.
Anfänglich fand ich die Geschichte wirklich interessant und ich konnte mich schnell in die Handlung einfinden. Zu Beginn gibt es den einen oder anderen Rückblick, so dass man die Situation besser versteht und die Gefühle der Protagonisten nachvollziehen kann. Danach wurde es für mich aber ein wenig mühsam. Denn die Geschichte zog sich ein wenig in die Länge und wurde an manchen Stellen wirklich zäh. Das bereits zu Beginn klar ist, wo die Reise hingehen wird, hat mich hierbei weniger gestört. Dies ist ja bei den meisten Liebesromanen der Fall. Die Romane unterscheiden sich eher wie steinig und interessant die Reise ist.
Positiv hervorheben möchte ich, dass die Autorin ihren Wurzeln treu bleibt und die Geschichte in Deutschland spielen lässt. Mir ist bewusst, dass die meisten Romane, die in den USA oder England spielen bevorzugen. Allerdings finde ich es immer sehr gewöhnungsbedürftig, wenn deutsche Autor:innen ein Buch im englischsprachigen Raum spielen lassen und man das Gefühl bekommt, dass sie das jeweilige Land noch nie bereist haben. Dieses Buch ist bezüglich der Beschreibungen der Umgebung auf jeden Fall sehr authentisch.
Das Städtchen Goldried und seine Bewohner sind sehr süß und hilfsbereit. Für meinen Geschmack aber fast schon ein wenig übertrieben nett und klischeehaft. Alix Bente achtet zwar auf Diversität, dennoch empfinde ich die Einwohner als eine sehr homogene Masse ohne großes Konflikt- oder Spannungspotential.
Die Herbststimmung ist auf jeden Fall vorhanden und wird vor allem durch die diversen Veranstaltungen in Goldried forciertIm Vergleich zu anderen Herbstromanen, die ich zuletzt gelesen habe, bleibt die Atmosphäre für mich allerdings etwas farblos.
Die Liebesgeschichte zwischen Emma und Niclas empfand ich als ein wenig mühsam. Mir ist bewusst, dass Niclas Beharrlichkeit ein Ausdruck seiner großen Liebe zu Emma darstellen soll. Dennoch empfand ich es als grenzwertig, dass er Emmas Wunsch auf Abstand nicht respektiert hat.
Alles in allem war dies kein besonders außergewöhnlicher Roman der mir lang in Erinnerung bleiben wird, aber auch keine komplett verschwendete Lesezeit. Es handelt sich vielmehr um einen soliden Liebesroman, der aus der Masse nicht groß heraussticht.
Empfehlenswert für all jene die gerne Liebesromane ohne Spice lesen und die einen deutschen Handlungsort zu schätzen wissen.
Zwischen Wohlfühlroman und bedrückender Melancholie
Tokyo Seasons von Anne Pätzold
Seit meiner ersten Dienstreise vor mehr als zehn Jahren nach Japan bin ich fasziniert von dem Land, der Kultur und der Sprache. Daher freue ich mich immer, wenn ich Romane von japanischen Autor:innen finde oder Bücher die in Japan spielen. Somit war für mich sofort klar, dass ich dieses Buch lesen muss.
Meine Erwartungen an den Roman und die Realität haben leider nicht immer übereingestimmt. Daher war dies ein recht durchwachsenes Leseerlebnis.
Der Einstieg in das Buch ist mir gut gelungen. Ich habe die Atmosphäre als angenehm empfunden und mich auch gut mit den Charakteren anfreunden können. Der Nachrichtenaustausch zwischen Caitlyn und Will war sehr interessant und zwischendurch auch amüsant. Der Beginn hat mir wirklich den Eindruck vermittelt, dass es sich hier um ein sehr romantisches Wohlfühlbuch handeln wird.
Dieser Eindruck hat allerdings nicht lange angehalten. Denn je weiter ich in der Geschichte fortgeschritten bin, umso düsterer und bedrückender wurde die Stimmung. Wobei ich dazusagen muss, dass nicht wirklich etwas schlimmes in dem Buch passiert und keine detaillierten Gewaltschilderungen oder ähnliches vorkommen. Trotzdem sind die behandelten Themen sehr herausfordernd und für mich auch aufwühlend gewesen. Dies hatte ich in der Form nicht erwartet und es hat für mich auch das Leseerlebnis ein wenig getrübt. Allerdings muss man der Autorin Anne Pätzold auch zugutehalten, wie eindrucksvoll sie es schafft Stimmungen zu erzeugen und diese auch auf die Leserschaft zu übertragen.
Der Handlungsort ist in vielen Büchern eigentlich recht irrelevant und man könnte das Buch auch mit Leichtigkeit an einem anderen Ort spielen lassen. In diesem Fall aber eher nicht. Denn Tokio ist schon ein wichtiger Bestandteil des Buches. Die Schilderungen der Örtlichkeiten hätten für meinen Geschmack gerne noch ausführlicher und detaillierter sein können, aber man bekommt auch so einen guten Einblick.
Die Dynamik zwischen Jude und Caitlyn kann ich nur als außergewöhnlich, wertschätzend und dennoch befremdlich beschreiben. Die beiden Charaktere heben sich deutlich von den klassischen Protagonisten in romantischen Büchern ab. Einerseits war dies durchaus interessant, andererseits fand ich ihren Umgang miteinander aber einfach nur seltsam. Vielleicht konnte ich mich persönlich mit dieser Art des Umgangs einfach nicht identifizieren.
Dieses Buch ist kein alltäglicher Liebesroman mit großen Gefühlen, Funkensprühen und Spice. Es ist ein sehr leiser Roman, der zum Nachdenken anregen kann und eine andere Art der Liebe zeigt. Ein durchaus interessantes Konzept, aber nicht das was ich mir erhofft hatte.
Bramble Falls verzaubert auch im Winter
Falling Like Snowflakes von Misty Wilson
Ich habe mich sehr auf die Rückkehr nach Bramble Falls gefreut, denn der erste Teil „Falling like leaves“ hat mir sehr gut gefallen. Obwohl ich dieses Mal ein wenig länger gebraucht habe, um in die Geschichte einzutauchen, hat mich auch dieser Band wieder absolut begeistern können.
Wie bereits erwähnt, handelt es sich um den zweiten Teil der Bramble-Falls-Serie von Autorin Misty Wilson.
Während der erste Teil im Herbst spielt, erleben wir in diesem Buch den wundervollen Winter in dem zuckersüßen kleinen Ort. Theoretisch können die Bücher unabhängig voneinander gelesen werden. Denn alle wichtigen Informationen aus dem ersten Band werden in diesem kurz erwähnt.
Liebesromane stehen öfter bei mir auf der Leseliste. Leider habe ich aber feststellen müssen, dass viele aktuelle Liebesromane mit einer gehörigen Portion Spice ausgestattet sind. Dies trifft leider so überhaupt nicht meinen Geschmack. Daher greife ich nun vermehr zu Young Adult Büchern wie diesem hier. Denn diese Bücher können mit einer geballten Ladung Emotionen aufwarten, aber ausschweifende Bettszenen bleiben mir hier erspart.
Ein weiterer Pluspunkt in diesem Fall ist, dass ich hier sowohl eine Kleinstadtatmosphäre, große Gefühle als auch den frühen 2000er Wohlfühlcharme spüren kann.
Misty Wilsons Beschreibungen von Bramble Falls und den darin lebenden Personen haben mich bereits im ersten Teil begeistert. Sie beschreibt anschaulich, detailliert und mit so viel Hingabe, dass ich während des Lesens Raum und Zeit vergessen habe. Ich gehe sogar so weit und behaupte, dass ich durch das Lesen des Buches eindeutig in Weihnachtsstimmung gekommen bin und das, obwohl gerade erst der Herbst angefangen hat.
Die Liebesgeschichte zwischen Asher und Sloane ist glaubwürdig, nachvollziehbar, aber auch ein wenig vorhersehbar. Letzteres war auch mein kleiner Kritikpunkt beim ersten Teil. Über diesen Punkt kann ich aber hinwegsehen, da mich das Buch ansonsten überzeugt hat. Positiv hervorheben möchte ich, dass sich die Autorin auch in diesem Buch wieder einigen schwierigen Themen widmet, darunter der Tod eines Elternteils.
Auch dieses Mal ist mir der Abschied von Bramble Falls sehr schwergefallen. Und ich hoffe sehr, dass Misty Wilson mich nicht zu lange warten lässt. Denn ich würde wirklich gerne zurückkehren. Mal sehen, was im Frühling und Sommer so alles Wunderbares in Bramble Falls passiert.
Für dieses Buch bzw. für diese Reihe möchte ich wirklich von ganzem Herzen eine Leseempfehlung aussprechen. Und zwar besonders auch für Personen, die eigentlich nicht zur Zielgruppe gehören. Dieses Buch ist perfekt für alle, die die deutsche Erstausstrahlung von Gilmore Girls, One Tree Hill und ähnlichen Serien erlebt haben.
Atmosphärische Selbstfindung mit kleinen Schwächen
Rauhnachttage von Ina Bhatter
Da ich bereits das erste Buch „Drei Tage im Schnee“ von Ina Bhatter gelesen hatte, hatte ich bereits eine sehr gute Vorstellung, was mich in diesem Buch erwarten wird. Die Autorin hat diese Erwartungen auch weitgehend erfüllt. Denn auch dieses Buch ist wieder ein Lebensratgeber eingebettet in eine durchaus interessante Geschichte.
Die Rauhnachttage und die dazugehörigen Rituale haben in den letzten Jahren einen Hype erlebt. Immer mehr Menschen beschäftigen sich mit dem Thema und daher ist die Fülle an Ratgebern und Sachbüchern zu diesem Thema quasi über Nacht explodiert.
Ina Bhatter geht einen etwas anderen Weg. Sie konzentriert sich zwar auch recht stark auf die Beschreibung der Rituale und der Erklärungen, wofür diese Dinge überhaupt gedacht sind. Dies alles wird aber in die Geschichte von Luise eingewoben. Eine Ärztin, die aufgrund eines tragischen Vorfalls mit schweren Selbstzweifeln zu kämpfen hat.
Besonders gut hat mir gefallen, dass die Autorin Luises inneren Kampf wirklich sehr plakativ und nachvollziehbar darstellt. Sowohl den Kampf mit ihren Selbstzweifeln und ihrer Trauer, aber auch mit den Ritualen an sich. Denn Luise entscheidet sich nicht aus eigenem Antrieb heraus, die Raunächte zu zelebrieren, sondern wird von einer Freundin dazu animiert. Luises Entwicklung ist glaubwürdig, vor allem, weil sie nicht geradlinig verläuft.
Einer meiner Kritikpunkte von „Drei Tage im Schnee“ war die rasante Geschwindigkeit mit der die Charakterentwicklung fortschreitet. In diesem Buch ist es zwar ein wenig besser, dennoch finde ich auch hier das Tempo bei Luises Entwicklung recht hoch. Dies hat jedoch auch zur Folge, dass der Roman mit einer recht überschaubaren Seitenanzahl daherkommt und ein recht kurzweiliges Leseerlebnis darstellt.
Den Schreibstil der Autorin habe ich als sehr angenehm empfunden. Sie widmet den wichtigsten Beschreibungen und Erklärungen genau so viel Zeit wie notwendig ist, verstrickt sich aber nicht in langatmige oder langweilige Ausführungen.
Weniger gut gefallen hat mir der Handlungsstrang mit Jakob. Ansatzweise kann ich verstehen, warum die Autorin diesen eingefügt hat, denn manche Punkte die Jakob anspricht, fügen sich harmonisch in die Handlung ein. Allerdings führt der Wendepunkt dieses Handlungsstrangs, auf den ich aufgrund Spoilergefahr nicht näher eingehen möchte, dazu, dass ich diesen Teil doch sehr in Frage stelle. Eventuell habe ich aber auch nicht verstanden, was mir die Autorin hier wirklich mitteilen möchte.
Dieser Roman hat mir deutlich besser gefallen als der Vorgänger. Dies liegt vor allem daran, dass ich bereits wusste, worauf ich mich einlasse, und Luises Perspektive sehr gut nachvollziehen konnte.
Leser:innen, die ihre Freude an Büchern von John Strelecky haben, werden auch hier auf ihre Kosten kommen. All jenen, die mit Lebensratgebern oder den Raunacht-Ritualen nichts anfangen können, würde ich eher abraten.
Zurück in St. Ives – schön, aber wenig herbstlich
Autumn Secrets von Sarah Fulmar
Autorin Sarah Fulmar nimmt uns noch einmal mit in das sehr beschauliche St. Ives. Nachdem wir im ersten Buch einen sehr heißen Sommer in Cornwall erleben durften, ist nun der Herbst eingekehrt. Der erste Band der Reihe konnte mich nicht vollständig überzeugen, hat mich aber dennoch so neugierig gemacht, dass ich die Fortsetzung lesen musste.
Ich kann zwar keine Lobeshymnen singen, aber bereut habe ich die Entscheidung auch nicht.
Optisch passen die Bücher wirklich hervorragend zusammen. Dies klingt zwar nach einer Kleinigkeit, ist mir persönlich bei Reihen aber sehr wichtig. Leider wird aber das optische Erscheinungsbild, sei es jetzt das Format der Bücher oder das Coverbild, bei Reihen im Laufe der Zeit immer wieder verändert.
Dieses Buch schließt mehr oder weniger nahtlos an den ersten Roman der Reihe, Summer Tides an. Dies habe ich schon vermutet und am Ende des ersten Buches hatte man auch bereits eine sehr gute Vorstellung, wer im zweiten Teil im Rampenlicht stehen wird.
Die Autorin ist sich in vielen Dingen treu geblieben. Der Schreibstil ist noch immer sehr locker und leicht und dennoch schafft sie es auch, etwas schwerere Themen einfließen zu lassen. In diesem Buch verbringt sie weniger Zeit mit der Vorstellung und Einführung von diversen Charakteren, da sie aus dem ersten Buch bereits bekannt sind. Vorkenntnisse sind zwar hilfreich, aber nicht zwingend notwendig. Die Bücher können daher auch relativ problemlos unabhängig voneinander gelesen werden.
Ich habe mich auf die Rückkehr nach St. Ives sehr gefreut, denn das Städtchen und seine Bewohner sind mir ans Herz gewachsen. Besonders gefreut habe ich mich auf eine zauberhafte Herbststimmung und viele Beschreibungen der Landschaft und der Umgebung. Leider hat die Autorin in dem Punkt ein wenig geschwächelt. Obwohl der Autumn Hike ein wichtiger Bestandteil der Handlung ist, kam bei mir keine wirkliche Herbststimmung auf.
Die Liebesgeschichte zwischen Pen und Nathan war glaubwürdig und an vielen Stellen auch wirklich zauberhaft, wenn auch sehr anstrengend und kompliziert. Dies gehört aber irgendwie zu einem Liebesroman dazu. Penelope war für mich ein spannender Charakter, ihre Selbstzweifel konnte ich gut nachvollziehen. Dennoch war ich hin und wieder von ihrer Naivität genervt.
Auch dieses Buch kommt nicht ohne die mittlerweile in vielen Liebesromanen üblichen Spicy-Szenen aus. Für mich persönlich waren sie wieder einmal überflüssig. Der Autorin muss man aber zugutehalten, dass sie diese Szenen wirklich auf ein Minimum eingeschränkt hat.
Trotz fehlender Herbststimmung war dies eine sehr angenehme Leseerfahrung und das Wiedersehen mit den Bewohner:innen von St. Ives hat mir gut gefallen. Es ist kein herausragendes Buch in seinem Genre, aber für Fans der Reihe durchaus empfehlenswert.
Ein leiser Roman, der Zeit braucht
Der Briefladen, in dem ich dich fand von Baek Seungyeon
Auf den Erscheinungstermin dieses Buches habe ich mich sehr gefreut, da ich den ersten Teil wirklich geliebt habe. Daher habe ich mich mit Feuereifer auf das Buch gestürzt. Leider kam zuerst große Enttäuschung und Ernüchterung. Doch glücklicherweise hat sich am Ende alles zum Guten gekehrt.
Dieses Buch schließt mit etwas zeitlichem Abstand an die Ereignisse aus dem Buch „Der Briefladen, in dem die Zeit stillstand“ an.
Ich denke, dass man beide Bücher unabhängig voneinander lesen kann, da die Autorin alle relevanten Informationen aus dem ersten Buch im zweiten erwähnt. Dennoch würde ich empfehlen, beide Bücher in der richtigen Reihenfolge zu lesen, um in den vollständigen Genuss der Atmosphäre zu kommen.
Die Optik und Haptik des Buches sind wieder sehr ansprechend. Vor allem das Coverbild gefällt mir sehr gut. Positiv finde ich auch, dass die beiden Bücher ein einheitliches Erscheinungsbild haben. Leider ist dies auch bei Reihen nicht immer der Fall. Auch dieses Mal hat man sich wieder für einen rauen Buchschnitt entschieden. Dies war einer meiner Kritikpunkte beim ersten Buch. Mittlerweile habe ich mich damit angefreundet und empfinde es nicht mehr als störend, sondern als herausstechendes Merkmal des Buches.
Gerade bei Büchern, die Teil einer Reihe sind, ist es immer schwierig, das Buch als alleinstehendes Werk zu beurteilen. Die Vergleiche mit den vorhergehenden Büchern drängen sich quasi auf. So auch in diesem Fall.
Auffallend für mich war, dass der Briefladen in diesem Buch deutlich weniger Raum einnimmt als im ersten Teil. Dies empfand ich als großen Verlust, denn gerade die Ruhe des Briefladens hat für mich den besonderen Charme des ersten Teils ausgemacht. Stattdessen rückt Hyoyeongs Liebesleben stärker in den Mittelpunkt und erhält wesentlich mehr Gewicht, als ich erwartet hatte. Dies hat auch zu meiner anfänglichen Enttäuschung geführt.
Es hat ein wenig gedauert, bis ich dies akzeptieren konnte und mich auch voll auf die Geschichte einlassen konnte. Erst dann konnte ich die ruhige, sanftmütige, liebevolle und teilweise poetische Schreibweise der Autorin wirklich wertschätzen. Dieses Buch versprüht so viele Emotionen, gibt unglaublich viel Stoff zum Nachdenken und Reflektieren und zeigt, wie vielfältig Liebe aussehen kann.
Dieser gefühlvolle, inspirierende Roman ist wirklich ein Leseerlebnis der besonderen Art über Liebe, Wünsche, Träume und Hoffnungen. Es ist eine Einladung zum Innehalten und eine Auszeit vom Alltag. Dieser Roman ist perfekt für alle, die auch die leisen Töne zu schätzen wissen.
Ideal für Einsteiger, für erfahrene Köche wenig Neues
Vegetarisch express von GU
Unglaublich, dass es die goldenen von GU bereits seit 15 Jahren gibt. Natürlich ist die Reihe innerhalb dieser Zeit stark gewachsen und immer mehr Titel sind erschienen. Mit Vegetarisch express orientiert sich der Verlag an dem heutigen Lebensstil: Wenig Fleisch und Fisch und wenig Zeit zum Kochen.
Wie nicht anders erwartet, ist auch dieses Kochbuch wieder sehr übersichtlich gestaltet und man findet sich schnell zu recht.
Die einzelnen Rezepte sind klar strukturiert und man sieht auf einen Blick die Zutatenliste und alle anderen wichtigen Informationen die man benötigt. Leider wurde auch in diesem Buch wieder einmal auf eine ausführliche Angabe der Makronährstoffe verzichtet.
Die Bilder zu den Rezepten sind sehr gelungen und lassen einem das Wasser im Mund zusammenlaufen. So weit ich es überblicken konnte, ist auch wirklich jedes Rezept mit einem Foto ausgestattet.
Der wichtigste Punkt bei einem Kochbuch ist aber natürlich die enthaltenen Rezepte. Diese konnten mich leider nicht auf ganzer Linie überzeugen. Dies liegt aber vor allem daran, dass ich bereits einige vegetarische Kochbücher besitze und mich schon seit langer Zeit mit der vegetarischen Küche auseinandersetze. Daher benötige ich weder ein Rezept für Spaghetti aglio e olio noch das tausendste Hummus-Rezept. Auch wenn es sich in diesem Fall nicht um den klassischen Hummus, sondern um eine spicy Variante handelt.
Wie bei einem express Kochbuch nicht anders zu erwarten, kommen natürlich auch diverse Fertigprodukte aus dem Supermarkt zum Einsatz. Ansonsten könnten einige in der vorgegebenen Zeit kaum zubereitet werden. Dies ist für mich durchaus verständlich. Dennoch benötige ich, als erfahrene Köchin kein Rezept für fertige Maultaschen mit Spinat.
Dieses Buch ist eine umfangreiche Sammlung von Klassikern, Basis- und Lieblingsrezepten aus der vegetarischen Küche. Es eignet sich sehr gut für Neulinge in diesem Bereich oder Personen, die ihre umfangreiche Kochbuchsammlung deutlich verschlanken möchten.











