Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Ulgu1978:
Was ist Glück?
Jetzt gerade ist alles gut von Stephan Schäfer
Von einem Moment auf den anderen ist nichts mehr so wie es war. So erging es Stephan Schäfer, als er mit seiner Familie in den Urlaub verreisen wollte und sich unvermittelt im Krankenhaus wiederfand. Eine Sepsis hatte sich rasend schnell in seinem Körper ausgebreitet und ihn an den Rand des Todes gebracht.
Einer schnellen Operation folgte ein monatelanger Heilungsprozess. In dieser Zeit stellt er fest, was ihm im Leben wichtig ist und hält diese mehr oder bewegenden Situationen in dem schmalen Büchlein fest. Ich konnte mich der Lektüre kaum entziehen. Obwohl hier wirklich nicht viel passiert, merkt man dem Schriftsteller an, dass er nach dieser Krankheitserfahrung versucht, auch in ganz banalen, täglichen Ereignissen etwas besonderes zu sehen. Und das ist doch die Kunst des Lebens, in dem Alltäglichen das Einzigartige zu sehen.
Ein lesenswertes Buch, um mit sich und seiner Welt zufrieden zu sein.
Freundschaft in Kriegszeiten
Lebensbande von Mechtild Borrmann
Lebensbande ist das erste Buch, das ich von Mechthild Borrmann gelesen habe. In zwei Erzählsträngen wird die Kriegsfreundschaft zwischen Lene, Lotte und Nora erzählt. Die Geschichte dieser drei Frauen hat mich sehr berührt, zumal es hierzu reale Hintergründe gibt. Ich habe nicht gewusst, dass nicht nur Männer, sondern auch Frauen in russischen Arbeitslagern "Kriegsschulden" abarbeiten mussten.
Diese Information war für mich neu und hat mich nachdenklich zurückgelassen.
Am Anfang hatte ich etwas Mühe, die verschiedenen Erzählstränge den jeweiligen Personen zuzuordnen. Aber bald wurde klar, wer was erzählt.
Mechthild Borrmann hat einen lebendigen, flüssigen Erzählstil, der niemals langweilig wird. Die meisten Protagonisten sind durchweg sympathisch und ihre Handlungsweise ist oft der damaligen Situation geschuldet.
Ich kann das Buch uneingeschränkt empfehlen.
Kann man seiner Erinnerung trauen?
Sonnenaufgang Nr. 5 von Carsten Sebastian Henn
Inhalt:
Jonas kommt an einem kleinen Ort an der See an, um die Autobiographie von Stella Dor zu schreiben. Stella hat auf vielen kleinen Zetteln kurze Ereignisse aus ihrem Leben notiert und gesammelt, die sie nach und nach hervorholt, um Jonas die Geschichte dazu zu erzählen. Aber stimmt ihr Erinnerungsvermögen mit der Wahrheit überein?
Mein Eindruck:
Mich hat sehr beeindruckt wie Carsten Henn mit großem Einfühlungsvermögen die Protagonisten in diesem Roman beschrieben hat.
Wie im richtigen Leben haben alle Personen ihr Päckchen zu tragen. In Rückblicken erfährt die Leserschaft wie das Leben allen Mitwirkenden mitgespielt hat und welche Wahrheiten verdrängt werden. Man erfährt sogar wie es dem Hund "guter Junge" ergangen war, bevor er zu seinem jetzigen Herrchen kam.
Für mich ist es ein Buch, das Mut macht, nicht trotz aller Schicksalsschläge den Kopf in den Sand zu stecken. Carsten Henn schafft es, tief in die Seele der Menschen zu blicken und ihre Gefühle zu beschreiben. Für mich war dieses Buch mein Highlight in meinem Lesejahr.
Ein echter Pageturner
Wem du traust von Petra Johann
Ein Mädchen verschwindet - eigentlich in Krimis nichts Neues. Hier auch?
Sofia wird nach dem Babysitten von dem Vater des kleinen Linus nach Hause gefahren und ist seit dem spurlos verschwunden. Schnell erhärtet sich der Verdacht, dass dieser etwas mit dem Verschwinden zu tun hat, schließlich hat er das Mädchen als Letzter lebend gesehen.
"Wem du traust" ist das erste Buch, das ich von Petra Johann gelesen habe und ich bin mir sicher, dass es nicht das letzte sein wird. Ihr Krimi liest sich flüssig und versteht es, die Spannung bis zum Schluss aufrechtzuerhalten.
Die beiden Hauptfiguren Susanne (Mutter des verschwundenen Mädchens) und Eva (Mutter von Linus und beste Freundin von Susanne) werden der Leserschaft ausführlich vorgestellt und auch ihre besondere Beziehung zueinander wird plausibel erklärt. Selbst in dieser Extremsituation halten beide fest zusammen, was manchmal etwas unglaubwürdig erscheint. Trotzdem konnte ich mich sehr gut in beide Charaktere hineinversetzen.
Petra Johann versteht es sehr gut, die Gefühlslage der agierenden Personen zu beschreiben.
Auch wem man zum Schluss hin zu ahnen beginnt, was Sofia zugestoßen ist, kann man das Buch nicht aus der Hand legen und hofft auf ein glückliches Ende.
Ich kann das Buch allen Krimifans uneingeschränkt empfehlen.





