Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Ulgu1978:
Prometheus
Alles wird Asche (Ein Bodenstein-Kirchhoff-Krimi 12) von Nele Neuhaus
Prometheus
Pia muss einen komplizierten Fall lösen. Der Tod eines bekannten Milliardärs wirft viele Fragen auf, besonders nachdem sich immer mehr Mordfälle ereignen. Wer ist der Serienmörder und was ist das Motiv?
Der 12. Fall mit dem Ermittlerteam Pia Sander und Oliver von Bodenstein ist tatsächlich mein erstes Buch von Nele Neuhaus.
Da es sich um einen abgeschlossenen Fall handelt, sind Vorkenntnisse aus den vorangegangenen Bänden nicht erforderlich. Und nach diesem Buch bedauere ich es sehr, nicht schon früher die Pia-Fälle gelesen zu haben.
Auch wenn ich durch die vielen verschiedenen Namen ab und zu das Personenverzeichnis zu Rate ziehen musste, war ich von diesem Krimi fasziniert. Auch durch die vielen verschiedenen Erzählstränge war es für mich als Leserin etwas schwierig den Überblick zu behalten und ich habe deswegen nicht so über die Seiten fliegen können wie es häufig bei Krimis möglich ist. Aber gerade deswegen hat mich das Buch gefesselt und die Spannung wurde durch die vielen möglichen Verdächtigen aufrecht erhalten. Ein wirklich spannendes Buch, das ich allen Krimifans empfehlen kann, die Spaß an komplexen Fällen haben.
Tilly
Niemals geht man so ganz von Andreas Izquierdo
Tilly
Mads Madsen ist Trauerredner und wird Zeuge als Tillys Mutter Suizid begeht. Mads findet ihre Tochter Tilly und mit Hilfe der Malteserhündin Bobby erlangt er ihr Vertrauen. Schließlich verspricht er ihr, herauszufinden, welche Nachricht ihre Mutter ihr sagen wollte.
Andreas Izquierdo könnte als Zweitjob auch Trauerredner werden.
Ich würde ihn engagieren.
Ganz viel Herz und Menschenkenntnis hat er in diesen Roman einfließen lassen. Er versteht es auf besondere Weise die Gefühle von trauernden Menschen zu beschreiben.
Die Figuren in diesem Buch sind manchmal authentisch (Mads Madsen), manchmal überzeichnet (Fridtjof) beschrieben. Besonders belustigt haben mich die tackerwerfende Kommissarin und der mit skurrilen Ideen übersprudelnde Fridtjof. Wenn es besonders emotional wurde, haben die beiden es immer wieder geschafft, mich zum Lachen zu bringen.
Ich hatte den ersten Band "Über die Toten nur Gutes" nicht gelesen. Das bedauere ich jetzt sehr, weil ich glaube etwas versäumt zu haben. Aber um in diese aktuelle Geschichte eintauchen zu können, ist es meiner Meinung nach nicht notwendig den ersten Band zu kennen.
Ich werde auf jeden Fall das nächste Buch mit Mads Madsen nicht versäumen.
Die 5 Sterne sind mehr als verdient.
Toxische Beziehungen
Most Hated Girl von Kirsty Lockwood
Toxische Beziehungen
Die 19jährige Odette trifft bei einem Museumsbesuch zufällig auf den 80jährigen Amos. Sie hat vor kurzem erst ihre Mutter beerdigt, die bis zu diesem Zeitpunkt ihre einzige Bezugsperson war. Sie hofft, in ihm einen großväterlichen Freund gefunden zu haben. Als sich ihre Wohnungssituation verschlechtert, zieht sie bei ihm ein.
Sie überredet ihn, gemeinsame Videos zu drehen und im Internet hochzuladen. Bis es zur Katastrophe kommt.
Kirsty Lockwood hat mit diesem Buch einen überaus spannenden Psychothriller geschrieben.
Das Buch beginnt mit der Verhaftung von Odette. In Rückblicken wird ausführlich beschrieben wie es dazu kommen konnte, dass Odette wegen Mordes verhaftet wurde. Parallel wird über die polizeiliche Ermittlungsarbeit und den Shitstorm berichtet, der über Odette hereinbricht.
Während der gesamten Lesezeit hatte ich das Gefühl, Odette in den Arm nehmen zu müssen, um sie erst vor ihrer Mutter und später vor Amos zu beschützen. In diesem Thriller geht es vor allem um psychischen Missbrauch, den die Protagonistin nicht wahrhaben will und deshalb warnende Hinweise von ihrer Betreuerin im Jobcenter nicht ernst nimmt. Als sie es erkennt, ist es fast schon zu spät.
Odettes Ängste und Zweifel werden anschaulich dargestellt und sind aufgrund ihrer Kindheit nachvollziehbar.
Die Auflösung zum Ende ist etwas diffus, ändert aber nichts an meiner Meinung, dass dies ein überaus spannendes Buch ist, das ich in einem Rutsch durchgelesen habe.
Todesengel
Gnadenopfer von Viveca Sten
Todesengel
Hanna wird auf den plötzlichen Tod eines alten Herrn aufmerksam gemacht und gebeten, die Todesursache nachzuprüfen. Zunächst scheint alles seine Richtigkeit zu haben: der Verstorbene war bereits über 90 Jahre alt, krank, einsam und wurde von einem Pflegedienst betreut. Als Hanna von weiteren unvorhersehbaren Todesfällen von Pflegebedürftigen erfährt, wird sie aufmerksam und begibt sich auf Spurensuche.
Zu ihren Zweifeln, ob ihre Vermutung richtig ist, kommt ein Streit mit Daniel hinzu, der sie sehr belastet. Mit ihm hätte sie sich gerne zu diesem Fall ausgetauscht.
Viveca Sten beschreibt in diesem Buch sehr anschaulich wie alte Menschen vereinsamen können, weil sie aufgrund ihres Alters und ihrer Krankheit kaum noch das Haus verlassen. Oft sind die Mitarbeiter/innen eines Pflegedienstes der einzige Kontakt zur Außenwelt.
Die Spannung kommt auch diesmal wieder nicht zu kurz, da es im Laufe der Geschichte immer mehr verdächtige Personen gibt, die für die Morde "aus Barmherzigkeit" in Frage kommen.
Auch über das Privatleben der Protagonisten erfährt die Leserschaft vieles. Anton und Carl bereiten ihre Hochzeit vor. Leider ist das Verhalten von Antons Vater der Wermutstropfen bei den Vorbereitungen. Daniel lernt Clara kennen und hat doch nur seine Gedanken bei Hanna. Durch diese privaten Einblicke wird das Buch nicht langweilig, im Gegenteil, es erhöht oftmals fie Spannung.
Das fünfte Buch mit Hanna Ahlander ist für mich ein Pageturner. Ich habe es in zwei Tagen durchgelesen, weil ich es einfach nicht aus der Hand legen konnte.
In der Einöde
Nach der Sonne schauen von Martina Hefter
Iona Bartschok ist Installationskünstlerin und begibt sich in eine Halle im ehemaligen Leipziger Tagebaugebiet. Ihr Ziel ist es, dort die dortige Umgebung als Modell in viertausend Jahren nachzubilden. Einzige Gesellschaft ist anfangs der digitale Hund Robyn, für den sie sich nur zeitweise erwärmen kann.
Anders verhält es sich mit Bella, ein lebendiger Hund, der ihr zuläuft. Sie kümmert sich rührend um das Tier und "vergisst", ihn beim Tierheim abzugeben. Schließlich stößt auch noch Nova zu ihr, die Nichte ihres Vermieters, mit der sie sich nach anfänglichem Zögern anfreundet.
Iona Bartschok erinnert sich während ihres Aufenthaltes dort in dieser menschenleeren Gegend an ihre Eltern und ihre Kindheit auf der Alm. Besonders zu schaffen macht ihr aber, dass ihre Installation "Das Baumhaus" mit einem Schimpfwort besprüht wurde. Sie kommt gedanklich immer wieder auf dieses Ereignis zurück, das sie viel mehr berührt als sie es sich selbst gegenüber zugeben will.
"Nach der Sonne schauen" ist ein ruhiger Roman, der zeigt, dass der Mensch Gesellschaft braucht, auch wenn er es nicht zugeben will. Auch wird deutlich, wie sehr es in einem Menschen nachhallt, wenn er Beleidigungen erfährt. Und hier ist die Beleidigung mit einer Beschädigung verbunden, die nicht ausgebessert werden kann. Da Iona unvermutet immer wieder auf dieses Thema zurückkommt, wird deutlich, wie sehr sie dieses Ereignis beschäftigt.
Besonders der Schreibstil von Martina Hefter hat mir gut gefallen. Auch wenn ich nicht immer alles nachvollziehen konnte was die Protagonistin bewegte, war sie mir doch sehr sympathisch.
Lebenslügen
Alles Liebe von Ronja von Rönne
Lebenslügen
5 Kurzgeschichten, die mit "Alles Liebe" überschrieben sind, aber mit Liebe wenig zu tun haben. Zumindest ist das mein Eindruck.
Laura, Barbara Heike, Fedor und Mattis versuchen mehr oder weniger erfolgreich mit Lügen die Anerkennung oder Liebe ihrer Mitmenschen zu erhalten.
Auch wenn es erst nicht den Anschein hat, hängen alle Geschichten irgendwie zusammen.
Ich hatte mir unter dem Buchtitel vorgestellt, "echte" Liebesgeschichten lesen zu dürfen. Ich habe dann aber bei den ersten Seiten festgestellt, dass es hier wohl eher um die Suche nach Liebe geht bzw. um das was darunter verstanden wird. Und um diese "Liebe" zu erhalten, verfallen die Protagonisten auf die merkwürdigsten Ideen, die meiner Meinung nach eher Verzweiflungstaten ähneln. Und obwohl die Protagonisten mit ihrer Strategie scheitern, wenden sie ihre Taktik an anderer Stelle wieder an.
Ronja von Rönne schildert sehr anschaulich und eindringlich die Gefühle dieser fünf Menschen und ihre Beweggründe für ihr Handeln. Ich kann kein Verständnis für deren Vorgehen entwickeln, nur Mitleid. Aber interessant ist es zu beobachten wie erfindungsreich Menschen sein können um etwas zu erreichen. Mir haben nicht nur die Kurzgeschichten gut gefallen, sondern auch das ungewöhnliche Nachwort der Autorin, das auf keinen Fall ausgelassen werden sollte.
Gute-Laune-Garant
Guten Morgen, schönes Wetter heute von Tanja Kokoska
Eine Siedlung irgendwo in einer Stadt. Das klingt eigentlich ganz unspektakulär, aber Tanja Kokoska gelingt es, aus vielen Alltagsszenen, Charakteren und Familiengeschichten ein Wohlfühl-Buch zu schreiben, das mich in seinen Bann gezogen hat.
Wir lernen unter anderem Ina und Henry, Frau Kaiser, Herrn Bello und weitere Bewohner aus dieser Siedlung kennen.
Sie kennen sich alle untereinander zunächst nicht näher, höchstens "vom Sehen", aber ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg verändert nicht alles, aber doch vieles. Bis auf Herrn Krämer begegnet man durchweg sympathischen Menschen in dieser Siedlung. Wobei mir die beiden Hauptfiguren Ina und Henry besonders gut gefallen haben.
Ich habe dieses Buch in einem Rutsch durchgelesen und konnte mir an einigen Stellen das Schmunzeln nicht verkneifen. Mit diesem Buch kann man sich einen total verregneten Tag im wahrsten Sinne des Wortes schönlesen. Wer kleine Familiengeschichten mag, das Unspektakuläre interessant findet und ein paar entspannte Lesestunden erleben möchte, ist mit diesem Buch bestens bedient.
Mein Fazit: Bei schlechtem Wetter oder schlechter Laune sollte man dieses Buch zur Hand nehmen. Auch wenn das Wetter davon nicht besser wird, die Laune wird es auf jeden Fall.
Frau Bloch als Miss Marple?
Die Auster von Yael Inokai
Frau Leonora Bloch putzt bei dem Kaufhaus-Geschäftsführer Dr. Bronstett in seinem Privathaus. Nachdem sie früher im Kaufhaus selbst gearbeitet hat, sichert sie sich damit im Rentenalter ihren Lebensunterhalt. Eines Tages findet sie bei Arbeitsantritt ihren Arbeitgeber mit abgehackten Händen ermordet vor.
Aus mir unerfindlichen Gründen (und das Warum wird auch im Verlauf der Geschichte nicht aufgeklärt) unterzieht Frau Bloch sämtliche Spuren der Tat einer gründlichen Reinigung, was von der Kriminalpolizei schulterzuckend hingenommen wird...
Und nun erwartet die krimierfahrene Leserschaft eine ausgeklügelte, spannende Auflösung des Tathergangs und die Überführung des Täters. Aber weit gefehlt, von Seite zu Seite breitet sich die Enttäuschung weiter aus. Man erfährt viele Alltagsbegebenheiten der Protagonistin, ihrer Freunde und Arbeitskollegen teilweise bis ins kleinste Detail und fragt sich, an welcher Stelle man übersehen hat, dass dies für die Aufklärung der Straftat relevant ist.
Ich habe mehrfach überlegt, das Buch abzubrechen, war aber doch zu neugierig ob und wie sich der Fall schließlich aufklären lässt. Eine Aufklärung gibt es zum Schluss, die mich aber nicht wirklich überzeugen konnte.
Ohne den Anspruch, eine Kriminalgeschichte zu sein, hat mir der Schreibstil von Yael Inokai sehr gut gefallen. Hierfür kann ich guten Gewissens meine Sterne vergeben.
Ein besonderes Lese-Erlebnis
Die Flussfrau von Tanja Weber
Lis wächst während des zweiten Weltkrieges auf dem elterlichen Bauernhof auf. Um einer arrangierten Ehe mit einem sehr viel älteren Bauern zu entgehen, heiratet sie den Frachtschiffer Horst. Und hier beginnt ihr eigentliches Leben, das sie trotz harter Arbeit und vieler Entbehrungen lieben lernt.
Als sie nach dem Tod ihres Mannes selbst Kapitänin wird, hat sie mit vielen Vorurteilen zu kämpfen, aber sie schafft es sich ihren Platz in dieser Männerdomäne zu erkämpfen.
Tanja Weber hat mit viel Herzblut das Leben einer Kämpferin beschrieben, die trotz vieler Hindernisse ein zufriedenes Leben führt und mit niemandem tauschen möchte. Als Leser/in begleitet man nicht nur Lis' Leben, sondern erfährt auch einiges über das jeweilige Zeitgeschehen im Nachkriegsdeutschland. Tanja Weber hat mit ihrem Schreibstil ein besonderes Talent, nicht nur die Gefühle der Menschen, sondern auch sehr bildhaft die Natur zu beschreiben. Lis ist eine sehr sympathische Protagonistin, die ich gern durch ihr Leben begleitet und ihren Mut und ihren Durchsetzungswillen bewundert habe.
Mich hat das Buch bereits nach den ersten Seiten in seinen Bann gezogen und ich konnte es kaum aus der Hand legen. Ein selten schönes Buch, das ich sehr genossen habe. Für mich ein besonderes Highlight in meinem Lesejahr
Ich kann diesen Roman uneingeschränkt empfehlen und hoffe sehr, bald noch mehr von dieser Autorin lesen zu dürfen.
Familiengeheimnis
Lori von Anousch Mueller
Leni ist eins von sechs (lebenden) Geschwistern und hat eine Ahnung, dass es noch eine Schwester gab, traut sich aber nicht, ihre Eltern danach zu fragen. Eines Tages findet sie den Beweis dafür, dass ihre Vermutung stimmt, behält aber auch diese Erkenntnis für sich. Allerdings hat sie keine Erinnerung daran, was mit dieser fehlenden Schwester passiert ist.
Sie schafft es selbst als Erwachsene nicht, mit ihren Eltern über vergangene Ereignisse um ihre Schwester Lori zu sprechen.
Anousch Mueller beschreibt in ihrem Roman sehr anschaulich wie schwierig es ist, mit seinen Kindern über Familienkatastrophen zu sprechen oder als Kind danach zu fragen. Als Hintergrund der in Rückblicken erzählten Geschichte dienen überwiegend die politischen Ereignisse in der DDR in den siebziger Jahren.
Leider wird vieles nur oberflächlich angerissen. Wer eine umfassende Berichterstattung der damaligen politischen Ereignisse erwartet, wird enttäuscht. Auch was sich mit Lori zugetragen hat, wird nur nebulös erzählt. Man muss schon seine Phantasie bemühen um einigermaßen zu verstehen was mit Lori passiert ist. Schade, eine detailliertere Aufklärung hätte dem Roman gut getan.











