Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Ulgu1978:
Hanna, die Blumenbinderin
Schwebende Lasten von Annett Gröschner
Annett Gröschner beschreibt in "Schwebende Lasten" das Leben von Hanna, die 1913 in Magdeburg geboren wurde und dort ihr gesamtes Leben verbringt. Sie erlebt zwei Kriege und hat mit ihrem Mann Karl sechs Kinder, die mehrfachen Abtreibungen nicht mit eingerechnet. Die Leserschaft erlebt mit Hanna wie das Leben in Magdeburg nach dem Krieg weitergeht.
Sie muss ihren geliebten Beruf als Blumenbinderin aufgeben und später als Kranfahrerin für den Lebensunterhalt der Familie sorgen.
Hanna ist eine Frau, die trotz vieler Schicksalsschläge nicht aufgibt. Obwohl ich sie dafür bewundert habe, bleibt sie für mich unpersönlich und unnahbar. Insgesamt ist das Buch eine interessante Beschreibung des Lebens einer Frau in der damaligen DDR, das bei mir keinen nachhaltigen Eindruck hinterlässt und ich immer wieder überlegt hatte, das Buch abzubrechen. Vor allem habe ich am Ende ein Nachwort der Schriftstellerin vermisst, in dem erklärt wird, ob es die Person Hanna tatsächlich gegeben hat oder ob sie stellvertretend für verschiedene Ereignisse in Magdeburg steht.
Toxische Dreiecksbeziehung
Rückkehr nach Budapest von Nikoletta Kiss
Márta fährt zur Beerdigung ihrer Cousine Theresa, mit der sie während ihrer Jugend- und Studentenzeit eng befreundet war. Márta lebte zu der Zeit in Budapest bei ihrem alkoholkranken Vater und haderte damit, dass ihre Mutter die Familie verlassen hat. Theresa wohnte in der damaligen DDR.
Der Roman erzählt in langen Rückblicken wie Márta und Theresa damals Konstantin in der DDR kennenlernten und sich beide in ihn verliebten.
Ich hatte mehrfach überlegt, das Buch abzubrechen, weil ich mich mit keiner der Hauptfiguren anfreunden konnte. Im Gegenteil, es hat mich genervt wie naiv Márta oftmals agierte. Die unsympathischste Person war für mich Konstantin und es ist mir von Anfang bis Ende unbegreiflich geblieben wie beide Frauen ihm verfallen konnten.
Interessant war allerdings die Beschreibung der Geschehnisse in der damaligen DDR und wie sie Schriftsteller behandelten, die nicht der dortigen "Norm" entsprachen. Dafür kann ich guten Gewissens drei Sterne vergeben.
Schwacher Folgeband
The Woman in Suite 11 von Ruth Ware
The woman in Suite 11 ist der Nachfolgeband von The Woman in cabin 10.
Band 2 kann auch problemlos gelesen werden, ohne Band 1 zu kennen.
Die Journalistin Lo Blacklock erhält eine Einladung in ein Hotel in der Schweiz und hofft hier einen reichen Firmeninhaber interviewen zu können, um so einen Neustart ihrer Journalistenkarriere zu erreichen.
Im Hotel trifft sie alte Bekannte, die auch seinerzeit Passagiere auf der Aurora waren. Und überraschenderweise erklärt sich der Firmenchef ihr gegenüber zu einem Interview bereit.
Der Schreibstil von Ruth Ware ist gewohnt flüssig und lässt sich gut lesen, ist allerdings mäßig spannend. Auch in anderer Hinsicht hat mich dieser Folgeband enttäuscht. Bis auf die eine Person, von der Lo um Hilfe gebeten wird, erschließt sich mir nicht, warum noch weitere Personen des ersten Bandes in diesem Roman vorkommen. Sie haben aus meiner Sicht keine nennenswerte Funktion. Auch die naive Handlungsweise der Protagonistin hat mich immer wieder den Kopf schütteln lassen. Auch die ständigen Verweise auf den ersten Band sind meiner Meinung nicht notwendig, da die dortigen Ereignisse nichts mit dieser Geschichte zu tun haben.
Gefährlicher Abzählreim
Der Kuckucksjunge von Søren Sveistrup
Eine Frau ist verschwunden, was das Ermittlerduo Thulin und Hess zunächst nicht aus der Ruhe bringt. Dann aber wird festgestellt, dass Silje Thomsen gestalkt und mit einem bedrohlichen Abzählreim konfrontiert wurde. Parallelen zu einem alten Fall lassen die beiden Ermittler aufhorchen und ihre Ermittlertätigkeit erhöhen.
"Der Kuckucksjunge" ist der Nachfolgeband von dem "Kastanienmann", den ich vorher nicht gelesen habe. Das ist auch meiner Meinung nach nicht notwendig, da nur wenige Ereignisse auf den ersten Band aufbauen.
Die erste Hälfte des Buches zieht sich ein bisschen in die Länge, vermutlich um die Spannung zu erhöhen. Für meinen Geschmack werden die privaten Probleme der beiden Ermittler etwas zu ausführlich beschrieben.
Dafür entwickelt sich die zweite Hälfte zu einem echten Pageturner mit einem lange nicht vorhersehbaren Ende.
Søren Sveistrup hat auf über 600 Seiten einen spannenden Thriller geschrieben, den ich trotz anfänglicher Längen allen Krimifans empfehlen kann.
Kindheitserinnerungen
Halber Stein von Iris Wolff
Friedesine kehrt nach vielen Jahren an den Ort ihrer Kindheit in Siebenbürgen zurück weil ihre Großmutter verstorben ist. Sie berichtet wie sie die Vorbereitungen für die Trauerfeier ihrer Großmutter Agneta erlebt, die sehr tradionell gestaltet wird. Sie trifft ihren Jugendfreund Julian wieder und beide erneuern ihre Freundschaft.
Allein und auch gemeinsam mit ihrem Vater erkundet sie den Ort und die Gegend ihrer Kindheit, und erinnert sich dabei an damalige Ereignisse.
Iris Wolff erzählt mit "Halber Stein" wie es sich anfühlt, wenn man nach jahrelanger Abwesenheit an den Ort zurückkehrt, an dem man als Kind aufgewachsen ist. Ein ruhiger Roman, der vor allem durch seine detaillierte Beschreibung der Landschaft in Siebenbürgen besticht. Wer selbst in Siebenbürgen gelebt hat, wird sicherlich Freude an dieser Erzählung haben. Für mich als Ortsunkundige waren die Beschreibungen oft zu langatmig und gingen zu Lasten der Spannung.
Wo ist Isabelle?
Schattenmädchen von Frida Skybäck
Schattenmädchen von Frida Skybäck hat mich deshalb interessiert, weil es einen realen Hintergrund hierzu gibt.
Die Studentin Isabelle verschwindet und es gibt nur wenig Anhaltspunkte über ihren Verbleib. Fredrika und Henry ermitteln in diesem Vermisstenfall und sehen bald Parallelen zu einem alten Fall.
Dieser liegt schon ein paar Jahre zurück und der Täter ist auch damals zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Im Laufe der neuen Ermittlungen beginnt Fredrika daran zu zweifeln, ob seinerzeit der richtige Täter bestraft wurde.
Vielleicht ist es von der Autorin so gewollt, aber es fällt mir schwer, Sympathien für Fredrika zu entwickeln. Ihre Verbissenheit, einer bestimmten Person die Tat nachzuweisen und auch die Handhabung ihrer Beziehung macht sie für mich nicht gerade zu meiner Lieblingsermittlerin. Sie möchte ihren Freund Jonas nicht verlieren, stößt ihn aber immer wieder von sich.
Fazit:
Ein unblutiger Krimi mit ein paar Längen im privaten Bereich der beiden Ermittler und mit einem überraschenden Ende, das mich ein bisschen ratlos zurückgelassen hat. Hier hätte ich gerne noch ein paar Informationen gehabt.
Ein neuer Oxen
Oxen. Interregnum von Jens Henrik Jensen
Interregnum ist der siebente Band der Oxen-Reihe. Für mich war es der erste Band, den ich gelesen habe.
In den ersten Oxen-Büchern ging es darum, den Danehof zu zerschlagen. Bei dem Danehof handelt es sich um einen skrupellosen, mächtigen Geheimbund, der aus einflussreichen Persönlichkeiten in Dänemark besteht.
In Interregnum gibt es Personen, die den Danehof wiederbeleben wollen, was der Elitesoldat Oxen mit Mossmann und Franck verhindern will.
In einem zweiten Erzählstrang geht es um Oxens Sohn, der von einer Bande bedroht wird und für zusätzliche Spannung sorgt.
Beide Geschichten werden mit sympathischen Protagonisten auf ca. 600 Seiten erzählt. Für mich war es ein solider Krimi, der sich gut und interessant lesen lässt, aber auch seine Längen hat. Viele alltägliche Situationen werden für meinen Geschmack zu detailliert beschrieben. Als Quereinsteiger in diese Buchreihe hatte ich anfangs Verständnisprobleme, was Danehof bedeutet und musste dies recherchieren. Ansonsten muss man meiner Meinung nach nicht alle vorherigen Bücher dieser Reihe gelesen haben, um der Handlung in diesem Band folgen zu können, zumal immer wieder über vergangene Ereignisse berichtet wird.
Eine Leseempfehlung von mir mit 4 Sternen.
Auf Beobachtungsposten
Das Signal von Ursula Poznanski
Ursula Poznanski ist für mich ein Garant für Spannung. Auch diesmal wurde ich nicht enttäuscht.
Viola verliert ihren linken Unterschenkel, als der Weinkeller ihres Hauses einstürzt. Sie kann sich anschließend nicht erinnern wie es zu dem Einsturz kam. Es hat zunächst den Anschein als würde ihr Mann sich rührend um ihr Wohlbefinden kümmern.
Aber bald hat Viola den Verdacht, dass er sie belügt und kommt auf die Idee, ihn mit kleinen Trackern zu überwachen.
Obwohl es in diesem Thriller wenig Tote und Gewalt gibt, ist es als Leser/in spannend zu verfolgen, welche Schlussfolgerungen Viola aus den Trackerspuren zieht, die ihr Mann hinterlässt. Es wird der Leserschaft schnell klar, dass Violas Mann lügt. Aber wie sieht es mit ihrem weiteren Umfeld aus, mit ihren Freundinnen und ihrer Pflegerin? Aber auch Viola hat ihre Geheimnisse. Welche, wird erst spät im Buch verraten.
Für mich war es eines der spannendsten Bücher von Ursula Poznanski und ich konnte es kaum aus der Hand legen. Von mir eine klare Leseempfehlung mit fünf Sternen.
Medea, die Hexe
Medea von Rosie Hewlett
Ich gebe zu, ich hatte mich bisher wenig mit der griechischen Mythologie befasst. Ich habe mich mit Medea erst nach den ersten Seiten dieses Buches genauer befasst. Danach konnte ich die Geschichte in diesem Buch besser nachvollziehen.
Medea, die kolchische Hexe oder Zauberin hatte Circe als Lehrmeisterin.
Sie wurde von ihrem Vater unter Verschluss gehalten und von ihrer Mutter ignoriert. Als Jason mit seinen Argonauten erscheint, verliebt sie sich in ihn und hofft mit seiner Hilfe ihrem elterlichen Gefängnis entfliehen zu können. Erst nach Jahren erkennt sie, dass sie nur Jasons Werkzeug war.
Rosie Hewlett haucht mit ihrem Roman Medea neues Leben ein und versucht, ihre Beweggründe für ihr blutiges Tun, mit ihrer Vergangenheit zu erklären. Dies ist die Geschichte einer Frau, die von einer Unterdrückung in die nächste gestolpert ist und Mühe hat, ihren Hass und ihren Zorn zu zügeln.
Wer sich für diese Thematik interessiert, wird mit diesem Buch gut bedient und sieht vieles aus einem anderen Blickwinkel.
Nachkriegszeit in Hamburg
In den Scherben das Licht von Carmen Korn
Carmen Korns neuester Roman spielt in der Zeit von 1946 bis 1955. Wir lernen Gisela und Gert kennen, zwei junge Leute, die auf der Suche nach ihren Familien sind. Beide finden in dem zerbombten Hamburg Unterschlupf in Friedes Keller.
Man spürt, dass es anfangs um das nackte Überleben in den Trümmern geht.
Es wird gehamstert, auf dem Schwarzmarkt gefeilscht und versucht, die Kriegserlebnisse zu vergessen.
Und wie im richtigen Leben freuen sich die einen über einen Kanten Brot und die anderen überlegen, wo sie ihre Austern schlürfen können.
Insgesamt eine realistische Schilderung aus dieser Zeit mit Verlierern und Gewinnern.
Allerdings reicht dieser Roman nicht an die bisherigen von Carmen Korn heran. Durch die vielen verschiedenen Personen und die innerhalb eines Kapitels mehrmals wechselnden Protagonisten ist es nicht immer leicht, der Geschichte zu folgen. Ein Personenregister wäre hilfreich gewesen. Zudem wird oftmals erst nach mehreren Sätzen klar, von wem gerade die Rede ist. Auch bleiben die Figuren merkwürdig blass und es fällt schwer, Sympathien für sie zu entwickeln. Deshalb kann ich das Buch nur eingeschränkt empfehlen.











