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Rezensionen von Havers:

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Roman oder Einführungsvorlesung?

Der Gärtner und die Katze - Eine Reise zu den berühmtesten Gedichten der Weltliteratur von Thomas Schlesser

Mir hat sich bei Thomas Schlessers „Der Gärtner und die Katze“ unweigerlich der Vergleich mit „Monas Augen“ aufgedrängt. Das Konzept ist das Gleiche, eine Lehrer-Schüler-Situation. Ein Mensch in einer Krisen trifft auf jemanden mit speziellem Wissen, lange Gespräche folgen, in denen das Eintauchen in besagte Materie allmählich dafür sorgt, dass sich der Blick, nicht nur auf das Problem sondern auch auf die Welt, verändert.

Die Geschichte des Gärtners Louis, dessen Sorgen und Ängste um seine kranke Katze, dient lediglich als Rahmenhandlung, als Klammer für das eigentliche Thema, was in diesem Fall einer Einführungsvorlesung in die Poetik gleichkommt.

Der Autor ist von Haus aus Kunsthistoriker, lehrt an der École polytechnique in Paris, möchte sein Wissen nicht nur an seine Schüler/Studenten, sondern an die breite Masse weitergeben, wobei ich allerdings so meine Zweifel habe, ob das bei dieser weitgefassten Zielgruppe gelingen wird.

Man sollte schon Interesse an dem Thema mitbringen, um einen Mehrwert aus der Lektüre mitzunehmen, werden doch sehr viele Hintergrundinformationen (insbesondere solche, in denen es sehr theoretisch wird) eher staubtrocken präsentiert und laden nicht unbedingt dazu ein, tiefer in die Gedichtanalyse einzutauchen, selbst dann, wenn man durch ein entsprechendes Studium vorbelastet ist.

„Der Gärtner und die Katze“ war ein Buch, für das ich mir Zeit gelassen habe. Nichts, was ich an der Handlung entlang lesen konnte, sondern immer wieder zur Seite legen musste, um die unzähligen Informationen zu überdenken und zu verarbeiten. Ja, stellenweise war es zäh, hat aber dafür gesorgt, dass ich mal wieder die eingestaubten Gedichtbände aus den Regalen gezogen und mich in sie vertieft habe. Und das ist doch auch was.
3,5

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Roman oder Einführungsvorlesung?
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Jenseits des guten Geschmacks - kein Lesevergnügen!

Weißer Rausch von Anu Ojala

Ich lese gerne Noir-Krimis, bieten diese doch meist neben einer spannenden Story auch noch interessante Blicke auf gesellschaftliche Schieflagen. Mit ein Grund, weshalb ich auf diesen so etikettierten ersten Band einer Lappland-Trilogie sehr gespannt war, dessen Handlung in und um Haparanda-Tornio, der Zwillingsstadt (schwedisch/finnisch) verortet ist.

Und dass Haparanda ein Hotspot ist, was die Kriminalitätsrate (insbesondere Drogendelikte) angeht, wissen wir schon seit Hans Rosenfeldts „Wolfssommer“.

Nun also „Weißer Rausch“, der Thriller von Anu Ojala, in dem wir Kommissarin Ronja Jentsch, Leiterin der grenzübergreifenden Ermittlungsgruppe, bei ihren Einsätzen über die Schulter schauen und die endlosen Dialoge mit allen und jedem lesen müssen. Und ich sage es gleich, es ist absolut ermüdend. Ständig Telefonate. Mit der Leitstelle, der Schichtzentrale und der KTU. An jedem Einsatzort wird ein RTW angefordert, sind wir jetzt in Berlin, oder was? Absolut irritierend, weiß die Übersetzerin nicht, dass das in Finnland nicht RTW sondern Ambulanssi heißt?

Dazu kommen die grausamen Mordmethoden inklusive Beschreibungen der Mordopfer, die einem Chris Carter alle Ehre gemacht hätten, häusliche Gewalt, begangen von einer Frau, die Mann und Kind misshandelt und dazwischen noch jede Menge Blabla.

Tut mir leid, aber das ist nicht das, was ich nach der Leseprobe von diesem Thriller erwartet habe. Glücklicherweise ist das Buch breit und mit vielen Absätzen und Leerzeilen gesetzt und auch nicht besonders umfangreich d.h. es ist schnell gelesen. Aber das war’s für mich dann auch - ich bin raus!

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Jenseits des guten Geschmacks - kein Lesevergnügen!
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Keine besonderen Küchenskills oder exotische Zutaten erorderlich

So schmeckt Frankreich von Christiane Leesker

Als ich das Vorwort der Autorin zu ihrem Kochbuch gelesen habe, musste ich schmunzeln, denn ich teile die gleichen Erfahrungen. Die Käseplatte war aber auch gar zu verlockend…
Christiane Leesker hat mit „So schmeckt Frankreich“ ein Kochbuch geschrieben, das sich auch die kleinen, unkomplizierten Happen mit französischem Touch beschränkt, die man reichen kann, wenn man Gäste geladen hat, die kein fünfgängiges Menu erwarten.

Diese sind aber auch durchaus problemlos für ein Abendessen während er Woche oder als Mitbringsel für eine Einladung geeignet, da ihre Zubereitung allesamt problemlos und ohne großen Zeitaufwand möglich ist.
Ich habe mittlerweile einige davon ausprobiert, insbesondere die Tomatentarte mit Blätterteig war im Freundeskreis der Renner!
Ein Kochbuch, das ich uneingeschränkt empfehlen kann, da für die Gerichte keine besonderen Küchenskills oder exotische Zutaten erforderlich sind

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Keine besonderen Küchenskills oder exotische Zutaten erorderlich
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Winterwunderland-Stimmung an der Côte d'Argent

Silberküste von Alexander Oetker

Geht es um das Urlaubskrimi Genre, bin ich einigermaßen kritisch, aber es gibt zwei Reihen, bei denen ich immer wieder ungeduldig die Erscheinungstermine herbeisehne, Bannalecs Bretagne-Reihe sowie Alexander Oetkers Luc Verlain-Krimis aus Aquitanien, dieser traumhaften Region im französischen Südwesten, denn bei diesen beiden werden schöne Urlaubserinnerungen geweckt.

Der Verkehrsunfall mit Todesfolge einer Gemeindeschwester wirft so viele Fragen auf, dass „Team Verlain“ misstrauisch wird. Zu Recht, wie sich herausstellen wird, denn sie ist nicht die einzige, die unter mysteriösen Umständen zu Tode gekommen ist.

In „Silberküste“, dem neuen Band von Alexander Oetkers Aquitanien-Reihe nimmt er uns in die kleinen Dörfer im Landesinneren der Côte d'Argent mit. Aber diesmal erleben wir die beeindruckende Gegend nicht im gleißenden Sonnenlicht sondern als tiefverschneite Winterlandschaft, eine Jahreszeit, die man in dieser Region als Urlauber nicht unbedingt vor Augen hat. Und genau das macht den besonderen Reiz dieses 11. Bandes aus, denn die kriminellen Umstände, die hinter den Todesfällen stecken, hat der Autor bereits in Ansätzen in einem seiner zypriotischen Krimis verarbeitet. Hier hätte ich mir etwas mehr Kreativität erwartet.

Nichtsdestotrotz habe ich dennoch diese Fortsetzung der Reihe auch wieder sehr gerne gelesen. Schon allein wegen des Wiedersehens mit dem sympathischen Commissaire, seiner Familie und seinem Team sowie den stimmungsvollen Beschreibungen dieses Landstrichs gelesen.

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Winterwunderland-Stimmung an der Côte d'Argent
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Spannungsliteratur, wie sie sein sollte

Wie ein Fluss in der Nacht von Tana French

Es gibt in der Spannungsliteratur wenige Reihen die bleiben, aber Tana Frenchs Ardnakelty-Trilogie ist ohne Zweifel eine davon.

„Der Sucher“, „Feuerjagd“ und nun der abschließende Band „Wie ein Fluss in der Nacht“. Die irische Autorin Tana French nimmt uns mit in das fiktive Bauerndorf Ardnakelty im spärlich besiedelten Westen Irland und gewährt uns einen melancholischen Blick auf dessen ländliche Gemeinschaft, deren Leben geprägt ist von der oft leidvollen Historie Irlands, von Erinnerungen und gewachsenen Traditionen, aber auch von Zusammenhalt.

Veränderungen werden mit Misstrauen beobachtet, insbesondere dann, wenn sich kein Sinn darin erkennen lässt und sie Unruhe ins Dorf bringen.

Dort hat sich Cal Hooper, Ex-Cop aus Chicago und begnadeter Handwerker, vor 5 Jahren ein heruntergekommenes Cottage gekauft, renoviert und sich so auch den Respekt der Einheimischen verdient. Er kümmert sich um Trey, ehemals das wilde Kind vom Berg, aber mittlerweile recht gut integriert, und ist mittlerweile mit Lena, einer Einheimischen, die sich am liebsten aus allem raushält, so quasi verlobt. Und dann ist da noch Mart, Schafbauer, graue Eminenz, Strippenzieher und direkter Nachbar Cals, der diesen so nach und nach in den inneren Kreis des Dorfs einführt. Soweit die Personen, die am stärksten in den jeweiligen Handlungen aller drei Bände hervorstechen.

Und ja, natürlich gibt es auch in „Wie ein Fluss in der Nacht“ einen Todesfall (nicht zu vergessen: am Ende noch einen zweiten, der mir die Tränen in die Augen getrieben hat), der die Ereignisse in Gang setzt und um dessen Aufklärung herum die Autorin diese ganz spezielle Dynamik des Dorfs und seiner Bewohner aufbaut, beobachtet und schildert. Aber dieser Tod ist eigentlich eher nebensächlich, French geht es vielmehr um den Blick ins Innere, in die Seelen der Menschen, was diese ganz besondere, melancholische Atmosphäre schafft, die über der Handlung dieses Romans liegt und Ardnakelty zum eigentlichen Hauptdarsteller macht.

Der Abschied von Ardnakelty fällt mir sehr, sehr schwer, denn selten hat mich in all den Jahrzehnten, seit denen ich lese, ein Buch so beeindruckt zurückgelassen. „Wie ein Fluss in der Nacht“ ist eine Perle der Spannungsliteratur, ein Hochkaräter, ein absolutes Highlight, das ich uneingeschränkt empfehle. Nehmt euch Zeit dafür und genießt es!

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Spannungsliteratur, wie sie sein sollte
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jenseits bunter Holzhäuschen und ländlicher Idylle

Der Clan - Die Straße von Pascal Engman

Wer wünscht sich auch mehr Spannungsliteratur, die die Realität wiederspiegelt? Falls ja, dann empfehle ich gerne die Thriller des schwedischen Autors Pascal Engman. Der ehemalige Journalist hat sein Handwerk bei „Expressen“ (schwedische Yellow Press) gelernt und mit seinen Thrillern bereits in der Vergangenheit bewiesen, dass er politische Themen, die viele westliche Gesellschaften heutzutage umtreiben, immer im Blick hat und entsprechend in die Handlung einarbeitet.

So natürlich auch in „Der Clan: Die Straße“. Angelegt als Trilogie nimmt uns dieser Auftaktband mit in einen Vorort von Stockholm, Herrschaftssitz des libanesischen Mansour-Clans. Im Wesentlichen kommen dessen Einnahmen aus dem Drogenhandel, schaut man aber genauer hin, kann man feststellen, dass der Clan (nicht nur) in jedem dreckigen Geschäft, das in und um die schwedische Hauptstadt getätigt wird, die Finger drin hat, denn dessen Einfluss reicht weiter als auf den ersten Blick ersichtlich ist. Und die Mitglieder kennen kein Pardon, entweder beugt man sich den ungeschriebenen Regeln des Clans oder man ist seines Lebens nicht mehr sicher.

Engman nutzt ein großes Personentableau und verschiedene Blickwinkel, um die Machtstrukturen, die verschiedenen Funktionen, Abhängigkeiten und Verbindungen zu beschreiben. Herausstechen hier Josef, Antonia, Zara, alle drei auf unterschiedliche Art und Weise, und nicht immer freiwillig, in diese verbrecherische Organisation involviert, und zu guter Letzt Hjalmar, ein Polizist, der stellvertretend für die Hilflosigkeit der schwedischen Polizei gegenüber der Clan-Kriminalität steht.

Häufige Perspektivwechsel und sich abwechselnde Handlungsstränge bringen Tempo in die gut geplottete und straff erzählte Story, so dass man das Buch kaum aus der Hand legen möchte. Die Sprache ist hart und direkt, nichts für empfindliche Gemüter, das Thema brandaktuell und durchaus auch seit geraumer Zeit in deutschen Großstädten ein Problem, dem auch unsere Gesetzeshüter machtlos gegenüberstehen.

Deshalb gibt es von mir eine uneingeschränkte Leseempfehlung für alle Leser*innen, die realistische Thriller aus Schweden jenseits bunter Holzhäuschen und ländlicher Idylle schätzen.

Nachbemerkung: Den 15. Januar 2027 habe ich mir bereits im Kalender notiert, denn dann erscheint mit „Der Clan – Die Regeln“ (Band 2 der Trilogie).

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Lesevergnügen à la Osman

Wir jagen Schatten (Wir finden Mörder-Serie 2) von Richard Osman

Richard Osmans Krimis lese ich nicht, weil ich superspannende Fälle erwarte, sondern weil ich mich in erster Linie auf seine humorvollen Beschreibungen der Protagonisten und ihre zwischenmenschlichen Beziehungen freue. Ganz gleich, ob das nun die Ermittlungen der scharfsinnigen Hobbydetektive des „Donnerstagsmordclubs“ aus Coppers Chase oder die des Trios der „Wir finden Mörder-Detektei“ sind, beide bieten in erster Linie einen hohen Unterhaltungswert, den Spannungsfaktor würde ich deshalb aus den genannten Gründen in der Tat weiter hinten einreihen.

Auftragsflaute beim Team. Die Personenschützerin Amy langweilt sich, ihr Schwiegervater und Ex-Cop Steve hat zumindest seine Pub Quiz Clique. Nur Rosie, die erfolgreichste Thriller-Autorin der Welt (wenn man Freida McFadden außen vor lässt) hat die Flaute genutzt und ihren neuen Reißer „Da senkt der Teufel den Blick“ beendet. Und natürlich lässt sie sich die Chance nicht entgehen, bei ihrer Buchpräsentation in London darauf hinzuweisen, dass ihre Detektei Kapazitäten frei hat, zumal ihr Buch nicht die erwarteten Erlöse generiert.

Glücklicherweise schaut Vern zu, ein zwielichtiger Halbkrimineller, der mit wirkungslosen Supplements ein Vermögen gemacht hat und um sein Leben fürchtet, nachdem einer seiner Leibwächter gekillt wurde. Also beauftragt er Amy, Steve und Rosie damit, den Mörder zu finden und unschädlich zu machen Die Zeit drängt, die Hatz beginnt, denn offensichtlich ist nicht nur Vern jemandem in die Quere gekommen…

Auch wenn immer wieder Zwischenkapitel aus wechselnden Perspektiven und Lokalitäten eingeschoben sind, konzentriert sich Osman doch im Wesentlichen auf seine drei Protagonisten, deren Dialoge und die Suche nach dem Bösewicht. Das ist anfangs zwar wortwitzig, abwechslungs- und temporeich, verliert aber durch die zunehmenden Wiederholungen leider dann doch etwas an Schwung. Und die Auflösung war dann auch mangels der eingeschränkten Anzahl der Verdächtigen und der "unerwarteten" Zufälle eher so la la.

Dennoch hat „Wir jagen Schatten“ über weite Strecken meine Erwartung erfüllt. Eine überschaubare Story ohne blutige Details, mit viel englischem Humor und sympathischen Protagonisten – ein Wohlfühl-Krimi eben.
(3,5* von 5, aufgerundet)

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Mit offenen Augen und ganz viel Herz

Landleute von Daniel Mason

Von Daniel Mason kenne ich „Der Wintersoldat“ und „Oben in den Wäldern“, beides Romane, die durch ihre sprachliche Qualität, ihren Detailreichtum und die behutsamen Beschreibungen der vielfältigen, menschlichen Schicksale beeindrucken.

Nun also „Landleute“, was sich näherungsweise in diesen Kanon einreiht.

Ein kalifornisches Ehepaar, Miles und Kate, beides Literaturwissenschaftler, packt die Koffer und macht sich mit Kindern und Trüffelhund auf den Weg ins ländliche Vermont, denn dort wurde Kate eine Gastprofessur an einem renommierten College angeboten. Nach der Ankunft stürzt sie sich sogleich in die Arbeit, die Kinder finden sich im Schulalltag zurecht, und auch Miles, Ich-Erzähler, Stay-at-home-Dad und bereits über ein Jahrzehnt mit seiner Promotion beschäftigt, hat den Kulturschock schnell verarbeitet und taucht ein in das ländliche Leben, „studiert“ nun die Landbevölkerung.

Diese Beschreibungen sind Mason außerordentlich gut gelungen, aber ich muss gestehen, das habe ich auch nicht anders erwartet. Sprachlich wie immer auf hohem Niveau schildert er die unterschiedlichsten Charaktere und teilweise auch skurrile Szenen, die an Absurdität nicht zu überbieten sind. Er beobachtet mit kindlichem Erstaunen die „Landleute“, die ihm in seinem neuen Leben begegnen, geht warmherzig und nachsichtig mit ihnen um, legt über all den Humor eine warme Decke aus Empathie und Melancholie.

Ein Roman mit Herz für alle, die mit offenen Augen und kindlichem Erstaunen durch die Welt gehen. Lesen!

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Blick hinter griechische Kulissen

Zorn der Verlierer von Petros Markaris

In seinem neuen Roman aus der Kostas Charitos-Reihe, setzt sich Petros Markaris mit den Veränderungen auseinander, denen das griechische Bildungssystem in den letzten Jahren unterworfen war und ist. Inhaltlich passt das zu Gesprächen, die ich während eines Kreta-Urlaubs vor einigen Jahren mit einem ehemaligen Lehrer geführt habe.

Mittlerweile war er Mitglied in einem Gremium, das die Inhalten der Lehrpläne überprüfen und diese gegebenenfalls anpassen sollte. Und ja, er war über die Forderungen nach der naturwissenschaftlichen Neuausrichtung und der Vernachlässigung der humanistischen Bildung genauso empört wie Markaris, womit wir beim Thema wären.

Wer die Reihe des Autors kennt, weiß, dass in seinen Büchern immer ein Thema im Zentrum steht, das politisch und gesellschaftlich relevant ist. In „Zorn der Verlierer“ ist es das einseitig ausgerichtete Bildungssystem Griechenlands, das die Studenten mangels Perspektiven auf die Straße treibt. Denn wenn sie sich anstelle eines naturwissenschaftlichen oder wirtschaftswissenschaftlichen Studienfachs für die Geisteswissenschaften entschieden haben, gibt es für sie keinen Platz in der Berufswelt. Weder Firmen, noch Behörden oder Universitäten haben Bedarf für Absolventen der humanistischen Fächer.

Natürlich gibt es zahlreiche Tote, ist ja eine Krimireihe. Allerdings liegt die Aufklärung dieser Fälle nun in der Hand von Kostas Charitos Nachfolgerin Antigoni Ferleki, denn Kostas ist mittlerweile Kriminaldirektor von Attika. Aber glücklicherweise müssen wir dennoch nicht auf das liebenswerte Personal aus Kostas Familien- und Freundeskreis verzichten. Diese Schilderungen sind wie immer sehr gut gelungen und eine willkommene Abwechslung, insbesondere dann, wenn sich der Autor einmal wieder in den Beschreibungen der administrativen Aufgaben des Kriminaldirektor verloren hat, was den Lesefluss einfach nur hemmt.

Dennoch gehört dieser 16. Band der Reihe (nach Bd. 14 und 15, den beiden thematisch eher uninteressanten Vorgängern) definitiv wieder zu den Highlights der Reihe, weshalb ich es (mit minimalen Abstrichen) empfehlen kann. Insbesondere dann, wenn der nächste Urlaub nach Griechenland oder auf eine griechische Insel führt.

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Diesem Buch mangelt es an allem, was einen skandinavischen Thriller ausmacht

Der Prätorianer von Tobias Bukkehave

Thriller, in denen Serienmörder im Fokus stehen, lese ich eigentlich kaum noch. Warum? Weil es in erster Linie den Autoren/Autorinnen darum geht, die Beschreibungen der Morde/Mordopfer möglichst pervers bzw. brutal darzustellen.

Ich hatte ja gehofft, dass Bukkehaves „Prätorianer“ dem Leser/der Leserin Rätsel im Dan Brown-Stil mit mythologischen Bezügen aufgibt, musste aber leider recht schnell feststellen, dass der Autor dies mit der dünnen Story und seinen mangelnden schriftstellerischen Fähigkeiten dies leider nicht erfüllen konnte.

Mythologisch ist lediglich die Wächter-Thematik, die sich bereits aus dem Titel der Übersetzung ergibt, ansonsten wird hier mit mehr oder weniger bereits vielfach (speziell in skandinavischen Thrillern) durchgekauten Versatzstücken gearbeitet: problematische Geschwisterbeziehung, Kompetenzgerangel innerhalb der Ermittlergruppe, ein wegen Mordes einsitzender Vater mit speziellen Kenntnissen, Incels (diese Vermutung hatte ich schon gleich zu Beginn) und Social Media/Dark Net, und als Kirsche auf dem Kuchen fungieren dazu die mehr als unappetitlichen Beschreibungen der Mordopfer. Das Ganze wird zusätzlich mit sich wiederholenden Beschreibungen aufgebläht und in die Länge gezogen, so dass bereits nach der Hälfte mein Interesse gegen Null tendierte und ich das Buch, wenn es keine Leserunde gewesen wäre, abgebrochen hätte.

Offenbar ist „Der Prätorianer“ als Reihenauftakt für weitere Fälle mit Team Sara und Adam konzipiert, was die Fragen, die unbeantwortet geblieben sind, vermuten lässt. Allerdings werde ich die Fortsetzungen nicht mehr lesen; dafür war mit diese effekthascherische Story mit ihrem unsympathischen Personal zu plump, zu aufgebläht und zu vorhersehbar geplottet. Habe ich etwas vergessen? Ach ja, ein paar Schneeflocken in der Dunkelheit sind kein Alleinstellungsmerkmal für Dänemark. Nein, diesem Buch mangelt es an allem, was einen lesenswerten skandinavischen Thriller ausmacht.

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Diesem Buch mangelt es an allem, was einen skandinavischen Thriller ausmacht