Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Anilam:
Wenn Liebe kippt und Wut bleibt
Gelbe Monster von Clara Leinemann
Gelbe Monster erzählt die Geschichte von Charlie, die mit einem blauen Auge in der U-Bahn sitzt und plötzlich an einem Punkt ist, an dem einfach nichts mehr so funktioniert wie vorher. Es geht um eine Beziehung, die am Anfang perfekt scheint und dann langsam kippt – um Wut, Abhängigkeit und darum, wie schwer es ist, sich selbst ehrlich zu betrachten.
Der Schreibstil ist sehr klar, direkt und gleichzeitig richtig angenehm zu lesen. Trotz der ernsten Themen wirkt der Roman nicht schwer, sondern eher leicht, stellenweise sogar ziemlich witzig. Man kommt gut voran, bleibt dran und ist schnell mitten in Charlies Gedankenwelt. Vor allem diese Mischung aus Humor und Ernst fand ich richtig gelungen.
Viele Stellen regen doch ziemlich zum Nachdenken an – über Liebesbilder, Verantwortung, emotionale Gewalt und darüber, wie viel man sich selbst auflädt. Trotzdem wird das alles nicht überanalysiert. Genau das passt, denn es ist eben ein Roman und kein Sachbuch.
Insgesamt ein richtig gutes Debüt, das wichtige Themen anspricht, ohne sie zu zerreden, ich kann das Buch auf jeden Fall guten Gewissens weiterempfehlen!
Wenn sich Opa Bär verändert
Opa Bär und die Schuhe im Kühlschrank von Paul Maar; Anne Maar
Opa Bär und die Schuhe im Kühlschrank hat mich mehr berührt, als ich vorher gedacht hätte. Eigentlich ist es ja ein Kinderbuch, aber beim Vorlesen (oder auch einfach beim Durchblättern) merkt man ziemlich schnell, dass da ein Thema drinsteckt, das auch Erwachsene ganz schön mitnimmt.
Was ich besonders schön fand: Demenz wird hier total kindgerecht erklärt, ohne das Wort überhaupt groß in den Vordergrund zu stellen.
Es wird einfach gezeigt – durch diese kleinen, scheinbar lustigen Situationen, wie eben Schuhe im Kühlschrank. Für Kinder ist das erst mal komisch und witzig, aber gleichzeitig merkt man als Erwachsene*r sofort: Da stimmt was nicht. Und genau das macht es so gut. Es ist nicht belehrend, sondern ganz nah am echten Leben.
Die Sprache ist einfach, ruhig und sehr liebevoll, also wirklich so, dass Kinder gut mitgehen können. Nichts wirkt übertrieben oder künstlich erklärt. Und die Illustrationen unterstützen das Ganze total – sie fangen die Stimmung super ein, zeigen Verwirrung, Nähe, Zuneigung, ohne traurig zu sein.
Was mir auch hängen geblieben ist: Das Buch zeigt nicht nur, dass sich Opa Bär verändert, sondern auch, dass die Beziehung trotzdem bleibt. Dass man jemanden lieb haben kann, auch wenn Dinge plötzlich anders sind. Und das finde ich ehrlich gesagt total wertvoll – gerade für Kinder, die so etwas vielleicht selbst erleben.
Schwere Kost, aber unglaublich eindringlich
Eine vergessene Schuld von Arne Jensen
„Eine vergessene Schuld“ von Arne Jensen erzählt von Menschen, deren Leben durch Krieg, Schuld und familiäre Verstrickungen auf tragische Weise miteinander verbunden sind. In mehreren Zeitebenen entfaltet sich nach und nach eine Geschichte, die zeigt, wie Entscheidungen aus der Vergangenheit bis weit in die Gegenwart hineinwirken.
Was mir wirklich sehr gefallen hat, ist der Schreibstil. Arne Jensen schreibt ruhig, klar und irgendwie unaufgeregt, aber genau dadurch extrem wirkungsvoll. Er erklärt nicht alles bis ins Kleinste, sondern lässt vieles einfach stehen – und das arbeitet dann im Kopf weiter. Gerade diese leisen, fast beiläufigen Sätze haben mich immer wieder getroffen, weil sie so ehrlich wirken und nicht auf Effekte aus sind.
Das ist definitiv kein Buch für mal eben zwischendurch. Man kann das hier nicht einfach weglesen und abhaken. Mich hat die Geschichte wirklich lange beschäftigt, auch nachdem ich das Buch schon zugeklappt hatte. Immer wieder musste ich an einzelne Szenen denken und an die Fragen, die der Roman aufwirft: Schuld, Verantwortung, Wegsehen. „Eine vergessene Schuld“ ist keine leichte Lektüre, aber eine, die hängen bleibt – und genau das macht sie für mich so besonders.
Ein Klassiker in starken Bildern neu erlebt
Romeo und Julia von Steve Shakespeare; Steve Barlow; Steve Skidmore
Diese Graphic Novel zu Romeo und Julia hat mich von Anfang an begeistert und bis zum Schluss nicht mehr losgelassen. Besonders die Illustrationen sind sehr sehr toll: Sie sind so toll detailreich und ausdrucksstark. Emotionen wie Verliebtheit, Wut, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit werden visuell so stark dargestellt, dass sie oft mehr sagen als der Text allein - so wie es bei einer Graphic Novel optimal immer ist.
Die Bilder tragen die Geschichte und machen die Tragödie richtig spürbar.
Auch inhaltlich überzeugt mich die Umsetzung. Die Sprache ist zugänglich und flüssig, ohne den Kern der Originalgeschichte zu verlieren, und der Wechsel zwischen ruhigen, romantischen Momenten und dramatischen, düsteren Szenen gelingt hervorragend. Auch meine Tochter konnte das die Graphic Novel so ohne große Nachfragen verstehen.
Besonders gelungen finde ich außerdem das ergänzende Material, das Hintergründe zum Stück, zu Shakespeare und zur Erzählstruktur liefert und das Buch sinnvoll erweitert. Für mich ist dieses Buch keine bloße Nacherzählung, sondern eine visuell starke, emotionale Annäherung an einen Klassiker, die neugierig auf das Original macht. Eine klare Leseempfehlung. ????????
Wer wir sind und woher wir kommen
Real Americans von Rachel Khong
Real Americans von Rachel Khong hat mich schon durch sein ruhiges, eher schlichtes Cover angesprochen, weil es sofort den Eindruck eines nachdenklichen, literarischen Romans vermittelt. Nach dem Lesen kann ich sagen, dass dieser Eindruck sehr gut zum Inhalt passt. Die Geschichte beschäftigt sich mit Themen wie Herkunft, Identität, Familie und der Frage, wie sehr unser Leben von äußeren Umständen geprägt wird.
Besonders gefallen hat mir, dass die Handlung nicht dramatisch erzählt wird, sondern sich langsam entfaltet und nah am Leben spielt. Gerade dadurch wirkt sie sehr realistisch.
Der Schreibstil ist ruhig, klar und bildhaft. Viele Gefühle und Gedanken werden nicht direkt ausgesprochen, sondern ergeben sich zwischen den Zeilen. Dadurch entsteht eine besondere Tiefe, die mich beim Lesen sehr angesprochen hat. Die Figuren, vor allem die Protagonistin Lily, wirken authentisch in ihren Unsicherheiten und inneren Konflikten. Ich konnte mich gut in sie hineinversetzen, weil ihre Gedanken und Zweifel sehr menschlich wirken.
Insgesamt ist Real Americans für mich ein Roman, der zum Nachdenken anregt und noch lange im Kopf bleibt. Er erzählt keine spektakuläre Geschichte, sondern eine ehrliche und berührende.
Mehr als eine Liebesgeschichte
Mo & Moritz von Julya Rabinowich
Der Einstieg in Mo & Moritz gelingt sehr gut und macht schnell neugierig auf die beiden Hauptfiguren. Erzählt wird die Geschichte von Mo und Moritz, zwei Jugendlichen, die sich ineinander verlieben und dabei nicht nur ihre Gefühle füreinander, sondern auch ihre Herkunft, ihr Umfeld und ihre eigene Identität neu hinterfragen müssen.
Besonders mutig finde ich, wie viele gesellschaftlich relevante Themen Julya Rabinowich in dieses Jugendbuch packt. Es geht hier bei weitem nicht nur um die Liebe zwischen zwei Jungen, sondern auch um Religion, kulturelle Prägung, familiäre Erwartungen, Vorurteile, Ausgrenzung und die Suche nach dem eigenen Platz in der Welt. Diese Themen sind wichtig und aktuell, gleichzeitig waren es für mich persönlich stellenweise sehr viele auf einmal. Gerade weil alles sehr nah an der Lebensrealität erzählt wird, hatte ich zwischendurch das Gefühl, dass man kaum Zeit bekommt, einzelne Aspekte mal wirken zu lassen.
Trotzdem bleibt das Buch gut lesbar. Der Schreibstil ist angenehm, flüssig und altersgerecht. Die Perspektivwechsel sorgen dafür, dass man beide Jungen gut versteht und ihre inneren Konflikte nachvollziehen kann.
Ein weiterer Pluspunkt ist für mich das Cover. Die zarten Farben sprechen mich persönlich sehr an und passen gut zur nachdenklichen Stimmung des Buches. Insgesamt ist Mo & Moritz ein wichtiges und mutiges Jugendbuch, das viele Denkanstöße liefert. Für mich war es thematisch etwas überladen, aber dennoch absolut lesenswert – deshalb solide vier Sterne.
Dorfidylle mit Abgrund
Tannengrab - Karla Sommerfeld ermittelt von Ines Buck
Ich habe Tannengrab – Karla Sommerfeld ermittelt als Hörbuch gehört und war von Anfang an gefesselt. Die Geschichte entwickelt sich erstmal sehr ruhig und wir dann stetig spannender. Dieses unaufgeregte Erzählen hat bei mir direkt eine beklemmende Atmosphäre entstehen lassen. Hinter der scheinbaren Normalität des Dorfes lauert von Beginn an etwas Mysteriöses bzw.
Komisches.
Der ''Schreibstil'' ist total toll bildhaft und als Hörbuch funktioniert die Geschichte besonders gut. Die Sprecherin hat mir sehr gefallen: Sie liest ruhig, einfühlsam und mit genau dem richtigen Gespür für Spannung und Emotionen. Dadurch konnte ich mich sehr gut in die Figuren hineinversetzen und habe dem Geschehen aufmerksam bis zum Schluss gelauscht.
Karla Sommerfeld ist mir als Ermittlerin sehr sympathisch, weil sie menschlich wirkt und nicht perfekt sein muss. Auch die Nebenfiguren sind total authentisch und tragen viel zur Stimmung bei. Die Auflösung kam für mich überraschend, war aber schlüssig und nachvollziehbar umgesetzt.
Ein atmosphärischer, spannender Krimi, der als Hörbuch besonders gut funktioniert und bei dem ich gerne weitergehört hätte. Ich freue mich sehr auf weitere Fälle mit Karla Sommerfeld. Absolut verdiente fünf Sterne.
Wenn Realität und Fantasie verschwimmen
Ignael von Wolfgang Rauh
In „Ignael“ von Wolfgang Rauh geraten Realität und Fantasie zunehmend aus dem Gleichgewicht, während die Geschichte immer tiefer in eine düstere, psychologisch geprägte Welt führt. Was zunächst wie Mystery wirkt, entwickelt sich Schritt für Schritt zu einem intensiven Horrorroman, der vor allem im Kopf der Figuren stattfindet.
Der Schreibstil hat mir unglaublich gut gefallen! Er ist sehr bildhaft und flüssig, sodass man sich die Schauplätze und Szenen mühelos vorstellen kann. Besonders die ruhigeren, inneren Momente sind fein ausgearbeitet und geben der Geschichte viel Tiefe, ohne den Lesefluss zu bremsen. Die Atmosphäre ist irgendwie unheimlich aber total spannend, ohne auf permanente Schockeffekte angewiesen zu sein.
Auch die Charaktere haben mich überzeugt. Davids innerer Konflikt steht im Zentrum und wird emotional und konsequent erzählt. Anna bildet mit ihrer Menschlichkeit einen wichtigen Gegenpol, während Rebecca im Laufe der Geschichte spürbar wächst und am Ende einen stimmigen Abschluss erhält.
Insgesamt ein ungewöhnlicher aber sehr starker Roman mit psychologischem Tiefgang. Für mich absolut verdiente fünf Sterne.
Dystopie mit Ecken und Kanten
Dogma der Wahrheit von E.X. Behemoff
Dogma der Wahrheit ist ein düsterer, anspruchsvoller Thriller mit interessanten Ideen und viel Gesellschaftskritik. Besonders die Fragen nach Wahrheit, Manipulation und Kontrolle fand ich spannend und teilweise auch erschreckend aktuell.
Allerdings hat mich die Geschichte immer wieder überfordert.
Die starke Vermischung von Realität und Vorstellung war zwar sicher gewollt, hat mir aber stellenweise den Halt in der Handlung genommen. Auch die sehr expliziten Gewaltdarstellungen waren für meinen Geschmack oft zu dominant und haben es mir schwer gemacht, wirklich emotional dranzubleiben.
Die Figuren haben dennoch Eindruck hinterlassen – vor allem Big, dessen Schicksal mich sehr berührt hat. Einige Entwicklungen wirkten für mich jedoch zu schnell oder nicht ganz nachvollziehbar. Das Ende ist konsequent und offen genug für eine Fortsetzung, konnte mich emotional aber nicht vollständig abholen.
Mein Fazit:
Ein Buch mit starken Ansätzen und guten Ideen, das mich jedoch durch seine Härte und Komplexität nicht durchgehend überzeugen konnte. Wer düstere, fordernde Dystopien mag, könnte hier trotzdem glücklich werden.
Geschichte, die zum Nachdenken anregt
Zurück unter Mördern von Michael Jensen
Zurück unter Mördern beschäftigt sich mit Verbrechen aus der Vergangenheit und der Frage, was sie für die Gegenwart bedeuten – erzählt in einer Geschichte, die zum nachdenken anregt und nicht einfach loslässt. Genau das hat mich beim Lesen besonders beeindruckt und beschäftigt.
Das Buch spricht wichtige und teils unbequeme Themen an.
Man wird zum Nachdenken angeregt, es geht um Schuld, Verantwortung und darüber, wie lange Taten nachwirken können, selbst wenn sie längst vergangen scheinen. Ich habe gemerkt, dass mich diese Themen sehr berührt haben, deshalb habe ich dieses Buch auch sehr bewusst gelesen. Es ist meiner Meinung nach kein Buch zum schnellen weg lesen, sondern eins was Zeit braucht - wenn man gerne nachdenkt über Geschriebenes. Der Schreibstil ist ruhig, aber eindringlich und schafft es, die Schwere der Themen greifbar zu machen, ohne dabei erdrückend zu wirken.
Für mich ein top Buch, vor allem für Leute die gerne Krimis mit geschichtlichen Settings mögen.











