Kunden em pfehlungen
Rezensionen von PucKker:
Nicht greifbar
9 Jahre Wahn von Eric Stehfest
Hach ja, was soll ich über dieses Buch sagen? Wie bewertet man ein autobiografisches Werk? Das ist gar nicht so einfach. Einerseits ist es ohne Frage mutig und stark, so offen über die eigene paranoide Schizophrenie zu schreiben und sich damit der Öffentlichkeit zu zeigen. Das rechne ich dem Autor hoch an.
Sprachlich ist das Buch stellenweise auch schön geschrieben, teilweise reflektiert und bewusst gewählt.
Andererseits hat mich das Buch als Ganzes leider nicht überzeugt. Es ist für mich nicht gut strukturiert und auch nicht besonders gut erzählt. Wir folgen mehreren „Akten“, die jeweils einzelne Tage im Leben des Autors abbilden sollen. Das wirkte auf mich jedoch eher fragmentiert als zusammenhängend und hat keine wirkliche Geschichte ergeben. Mir fehlte ein roter Faden. Das gewählte Format erscheint mir insgesamt zu hoch gegriffen, ich hätte mir eine klarere, erzählerische Form gewünscht.
Auch das zentrale Thema bleibt trotz Erklärungen erstaunlich schwer greifbar. Die paranoide Schizophrenie wird beschrieben, aber ich hatte dennoch das Gefühl, sie nicht wirklich zu verstehen. Gleichzeitig habe ich den Autor selbst kaum kennengelernt. Oft konnte ich seinen Gedankengängen nicht folgen. Der Autor wirkt auf mich eher selbstbezogen und selbstgerecht, was es mir zusätzlich erschwert hat, eine Verbindung zu ihm aufzubauen.
Besonders störend fand ich die Dialoge, vor allem die Gespräche mit der Psychiaterin. Sie wirken extrem gestellt und künstlich reflektiert, denn so reden Menschen im echten Leben einfach nicht miteinander. Das fühlt sich eher nach nachträglicher Selbstanalyse an als nach authentischen Momenten aus der Situation heraus.
Ein wichtiges Thema, ohne Frage. Mutig und offen. Aber für mich leider erzählerisch schwach und emotional erstaunlich fern.
Enttäuschend
How to Kill Fate (Fate Dilogie, Bd. 2) von Saskia Louis
So sehr es mich schmerzt: ich kann diesem Buch nur noch äußerst gut gemeinte drei Sterne geben.
Der Auftakt der Dilogie war für mich eines der Jahreshighlights. Ich habe Kiana und die Welt um Anima geliebt, die Chemie zwischen den Charakteren hat mich gefesselt, und der Mix aus Romantik, Freundschaft und Spannung hat einfach funktioniert.
Immerzu schwang Tiefgründiges mit: Vertrauen, Selbstbestimmtheit, Selbstvertrauen. Band zwei dagegen hat mir vieles von dem genommen, was ich am ersten Teil so gefeiert habe.
Die Spannung zwischen den Love Interests ist fast komplett verschwunden, stattdessen wiederholen sich die immer gleichen Gespräche. Der Cliffhanger des ersten Bandes wurde in Windeseile ohne nennenswerte Probleme aufgelöst. Ich hätte erwartet, dass sich die Story länger daran aufhängt. Stattdessen springen wir ständig zwischen den Göttern hin und her und hören uns ihre Geschichten an, die mal mehr, mal weniger glaubhaft sind. Auch das Ende konnte mich leider nicht überzeugen.
Der Ton und die Dialoge sind sehr YA-lastig. Viele Gespräche wirken für mich inzwischen eher kindhaft, wahrscheinlich bin ich dafür einfach zu alt. Schade, denn die Welt, die Kiana und ihre Gefährten bevölkern, hat noch so viel Potenzial, das leider nicht genutzt wurde.
Insgesamt ist die Dilogie trotz meiner Enttäuschung über den zweiten Band immer noch interessant, vor allem für Leser:innen, die YA-Fantasy lieben. Für mich war der zweite Band aber leider nicht der würdige Abschluss, den ich mir erhofft hatte.
Langweilig
Der Gott des Waldes von Liz Moore
So heiß geliebt und so sehr enttäuscht. Fast zehn Monate habe ich gebraucht, um mich durch dieses Buch zu quälen.
500 Seiten voller ausgedehnter Beschreibungen und Ausschmückungen. Die Natur wird sehr detailliert eingefangen, Szenen werden ausgiebig beschrieben. Es gibt viele Zeitsprünge, diverse POVs wechseln sich ab.
Das führte bei mir dazu, dass ich die Handlung oft aus den Augen verlor und mich kaum mit einer Figur identifizieren konnte.
Nach der Hälfte merkte ich immer wieder: Ich weiß nicht mehr, wer wer ist, worum es eigentlich geht, und am schlimmsten: es war mir egal. Von den POVs bis zu den verschwundenen Kindern: Von mir aus hätten alle verschwinden können.
Als Thriller ist das Buch für mich komplett fehlbeschrieben. Tatsächlich ist es eher ein literary mystery. Wer die vielen Ausschweifungen und langsamen, detailreichen Szenen mag, wird hier fündig. Wer auf Spannung und straffe Handlung hofft, eher nicht.
Abwechslungsreich
Schlank mit System von Dr. med. Matthias Riedl
Hier habe ich ehrlich gesagt einfach wieder zugeschlagen, um noch mehr Rezepte von Matthias Riedl zu bekommen. Mein Fokus liegt klar auf gesunder Ernährung, Schlank mit System habe ich eher als begleitendes Kochbuch mitgenommen als wegen des Abnehm-Konzepts.
Wie gewohnt sind wieder viele alltagstaugliche und gut umsetzbare Rezepte dabei.
Besonders gefreut habe ich mich über die Pfannkuchen vom Blech, den Grünkernsalat mit Brokkoli und Burrata oder die Kokospannacotta mit Mango und Maracuja. Genau solche Gerichte mag ich: unkompliziert, abwechslungsreich und trotzdem nicht langweilig.
Das 20:80-Prinzip bildet den theoretischen Rahmen, bleibt aber angenehm im Hintergrund, wenn man das Buch hauptsächlich als Rezeptsammlung nutzt. Insgesamt ist es wieder ein solides Kochbuch mit vielen Ideen für den Alltag und abwechslungsreichen sowie zuverlässigen Rezepten.
Teil 2 wieder super
Safe Space von Sarah Bestgen
Nach dem Debüt Happy End musste ich auch Safe Space unbedingt lesen. Beim ersten Buch war ich vom Schreibstil und vor allem von den ersten drei Vierteln sehr begeistert. Das Buch ist ein echter Pageturner, durchgehend spannend und richtig gut aufgebaut. Die Auflösung hat mich dann allerdings enttäuscht: Sie ging mir zu schnell, wirkte sehr filmisch und wurde am Ende mit einer langen Erklärung der „bösen Seite“ abgehandelt.
Das fühlte sich etwas zu glatt an.
Beim zweiten Band ging es mir leider ähnlich. Bestgen schafft es erneut sehr gut, einen direkt in die Situation hineinzuziehen, und es gibt einige überraschende Momente, die die Spannung hochhalten. Gerade die psychologische Ebene funktioniert lange Zeit gut. Zum Ende hin wurde es für mich aber wieder zu vorhersehbar und erneut sehr stark wie ein Film inszeniert.
Insgesamt liest sich Safe Space flüssig und spannend, vor allem stilistisch überzeugt das Buch. Für mich verliert es jedoch durch das zu geradlinige und erklärende Ende an Wirkung.
Gesund
Vegan Body Reset von Alexander Flohr
Ein hübsch gestaltetes Buch mit einer guten Mischung aus schnellen, mittleren und auch etwas aufwändigeren Gerichten. Von Frühstück bis Abendessen ist alles dabei, ebenso süße und herzhafte Rezepte.
Ich habe ein paar Dinge ausprobiert, unter anderem Pancakes und eine Smoothie Bowl – solide, aber nichts Besonderes.
Wirklich überzeugt hat mich dagegen die Maiscremesuppe, die war richtig gut.
Insgesamt ist mir persönlich der Anteil an Salaten und Eintöpfen etwas zu hoch. Das passt natürlich zum gesunden, eher bodenständigen Ansatz des Buches, trifft aber nicht ganz meinen Geschmack.
Unterm Strich ein ordentliches, alltagstaugliches Kochbuch mit klarer Ausrichtung auf gesunde, vegane Küche – optisch ansprechend und gut strukturiert, aber inhaltlich für mich nicht durchgehend spannend.
Wertvolle Rezepte
Die Gemüsebäckerei von Lina Wallentinson
Eine richtig tolle Idee! Mehr Gemüse zu verbacken oder Hülsenfrüchte direkt in Teige zu integrieren würde uns allen gut tun.
In rund 56 Rezepten finden sich Brote, Brötchen, Knäcke, Kuchen, Muffins, Waffeln, Kekse und sogar herzhafte Gerichte. Ein echtes Plus für alle, die mehr Ballaststoffe und bessere Nährwerte in ihre Ernährung bringen wollen.
Ich würde das Buch ohne Einschränkung weiterempfehlen.
Besonders begeistert haben mich die Bohnenmuffins mit Schokolade: komplett ohne Mehl und trotzdem richtig fluffig. Mit Obst kann ich mir die auch hervorragend vorstellen. Auf meiner Nachbackliste stehen außerdem die gefüllten Kürbisbrötchen mit Zimt und Kardamom, die Amaretti-Plätzchen aus Kichererbsen, die Rote-Bete-Knäcke mit Cranberry und vielleicht sogar die Kaffeeknäcke mit schwarzen Linsen oder der salzige Lakritzklitschkuchen mit Himbeeren. Die Rezepte sind wirklich außergewöhnlich und heben sich klar von klassischen Backbüchern ab.
Ich habe direkt nach weiteren Büchern der Autorin gesucht. Der Vorgänger „Back doch mal mit Bohnen“ scheint leider nicht mehr erhältlich zu sein. Das ist schade, das hätte mich ebenfalls sehr interessiert, auch wenn Bohnen hier durchaus schon ihren Platz finden.
Fantastisch
Deftig vegetarisch - Heimatküche von Anne-Katrin Weber
Nun schon das dritte Buch von Anne-Katrin Weber für mich. Deftig vegetarisch Indien und Deftig vegan Asien mag ich beide sehr, weshalb ich mich besonders auf Deftig vegetarisch Heimatküche gefreut habe. Und tatsächlich ist es für mich bisher auch das beste Buch der Reihe.
Ich habe einfach große Freude an Gerichten aus Deutschland, vor allem an solchen, die ich selbst noch gar nicht kenne.
Genau das bietet dieses Buch: viele klassische Rezepte, die man vielleicht vom Namen her kennt, oder eben noch nie gehört hat. Die Zutaten sind dabei angenehm bodenständig und überall gut zu bekommen, was ich sehr schätze.
Besonders freue ich mich auf den schwäbischen Salzkuchen, die Schwarzwurzel-Tarte mit Buchweizen, das sächsische Handbrot mit Käse oder den Ofenschlupfer. Sehr gelungen finde ich auch den beigefügten Saisonkalender sowie die klare, sinnvolle Gliederung des Buches in Alltagsglück, Ofenfreuden, Suppenwonne, Sonntagsessen, Brotzeit und Naschwerk. Am Ende gibt es außerdem ein praktisches Zutatenregister.
Insgesamt ein sehr stimmiges Kochbuch für alle, die Lust auf vegetarische Hausmannskost haben, mit viel Herz und Nähe zur heimischen Küche.
Schmeckt
Deftig vegan für jeden Tag von Anne-Katrin Weber
So langsam kann ich bei den Büchern von Anne-Katrin Weber wirklich nicht mehr mitzählen. Deftig vegetarisch Indien, deftig vegan Asien, deftig vegetarisch Heimatküche – und jetzt deftig vegan für jeden Tag. Und ja: auch dieses Buch funktioniert für mich wieder sehr gut.
Zwar findet man hier weder Süßspeisen noch Frühstücksideen, trotzdem ist das Buch vollgepackt.
Ich habe knapp 100 Rezepte gezählt, dazu zählen Toppings, Saucen, Pestos und Brühen. Die Bilder sind durchweg gelungen und machen Lust aufs Kochen.
Inhaltlich ist alles klar im deftig-herzhaften Bereich angesiedelt, eher gesund, eher bodenständig. Teilweise auch etwas „trocken“ bzw. unsoßig, was Geschmackssache ist. Beispiele wie das Buchweizenrisotto mit gebratenem Kürbis und Birne oder die Chicorée-Tarte mit Birne und Haselnüssen zeigen aber gut, wie kreativ und saisonal hier gearbeitet wird.
Die Struktur ist übersichtlich und sinnvoll:
Knuspriges aus der Pfanne, Große Suppenliebe, Pasta Basta, Sattmacher-Salate, Raffiniertes aus dem Topf und heiß Geliebtes aus dem Ofen.
Unterm Strich wieder ein sehr solides, alltagstaugliches veganes Kochbuch, das genau das liefert, was der Titel verspricht: deftig, unkompliziert und pflanzlich.
Hätte ein Magazin sein können
Doc Diessners Muskel-Code von Meike Diessner
Leider leider kann ich diesem Buch keine bessere Bewertung geben, was ich wirklich schade finde. Erhofft hatte ich mir ein tiefergehendes Verständnis für Muskeln im weiblichen Kontext. Bekommen habe ich stattdessen überwiegend sehr kurze Erklärungen, Bekanntes oder reine Faktennennungen und dazu eine große Menge an Rezepten.
Insgesamt sind es 63 Rezepte, von vegan bis sehr fleischlastig. Es gibt Frühstücksideen, Hauptgerichte und Desserts. Erfreulicherweise finden sich auch Nährwerte zu den Gerichten, Ballaststoffe fehlen aber leider. Das erste Rezept, das ich ausprobiert habe (Mangocreme mit püriertem Hüttenkäse) konnte ich ehrlich gesagt kaum essen. Das ist natürlich Geschmackssache, vielleicht funktionieren andere Rezepte besser. Grundsätzlich wirken sie alltagstauglich, aber nichts davon ist besonders innovativ oder sticht heraus.
Was mir aber wirklich gefehlt hat, ist die Theorie. Diese findet nur am Rande statt. Auf den ersten rund 48 Seiten gibt es Wissensbubbles, Übungen, ein Quiz und viele sich wiederholende Aussagen. Themen wie Akupressurmatten, Eisbadetrends oder Kollagenpulver werden jeweils in ein paar Sätzen abgehandelt. Für ein fundiertes Verständnis von Zusammenhängen, Mechanismen oder Hintergründen reicht das einfach nicht aus.
Insgesamt liest sich das Buch eher wie ein Magazin als wie ein Sachbuch. Für einen schnellen Überblick vielleicht okay, für echtes Wissen zum Thema Muskelaufbau bei Frauen leider nicht.











