Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Rinoa:
Krönender Abschluss
Dann ruhest auch du von Sandra Åslund
Der dritte Band der Reihe um Kommissarin Maya Topelius war für mich mit Abstand der beste und wie ein Wiedersehen mit liebgewonnenen Bekannten.
Auch diesmal geht es nicht nur um Mayas berufliche Ermittlungen, sondern ihr Privatleben spielt ebenfalls wieder eine große Rolle, vor allem, weil sie in ihrer Heimat ermitteln muss und auch Geschehnisse aus ihrer Vergangenheit und der ihrer Freundinnen mit dem aktuellen Fall verbunden scheinen.
Im ersten Band hatte ich mal den für meinen Geschmack etwas zu glatten Schreibstil der Autorin bemängelt, hier muss ich meine Meinung so ein wenig revidieren. Denn ich empfand insbesondere die einfühlsame Art, wie über die herrschenden, auch sehr aktuellen Themen berichtet wird als absolut angenehm und passend.
Es hat mich von Anfang an gefesselt, Maya und ihrem Partner Pär bei den Ermittlungen über die Schulter zu schauen; ich fand den ganzen Fall wirklich stimmig und die Lektüre trotz des dunklen Themas sehr unterhaltsam.
Für mich war das Finale der Trilogie ein krönender Abschluss und ich war schon ein wenig traurig, als es vorbei war und ich Abschied nehmen musste. Ich hoffe sehr, dass Sandra Åslund uns bald ein neues Buch präsentiert und werde auf jeden Fall die Augen danach offenhalten.
Spannender, krasser Trip
The Business Trip von Jessie Garcia
Puh, dieses Buch hat mir echt einiges abverlangt. Die ersten Kapitel fand ich richtig gut, man lernt Jasmine und Stephanie kennen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und sich zufällig auf einem Flug begegnen.
Dann kam für mich aber ein ziemlicher Bruch, vor allem im Schreibstil. Dieser wurde für mein Empfinden plötzlich richtig schlecht, sehr rudimentär und aufs Einfachste reduziert.
Im Nachhinein betrachtet war das sicherlich alles Absicht und gehörte zum Spannungsbogen. In diesem Moment habe ich mich allerdings kurz gefragt, ob ich das Buch so überhaupt zu Ende lesen möchte. Alles wirkte so wahnsinnig konstruiert, dass ich einfach nicht glauben konnte, dass das Umfeld der beiden Frauen, wohin sich die Perspektive nun verschoben hatte, das Ganze nicht sofort durchschaut.
Doch dann änderte sich der Blickwinkel erneut, die Spannung kam mit voller Wucht und auch der Schreibstil wurde wieder besser. Und vor allem wurde es krasser und meine ganzen Theorien, die ich zuvor hatte (und das waren einige), lösten sich in Luft auf. Ab da hat es mich dann so richtig gepackt und ich konnte das Buch kaum noch aus der Hand legen. Da habe ich der Autorin auch einige Zufälle und Konstrukte verziehen, die ich nicht ganz so realistisch fand, denn die machte sie mit Spannung wett.
Am Ende ergibt sich eine wirklich unglaubliche Geschichte, die für meinen Geschmack aber ein bisschen zu schnell abgehandelt wird. Was vorher in aller Ausführlichkeit beschrieben wurde, endet dann doch recht abrupt. Das hätte ruhig ein wenig ausgewogener sein dürfen.
Alles in allem hat mir das Buch aber richtig gut gefallen, was ich nach dem zwischenzeitlichen Hänger wirklich nicht mehr für möglich gehalten hätte. Insbesondere, wie die Geschichte aufgerollt wurde mit den unterschiedlichen Perspektiven, fand ich durchaus besonders und bin auf das nächste Buch der Autorin gespannt.
Habe mir mehr erwartet
Über die Toten nur Gutes von Andreas Izquierdo
Nachdem ich zuletzt "Kein guter Mann" von Andreas Izquierdo gelesen habe, das mir wirklich gut gefallen hat, war ich sehr neugierig auf "Über die Toten nur Gutes".
Und schon die ersten paar Seiten waren richtig vielversprechend und versprachen eine unterhaltsame und auch skurrile Geschichte mit einem ungewöhnlichen Protagonisten, der als Trauerredner arbeitet.
Leider flaute meine anfängliche Begeisterung aber recht schnell ab, das Buch ließ sich zwar weiterhin gut lesen, schnell schlichen sich aber doch Längen ein. Es fiel mir immer schwerer, Mads Madsen und seinen Ermittlungen zu folgen, die ihn mal hierhin, mal dorthin brachten, für meinen Geschmack aber überhaupt nicht spannend bzw. zielführend waren oder so, dass ich unbedingt wissen wollte, wo das alles hinführt. Ich konnte einfach keine Verbindung zu den handelnden Personen aufbauen und die Geschichte plätscherte eher so dahin.
Dies wurde dann gegen Ende zwar besser, auch wenn der Fall für mich weiterhin recht wenig greifbar war und einiges doch sehr konstruiert wirkte. Immerhin hat es mich dann am Ende doch gepackt und die Seiten flogen nur so dahin.
Alles in allem hatte ich mir allerdings schon mehr erwartet und war am Ende zwar nicht enttäuscht, aber doch ernüchtert.
Leben im Einklang mit den Jahreszeiten
Wilder Honig von Caryl Lewis
Dieses Buch hat wirklich mein Herz erwärmt und ich habe es fast in einem Rutsch durchgelesen. Obwohl ich den Sprachstil eher als distanziert empfand, war der Inhalt umso tiefgründiger.
Nach dem Tod ihres Mannes John finden sich Hannah, ihre Schwester Sadie und Megan im Elternhaus der beiden Schwestern in einem kleinen walisischen Dorf zusammen, jede mit ihrer eigenen Trauer und ihren eigenen Dämonen kämpfend.
Und langsam nähern sich die Frauen einander und auch dem Anwesen, dem Obstgarten und den dort befindlichen Bienenstöcken von John an. Jede entdeckt für sich, was ihr wichtig ist und auf was es wirklich ankommt: Für sich selbst und die eigenen Bedürfnisse einzustehen, um die Chance auf ein erfülltes Leben zu haben.
Wir begleiten die Frauen durch die verschiedenen Jahreszeiten und ich fand es ungemein tröstlich, ihre Entwicklung zu verfolgen und wie sie im Einklang mit Frühling, Sommer, Herbst und Winter leben. Zu sehen, dass alles seine Zeit hat. Nicht nur in der Natur, sondern auch in uns.
Es ist kein lautes Buch, doch trotz oder vielleicht auch gerade wegen der wirklich leisen Töne, hat mich die Geschichte umso nachhaltiger beeindruckt. Ich werde „Wilder Honig“ sehr gerne weiterempfehlen.
Bewegender Generationenroman
Das Flüstern der Marsch von Katja Keweritsch
Drei Generationen, vier Frauen: „Das Flüstern der Marsch“ ist ein großer Familienroman, ein Roman über Frauen, über Frauenschicksale und obwohl ich natürlich weiß, was Frauen insbesondere früher alles erdulden mussten, erschüttert es mich doch immer wieder, darüber zu lesen. Das Buch gibt aber auch Hoffnung, es zeigt, dass es besser werden kann, dass die jüngeren Generationen von den älteren lernen können.
Dass sie ausbrechen können aus den ihnen auferlegten Fesseln, dass sie das Schweigen brechen und am Ende selbstbestimmter leben können.
Erzählt wird aus Sicht von Mona, ihrer Großmutter Annemie, ihrer Tante Janne und Freya, deren Rolle ich zunächst noch nicht einordnen konnte. Es gibt verschiedene Zeitebenen und teilweise auch recht große Zeitsprünge, was vielleicht verwirrend klingt, für mich durch die Angaben über dem jeweiligen Kapitel aber gut händelbar war.
Das Buch hat mich sehr berührt und insbesondere das Schicksal von Annemie hat mir mehr als einmal die Tränen in die Augen getrieben. Es sind Geschichten, die so oder so ähnlich zigfach stattgefunden haben und noch heute stattfinden, ich glaube, auch das hat die Lektüre für mich sehr emotional gemacht, selbst wenn ich vielleicht persönlich nicht betroffen bin.
Es ist wichtig, dass wir tagtäglich den Kreis durchbrechen, den wir - bewusst oder unbewusst - von den Generationen vor uns auferlegt bekommen haben, das ist für mich eine wichtige Botschaft des Buchs. Das klingt jetzt vielleicht nach schwerer Kost, aber das war es nicht. Der Autorin gelingt es sehr gut, solche Gedanken durch ihre Geschichte zu transportieren und zumindest bei und in mir hat das Buch auf jeden Fall etwas bewegt. Ich kann es wärmstens empfehlen.
Abgründig
Gym von Verena Keßler
Was für ein Buch! Auch ein paar Tage nach der Lektüre hallt die Geschichte noch in mir nach.
Zunächst einmal ist es wahnsinnig gut geschrieben, spannend wie ein Krimi, obwohl gar nicht so viel passiert. Trotzdem hat es mich wirklich gefesselt, die Entwicklung der namenlosen Ich-Erzählerin zu beobachten und herauszufinden, was in der Vergangenheit war und wie sie an diesen speziellen Punkt kam.
Ich kann nicht sagen, dass ich sie sympathisch fand, dafür war sie mir zu undurchsichtig und unnahbar. Obwohl sie ja eigentlich die Hauptperson ist, lässt sie niemanden an sich heran und gibt nichts von sich preis. Dennoch erfährt man schon Einiges über sie bzw. ihr Handeln und das hat es wirklich in sich.
Dies war auch gleichzeitig ein Kritikpunkt. Ich hätte gerne noch mehr über die Hintergründe gewusst, wie konnte es zu den Ereignissen kommen, wie hat sich das alles entwickelt. Das war mir leider ein wenig zu schwammig und in der Luft hängend. Da habe ich es lieber etwas konkreter und handfester.
Am Ende fand ich "Gym" aber wirklich gut, es war kurzweilig und unterhaltsam, dabei aber durchaus fordernd, abgründig und nicht alltäglich. Ich kann es auf jeden Fall empfehlen.
Gruselige Vorstellung
Der Tower von Ivar Leon Menger
Ich bin gegenüber KI eher skeptisch eingestellt, obwohl ich natürlich durchaus um deren Nutzen weiß. Doch man kann auch viel Schindluder damit treiben und das finde ich eher beängstigend als positiv. Deshalb würden mich auch keine zehn Pferde dazu bringen, in den im Buch genannten Pramtower zu ziehen.
Für mich wären die durch die KI entstehenden Annehmlichkeiten nämlich keine.
Mir kam das Ganze jedenfalls von Anfang an komisch vor, aber vielleicht habe ich auch einfach leicht reden, weil ich ja nur Zuhause in meinem Sessel sitze und ein Buch lese und nicht wie Nova mittendrin stecke. Trotzdem kam sie mir mitunter doch recht naiv vor.
Eins muss man dem Buch aber auf jeden Fall lassen, es ist wirklich sehr spannend und ich konnte gar nicht mehr aufhören zu lesen. Das spezielle Setting ist hierfür definitiv kein Nachteil.
Am Ende fand ich die Geschichte dann für meinen Geschmack zwar ein wenig zu konstruiert bzw. passend gemacht. Auch die Handlungen oder Beweggründe einzelner Personen konnte ich nicht so recht nachvollziehen.
Das tat aber dem guten Gesamteindruck keinen Abbruch, "Der Tower" ist spannend, kurzweilig, unterhaltsam und auf jeden Fall zu empfehlen.
Behutsame Annäherung
Die Ausweichschule von Kaleb Erdmann
Amokläufe, insbesondere auch solche, die in Bildungseinrichtungen geschehen, sind bei uns in Deutschland zwar recht selten, lassen jedoch nicht nur die Betroffenen immer besonders fassungs- und ratlos zurück. So zumindest meine persönliche Beobachtung. Es ist auf jeden Fall ein Thema, das berührt, dementsprechend war ich sehr gespannt, wie Kaleb Erdmann sich diesem annähert.
Während des Lesens habe ich mich immer mal wieder gefragt, wie viel Autobiographisches in dem steckt, was der namenlose Erzähler uns mitteilt, nur um dann festzustellen, dass es darum gar nicht geht und diese Frage eigentlich völlig belanglos ist. Irgendwann bin ich dann einfach davon ausgegangen, dass die Fakten rund um den Amoklauf stimmen und der Rest unter künstlerische Freiheit fällt.
Ich mochte den Schreibstil sehr gerne, er war trotz des schweren Themas irgendwie leichtfüßig und unterhaltsam, ohne dabei ins Triviale abzugleiten; an der ein oder anderen Stelle musste ich sogar schmunzeln. Stattdessen wird sich der Thematik sehr behutsam und wie ich finde angemessen angenommen.
Eine Sache hat mich allerdings schon gestört und ich weiß, dass das nur ein kleiner Nebenkriegsschauplatz ist, aber warum gibt es immer wieder Bücher, die bei wörtlicher Rede keine Anführungszeichen verwenden? Vielleicht stört das viele andere auch nicht, mich allerdings schon. Hier fand ich es dann am Ende zwar nicht ganz so schlimm, da nicht so viel wörtliche Rede vorkommt und man relativ gut erkennen konnte, wann jemand spricht und wann nicht. Trotzdem werde ich dieses Weglassen der Anführungszeichen wohl nie verstehen.
Womit ich auch so ein wenig meine Probleme hatte, waren die verschiedenen Zeitebenen, in die man immer mal wieder hineingeworfen wird, da hatte ich manchmal Mühe, mich gleich zurechtzufinden, was denn jetzt zeitlich wohin gehört. Allerdings muss ich nach Ende der Lektüre auch konstatieren, dass es vielleicht gar nicht so wichtig war, wann genau was passiert ist. Wichtig ist eher der Prozess, den der Ich-Erzähler durchlebt und eine persönliche Entwicklung verläuft in der Regel ja auch nicht linear.
Insgesamt hat mir „Die Ausweichschule“ wirklich gut gefallen, es wird dem schwierigen Thema gerecht und ist trotzdem unterhaltsam, ganz ohne Effekthascherei.
Intensiv und berührend
Protokoll eines Verschwindens von Alexander Rupflin
Ich hege schon länger eine gewisse Faszination für True Crime, sei es als Podcasts, aber auch in Form von Zeitschriften wie ‚Stern Crime‘ oder eben ‚ZEIT Verbrechen‘. Dementsprechend war schnell klar, dass ich den Debütroman von Alexander Rupflin, der auf einem wahren Kriminalfall beruht, einfach lesen muss.
Und meine Erwartungen wurden mehr als übertroffen.
Der Autor erzählt mit einer solchen Intensität und ganz viel Fingerspitzengefühl über ein fast schon unaussprechliches Verbrechen, ich konnte das Buch wirklich kaum aus der Hand legen. Und obwohl er immer wieder als Erzähler aus der Geschichte hervortritt, stellt er sich nie in den Vordergrund, sondern bleibt allen Beteiligten gegenüber stets takt- und respektvoll. Vielleicht war es auch das, was mich an dem Buch am meisten beeindruckt hat.
Hier wird nicht verurteilt, sondern sehr einfühlsam die verschiedenen Perspektiven, auch des Täters, beleuchtet, ohne dessen Tat fraglos auch nur ansatzweise gutzuheißen.
Und natürlich liegt auch einiges an Interpretation des Autors zum Beispiel in Dialogen oder Gedanken, denn er war ja bei den Geschehnissen nicht anwesend, was er auch selbst betont. Trotzdem ergibt sich ein absolut stimmiges Bild einer Geschichte, die mich, und das ist sicherlich auch Alexander Rupflins Verdienst, sehr berührt hat und noch eine Weile in mir nachhallen wird.
Für True-Crime-Fans fast schon ein Muss, aber auch für alle anderen eine ganz klare Leseempfehlung von mir.
Behäbiger Start, spannendes Ende
Dunkle Sühne von Karin Slaughter
Der Einstieg in die Geschichte war sehr ausführlich, mit der Beschreibung der Begebenheiten rund um das große Feuerwerk am 04. Juli und die Autorin braucht zu Beginn viele Seiten für relativ wenig, das passiert. Dadurch schafft sie es allerdings auch, die herrschende Stimmung sehr gut einzufangen sowie die wichtigsten Personen und ihre Beziehung zueinander vorzustellen.
Mir war das Ganze teilweise ein bisschen zu Amerikanisch, was aber vielleicht auch nicht unbedingt verwunderlich ist, da North Falls eben auch eine amerikanische Kleinstadt ist. Trotzdem fand ich das manchmal ein bisschen anstrengend.
Darüber hinaus geht es schon sehr viel um die Familie Clifton, die einen großen Teil der Bevölkerung in und um North Falls ausmacht und auch das Sheriff Department besetzt. Da trat der Fall der verschwundenen Mädchen manchmal fast schon in den Hintergrund.
Ich habe also einige Zeit gebraucht, in das Buch hineinzufinden, doch irgendwann hat es die Autorin doch geschafft, mich so richtig zu packen, wenn es auch etwas gedauert hat.
Am Ende war es dann so richtig spannend, auch wenn die Thematik schon harter Tobak war, mit einigen Wendungen und Entwicklungen. Da konnte ich das Buch dann kaum noch aus der Hand legen.
Nachdem die Autorin gerade auch im privaten Bereich die Personen sehr ausführlich vorgestellt hat, gehe ich stark davon aus, dass hier ein zweiter Teil vorbereitet werden sollte. Diesen werde ich ebenfalls gerne lesen.











