Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Rinoa:
Judith und ihre Freundinnen ermitteln wieder
Mrs Potts' Mordclub und der tote Bürgermeister von Robert Thorogood
Da mir schon die ersten beiden Bücher der „Mrs Potts…“-Reihe richtig gut gefallen haben, habe ich mich sehr auf den dritten Band gefreut. Und ich war auch gleich wieder mittendrin in Marlow und im Leben von Judith, Suzie, Becks und der Polizistin Tanika.
Auch diesmal habe ich mir wieder die Frage gestellt, ob es wirklich so realistisch ist, dass die drei Frauen (auch wenn sie als zivile Beraterinnen der Polizei fungieren) so viel auf eigene Faust und an der Polizei vorbei ermitteln, dieser damit immer einen Schritt voraus sind und ständig ihre Befugnisse übertreten.
Aber - und das ist das Entscheidende - letztendlich ist mir das tatsächlich nicht so wichtig, denn es ist einfach sehr unterhaltsam, den Freundinnen bei diesem spannenden Fall über die Schulter zu schauen, wie sie nach und nach immer mehr herausfinden.
Am Ende wird das Verbrechen dann von Judith nach bester Agatha-Christie-Manier aufgelöst und es blieben für mich keine Fragen offen.
Und natürlich wird hier nicht das Rad neu erfunden, das ist aber in meinen Augen auch gar nicht immer nötig. Ich mag die Reihe einfach und die Lektüre bereitet mir jedes Mal kurzweilige Lesestunden. Eine klare Leseempfehlung für alle, die gerne unblutige Krimis lesen.
Habe mir mehr erwartet
Kleine Monster von Jessica Lind
Das Thema des Buchs hat mich sehr interessiert, wenn ich auch ein wenig Angst hatte, in welche Abgründe ich schauen würde. Gerade die Geschichte um den Vorfall zu Beginn hat mich wirklich gefesselt, Pia ist eine scharfe Beobachterin, wenn auch als Ich-Erzählerin etwas distanziert und recht sachlich.
Und sie schafft es, den Finger in die Wunde zu legen, gerade auch, was die Schattenseiten der Mutterschaft betrifft, Gedanken und Gefühle, vor denen wahrscheinlich niemand gefeit ist.
Doch dann driftet das Ganze irgendwie ab, verliert den Zug und Pia wurde mir immer unsympathischer. Sie scheint ihre eigenen schlechten Erfahrungen aus der Kindheit auf ihren Sohn (und auch ihren Mann) zu projizieren und trifft einige doch wirklich sehr fragwürdige Entscheidungen. Sie agiert dabei aber auf eine Art und Weise, dass ich irgendwie kein Mitgefühl mit ihr haben konnte. Ich hätte sie gerne gemocht, aber es ging nicht.
Man erfährt dann auch immer mehr über Pias Vergangenheit, obwohl das bis zuletzt für mich doch eher schwammig blieb. Was im Übrigen auch für die Geschehnisse in der Gegenwart gilt. Insgesamt fand ich es doch eher oberflächlich und am Ende blieben (zu) viele Fragen offen und ich etwas ratlos zurück.
Wichtiges Thema, toll umgesetzt
Death. Life. Repeat. von Louise Finch
Die Idee, einen Protagonisten einen bestimmten Tag immer und immer wieder erleben zu lassen, ist nicht neu und doch gelingt es der Autorin, ihr einen ganz eigenen Stempel aufzudrücken, der mich wirklich begeistert hat.
Kurz hatte ich ein paar Anlaufschwierigkeiten, denn am Anfang war der Sprachstil des (zugegebenermaßen noch recht jungen) Ich-Erzählers Spence doch sehr umgangssprachlich und fast schon lapidar, aber das hat sich glücklicherweise schnell geändert und dann ließ es sich echt gut lesen.
Die Tage sind unterschiedlich lang und unterschiedlich ausführlich beschrieben, das hat mir gut gefallen, auch ändern sich gewisse Kleinigkeiten, so dass es mir nie langweilig wurde und ich nie das Gefühl hatte, die Geschichte wird künstlich in die Länge gezogen, im Gegenteil. Eine gewisse Entwicklung bei Spence war die ganze Zeit spürbar, nur in welche Richtung diese gehen sollte bzw. um was es hier wirklich geht, für diese Erkenntnis braucht er eine Weile.
Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, die Geschichte entwickelte eine richtige Sogwirkung und ich habe mich mittendrin gefühlt in Spences Leben. Möglicherweise gab es hier und da ein paar Logikschwächen bzw. einige Fragen, die für mich unbeantwortet geblieben sind, da aber das gesamte Konstrukt eines sich immer wiederholenden Tages nicht besonders logisch oder auch realistisch ist, konnte ich darüber gut hinwegsehen.
Ich finde jedenfalls das Thema und die damit verbundene Botschaft sehr wichtig und aus einer vielleicht etwas ungewöhnlicheren Perspektive wirklich toll erzählt. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung.
Die Macht der Freundschaft
Unser Buch der seltsamen Dinge von Jennie Godfrey
Die Idee, um die reale Gestalt des Yorkshire-Rippers eine fiktive Geschichte zweier Mädchen zu spinnen, die ihn zur Strecke bringen wollen, hat mir sehr gut gefallen und dementsprechend gespannt war ich auf das Buch.
Zu Beginn bin ich allerdings etwas schwer reingekommen und hatte insbesondere auf den ersten Seiten Probleme mit der zeitlichen Einordnung der Ereignisse.
Da war die Ich-Erzählerin Miv für meinen Geschmack doch sehr sprunghaft, was aber in gewisser Weise ja auch zu ihrem Alter passt, genau wie der gesamte Schreibstil. Gut gefallen haben mir die unterschiedlichen Perspektiven, neben Miv, die alles in ihrer Umgebung sehr scharfsinnig beobachtet, gibt es auch immer wieder Einschübe aus Sicht von verschiedenen Erwachsenen, die so die Beobachtungen von Miv (die doch teilweise noch recht kindlich sind) ergänzen, erklären und dem Leser bei der Einordnung helfen. Diese Art des Erzählens mochte ich wirklich sehr.
Der Ripper bestimmt bei allem so ein bisschen die Rahmenhandlung an der entlang sich die einzelnen Schicksale entfalten, denen die Mädchen während ihrer Ermittlungen begegnen. Die Menschen in der Nachbarschaft haben alle ihr Päckchen zu tragen und Miv und ihre Freundin nehmen, ob bewusst oder unbewusst, teilweise großen Einfluss auf die weiteren Entwicklungen, sei es auf positive oder auch auf negative Weise.
Am Ende war mir das dann aber fast ein bisschen zu viel, die ein oder andere Nebenhandlung hätte es für meinen Geschmack nicht unbedingt gebraucht, das Buch hatte auch so genug zu bieten: Über die Wichtigkeit von Freundschaft und Familie, aber auch die Fragilität derselben, über den Mut, etwas zu verändern und das vermeintlich feststehende Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, über Hoffnung und Zusammenhalt.
Mir hat „Unser Buch der seltsamen Dinge“ wirklich sehr gut gefallen, es war anders als erwartet (weniger krimimäßig), was das Leseerlebnis aber nicht geschmälert hat, im Gegenteil. Ich war fast ein wenig traurig, als es zu Ende war, die Figuren sind mir doch sehr ans Herz gewachsen. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung.
Tolles Rätselbuch für (Vorschul-)Kinder
Das dicke Quatsch-Rätselbuch von Isabel Große Holtforth
Beim dicken QUATSCH-Rätselbuch ist der Name Programm: Es ist knapp über hundert Seiten dick und voll mit (Quatsch-)Rätseln.
Es gibt Labyrinthe, Suchbilder, Zahlen- und Zählrätsel, Merkbilder und vieles mehr. Die Rätsel sind wirklich abwechslungsreich gestaltet und wiederholen sich in ihrer Art kaum.
Das hat mir sehr gut gefallen. Zusätzlich gibt es viele Doppelseiten, die ein Motiv zeigen (z.B. einen Bauernhof, eine Bäckerei oder einen Zoo) und auf denen sich dann mehrere verschiedene Rätsel befinden. Diese Bilder fand ich teilweise etwas überladen und von der Anordnung etwas chaotisch. Das ist aber auch schon der einzige kleinere Minuspunkt (und vielleicht auch eher Geschmacksache).
Die Altersangabe „ideal für Kinder zwischen 4-6 Jahren“ würde ich nicht ganz unterschreiben, ich denke für Vierjährige könnten die Rätsel teilweise noch zu schwer sein (wobei es natürlich auch hier auf den Einzelfall ankommt).
Es sind aber doch einige Zahlen- bzw. Buchstabenrätsel und auch diverse Schwungübungen dabei, die ich eher im Vorschulbereich verorten würde.
Alles in allem ist das Rätselbuch wirklich toll, sehr abwechslungsreich und hat meiner Tochter viel Freude bereitet (bzw. wird dies auch noch eine Weile tun). Eine Empfehlung für alle Kinder, die gerne Rätsel lösen.
Ein tolles Buch
Maybrick und die Toten vom East End von Vanessa Glas
Was für ein tolles Buch! Auch einige Tage danach bin ich immer noch ganz begeistert von der Geschichte und der Atmosphäre, in die ich regelrecht hineingezogen wurde. Es war ganz anders, als ich erwartet hatte, es war auch weniger Krimi als ich dachte, aber das machte die Lektüre nicht minder spannend.
Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven, Maybrick und Dr. Roberts kommen zu Wort, Hester und Heath, die im East End Schmuggelware verkaufen, Gwen und Jorma, zwei Kinder, die sich in den Gassen der Docks herumtreiben. Daraus ergibt sich ein vielfältiges und vielschichtiges Panorama einer Zeit und eines Ortes, an dem alle irgendwie um ihr Überleben kämpfen müssen, wo Gewalt an der Tagesordnung steht und jeder sich selbst am Nächsten scheint.
Doch auch hier gibt es Lichtblicke, Menschen, die sich um andere kümmern, denen es nicht egal ist, wenn Kinder sterben. Ich habe mitgelitten, mitgefiebert und mich mitgefreut, auch wenn es manchmal nur Kleinigkeiten waren.
Ich mochte wirklich alles an dem Buch. Ja, es ist sehr ausführlich und auch eher eine Milieustudie als ein Krimi, aber der Autorin gelingt es wirklich außerordentlich gut, ihre Charaktere zu beschreiben, die Stimmungen einzufangen und sie hat mich damit total mitgerissen.
Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung.
Erschütternder Cold Case
Das Dickicht von Nikolas Kuhl; Stefan Sandrock
Der Einstieg, der mit einem lange zurückliegenden Entführungsfall beginnt, hat mir wirklich gut gefallen und mich gleich gefesselt.
Danach werden erst einmal die Ermittler Juha und Lux „vorgestellt“ und man hat Zeit, richtig in der Geschichte anzukommen. Den Schreibstil empfand ich als angenehm, aber auch etwas sehr ambitioniert und um eine gewisse Lockerheit oder Coolness bemüht, da war ich mir nicht sicher, ob mir das auf Dauer gefällt, insbesondere weil es relativ zu Beginn eine Szene gibt, die ich einfach nur albern fand und die mich Schlimmes befürchten ließ.
Aber: Das wurde sehr schnell besser oder vielleicht habe ich mich auch einfach daran gewöhnt (und auch die kurze Albernheit war nur ein einmaliger Ausrutscher), jedenfalls war ich in der Folge doch begeistert von den wirklich scharfsinnigen und auch tiefgründigen Beobachtungen und Beschreibungen vor allem auf zwischenmenschlicher Ebene, das war wirklich auf den Punkt.
Juha und seine doch eher schillernde Persönlichkeit nimmt viel Raum ein, was ich ein wenig schade fand, auch wenn er mir durchaus sympathisch war und auch authentisch rüberkam. Doch dadurch kam für meinen Geschmack Lux etwas zu kurz, der auch ein sehr interessanter Charakter ist und von dem ich gerne noch mehr erfahren hätte. Vielleicht ist das im nächsten Band etwas ausgewogener.
Ansonsten entspinnt sich ein spannender Fall, bei dem sich die Ermittler ein paar Mal verrennen, aber am Ende doch nach und nach aufdecken, was passiert ist, trotz der langen Zeit, die inzwischen vergangen ist.
Am Ende hat mich die ganze Geschichte sehr berührt und auch erschüttert, trotz allem fand ich die Beweggründe und Taten glaubwürdig und mit viel Fingerspitzengefühl erzählt.
Für mich ein wirklich toller und außergewöhnlicher Krimi, den ich nur empfehlen kann. Ich freue mich auf einen hoffentlich erscheinenden Nachfolgeband mit Juha und Lux.








