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Rezensionen von Eternal-Hope:

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Bedrückend und eindringlich, aber mit Längen

Madwoman von Chelsea Bieker

"Madwoman" von Chelsea Bieker ist ein intensiver, bedrückender Roman über Mutterschaft, Gewalt und das Erbe familiärer Traumata. Schonungslos genau wird geschildert, wie die junge Frau Clove unter dem Gewicht ihrer Vergangenheit zusammenzubrechen droht, sowohl im gegenwärtigen Leben als junge Mutter als auch in Rückblenden auf ihre Kindheit.

Aufgewachsen in einer kaputten Familie, in der der Vater die Mutter unterdrückte, terrorisierte und verprügelte und außerdem mit Suizid drohte, scheint Clove sich in ein neues, heiles Leben als erwachsene Frau gerettet zu haben: mit einem harmlosen, freundlichen, netten Mann an ihrer Seite und zwei kleinen Kindern. Ihr Mann ahnt nichts von ihrer Geschichte.

Doch die Schatten der Vergangenheit holen sie immer wieder ein: in Form von depressiven Episoden, Nervenzusammenbrüchen, extrem ängstlich-kontrollierendem Verhalten den Kindern gegenüber und einer Kaufsucht. Dann wird Clove auch noch von einem Brief aus der Vergangenheit eingeholt und fürchtet, dass ihre mühsam aufgebaute Kulisse eines perfekt wirkenden Lebens endgültig zusammenbrechen und ihre Ehe und Familie mit sich reißen könnte.

Zuerst hat mich das Buch sehr gepackt, weil es mit unglaublich starken Sätzen beginnt: "Die Welt ist nicht für Mütter gemacht. Und doch haben Mütter die Welt gemacht. Die Welt ist nicht für Kinder gemacht. Und doch sind Kinder die Zukunft." Auch sind insbesondere im ersten Teil einige Szenen aus dem Alltag einer jungen Mutter sehr realistisch, authentisch und gleichzeitig humorvoll geschildert.

Leider schafft die Geschichte es nicht, dieses prägnante und hohe Niveau über alle 300 Seiten zu halten: zwischendurch gab es so einige Längen und die Details von Cloves psychischem Zustand und Verfall werden in einer Ausführlichkeit geschildert, die mich manchmal gelangweilt hat. Auch habe ich einige der weiteren Charaktere als sehr blass gezeichnet empfunden, was möglicherweise Cloves eigener selbstzentrierter Perspektive als unzuverlässiger Erzählerin geschuldet ist, aber die Lektüre streckenweise mühsam für mich gemacht hat.

Dennoch war es insgesamt eine spannende Geschichte, die zum Nachdenken über die langen Schatten familiärer Traumata anregt, überwiegend interessant erzählt ist und neugierig auf das Ende macht. So ist es ein Buch, das ich jenen, die sich für Familiendynamiken interessieren und keine Probleme mit der Schilderung familiärer Gewalt haben sowie bereit sind, sich auf ein paar Längen einzulassen, durchaus empfehlen kann.

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Bedrückend und eindringlich, aber mit Längen
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Eine Frau reift bis weit in den Winter hinein

Das gefährliche Alter von Karin Michaëlis

„Das gefährliche Alter“ – was für ein spannender Titel für einen 115 Jahre alten Klassiker, der im Jahr 1910 erschienen ist! Um welches Alter mag es hier wohl gehen? Und was macht dieses Alter wohl so gefährlich?

Es geht um die Jahre ungefähr zwischen 40 und 50 Jahren, bei Frauen ungefähr die Wechseljahre.

Die Zeit, in der es gilt, von der Jugend Abschied zu nehmen und sich auf eine neue Lebensphase einzulassen. In den Worten der Ich-Erzählerin dieses Buches: „Wir sind in diesen Jahren verrückt, kämpfen jedoch dafür, klug zu erscheinen.“

Verrückt, so haben wohl die angepassten Teile der Gesellschaft die Emanzipationsbestrebungen mancher Frauen in diesem Alter wahrgenommen und nicht wenige von ihnen sind dafür zumindest temporär in der Anfangszeit der Psychoanalyse als Neurotikerinnen psychoanalytisch behandelt worden. Das wird in diesem Buch kurz erwähnt, ist aber nicht Kern davon, hier geht es im Wesentlichen um Selbstwerdung und Befreiung.

Heute, im Jahr 2025, sind die „Wechseljahre“ ein Trendthema geworden und laufend erscheinen neue Bücher dazu. Früher war das ganz und gar nicht so. Umso bemerkenswerter, dass dieses Buch schon damals ein Bestseller war, mit dem die Autorin bekannt geworden ist, auch wenn es auch einigen Widerstand und sogar eine anonyme Schmähschrift dazu gab.

Wir erleben das Buch aus der Sicht der Ich-Erzählerin Elsie, einer Frau Anfang 40. Elsie ist eine außergewöhnlich selbstbewusste und emanzipierte Frau für ihre Zeit, die für ihre Entscheidungen einsteht und selbst Verantwortung für ihr Leben übernimmt, ohne irgendjemand anderem die Schuld dafür zu geben: „Ich klage niemanden wegen meines Lebens an. Ich bin selbst Herrin darüber gewesen.“

Elsie hat sich vor kurzem von ihrem Ehemann getrennt, um alleine, nur begleitet von zwei Dienstbotinnen, in ein abgelegenes Anwesen am Meer zu ziehen. So schreibt sie etwa an eine Freundin: „Du weißt so gut wie alle anderen, dass wir es miteinander so gut hatten, wie zwei Menschen unterschiedlichen Geschlechts es wohl überhaupt haben können. Zwischen uns ist nie ein böses Wort gefallen. Aber ich habe nun einmal diesen Einfall bekommen, oder wie auch immer Du es bezeichnen möchtest, dass ich allein leben muss. Ganz allein für mich selbst und mit mir selbst.“

In diesem Anwesen verbringt Elsie eine ruhige Zeit mit Baden im Meer und Briefe schreiben. Von den Mühen der Erwerbsarbeit und häuslichen Tätigkeiten ist sie durch ein Erbe, das genug jährliche Zinsen abwirft, befreit. Es ist klar eine Erzählung einer Frau aus der gesellschaftlich privilegierten Schicht. Dennoch kommt ergänzend im Buch an verschiedenen Stellen, etwa in schriftlichen Ratschlägen an Bekannte, immer wieder vor, dass es für eine Frau eine gute Idee sei, eine Tätigkeit zu erlernen, mit der sie selbst für ihr Auskommen sorgen könne.

Elsie selbst scheint also ihren Mann und eine grundsätzlich solide, aber für sie langweilige, Ehe, verlassen zu haben, um alleine zu leben und sich selbst zu finden. Im Kontrast dazu schreibt sie Briefe an eine Freundin von ihr, die scheinbar ihre Erfüllung im häuslichen und familiären Dasein zu finden scheint, doch Elsie beklagt, die Freundin als Person kaum mehr zu wahrzunehmen. So wünscht sie sich etwa in einem Brief von ihr: „…obwohl ich voraussehe, dass er zu neunzig Prozent von Deinen Kindern und zu zehn Prozent von Deinem Mann handeln wird, während ich lieber zu einhundert Prozent von Dir lesen möchte.“Ja, Elsie geht sogar so weit, zu sagen, eine Frau, die sich nicht für die Ehe eigne, begehe „ein Verbrechen an ihrem eigenen Wesen, wenn sie sich an einen Mann bindet.“

Doch ist das das einzige, worum es geht: Freiheit, Selbstbestimmung und alleine leben als Frau? Nein, da ist noch ein weiteres Thema, das damals wohl ebenfalls gesellschaftlich ein Tabu war: im Hintergrund gibt es noch einen Mann, acht Jahre jünger als Elsie, und seit zehn Jahren in ihrem Leben, als Anfang 30 war und er Mitte 20. Damals ein junger Mann ohne viele Mittel, heute ein aufstrebender Architekt. Er hat das Rückzugsanwesen am Meer nach ihren Wünschen geplant, ohne zu wissen, dass es für sie sein würde. Welche Rolle wird diese ungewöhnliche Anziehung in der Geschichte spielen und wie findet sie sich ein in diese Erzählung der Selbstbefreiung von gesellschaftlichen und ehelichen Zwängen?

Vorab schon mal so viel, ohne zu spoilern: das Buch ist keinesfalls hauptsächlich eine Liebesgeschichte, sondern deutlich mehr eine Erzählung über Befreiung und Selbsterkenntnis in einem Lebensalter, das starken Wandel mit sich bringt.

Die Sprache ist frech, pointiert und humorvoll, dabei an vielen Stellen voll von tiefgründigen Weisheiten, die zum Hinterfragen anregen und ermutigen, eine positive Einstellung zum Älter-Werden zu finden:

„Letzten Endes ist das Alter ein ansehnliches Ziel. Ein Gipfel, den es zu erklimmen gilt. Ein Berg, von dem aus man das Leben von allen Seiten überblickt – sofern man nicht auf dem Weg nach oben von dem ewigen, fallenden Schnee geblendet wird. Vor dem Alter habe ich keine Angst, aber vor dem Übergang.“

„Niemand hat jemals laut die Wahrheit ausgesprochen, dass die Frau mit jedem Jahr, das vergeht – wie, wenn es auf den Sommer zugeht und die Tage länger werden – mehr und mehr Frau wird. Sie stumpft nicht ab in dem, was ihr Geschlecht betrifft, sie reift bis weit in den Winter hinein.“

Insgesamt ist es ein kurzweiliges und amüsantes Buch, das sich locker und unterhaltsam liest und so einige überraschende Entwicklungen aufweisen kann, dabei unkonventionell und zeitlos ist und zum Nachdenken über das Leben, das Älter-Werden und insbesondere über die Wechseljahre als Frau anregt. Ich kann diesen vergnüglichen und zeitlosen Klassiker einer breiten Leserschaft wärmstens empfehlen.

Danke dem Verlag dafür, diesen tollen Klassiker neu herausgebracht und am Ende mit einem lesenswerten Nachwort mit Informationen zum Leben der Autorin und der Rezeptionsgeschichte des Buches ergänzt zu haben.

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Eine Frau reift bis weit in den Winter hinein
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Die Welt der Gerüche

Die Welt der Gerüche von Bjørn Berge

Dieses Buch eines norwegischen Autors ist ein unterhaltsames und informatives Sachbuch über einen Sinn, der in der heutigen Zeit oft weit weniger beachtet wird als die anderen. Wie im Buch ausgeführt, ist die moderne Welt hauptsächlich auf den Sehsinn ausgerichtet, gefolgt vom Hörsinn - interessanterweise auch die einzigen beiden Sinne, die auch digital gut vermittelt werden können.

Dadurch wurden Riechen, Tasten und Fühlen noch einmal mehr zurückgedrängt, als das früher schon der Fall war. Und doch spielt der Geruchssinn zumindest unterbewusst bis heute eine große Rolle für unsere Orientierung in der Welt, so hängen etwa auch Geruchssinn und Orientierungssinn eng zusammen.

Historisch betrachtet geht die Geschichte des Geruchssinns und seiner Bedeutung für die Menschen weit zurück, wie das Buch aufzeigt: in vielen kleinen, übersichtlichen Unterkapiteln erfahren wir Spannendes zum Verhältnis der Menschheit zu den verschiedenen Sinnen und insbesondere zum Geruchssinn im Laufe der Geschichte: wie allgegenwärtig viele unangenehme Gerüche wohl schon zur Zeit der alten Römer waren - und wie wenig diese in den historischen Quellen erwähnt werden: denn man gewöhnt sich schnell an Gerüche, die man immer vor der Nase hat, und außerdem ist es sehr subjektiv, welche Gerüche als unangenehm empfunden werden.

Sehr interessant waren für mich auch die Forschungsergebnisse zur Geruchswahrnehmung von Kindern, die meist erst irgendwann im Alter von 4 bis 8 Jahren beginnen, den Geruch von Exkrementen als unangenehm einzustufen: ein Hinweis darauf, dass dabei wohl auch die kulturelle Prägung eine starke Rolle spielt.

Das Buch liest sich leicht, schnell und angenehm und dabei lernt man viel: darüber, wie stark Gerüche uns immer noch prägen und wie sich etwa die meisten Menschen kurz nach dem Händeschütteln instinktiv mit der Hand an die Nase fassen, um geruchliche Informationen über das Gegenüber aufzunehmen, über die historische Diskriminierung und Herabwürdigung von Frauen auch in diesem Bereich, da diesen schlimmere Gerüchte nachgesagt wurden, obwohl empirisch belegt Männer stärker riechen, darüber, wie sich Klassen, Schichten, Milieus und Kulturen geruchlich voneinander abgrenzen oder wie unsere moderne Zeit versucht, natürliche Gerüche weitgehend aus unserem Umfeld zu eliminieren und uns gleichzeitig mit künstlichen Aromen zu manipulieren und vieles mehr.

Für chemisch Interessierte werden auch die einzelnen chemischen Komponenten, aus denen sich viele bekannte Gerüche zusammensetzen, aufgeschlüsselt. Im Anhang gibt es noch ein ausführliches Quellenverzeichnis, um bei Interesse einzelne Themen noch weiter vertiefen zu können. Alle anderen erfahren auch so einige interessante Grundlagen über das Riechen: etwa, dass wir ohne den Geruchssinn geschmacklich nur die Grundgeschmäcker wie sauer, süß, salzig usw. wahrnehmen könnten, aber keine feineren Nuancen davon.

Insgesamt ist es also ein unterhaltsames, spannendes und lehrreiches Sachbuch zu einem interessanten Thema, das ich einem breiten Publikum empfehlen kann.

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Die Welt der Gerüche
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Interessantes spirituelles Buch zu Persönlichkeit und Archetypen

Erkenne deinen Seelenstrahl und lebe deine Berufung von Astrid Spirig

"Erkenne deinen Seelenstrahl und lebe deine Berufung" von Astrid Spirig deutet gleich im Titel darauf hin, dass es sich hier grundsätzlich um ein Buch für spirituell interessierte Menschen handelt, die offen sind, sich auf eine ungewöhnliche und neue Sichtweise zumindest erst einmal einzulassen, ohne gleich in Abwehrhaltung dazu zu gehen.

Ist man so jemand, dann wird man mit einem spannenden Buch zum Thema "Archetypen" belohnt, das auch jenseits der spirituellen Perspektive für psychologisch interessierte Menschen interessant sein kann.

Die Autorin beschreibt sich selbst als spirituelle Person, die eine Quelle mit dem Namen Echnatiel channelt und daraus ihre Informationen bezieht. Unabhängig davon, ob man damit etwas anfangen kann oder nicht, sind die sieben dargestellten Persönlichkeitsarchetypen sehr interessant. Es geht darum, sich in - wie das Buch vorschlägt - einem, oder auch - wie ich es freier interpretiere - mehreren dieser Archetypen zu erkennen, sich zu beobachten und daraus zu lernen. Basierend darauf kann auch analysiert werden, wie man die eigene berufliche und private Umgebung für sich selbst besser gestalten könnte: da gibt es zum Beispiel die "Kriegerin", der es um Authentizität und Echtheit geht und die sich dafür in ihrer Umgebung einsetzt, den praktisch veranlagten "Helfer", die innovativen "Initiatoren" oder die Lehrer, die sich dafür interessieren, Wissen zu erwerben und zu ordnen, genauso wie die an Harmonie und Verbindung interessierten Heiler sowie die weiteren Typen der Magier oder Botschafter.

Das Buch ist gut lesbar und interessant geschrieben. Es beginnt mit einer Einführung in dieses Konzept, danach wird auf die einzelnen Typen und ihre Chancen und Herausforderungen in Berufsleben und privaten Beziehungen, aber auch auf ihre Entwicklung als Kind, näher eingegangen, samt Schlüsselworten, Übungen zur Selbstreflexion und einer Übersichtstabelle über alle Typen. Am Ende geht es dann noch um die Passung verschiedener Typen miteinander und um mögliche Herausforderungen in diesem Bereich.

Somit ist der Schwerpunkt des Buches für mich deutlich weiter gefasst als der Titel bzw. entspricht er diesem, wenn man unter Berufung das ganze Leben und den Versuch, sich selbst authentisch zu verwirklichen, versteht und nicht nur den beruflichen Bereich im engeren Sinn. Es ist insgesamt ein inspirierendes, unterhaltsam und gut geschriebenes Buch, das zur Selbstreflexion und spirituellen und persönlichen Weiterentwicklung anregt und das ich allen dafür offenen Menschen empfehlen kann.

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Interessantes spirituelles Buch zu Persönlichkeit und Archetypen
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Gut verständlich, spannend und aktuell

Deutschland im Ernstfall von Ferdinand Gehringer; Johannes Steger

Spätestens seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine im Februar 2022 ist die Illusion des für immer garantierten Friedens in Mitteleuropa verloren gegangen. Nach Jahrzehnten der Abrüstung und der Aussetzung der allgemeinen Wehrpflicht für Männer im Jahr 2011 geht es nun wieder in die Gegenrichtung: weitere Länder sind der NATO beigetreten, um besser vor russischer Aggression geschützt zu sein.

Europaweit wird aufgerüstet und sich auf verschiedene Bedrohungsszenarien vorbereitet.

Das Buch "Deutschland im Ernstfall" spielt verschiedene dieser Bedrohungsszenarien sehr realistisch durch. Fachlich fundiert und unterhaltsam und lebensnah erzählt, werden die wahrscheinlichsten Konsequenzen, Reaktionen der Regierung sowie mögliche Einschränkungen für die Zivilbevölkerung beschrieben. Dabei geht es etwa um den Fall, dass ein NATO-Bündnispartner Deutschlands militärisch angegriffen wird und Deutschland eine Beistandspflicht hat, genauso wie um Sabotageakte oder um Desinformationskampagnen.

Es wird beschrieben, welche Gesetze für solche Fälle in der Schublade bereitliegen und auf welche Weise diese aktiviert werden könnten, bis hin zum Notstand/Kriegsrecht im äußersten Notfall. Wie zivile Bedürfnisse den militärischen im Ernstfall weichen müssen und Straßen und Schienen vorrangig für das Militär eingesetzt werden können, insbesondere auf bestimmten Routen. Wie alle Bürger und Bürgerinnen verpflichtet werden können, sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten und Fähigkeiten für die Landesverteidigung einzusetzen, wenngleich nach jetzigem Recht niemand zum direkten Dienst an der Waffe verpflichtet werden kann.

Es ist sehr interessant, das Buch zu lesen, um sich bewusst zu machen, auf welche Weise Deutschland auf verschiedenste Szenarien vorbereitet ist, aber auch, welche Szenarien als wahrscheinlicher oder als unwahrscheinlich angesehen werden. Ausländische Desinformationskampagnen auf den sozialen Medien sind zum Beispiel etwas, was auch heute schon stattfindet, während ein bewaffneter Angriff eines anderen Landes mit Bomben und Drohnen direkt auf bundesdeutsches Gebiet aus aktueller Sicht als unwahrscheinlich eingestuft wird.

Insgesamt ist es ein sehr interessantes und gut zugängliches, auch für Laien verständliches Sachbuch zu einem spannenden aktuellen Thema, das ich allen Interessierten nur empfehlen kann.

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Gut verständlich, spannend und aktuell
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Zwei Schwestern im belagerten Sarajevo

Der Sohn und das Schneeflöckchen von Vernesa Berbo

"Der Sohn und das Schneeflöckchen" ist der Debütroman der deutsch-bosnischen Schauspielerin und Autorin Vernesa Berbo. Als ich diesen großartigen Roman gelesen habe, konnte ich kaum glauben, dass das ihr allererstes Buch sein soll: so spannend geschrieben, so authentische Figuren, denen man sich nahe fühlt und mit denen man mitfiebert, vor einem zutiefst bestürzenden und tragischen Hintergrundsetting, das vom ersten Augenblick an lebendig wird.

Ich habe nun beim Lesen mehrere Tage innerlich mit der Autorin und ihren Figuren im besetzten Sarajevo der 1990er Jahre verbracht und bin zutiefst berührt. Das Thema ist kein neues für mich, ich habe selbst kurz nach dem Krieg diese Gegend mehrmals bereist, mit vielen Menschen darüber gesprochen und spreche die Sprache(n). Und doch schreibt Vernesa Berbo in einer Art darüber, die mich noch einmal auf eine neue Art und Weise zutiefst im Herzen erreicht hat.

Während es in den 1990er Jahren in vielen Ländern Europas unglaublichen Wohlstand, Demokratie, Freiheit und Frieden gab, Deutschland sich wiedervereinigte und die Tschechoslowakei sich friedlich in zwei neue Länder aufspaltete, tobte am Balkan ein erbarmungsloser Bürgerkrieg, von dem Bosnien-Herzegowina und insbesondere Sarajevo besonders schwer betroffen war. Die Stadt liegt in einem Tal, umgeben von Bergen, und war ein Musterbeispiel für das multiethnische und multireligiöse Jugoslawien, in dem Serben, Kroaten, Bosnier, Roma, Juden und weitere Nationalitäten und Religionsangehörige friedlich zusammenlebten, miteinander befreundet waren, zusammen arbeiteten, nebeneinander lebten und sogar einander heirateten. Wer was war, das spielte lange keine Rolle, so dachten viele Menschen... bis es auf einmal anders war.

Sarajevo wurde mehrere Jahre lang belagert, in den Bergen lauerten unzählige Scharfschützen, die auf die Menschen zielten, sobald sie auf der Suche nach Nahrung oder Wasser ihre zerstörten Häuser verließen. Menschen wurden verschleppt, vergewaltigt, umgebracht. Und lange gab es für die Eingekesselten kaum eine Möglichkeit, die Stadt zu verlassen und zu fliehen.

Wir erleben die Zeit vor dem Krieg, die Belagerung aus Sarajevos und die Perspektive dreißig Jahre später durch die Augen zweier Schwestern: die ältere Dijana, immer schon tough gewesen und von ihrem Vater "Sohn" genannt, und ihre geliebte Familie und Heimat verteidigen, wird sich als Freiwillige den Soldaten anschließen, in die Wälder gehen und für Sarajevo kämpfen. Suada hingegen, genannt "Dada", wirkt zarter und zerbrechlicher, wird deshalb "Schneeflöckchen" genannt. Die Schwestern lieben sich inniglich und doch wird der Krieg vieles mit sich bringen, das das Potential in sich trägt, sie voneinander zu entfernen.

Das Buch hat über 400 Seiten, durch die ich nur so geflogen bin. Ich konnte es kaum aus der Hand legen, so gut geschrieben und spannend war die Lektüre und so sehr habe ich mit den Schwestern, den anderen Menschen im belagerten Sarajevo und ihrem Schicksal mitgefiebert. Trotz der tragischen Hintergrundkulisse ist es nicht nur ein trauriges Buch, sondern auch voll Humor, Warmherzigkeit und berührender Momente zwischenmenschlicher Begegnungen. Es ist ein großartiges Buch zu einem äußerst wichtigen Thema, das zu Unrecht viel zu wenig Platz im Bewusstsein vieler Europäerinnen und Europäer hat.

Es geht auch um das sehr wichtige Thema Trauma und innere Abspaltung, die es mit sich bringen kann, Täter/in oder Opfer zu werden, und um die Frage, ob und wie wir uns dabei unseren innersten Kern bewahren können. Damit haben beide Schwestern auf ihre Weise zu kämpfen, diese Stelle zeigt, was Dijana vermittelt wird, als sie sich entscheidet, mit der Waffe, die sie "Jana" nennt, um ihre Heimatstadt zu kämpfen:

"Jana denkt für dich, sie entscheidet für dich, sie tötet, nicht du. Ohne Waffe bist du wieder das friedliche Wesen von früher, unschuldig, gut, das Wesen, das liebt und beschützt. Du verteidigst nicht nur unsere Frontlinie und dein nacktes Leben, sondern auch dieses unschuldige Wesen, du bewahrst es für später, als Reserve, damit du, wenn du überlebst, weiterleben kannst. Pass auf dich auf, töte nicht aus Lust." (S. 219 im E-Book)

Ich kann dieses großartige Buch allen, die sich für das Thema interessieren nur wärmstens empfehlen, denn es hilft, zu verstehen, wie viel Trauma Menschen aus dieser Zeit bis heute mitschleppen, es lehrt Dankbarkeit für das, was uns in Mitteleuropa erspart blieb und Mitgefühl mit den Menschen in der Ukraine und weiteren Kriegsgebieten, die gerade in diesem Moment ähnliche Traumata erfahren müssen. Persönlich wünsche ich mir weitere Bücher von dieser tollen Autorin, die so gut schreiben kann und so viel zu sagen hat.

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Zwei Schwestern im belagerten Sarajevo
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Zwei Perspektiven zu Deutschlands Osten

Die neue Mauer von Ilko-Sascha Kowalczuk; Bodo Ramelow

"Die neue Mauer: ein Gespräch über den Osten" ist genau das, was der Titel sagt: ein Gespräch zweier prominenter Männer - auf der einen Seite der in der DDR aufgewachsene Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk, auf der anderen Seite der ehemalige Ministerpräsident Thüringens und Linke-Politiker Bodo Ramelow - über vielfältige Themen, die mehr oder weniger mit dem ehemaligen Ostdeutschland und den jetzigen neuen Bundesländern im Osten Deutschlands verbunden sind.

Thematisch lose in einige wenige längere Kapitel gegliedert, unterhalten sich die beiden Männer miteinander über diese Themen, über das, was diese Region ihrer Meinung nach geprägt hat und wie diese Prägungen bis heute nachwirken und sich in Gesellschaft und Politik zeigen. So einige im Buch erwähnte Themen setzen einiges an Vorwissen zur Geschichte der DDR und der Deutschen Einheit sowie zu den Entwicklungen danach voraus. So wendet sich das Buch grundsätzlich an politisch und historisch gut gebildete und interessierte Leserinnen und Leser. Besonders ist, wie sich die beiden Männer in manchen ihrer Ansichten unterscheiden, aber doch immer in einem wertschätzenden und offenen Dialog miteinander bleiben - etwas, das in der heutigen Zeit selten geworden ist und umso mehr wert ist, erwähnt und bewahrt zu werden.

Inhaltlich geht es um die DDR-Zeit, um die Aufarbeitung oder Nicht-Aufarbeitung der NS-Zeit in den beiden deutschen Staaten und danach, um den "Freiheitsschock" (so heißt auch ein weiteres Buch eines der Autoren) nach der Wende und viel darum, was aus Sicht der beiden Autoren den Boden für die jetzigen Erfolge der AfD bereitet hat.

Mir persönlich war die Perspektive insgesamt eine doch bei allem Bemühen und der Betonung des ursprünglichen Arbeiterhintergrundes der beiden Männer akademisch und distanziert gebliebene, für mich ist beim Lesen nicht fühlbar geworden, was die Menschen im ehemaligen Ostdeutschland heute wirklich bewegt. Dennoch habe ich insgesamt viel Interessantes, Neues und Lesenswertes aus dem Buch mitgenommen, auch wenn es naturgemäß durch die Art des Buches eine einseitigere Perspektive ist, als wenn es zusätzlich statistische Daten, wissenschaftliche Quellen oder Ergebnisse aus Interviews stärker miteinbezogen hätte.

Insgesamt kann ich das Buch aber allen, die sich für diesen speziellen Blick auf das Thema interessieren, als eine von mehreren Quellen durchaus empfehlen.

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Witzig, schräg und makaber

Gym von Verena Keßler

"Gym", nach den "Geistern von Demmin" und "Eva" nun das dritte Buch von Verena Keßler, liest sich leicht und schnell. In kurzweiligen Szenen erleben wir die namenlose Ich-Erzählerin, die ihren früheren prestigeträchtigen Job wohl verloren hat, auf Bewährung ist und nach einer Anstellung sucht und diese im Mega-Gym-Fitnesscenter findet.

Ihren nicht ganz perfekten Körper erklärt sie mit der Lüge, gerade erst entbunden zu haben, doch bald wird sie dem Fitnesshype verfallen und immer mehr trainieren, immer stärker und kräftiger werden und dafür vieles aufs Spiel setzen, bis zum sehr schrägen Ende des Buches, das ich hier natürlich nicht verraten möchte.

Das Buch ist eine sarkastisch-bissige Kritik an den überzogenen Maßstäben, die insbesondere an weibliche Körper von der Gesellschaft angelegt werden, und zeigt in humorvoll-übertriebener Art auf, wozu der daraus resultierende Selbstoptimierungshype und die damit verbundene Konkurrenz führen können: zur Selbstzerstörung und zur Zerstörung sozialer Bindungen. Insofern ist es ein gut geschriebenes, unterhaltsames Buch, das wichtige Themen anspricht.

Mich persönlich hat es aber irgendwo im letzten Drittel verloren, als mir einige Entwicklungen doch bei weitem zu überzogen und für mich nicht mehr lustig waren. Das ist aber wohl persönliche Geschmackssache. Dieses Buch wird sicher nicht allen gefallen, aber für viele doch zumindest eine gute Unterhaltung mit Anregung zum Nachdenken sein.

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Über vielfältige Verbindungen zwischen Menschen

Wohin du auch gehst von Christina Fonthes

Der Roman "Wohin du auch gehst" von Christina Fonthes heißt im englischsprachigen Original "Where you go, I will go". Das bezieht sich auf den Bibelspruch aus dem Buch Rut: "Rut antwortete: Dränge mich nicht, dich zu verlassen und umzukehren. Wohin du gehst, dahin gehe auch ich, und wo du bleibst, da bleibe auch ich.

Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, da sterbe auch ich, da will ich begraben sein. Der Herr soll mir dies und das antun – nur der Tod wird mich von dir scheiden.", der gerne bei Hochzeiten zitiert wird. Dabei geht es ursprünglich darin gar nicht um eine heterosexuelle Paarbeziehung, sondern um die Verbindung zwischen der verwitweten Rut und ihrer Schwiegermutter.

Damit ist es eine äußerst klug und passend gewählte Referenz für ein besonderes Buch, in dem es um vielfältige Beziehungen zwischen Menschen geht, die über klassische heterosexuelle Paarbeziehungen, aber auch über leibliche Eltern-Kind-Beziehungen weit hinaus gehen.

Wir erleben das Buch aus zwei Perspektiven, die abwechselnd geschildert werden. Da ist zum einen die lebenslustige, fröhliche, freche Mira, ein 16-jähriger Teenager, die unbeschwert mit ihrer älteren Schwester Eugenie und den gemeinsamen Eltern in Kinshasa in Zaire (jetzt "Demokratische Republik Kongo") in Afrika lebt. Die Mädchen wachsen geliebt und unterstützt auf, die Familie ist finanziell sehr gut situiert, hat ein schönes großes Haus mit Garten, sie sprechen perfekt Französisch und Lingala, dürfen eine gute Schulbildung genießen und haben scheinbar alles, was sie brauchen. Doch die Familie ist auch konservativ und auf ihren Ruf bedacht, insbesondere, da der Vater gerade für den Posten des Gouverneurs kandidiert. So brechen Ereignisse über Mira herein, die sie sehr von ihrer Familie entfremden und für viele Jahre alleine nach Europa führen werden.

Die zweite Perspektive des Buches ist die der jungen Bijoux, etwa 15 bis 25 Jahre später (je nach Kapitel). Es werden Erlebnisse aus verschiedenen Lebensphasen der jungen Frau geschildert, in den meisten Kapiteln ist sie Anfang bis Mitte 20. Bijoux ist bis zu ihrem 12. Lebensjahr bei ihren Eltern Sylvain und Eugenie in Zaire aufgewachsen, als Teil der dortigen Oberschicht mit beiden Eltern in gesellschaftlich hochstehenden Positionen (die Mutter ist etwa Ärztin), jedoch in einer von politischen und militärischen Konflikten überschatteten, unsicheren Zeit. Mit 12 musste sie plötzlich und ungefragt zu ihrer schweigsamen und erzkonservativen Tante Mireille nach Europa ziehen und fortan dort aufwachsen. Nun ist Bijoux seit einigen Jahren volljährig und formal erwachsen, weiß eigentlich, dass sie lesbisch ist, doch es ist eine Herausforderung, gegenüber ihrer Mutter, die eine leitende Position in einer charismatischen Bibelgemeinde einnimmt, dazu zu stehen.

Das Buch ist sehr zugänglich und interessant geschrieben. Ich habe dabei viel über ein mir bisher unbekanntes Land gelernt: Zaire/Kongo. Wie schon beschrieben, ist es die Position einer sehr privilegierten afrikanischen Familie, aus der wir auf dieses Land schauen, und dadurch ganz spezifische Möglichkeiten und Herausforderungen kennen lernen, mit denen die Charaktere zu tun haben. Die Charaktere sind tiefgründig, authentisch und liebevoll gezeichnet, sodass ich mich beim Lesen mit beiden weiblichen Hauptfiguren verbunden gefühlt habe und sehr mitgefiebert habe. Das Thema des Coming-of-Age und Outing speziell als lesbische Frau mit afrikanischem Hintergrund ist für mich gut in die Gesamtkonstruktion des Buches eingewoben. Dabei war es für mich sehr interessant zu lesen, mit wie vielen Schwierigkeiten speziell Bijoux zu kämpfen hat und wie sie ihren Weg findet, aber auch Mira/Mireille ist eine sehr spannende Persönlichkeit mit einer Geschichte, die Mitgefühl erregt und zum Nachdenken anregt, und auch interessante Twists und Turns aufweist.

Ich kann das Buch allen, die sich für Migrationsgeschichten, Afrika, vielschichtige Familienbeziehungen und das Thema Queerness interessieren, oder zumindest für all diese Themen offen sind, sehr empfehlen. Ich habe es sehr gerne gelesen, dabei mit den Charakteren mitgefiebert, wurde gut unterhalten und habe so einiges gelernt.

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Trauer und Erinnerungen

Sohn ohne Vater von Feridun Zaimoglu

"Sohn ohne Vater" von Feridun Zaimoglu ist auf der Longlist für den diesjährigen Deutschen Buchpreis gelandet. Das macht neugierig auf das Buch und lässt ein tiefsinniges und interessantes Werk erwarten.

In diesem Buch verarbeitet der Autor den Tod seines Vaters, der lange als Gastarbeiter in Deutschland gelebt hat und nun mit knapp 90 Jahren in der Türkei verstorben ist.

Die Mutter ruft ihn an, um ihn über den Tod zu informieren und bittet ihn, zu kommen. Da der Sohn aber unter Flugangst leidet, bleibt nur lange Weg mit dem Auto, über 5000 Kilometer und über viele Länder.

Es ist ein ruhiges, nachdenkliches Buch, so wie es zu dem Thema Tod und Trauer passt. Abwechselnd erleben wir einzelne Episoden in der Gegenwart auf dem Weg in die Türkei, unterbrochen von Erinnerungen an den Vater, an die Familiengeschichte und an andere Personen. Wie einem inneren Bewusstseinsstrom an Gedanken und Gefühlen folgend erleben wir beim Lesen diese Szenen mit. Nicht alle davon haben mich als Leserin gefühlsmäßig ergriffen, nicht alle waren interessant für mich, nicht allen konnte ich gut folgen.

Dennoch gibt es viel Lesenswertes an dem Buch. Gedanken darüber, inwiefern man in die Fußstapfen des Vaters treten könnte oder sollte oder auch nicht. Metaphern für den Tod und das Sterben. Schon am Anfang ganz eindringlich die Worte der Mutter für dieses Ereignis: "Dein Vater ist tot. Er ist zum Gerechten geschritten." Aber auch einzelne Sprachbilder, mit denen ich nicht so viel anfangen konnte, wie z.B. "Ich habe Augenrauschen." Der Vater wird vielschichtig und differenziert porträtiert, fernab von Klischees.

Es findet sich also an einzelnen Stellen einiges Besonderes an diesem Buch. Dennoch hat es mich insgesamt nicht sehr begeistert und mitgerissen: vielleicht fehlte mir ein bisschen der rote Faden und der Rahmen, der die einzelnen Erinnerungen für mich noch einmal stärker miteinander verbunden hat, vielleicht waren es zu viele für mich nicht anschlussfähige Metaphern, vielleicht sind auch die Maßstäbe, die ich an ein Buch zu diesem Thema habe (ich habe schon einige gelesen, die sich damit beschäftigen und die sehr beeindruckend waren), besonders hohe. Insgesamt ist es für mich ein durchaus bemerkenswertes und lesenswertes Buch für Menschen, die gerade die innere Ruhe in sich haben, es tief auf sich wirken zu lassen.

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