Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Ryria:
Über die Magie der Freundschaft
Monoloco von Susann Blum
Monoloco beinhaltet so viele verschiedene Elemente, dass ich gar nicht weiß, wie ich es beschreiben soll: Eine Art Chat-Flirt, eine Geschichte der Selbstfindung und charakterlichen Weiterentwicklung, tiefe und neue Freundschaften, Krimi-Passagen und ein bisschen Übernatürliches.
Insgesamt ergibt dies durchaus eine spannende Geschichte, die auch zum eigenen Nachdenken anregt und berührend ist, jedoch offenbaren sich auch einige Mängel.
Zwar hängen die Themen alle inhaltlich zusammen und vermischen sich auch, jedoch fühlt es sich erzähltechnisch nicht immer fließend an - in einem Kapitel geht es mehr um Krimi, im nächsten wieder ruhigere Freundschaftspassagen, dann plötzlich wieder Krimi etc.
Weiterhin ist das Buch recht kurz, sodass manche Erzählabschnitte als zu kurz erscheinen und andere dafür als zu lang.
Die Charaktere sind sympathisch, jedoch ist es schwierig, auf 200 Seiten ~10 Personen ausführlich vorzustellen und zu charakterisieren. So werden die Charaktereigenschaften kurz erklärt und manches sieht man auch in Aktion, aber halt teils mehr, teils weniger.
Da ich im gleichen Alter wie die Gruppe bin, empfand ich auch einige Gespräche ein wenig unnatürlich, wie lange Monologe in der Gruppe oder auch die Verwendung ungewöhnlicher Wörter. Besonders aufgefallen ist mir hier "Phone", was sehr sehr häufig vorkam - ich habe im deutschsprachigen Raum dieses Wort noch nie gehört, alle sagen hier Handy.
Zuletzt zur Botschaft des Buches: Die richtigen Freunde helfen uns dabei, über uns selbst hinauszuwachsen und uns charakterlich weiterzuentwickeln, was man hier schön gesehen hat und auch auf verschiedene Arten gut umgesetzt wurde. Lediglich bei der Hauptfigur hätte ich mir gewünscht, dass der Ehemann nicht ein ganz so großes Schwein gewesen wäre. Das Buch kann dem Leser Mut geben, aus einer toxischen Beziehung auszubrechen, jedoch besteht so die Gefahr, dass man vielleicht denkt "immerhin ist mein Partner nicht so schlimm wie der Mann im Buch". Im Buch bleibt Mailyn ja quasi gar keine andere Wahl mehr, was ihre eigene Leistung und Weiterentwicklung ein wenig schmälert.
Insgesamt aber ein unterhaltsames Buch mit wichtigen Botschaften und halt ein paar kleinen Mängeln.
Lebendige Geschichte
Der Salon der kühnen Frauen von Clare Pollard
Ich hätte nicht gedacht, dass mich eine Erzählung, die auf historischen Begebenheiten und Personen beruht, so sehr fesseln und berühren könnte. Bin ich noch mit der Erwartung ins Buch gestartet, dass es eine rein fiktive Geschichte über Märchenerzähler ist, hat sich dies schnell geändert: Die meisten Haupt- und Nebencharaktere gab es wirklich, vor über 300 Jahren, auch die gesellschaftlichen Hintergründe wurden so historisch akkurat wie möglich versucht darzustellen.
Natürlich hat sich die Autorin einige Freiheiten bei der Charakterisierung und der Gefühlswelt ihrer Protagonisten erlaubt, jedoch stört dies absolut nicht, im Gegenteil, die uns fernen Menschen werden so greifbar.
Der Schreibstil ist an vielen Stellen beinahe poetisch, mit vielen schönen Beschreibungen, die einen problemlos in die damalige Zeit versetzen. Ergänzt wird die Erzählung durch viele altbekannte Märchen, deren Ursprung wir verfolgen dürfen und die sich perfekt in das Geschehen einfügen. Doch auch wenn sich der Text gut und schnell lesen lässt, ist dies jedoch keine leichte Lektüre - wenn man sich darauf einlässt, kann man immer wieder innehalten und über das Gelesene nachdenken: Metaphern, Anspielungen, Gesellschaftskritik und viel mehr, gar nicht unähnlich den Märchen. Die Märchen unterhalten den Salon im Buch, aber fordern auch ihren Verstand heraus, genau wie dieses Buch uns unterhält und gleichzeitig herausfordert.
Am Ende des Buches wünscht man sich wie im Märchen auch ein Happy End für die Charaktere im Buch, die diese Märchen erschaffen haben. Ob sie dies bekommen werde ich natürlich nicht verraten, aber ich habe mich selbst dabei ertappt, wie ich das Internet nach ihren wahren Geschichten und dem weiteren Verlauf ihrer Leben durchsucht habe - die Grenze zwischen Fiktion und Realität ist dünn und verschwimmt auch schnell, erzählte Worte tragen viel Macht und gleichzeitig auch Schwäche in sich. Ich werde dieses Buch so schnell nicht vergessen und kann es daher nur weiterempfehlen.
Guter Einstieg in eine fantasievolle Welt
When The Moon Hatched von Sarah A. Parker
Die Gestaltung der Welt fand ich toll: Länder in der Sonne oder im eiskalten Schatten, Drachen, viele andere mystische Wesen, Elementarmagie, Runenzauber und einiges mehr! Der Einstieg hierbei dauert ein bisschen, da viele neue Begriffe benutzt werden (z.B. Dae für Tag, Schlummer für Nacht). So liest man sich zu Beginn bestenfalls erstmal das Glossar durch.
Bei manchen Sachen hätte ich mir eine (bessere) Erklärung auch eher direkt im Text gewünscht.
Der Schreibstil generell ist gut zu lesen und passt zu der Welt, jedoch gab es immer wieder auch Textpassagen, die sich etwas nach Filler anfühlten und beispielsweise Beschreibungen etwas in die Länge gezogen haben.
Raeve als Protagonistin war unterhaltsam, ich mochte ihre freche und sarkastische Art, auch wenn ich mich (aufgrund ihrer Geschichte/Gefühle) so gar nicht mit ihr identifizieren konnte. Ich fand es außerdem schade, dass man wenig Charakterentwicklung bei ihr verfolgen konnte, auch führte dies zu eher uninteressanten Dialogen, bei denen man das Gefühl hatte, die Handlung tritt auf der Stelle. Die Nebencharaktere haben Potenzial, jedoch kamen viele bisher etwas zu kurz, aber schätze, sie spielen im nächsten Teil dann eine wichtigere Rolle.
Im Großen und Ganzen hat mich die Geschichte aber gut unterhalten, besonders gefallen haben mir die Tagebuchpassagen und die Verknüpfungen der Vergangenheit und Gegenwart. Ich schätze, der nächste Teil wird auch nochmal spannender, da jetzt quasi alles "vorbereitet" ist und dieses Buch wie eine Einleitung wirkte.
Reichtum des Herzens
Golden-Heights-Reihe, Band 1 - Unlock My Heart von Saskia Louis
Lexie und Logan könnten bei oberflächlicher Betrachtung nicht unterschiedlicher sein: Er ist Milliardenerbe, sie hält sich mit dem Verkauf gefälschter Ausweise gerade so über Wasser. Und doch wird im Verlaufe des Buches klar, dass dies zwar eine große Rolle in der Charakterbildung spielt, aber längst nicht den ganzen Menschen ausmacht.
Klar ist vieles im Leben mit Geld einfacher, aber das heißt nicht, dass man gar keine Sorgen und Ängste mehr hat. Und wie leicht fällt es einem, jemanden für seine illegalen Taten zu verurteilen, wenn man die Umstände dahinter nicht mal erahnen kann.
Unter anderem diese Botschaft wird schön zwischen den Seiten vermittelt und findet ihren Höhenpunkt in der Liebesgeschichte zwischen Lexie und Logan, die ebenfalls ihre Vorurteile über Bord werfen müssen und zu einem guten Team werden, das sich gegenseitig unterstützt. Beide Charaktere sind sympathisch geschrieben, ihre Dialoge voller Wortwitz und frechen Sprüchen. Auch wenn manche Klischees bedient werden, fällt dies jedoch nicht negativ auf, sondern trägt eher dem Humor bei. Die Nebencharaktere sind ebenfalls liebenswert und tragen gut zur Geschichte bei, deshalb freue ich mich schon auf den nächsten Teil, in dem zwei von ihnen im Mittelpunkt stehen werden.
Der Schreibstil war sehr angenehm zu lesen, immer wieder hält man kurz inne, weil eine Stelle besonders witzig oder eindrucksvoll ist, ansonsten fliegt man nur so durch die Seiten. Als einziger Kritikpunkt würde ich hier jedoch erwähnen, dass manche Passagen auch etwas kürzer hätten sein können, dafür hätte ich mir ein paar mehr Seiten beim Ende gewünscht. Insgesamt hat dies meinem Lesespaß aber nicht geschadet, daher kann ich das Buch nur weiterempfehlen an alle, die einer witzigen Lovestory mit einem (un)gleichen Paar nicht abgeneigt sind.
Bezaubernde Mischung aus Realität und Fiktion
Eve von Amor Towles
Eve entführt den Leser nach Hollywood im Jahre 1938 - und das auf eine ganz besondere Art und Weise.
In jedem Kapitel wechselt die Perspektive zu einer anderen Person, nur verknüpft durch die Begegnung mit Eve, und so lernt man im ersten Teil erstmal eine handvoll ganz unterschiedliche Charaktere kennen, die alle ihren ganz eigenen Charme haben.
Vom ehemaligen Polizisten Charlie zum vergessenen Filmstar Prentice bis hin zur aufstrebenden Jungschauspielerin Olivia de Havilland - die mir bis dahin unbekannt war und wie ich feststellen musste, tatsächlich so in Hollywood gelebt hat.
Mein Leseerlebnis habe ich an dieser Stelle kurz unterbrochen, um meine eigene Recherche zu starten, und habe dadurch das Buch noch mehr wertzuschätzen gelernt: Die geschickte Vermischung von historischen wahren Begebenheiten und Personen mit der erfundenen spannungsgeladenen Handlung hat mir gut gefallen.
Auch der Schreibstil war voller ausführlicher, aber nicht zu langer Beschreibungen und hat die Atmosphäre passend vermitteln können.
Eve als Protagonistin ist die Art von Frau, die man selber gerne wäre und gleichzeitig gerne als Freundin hätte, raffiniert, clever, loyal und immer einen Schritt voraus. Ihre ersten Begegnungen mit den anderen Charakteren waren unterhaltsam mitzuverfolgen, jedoch liegt hierin auch mein einziger Kritikpunkt: Ich hätte am Ende gerne noch mehr von allen gelesen, man hat das Gefühl, gerade sobald man eine Person gut kennengelernt hat, hat sie auch schon wieder ihren letzten Auftritt. Dies ist vermutlich der Masse an Perspektiven und der Kürze des Buches geschuldet, aber ich fand es etwas schade, dass die Zukunft mancher Charaktere am Ende nur in einem Nebensatz angedeutet wird.
Momentaufnahme unserer Gesellschaft
VIEWS von Marc-Uwe Kling
Welche Themen sind aktuell in den Medien, in der Politik und in den Köpfen der Menschen? Worüber diskutiert unsere Gesellschaft momentan und wie wird es sich in Zukunft entwickeln? Kling beschreibt einen möglichen Verlauf in diesem Buch.
Ist dies realistisch? Ich kann es nicht sagen. Viele Abschnitte sind extrem erschreckend, gerade die beschriebenen Abgründe der menschlichen Seele regen zum Nachdenken an, da sie sehr glaubhaft erscheinen.
Hierbei gelingt dem Autor eine gute Mischung aus Unterhaltung, Spannung und Gesellschaftskritik: Die Seiten fliegen nur so weg, schreckliche Geschehnisse werden durch Humor etwas entschärft, ohne dabei ins Lächerliche abzudriften.
Die Protagonistin Yasira wirkt authentisch, gerade ihre Sorgen als Mutter werden gut wiedergegeben. Besonders sympathisch fand ich auch ihren Partner Michael, der sich so schnell durch nichts aus der Ruhe bringen lässt. Vom Rest des Teams bekommt man nicht so viel mit, was vermutlich der Seitenzahl geschuldet ist, aber ich fande es schade.
Das Ende hat mich leider nicht komplett überzeugt, es wirkte etwas hektisch und übereilt im Vergleich zum Rest des Buches. Insgesamt hat mich das Buch aber gut unterhalten und dabei auch zum Nachdenken gebracht. Manches im Buch mag dabei übertrieben erscheinen, jedoch hilft dies auch, die Botschaft dahinter zu vermitteln.
Urlaub mit Mängeln
Mittsommercamp zum Verlieben von Michaela Metzner
Das Buch entführt uns nach Schweden und hierbei merkt man deutlich, dass die Autorin selbst dort gewohnt hat: Die Landschaft wird toll beschrieben, sodass man direkt selbst Lust auf Urlaub dort bekommt. Immer wieder finden sich schwedische Wörter im Text wieder, die man dank eines Wörterbuchs im Anhang auch nach Wunsch lernen kann.
Viele Eigenheiten des Lebens dort werden geschickt in die Handlung eingebaut und zum Schluss runden Rezepte das Erlebnis noch ab.
Der Schreibstil außerhalb dieser Beschreibungen hat mir hingegen nicht sooo gut gefallen, die Dialoge wirken teilweise unnatürlich und nicht passend zum angegebenen Alter der Charaktere. Auch die Verwendung von manchen Schimpfwörtern empfand ich als eher unangenehm.
Zu den Charakteren: Bea war mir grundsätzlich sympathisch, jedoch fand ich ihren Charakter nicht konstant, eine ihrer Entscheidungen passte aus meiner Sicht nicht zu ihr, hierbei wurde eher künstlich Drama erzeugt. Ed startet schwach, aber gewinnt schnell Punkte hinzu. Mein Favorit war hingegen eine der Jugendlichen im Camp, darin lagen auch die Stärken des Buches, der berührende Umgang mit Kids aus schwierigen Lebensverhältnissen. Davon hätte ich gerne mehr gelesen, dafür weniger (unnötige) Konflikte.
Insgesamt ein durchaus unterhaltsames Buch, das einem die Schönheit Schwedens näherbringt, ungeschönt von den Problemen eines Einwanderers berichtet und einige herzerwärmende Momente beschert, dabei jedoch ein paar Mängel im Schreibstil sowie der Handlung aufweist.
Spiel der Gefühle
The Summer of Broken Rules von K. L. Walther
The Summer of Broken Rules ist vermutlich kein literarisches Meisterwerk, aber dafür sehr wohl die perfekte Sommerlektüre: Das Lesen hat einfach Spaß gemacht, die Charaktere waren eigentlich alle super sympathisch und die Emotionen kamen auch nicht zu kurz.
Die Handlung spielt auf Martha's Vineyard und auch wenn man noch nicht selbst dort war, kann man sich alles gut bildlich vorstellen und hat direkt einen Wohlfühlort im Kopf.
Anlass für diese Reise ist eine Hochzeit in der Familie, die typisch amerikanisch gefeiert wird. Dies mag etwas pompös erscheinen, aber das Brautpaar ist mehr als liebenswert und die Gesellschaft besteht eigentlich auch nur aus der Familie und engen Freunden.
Eben diese doch recht große Familie macht einen riesigen Teil des Charmes des Buchs aus, zwar braucht man eine Weile, bis man den Überblick hat, aber dann lernt man die verschiedenen Familienmitglieder doch sehr zu schätzen - gerade wenn man selbst aus einer eher kleinen Familie stammt.
Während des einwöchigen Aufenthaltes nimmt das traditionelle Familienspiel eine große Rolle ein, die Idee hierzu fand ich wortwörtlich erfrischend. Durch das Spiel kommen sich Wit und Mer schließlich näher, hierbei mochte ich das gegenseitige Necken sehr, aber auch, dass sie in verletzlichen Momenten füreinander da sind. Positive und negative Emotionen kommen nicht zu kurz und wirken authentisch, vor allem die vielen Facetten der Trauer.
Besondere Empfehlung für alle Mit-Swifties, an vielen Stellen kommen einem direkt die passenden Lieder in den Kopf - aber auch wenn man Taylor Swift nicht so mag, sollte man doch genauso gut in diesen schönen Urlaub/Familienfest eintauchen können.
Authentischer Einblick in zwei Leben
Man sieht sich von Julia Karnick
"Man sieht sich" - nicht die berühmtesten drei Worte, aber diejenigen, die die Beziehung zwischen Frie und Robert wohl am besten beschreiben. Ihre gemeinsame Geschichte beginnt 1988 und nimmt den Leser mit bis ins Jahre 2022, eine Zeitreise durch die Leben zweier Menschen und ihren Wegbegleitern.
Die Perspektive wechselt hierbei abwechselnd zwischen Frie und Robert, was eine tolle Betrachtung der Gesamtsituation ermöglicht: Man erfährt nicht nur, wie eine Person die Beziehung wahrnimmt, sondern auch was der Andere hierzu denkt und fühlt.
Die Handlung ist kein Blockbuster, es gibt keine erzwungenen Cliffhanger oder Dramatik, aber trotzdem fliegen die Seiten nur so weg und man mag gar nicht mehr aufhören zu lesen. Dies liegt hauptsächlich an den extrem authentischen Charakteren sowie der Beschreibung der Lebensumstände zu den verschiedenen Zeiten. Leser*innen im gleichen Alter wie Frie erkennen Dinge aus ihrer eigenen Jugend wieder, aber auch Jüngere stellen fest, dass sich ja im Grunde gar nicht so viel geändert hat und alle mit den gleichen Gefühlen und Problemen beim erwachsen werden zu kämpfen haben.
Diese Generationen überspannende Erzählung wird ergänzt mit einer Vielzahl von Nebencharakteren, von denen man manche direkt nicht mag und andere sofort ins Herz schließt - aber auch hier gibt es kein eindeutiges Gut oder Böse, jede Person im Buch hat ihre eigenen Stärken und Schwächen und wirkt auf jeden Leser anders, sehr menschlich einfach. Auch die Symbolik im Text ist gut gelungen und regt an vielen Stellen zum Nachdenken und Diskutieren an.
Insgesamt ist es ein echtes Herzensbuch, das einen ohne Klischees zu bedienen einfach berührt. Die Charaktere sind nicht geschrieben worden, um dem Leser zu gefallen, sondern sie sind einfach ganz normale Menschen, die wir eine Weile begleiten dürfen. Dadurch fällt es leicht, sich selbst in manchen Situationen wiederzuerkennen, aber dafür umso schwerer, das Buch am Ende wieder aus der Hand zu legen.
Der Kreis des Lebens
Das erste Licht des Sommers von Daniela Raimondi
Die Geschichte einer Familie, über knapp 70 Jahre hinweg, mitten drin Norma, die wir von ihrer Geburt an begleiten. Ich habe den Vorgängerband nicht gelesen, konnte jedoch trotzdem gut einen Bezug zur Familie herstellen.
Hierfür war es sehr hilfreich, dass die Handlung nicht komplett auf Norma fixiert ist, sondern immer wieder die Perspektive wechselt und man so viel über die Personen in ihrem Leben erfährt.
Dadurch wirkt die Geschichte wunderbar lebendig und authentisch, viele Nebencharaktere wachsen einem ebenso ans Herz wie Norma selbst. Diese erzählt zwischendurch die Handlung in der Gegenwart aus der Ich-Perspektive, was dann noch mehr Emotionen erlaubt und auch mal für das ein oder andere Tränchen beim Leser sorgen kann.
Ich fand das Buch sehr angenehm zu lesen, der Erzählstil ist auf eine unkomplizierte Art poetisch und eignet sich auch für längere Lesesessions ohne zu ermüden. Die Symbolik und die Anspielungen auf magische Ereignisse sind gut gelungen und fügen sich in die Handlung ein, ohne aufdringlich dabei zu sein.
Die Charaktere haben alle ihre Stärken und Schwächen, was sie authentisch erscheinen lässt, ebenso kann man sich selbst in der einen oder anderen Situation wiedererkennen. Kritik üben muss ich hier jedoch an der Verwendung von Seitensprüngen als Konfliktelement: Dies geschah meiner Meinung nach viel zu oft und auch wenn im Buch das Motiv "das Leben ist ein Kreis, die Geschichte unserer Vorfahren wiederholt sich" vermittelt wird, hätte ich mir hier etwas Abwechslung gewünscht.
Insgesamt fand ich es aber sehr unterhaltsam und berührend, in das Leben dieser Familie einzutauchen.











