Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Dragon:
Hinter dem perfekten Schein
Yesteryear von Caro Claire Burke
Als ich die ersten Seiten von Yesteryear umblätterte, fühlte ich mich wie vor einer glänzenden Glasvitrine. Alles wirkt perfekt: die Farm mit Tieren, der Mann an ihrer Seite, die lachenden Kinder, das makellose Performen vor der Kamera, wenn Natalie Heller Mills ein neues Rezept aufnimmt. Und doch spürt man von Anfang an, dass hier mehr ist als ein Instagram-Feed, der in Echtzeit erzählt.
Es ist eine Geschichte, die hinter dem Vorhang lauert.
Die Autorin Caro Claire Burke führt uns behutsam durch drei Handlungsebenen: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. In der Vergangenheit zeichnet sich ein Muster ab, das viele kennen. Der Traum von einem stabilen, anerkannten Leben, der Druck, Erwartungen zu erfüllen, die sich wie eine zweite Haut anfühlen. Natalie versucht, alles zu managen, Familie, Karriere, Ansehen und doch schimmert darunter eine Ungeduld, eine stille Überforderung, die selten laut wird, aber ständig arbeitet. Diese Rückblenden sind kein nostalgischer Rückblick, sondern eine nüchterne Bestandsaufnahme der Erschöpfung, die sich hinter dem perfekten Bild verbirgt.
Mit wachsender Followerzahl steht Natalie mitten im Blickfeld der Öffentlichkeit. Die Farm, die Social-Media-Perfektion, die scheinbar mühelose Organisation des Haushalts; all das wird zu einem Spiegel, dessen Glas längst Risse zeigt. Die Autorin scheut sich nicht davor, die inneren Monologe zu platzieren, die oft unausgesprochen bleiben: Zweifel an der eigenen Rolle als Mutter, Angst vor dem Verlust von Individualität im Druck des Familien-Images, das ständige Pendeln zwischen Selbstwertgefühl und dem Gefühl, doch nur eine Darstellerin zu sein.
Die Zukunftsperspektive zeigt, wohin das dauerhafte Spiel mit Identität führen könnte, wenn man sich zu sehr an das Bild bindet, das andere von einem haben wollen. Was Yesteryear meiner Meinung nach besonders stark macht, ist die Schonungslosigkeit, mit der die Autorin innere Konflikte, Ängste und Spannungen schildert, ohne in Klischees zu verfallen. Es gibt keine simplen Lösungen, nur ehrliche, manchmal schmerzliche Schritte in Richtung Selbstakzeptanz und echter Kommunikation.
Yesteryear ist kein schillernder Enthüllungsskandal, sondern eine ehrliche, manchmal schonungslos offene Auseinandersetzung mit dem Druck, als Frau, Ehefrau und Mutter in der digitalen Ära Perfektion zu spielen. Wer bereit ist, sich auf eine vielschichtige Erzählung einzulassen, wird berührt von der Menschlichkeit, die hinter dem Social-Media-Lichtschein liegt. Eine eindringliche Lektüre, die lange nachhallt und mich wirklich mitreißen konnte.
Zwischen den Zeilen einer Freundschaft
Die ganze Wahrheit über die 5. Klasse von Kim Tomsic; Mark Parisi
In fremden Tagebüchern lesen gehört sich einfach nicht! Das wissen wohl Charli (Charlotte) und ihr bester Freund Alex am allerbesten, nachdem sie in ein wahres Chaos der Gefühle und Missverständnisse schlittern, denn die 5. Klasse verändert so einiges und Gerüchten zufolge verändert man sich in der Fünften – das sagen alle!
Und obwohl man nicht die Nase in fremde Tagebücher stecken sollte, ist genau dies dem Lesenden hier erlaubt! Man erhält exklusive Einblicke über das jeweilige Tagesgeschehen aus der Sicht von Charli und parallel seinem Eintrag in das eigene Tagebuch bei Alex.
Ich muss sagen, dass ich mich auch als Erwachsener sehr gut unterhalten und abgeholt gefühlt habe, denn dem Autoren-/Illustrationsteam Tomsic/Parisi gelingt hier ein absolut überzeugendes Buch, das das Gefühlsleben von frisch gebackenen Fünftklässlern beleuchtet und authentisch und mitreißend darstellt. An die eigene Jugendzeit erinnert, kommt mir dabei so einiges bekannt vor.
Ich mag besonders, wie die Tagebucheinträge von Charli und Alex sich sowohl im Textstil als auch inhaltlich unterscheiden und verschiedene Situationen aus der jeweiligen Sicht zeigen. Die comicartigen Illustrationen passen perfekt dazu und vermitteln einen glaubwürdigen Tagebucheintrag. Für die junge Zielgruppe ab etwa 10 Jahren dürfte das Thema ideal passen, weil sich viele darin wiederfinden können, wenn man gerade für jemanden zu schwärmen beginnt. Die unterhaltsamen Texte sind wirklich kurzweilig, witzig und altersgerecht. Ich könnte mir auch vorstellen, dass es den ein oder anderen dazu animieren könnte, selbst mit dem Tagebuchschreiben zu beginnen. Mit ihren liebenswerten Charakteren hat Kim Tomsic bei mir voll ins Schwarze getroffen und ich kann das Buch jedem empfehlen, der einen unterhaltsamen Comicroman über Freundschaft und Vertrauen mit viel Humor sucht.
Vollgas der Gefühle
Chasing Hearts von Grace Newman
Der Roman von Grace Newman ist eine Formel-1-Romance mit Rivals-to-Lovers im Fahrersitz und ehrlich gesagt genau das, was ich nach einem langen Tag lesen wollte. Zu PR-Zwecken werden aus Georgia und Luca ein Liebespaar, was erst mal problematisch ist, da die beiden Rivalen sind und sich nicht ausstehen können.
Doch dann kommt es, wie es kommen muss und die beiden kommen sich (unfreiwillig) näher.
Die Geschichte rast so flüssig dahin, dass man kaum merkt, wie die Seiten wegflutschen. Die Perspektiven wechseln bewusst zwischen den Hauptcharakteren, was Spaß macht und so auch tiefere Einblicke in ihre Gefühlswelt erlaubt. Was diese Liebesgeschichte besonders macht, ist der prickelnde Funke zwischen den Rivalen. Es duftet nach Spannung, nach Neckereien am Rand der Rennstrecke, nach Konkurrenzkampf und gleichzeitiger Abneigung wie Anziehung, also typisch spicy, aber nicht überladen. Die chemische Spannung kommt klar rüber, ohne ins Kitschige abzudriften. Zwischendurch bleibt der Ton locker, witzig, mit ein paar frechen Dialogen, die ein Grinsen aufs Gesicht zaubern.
Ab und zu merkt man dem Buch allerdings an, dass der Tiefgang manchmal auf der Strecke bleibt. Es fehlt dort ein wenig an anspruchsvollem Inhalt und mehr gravierender Charaktertiefe, mehr Gründe, warum die Figuren so handeln, wie sie handeln. Trotzdem bleibt die Lektüre unterhaltsam und macht einfach Spaß. Die Einblicke hinter die Kulissen der Formel 1 wirken frisch und interessant: Man erhält Einblicke in den Druck, der auf den Fahrern und Teams lastet, die Abläufe vor und während eines Rennens und natürlich auch den Pressekonferenzen und Medien. Deswegen kann man verstehen, warum manche Momente in der Boxengasse so brisant sind. Das gibt der Geschichte einen authentischen Kick, der über das übliche Liebesgeplänkel hinausgeht.
Was die Gefühlswelt der Protagonisten angeht, gelingt dem Buch ein glaubwürdiger Blick auf Ambitionen, Loyalität, Unsicherheit und den Druck, der hinter jeder Kurve lauert. Man erlebt Höhen- und Tiefenmomente mit ohne sich in endlosen inneren Monologen zu verlieren. Nicht jeder literarische Anspruch wird erfüllt, aber das braucht es hier auch nicht: Die Geschichte bleibt bodenständig, direkt und gut zu lesen.
Wer also eine flotte, sexy Rennbahn-Romance sucht, die gut unterhält, spannende Einblicke in das Formel-1-Leben gibt und mit sympathischen Figuren aufwartet, der wird mit diesem Buch fündig. Tiefgang-Manko hin oder her, es macht einfach Spaß, sich von der Geschwindigkeit mitreißen zu lassen. Eine solide, kurzweilige Lektüre ohne großen literarischen Ehrgeiz, aber unterhaltsam, spicy, flüssig.
Von Knochen bis zu Geschichte
Der rätselhafte Verwandte aus der Eiszeit von Silke Vry
Die Sachbuchreihe „Dusty Diggers“ vermittelt spannend und unterhaltsam geschichtliches Wissen für Kinder ab etwa 8 Jahren. Dabei ist der Band „Das Geheimnis vom Neandertaler“ schon der 7. der Reihe. Ohne die Vorgänger zu kennen, konnte ich dem eigenständigen Band gut folgen, der dich um die Entdeckung des Menschen aus der Urzeit dreht.
Der Lesende wird dabei von 2 Kindern der Neuzeit begleitet, mit denen er die geschichtlichen Ereignisse erlebt, entdeckt und verfolgt. Der Begleittext ist als Story verfasst, sodass hier nicht langweiliges und trockenes Wissen vermittelt wird, sondern so aufbereitet ist, dass auch schon jüngere Lesende und Zuhörende gut folgen und verstehen können und gerne am Ball bleiben, um mitzuerleben, wie es weiter geht. Die einzelnen Personen, die in der Geschichte eine wichtige Rolle spielen und historisch belegt sind, werden namentlich vorgestellt und am Ende des Bandes gibt es ein sogenanntes Schatzsucher-Handbuch, in dem schwierige Begriffe erklärt werden.
Die Illustrationen finde ich sehr kindgerecht, teilweise witzig und sehr verständlich dargestellt. Besonders spannend fand ich auch als Erwachsener die Hintergründe zum Neandertaler, von dem man meist nur so eine vage allgemeine Vorstellung hat. Von Grund auf wird erklärt, wie die damalige Suche 1856 nach dem begehrten Kalk zur Herstellung von Eisenbahnschienen zum sensationellen Fund des Neandertalers führte und dass es nicht nur Befürworter der Theorie unseres Vorfahren gab, sondern auch Gegner. Bis in unsere heutige Zeit hinein gibt es viele spannende Berufe, wie z. B. den des Modellierers zur Herstellung von Exponaten in Ausstellungen und Museum, die sich immer noch mit dem Neandertaler befassen. Was die Forschung bisher über diesen herausgefunden hat, ist spannend. Der Lesende erfährt, wie der Neandertaler gelebt und gejagt hat und wie sein Sozialleben war.
Nach dieser tollen geschichtlichen Wissensvermittlung schaut man sich beim nächsten Museumsbesuch den Neandertaler vielleicht mit anderen Augen an. Definitiv auch für Erwachsene eine interessante Buchreihe.
Auf dem Weg zur Identität
How It All Ends von Emma Hunsinger
Tara ist auf der Middle School und noch so richtig und gerne Kind. Sie spielt mit ihrem kleinen Bruder, hat phantasievolle und lustige Tagträume, in denen sie die Heldin in allen möglichen Situationen ist und ihre beste Freundin ist die 22 Monate alter Schwester Isla. Tara führt ein Leben, in dem sie gut zurechtkommt, immer mal wieder Zeit zum Spielen hat und gut in der Schule ist.
Als sie eines Tages jedoch die Mitteilung bekommt, dass sie die 8. Klasse zusammen mit 2 anderen Mitschülern aufgrund ihrer guten Leistungen überspringen darf und sofort nach dem Sommer auf die Highschool wechselt, wird sie in eine völlig andere Welt katapultiert, in der sie sich schwer einfügen kann.
Die Umsetzung der Story ist meiner Meinung nach gut gelungen. Besonders gefällt mir, dass die Graphic Novel in 2 verschiedenen Farben gehalten ist, was auch schon auf dem Cover angedeutet wird. So kann man gut zwischen der Realität und Taras Gedanken unterscheiden. Der Illustrationsstil ist jetzt nicht so meins, denn ich finde ihn teilweise zu hart, „eckig“ und sehr vereinfacht, wodurch sich bei mir beim Lesen keine so rechte Verbindung zur Story einstellen mag. Allerdings finde ich die Darstellung von Taras bisherigem behüteten Leben auf der Middle School und den auf sie einprallenden, erst mal schockierenden Gegebenheiten an der Highschool sehr glaubwürdig dargestellt, Mir gefällt, dass immer wieder Taras Gedanken und Gefühlsleben thematisiert werden und in welch innerem Zwiespalt sie sich befindet. Man kann auch schön miterleben, wie nicht nur sie langsam reifer wird, sondern auch die Schwester, die ihr bisher immer eine große Vertraute und Stütze war und jetzt aber auch zunehmend ins eigene Leben startet.
Das Buch handelt davon, wie Tara zu sich selbst findet und langsam herausfindet, wer sie ist. Ein klassischer Coming-of-age-Roman, der sich für die Altersgruppe ab etwa 10 Jahren genau richtig anfühlt und mit Tara eine Hauptprotagonistin hat, mit der man sich identifizieren kann. Die Graphic Novel halte ich nicht nur für (angehende) Teenager interessant, sondern auch für Eltern, um ihre Kids ein bisschen besser in dieser schwierigen Zeit des Erwachsenwerdens zu verstehen.
Inspirierender Ratgeber voller wertvoller Impulse
Der Rikscha-Fahrer, der dir das Glück zeigt von Biyon Kattilathu
Rikscha-Fahrer Rahul nimmt in seinem gelben Tuk-Tuk-Taxi die verschiedensten Leute mit und schenkt jedem am Ende der Fahrt nicht nur einen materiellen Gegenstand aus seinem kleinen Koffer, sondern oft so viel mehr durch seine klugen Gespräche mit weisen Gedanken.
Die ganze Aufmachung des Buches entspricht dem oft gebrauchten Wort „Wohlfühlbuch“.
Und genau das ist es tatsächlich. Die fröhlichen, lebendigen Farben, die treffenden wundervollen Illustrationen, die Gestaltung und allem voran die Texte, die genau ins Herz treffen, geben einem von der ersten Seite bis zur letzten ein Gefühl der Ruhe, der Erkenntnis und des Verstandenwerdens.
Autor Biyon Kattilathu zeigt mit seinen kleinen Geschichten und Vergleichen treffend auf, was wir oft im Leben vergessen. Da tut es gut, daran erinnert zu werden, wie wertvoll und schön das Leben in unserer hektischen, neidischen und lauten Gesellschaft ist, in der man sich selbst manchmal im Wege steht. Kattilathu holt einen ganz sanft mit seiner Geschichten-Rikscha ab, lässt einen zur Ruhe kommen und einem wieder Dinge bewusstwerden, die man schon vergessen glaubte. Er gibt einem gute Ratschläge, um sein Leben schöner und erfüllter zu gestalten und tut dies mit doch ganz einfachen Mitteln. Ich habe beim Lesen gemerkt, wie viel Leidenschaft und Liebe in diesem Buch steckt. Rahul kann man einfach nur vom ersten Moment an gern haben, als er uns in seiner Rikscha begrüßt. Die Fahrt mit ihm durch seine Geschichten waren für mich oft Erkenntnis. Ohne beeinflussen oder ermahnen zu wollen, schenkt der Autor dem Lesenden Mut, Zuversicht, Glück und Dankbarkeit.
Dieser Ratgeber zeigt eindrucksvoll, wie wertvoll kleine Veränderungen und neue Denkanstöße sein können. Mit seinen verständlichen Erklärungen und alltagstauglichen Tipps lädt er dazu ein, das Gelesene direkt umzusetzen. Ein rundum gelungener Begleiter, den ich allen empfehlen kann, die sich weiterentwickeln und neue Inspiration finden möchten.
Adlerherz
Eagle Rider 1. Deine Kraft findet dich von Britta Sabbag
Man schreibt das 12. Jahrhundert. Tyls großer Bruder war es schon immer bestimmt Ritter zu werden und eines Tages erfüllt sich dessen Traum. Zurück bleibt Tyl beim hartherzigen Vater, der ihm schon immer das Gefühl gibt, nicht erwünscht zu sein. Auf der Suche nach seiner Bestimmung beginnt für Tyl ein großes, unglaubliches Abenteuer, als er eines Tages einen verletzten riesigen Adler findet und pflegt.
Tyl ist mir von Anfang an ans Herz gewachsen. Sein geringes Selbstwertgefühl erklärt sich aus seinen Kindheitserfahrungen, wenn man 11 Jahre lang das Gefühl vermittelt bekommt, man sei nicht gewollt. Britta Sabbag gelingt es, dieses Ungleichgewicht sensibel und nahbar zu schildern, sodass man direkt mit Tyl mitleidet, aber auch an ihn glaubt, sobald sich neue Perspektiven für ihn auftun. Die Wendung kommt, als er einen verletzten riesigen Adler entdeckt und ihn liebevoll gesundpflegt. Diese Begegnung markiert den ersten echten Schritt auf Tyls innerer Reise. Er findet Gleichgesinnte unter den Adlerreitern, Freundschaft, Vertrauen und eine tiefe, fast mystische Verbindung zu seinem Adler. Die Gefühle, die dabei wachsen, sind noch nie dagewesen für ihn. Sie geben ihm Mut und zeigen ihm, wozu er innerlich fähig ist, wenn man ihn nur lässt. Die Darstellung dieser neu gewonnenen Verbindung wirkt authentisch und warm.
Der Konflikt mit den finsteren Falkenreitern treibt die Handlung in eine neue, gefährliche Dynamik. Die Welt der Adlerreiter wird bedroht, und Tyl landet mittendrin. Nicht als Randfigur, sondern als jemand, der sich behaupten muss. Die Spannung zieht früh an, aber der Fokus bleibt auf Tyls Entwicklung. Wie geht er mit Angst, Gefühlen und dem neuen Selbstbewusstsein um? Die Illustrationen von Raimund Frey tragen die Stimmung stimmig weiter.
Der Schreibstil von Britta Sabbag ist lebendig und direkt und somit eine ideale Lektüre für junge Leser ab 8 Jahren, zum Selberlesen oder Vorlesen geeignet. Die Erzählung bleibt nah an Tyls Perspektive, wodurch seine inneren Prozesse greifbar bleiben, wie seine Sehnsucht nach Zugehörigkeit, sein Mut, sich zu öffnen, und das zarte Vertrauen, das sich nur langsam, aber verlässlich entwickelt. Die Balance zwischen spannendem Abenteuer und gefühlvollem Coming-of-Age gelingt der Autorin besonders gut.
Tyls Reise von Selbstzweifeln zu Selbstbewusstsein, begleitet von treuen Freunden, einer tiefen Bindung zu seinem Adler und dem mutigen Blick in eine bedrohte Welt, macht dieses Buch zu einer spannenden Lektüre für junge Leser. Es ist berührend, hoffnungsvoll und inspirierend und eine wunderbare Erinnerung, daran zu glauben, dass jeder eine Bestimmung finden kann, auch wenn der Weg zunächst unsicher erscheint.
Mehr als nur eine Lovestory
Und alles zerbricht (Paper Hearts 1) von Maxine Reuker
Mila fällt aus allen Wolken, als ihre Eltern ihr einen Umzug in die Schweiz wegen einer beruflichen Chance ihrer Mutter mitteilen. Das heißt für Mila: weg von ihrer besten Freundin Juno, weg aus ihrem heilen Idyll inmitten eines großen Anwesens in Berlin, weg von all dem Vertrauten, was dem Teenager wichtig ist und weg, bevor ihre lang geplante Sweet-Sixteen-Party mit ihrer besten Freundin stattfinden kann.
Dass auch der Umzug für ihren Vater alles andere als leicht ist, wird mit der Zeit immer deutlicher und sowohl Mila als auch der Vater rutschen in etwas hinein, aus dem es irgendwann ausweglos erscheint.
Das Jugendbuch ist keine leichte Kost und ich hätte mir die am Ende des Buches enthaltene Triggerwarnung deutlich früher, ja zu Beginn des Buches gewünscht. Autorin Maxine Reuker greift schwierige, aktuelle und sensible Themen wie Essstörung und Alkoholsucht auf. War sie selbst einst von ersterem betroffen, weiß sie, wovon sie schreibt und das merkt man ihrer Hauptprotagonistin Mila auch an. Die Figur hat Tiefe, man kann ihre Gedanken gut nachvollziehen und erlebt die schleichende Wandlung eines fröhlichen Teenagers zu
einer von Selbstzweifeln und Kontrolle bestimmten Jugendlichen. Dabei ist schockierend zu beobachten, wie diese Krankheit sich allmählich langsam entwickelt, bis sie so groß und raumeinnehmend wird, dass man alleine nicht mehr dagegen ankommt. Emotional geht dieses Buch sehr tief, denn die Story zeigt nicht nur einen Menschen, der sich selbst immer mehr aus den Augen verliert. Auch der Vater ist seinen Problemen nicht mehr gewachsen und für den Lesenden ist es fast schmerzlich mitanzusehen, wie die einst glückliche Familie immer mehr zerbricht.
Die Autorin hat einen packenden Schreibstil, der für die junge Zielgruppe genau richtig erscheint. Nichtsdestotrotz geht Milas Entwicklung an manchen Stellen zu schnell, wodurch ihre innere Wandlung teilweise sprunghaft wirkt. Zwar werden ihre Gedanken und Unsicherheiten nachvollziehbar geschildert, doch bleibt für mich die tatsächliche Tragweite der Essstörung zu undeutlich. Es wird nicht ausreichend herausgestellt, wie gravierend und potenziell lebensbedrohlich diese Erkrankung sein kann – sowohl körperlich als auch psychisch. Dadurch verliert die Darstellung an Dringlichkeit, und die Ernsthaftigkeit der Thematik tritt stellenweise in den Hintergrund. Eine intensivere Auseinandersetzung mit den langfristigen Folgen hätte der Geschichte mehr Tiefe und Authentizität verliehen.
Beim Lesen hatte ich das Gefühl, dass unbedingt noch eine Lovestory eingefügt werden musste, damit sie ins Genre des Jugendbuchs passte. Die Beziehung entwickelt sich sehr schnell, wodurch das Vorgehen des Jungen teilweise überstürzt und wenig einfühlsam wirkt. Statt die Handlung zu vertiefen, lenkt die Romanze stellenweise von der eigentlichen Problematik ab und mindert die Ernsthaftigkeit des Themas.
Insgesamt behandelt der Roman ein wichtiges und aktuelles Thema, das gesellschaftlich nach wie vor hohe Relevanz besitzt. Besonders gelungen ist die einfühlsame Darstellung von Milas Gedankenwelt, wodurch ihre innere Zerrissenheit nachvollziehbar wird. Dennoch wirkt ihre Entwicklung stellenweise zu schnell, und die Gefährlichkeit der Essstörung wird nicht immer deutlich genug herausgearbeitet. Auch die eingefügte Liebesgeschichte erscheint teilweise konstruiert und lenkt vom ernsten Kern der Handlung ab. Trotz dieser Schwächen regt das Buch zum Nachdenken an und sensibilisiert für die Problematik.
ein Buch, das keine Wünsche offenlässt
Tiere und Pflanzen lebensgroß von Daniela Strauß; Dr. Hannes Petrischak; Holger Haag; Felix Weiß; Katrin Hecker
Mit „Tiere & Pflanzen lebensgroß“ hält man einen wahren Schatz der Familienbibliothek in den Händen. Egal, ob man wie ich noch etwas Nachhilfe in Sachen Flora und Fauna gebrauchen kann oder schon ein guter Kenner der Tiere und Pflanzen ist, dieses Naturbuch ist für die ganze Familie rund ums Jahr geeignet.
Mit einer übersichtlichen Erklärung gleich zu Beginn hat man einen tollen Leitfaden an der Hand, wie man sich gut im Buch zurechtfindet. Es ist thematisch in die 4 Jahreszeiten untergliedert und dort je noch mal farblich in Tiere und Pflanzen aufgeteilt. Als besonderes Zuckerl gibt es sogar eine kostenlos herunterladbare App für das Handy, auf der die Tierstimmen zu hören sind. Besonders beeindruckend und eine innovative Idee ist, dass zu jeder Tier- und Pflanzenart 1 Foto in Originalgröße des Tieres/der Pflanze existiert, sodass man sich mit den dazugehörigen Informationen im Text dieses Tier/die Pflanze besonders gut vorstellen kann.
Mir gefällt die Übersichtlichkeit, mit der das gesamte Buch gestaltet ist. So kann man sich je nach Jahreszeiten die gewünschten Informationen heraussuchen. Zudem gibt es passend zum Jahreskreis kleine Bastelideen, Rezepte, interessante Zusatzinformationen und Tipps.
Mit ansprechenden Bildern, wunderschönen Naturaufnahmen, faszinierenden Fakten, leicht verständlichen Texten und anschaulichen Grafiken und Zeichnungen kann das Buch sowohl Kinder als auch Erwachsene begeistern und ein schöner Begleiter bei Ausflügen in die Natur sein und lädt dazu ein, die Vielfalt der Natur gemeinsam zu entdecken und zu schätzen. Dabei weckt es Neugier und fördert das Bewusstsein für die Tier- und Pflanzenwelt.
Abschließend kann ich das Buch wirklich nur wärmstens empfehlen und sagen, dass es ein wunderbarer Band ist, der keine Wünsche offenlässt.
Ein Held mit zwei Gesichtern
Action Dude 1: Zoff im Freizeitpark von Andy Riley
Eigentlich ist Charlie ein ganz normaler Junge mit den alltäglichen Problemen eines 9jährigen. Doch in seiner zweiten Identität ist er Action Dude – Vorname Action, Nachname Dude. Und das sogar mit eigenem offiziellem Heldenausweis. Da bewältigt er sämtliche Schwierigkeiten, die sich ihm in den Weg stellen mit Humor, Glück, Geschick und Ideenreichtum.
Der Comic überzeugt mit witzigen Dialogen, einfachen aber ausdrucksstarken Illustrationen ganz in schwarz-weiß-orange gehalten und Situationen, die aberwitzig und abgefahren anmuten. Das ist genau der richtige Ansatz, um die Zielgruppe der Lesenden von etwa 8 Jahren zu begeistern. Dabei gefällt mir auch, dass Charlie ein ganz normaler Junge ist, mit dem sich die Kids identifizieren können. Er muss sich mit den üblichen Problemen von Kindern und Jugendlichen herumschlagen, wie z. B. Einkäufe für seine Mutter erledigen, die er dann nicht einmal zur vollen Zufriedenheit erfüllen kann. Doch in seiner Phantasie ist er Action Dude und stellt sich den Herausforderungen des Alltags mit ganz speziellen Lösungsansätzen und Kreativität. Das, finde ich, ist eine tolle Botschaft an die jungen Lesenden, denn hier wird gezeigt, dass man durch das Betrachten aus verschiedenen Perspektiven durchaus auch kreative Lösungen finden kann. Besonders schön kommt hierbei raus, dass der Mut zu unkonventionellen Ideen und das „Um-die-Ecke-Denken“ vermittelt wird. Action Dude zeigt, dass Vorstellungskraft eine Stärke ist und kein Unsinn. So fühlen sich die kleinen Lesenden ermutigt, eigene Ideen zu entwickeln und kreative Lösungswege zu suchen. Da Action Dude alias Charlie aber auch ein Kind mit ganz normalen Schwächen und Stärken ist, zeigt er, dass man sich innerlich stark fühlen darf, auch wenn man äußerlich unsicher ist. Das kann besonders schüchternen oder unsicheren Kindern helfen, ein stärkeres inneres Selbstbild zu entwickeln.
Der Comic ist zwar in erster Linie eine phantasievolle coole Action-Story mit viel Humor und Kreativität, doch wenn man genauer hinsieht, entdeckt man dort eben auch die Effekte, dass die Geschichte Kinder ermutigen kann, eigenen Kreativität auszuleben, ein stärkeres inneres Selbstbild zu entwickeln und soziale Unsicherheiten zu bewältigen.











