Kunden em pfehlungen
Rezensionen von BR:
zu viele Klischees
Pi mal Daumen von Alina Bronsky
Mir selbst hat das mathematische Thema sehr gut gefallen. Man muss ja nicht jede Einzelheit verstehen aber die Komplexität und auch die Begeisterung und Faszination für Mathematik wurde gut rübergebracht. Aber in der Summe habe ich mich an den überzeichneten Klischees gestört.
So hat Oscar als Ich-Erzähler immer wieder sehr herablassend von Moni gesprochen: sie immer wieder als dumm bezeichnet, das angestrebte Mathematik-Studium als sinnlos, ihre abgegebenen Leistungen durch die Gemeinschaftsarbeit nur von ihm erbracht, eine 52 Jahre Oma ist wohl nicht mehr lernfähig usw.
Zum Anfang als er sie bei der ersten Begegnung im Hörsaal als Putzfrau eingeordnet hatte war das noch humorvoll aber nicht mehr nach der Hälfte des Buches wo er sie doch so gut kennengelernt hatte. In dieser Zeit hatte sie sich vielfältig um ihn gekümmert, ihn in einem Notfall sogar bei sich zuhause aufgenommen.
Ben ist mir unsympathisch
Sobald wir angekommen sind von Micha Lewinsky
Ich merke es fällt mir schwer ein Buch gut zu finden, wenn ich den Protagonisten nicht mag. Diesen Ben Oppenheim mochte ich von Anfang an nicht. Er ist Jude, erfolgloser Autor, Vater von zwei Kindern und wurde von seiner Ehefrau Marina verlassen. Mittlerweile hat er eine Beziehung zu der jüngeren, attraktiven Julia.
Als wir ihn kennenlernen ist er mit der Angst vor einem drohenden Atomkrieg beschäftigt. Aus seiner Sicht sollte er seinem jüdischen Fluchtinstinkt folgen und aus Europa fliehen. Da er sich mit seiner Exfrau bespricht und Brasilien als ideales Ziel definiert bucht diese kurzentschlossen einen Flug für sich, Ben und die beiden Kinder. Seine Freundin Julia informiert er gar nicht und hatte auch keinen Gedanken darin, eventuell sie und ihren Sohn mitzunehmen. Diese Angst und der Fluchtgedanke können in der heutigen Zeit real sein.
So wie es Ben definiert und erlebt ist dieses Thema recht unterhaltsam und mit Humor übermittelt. Sein Verhalten und sein Umgang mit den beiden Frauen wird ironisch und auch teils tollpatschig geschildert.
Was mich gestört hat ist der Charakter von Ben. Ein Beispiel dazu auf Seite 67 zu finden: "Er hätte gerne eine eigene Wohnung gehabt. Er sah die Vorteile der Unabhängigkeit. Er sah aber auch die Nachteile. Das Alleinsein. Ungewaschene Wäsche, Schimmel im Bad, Herzinfarkt, …"
Ben ist bequem, auf sich bezogen, zu nichts bezieht er klar Stellung. Wenn er es doch einmal tut z.B. als er sich von Brasilien aus von Julia trennt, bereut er gleich darauf wieder. So ist er in diesem Fall sogar beleidigt dass Julia sich nicht doch meldet bzw. dass sie wohl zuhause ihr Leben weiterlebt und sogar mit einer Freundin verreist.
großartig
Der Bademeister ohne Himmel von Petra Pellini
Die Ich-Erzählerin Linda wurde im Wohnhaus vor einiger Zeit von der Tochter des demenzkranken Hubert angesprochen ob sie dreimal pro Woche ein paar Stunden bei dem kranken Vater verbringen könnte. Damit würde sie der polnischen Pflegerin Ewa feste freie Zeiten ermöglichen. Linda ist erst 15 Jahre alt ist.
Ich fand das schon außergewöhnlich, dass man sich in dem Alter darauf einlässt einen alten Menschen zu betreuen/zu besuchen, der nicht mit ihr verwandt ist.
Linda hat ein sehr feines Gespür für Hubert. Sie denkt darüber nach, was er wohl wahrnimmt, ob er sich wohlfühlt und freut sich über kleine Gesten die sie ihm hervorlocken kann. Im Gegensatz zu Huberts Tochter die zum Beispiel bei einem Ausflug nur mit sich und ihrem Handy beschäftigt ist anstatt dem Befinden ihres Vaters Aufmerksamkeit zu schenken.
Ihr eigenes Leben ist eher mühselig. Die Schule nervt, sie kommt mit Mathe nicht gut zurecht. Zu ihrer alleinerziehenden Mutter hat Linda kein gutes Verhältnis. Ansonsten ist ihr nur ein Mensch wichtig, Kevin. Die beiden kennen sich seit Kindertagen, er ist sehr intelligent aber scheitert auch daran seinen Platz im Leben zu finden.
Linda merkt wohl selbst nicht welche große Leistung sie mit ihrer Begleitung erbringt. Und besonders gut tut sie Ewa. Linda ermöglicht ihr nicht nur die paar freie Stunden sondern steht ihr auch in der restlichen Zeit zur Seite mit Nähe und Freundschaft. Nur langsam wird uns Lesern und auch Linda bewusst dass sie sich mit der Struktur und der Auseinandersetzung mit den beteiligten Menschen selbst ein gutes Fundament für ihr weiteres Leben geschaffen hat. Über eine tragische Wendung am Ende bin ich ziemlich erschrocken, kann sie aber doch gut akzeptieren.
Leidenschaft für Pilze
Mushroom Fever von Moritz Schmid
Bei dem Buch war ich speziell darauf gespannt ob ich mit meiner ca. 10-jährigen Pilzerfahrung noch was neues dazu lernen kann. Bei dem Textteil habe ich schon das Thema Waldtypen und Zeigerpflanzen entdeckt, da habe ich noch Nachholbedarf. Und es war mir neu dass man in allen vier Jahreszeiten nach Pilzen schauen kann.
Die absoluten Hinkucker dieses Buches sind die Fotos. Ich selbst kenne es dass ich im Wald vor einem schönen Pilz niederknien und auch ein gutes Fotos davon machen möchte. Aber diese Pilz-Aufnahmen in diesem Buch sind nicht zu toppen. Dazu noch die Stimmungbilder aus dem Wald, mal mit Nebel, Sonnenschein, Schatten und Gegenlicht. Richtige Kunstwerke.
Es ist definitiv kein Pilzbestimmungsbuch. Aber die Auswahl der 20 Arten die der Autor in den „Artporträts“ vorstellt entsprechen genau meinem Geschmack. Es freut mich echt, dass ich den größten Teil davon kenne und alle meine Favoriten dabei sind.
Was mir nicht gefällt ist eindeutig der Titel, auch das Coverfoto finde ich nicht gelungen. Da kann so manch Interessierter übersehen, dass das Thema des Buches Pilze sind. Da dies aber Geschmacksache ist werde ich es in meiner Bewertung nicht berücksichtigen.
Zuflucht auf Rügen
Windstärke 17 von Caroline Wahl
Auch ich war von "22 Bahnen" begeistert. Jetzt konnte ich anfangs nicht so viel mit der erwachsenen Ida anfangen. Ich wusste nicht warum sie sich fast feindselig zu ihrer Schwester Tilda verhielt und bei ihrer Flucht aus der Wohnung der Mutter überall hin wollte, nur eben nicht zu Tilda. Die blieb Ida immer nahe und hatte sie wohl so oft es geht in freien Zeiten zu sich geholt.
Aber es ist klar dass kein Mensch in so jungen Jahren so viel schlimme Erlebnisse wie Ida erleben sollte. Dass sie dann auf Rügen landete war auf jeden Fall ein Glücksgriff für Ida.
Erst zum Schluss hin habe ich bemerkt wie schwer Ida mit dem Tod ihrer Mutter zu kämpfen hatte. Nach und nach bekommen wir eine Ahnung davon was Ida zuhause mit ihrer Mutter erlebte seit Tilda von dort weggezogen war. Als besondere Gabe von Caroline Wahl sehe ich die Gestaltung der drei Figuren Marianne, Knut und Leif. Deren Persönlichkeit, die Dialoge mit ihnen und auch die Überraschungen waren für mich ganz große Kunst.
wohlgefühlt
Das Licht in den Birken von Romy Fölck
Nach über 20 Jahren will die Mittfünfzigerin Thea ihr Auswandererleben in Portugal aufgeben und wieder zurück in ihre norddeutsche Heimat. Dort landet sich als Mieterin bei dem zurückgezogen lebenden Benno auf dessen Lebenshof für Tiere in der Lüneburger Heide. Durch Zufall kommt noch die junge Juli hinzu, nachdem Benno sie mit verletztem Fuß im Wald aufgefunden hat und sie für die nächsten Wochen der Genesung auf dem Hof bleiben kann.
Alle drei haben Lebenskrisen mit Verletzungen und Enttäuschungen hinter sich und die vergangenen Jahre mit der Corona Pandemie hat zusätzlich vieles schwerer gemacht.
Ich fand alle Figuren detailliert und stimmig beschrieben. Vom Wesen her sehr unterschiedlich aber insgesamt begegnen sie sich auf einer verbundenen, mitfühlenden Art.
Ja es stimmt das in den wenigen beschriebenen Wochen wirklich viel passiert und irgendwie ins Positive gedreht wird. Aber dies hat mich nicht gestört, es war interessant was sich wie in welche Richtung entwickelt. Ich habe mich wohlgefühlt mit diesem Roman.
Naja
Was der See birgt von Lenz Koppelstätter
Ich liebe Lenz Koppelstätters Südtirol Krimis um die Commissari Grauner und Saltapepe und habe diese alle mit Vergnügen gelesen. Leider kommt dieser Gardasee-Krimi nicht an die Raffinesse, das Ermittlerteam und die gelungene Einbindung der Fälle in Südtirols Täler heran.
Der eigentliche Fall und seine Auflösung hat mich gar nicht angesprochen: Ein elitärer Geheimbund, geführt von einem unbekannten Großmeister; geheime, dekadente Partys mit maskierten Mitgliedern.
Irgendwie alles schon mal gesehen in "Eyes Wide Shut".
Nachdem ich nun die Reporterin Gianna, ihren Onkel Francesco und ihre Chefin Elvira kennengelernt habe, werde ich einem zweiten Band dieser Reihe eine Chance geben. Da hoffe ich aber, dass dann ein Fall präsentiert wird der näher an den Menschen, dem Alltag und der schönen Gegend des Gardasees ist.
anders als erwartet
Die Entflammten von Simone Meier
Ich wusste bisher sehr viel über Vincent van Gogh und seine enge Beziehung zu seinem Bruder Theo. Im Amsterdamer Museum konnte ich neben seinen Bildern auch viel über seine Lebensgeschichte erfahren, untermauert von Briefen zwischen den beiden Brüdern.
Und trotzdem hatte ich keine Ahnung, dass Theos Witwe Jo van Gogh-Bonger einen so großen Anteil daran hatte, Vincents Werk der Nachwelt zu übermitteln.
Das war der Hauptanreiz für mich, dieses Buch zu lesen.
Der Schreibstil hat es mir schwer gemacht. Besonders die Anteile um die junge Kunststudentin Gina in der Jetzt-Zeit waren zähfließend. So zog sich z.B. ein Kapitel über fast 50 Seiten, darin tausende Gedanken Ginas über ihr Leben und ihre Familie, durchwirkt von fiktiven Begegnungen mit Jo.
So ist definitv mein Wissen um die Geschichte von Theos Frau Jo angewachsen aber ohne meine Begeisterung für das Buch zu entflammen.
begeistert
Nature Guide Vögel von Kalle Nibbenhagen
Da wo ich wohne gibt es recht viele Vögel. Ich hatte ein Schlüsselerlebnis: Meine Schwester war zu Besuch, stand bei mir im Garten und sagte "Hör mal, ein Turmfalke". Zeigte nach oben, tatsächlich stand er da am Himmel. Ich hatte vorher weder den Gesang noch den Vogel selbst wahrgenommen.
Da bin ich erst auf die Erkenntnis gekommen, dass man Vögel aufgrund ihres Gesanges klar bestimmen kann. Und genau das beschreibt dieser Vogel Guide. Es gibt viele Ausführungen was jeweils typisch ist am Aussehen und Verhalten der einzelnen Vogelarten. Ein besonderes Erkennungsmerkmal ist zusätzlich der Gesang. Kalle Nibbenhagen gibt jede Menge guter Tipps zur Beobachtung um den jeweiligen Vogel klar zu identifizieren und ein Wissen aufzubauen.
Insgesamt bin ich begeistert von diesem Buch: optisch sehr ansprechend, eine sehr gute Struktur und viele sehr gute Fotos. Das kleinere Format ist ideal um es auch mal im Rucksack mit nach draußen zu nehmen. Die modernen Elemente dieses Buches heben es gegenüber älteren Bestimmungsbüchern ab. Auf YouTube kann man auf zwei Kanälen den Autor mit seinen Beiträgen kennenlernen. Dann noch die App die es ermöglicht über die im Buch angegebenen Nummern entweder die Vogelstimmen oder Filme aufrufen. Das werde ich gerne ausprobieren.
Ein Sachbuch ist ja nicht dafür gedacht, dass man es am Stück durchliest. Ich bin mir sicher dass ich es gerne immer wieder zur Hand nehmen werde um einen Vogel zu identifizieren. Gerade jetzt wo der Frühling mit ganzer Macht gestartet ist freue ich mich darauf.
großartig
Himmelwärts von Karen Köhler
Toni und ihre beste Freundin YumYum verbringen eine Nacht im Zelt im Garten. Ihr Ziel ist es mit einem präparierten Radio Kontakt zu Tonis verstorbener Mutter aufzunehmen.
Dies ist nicht einfach ein Abenteuer, denn die Trauer um die Mutter überlagert alles. Die beiden erzählen uns ihre Erinnerungen, so dass wir Leser uns ein gutes Bild über das Zusammenleben von Toni und ihrer Mutter machen können.
In jedem Satz merkt man die tiefe Trauer und den Schmerz, den Toni empfindet. Und wenn YumYum von ihrer Zeit mit Tonis Familie erzählt merkt man dass die Mutter ihrer besten Freundin auch ihr sehr fehlt.
Das Buch erzählt großartig von Freundschaft und Zusammenhalt, von Trost und vom Mut zum weiterleben. Eine so gute Freundin wie YumYum wünscht man jedem, nicht nur bei einem so schweren Schicksalsschlag wie der Tod der Mutter. Das wichtigste ist dass YumYum Toni nicht alleine lässt, was ja leider oft passiert.
Ich als Erwachsene ohne Kinder habe nur wenig Begegnungen mit Büchern für Kinder oder Jugendliche. Aber dieses Buch hat mich sehr angesprochen und ich denke, dass es vom Thema und besonders vom Schreibstil jungen Menschen viel geben kann. Die Illustrationen von Bea Davies gefallen mir sehr gut und ich finde sie passend zum Lesealter. Besonders das Bild auf dem Cover mit dem kleinen roten Zelt in der großen Welt ist stimmig.











