Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Astrid:
Selbsthilfegruppe bei Kaffee und Kuchen
Café Finito von Sybil Volks
Sehr gut gefällt mir, dass die einzelnen Charaktere anfangs in wenigen Sätzen vorgestellt werden. Ich mochte es, gleich einen Überblick zu haben.
Besonders packten mich die Freundinnen Mira und Carla, aber auch Lizzie, die nach langen Jahren des Zusammenlebens ihren Mann verlor. Matthias hingegen kann seine Geliebte nicht offiziell betrauern, ist da doch deren Ehemann, dem diese Aufgabe zufällt.
Matthias hat daher eine Art 'Außenseiterschicksal' zu ertragen und wirft sich zudem vor, sich beim letzten Treffen (von dem er ja nicht wusste, dass es das letzte sein würde) nur oberflächlich von seiner Geliebten verabschiedet zu haben.
Gegen Ende hin, wird es für einige Seiten zäh und auch etwas verworren. Zumindest empfinde ich das so. Wohingegen der Abschluss sehr stimmig, sogar tröstend ist.
Vorurteile und menschliche Kälte
Das Nest von Sophie Morton-Thomas
Ein Krimi, der die Seelen der Lesenden spaltet, verfasst mit einer gewissen Kälte und einer Isoliertheit, die zu schaffen macht. Und dann erst die Protagonisten. Als würde es nicht genügen, dass die Einheimischen ihre Probleme haben. Schließlich kommen Fremde ins Dorf und jeder und jede reckt die Hälse.
Dabei, so habe ich den Eindruck, braucht man sich gar nicht nach 'den Anderen' umzusehen, denn die düstere Stimmung weist darauf hin, dass etwas ganz in der Nähe im Argen liegt.
Die gesamte Stimmung im Buch trägt dazu bei, einen in die Irre zu führen. Die Menschen sind eigenartig, verschlossen, interessant und anstrengend. Sie reden nicht über Probleme. Sie verschließen sich in sich selbst. Alle. Und nur zum Teil kennen wir ihre Gedanken, bis dann am Ende plötzlich alles eine Wendung nimmt, die …
Wer einen Wohlfühlkrimi braucht, Cosy-Crime mit einem Ermittlerpaar, das sich nach der Auflösung eines Mordes in die Arme fällt, Eis schleckt und sich dabei liebevolle Blicke zuwirft, der meide dieses Buch.
Wer die Schwärze der menschlichen Seele kennenlernen möchte, Abgründe und emotionale Kälte, der gönne sich dieses Buch.
Endlich mal kein Kitschroman ...
Pinguine fliegen nur im Wasser von Henriette Krohn
Es gibt sie, die Bücher, die man mit einem Seufzer zur Seite legt und sich über das Ende freut. 'Pinguine fliegen nur im Wasser' ist so ein Roman. Endlich mal kein Kitsch, endlich mal keine Schwerpunkte auf weibliche und männliche Schönheit, die nicht anders kann als sich zu finden und übereinander herzufallen.
Da ist kein Held, der einem hilfebedürftigen Weibchen zur Seite eilt, denn der Held hat genug mit sich und seinen Sorgen zu tun. Da ist keine Frau, die dahinschmilzt, weil er den Raum betritt. Und: Endlich mal keine schmalzigen Sexszenen.
Was man als Lesender dafür bekommt: Tiefgang, Gedanken & all die Wunden, die eine Gesellschaft und das Leben hinterlässt, Hilfsbereitschaft, Einblicke in Welten und die darin lebenden Menschen, die nicht immer der gängigen Norm entsprechen, Verständnis und Lebensfreude.
Gute Sommerunterhaltung!
Die Frauen vom Rosenhag. Traum vom Neubeginn von Corina Bomann
Knapp 600 Seiten, die derart zu fesseln vermochten, dass sie ziemlich rasch gelesen waren. Gefallen hat mir, dass gesellschaftliche Normen aufgezeigt wurden. Worüber man heute vielleicht den Kopf schüttelt, war damals das Leid vieler Frauen, z. B. wenn eine Erbschaft an die Ehefrau automatisch in die Verfügungsgewalt des Mannes überging, z.
B. wenn nach einem ehelichen Streit oder nur einem Zuwiderhandeln sofort mit einer Abschiebung in eine Nervenheilanstalt drohte.
Die Figuren haben mir gefallen. Sie lassen sich nicht nur die Sonne ins Gesicht scheinen, sondern sind Gegenwind ausgesetzt.
Der Schreibstil selbst ist angenehm. Die kurzen Kapitel lassen immer wieder Neugier auf das nächste aufkommen.
Keine 'leichte Kost'!
Zwei Leben von Astrid Korten
Großmutter Xanna ist tot und mit ihrem Ableben begreift Nora, dass sie es verabsäumt hat, mehr über ihre Oma zu erfahren. Als sie beim Aufräumen ein Holzkäschen mit ungewöhnlichem Inhalt findet, ahnt Nora, dass Xanna viel zu erzählen gehabt hätte. Und dass sie viel zu erzählen hat, erfahren wir recht bald.
Zwei Leben ist eine Geschichte, in der es um Verlust geht, aber auch darum, sich wieder aufzuraffen und ein neues Leben zu beginnen, nach allerlei furchtbaren Geschehnissen. Ein spannender Roman. Ein bedrückender Roman. Gleichzeitig aber auch eine Erzählung, die Hoffnung zulässt.
Interessante Verflechtung zahlreicher Figuren aus anderen Romanen der Autorin
Tod der Autorin von Birgit Rabisch
Was ich beim Lesen vermisste? Eine konsequente Fortführung der Ich-Erzählperspektive.
Erzählt wird aus dem Leben der Figuren, die in den bereits herausgegebenen Romanen der Autorin die tragenden Rollen spielen. Die Vermischung von Erinnerungen, von Lebenserfahrung, von Verlusten, Freude und schwierigen Lebenssituationen machen dieses Buch zu einem Krimi, einer Dystopie, einem Roman, zur Fiktion einer Autorin …
Zwar könnte man autobiografische Züge darin erkennen, aber am Ende ist es keine Biografie, sondern ein Treffen unterschiedlicher Persönlichkeiten.
Das macht die Geschichte interessant, denn die Tischgespräche mit den Gästen sind unterhaltsam und regen zum Nachdenken an. Es geht um Alltägliches, um Schwangerschaften, gesellschaftliche Rollen und Normen, Politik, Feminismus, Lebenserfahrung, Selbstironie, Krieg, Tod und Leben.
Ein ungewöhnliches Buch.
Nicht alles muss einen Zweck erfüllen ...
Tomke gräbt von Lena Hach
Es braucht nicht immer einen Grund. Nicht alles muss einen Zweck erfüllen. Manchmal geht es nur darum, etwas in aller Ruhe zu tun.
Tomke gräbt. Die Erwachsenen wollen wissen, warum er das macht. Außerdem sind sie neugierig, was denn das nun werden soll und jeder, auch die Geschwister und Nachbarn haben ihre Theorien.
Doch Tomke gräbt einfach weiter. Aus Lust. Er gibt sich seiner Tätigkeit hin. Dass er am Ende müde ist, war zu erwarten
‚Tomke gräbt‘ ist ein Vorlesebuch für Kinder ab 2 oder 3, das sagt: Mach einfach mal das, was du tun magst, ohne an ein Ziel zu denken. Irgendwas wird schon draus werden. Und bestimmt gibt es viele spannende Sachen zu entdecken … unterwegs.
Familienbande, Familien-Bande ...
Benefiz. Ein Plädoyer für weibliche Solidarität von Sabine Lehmbeck
Die Protagonistinnen sind aus dem Leben gegriffen: Besonders mochte ich Karla und Sima. Das sind insofern gute Charaktere, weil die Eine aufgrund ihrer Jugendlichkeit und Verletzlichkeit besonders ist (Karla), Oma Sima hingegen hat schon viel gesehen und erlebt.
Mit allen Personen der Handlung wurde ich rasch warm.
Alle haben sie ihre Wünsche und tragen ihre Bürden. Von allen findet sich immer ein Stückchen oder eine Charaktereigenschaft auch in mir. Das bewirkt, dass ich mich leicht hineinlesen und nicken oder den Kopf schütteln konnte.
Gleichzeitig zeigen die Geschichte ein Sittenbild und eben das normale Leben. Ein Leben, das man von außen nicht sieht, weil man nicht in der Haut dieser Frauen steckt.
Das Buch war fast zu flott zu Ende, über diese Heldinnen des Alltags hätte ich noch gern mehr gelesen.
Keine oberflächliche Liebesschnulze, sonder eine echte Liebeserklärung!
Das rote Vogelmädchen von Stephanie Marie Steinhardt
Die Geschichte ist eine Liebeserklärung von ihr (Bene) an ihn (Jacob).
Das Schöne an diesem Text ist, dass auch Jacobs Gedanken einfließen, und darin beantwortet er Benes Liebeserklärung.
Das Buch ist angenehm anders.
Niemand hetzt darin von Sexszene zu Sexszene, was ich als wohltuend empfinde.
Niemals trieft das Schmalz.
Alle sonst üblichen Klischees werden außen vor gelassen. Ach wie schön!
Bene ist ein ‚bunter Vogel‘. Sie ist das rote Vogelmädchen, liebenswert, durchaus mal hektisch, voller Gedanken und (Selbst)Zweifel.
Jacob ist der ruhige und verantwortungsvolle, eher nachdenkliche Mensch an ihrer Seite. Beide sind sie sehr kreativ.
Einfühlsam lassen uns Bene und Jacob an ihrer Liebe teilhaben und nehmen uns auf diese Weise mit in ihre Welt.
Sie beobachten, teilen Gedanken, Erinnerungen und schildern ihre jeweiligen Sichtweisen und Empfindungen.
Die Romanhandlung findet im Dezember statt und beginnt mit dem 01.12.
Der Lesende kann die Geschichte durchaus als Adventkalender lesen, denn sie unterteilt sich in 24 Kapitel.
‚Das rote Vogelmädchen‘ ist also nicht nur eine Liebeserklärung, sondern auch ein literarischer Adventkalender der besonderen Art.
Übelkeitsgarantie!
Nach Ibiza von Julian Hessenthaler
Als Österreicherin würde ich schmunzelnd sagen: "Der Hessenthaler war ein Hallodri." Das ist nicht unbedingt negativ gemeint. Vor allem, weil ich dabei schmunzle. Ein Hallodri zu sein, bietet die Voraussetzungen für Wagemut und Hasardspiele. Womöglich sind das Charakterzüge, die für Rückgrat im richtigen Moment sorgen.
Das weiß man aber erst hinterher.
Natürlich wissen wir längst mehr, aber eben trotzdem noch zu wenig.
IBIZA verbinde ich automatisch mit Strache und Gudenus und nicht automatisch mit Urlaub. Mit der Verführbarkeit dieser Hauptfiguren wiederum verbinde ich, dass Menschen in Machtpositionen bereits dann gefährlich (für eine Demokratie) sind, wenn sie auch nur gedanklich oder verbal von Werten abweichen, denn in deren Positionen ist es vom Denken zum etwas tatsächlich Tun können nur ein kleiner Schritt.
Lesenswert mit Übelkeitsgarantie, besonders auf den letzten Seiten.











